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Lippische Landes-Zeitung , 16.06.2014 :

Tagungsteilnehmer wird rausgeworfen / Kritik an Veranstaltung des "Forschungskreises Externsteine" in der Horner Burgscheune

Horn-Bad Meinberg. Die jährliche Tagung des "Forschungskreises Externsteine e.V." steht einer interessierten Öffentlichkeit offen. Doch in diesem Jahr wurde ein Teilnehmer rausgeworfen, weil er nach Ansicht des Vorsitzenden dem Verein völkische und rassistische Ideologien unterstellt.

Der Rausgeworfene Jan Raabe erklärte auf Anfrage, dass er die Diskussion "nur kritisch verfolgen wollte", Raabe ist Mitglied im "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister". Diese lockere Gruppierung hatte die Tagungen bereits in den vergangenen Jahren besucht und anschließend kritische Berichte geschrieben, um auf Ideologien, wie sie während des Nationalsozialismus vertreten wurden, hinzuweisen. Raabe sagte, er sei als "Hetzer" bezeichnet worden. Da er keinen weiteren "Stress" verursachen wollte, sei er gegangen.

Im Gespräch mit der LZ versicherte er: "Ich habe in der Vergangenheit nie ein Vereinsmitglied als Nazi bezeichnet." Doch er findet: "Ein Verein, der für sich in Anspruch nimmt, sich von allem Völkischen zu lösen, muss in der Lage sein, mit Kritik umzugehen."

Worte würden falsch wiedergegeben werden

Der "Forschungskreis Externsteine" hatte für die mehrtägige Versammlung erneut die Horner Burgscheune gemietet. Bereits kurz nach Beginn sei Raabe aus der Scheune geflogen, berichtete Geschichtsstudentin Stefanie Haupt der LZ. "Das Publikum hat applaudiert", fügte sie hinzu. Der Vorsitzende Rolf Speckner habe dem Publikum erklärt, dass Raabe die Mitglieder des gesamten Forschungskreises öffentlich als "Rechtsradikale" bezeichnet habe.

Auf Anfrage erläuterte der Vorsitzende, dass er Raabe rausgeworfen habe, "weil er seit drei Jahren dabei sitzt und Worte verdreht". Er wolle den Arbeitskreis nur diffamieren, meint Rolf Speckner. Tatsächlich habe der Kreis aber keine politischen Absichten, vielmehr tendiere er eher zu esoterischen Themen.

Stefanie Haupt hat durch den Rauswurf nun das Gefühl, dass die Selbstkritik beim Verein abgenommen habe und nicht mehr reflektiert werde, wo in den Vorträgen Ideen - etwa rassistisches Gedankengut von Forschungskreisgründer Walter Machalett - herkämen. Sie fragt sich, ob der Arbeitskreis künftig besser nichtöffentlich tagen sollte, wenn kritische Besucher einen Rauswurf befürchten müssten. "Das müssen sie gar nicht", sagt Rolf Speckner.

Kommentar / Kritik muss sein

Von Cordula Gröne

Der Forschungskreis "kämpft" nach eigenen Worten "nachdrücklich gegen den Mißbrauch der Vorgeschichtsforschung durch rechtsextremes Denken". Wie, darüber sagt auch die Homepage nichts aus. Natürlich kann ein Verein von seinem Hausrecht Gebrauch machen und Personen von einer Tagung ausschließen. Aber dies trägt dazu bei, den Vorträgen mit noch größerer Skepsis zu begegnen. Er habe nichts gegen Kritik, meinte der Vorsitzende zur LZ. Sein Rauswurf eines kritischen Beobachters zeugt jedoch nicht von einem souveränen Umgang damit.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 26.05.2014:

Pressemitteilung zur 48. Vortragstagung des "Forschungskreis Externsteine" in der Horner Burgscheune: "Völkische Phantasien, leicht verschleiert"

Vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2014 will der "Forschungskreis Externsteine" seine 48. Vortragstagung in der Burgscheune in Horn abhalten. Auf Grund des völkischen Hintergrundes des Vereins und den Verbindungen von einigen Vereinsaktivisten zur extremen Rechten macht der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister" erneut auf die Problematik der Tagung aufmerksam und fordert die Stadt Horn-Bad Meinberg zum wiederholten Male auf, dem Verein den Zugang zu Räumen, welche im Besitz der Stadt sind, unmöglich zu machen.

Fassade und Verstellung

Seit mehreren Jahren kritisiert der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen", dass in dem Verein völkische Ideologeme vertreten werden. Nach außen distanziert er sich inzwischen von Neonazis; wer jedoch etwas an der Fassade kratzt, stellt fest, dass völkisches Denken weiterhin höchst virulent in diesen Kreisen ist. Auch einzelne in 2014 angekündigte Vortragende sind mit der extremen Rechten und sogar dem Neonazismus verquickt. Eine wirkliche Neuausrichtung des Vereins ist nicht festzustellen. Zu diesem Ergebnis kommt der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" nach Analyse der in 2013 gehaltenen Beiträge und einer Durchsicht des aktuellen Tagungsprogramms. Er erneuert daher seine Forderung an die Verantwortlichen der Stadt Horn-Bad Meinberg, dem Verein den Zugang zu städtischen Räumen, in 2012 tagte dieser im Rathaus, in 2013 in der städtischen Burgscheune, unmöglich zu machen.

Völkische Ideologie und Verbindungen zur extremen Rechten

Die Kritik am "Forschungskreis Externsteine" bezieht sich vor allem auf die in diesem Kreis vertretenen völkisch-germanophilen Vorstellungen und der Orientierung an Ideologen des Nationalsozialismus wie Wilhelm Teudt oder Herman Wirth, die diese Vorstellungen propagierten. Kern derer Behauptungen bilden die "Beweise" der überlegenen Kultur der "Germanen" beziehungsweise der "nordischen Rasse". Bei dieser vertretenen Ideologie ist es nicht verwunderlich, das seit Jahrzehnten engste Kontakte von Mitgliedern des "Forschungskreis Externsteine", ehemals noch "Forschungskreis Walther Machalett", zur neonazistischen Szene bestehen. Verwiesen sei an dieser Stelle nur auf das langjährige Vorstandsmitglied des "Forschungskreises" Walter Fachmann, welcher gleichzeitig in der neonazistischen "Artgemeinschaft Germanische Glaubensgemeinschaft" aktiv war.

Gescheiterte Aufarbeitung

Nicht zuletzt auf Grund der massiven Kritik setzte sich der "Forschungskreis Externsteine" in den letzten Jahren mit der völkischen Denktradition auseinander. Dabei fällt auf, dass es eine Differenz zwischen proklamierter Distanz zur völkischen Ideologie und zur extremen Rechten und dem realen Zustand im Verein gibt. Fachlich gute und kritische Beiträge zu diesem Thema fanden kaum Resonanz. Stattdessen erhielten klassische Aussagen der völkischen Bewegung / der nationalsozialistischen Germanen-Rezeption Zustimmung.

Als Beispiel soll hier der Vortrag "Die Sonne als Symbol und ihre Bedeutung in der prähistorischen Felsbildkunst" von Renate Freifrau von Lamezan in 2013 dienen. Diese betont zwar am Anfang ihres Beitrags "Mein Vortrag enthält ausschließlich eigene Feldforschungsergebnisse, die ich Ihnen in Originalen und in Dia-Bildern vorstellen werde", recht einfach ist jedoch festzustellen, das zentrale Thesen und Merkmale ihres Beitrags mit den Werken des SS-Ahnenerbe-Mitbegründers Herman Wirth übereinstimmen. In älteren Beiträgen von Frau Lamezan, welche sie teils noch unter ihrem Mädchennamen "Mangold", und später "Rohrbach" in der "Rückschau" des "Forschungskreis" veröffentlichte, bezog sie sich noch sehr offen auf die Theorien Wirths. So zitierte sie diesen in einem ähnlich gelagerten Beitrag in der "Rückschau 1998" mit den Worten: "Die nordischen Felszeichnungen sind Quelle zum Verständnis europäischer Urreligion. Was wir aufgrund dieser Symboldenkmäler ermitteln können ist dies: Dass der HOMO SAPIENS DILUVIALIS EUROPAEUS, der europäischen Rasse, ein Erfahrungswissen um die ALLKRAFT zu eigen war, die aus dem ALLHEIM auf dem SONNENWEG vom Himmel zur Erde zu dem MENSCHENHEIM kommt.“ Verändert wurden nicht der Inhalte, sondern die Bezüge und das sich daraus ergebende Fazit. Ideengeber, die durch ihre Rolle im Nationalsozialismus diskreditiert waren, wie eben Wirth, werden nicht mehr benannt, sind aber immer noch die "Väter" aktueller Deutungen, auch wenn Begriffe wie "Rasse" heute vermieden werden.

Aktuelle Kontakte

Auch Kontakte der für dieses Jahr angekündigten Referenten in dem Bereich des Neonazismus finden sich wieder. So referierte der gleich mit zwei Beiträgen angekündigte Ralf Koneckis in 2009 auf der Tagung des "Freundeskreis Ulrich von Hutten". Bei dieser Tagung handelt es sich um eine der wichtigsten regelmäßigen Seminare des Neonazismus. Hier kommen Alt- und Neonazis zusammen und verherrlichen den Nationalsozialismus. In 2009 stand die "Hohe Schule für Politik", so die Eigenbezeichnung des Treffens, unter dem Leitsatz "7.000 Jahre Geschichte des Deutschen Volkes - unser Vermächtnis für die Zukunft".

Neben Koneckis, welcher mit dem Thema "7.000 Jahre: Himmelskunde Alteuropas" angekündigt war, standen zum Beispiel der ehemalige SS-Untersturmführer und Mitglied der "SS-Leibstandarte Adolf Hitler" Herbert Schweiger, die "graue Eminenz der deutsch-österreichischen Neonazi-Szene" mit einem "Blick in die Zukunft" auf dem Programm. Die "jüngere Generation" repräsentierte Wolfram Nahrath, dieser war zum Zeitpunkt des Verbots der neonazistischen "Wiking-Jugend" 1994 deren Vorsitzender. Nahrath war mit dem Beitrag "Der erste deutsche Freiheitskampf Armins" angekündigt.

Koneckis selbst findet seinen Auftritt vor den Reihen der Alt- und Neonazis unproblematisch. Auf Anfrage ließ er verlauten: "Ich wurde zu einem wissenschaftlichen Fachvortrag eingeladen und sehe mich nicht in der Verpflichtung eventuelle politische Gesinnungen des einladenden Vereins im Vorfeld zu prüfen." Das er den politischen Charakter der Tagung nicht erkannt hat, ist angesichts der Referatsthemen und der ihm sicherlich teilweise bekannten Referenten nicht vorstellbar. Namen wie der von Helmut Schröcke, welcher zum Thema "Anthropologische Untersuchungen und Messungen" angekündigt war, müssen Herrn Koneckis auf Grund von dessen Veröffentlichungen zu den "Germanen" bekannt sein. Koneckis referierte also auf einer internen, konspirativ organisierten "Gästewoche" einer Organisation, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextrem" beobachtet, und vom Bayrischen Landesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextreme Organisation" eingestuft wird.

Angekündigt ist auch ein Vortrag von Petra Baumgart, deren Buch "Tanfana - Göttin der Marser" selbst der ehemalige Vorsitzende des "Forschungskreis" Matthias Wenger als "völkisch-rassistische Grundlegung feministischer Spiritualität" bezeichnet; " … trägt es zur Stärkung von Strömungen bei, die im Widerspruch zur demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik stehen", so Wenger.

