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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 15.05.2013 :

Pressemitteilung: Ausgeschwärmt? - Kein Neuanfang beim "Forschungskreis Externsteine

Am 14. Mai 2013 berichtete die Lippische Landes-Zeitung ("Neuer Vorstand zeigt sich offen für Gespräche / Forschungskreis Externsteine befasst sich auch mit der eigenen Vergangenheit") über die "47. Externstein-Vortragstagen" des "Forschungskreis Externsteine", welche vom 8. bis 12. Mai 2013 in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg stattfand. Der Artikel vermittelt den Eindruck einer völligen Läuterung und eines echten Neuanfangs des bisher strikt völkisch ausgerichteten Vereins. Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" beurteilt die Situation differenzierter und kommt zu einer anderen Einschätzung.

Deutlich sichtbar waren die Bemühungen eines kleinen Kreis von Vereinsmitgliedern, welche teils auch im Vorstand des Vereins aktiv waren, über völkische Ideologie aufzuklären, teils auch sehr konkret mit Bezug auf im Forschungskreis bisher geradezu verehrte völkisch und NS-belastete Ideologen wie Wilhelm Teudt und Herman Wirth. Diese haben aber, enttäuscht vom mangelnden Willen zur Auseinandersetzung und sogar Beschimpfungen als "Nestbeschmutzer" entsetzt den Vorstand oder auch gleich den Zusammenhang des Verein verlassen. Mit den Füßen haben scheinbar auch andere abgestimmt, weit aus weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer als in den letzten Jahren erschienen.

Auch wenn der neue Vorsitzende Rolf Speckner in seinem Vortrag über "Deutscher Traum und deutsches Trauma - das Dritte Reich aus anthroposophischer Sicht" mit dem Satz: "Es muss einmal in aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, Hitler war der ärgste Feind des Deutschtums" vielleicht Neonazis verscheucht, so ist die Position, das der "Sinn" des Nationalsozialismus "in der Vernichtung der deutschen Kultur" lag, eine nationalistische Argumentation. Großes Interesse von Rolf Speckner lag beim Thema "Nah-Toterfahrung". Man konnte hierbei den Eindruck gewinnen, dass er suggerieren wollte, die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager wären in der seltenen und glücklichen Position gewesen, eine solch übersinnliche Erfahrung gemacht zu haben. Dass er die Morde am Templer-Orden im 14. Jahrhundert als mit dem Holocaust vergleichbar bezeichnet, kann nur als Relativierung betrachtet werden, auch wenn Speckner das so nicht verstanden haben will.

Nachdem der Vorstand 2012 auf Grund der klaren Bekenntnisse zu völkisch-nationalsozialistischen Ideologen durch Referenten, die mit brausendem Applaus vom Publikum bedacht wurden, zurückgetreten war, wurden in diesem Jahr eben nicht jene ins Amt gewählt, welche die Aufklärung (moderat) vorangetrieben haben, sondern andere. Der neue Vorsitzende sprach sich gleichzeitig für eine Abgrenzung von nazistischer und völkischer Ideologie aus, betonte aber gleichzeitig, man müsse zwischen der politischen Einstellung dieser Ideologen und deren wissenschaftlichem Wirken trennen. Explizit erweiterte er das "wissenschaftliche" auch auf die "Schau", also das einfach Deuten oder Behaupten. Es stellt sich die Frage, wie mit dieser Haltung zum Beispiel die Deutungen Teudts oder Wirths aufgearbeitet werden können? Wenn Speckner im Gespräch mit der Lippischen Landes-Zeitung betont, "wichtig ist jetzt jedoch, für die Zukunft handlungsfähig zu sein", so drängt sich der Eindruck auf, dass gerade so viel Aufarbeitung gewünscht ist, wie Druck auf den Verein ausgeübt wird. Danach wolle man sich wieder den "Kernthemen widmen". Eben jene Kernthesen sind es jedoch, welche die völkische Ideologie des Vereins in sich tragen.

