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Bielefelder Tageblatt (OH) / Neue Westfälische
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04.03.2008 :
Zeugen des Zweiten Weltkriegs / Ehemalige polnische Zwangsarbeiterinnen besuchen Bielefeld
Von Anne-Lena Jaschinski
Bielefeld. Nächste Woche besuchen zwei außergewöhnliche Damen aus Polen die Stadt. Sie haben erlebt, was viele nur aus den Geschichtsbüchern kennen: Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurden sie nach Deutschland verschleppt und mussten in Bielefeld zwangsarbeiten. Der Verein "Gegen Vergessen – Für Demokratie" stellte im Rahmen der Ausstellung "Größte Härte. Verbrechen der Wehrmacht in Polen", die momentan in der Ravensberger Spinnerei zu sehen ist, den Kontakt zu den beiden Frauen her und arbeitete ein Besuchsprogramm aus.
Irena Wielgat wurde 1941 als 15-Jährige nach Bielefeld verschleppt. Sie arbeitete in der Spinnerei "Vorwärts", einem Gebäude, das heute dem Oetker-Konzern gehört. Nach fünf Jahren verließ sie Deutschland. Seitdem lebt sie wieder in Polen.
Das Leben als Zwangsarbeiterin beschreibt Wielgat in einem 2005 verfassten Manuskript namens "Von klein auf Sklavin", das sie ihren Kindern und Enkelkindern gewidmet hat. Sie erzählt von den schrecklichen Umständen, unter denen sie und andere polnische junge Frauen arbeiten mussten. Der Verein "Gegen Vergessen – Für Demokratie" will dieses Manuskript veröffentlichen.
Feliksa Sokolowska wurde 1942 mit 16 Jahren zur Zwangsarbeit in Bielefeld eingezogen. Sie arbeitete in der Ravensberger Spinnerei. Ihr Lager befand sich im sogenannten Mädchenheim; heute werden die Räume vom Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) genutzt.
Gestern stellte das Organisationskomitee um Wolfgang Herzog das Programm für die Besuchswoche vom 9. bis zum 17. März vor. Höhepunkte sollen die Besuche der ehemaligen Arbeitsstätten sein, bei denen die polnischen Seniorinnen ihre Vergangenheit aufarbeiten können. "Für Frau Wielgat und Frau Sokolowska ist es sehr bedeutsam, noch einmal nach Bielefeld zurückzukehren und die Stadt nach ihrem Wiederaufbau zu sehen", sagt Merret Wohlrab, die den Besuch ebenfalls organisiert. "Wenn sie Bielefeld nun in Frieden besuchen, können sie diesen Teil ihrere Biografie mit Würde abschließen." Doch die Zeitzeuginnen des Zweiten Weltkriegs möchten ihre Erfahrungen auch an junge Menschen weitergeben. Deshalb stehen die Besuche zweier Gymnasien auf dem Programm. Damit die deutsch-polnische Kommunikation klappt, sollen stets mehrere ehrenamtliche Dolmetscher dabei sein.
Bildunterschrift: Lächeln nur fürs Foto: Polnische Zwangsarbeiterinnen im Mai 1941 auf einer Wiese neben der „Vorwärts“-Spinnerei. Irena Wielgat (links oben) war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Bildunterschrift: Organisieren die Woche: Markus Bingel, Ilona Spallek, Merret Wohlrab, Wolfgang Herzog, Robert Katzmarczyk (v.l.).
Bildunterschrift: Heute und damals: Irena Wielgat an ihrem 75. Geburtstag in Polen und als junges Mädchen in Bielefeld.
lok-red.bielefeld@neue-westfaelische.de
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