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Gütersloher Zeitung / Neue Westfälische ,
14.06.2007 :
Ein Hauch von Hoffnung / Rupert Neudeck zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern
Von Rolf Birkholz
Gütersloh. Für Rupert Neudeck ist es ein Skandal, dass die Weltpolitik das Problem der Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel seit nun 40 Jahren, seit dem Sechstagekrieg von 1967, ungelöst vor sich herschiebe. Es sei "das größte Problem für den Weltfrieden überhaupt", erklärte der für seine weltweiten humanitären Einsätze bekannte Journalist in der Anne-Frank-Gesamtschule. Hier sei besonders auch Europa gefordert.
Neudeck, der 1979 mit Heinrich Böll die Hilfsorganisation "Komitee Cap Anamur" gegründet hat, war eingeladen im Rahmen des deutsch-palästinensischen Begegnungsprojekts der Schule. Er sprach auch mit den 14 palästinensischen Schülern aus der Partnerschule "School of Hope" in Ramallah, die mit ihren Lehrern zurzeit in Gütersloh zu Gast sind, gefördert durch den Fonds "Erinnerung und Zukunft".
"Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina", heißt das in der Schule vorgestellte Buch Neudecks, in dem er seine Erfahrungen in den besetzten Gebieten schildert. Dazu kommen viele kleine, zermürbende, erniedrigende Schikanen der Besatzungsmacht im Alltag. "Durch fortgesetzte Demütigungen werden im Grunde Terroristen produziert", sagte Neudeck. "Das ist meine Furcht."
Immerhin versuchten Mitglieder der israelischen Friedensbewegung an den Kontrollpunkten das Schlimmste zu verhindern. "Das sind für mich die Helden dieser Tage." Für weniger heldenhaft hält der 68-Jährige offenbar deutsche Politiker mit "Standpunktprothese": Leute, die aus Karrieregründen nichts gegen Israels Politik sagen, weil die den Vorwurf des Antisemitismus fürchten. "Wir müssen für Juden in der Welt eintreten, aber nicht für eine Regierung", stellte Neudeck dagegen fest.
Überhaupt gelang es dem Menschenrechtsaktivisten, kein einziges Mal auf die Ursachen des Sechstagekrieges, die Furcht der Israelis vor palästinensischem Terror oder deren geschichtsbedingte Angst, je wieder wehrlos zu sein, einzugehen und dennoch nicht einäugig zu erscheinen.
Zuerst müsse die Statusfrage geklärt werden, betonte Neudeck. Denn mit Israel und dem zerstückelten Palästina stünden sich keine gleichwertigen staatlichen Gebilde gegenüber. "Ich bin überzeugt, dass diese beiden Völker zusammenkommen könnten, wenn man sie nur lassen würde."
Für die Lösung des Konflikts erhofft sich Neudeck auch einiges von dem neuen französischen Außenminister Bernard Kouchner, der als Mitgründer von "Ärzte ohne Grenzen" schon manches Mal sein Mitstreiter war. Aus Neudecks Vortrag hörte Lehrer Gunar Weykam, zuständig für das Partnerschaftsprojekt, denn auch trotz eigener Skepsis "Optimismus" heraus.
Bildunterschrift: Pro Palästina: Der bekannte Menschenrechtsaktivist Dr. Rupert Neudeck forderte in der Anne-Frank-Schule eine Lösung des Nahost-Konflikts, basierend auf der Anerkennung eines gleichwertigen Staates Palästina.
lok-red.guetersloh@neue-westfaelische.de
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