Das wurde im Rahmen der Tagung auch wieder deutlich: Ältere vom Verein herausgegebene Schriften, welche die Lehren von Walther Machalett, Teudt und Wirth preisen, wurden weiterhin verkauft. Die enge ideologische und persönlich-biographische Verbindung von Teilen der Mitglieder zu den völkischen Ideologen, bei einigen aber auch das Festhalten an hochproblematischen Deutungen führen dazu, dass der Verein auch nach der diesjährigen Tagung sehr kritisch betrachtet werden muss. Von einer Überwindung der Vergangenheit kann noch lange nicht gesprochen werden, denkbar ist eine Renaissance des völkischen Denkens nach einer Distanzierung vom Nationalsozialismus.

Von einem Neuanfang, wie Rolf Speckner suggeriert, kann auch daher nicht gesprochen werden, da Personen des neuen Vorstands die völkischen Inhalte des Vereins zum Teil seit 10 Jahren als Mitglieder mit getragen haben. Ausgeschwärmt hat man im "Forschungskreis Externsteine" also noch nicht.

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Lippische Landes-Zeitung, 14. Mai 2013:

Neuer Vorstand zeigt sich offen für Gespräche / Forschungskreis Externsteine befasst sich auch mit der eigenen Vergangenheit

Von Torben Gocke

Ist der Forschungskreis Externsteine ein Sammelbecken völkisch-ideologischen Gedankenguts? Der neue Vorstand will das Thema offensiv angehen und hatte es zur Tagung oben auf den Plan gesetzt.

Horn-Bad Meinberg. Aus seinen völkischen Kinderschuhen sei der Verein heute herausgewachsen. Darin ist sich der neu gewählte Vorstand des Forschungskreises einig: "Es hat jetzt eine neue Generation das Ruder übernommen, die kein solches weltanschauliches Bild vertritt", sagte Rolf Speckner. Er wurde während der Tagung in der Burgscheune jüngst zum neuen Vorsitzenden gewählt und bemühte sich von vornherein um einen offensiven Umgang mit dem Thema. "Wir haben gleich mehrere Vorträge in dieser Sache auf unserer Tagesordnung", so der Vorsitzende, der mit dem Verlauf der diesjährigen Tagung sehr zufrieden ist.

"Es war deutlich zu spüren, dass in den Reihen unserer Mitglieder nur noch die zusammengekommen sind, die eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema nicht scheuen." Dass der Verein eine unrühmliche Tradition und Vergangenheit hat, sei keineswegs zu leugnen. "Wichtig ist es jetzt jedoch, für die Zukunft handlungsfähig zu sein", formulierte Speckner. Um sich wieder den eigentlichen Kernthemen widmen zu können, sei dieser Prozess jedoch von zentraler Bedeutung gewesen.

Jetzt, werde die Selbstbeschäftigung wieder in die zweite Reihe rücken, hofft der neue Vorstand, "sodass wir uns wieder mit den Steinen selbst und ihrer langen Geschichte und wesentlichen Bedeutung für die Menschen befassen können". Ob die Metamorphose des Forschungskreises gelungen ist und ob im Angesicht seiner eigenen Vergangenheit überhaupt ein produktives Fortbestehen möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Die Mitglieder selbst schienen hier voller Zuversicht und stellten dem gesamten Komplex ihren Tatendrang entgegen.

An den vier Tagen ihrer Zusammenkunft in Horn-Bad Meinberg hatten sich die gut 60 Teilnehmer ein straffes Arbeitspensum vorgenommen. Auf dem Programm stand eine Vielzahl von Vorträgen, bei denen es neben der Selbstreflektion des Vereins auch um die Steine selbst ging. So referierte etwa Wolfgang Lippek über "Vorgeschichtliche Astronomie an den Externsteinen", und Renate Freifrau von Lamezan befasste sich mit der Sonne als "Symbol und ihrer Bedeutung in der prähistorischen Felsbildkunst". Auch eine Exkursion zu den Steinen selbst unternahmen die Mitglieder.

Zum Abschluss der viertägigen Veranstaltung hatte der Forschungskreis seine Mitglieder nach Oerlinghausen eingeladen. Hier stand ein Besuch des Freilichtmuseums auf dem Programm.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 30. April 2013:

"Schwärmen für Germanien" - wieder völkische Schwarmgeister in Horn-Bad Meinberg

- Pressemitteilung zu den "47. Externstein-Vortragstagen" (8. bis 12. Mai 2013 in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg) des vom völkischen Denken tief durchdrungenen "Forschungskreis Externsteine"

Vor einigen Wochen wurde im Bremer Focke-Museum unter großer Medienaufmerksamkeit die Ausstellung "Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz" eröffnet (vgl. Lippische Landes-Zeitung vom 22. März). Sie beleuchtet die Entstehung des Konstruktes "Germanien" und die ideologischen und praktischen Verschränkungen von Archäologie und Nationalsozialismus. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie die konstruierten Germanen-Bilder in der Nachkriegszeit weiterlebten.