Grundsätzlich problematische Sichtweise

Der neue Vorsitzende des Vereins, der Hamburger Anthroposoph Rolf Speckner, hielt im letzten Jahr auf der Tagung des "Forschungskreises" einen Beitrag unter dem Titel "Deutscher Traum und deutsches Trauma - das III. Reich aus anthroposophischer Sicht". In die Sichtweise seiner dort gehaltenen Äußerungen reiht sich auch ein Zitat ein, welches Speckner den Geschwistern Scholl zuschreibt. Hier zitiert er mit Bezug auf den Nationalsozialismus: "Wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen logischen Überlegungen steht das Irrationale, d.i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrist." In dieser Deutung verlieren politische Ideologien an Bedeutung, wird alles zu einem Kampf der Dämonen. Grundlage einer Auseinandersetzung mit völkischer Ideologie kann eine solche Haltung nicht sein.

Dass Speckner angesichts der Millionen Morde an den europäischen Jüdinnen und Juden behauptete, das der "Sinn" das Nationalsozialismus "in der Vernichtung der deutschen Kultur" lag, zeigt seine Sichtweise und seinen Interessenfokus. Speckner ist allein auf Grund dieser Sichtweise keinesfalls als "Aufarbeiter" geeignet. Problematisch sind aber auch die von Speckner vertretenen Standpunkte zu den Externsteinen. Auch Speckner popularisiert in seinem Buch "Das Geheimnis der Externsteine: Bilder einer Mysterienstätte" die völkische Deutung einer angeblichen "Irminsul" an den Externsteinen, wie sie von Teudt seit den 1920er Jahren in die Öffentlichkeit getragen wurde.

Anstand der Zuständigen

Ulrich Großmann, der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, stellt in dem von ihm 2009 mit herausgegebenem Sammelband "Völkisch und National. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert" fest: "Treten in den Bundesrepublik heute Neonazis auf, so erleben wir von den demokratischen politischen Parteien in der Regel die einvernehmliche Ablehnung. Sobald das Auftreten völkischer und nationaler Gruppen weniger eindeutig mit Symbolen des Dritten Reichs einhergeht, wird auch die Reaktion der Politik halbherzig. In der Diskussion um die völkische Vereinnahmung der Externsteine etwa haben führende Politiker in Lippe in den 1950er Jahren eine außerordentlich zurückhaltende Position eingenommen, die rechten Massen, die jährlich zu den Externsteinen strömen, bildeten ihrer Meinung nach offenkundig ein Fremdenverkehrspotential. Man wollte sich daher nicht auf eine Position festlegen."

Angesichts des aktuellen Nicht-Agierens der politisch Verantwortlichen der Stadt Horn-Bad Meinberg bezüglich des "Forschungskreis Externsteine" ist die Analyse Großmanns auch für die heutige Zeit noch aktuell. 2000 proklamierte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder angesichts dem Neonazismus zugeschriebenen Gewalttaten den "Aufstand der Anständigen", um die Rechtsentwicklung zurückzudrängen. Hierzu gehört jedoch nicht nur eine Zivilgesellschaft, welche sich mit dieser auseinandersetzt, sondern auch der "Anstand der Zuständigen". Die Verantwortungsträger der Stadt Horn-Bad Meinberg sind aufgefordert zu verhindern, dass diese völkische Gruppe sich weiterhin in städtischen Räumen treffen kann.

Selbstdarstellung:

Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" ist ein Zusammenschluss interessierter Personen, der sich anlässlich der aktuellen Vorgänge im Bereich der Externsteine zusammen fand und umfangreiche Materialien zum Thema ausgewertet hat.

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www.hiergeblieben.de, 26.05.2014:

Horn-Bad Meinberg: 48. völkische Tagung - Referent Wolfgang Lippek

Für die Zeit vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2014 ist die "48. Arbeitstagung" des völkisch ausgerichteten Vereins "Forschungskreis Externsteine e.V." in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg angekündigt.

Referent Wolfgang Lippek

Neben einschlägigen Referenten wie Ralf Koneckis, Günter Heinecke - und vor allem - Jürgen Mische, ist für den 29. Mai 2014 auch ein Vortrag von Wolfgang Lippek aus Lage unter dem Titel "Neue Forschungsergebnisse zu den Externsteinen" angekündigt.

"Festredner" bei neonazistischen "Festkommers" am Hermannsdenkmal

Am 17. Januar 2009 lud die neonazistische "Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld" anlässlich des "Jubiläum der denkwürdigen Schlacht im Teutoburger Wald" zu einem "Festkommers an den Fuße" des Hermannsdenkmals ein, "um mit Farbenstudenten und Freunden dieses historische Ereignis zu feiern". "Es war dies zusätzlich die erste waffenstudentische Veranstaltung am Hermannsdenkmal seit über 50 Jahren", so die veranstaltende Burschenschaft in einem ausführlichen Bericht. Dort heißt es: "Zur Feier dieses Jubiläums wählte die Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld sowohl den geeigneten Ort für einen Festkommers, und zwar eine Gastwirtschaft am Fuße des ehrwürdigen Hermannsdenkmals in Detmold, als auch einen angemessenen Termin, und zwar den Vorabend des 138. Jahrestages der Gründung des Zweiten Deutschen Reiches."

"Wichtigkeit der Hermannschlacht"

Über 150 Gäste folgten demnach der Einladung und "sorgten für einen festlichen Rahmen des Kommerses und einen dichtgefüllten Saal". Die "Normannia-Nibelungen" berichtet weiter: "In den Grußworten betonten besonders die Vertreter der Vorsitzenden Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft, aber auch der Vertreter des Freiheitlichen Akademikerverbandes Österreichs, die Wichtigkeit der Hermannschlacht für die deutsche Geschichte und mahnten im Gedenken an die Einigungsleistung der historischen Figur des Arminius zu Geschlossenheit in der deutschen Studentenschaft, aber auch im deutschen Volke bei zukünftigen Herausforderungen."

"Germanische Idee der Freiheit"

Auch die rechtskonservative und deutschnationale österreichische Wochenzeitschrift "Zur Zeit" widmete dem "Festkommers" eine längeren Artikel, Auszug: "Der Festredner des Kommerses, Dr. Wolfgang Lippek vom "Verein Arminiusforschung", beschäftigte sich ausführlich und launig mit der wissenschaftlichen Diskussion über den Schlachtort und verschaffte den Anwesenden einen Überblick über die historische Forschung im Zusammenhang mit der Schlacht und der historischen Person des Arminius. Gegen Ende seiner Ausführungen betonte er, daß die germanische Idee der Freiheit seit der Schlacht im Jahre 9 n. Chr. immer wieder eine große Rolle in der deutschen Geschichte spielte und auch für die Zukunft als historisches Vermächtnis der damaligen Ereignisse gelten könne."

Fackelzug zum Hermannsdenkmal

Der "Zur Zeit"-Artikel schließt mit den Worten: "Zum Abschluß der offiziellen Veranstaltung begaben sich die Teilnehmer in einem Fackelzug zum nahegelegen Hermannsdenkmal und mit Schillers Mahnworten an das deutsche Volk und dem Absingen des Liedes der Deutschen fand der offizielle Teil sein Ende."

"Varusjahr - Nein! Das Hermannsjahr soll es sein!"

Die neonazistische "Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld" kommentiert den Anlass des "Festkommers": "In den Medien und in den Darstellungen zahlreicher selbsternannter Experten in Deutschland ist derzeit immer wieder von der "Varusschlacht", vom "Varusjahr", von "Römer-Tagen" und vielem ähnlichen mehr zu hören. Die Redebeiträge auf dem Kommers stellten diesem seltsamen Unwillen vieler Landsleute zu einer angemessenen Behandlung der eigenen Geschichte eine klare Aussage entgegen: "Varusjahr - Nein! Das Hermannsjahr soll es sein!"

"Name des Siegers verschwiegen"

Die "Normannia-Nibelungen" weiter: Der "Festredner, Wolfgang Lippek, Vorstandsmitglied im Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe", fragte, weshalb ausgerechnet bei dieser Schlacht der Name des Siegers verschwiegen, der Name und Hintergrund des Verlierers aber immer wieder betont werde. Er geißelte die eigentümliche Vorstellung vieler Deutscher, Hermann habe die "wertvolle" Romanisierung des deutschen Raumes und damit eine dem gallischen Frankreich ähnliche Entwicklung verhindert, und betonte, daß es hier um Freiheit und Selbstentfaltung eines Volkes gegangen sei. Darüber hinaus widerlegte er an Hand zahlreicher Quellen die Inanspruchnahme des Schlachtgeschehens durch den Ort Kalkriese. Er zeigte vielmehr, daß das Hermannsdenkmal sich fast genau über dem Schlachtfeld der seinerzeit untergegangenen römischen Legionen befinde."

"Deutsche Burschenschaft"

Weitere Redebeiträge "betonten unter donnerndem Beifall die Bedeutsamkeit deutscher Einigkeit in der Gegenwart und wiesen auf die Parallelen zwischen den derzeitigen Bestrebungen zu einer "globalen Welt" und dem Weltmachtstreben des Alten Rom hin", so die "Normannia-Nibelungen". Grußworte wurden unter anderem von Vertretern der zum extrem rechten und völkischen Dachverband "Deutsche Burschenschaft" gehörende Lemgoer Burschenschaft "Cimbria" sowie der "Deutschen Burschenschaft" selbst gehalten.

Fazit

Wolfgang Lippek war "Festredner" bei einer Veranstaltung, deren Ausrichter - das war auch im Jahr 2009 schon lange bekannt - eindeutig nur als neonazistisch zu klassifizieren ist.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 15.05.2013:

Pressemitteilung: Ausgeschwärmt? - Kein Neuanfang beim "Forschungskreis Externsteine

Am 14. Mai 2013 berichtete die Lippische Landes-Zeitung ("Neuer Vorstand zeigt sich offen für Gespräche / Forschungskreis Externsteine befasst sich auch mit der eigenen Vergangenheit") über die "47. Externstein-Vortragstagen" des "Forschungskreis Externsteine", welche vom 8. bis 12. Mai 2013 in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg stattfand. Der Artikel vermittelt den Eindruck einer völligen Läuterung und eines echten Neuanfangs des bisher strikt völkisch ausgerichteten Vereins. Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" beurteilt die Situation differenzierter und kommt zu einer anderen Einschätzung.

Deutlich sichtbar waren die Bemühungen eines kleinen Kreis von Vereinsmitgliedern, welche teils auch im Vorstand des Vereins aktiv waren, über völkische Ideologie aufzuklären, teils auch sehr konkret mit Bezug auf im Forschungskreis bisher geradezu verehrte völkisch und NS-belastete Ideologen wie Wilhelm Teudt und Herman Wirth. Diese haben aber, enttäuscht vom mangelnden Willen zur Auseinandersetzung und sogar Beschimpfungen als "Nestbeschmutzer" entsetzt den Vorstand oder auch gleich den Zusammenhang des Verein verlassen. Mit den Füßen haben scheinbar auch andere abgestimmt, weit aus weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer als in den letzten Jahren erschienen.

