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Antifa Paderborn ,
30.03.2007 :
Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung in Wewelsburg am 20.04.2007
Geschichte der Burg
In Wewelsburg wurde schon im 11. Jahrhundert die erste Burg erbaut. Die Wewelsburg, wie wir sie kennen, ist Anfang des 17. Jahrhunderts vom Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg erbaut worden. Über die Jahrhunderte wurde Sie etliche Male zerstört und wieder aufgebaut. 1933, als der Nationalsozialismus zur offiziellen deutschen Staatsform wurde, interessierte sich die SS und ganz besonders der Reichsführer- SS, Heinrich Himmler, für die Burg. Sie wurde nach kurzen Verhandlungen mit dem Landkreis Büren für den symbolischen Wert von 1 RM für 100 Jahre an die SS verpachtet.
Die Burg sollte erst mit Hilfe von Männern aus dem "Reichs-Arbeits-Dienst" restauriert und zu einer SS Obergruppenführerschule ausgebaut werden. Es wurde ein Museum und eine Bibliothek für "germanische", "heidnische" und nationalsozialistische Studien eingerichtet. Außerdem sind verschiedene "Wissenschaftler" eingestellt worden, deren Fachgebiete zum Beispiel "germanische Vor- und Frühgeschichte" oder "Volkskunde und Sippenforschung" waren. Es fanden auch Ausgrabungen statt. Die nationalsozialistischen "Wissenschaftler" waren auf der Suche nach "germanischen Heiligtümern", es wurde also ganz spezifische Zweckforschungen für den Nationalsozialismus betrieben. Himmler versuchte mit seinem "Projekt Wewelsburg" den NS, mit seiner menschenverachtenden Ideologie basierend auf Antisemitismus, Rassismus und Euthanasie, wissenschaftlich zu begründen, um somit die Entrechtung, Verfolgung, Folterung und Ermordung unzähliger Menschen zu rechtfertigen. Wissenschaft hatte dort also eine ganz andere Aufgabe als Fakten zu erforschen, sie sollte eher die nationalsozialistische Weltsicht untermauern und NS-Rassenlehre vermitteln.
Der SS und vor allem Himmler fielen immer gigantischere Pläne für die Burg ein. Es sollte dort nun nicht mehr eine "Reichsführerschule SS", die die Eliten des Nationalsozialismus schulen sollte, entstehen. Im Winter 1939/40 - nach dem Sieg über Polen - beschloss Himmler, unter Einbeziehung des Dorfes Wewelsburg, eine riesige neue Burganlage mit dem Nordturm der alten Burg als Mittelpunkt zu bauen. Himmler war, nicht nur wie andere hochrangige Nationalsozialisten, ein Massenmörder, der Millionen Menschen durch seine Unterschrift tötete, er war auch ein fanatischer Okkultist mit Begeisterung für germanisch-mystische Ideen. Er verstand die Schutzstaffel als "soldatischen Orden nordisch bestimmter Männer und als eine beschworene Gemeinschaft ihrer Sippen". Himmler angeregt durch seinen Berater in weltanschaulichen Fragen, Karl Maria Willigut, ein völkischer Esoteriker und SS-Brigadeführer, wollte die Burg zum ideologischen und religiösen Zentrum der SS machen. Sie sollte der "Mittelpunkt der Welt" werden.
Das KZ Niederhagen
Um diese wahnwitzigen Pläne umsetzen zu können, errichtete die SS ein Konzentrationslager.
Das KZ Niederhagen war das Kleinste im 3. Reich. Dort wurden aber genauso wie in allen anderen Arbeitslagern der Deutschen, Menschen, die nach der NS-Ideologie nicht "lebenswert" waren, mit Zwangsarbeit und Folter zu Tode gequält. Die SS setzte dort vornehmlich Zeugen Jehovas ein. Diese, im Sinne des NS als "Bibelforscher" bezeichnete Menschen, unternahmen selten Fluchtversuche und die NS-Schergen konnten sie quälen und foltern ohne Widerstand von ihnen erwarten zu müssen. Zu den rund 3.900 Häftlingen zählten aber auch politische Häftlinge, Roma und Sinti, Homosexuelle, Juden, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Fast ein Drittel von Ihnen überlebte die Haft nicht. Sie starben an Hunger, Kälte, Krankheiten, den Folgen von Misshandlungen im KZ und miserablen Arbeitsbedingungen zum Beispiel in den Steinbrüchen rund um die Burg.
