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Bielefelder Zeitung / Westfalen-Blatt , 18.10.2008 :

"Erlösung heißt Erinnerung" / Reichspogromnacht-Ausstellung "9.11.1938" im Stadtarchiv Bielefeld

Von Manuel Neumann

Bielefeld (mn). "Das Jahr 1938 stellt einen Wendepunkt des Antisemitismus dar. Es war der Übergang von der Diskriminierung hin zur systematischen Verfolgung", sagt Dr. Johannes Kistenich.

Als Kurator organisiert er 70 Jahre nach der Reichspogromnacht die Wanderausstellung "9.11.1938", die die Ereignisse in der Nacht vom 9. auf den 10. November in Ostwestfalen-Lippe durchleuchtet. Bis zum 12. Dezember sind im Stadtarchiv an der Rohrteichstraße 22 Tafeln und 17 Plakate mit Texten und Fotografien zu sehen, dazu lokale Ergänzungen und einzigartige Filmaufnahmen.

"Ereignisse, Täter und Opfer der Novemberpogrome in OWL stehen zwar im Mittelpunkt, sie werden allerdings in das Geschehen des Wendejahres 1938 eingebettet und es gibt Ausblicke auf die Aufarbeitung nach 1945 beispielsweise durch die bundesdeutsche Justiz", so Kistenich. Ziel sei es dabei vor allem, der langjährigen Arbeit von Schulen, Geschichtswerkstätten, Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Museen und Privatinitiativen vor Ort durch den vergleichenden Blick auf die Ereignisse neue Impulse zu geben.

Es ist das erste Kooperationsprojekt von 14 kommunalen und kirchlichen Archiven, die an der Konzeption unter Federführung des Landesarchivs NRW-Personenstandsarchiv Detmold beteiligt waren. "In Detmold, Minden, Paderborn und Herford war die Ausstellung bereits zu sehen. Nun wollen wir auch hier allen historisch interessierten Menschen den ortsnahen Zugang ermöglichen", sagt Dr. Jochen Rath vom Staatsarchiv Bielefeld.

Zur Eröffnung sprach Oberbürgermeister Eberhard David von einem äußerst sinnvollen Vorhaben: "Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung", zitierte das Stadtoberhaupt einen jüdischen Mystiker des 18. Jahrhunderts.

Zur Ausstellung findet im Ankergebäude an der Rohrteichstraße 19 eine Veranstaltungsreihe statt, die am 13. November mit einem Vortrag Anne Kunzes zum Thema "Praktiken der Gewalt" beginnt. Ebenso gibt es für Kleingruppen und Schulklassen Führungen. Hierzu ist eine Anmeldung etwa eine Woche vorher nötig. Das Stadtarchiv hat montags von 14 bis 17 Uhr und dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Informationen im Internet: www.stadtarchiv-bielefeld.de

18./19.10.2008
bielefeld@westfalen-blatt.de

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