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Westfalen-Blatt / Lübbecker Kreiszeitung , 23.08.2017 :

AfD im Mühlenkreis stellt Ziele vor

OWL- und Kreiskandidat beziehen Stellung zu aktuellen Fragen

Rahden / Kreis Minden-Lübbecke (ni). Ziele und Kandidaten für die Bundestagswahl hat die Alternative für Deutschland (AfD) gestern in Rahden vorgestellt.

Jürgen Sprick (58) aus Petershagen tritt ohne Listenplatz als Kandidat für den Mühlenkreis an. Udo Hemmelgarn (58) aus Harsewinkel ist Sprecher der AfD für den Regierungsbezirk Detmold und geht mit Platz acht auf der Landesliste in den Bundestagswahlkampf.

Mit dabei bei der Vorstellung des Wahl-Programms waren Burkhard Brauns (54), stellvertretender Kreisvorsitzender aus Minden, und Hans-Ulrich Post, Parteimitglied aus Rahden.

Industriekaufmann Hemmelgarn ist verheiratet und hat eine 35-jährige Tochter und zwei Enkel. Er ist selbstständiger Kaufmann in der Immobilien- und Gastronomiebranche. Jürgen Sprick (verheiratet, vier Kinder) absolvierte ein Elektrotechnik-Studium bei der Bundeswehr und nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst eine Ausbildung zum Versicherungsfachmann. Seit 1995 ist er im Bereich der Hausverwaltung tätig.

Hemmelgarn war vor seiner Karriere in der AfD, der er seit 2013 angehört, nicht parteipolitisch aktiv. Seit vier Jahren ist er Kreissprecher in Gütersloh und auch im dortigen Kreistag vertreten. "Meine Motivation, in die AfD einzutreten, war, etwas für die Rettung des Euro zu tun. Griechenland wird seine Schulden nicht zurückzahlen. Die Zeche muss irgendwann jemand zahlen", sagt er.

Jürgen Sprick aus Petershagen-Buchholz war vor seiner AfD-Mitgliedschaft 20 Jahre in der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) aktiv, sieht dort aber heute keine Perspektive mehr. Auslöser für den Eintritt in die neue Partei waren die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht 2016 in Köln.

Sprick fühlt sich dem Mühlenkreis verpflichtet und möchte im Falle seiner Wahl vor allem auch für andere Regelungen in der Landwirtschaft eintreten. "Der exzessive Maisanbau und der damit einhergehende Flächenverbrauch für Biogasanlagen (Vermaisung) führt dazu, dass die Landwirtschaft ihrem Zweck, die Bevölkerung zu ernähren, nicht mehr gerecht wird. Ich werde mich für eine "normale" Landwirtschaft ohne Massenbetriebe einsetzen", verspricht der Kandidat.

Das mangelnde Wirtschaftswachstum führe dazu, dass die Bürger zur Kasse gebeten würden. "Die Kommunen müssen sich refinanzieren und das passiert über Steuererhöhungen", sagt Kandidat Udo Hemmelgarn, der Chancen hat, für OWL in den neuen Bundestag einzuziehen. "Man kann vieles anders machen", sagt er. Er sei sich aber darüber im Klaren, in jedem Fall Oppositionsarbeit leisten zu müssen. "Wir müssen uns auch um die schwindende Infrastruktur in Deutschland kümmern", betont er. Die derzeitigen Zustände seien "blamabel für das Ingenieurland Nummer eins" nennt er als Beispiel den Berliner Flughafen BER.

Jürgen Sprick sieht drei Schwerpunkte einer politischen Oppositionsarbeit: Beschleunigung der Rückführung von nur geduldeten Flüchtlingen, Änderungen bei der Förderung von Biogasanlagen und die Begrenzung der Dienstzeit für Bundeskanzler auf maximal drei Wahlperioden.

Die AfD des Kreises geht noch einen Schritt weiter und fordert einen "Untersuchungsausschuss Merkel" zum Thema "Öffnung der Grenzen". "Dieser Staat muss seine Gesetze einhalten. Die Rechtsstaatlichkeit wird oft nicht mehr eingehalten", sagte stellvertretender Kreissprecher Burkhard Brauns. Er nannte als Kreis-Thema die geplante Multifunktionshalle in Minden: "Wir sind nicht generell gegen ein solches Projekt, aber es muss finanzierbar sein", merkte er an.

"Wir haben genug Geld, aber wir geben es falsch aus", meinte Hemmelgarn und sprach damit die Ausgaben der Kommunen für Asylbewerber an. "Das Grundrecht auf Asyl wird von uns nicht angegriffen. Wir müssen geduldete Asylbewerber aber darauf vorbereiten, dass es auch wieder in ihre Heimat geht und sie dafür als Aufbauhelfer qualifizieren", erläuterte er.

Bildunterschrift: Udo Hemmelgarn (links) aus Harsewinkel und Jürgen Sprick aus Petershagen gehen für die AfD in den Wahlkampf.

Das plant die AfD

Das gute Ergebnis der AfD bei der Landtagswahl vor allem in Espelkamp (zum Teil wurden mehr als 23 Prozent erreicht) bietet der Partei Anlass zur möglichen Gründung von Ortsverbänden in Espelkamp, Rahden und Lübbecke.

"Es gibt die Möglichkeit, gerade in Espelkamp Zeit und Arbeit in die Gründung eines Ortsverbands zu investieren", sagte Jürgen Sprick. Lediglich drei Mitglieder seien dazu erforderlich, so dass auch Hans-Ulrich Post Möglichkeiten sieht, mit derzeit fünf Mitgliedern einen Rahdener Ortsverband zu gründen.

Auch für Lübbecke biete sich eine Gründung an. "Ich denke, dass Jan Aussieker aus Hüllhorst dies auf dem Schirm hat", bemerkte Post.

Gezielt werbe die AfD um die Zielgruppe der Russlanddeutschen in Espelkamp, die sich "offensichtlich enttäuscht durch die Entscheidung für die Ehe für alle" gegen die Unionspolitik entschieden habe, erläuterte Jürgen Sprick. Die Russlanddeutschen sind zu einer Info-Veranstaltung am 11. September im Espelkamper Bürgerhaus eingeladen. Erwartet wird zu dieser Gelegenheit Eugen Schmidt, Sprecher der Russlanddeutschen in der AfD.

Wahlkampf für die Partei macht am 31. August auch Alexander Gauland in der Ilex Halle in Hüllhorst. "Es kündigen sich jetzt schon Protestaktionen an", befürchteten die AfD-Vertreter beim Termin in Rahden.


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