Von rechter Esoterik zum Antisemitismus
Neonazis sind heute wie damals von mystischen Sagen und Orten, wie z.B. der Wewelsburg , mit ihrer schwarzen Sonne im Nordturm, den Externsteinen, die sie als germanisch oder ur-deutsch deuten, fasziniert. Verschwörungstheorien und rassistisches "Völkerdenken" knüpfen an diese Mythen an und so entsteht eine Ideologie, voll von Geheimwissen, Geschichtsrevisionismus, Heldentum und pseudo- wissenschaftlichen Erkenntnissen, die jedoch recht frei von gesellschaftlicher Analyse ist.
Der Autor Jan Udo Holey der unter dem Pseudonym Jan van Helsing Bücher von "Geheimgesellschaften" , Ufos, und "Der jüdischen Weltverschwörung" schreibt, zeugen von der schnell geschlagenen Brücke zwischen geheimnisvollen Mythen, Esoterik und herbeihalluzinierten Verschwörungen.
Verschwörungstheorien, wie zum Beispiel die einer Amerikanisch-Jüdischen Lobby, die große Bereiche des Wirtschafts- und Finanzwesens der Welt kontrolliert, werden nicht nur von Neonazis sondern auch von Menschen aus allen möglichen Gruppen der Gesellschaft geglaubt.
Die am weitesten verbreitete Verschwörungstheorie ist im Antisemitismus auszumachen; sie halluziniert den Juden als geldgierigen, übermächtigen Drahtzieher, der an der, als negativ empfundenen, Aufklärung, am 1. und 2. Weltkrieg, sogar an der Shoa selbst, Schuld seien soll und diese selbst herbeigeführt haben soll. Veronika Clarke, eine Geschichtsrevisionistin aus den USA trieb diese widerlichen Behauptungen auf die Spitze indem sie erklärte: "Die Juden haben in Auschwitz Geld verdient". Dies zeigt ziemlich genau wie Antisemitismus funktioniert: Alles negativ Empfundene wird auf "Den Juden" projiziert. "Der Jude" wird, als Strippenzieher hinter den Geschehnissen halluziniert. Komplexe Ereignisse in Politik und Wirtschaft wie zum Beispiel Revolutionen, Wirtschaftskrisen oder Kriege, sind demnach von "jüdischen Kreisen" bewusst injiziert worden. Damit wird der Blick auf die wirklichen Ursachen verschleiert und an deren Stelle tritt eine personalisierte Kritik der Verhältnisse.
Gerade in der heute immer komplexeren und unübersichtlicher werdenden Zeit der Globalisierung, gilt es solchen Gedankenmustern mit Aufklärung und Fakten entgegenzutreten, damit sich dieses "Sündenbockdenken" und die damit einhergehende Diskriminierung und Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von Menschen jüdischen Glaubens nicht weiter ausbreitet sondern dem Einhalt geboten wird.
Da muss sich einiges ändern!
Dass sich mit einem bloßen Lippenbekenntnis gegen Rechtsradikalismus gar nichts verändern wird, dürfte klar sein. Aber auch mehr Polizeieinsätze und -beamte oder das wieder heiß diskutierte NPD- Verbot vermögen das Problem nicht tiefgehend zu lösen. Das gesellschaftliche Problem "Neo-Nazi" lässt sich eben nicht einfach nur verbieten oder mit Hilfe von Repression wegsperren, wie oft gefordert wird. Dem Problem muss eher auf den Grund gegangen werden. Konservative und nationalistische Gedankenmuster finden sich schon seit ihrer Existenz in der "Mitte der Gesellschaft". Bürgerproteste gegen Moscheen- oder Synagogenbau, der schwarz-rot-gold Taumel der Fußball-WM oder die Ausgrenzung von Asylsuchenden sind nur eine kleine Auswahl aus der Realität, die zeigen wie Nationalismus, und somit auch völkisches Denken, im gesellschaftlichen Diskurs vorankert sind. Dass Neonazis dieses Klima ausnutzen und zwischen deutschem Patriotismus und Ausgrenzung des "Fremden" immer neue Anhänger finden, ist da nicht verwunderlich. Einbürgerungstests, nationale Mobilmachung für die Wirtschaft, oder die weit verbreitete Meinung Links- und Rechtsextremismus würden sich gegenseitig bedingen und sich in einer "Gewaltspirale" drehen, ist viele zu kurz gedacht und das spielt Neo-Nazis nur zu. Um diese Entwicklungen zu ändern und eine Welt zu schaffen die frei ist von Ausbeutung und Faschismus, in der alle die gleichen Rechte haben, müssen wir, immer wieder aufs Neue, die Missstände benennen und gemeinsam abschaffen! Für ein ganz anderes Ganzes!
Gegen Nazigedenkfeiern in Wewelsburg und überall!
Gefördert durch die Kampagne: Alle Anders - Alle gleich vom DNK - Homepage: www.jugendkampagne.de
Internet: www.antifa-wewelsburg.de.vu/
wewelsburg_aktion@yahoo.de
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