Auch wenn der neue Vorsitzende Rolf Speckner in seinem Vortrag über "Deutscher Traum und deutsches Trauma - das Dritte Reich aus anthroposophischer Sicht" mit dem Satz: "Es muss einmal in aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, Hitler war der ärgste Feind des Deutschtums" vielleicht Neonazis verscheucht, so ist die Position, das der "Sinn" des Nationalsozialismus "in der Vernichtung der deutschen Kultur" lag, eine nationalistische Argumentation. Großes Interesse von Rolf Speckner lag beim Thema "Nah-Toterfahrung". Man konnte hierbei den Eindruck gewinnen, dass er suggerieren wollte, die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager wären in der seltenen und glücklichen Position gewesen, eine solch übersinnliche Erfahrung gemacht zu haben. Dass er die Morde am Templer-Orden im 14. Jahrhundert als mit dem Holocaust vergleichbar bezeichnet, kann nur als Relativierung betrachtet werden, auch wenn Speckner das so nicht verstanden haben will.

Nachdem der Vorstand 2012 auf Grund der klaren Bekenntnisse zu völkisch-nationalsozialistischen Ideologen durch Referenten, die mit brausendem Applaus vom Publikum bedacht wurden, zurückgetreten war, wurden in diesem Jahr eben nicht jene ins Amt gewählt, welche die Aufklärung (moderat) vorangetrieben haben, sondern andere. Der neue Vorsitzende sprach sich gleichzeitig für eine Abgrenzung von nazistischer und völkischer Ideologie aus, betonte aber gleichzeitig, man müsse zwischen der politischen Einstellung dieser Ideologen und deren wissenschaftlichem Wirken trennen. Explizit erweiterte er das "wissenschaftliche" auch auf die "Schau", also das einfach Deuten oder Behaupten. Es stellt sich die Frage, wie mit dieser Haltung zum Beispiel die Deutungen Teudts oder Wirths aufgearbeitet werden können? Wenn Speckner im Gespräch mit der Lippischen Landes-Zeitung betont, "wichtig ist jetzt jedoch, für die Zukunft handlungsfähig zu sein", so drängt sich der Eindruck auf, dass gerade so viel Aufarbeitung gewünscht ist, wie Druck auf den Verein ausgeübt wird. Danach wolle man sich wieder den "Kernthemen widmen". Eben jene Kernthesen sind es jedoch, welche die völkische Ideologie des Vereins in sich tragen.

Das wurde im Rahmen der Tagung auch wieder deutlich: Ältere vom Verein herausgegebene Schriften, welche die Lehren von Walther Machalett, Teudt und Wirth preisen, wurden weiterhin verkauft. Die enge ideologische und persönlich-biographische Verbindung von Teilen der Mitglieder zu den völkischen Ideologen, bei einigen aber auch das Festhalten an hochproblematischen Deutungen führen dazu, dass der Verein auch nach der diesjährigen Tagung sehr kritisch betrachtet werden muss. Von einer Überwindung der Vergangenheit kann noch lange nicht gesprochen werden, denkbar ist eine Renaissance des völkischen Denkens nach einer Distanzierung vom Nationalsozialismus.

Von einem Neuanfang, wie Rolf Speckner suggeriert, kann auch daher nicht gesprochen werden, da Personen des neuen Vorstands die völkischen Inhalte des Vereins zum Teil seit 10 Jahren als Mitglieder mit getragen haben. Ausgeschwärmt hat man im "Forschungskreis Externsteine" also noch nicht.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 30. April 2013:

"Schwärmen für Germanien" - wieder völkische Schwarmgeister in Horn-Bad Meinberg

- Pressemitteilung zu den "47. Externstein-Vortragstagen" (8. bis 12. Mai 2013 in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg) des vom völkischen Denken tief durchdrungenen "Forschungskreis Externsteine"

Vor einigen Wochen wurde im Bremer Focke-Museum unter großer Medienaufmerksamkeit die Ausstellung "Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz" eröffnet (vgl. Lippische Landes-Zeitung vom 22. März). Sie beleuchtet die Entstehung des Konstruktes "Germanien" und die ideologischen und praktischen Verschränkungen von Archäologie und Nationalsozialismus. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie die konstruierten Germanen-Bilder in der Nachkriegszeit weiterlebten.

Gleich in mehreren Vitrinen finden sich Objekte mit direktem Bezug zum "Forschungskreis Externsteine", der vom 8. bis 12. Mai in der städtischen Burgscheune in Horn-Bad Meinberg eine Tagung abhalten will. Denn der "Forschungskreis Externsteine" verbreitet genau das Gedankengut derjenigen völkischen Ideologen, die den Glauben an eine überlegene "arisch-germanische Rasse" konstruierten und förderten.

Von Teudt und Wirth zu Machalett - völkische Kontinuitäten par excellence

Die in der völkischen Bewegung der 1920er Jahre propagierte und im Nationalsozialismus zur staatstragenden Ideologie gewordene Ansicht, es habe in der Vorzeit eine Hochkultur der "weißen Rasse" gegeben, wurde unter anderem von den völkischen Esoterikern und SS-Protagonisten Wilhelm Teudt und Herman Wirth vertreten; sie betrachteten die Externsteine nahe Horn-Bad Meinberg als wichtigen Kultort dieser Kultur. Ihre rassistischen Ideen nahm in der Nachkriegszeit der Autor Walther Machalett auf und verbreitete sie in Vorträgen und Büchern, beispielsweise in einem seiner Hauptwerke mit dem Titel: "Die EXTERNSTEINE - Das Zentrum des Abendlandes - Die Geschichte der weißen Rasse". Seit den 1960er Jahren trafen sich die Anhänger dieser Ideen unter dem Namen "Forschungskreis Walther Machalett" jährlich an den Externsteinen; Wirth war in den 1970er Jahren sogar selbst Teilnehmer einer Tagung. 2007 entstand aus diesem Zirkel der "Forschungskreis Externsteine".

Selbstreflexion: Fehlanzeige

Nach antifaschistischen Protesten hatte der Vereinsvorsitzende Matthias Wenger 2011 eine Aufarbeitung der extrem rechten Vergangenheit des Vereins angekündigt. Doch damit scheiterte er auf ganzer Linie: Auf den "46. Externstein-Vortragstagen" im Mai 2012 bekräftigte der Referent Jürgen Mische sein Bekenntnis zu dem völkischen Schwarmgeist Wilhelm Teudt und dessen rassistischer Germanen-Schwurbelei: "Die erwähnte Hauptthese (Wilhelm Teudts) ist astronomisch und fachmännisch untersucht worden und in der Sache richtig. Bis zur allgemeinen Anerkennung wird vielleicht noch einiges Wasser die Weser herunter fließen, aber die Wahrheit lässt sich nicht unterdrücken." Das Publikum war angesichts solcher Worte hellauf begeistert, lautstarker Applaus brandete auf - ungeachtet der Tatsache, dass die Thesen Teudts heute - wie in der Bremer Ausstellung zu sehen - wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Doch nicht nur inhaltlich, auch personell scheinen die Verbindungen des "Forschungskreis Externsteine" weit ins rechte Lager zu reichen: So durfte während der letztjährigen Tagung mit Burkhard Weecke ein bekannter Vertreter der organisierten extremen Rechten einen Büchertisch anbieten. Weecke, der stellvertretender Vorsitzender des Kasseler "Thule-Seminars" und völkischer Verleger ist, hatte offen Bücher aus Verlagen wie dem "Grabert Verlag" ausgelegt, die das Bundesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextremistisch" einstuft. Und das im Rathaussaal der Stadt Horn-Bad Meinberg, die dem Verein die Räumlichkeiten trotz öffentlicher Kritik freundlich überlassen hatte und ihm damit quasi die offiziellen Weihen der Politik zukommen ließ.

Angesichts all der Vorfälle auf der Tagung 2012 - dem offenen Bekenntnis zu einem völkischen "Germanenkundler", dem anhaltenden Applaus der überwältigenden Mehrheit der Anwesenden und der Einbindung eines Aktivisten der extremen Rechten in die Tagung - kann keine Rede mehr davon sein, dass hier ein Aufarbeitungsprozess ernsthaft in Angriff genommen worden wäre. Hinzu tritt die Tatsache, dass der "Forschungskreis Externsteine" und sein Vorsitzender Matthias Wenger mit dem Programm der diesjährigen Tagung wiederum an der unsäglichen Tradition der letzten Jahre anknüpft - unter dem Diktum der Meinungsfreiheit.

Same procedure as last year - same procedure as every year!

"In den ersten vier Jahrzehnten dominierte in diesem Kreis eine Form der Meinungsfreiheit, die mich auf jeder Tagung immer wieder erneut fasziniert hat", schreibt der Vereinsvorstand in der Einladung zur diesjährigen Tagung. Die in den vergangenen Jahrzehnten gehaltenen völkischen und extrem rechten Vorträge sieht er als Zeichen großer "Meinungsfreiheit", die Tagungen selbst sogar als "eine hohe Schule der Toleranz". Dem Verein schließlich schreibt er die positive Eigenschaft zu, Ideologie von wissenschaftlicher Forschung trennen und Missbrauch erkennen zu können: "Und weil wir uns seit einiger Zeit entschlossen haben, diesen Mißbrauch offen zu benennen, können wir vielleicht noch besser als andere Organisationen in Lippe über historisch und politisch belastete Meinungsverschiedenheiten sprechen." (Rechtschreibung im Original)

Doch was sich so schön liest, ist bei näherem Hinsehen lediglich oberflächliche Weißwäsche: Unbekümmert weist auch das Tagungsprogramm 2013 Vorträge mit völkischem Fokus aus. So stehen auch dieses Jahr wie schon häufiger wieder die angeblichen "Großskulpturen" an den Externsteinen auf dem Programm, die vor allem von der bis zu ihrem Tod in der extremen Rechten aktiven Elisabeth Neumann-Gundrum hier hineingedeutet wurden - als Beweis für die angebliche "Hochkultur der Germanen". Weitere Vorträge zeigen schon im Titel völkische Themensetzungen, etwa Günter Heineckes Behandlung der "ostwestfälische(n) Irminsullandschaft". Auch Beiträge wie Rolf Speckners "Deutscher Traum und deutsches Trauma - das Dritte Reich aus anthroposophischer Sicht", die vermutlich der Aufarbeitung dienen sollen, lassen kaum eine rationale Auseinandersetzung mit der Problematik vermuten.

Völkische Schwarmgeister - herzlich willkommen in der Stadt Horn-Bad Meinberg?!

In den letzten beiden Jahren haben wir als "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteine"“ in insgesamt sieben Pressemitteilungen (siehe Anlagen) auf die ideologischen und personellen Verbindungen des "Forschungskreis Externsteine" hingewiesen. Trotz der Behauptung des Vereinsvorsitzenden, die extrem rechte Vergangenheit aufarbeiten zu wollen, bleibt festzustellen, dass die ideologische Kontinuität völkischen Denkens in diesem Kreis anhält: Beim "Forschungskreis Externsteine" handelt es sich bis heute um eine germanophile, völkischen Vorbildern folgende Gruppierung. Angesichts des während der letzten Tagung offensichtlich gewordenen Scheiterns der angekündigten Aufarbeitung erwarten wir, dass die auch bisher schon unverständliche Raumvergabe an die völkischen Schwarmgeister durch die Stadt Horn-Bad Meinberg nicht mehr stattfindet - weder in der Burgscheune noch in einem anderen öffentlichen Gebäude. Der "Forschungskreis Externsteine" sollte nun endlich durch die Verantwortlichen der Stadt Horn-Bad Meinberg als vom völkischen Denken tief durchdrungene Organisation wahrgenommen werden.