Gleich in mehreren Vitrinen finden sich Objekte mit direktem Bezug zum "Forschungskreis Externsteine", der vom 8. bis 12. Mai in der städtischen Burgscheune in Horn-Bad Meinberg eine Tagung abhalten will. Denn der "Forschungskreis Externsteine" verbreitet genau das Gedankengut derjenigen völkischen Ideologen, die den Glauben an eine überlegene "arisch-germanische Rasse" konstruierten und förderten.

Von Teudt und Wirth zu Machalett - völkische Kontinuitäten par excellence

Die in der völkischen Bewegung der 1920er Jahre propagierte und im Nationalsozialismus zur staatstragenden Ideologie gewordene Ansicht, es habe in der Vorzeit eine Hochkultur der "weißen Rasse" gegeben, wurde unter anderem von den völkischen Esoterikern und SS-Protagonisten Wilhelm Teudt und Herman Wirth vertreten; sie betrachteten die Externsteine nahe Horn-Bad Meinberg als wichtigen Kultort dieser Kultur. Ihre rassistischen Ideen nahm in der Nachkriegszeit der Autor Walther Machalett auf und verbreitete sie in Vorträgen und Büchern, beispielsweise in einem seiner Hauptwerke mit dem Titel: "Die EXTERNSTEINE - Das Zentrum des Abendlandes - Die Geschichte der weißen Rasse". Seit den 1960er Jahren trafen sich die Anhänger dieser Ideen unter dem Namen "Forschungskreis Walther Machalett" jährlich an den Externsteinen; Wirth war in den 1970er Jahren sogar selbst Teilnehmer einer Tagung. 2007 entstand aus diesem Zirkel der "Forschungskreis Externsteine".

Selbstreflexion: Fehlanzeige

Nach antifaschistischen Protesten hatte der Vereinsvorsitzende Matthias Wenger 2011 eine Aufarbeitung der extrem rechten Vergangenheit des Vereins angekündigt. Doch damit scheiterte er auf ganzer Linie: Auf den "46. Externstein-Vortragstagen" im Mai 2012 bekräftigte der Referent Jürgen Mische sein Bekenntnis zu dem völkischen Schwarmgeist Wilhelm Teudt und dessen rassistischer Germanen-Schwurbelei: "Die erwähnte Hauptthese (Wilhelm Teudts) ist astronomisch und fachmännisch untersucht worden und in der Sache richtig. Bis zur allgemeinen Anerkennung wird vielleicht noch einiges Wasser die Weser herunter fließen, aber die Wahrheit lässt sich nicht unterdrücken." Das Publikum war angesichts solcher Worte hellauf begeistert, lautstarker Applaus brandete auf - ungeachtet der Tatsache, dass die Thesen Teudts heute - wie in der Bremer Ausstellung zu sehen - wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Doch nicht nur inhaltlich, auch personell scheinen die Verbindungen des "Forschungskreis Externsteine" weit ins rechte Lager zu reichen: So durfte während der letztjährigen Tagung mit Burkhard Weecke ein bekannter Vertreter der organisierten extremen Rechten einen Büchertisch anbieten. Weecke, der stellvertretender Vorsitzender des Kasseler "Thule-Seminars" und völkischer Verleger ist, hatte offen Bücher aus Verlagen wie dem "Grabert Verlag" ausgelegt, die das Bundesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextremistisch" einstuft. Und das im Rathaussaal der Stadt Horn-Bad Meinberg, die dem Verein die Räumlichkeiten trotz öffentlicher Kritik freundlich überlassen hatte und ihm damit quasi die offiziellen Weihen der Politik zukommen ließ.

