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Deister-Leine-Zeitung ,
10.11.2007 :
Zeitzeuge der "Weißen Rose" in der SSGS / Gedenktafel an die Namensgeberin der Schule enthüllt / Auftakt zu weiteren Veranstaltungen
Wennigsen (mi). Eine besondere Gedenkveranstaltung erlebten gestern die Schüler des 10. Jahrganges der Sophie-Scholl-Gesamtschule (SSGS), die sich zurzeit mit dem Thema Faschismus beschäftigen. Sie hatten als Gast den 83-jährigen Franz-Joseph Müller aus München eingeladen, der als Zeitzeuge und Mitglied der "Weißen Rose" in der Hitlerzeit zusammen mit Sophie Scholl aktiven Widerstand gegen das Hitlerregime geleistet hatte und dafür fünf Jahre ins Gefängnis musste.
Eindrucksvoll waren schon die Begrüßungs- und Eröffnungsworte der SSGS-Leiterin Anette Harnitz zur Gedenkveranstaltung, die zugleich Unterricht und Auftakt für eine vierteilige Veranstaltungsreihe zum Thema "Faschismus" war, mit dem sich der 10. Jahrgang in den nächsten neun Wochen intensiv beschäftigt.
Eindrucksvoll waren auch die nachfolgenden Worte des Bürgermeisters Christoph Meineke, der Jugendbürgermeisterin Jenny Jürgens und der Vertreterin der bundesweiten "Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit", der Hamburger Redakteurin und Politikwissenschaftlerin Dr. Petra Beckmann-Schulz.
Eindrucksvoll war aber auch die Anwesenheit der Wennigser Politiker, angefangen von den Fraktionsvorsitzenden, der Ratsvorsitzenden, der Schulausschussvorsitzenden, des Vorsitzenden des Präventionsrates bis hin zu der Märker Landtagsabgeordneten und dem Schulelternrat. Am eindruckvollsten waren jedoch die Ausführungen des 83-jährigen Zeitzeugen und Mitgliedes der damaligen Widerstandsbewegung der "Weisen Rose", Franz-Joseph Müller. Nicht schulmeisterlich, sondern im Plauderton berichtete er von den Gräueltaten der Nazis und von seinem "Verbrechen", das er als 18-Jähriger begangen hatte.
Er war beteiligt an der Organisation von Briefumschlägen und Briefmarken, um das Flugblatt Nummer 5 der Geschwister Hans und Sophie Scholl, die sich gegen das Hitlerregime wandten, zu verschicken. Er bekam dafür fünf Jahre Gefängnis, während die Initiatoren hingerichtet wurden. "Eigentlich waren wir eine fröhliche Gruppe junger Ulmer Gymnasiasten, die die Nazis ablehnten und sie anfangs mehr verspotteten als sie ernst zu nehmen", meinte der Zeitzeuge und erzählte mit einer Prise Humor, wie sie den Hitlergruß "Heil Hitler" umgewandelt hatten in "Heilt Hitler" und niemand es so richtig gemerkt hatte.
Müller erzählte aber auch von seiner Zeit im Reichsarbeitsdienst und den Schikanen, denen er und seine Schulkameraden täglich ausgesetzt waren, wenn mal eine Bettfalte beim Bettenmachen entstanden oder ein Knopf nicht richtig geschlossen war. Vom grenzenlosen Hunger und einer völligen Unfreiheit berichtete Müller und konnte gar nicht so recht sagen, was schlimmer war. Mucksmäuschenstill war es im Forum der Schule, doch nach seinem Bericht prasselten eine Reihe von Fragen auf den 83-Jährigen ein.
Franz-Josef Müller selbst hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Nazizeit öffentlicher zu machen. Er wird dabei von der "Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit" unterstützt. Müller hat in München die "Weiße-Rose-Stiftung" gegründet.
"Das Dritte Reich unter Hitler war ein Staat ohne Recht, sorgt dafür, dass es so etwas nicht wieder gibt", rief der Zeitzeuge den Schülerinnen und Schülern zu und Anette Harnitz ergänzte in ihrem Schlusswort: "Lernt es, nicht zu schweigen". Anschließend wurde die große Sophie-Scholl-Gedenktafel enthüllt.
10./11.11.2007
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