Wir fordern daher weiterhin:

- die sofortige Einstellung der in der Vergangenheit durch die Stadt Horn-Bad Meinberg faktisch - durch Bereitstellen von Infrastruktur - und symbolisch - durch Grußworte des Bürgermeisters - geleistete Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine"

sowie

- die sofortige Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins durch das zuständige Finanzamt.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 29.05.2012:

Pressemitteilung / "46. Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreises Externsteine e.V." / Eine Bilanz

Kein Abrücken von völkischen Vordenkern

Vom 16. bis 20. Mai 2012 fanden die zuvor als völkisch kritisierten "46. Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreis Externsteine e.V." im Rathaussaal der Stadt Horn-Bad Meinberg statt. Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" zieht in seiner siebten Pressemitteilung seit Mai 2011 (1) eine ausführliche Bilanz:

Fast rief es der Referent Jürgen Mische in den Raum: "Die erwähnte Hauptthese (Wilhelm Teudts) ist astronomisch und fachmännisch untersucht worden und in der Sache richtig. Bis zur allgemeinen Anerkennung wird vielleicht noch einiges Wasser die Weser herunter fließen, aber die Wahrheit lässt sich nicht unterdrücken." Dass fast alle der zu diesem Zeitpunkt circa 50 Teilnehmenden der 46. Tagung des "Forschungskreises Externsteine e.V." angesichts dieses Bekenntnisses zu dem "Germanenkundler", der von sich selbst sagte, er sei ein Nationalsozialist "bis auf die Knochen", begeistert Beifall klatschten, belegte augenfällig, dass es sich beim "Forschungskreis Externsteine" bis heute um eine germanophile, völkischen Vorbildern folgende Gruppierung handelt.

Dieser Eindruck wurde noch durch die Aussage des Teilnehmers K. Walter Haug, der 2011 bei den "45. Externstein-Vortragstage" über "Das wahre Alter der Externsteine" referierte, bestärkt, der findet: "Teudt und Machalett sind immer noch die bedeutendsten Erforscher der Externsteine." (2)

Dass diese Tagung mit ihren völkischen Inhalten und mit ihrer extrem rechten Propaganda im Rathaus des kleinen, in der Nähe der Externsteine gelegenen Ortes Horn-Bad Meinberg stattfinden konnte - und somit öffentliche Weihen genoss, ist eine Provinzposse.

Von Teudt und Wirth zu Machalett

Der "Forschungskreis Externsteine" entstand 2007 aus einem 1968 gegründeten "Forschungskreis" von Walther Machalett, welcher nach einiger Zeit auch als "Forschungskreis Walther Machalett" fingierte. Machalett entwickelte eine eigene Deutung, nach der die Externsteine das Zentrum des Abendlandes sind. Die Bücher Machaletts wie beispielsweise der Band 5 seines Hauptwerks "Die EXTERNSTEINE - Das Zentrum des Abendlandes - Die Geschichte der weißen Rasse" (3) sind ethnozentristisch und rassistisch.

Im Kern versuchte er die Existenz einer prähistorischen Hochkultur der "weißen Rasse" zu belegen, die Externsteine waren ihm dabei ein Teil seiner "Beweiskette". Die Lehren Machaletts gehen zurück auf andere völkische Ideologen, die teilweise im Nationalsozialismus bedeutende Funktionen einnahmen, wie zum Beispiel Wilhelm Teudt oder Herman Wirth. Auch von den Mitgliedern des als Verein organisierten "Forschungskreises" wurden diese in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder rezipiert.

Wirth war sogar selbst Teilnehmer der 7. Tagung des Kreises. Ein späterer Bericht des Vereins erwähnt die Anwesenheit des "legendär(n) Ursymbolforscher(s) Herman Wirth, der den Tagungsteilnehmern neben seinem Vortrag wohl eine der spannendsten Führungen an den Externsteinen ermöglichte, die sie jemals erlebt haben dürften." (4)

Die im "Forschungskreis" vertretene rassistische Germanen-Ideologie sorgte für eine Reihe von Überschneidungen zum Bereich des militanten Neonazismus. So stand 1978 ein Vortrag von Heiko Oetker, der ab 1979 "Bundesfahrtenleiter" der "Wiking-Jugend" war, auf dem Programm der Tagung. Führende Mitglieder des "Forschungskreises" referierten mehrfach bei der neonazistischen "Hetendorfer Tagungswoche" oder veröffentlichten Artikel in Publikationen der extremen Rechten.

Kritik

Seit den 1990er Jahren machten antifaschistische Initiativen immer wieder auf den "Forschungskreis" aufmerksam und kritisierten die Tagungen. Allerdings verhinderte die Fixierung auf den militanten Neonazismus in der Vergangenheit eine genauere und kontinuierliche Auseinandersetzung. Erstmals 2011 wurde anlässlich der Tagung des Vereins eine detaillierte Kritik am "Forschungskreis" und der Vergabe öffentlicher Räume an diesen geäußert. Der Vereinsvorstand unter Führung des Vorsitzenden Matthias Wenger reagierte mit dem Versprechen, die Geschichte aufzuarbeiten und bestritt aktuelle Bezüge des Vereins zur extremen Rechten.

Aussagen, denen der kritisierende "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" angesichts der massiven Verstrickungen der Vereinsmitglieder und der langen völkischen Kontinuität ihrer führenden Repräsentanten keinen Glauben schenkte - auch nicht, da Wenger selbst eine eigene Geschichte im extrem rechten Neuheidentum hat. Zwar behauptete er selbst, sich Mitte der 1990er Jahre von der extremen rechten Version des Neuheidentums gelöst zu haben, da er jedoch zumindest bis 2004 Vorträge bei der extrem rechten Organisation "Ur-Europa" - der ehemaligen "Herman-Wirth-Gesellschaft" - hielt, bestanden begründete Zweifel daran, dass Wenger den Verein wirklich in eine emanzipatorische Richtung wenden wollte und will.

Immer wieder wies der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" auf Verbindungen zur extremen Rechten und hochgradig problematische ideologische Aussagen aus dem Verein hin und forderte den Bürgermeister der Stadt Horn-Bad Meinberg auf, die Zusage für die öffentlichen Räume zurückzuziehen. Das wurde, gerade im Vorfeld der diesjährigen Tagung, mit Verweis auf den vermeintlichen Aufarbeitungsprozess abgelehnt.

Aufarbeitung

Tatsächlich hatte der Verein für die diesjährige Tagung eine umfangreiche Aufarbeitung angekündigt. In seinem Auftaktvortrag arbeitete Vereinsvorsitzender Matthias Wenger die Thesen des Gründers des "Forschungskreises" Walther Machaletts heraus und stellte fest, "dass Rasse für Machalett ein Fetisch ist", der mit Selektionsgedanken einher gehe. Er belegte die Verwobenheit mit im Nationalsozialismus wichtigen Ideologen wie Wilhelm Teudt und wichtigen Ideologien wie der "Welteislehre". Diese hätten Machalett in seinen durch "Erleuchtung" gewonnenen Überzeugungen bestätigt, dass es sich beispielsweise bei den Externsteinen um ein vorchristliches astronomisches Observatorium gehandelt habe.

Wenger verwarf Machaletts völkisch-rassistische Lehren, behauptete jedoch weiter, dass "die Externsteine auch schon ein heiliger Ort vor 10.000 Jahren" gewesen seien. Die Externsteine wolle er als "Hüter oder Wächter" bewahren, sie jedoch nicht als Ausdruck einer "imperialen Macht" - unter die er den Nationalsozialismus subsummiert - verstehen. Damit möchte Wenger die NS-Belastung des Themas überwinden, ohne jedoch die völkische Grundsubstanz zu reflektieren.

Die "neue" Aufgabe des Vereins sieht er darin, die "aus der Unrast des linearen Zeitbegriffs resultierenden Schäden zu heilen"; damit wendet er sich mit zivilisationskritischem Duktus gegen die Moderne und sucht sein "Heil" in der esoterischen Vorstellung eines völkischen Naturzustands.

Scheitern

Wenger hatte bezüglich des völkischen Denkens gesagt: "Wir lassen es für immer hinter uns." Schon der ihm folgende Referent, der bekennende Teudtianer Jürgen Mische, bewies das Gegenteil - nicht nur durch seine Anmerkung, dass sich "die Wahrheit" einen Weg bahnen werde, sondern auch durch seinen Vortrag. In diesem konstruierte er, perfiderweise mit Rückgriff auf den Initiator der Auschwitz-Prozesse Fritz Bauer, für die Germanen eine besondere Beziehung zu Demokratie und Widerstand. Er entwarf das Bild eines freiheitsliebenden, demokratischen Germanenvolkes, dem er die unterdrückenden Römer und Christen entgegensetzte, und verstieg sich zu der Aussage: "Gehorsam war den Deutschen ein fremder Begriff."

Renate Genth hingegen beschrieb in ihrem anschließenden Vortrag die Unterschiedlichkeit der Germanen-Bilder im Laufe der Zeit und verdeutlichte damit, dass es sich hier um eine Projektionsfläche handelt. Im Rahmen des Aufarbeitungsprozesses hatte der Vorstand des "Forschungskreises" im Anschluss einen Vortrag der Wissenschaftlerin Luitgard Löw über Herman Wirth vorgesehen. Diese war jedoch verhindert, so dass Dr. Karsten Wilke von der ebenfalls miteinbezogenen "Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold" ihren Vortrag verlas. Allerdings fokussierte der Vortrag auf die Biographie Wirths, was nicht zu einer Kontroverse unter den Anwesenden führte und leider auch keinen Bezug zum "Forschungskreis" nahm.

Als letztes Referat des Tages sollte der Vortrag von Rolf Speckner über "Die Grabungen an den Externsteinen in den Jahren 1934 bis 1936 aus heutiger Sicht" der Aufarbeitung dienen. Allerdings bagatellisierte Speckner den politisch-ideologischen Hintergrund dieser NS-Grabungen. Stattdessen arbeitete er sich Befund um Befund an der unzureichenden Dokumentation der 1930er Jahre ab, wobei er betonte, die Faktenlage sei komplex und eine vorchristliche Zeitstellung der Externsteine zumindest nicht auszuschließen. Speckner schloss mit der Aussage, es habe in den 1930er Jahren zwar "bei dem ein oder anderen" politische Gründe für eine Ausgrabung der Externsteine gegeben, heute habe aber "die Verschweigung der Grabung politische Hintergründe". In solchen Sätzen schwingt die verschwörungstheoretische Meinung Speckners mit, dass es eine Wahrheit gebe, die seit 1968/69 durch eine zunehmende Politisierung der Wissenschaft immer mehr unterdrückt würde. In Bezug auf die archäologischen Ausgrabungen an den Externsteinen kann das nur das Verschweigen einer uralten vorchristlichen Tradition sein.

Völkische Schwarmgeister im Rathaussaal

Die Aussagen von Mische und Speckner waren ein offener Affront gegen die zaghaften Modernisierungsversuche von Teilen des Vorstandes des "Forschungskreises". Der Applaus und vor allem die anschließende Diskussion ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass die überdeutliche Mehrheit der Anwesenden diese Versuche ebenfalls nicht mittragen. Auch Wenger selbst mochte sich nicht in Gänze von den völkischen Ideologen distanzieren, das hätte wohl auch seine Position als Vereinsvorsitzender gefährdet.

So bleibt festzustellen, dass die ideologische Kontinuität völkischen Denkens in diesem Kreis anhält. Auch auf der organisatorischen Ebene war diese festzustellen: Mit Burkhard Weeke aus Horn-Bad Meinberg bot ein Verleger der extremen Rechten Literatur des vom Bundesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextremistisch" eingestuften "Grabert Verlag" sowie ein Werk von Herman Wirth aus dem neonazistischen Wiener "Volkstum-Verlag" zum Kauf an. Bei der abendlichen Diskussion war passenderweise dann auch der langjährige neonazistische Kader Steffen Hupka anwesend, der auch schon als Teilnehmer bei Tagungen von "Ur-Europa" aufgefallen war.