Angesichts all der Vorfälle auf der Tagung 2012 - dem offenen Bekenntnis zu einem völkischen "Germanenkundler", dem anhaltenden Applaus der überwältigenden Mehrheit der Anwesenden und der Einbindung eines Aktivisten der extremen Rechten in die Tagung - kann keine Rede mehr davon sein, dass hier ein Aufarbeitungsprozess ernsthaft in Angriff genommen worden wäre. Hinzu tritt die Tatsache, dass der "Forschungskreis Externsteine" und sein Vorsitzender Matthias Wenger mit dem Programm der diesjährigen Tagung wiederum an der unsäglichen Tradition der letzten Jahre anknüpft - unter dem Diktum der Meinungsfreiheit.

Same procedure as last year - same procedure as every year!

"In den ersten vier Jahrzehnten dominierte in diesem Kreis eine Form der Meinungsfreiheit, die mich auf jeder Tagung immer wieder erneut fasziniert hat", schreibt der Vereinsvorstand in der Einladung zur diesjährigen Tagung. Die in den vergangenen Jahrzehnten gehaltenen völkischen und extrem rechten Vorträge sieht er als Zeichen großer "Meinungsfreiheit", die Tagungen selbst sogar als "eine hohe Schule der Toleranz". Dem Verein schließlich schreibt er die positive Eigenschaft zu, Ideologie von wissenschaftlicher Forschung trennen und Missbrauch erkennen zu können: "Und weil wir uns seit einiger Zeit entschlossen haben, diesen Mißbrauch offen zu benennen, können wir vielleicht noch besser als andere Organisationen in Lippe über historisch und politisch belastete Meinungsverschiedenheiten sprechen." (Rechtschreibung im Original)

Doch was sich so schön liest, ist bei näherem Hinsehen lediglich oberflächliche Weißwäsche: Unbekümmert weist auch das Tagungsprogramm 2013 Vorträge mit völkischem Fokus aus. So stehen auch dieses Jahr wie schon häufiger wieder die angeblichen "Großskulpturen" an den Externsteinen auf dem Programm, die vor allem von der bis zu ihrem Tod in der extremen Rechten aktiven Elisabeth Neumann-Gundrum hier hineingedeutet wurden - als Beweis für die angebliche "Hochkultur der Germanen". Weitere Vorträge zeigen schon im Titel völkische Themensetzungen, etwa Günter Heineckes Behandlung der "ostwestfälische(n) Irminsullandschaft". Auch Beiträge wie Rolf Speckners "Deutscher Traum und deutsches Trauma - das Dritte Reich aus anthroposophischer Sicht", die vermutlich der Aufarbeitung dienen sollen, lassen kaum eine rationale Auseinandersetzung mit der Problematik vermuten.

Völkische Schwarmgeister - herzlich willkommen in der Stadt Horn-Bad Meinberg?!

In den letzten beiden Jahren haben wir als "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteine"“ in insgesamt sieben Pressemitteilungen (siehe Anlagen) auf die ideologischen und personellen Verbindungen des "Forschungskreis Externsteine" hingewiesen. Trotz der Behauptung des Vereinsvorsitzenden, die extrem rechte Vergangenheit aufarbeiten zu wollen, bleibt festzustellen, dass die ideologische Kontinuität völkischen Denkens in diesem Kreis anhält: Beim "Forschungskreis Externsteine" handelt es sich bis heute um eine germanophile, völkischen Vorbildern folgende Gruppierung. Angesichts des während der letzten Tagung offensichtlich gewordenen Scheiterns der angekündigten Aufarbeitung erwarten wir, dass die auch bisher schon unverständliche Raumvergabe an die völkischen Schwarmgeister durch die Stadt Horn-Bad Meinberg nicht mehr stattfindet - weder in der Burgscheune noch in einem anderen öffentlichen Gebäude. Der "Forschungskreis Externsteine" sollte nun endlich durch die Verantwortlichen der Stadt Horn-Bad Meinberg als vom völkischen Denken tief durchdrungene Organisation wahrgenommen werden.

Wir fordern daher weiterhin:

- die sofortige Einstellung der in der Vergangenheit durch die Stadt Horn-Bad Meinberg faktisch - durch Bereitstellen von Infrastruktur - und symbolisch - durch Grußworte des Bürgermeisters - geleistete Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine"

sowie

- die sofortige Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins durch das zuständige Finanzamt.


info@hiergeblieben.de

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