|
Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel / Westfalen-Blatt ,
15.07.2008 :
Seemannstod in der Karibik / Leo Schwoch starb am 15. Juli 1943
Rheda-Wiedenbrück (WB). "Liebe Eltern, liebe Geschwister! Meine herzlichen Grüße und vielen Dank für Eure Briefe. Lieber Papa, liebe Mama, Ihr werdet jetzt wieder länger nichts von mir hören, denn in wenigen Stunden geht es auf See. Macht Euch bitte keine Sorgen um mich, ich stehe ja unter dem Schutz der Gottesmutter und bald bin ich wieder in der Heimat bei Euch." Dies schrieb Leo Schwoch aus Wiedenbrück am 12. Juni 1943 in seinem letzten Brief. 33 Tage später war er tot. Er starb mit 53 Kameraden am 15. Juli 1943 in einem U-Boot fern der Heimat.
Das U-159 war damals in der Karibik auf Feindfahrt mit dem Auftrag, allierte Schiffe zu versenken. Leo Schwoch hatte als gelernter Techniker im Range eines Mechaniker-Maats Aufgaben im Maschinenraum.
Amerikanische Marineflugzeuge, ausgerüstet mit modernen Suchgeräten, entdeckten das Boot und versenkten es durch Bombenabwurf. Die Besatzung hatte keine Chance zu überleben. Ihr Seemannsgrab liegt tief im Meer (15 o 58 Nord und 73 o 44 West), südlich von Kuba, Jamaika und Haiti; also inmitten vom heutigen Urlaubs-Paradies. Die deutschen Matrosen ereilte am 15. Juli 1943 das Schicksal, das vorher alliierte Seeleute auf Schiffen erleiden mussten, die das Unterseeboot U-159 seit 1942 in der Karibik, vor Südafrika und den Kanaren versenkt hatte.
Damit der Tod der vielen Seeleute nicht vergessen wird und ihr Sterben für immer Friedensmahnung bleibt, gibt es das U-Boot-Ehrenmal Möltenort in Heikenort an der Kieler Förde. An diesem Mal des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge stehen auf Bronzetafeln die Namen der U-Boot-Fahrer, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben ließen. Von 1914 bis 1918 starben 5.249 und von 1939 bis 1945 kamen 30.000 ums Leben.
Leo Schwoch, der am 5. August 2008 seinen 92. Geburtstag hätte feiern können, ist in Wiedenbrück unvergessen. Die Erinnerung wird bis heute von der Familie Schwoch wachgehalten. Darum bemühten sich bis zu ihrem Tode die Eltern, Kreisrentmeister Georg und Josefine sowie Bruder Paul. Fortgeführt wird das Bemühen von den beiden Schwestern. Hildegard lebt mit ihrem Mann Walter Fuest in Langenberg und Maria in Kronberg im Taunus.
Letztgenannte initiierte die Schaffung einer Erinnerungsplatte, die seit einigen Jahren im Gräberfeld für Kriegstote auf dem Wiedenbrücker Friedhof einen bescheidenen Platz hat, ganz nahe der Hecke zum Weg. Leo Schwochs Name steht auch auf der Gedenktafel an der Mauer der Aegidius-Pfarrkirche. Angehörige seines Geburtsjahrganges, die ihn kannten, gibt es kaum noch. Aber damals jüngere Leute, besonders die Frauen, erinnern sich noch genau an den lebensfrohen, stattlichen Matrosen in seiner blauen Uniform, die tragischer Weise auch zu seinem Totenkleid wurde.
Bildunterschrift: U-Boot-Fahrer Leo Schwoch aus Wiedenbrück starb vor 65 Jahren.
guetersloh@westfalen-blatt.de
|