Angesichts des während der Tagung offensichtlich werdenden Scheiterns der Aufarbeitung erwarten wir, dass die auch bisher schon unverständliche Raumvergabe an die völkischen Schwarmgeister durch die Stadt Horn-Bad Meinberg im nächsten Jahr nicht mehr stattfindet - weder im Rathaus noch in einem anderen öffentlichen Gebäude. Wir können uns auch nicht vorstellen, dass sich bei der Beratung der "Aufarbeitung der Vergangenheit" des "Forschungskreises Externsteine" durch die "Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold", auf die der Horn-Bad Meinberger Bürgermeister wiederholt hinwies, ebenfalls etwas anderes als ein nachhaltiges Scheitern heraus kristallisiert hat.

Der "Forschungskreis Externsteine e.V." sollte nun endlich durch die Verantwortlichen der Stadt Horn-Bad Meinberg als vom völkischen Denken tief durchdrungene Organisation wahrgenommen werden.

Wir fordern daher weiterhin:

- die sofortige Einstellung jeglicher Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine e.V." durch die Stadt Horn-Bad Meinberg - einschließlich der symbolischen Unterstützung, die durch ein Interaktionsverhältnis mit dem Verein, zum Beispiel durch Grußworte des Bürgermeisters entsteht,

sowie

- die sofortige Entziehung der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt.

(1) Alle Mitteilungen dokumentiert in:
www.hiergeblieben.de/pages/textanzeige.php?limit=10&order=datum&richtung=DESC&z=1&id=34910
(2) Dokumentiert in: www.sinossevis.de/upload1/_Wider_die_Idiotie.pdf.
(3) 1970, Hallonen-Verlag.
(4) Fachmann, Wolfgang: Die Geschichte des Arbeitskreises in Bildern und Geschichten. In: Rückschau (2005 / 2006), S. 4 f.

Selbstdarstellung:

Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" ist ein Zusammenschluss interessierter Personen, der sich anlässlich der aktuellen Vorgänge im Bereich der Externsteine zusammen fand und umfangreiche Materialien zum Thema ausgewertet hat.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 22.05.2012:

Vorläufige Bilanz der "46. Externstein-Vortragstage": Kein Abrücken von völkischen Vordenkern und weiterhin Kontakte in die extreme Rechte

Am 20. Mai 2012 sind die völkisch verhafteten "46. Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreises Externsteine e.V.", welche großteils im Rathaussaal der Stadt Horn-Bad Meinberg stattfanden, zu Ende gegangen. Nachdem schon im letzten Jahr der "Forschungskreis Externsteine" für die in der Vereinsgeschichte allgegenwärtige Rezeption völkischer Ideologen und die Verstrickungen mit der extremen Rechten oder gar des Neonazismus kritisiert worden war, hatte der Vorstand des Vereins eine umfassende Aufarbeitung dieser Vorwürfe angekündigt.

Aus Sicht des "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" haben die Vorträge und Diskussionen gezeigt, dass diese Aufarbeitung und Distanzierung fast durchweg als gescheitert anzusehen ist.

Die Mitglieder sind, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, unbelehrbare alte und junge Germanophile. Bei ihnen besteht keinerlei Bereitschaft, auch nur einen Millimeter von den alten völkischen Vorbildern wie Wilhelm Teudt oder Herman Wirth abzurücken. Soweit wir feststellen konnten, gab es nicht einmal ansatzweise eine Auseinandersetzung zu dem Zusammenhang der Rezeption von Ur-Frühgeschichte und Germanen-Deutung mit rechten Weltbildern oder dem Nationalsozialismus. Stattdessen wurde beklagt, dass die nationalsozialistischen Grabungen an den Externsteinen heute aus politischen Gründen verschwiegen würden.

Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" wird in Kürze in einer weiteren Veröffentlichung den Verlauf der Tagung ausführlich bilanzieren.

Scheitern konkret

An dieser Stelle nur drei Beispiele: Der Referent Jürgen Mische bekannte sich nach seinem Vortrag "Widerstandsrecht und -Pflicht bei den Germanen" - unter Beifall des Saales - ausdrücklich zu dem NS-Germanenkundler Wilhelm Teudt. Rolf Speckner schaffte es in seinem Referat "Die Grabungen an den Externsteinen in den Jahren 1934 bis 1936 aus heutiger Sicht" nicht ein einziges Mal deren politisch-ideologischen Hintergrund zu benennen. Ein Büchertisch auf der Tagung, auf dem auch ein Buch von Herman Wirth aus dem "Volkstum-Verlag" - sowie Literatur des vom Verfassungsschutz als "rechtsextremistisch" eingestuften "Grabert Verlag" zu erwerben war, wurde von Burkhard Weeke aus Horn Bad-Meinberg, einem wichtigen Aktivisten des zur "Neuen Rechten" zählenden "Thule-Seminar", betrieben.

So ist festzustellen, dass von einer Läuterung des "Forschungskreises Externsteine" nicht gesprochen werden kann.

Wir fordern daher die Stadt Horn-Bad Meinberg erneut auf, sich glaubhaft vom "Forschungskreis Externsteine" zu distanzieren, und diesem ab sofort und zukünftig jegliche Unterstützung zu entziehen! Weiterhin fordern wir die die sofortige Entziehung der Gemeinnützigkeit des "Forschungskreises Externsteine" durch das zuständige Finanzamt!

In der Anlage dokumentieren wir eine E-Mail von K. Walter Haug vom 18. Mai 2012. In unserer Pressemitteilung vom 30. April 2012 "Vorne "Hui" und hinten "Pfui" - Kein völkisch-germanophiles Treiben im Rathaus von Horn-Bad Meinberg" hatten wir unter der Überschrift "Kontinuität völkischer Mythen" geschrieben:

"( ... ) Auch ein Blick in die "Rückschau 2011", die vom "Forschungskreis Externsteine" herausgegeben wird und die Tagungsbeiträge des Jahres 2011 dokumentiert, lässt erkennen, dass weiterhin völkische Mythen verbreitet werden. So behauptet K. Walter Haug in seinem Beitrag "Das wahre Alter der Externsteine": "Es gibt eine Hochkultur in Deutschland, die alles in den Schatten stellt, was die offizielle Archäologie den Menschen hierzulande vorgaukelt. Die "drei Kaiserberge" zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen sind unsere "Pyramiden von Gizeh". Vor diesem Hintergrund erst kann man die Externsteine als das älteste und besterhaltene Relikt aus dieser grandiosen Epoche verstehen." (11)

Klar, es muss schon eine Hochkultur sein, die es in Deutschland schon gab, als alle anderen noch in geistiger Umnachtung lagen. Das kann ein "gewöhnlicher Kunstlehrer" erkennen, wenn er ein paar "stilistische Vergleiche" anstellt. Könnte nach Auffassung von Haug auch jeder andere, doch da "offensichtlich ideologische Verbohrtheit Wissenschaft und Forschung derart knebelt, dass nicht einmal die elementarsten Erkenntnisse hierzulande Raum greifen dürfen", passiert das halt einfach nicht. Wer hier formuliert, dass auf Teufel komm raus der germanische Herrenmensch mit seiner Kulturhöhe konstruiert wird, der wird auf den scharfen Widerspruch des "Forschungskreises" treffen. Anders lässt sich so viel ideologischer Unsinn aber nicht bewerten. ( ... )"

Anlage:

Dokumentation: K. Walter Haug, 18.05.2012:

"Die seltsame Karikatur eines bedeutenden Kritikers faschistischer Umtriebe

Jan Raabe unterstellt in seinem in Horn verteilten Flugblatt "Vorne Hui und hinten Pfui", dass durch die staatlicherseits ignorierten Ergebnisse der Cairn-Forschung der germanische Herrenmensch auf Teufel komm raus konstruiert werden soll. Wie kommt dieser selbst ernannten Großinquisitor des reinen Antifaschismus zu diesem überraschenden Ergebnis? In keiner einzigen Publikation der Cairn-Forschung wurden die Germanen jemals als Herrenmenschen bezeichnet. Die Germanen waren lediglich ein kleiner Teilstamm der eisenzeitlichen Kelten. Tatsächlich gab es ein von antiken Autoren überliefertes, europaweites Reich "Celtica", das bislang noch in keiner Weise angemessen erforscht wurde und dem der Ursprung der von uns entdeckten Monumente zugesprochen werden kann. Alle Indizien und Beweise weisen in diese Richtung. Dieses Reich dürfte in Wirklichkeit sogar von asiatischen Skythen, also militanten Reiter-Nomaden und nicht von Germanen okkupiert und regiert worden sein.

Raab ist schlechterdings dafür bekannt, von den Forschungen an den Externsteinen so gut wie keine Ahnung zu haben. Ihn kümmert die Archäologie, die Archäo-Astronomie und Vorgeschichtsforschung rund um den Externstein einfach nicht, denn er argumentiert, wenn man das überhaupt so nennen darf, denn es handelt sich schlicht um blanke Polemik, rein ideologisch. Und mit diese Art der Kritik greift er tief in die Werkzeugkiste des Unmenschen.

Wer ernsthaft forschende Menschen in den Geruch der nazistischen Herrenmenschen rücken will, nur weil sie die Größe des erforschten Gegenstands in ihrem ganzen Ausmaß beschreiben, wer darauf hinweist, dass es hierzulande eine völlig übersehene Hochkultur gibt, die von einer privaten Forschungsgesellschaft ausgegraben wird, die mit Dr. Fomenko vom Chronologie-Institut an der Lomonossow-Universität in Moskau und mit dem bosnischen Pyramidenforscher Dr. Semir Osmanagich zusammenarbeitet, einer Hochkultur, die natürlich auch jeder Archäologe jederzeit mit ausgraben kann, wenn er nur wollte und nicht durch seine akademischen Scheuklappen am Erkennen der Wahrheit gehindert würde, der betreibt einfach nur das, was die klerikalen Folterknechte des Mittelalters mit den Wissenschaftlern ihrer Zeit getrieben haben.

Anti-wissenschaftliches Denken ist bei ungebildeten Menschen weit verbreitet; wenn sie überhaupt mit wissenschaftlichen Fragen belästigt werden, dann reagieren sie unwirsch und reflexhaft. Was der nicht so kluge Mensch nicht versteht, das lehnt er von vornherein ab.

Dieses Bild vermittelt Raab. Er hinterlässt tatsächlich einen sehr verheerenden Eindruck.

Hier bedient sich einer offenbar des primitivsten Klischees, das unsere Nachkriegsgesellschaft überhaupt zu bieten hat: Der böse Nazi. Damit fährt jeder gut, der eigentlich überhaupt keine Argumentationsbasis für seine üblen und dumpfen Ressentiments hat. Damit ist man gesellschaftlich immer auf der sicheren Seite. Die Dreckschleuder wirkt zuverlässig. Der vom Dreck getroffene schreit tief getroffen auf und unternimmt sofort alles, um sich ja vom geschleuderten Dreck reinzuwaschen und sein vorheriges Image wieder herzustellen, was ihm meist nicht mehr gelingt. Der Geruch, das Geschmäckle hat sein gepflegtes Selbstbild für immer zerstört. Abertausende, ja Millionen derart gesellschaftlich ruinierte Menschen wandern mittlerweile als Zombies und Parias inmitten von uns.

Raab schreibt vom Herrenmenschen und begreift nicht, dass es sich bei dieser abartigen Gestalt um eine historische Herrschergestalt handelt, die erforscht werden muss, wie die Zecken an Raabs Waldi oder sonst was, um Herrscher, die Tausende von Sklaven quälen durften, damit ihre einzigartigen Monumente errichtet werden konnten. Insofern ist jeder Pharao ein Herrenmensch. Doch kümmert das irgendeinen Esoteriker, der die Pyramid-Power erfühlt, der die magischen Kräfte leibhaftig zu erfahren meint, wenn er sich in den Bann vorgeschichtlicher Kultstätten und Heiligtümer begibt?

Diese weit verbreitete bigotte Haltung kritisiert Raabe keineswegs. Auch sind ihm die real regierenden Herrenmenschen unserer Zeit keinen einzigen Satz wert. Raabe erkennt gar nicht, um was es eigentlich geht in unserer Gesellschaft, um Pressure-Groups, die es schaffen, 6 Millionen Menschen von einem Tag zum anderen zu Außenseitern abzustempeln und in ihrer perspektivlosen Arbeitslosigkeit verwahrlosen zu lassen. Das Geld, das für effektive Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen da war und das durch Streichung und als Steuergeschenk den Reichen zugeschanzt wurde, vermehrt lediglich ein globales Vermögen, dass von seriösen Fachleuten auf insgesamt unfassbare 16,3 Trillionen geschätzt wird, Schwarzgeld, das von jeder Steuer befreit von einer Steueroase zur anderen verschoben wird.

Keine Frage, dass dieses Geld den darbenden Bevölkerungen dringend fehlt und viel Positives für qualitatives Wachstum weltweit bewirken könnte, man denke nur an die fehlenden Mittel in der dringend zu fördernden Bildung. Diese Kapital-Faschisten, denen er seinen niedrigen Bildungsstand eindeutig zu verdanken hat, wagt ein stromlinienförmig Agierender wie Raabe natürlich nicht zu kritisieren. Stattdessen fällt er über einen Verein her, der - nur noch zum geringeren Teil - einer Idee vorgeschichtlicher Größe frönt, die der Externstein durch seine pure Existenz verkörpert. Dass allein dieses Faszinosum als nazistisch und damit barbarisch und unmenschlich hingestellt werden kann, gibt es nur in Deutschland, denn welcher Ägypter würde in den Geruch eines Unmenschen geraten, wenn er auf die Größe der Cheopspyramide und damit auf die einzigartige Bedeutung und Leistungskraft seiner Vorfahren hinweist?

Die Herabwürdigung von Menschen, die absolut nichts mit Nazis zu tun haben und hatten, als derartige Unmenschen ist ein Verbrechen an Unschuldigen, das natürlich geahndet werden muss, das aber durch die herrschenden Verhältnisse keiner gerechten Strafe zugeführt wird. Die deutsche Nation als quasi 51. Staat des amerikanischen Imperiums hat gefälligst kein Nationalgefühl zu haben, wie andere Nationen es selbstverständlich besitzen. Deshalb wird alles Nationale als nazistisch diffamiert. Man kann froh sein, dass es das Ventil National-Fußballmannschaft überhaupt noch geben darf. Ansonsten haben wir Europäer und Weltbürger zu sein. Schon dem Wort deutsch und Deutscher haftet mittlerweile der unangenehme Geruch von Zyklon B an. Wer aber als kritisch Nachfragender an der Existenz von Gaskammern zweifelt, kann wegen Leugnung des Holocaust verurteilt werden. Gibt es ein ähnliches Gesetz in den USA, der Gleiches den Leugnern des Völkermords an den Indianern androht? Wurde der Völkermord an den türkischen Armeniern jemals ernsthaft geahndet?

An der Diffamierung und Verfolgung, an der Ermordung wehrloser Juden kann kein Mensch ernsthaft zweifeln. Doch sind dafür die Deutschen als Kollektiv verantwortlich? Es war eindeutig die Ideologie der Nationalsozialisten, die zu Einsatzgruppen und Konzentrationslagern führte, im Ursprung die Idee eines Österreichers.

Raabe wittert hinter den Forschungen am Externstein grundsätzlich die Ideologie der Nazis, die immer noch, nur leicht getarnt, ihre alten finsteren Pläne der Weltherrschaft verfolgen und dafür eine vorgeschichtliche Rechtfertigung für nicht vorhandene bzw. nachweisbare Größe dringend suchen und im Externstein finden. Ist das nicht reichlich paranoid? Jedes Volk hat ein Recht auf ein eigenes Selbstwertgefühl, das sich natürlich von dem anderer abheben soll. Wenn jetzt in Deutschland per Zufall Pyramiden entdeckt würden, die man bislang für einfache Berge hielt, dann hat die Nation natürlich ein Recht, dass diese erforscht werden. In Bosnien hatte der Entdecker Dr. Osmanagich diesbezüglich keine Probleme, diese Freiheit der Wissenschaft in Anspruch zu nehmen. Hierzulande wird man als Nazi diffamiert, wenn man nur drauf hinweist, dass es diese Art von Pyramiden offenbar auch in Deutschland gibt.

In welch perversen Verhältnissen müssen wir leben, dass wir die Wahrheit nicht mehr ermitteln dürfen, dass jeder, der sich mit so einem Thema nur beschäftigt, in den Geruch des Nazismus geraten kann? Das alles wirkt auf die betroffenen, unschuldig verfolgten Menschen wie finsterstes Mittelalter.

Eine bereuende Entschuldigung Raabes ist mehr als überfällig. Aber ob er jemals begreift, dass er sich selbst wie ein Unmensch zum Richter über unschuldige Menschen und ihre wissenschaftliches Wirken macht? Er genießt ja seine Wirkung auf die von ihm Verfolgten, sonnt sich geradezu in seiner Bedeutung, die er nur dadurch erlangen konnte, dass er Menschen skrupellos an den Pranger stellt, und dass er nun plötzlich jemand ist, der aus seiner Bedeutungslosigkeit auftauchen durfte und nun als kleiner Herrenmensch im Rampenlicht steht. So müssen sich auch die Inquisitoren in ihrer Allmacht über andere Menschen gefühlt haben. Nur wenige Menschen finden Spaß darin, sich am Leid anderer zu ergötzen. Raabe ist so ein Typ."

Im Internet ist der Schluss der Ausführungen von K. Walter Haug zu lesen, die er in der E-Mail unterdrückte:

"Teudt und Machalett mussten ihre Erfahrungen in zwei Weltkriegen machen. Wir heute verstehen kaum noch, was sich in deren Köpfen abgespielt haben muss. Wenn US-Soldaten heute von ihren Einsätzen zurückkommen, werden 100.000e von Dollar für die Therapie ihres posttraumatischen Belastungssyndroms ausgegeben. Unsere Väter und Großväter, die jahrelang durch ein Meer von Hass und Grausamkeit gehen mussten, wurden diese Segnungen nie zuteil. Man wundert sich, dass mit diesen schwer belasteten Menschen überhaupt der Aufbau einer neuen Republik möglich war. Wir können froh und munter sein, dank ihnen in derart gepämperten Verhältnissen leben zu dürfen.

Wie ekelhaft billig machen es sich Leute wie Raabe, diese Menschen und ihre Arbeit zu verdammen. Teudt und Machalett sind immer noch die bedeutendsten Erforscher der Externsteine. Sie erkannten die großen Zusammenhänge, in denen das Felsmonument steht, Teudt die zahllosen archäologischen Relikte im engen und weiten Umfeld, Machalett die unglaublich weit reichenden archäoastronomischen Orientierungen, die Kontinent-übergreifend bis nach Ägypten und den Kanaren reichen.

Wer wie Raabe ultimativ die Verdammung ihrer Werke fordert, unterscheidet sich in Nichts von den Nazis und ihren Bücherverbrennungen. Der derzeitige Vorstand Matthias Wenger hat sich durch diese zügellose Kampagne derart ins Boxhorn jagen lassen, dass er nun deren Werke aus dem Verkauf nehmen will. Man fasst es nicht... "

Quelle: www.sinossevis.de/upload1/_Wider_die_Idiotie.pdf

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 15.05.2012:

Pressemitteilung / Nicht "privat" und keine "Jugendsünde" / Arbeitskreis fordert weiterhin: "Keine völkischen Schwarmgeister im Rathaus von Horn-Bad Meinberg!"

In der Presseerklärung vom 30. April 2012 hatte der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" auf anhaltende Verstickungen von wichtigen Mitgliedern, der Referenten und von Teilen des "Forschungskreis Externsteine" hingewiesen. In der erschienenen Presseerklärung des Vereinsvorstandes des "Forschungskreis Externsteine" vom 8. Mai 2012 wird die Kritik zurückgewiesen, in wichtigen Punkten ist die Argumentation des Vereinsvorsitzenden des "Forschungskreis Externsteine", welcher versucht der Kritik am "Forschungskreis" zu widersprechen, jedoch falsch oder verharmlosend. Allein der Umgang mit den Vorwürfen, welche im Folgenden nochmals detailliert aufgeführt werden, belegt, dass der Arbeitskreis sich nicht von der völkischen Ideologie gelöst hat. Die inhaltlichen Probleme werden als "privat" und als "Jugendsünden" entpolitisiert, die völkischen Ideologie im Verein "Forschungskreis Externsteine" ignoriert und den Kritikern vorgeworfen, eben mit ihrer Kritik die Aufklärung "über den rechtsextremen Missbrauch der Externsteine" zu behindern. Und das von einem Verein, welcher seit über 40 Jahren die Externsteine nutzt, um an Hand derer völkische Deutungen zu konstruieren.

Wir vom "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" fordern, wohl die Bemühungen einzelner Vereinsmitglieder um Veränderung sehend, beachtend und achtend, daher weiterhin den Bürgermeister als Vertreter der Stadt Horn-Bad Meinberg auf, den Mietvertrag mit dem "Forschungskreis Externsteine" zu lösen und diesem die Nutzung repräsentativer Räume zu verweigern.

Rein privat?

In der Presseerklärung des "Forschungskreises Externsteine" vom 8. Mai wird auf die Tatsache, dass das Vorstandsmitglied Stefan Hövel Webmaster und Verantwortlicher nach dem Pressegesetz der Website der "Forschungsgruppe Externsteine-Kultur", welche völkische Ideologie anpreist, ist, geantwortet: "Was in anderen privaten Gruppen wie der sogenannten "Forschungsgruppe Externsteine Kultur" abläuft, steht nicht in der Verantwortung unseres Vereins."

Diese Argumentation ist aus mindestens zwei Gründen falsch. Erstens ist es natürlich keine "private" Angelegenheit, wenn ein Vorstandsmitglied des Vereins weiterhin die positive Rezeption extrem rechter Ideologen verantwortet. Zweitens und viel schwerwiegender ist allerdings, das es sich bei der "Forschungsgruppe", deren Website Stefan Hövel verantwortet, nicht um irgendeine Gruppierung handelt, sondern das diese Gruppe teilweise aus dem "Forschungskreis Externsteine" heraus entstand und seit 2007 regelmäßig in der Vereinsschrift "Rückschau" über die Tätigkeit der "Forschungsgruppe Externsteine" berichtet wurde.

2010 schrieb das aktuelle Vorstandsmitglied Stefan Hövel in der "Rückschau", dass die "Forschungsgruppe Externsteine" aus "Mitgliedern unseres Vereins, des Forschungskreises Externsteine e.V. und aus Externen, die sich dem Verein nicht anschließen wollten und wollen" (3) besteht. Wenn 2007 der damalige Vorsitzende des "Forschungskreis Externsteine", Gert Meier, in seinem Rechenschaftsbericht zur "Forschungsgruppe" schreibt: "Das übrigens die "Forschungsgruppe Externsteine", nicht "Forschungsgruppe Machalett" heißt - Frau Nack beispielsweise ist nicht Mitglied des Vereins, und Herr Fritzen, Herr Wenger etc. sind es auch (noch) nicht - hat seinen guten Grund. Forschung ist nicht von Vereinszugehörigkeit abhängig" (2), so hat man den Eindruck, dass es sich bei der Gruppe um eine Vorfeldorganisation des "Forschungskreis Externsteine" handelt. Festzuhalten bleibt, dass damals laut dem Rechenschaftsbericht die bis heute zentralen Akteure des Vereins und seines Vorstands Mitglieder der "Forschungsgruppe Externsteine" waren.

Herr Hövel soll im Rahmen der diesjährigen Tagung die neuesten Entwicklungen der "Forschungsgruppe" darstellen. (1) Wenn Matthias Wenger diese als "privat" bezeichnet, hat er sicherlich recht, was die Rechtsform betrifft, wenn er das so formuliert, um den Vorwürfen zu widersprechen, so muss auf Grund der Quellenlage festgestellt werden, das Wenger hier bewusst versucht einen falschen Eindruck zu erwecken.

15 Jahre Jugendsünden?

Tatsächlich ist die Ankündigung, dass Herr Ralf Koneckis auf der neonazistischen Hetendorfer Tagungswoche referieren soll schon von 1995. Das als "Jugendsünde" zu bezeichnen, negiert jedoch, dass Koneckis damals nicht zufällig in diese Tagung stolperte, sondern weitreichende Kontakte in die extreme Rechte hatte, was in der Pressemitteilung auch belegt wird. So war er damals Autor des "neurechten" Magazins "Elemente" und organisierte mit Burkhard Weeke aus Horn Bad-Meinberg, dem Herausgeber dieser neurechten Publikation, die "Externsteiner Tagungswochen". Auch in späteren Jahren blieb Koneckis der extremen Rechten verbunden. Noch 2004, also 9 Jahre später, veröffentlichte er im Jahrbuch des Vereins "Ur-Europa", welcher bis heute vom Gedankengut Herman Wirths geprägt ist, einen Aufsatz, seines Beitrags einer Tagung des Vereins in 2003. Dabei legt Koneckis eine erstaunliche Kontinuität an den Tag, bei selbiger Gesellschaft referierte er seit 1986 mehrfach. Auch beim "Forschungskreis Externsteine" referierte er in der Vergangenheit schon, so 2003.

Eine Jugendsünde kann das Engagement von Koneckis wohl kaum genannt werden. Zudem ist eine nicht zu übersehende Kontinuität der von Koneckis präsentierten Inhalte festzustellen. Schon in seinem 1985 veröffentlichten Buch "Sonne, Mond und Steine" dienen ihm die Edda und Märchen als Belege für eine jungsteinzeitliche Kulturhöhe der Europäer, welche sich in einer "höheren Himmelskunde" ausdrückt. (3) Hinweise auf diese fänden sich nach Koneckis zum Beispiel in der Edda, welche somit zum Beweis der "Hochkultur" wird. (4) Wenn Koneckis 2003 in seinem auf der Tagung des völkisch-rechten Vereins "Ur-Europa" (5) gehaltenen Vortrags schreibt, dass in den Kyffhäusersagen astronomische Ereignisse verschlüsselt dargestellt sein könnten, dann bewegt er sich in direkter Kontinuität seiner Behauptungen von 1985.

Völkische Ideologie ignoriert

"Rechtsextremismus kritisch zu betrachten, heißt auch nicht, Menschen als Personen anzugreifen, sondern politisch-ideologische Zusammenhänge aufzuzeigen", schreibt der Vorsitzende des "Forschungskreis Externsteine" Matthias Wenger, damit hat er recht. Das bedeutet jedoch nicht, dass Verstrickungen von Personen nicht benannt und öffentlich gemacht werden sollten. Denn diese werden hier nicht als Personen "angegriffen", sondern in ihrem politischen Handeln kritisiert.

Bemerkenswerter ist hier jedoch etwas anderes, nämlich, dass gerade das von Wenger eingeforderte Aufzeigen politisch-ideologischer Zusammenhänge von Seiten des Vereins nach außen feststellbar nicht passierte. Auch in der Presseerklärung wird auf das diesbezügliche Beispiel von K. Walter Haugs Beitrag "Das wahre Alter der Externsteine" in der aktuellen "Rückschau" (7) nicht eingegangen. Ob hier die Argumente fehlen?

(1) Einladung zu den 46. Externstein-Vortragstagen.
(2) o.A. (Meier, Gert): Rechenschaftsbericht des Vorstands 2007. In: Rückschau 2007, S. 3 ff.
(3) Hövel, Stefan: Die Himmelssteine und Teufelssteine. In: Rückschau 2010, S. 66.
(4) Koneckis, Ralf: Sonne, Mond und Steine. Horn 1985, S. 9 - 13.
(5) Koneckis, Ralf: Himmelskunde in Alteuopa. In: Elemente zu Metapolitik, Kassel 1987, Ausgabe 2, S. 36 - 41.
(6) Zum Vorgängerverein von Ur-Europa, der "Gesellschaft für europäische Urgemeinschaftskunde e.V." und der "Herman-Wirth-Gesellschaft" vgl. Mecklenburg, Jens (Hg): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S. 385 f.
(7) Haug, K. Walter: Das wahre Alter der Externsteine. In: Rückschau 2011, Berlin, S. 18 - 24.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 30.04.2012:

Pressemitteilung: Vorne "Hui" und hinten "Pfui" - Kein völkisch-germanophiles Treiben im Rathaus von Horn-Bad Meinberg

Vom 16. bis 20. Mai 2012 soll im Rathaus der Stadt Horn-Bad Meinberg eine Tagung des "Forschungskreis Externsteine" stattfinden. (1) Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" hat diesen "Forschungskreis" im letzten Jahr massiv kritisiert und auf ideologische und personelle Verstrickungen mit der extremen Rechten hingewiesen. (2) Daraufhin behaupteten Mitglieder des "Forschungskreises", dass sie die eigene Geschichte aufarbeiten und sich gegen eine Vereinahmung durch die extreme Rechte wehren wollten.

Auf seiner 2012 neu gestalteten Website verlautet der "Forschungskreis Externsteine" unter dem Punkt "Ziele", dass er "nachdrücklich gegen den Missbrauch der Vorgeschichtsforschung durch rechtsextremes Denken" kämpft. Doch von einer inhaltlichen Aufarbeitung ist auch jetzt - knapp ein Jahr später - kaum etwas zu spüren. Stattdessen bekennen sich Teile des Vorstandes nach wie vor zur völkischen Ideologie. Für die Tagung ist ein Referent angekündigt, der auch schon im Bereich der extremen Rechten aktiv war. So ist zu bilanzieren, dass die Läuterung des "Forschungskreises Externsteine" entweder nur ein Imageprojekt war oder gründlich gescheitert ist. All dem öffnet die Stadt Horn-Bad Meinberg das Rathaus als öffentlichen Tagungsort.

Wir fordern daher die Stadt Horn-Bad Meinberg auf, die Tagung aus den öffentlichen Räumen zu verweisen und sich glaubhaft vom "Forschungskreis Externsteine" zu distanzieren, indem sie ihm sofort jegliche Unterstützung entzieht!

Verstrickungen in die extreme Rechte und den Neonazismus

Die offizielle Distanzierung des "Forschungskreises" vom "Missbrauch der Vorgeschichtsforschung durch rechtsextremes Denken" bleibt eine Worthülse: Auf der Vereins-Website findet sich bis heute kein Abrücken von völkischen und extrem rechten Vordenkern wie etwa dem Gründer des Vereins Walther Machalett und dessen ideologischem Mentor Wilhelm Teudt. Auch über die Verstrickungen des Vereins in das organisatorische Geflecht der extremen Rechten wird nicht informiert. Die in der Einladung zur diesjährigen Tagung gemachte Ankündigung, das Treffen solle dazu dienen, "die Geschichte des Vereins kritisch zu reflektieren und öffentlich zu diskutieren", kann unter diesen Umständen nur als Nebelkerze bezeichnet werden. Denn es geht mitnichten allein um die Geschichte des Vereins, sondern auch um seine Gegenwart.

Vorstandsmitglied empfiehlt völkische Ideologen

Dass nicht mal der Vereinsvorstand die völkische Ideologie nicht hinter sich gelassen hat, zeigt das Beispiel von Stefan Hövel, der als Vorstandsmitglied die aktuelle Einladung mit unterzeichnet hat. (3) Hövel ist Webmaster und Verantwortlicher nach dem Pressegesetz der Website der "Forschungsgruppe Externsteine-Kultur" (4). Diese "Forschungsgruppe" wurde 2004 gegründet, um die "Forschungstätigkeit" zu reaktivieren und ist aufs Engste mit dem "Forschungskreis Externsteine" verbunden. (5) In einem Bericht behauptet die Gruppe: "Die Neue Externstein-Forschung befasst sich nicht mit Politik." Doch nur drei Zeilen später lässt sie verlauten: "Die Neue Externsteinforschung lehnt es ab, die Regeln der `political correctness` zur Kenntnis zu nehmen." (6) Schon mit diesem Sprachgebrauch bewegt sich die "Forschungsgruppe" im Bereich der Rechten, die so versucht, sich gegen Kritik zu immunisieren. Folgerichtig ist es auch, dass die "Forschungsgruppe" völkische Ideologen wie Wilhelm Teudt, Herman Wirth, Walther Machalett oder Elisabeth Neumann-Gundrum lobt und ihre "Arbeiten" als "wissenschaftlich" betitelt. Hier wird alles geboten, was beim "Forschungskreis Externsteine" öffentlich kritisiert wurde und angeblich bearbeitet wird oder nie vorhanden war - unter der Verantwortung eines Vorstandsmitglieds des "Forschungskreises".

Referent des extrem rechten Neuheidentums

Für den 18. Mai kündet das Tagungsprogramm einen Vortrag von Ralf Koneckis zum Thema "Irminsul und Maibaum - eine archäoastronomische Untersuchung" an. Koneckis ist im Bereich der ideologischen Aufladung der Externsteine ebenso ein alter Bekannter wie als Referent in neuheidnisch-neonazistischen Kreisen. 1995 war zum Beispiel ein Vortrag von Koneckis zum Thema "Mythos und Märchen - was die Sterne darüber verraten" im Rahmen der neonazistischen Hetendorfer Tagungswoche angekündigt. (7) Die Tagungen in Hetendorf waren Höhepunkte der Organisierung des neonazistisch-heidnischen Spektrums, gerade hier fand eine ideologische Fundierung der anwesenden Neonazis statt. 1998 wurden sowohl der Träger- als auch der Förderverein der Hetendorfer Tagungswochen durch das niedersächsische Innenministerium verboten, da sie, so die Erkenntnisse, die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik bekämpften.

Auch darüber hinaus ist Koneckis seit vielen Jahren im völkisch-religiösen Bereich der extremen Rechten aktiv: Er war an der Vorbereitung der "Horner Fachtagungen" zusammen mit dem Aktivisten der "Neuen Rechten" Burkhard Weeke aus Horn-Bad Meinberg beteiligt (8), veröffentlichte im neurechten Theorieorgan "Elemente" (9) und referierte auf einer Tagung von "Ur-Europa e.V." (10), der vormaligen "Gesellschaft für europäische Urgemeinschaftskunde e.V. / Herman-Wirth-Gesellschaft". Schon seit Jahren tritt Koneckis auch auf den Tagungen des "Forschungskreises Externsteine" auf - daran scheint auch die angekündigte Aufarbeitung der Vereinsgeschichte und eine Distanzierung von der extremen Rechten nichts zu ändern.

Gescheiterte Aufarbeitung

"Schwerpunkt der Tagung ist die rechtsideologische und nationalsozialistische Vereinnahmung der Externsteine" heißt es in der Pressenotiz der Lippischen Landes-Zeitung vom 23. April. Doch wie macht sich dieser Schwerpunkt tatsächlich bemerkbar? Vor allem geht aus dem Titel nicht hervor, dass gerade der Verein selbst teilweise eine extrem rechte /völkische Deutung der Externsteine propagiert. Nur zwei Vorträge des Programms widmen sich mehr oder weniger dem Thema: "Walther Machalett - ideologische Spurensuche im Lebenswerk eines Laienforschers" von Matthias Wenger / Rolf Speckner und "Die politischen Probleme in der Vorgeschichtsforschung - wie arbeiten wir im Forschungskreis das Thema auf?" von Dirk Müller - sie werden aber konterkariert durch Vorträge beispielsweise des bekennenden Wilhelm Teudt-Anhängers Jürgen Mische und von Ralf Koneckis.

Kontinuität völkischer Mythen

Auch ein Blick in die "Rückschau 2011", die vom "Forschungskreis Externsteine" herausgegeben wird und die Tagungsbeiträge des Jahres 2011 dokumentiert, lässt erkennen, dass weiterhin völkische Mythen verbreitet werden. So behauptet K. Walter Haug in seinem Beitrag "Das wahre Alter der Externsteine": "Es gibt eine Hochkultur in Deutschland, die alles in den Schatten stellt, was die offizielle Archäologie den Menschen hierzulande vorgaukelt. Die "drei Kaiserberge" zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen sind unsere "Pyramiden von Gizeh". Vor diesem Hintergrund erst kann man die Externsteine als das älteste und besterhaltene Relikt aus dieser grandiosen Epoche verstehen." (11)

Klar, es muss schon eine Hochkultur sein, die es in Deutschland schon gab, als alle anderen noch in geistiger Umnachtung lagen. Das kann ein "gewöhnlicher Kunstlehrer" erkennen, wenn er ein paar "stilistische Vergleiche" anstellt. Könnte nach Auffassung von Haug auch jeder andere, doch da "offensichtlich ideologische Verbohrtheit Wissenschaft und Forschung derart knebelt, dass nicht einmal die elementarsten Erkenntnisse hierzulande Raum greifen dürfen", passiert das halt einfach nicht. Wer hier formuliert, dass auf Teufel komm raus der germanische Herrenmensch mit seiner Kulturhöhe konstruiert wird, der wird auf den scharfen Widerspruch des "Forschungskreises" treffen. Anders lässt sich so viel ideologischer Unsinn aber nicht bewerten.

Unterstützungsgrund Tourismus?

Eigentlich sollte ein kurzer Blick in die Publikationen des "Forschungskreises Externsteine", genügen, um sich von dessen völkisch-germanophiler Ausrichtung zu überzeugen - auch im Jahr 2011 und 2012. Trotzdem darf der Verein auch in diesem Jahr wieder in städtischen Räumen tagen: "Eine Besonderheit der diesjährigen Tagung: Sie findet wegen des Schützenfestes an einem anderen Ort, nicht in der Burgscheune, sondern im Rathaussaal der Stadt Horn-Bad Meinberg statt. Möglich wurde dies durch die gastfreundliche und aufgeschlossene Haltung der Stadt Horn-Bad Meinberg gegenüber ihren Besuchern im Allgemeinen und gegenüber unserem Forschungskreis im Besonderen", heißt es in der Einladung zur Tagung.

Es stellt sich die Frage, warum die politischen Verantwortungsträger der Stadt die Kritik am völkischen Treiben des "Forschungskreises" nicht ernster nehmen. Sollte hier der Wunsch vorhanden sein, doch mehr zu finden als ein imposantes Naturdenkmal? Ein uralter Kultplatz oder ein uraltes Sonnenobservatorium, das sich touristisch bestens vermarkten ließe? Wenn der "Forschungskreis" behauptet: "Wir werden seitens lokaler Aktivitäten mit der Vision konfrontiert, die Anerkennung der Externsteine als Weltkulturerbe zu betreiben", so ist das zwar eine wahnwitzige Vorstellung, allein ein Antrag auf diesen Status würde jedoch vermutlich viel Publicity und steigende Übernachtungszahlen bedeuten. Tourismusförderung par excellence - auch wenn man dafür völkische Schwarmgeister auf Rathausparkett empfangen muss.

(1) Download der Einladung unter www.forschungskreis-externsteine.de/news.htm
(2) www.hiergeblieben.de/pages/textanzeige.php?limit=10&order=datum&richtung=DESC&z=1&id=32577
(3) Download der Einladung unter www.forschungskreis-externsteine.de/news.htm
(4) www.forschungsgruppe-externsteinekultur.de/index_8.htm
(5) Vgl. www.forschungsgruppe-externsteinekultur.de/ und Rückschau 2009, Berlin, S. 7.
(6) www.forschungsgruppe-externsteinekultur.de/index_2.htm
(7) Einladung zur "5. Hetendorfer Tagungswoche 1995 vom 17.6. bis 25.06.95", Hamburg, 1995, S. 2.
(8) Elemente der Metapolitik zur europäischen Neugeburt, Kassel 1990, Nr. 4, S. 105.
(9) Koneckis, Ralf: Himmelskunde in Alteuropa. In: Elemente der Metapolitik zur europäischen Neugeburt, Kassel 1997, Nr. 2, S. 36 - 41.
(10) Sein Tagungsbeitrag "Kaiser Rotbart und die Himmelsscheibe" wurde veröffentlicht in: Ur-Europa-Jahrbuch 2004, Kolbermoor S.85 - 88.
(11) Haug, K. Walter: Das wahre Alter der Externsteine. In: Rückschau 2011, Berlin, S. 18 - 24.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 05.06.2011:

Pressemitteilung / Keine Neuausrichtung des "Forschungskreis Externsteine" erkennbar - Austritt empfohlen

Heute, am 5. Juni 2011, endeten die am 1. Juni 2011 mit einer Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Horn-Bad Meinberg, Eberhard Block, eröffneten "45. Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreis Externsteine e.V." mit einer "Studienfahrt" nach Detmold. Nachdem vor Beginn der Vortragstage vom "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" Kritik an dem völkischen Hintergrund des Vereins geäußert wurde und Konsequenzen eingefordert wurden, kam es im Laufe der Tagung zu Reaktionen und Diskussionen über diese Vorwürfe und die Unterstützung durch die Stadt.

Kritische Ansprache des Bürgermeisters

Die umfangreiche erste Pressemitteilung mit Informationen des "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" über das extrem rechte Gedankengut innerhalb des Vereins und die Involviertheit von Mitgliedern in die extreme Rechten veranlassten ihn zwar bei der Begrüßung deutliche Worte gegen Rassismus zu sprechen, eine nicht nur schriftliche Distanzierung von der extremen Rechten einzufordern und die Vereinsmitglieder mit den Vorwürfen des Arbeitskreis zu konfrontieren, der Forderung nach sofortiger Einstellung jeglicher Unterstützung des "Forschungskreis Externsteine" durch die Stadt Horn-Bad Meinberg folgte er jedoch nicht.

"Forschungskreis" bestätigt führende Rolle der extremen Rechten

Am 3. Juni 2011 behauptete der gerade wiedergewählte Vorsitzende des "Forschungskreis Externsteine", Matthias Wenger, in einem am Abend geführten Gespräch mit Kritikerinnen und Kritikern, einen "Neuanfang" zu etablieren und die letzten 45 Jahre "kritisch aufzuarbeiten". Die führende Rolle von organisierten Aktivistinnen und Aktivisten der extremen Rechten "in der Vergangenheit" wurde dabei explizit von Herrn Wenger bestätigt.

Der alte und neue Vorsitzende Matthias Wenger hatte allerdings bereits vor einem Jahr eine "Aufarbeitung" versprochen - geschehen ist nichts. Das Gegenteil ist nachweislich der Fall: Die von ihm nach der Mitgliederversammlung 2010 verfassten und vom "Forschungskreis Externsteine" veröffentlichten Texte stellen sich nach wie vor in die Tradition von völkischen Ideologen wie Herman Wirth oder Elisabeth Neumann-Gundrum. Die angekündigte "Aufarbeitung" fand nicht statt.

Gesprächsrunde nach der Mitgliederversammlung des Vereins

An dem Gespräch, welches im Rahmen eines Treffen des Horn-Bad Meinberger "Arbeitskreis gegen Nazis" stattfand und von diesem geleitet wurde, nahmen sowohl Mitglieder des "Forschungskreis Externsteine", Bürgermeister Eberhard Block, der im "Arbeitskreis gegen Nazis" engagiert ist, interessierte Bürgerinnen und Bürger als auch Vertreter des "Arbeitskreises wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" teil.

Von letzteren wurde nochmals die schon im Rahmen der ersten und zweiten Presseerklärung geäußerte Kritik über den extrem rechten und völkischen Hintergrund des "Forschungskreis Externsteine" und der Verstrickung von führenden Persönlichkeiten in der rechten Szene dargelegt.

Bürgermeister Block betonte zu Beginn, wie er das schon bei seiner Eröffnungsrede der Tagung des "Forschungskreises" getan hatte, dass neonazistisches und gegen das Grundgesetz gerichtetes Denken in Horn-Bad Meinberg keinen Platz habe, er berichtete, dass viele Vereinsmitglieder ihm darin zugestimmt hätten und das in dem Verein über jeden Zweifel erhabene Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mitglieder des "Forschungskreises" seien.

Deutlicher Widerspruch bei Begrüßungsansprache

Teilnehmende der Veröffnungsveranstaltung vom 1. Juni berichteten jedoch, während der kritischen Eröffnungsrede des Bürgermeisters durchaus auch ablehnende Stimmen aus dem Kreis der Zuhörenden vernommen zu haben. Es habe durchaus auch deutlichen Widerspruch zu Blocks Aussage, dass die Wiege der Menschheit nun mal in Afrika gestanden habe, gegeben.

Der Bürgermeister verwies nochmals auf die Erklärung in der Präambel des "Forschungskreis Externsteine", nachdem dieser "nachdrücklich gegen den Missbrauch der Vorgeschichtsforschung durch rechtsextremes Denken" kämpft und sogar behauptet: "Dabei reflektieren wir auch die Beeinflussung, denen Archäologie und Volkskunde in der NS-Zeit ausgesetzt waren."

Die Vereinsmitglieder

Die Erwiderungen der Vereinsmitglieder waren durchaus heterogen, teilweise belegten diese in erschreckendem Maße die Vorwürfe, so als zum Beispiel ein Redner Wilhelm Teudt als einen bedeutenden Forscher der Externsteine bezeichnet, sich aber gleichzeitig von dessen politischen Inhalten distanzierte. Andere Mitglieder machen durchaus glaubhaft, dass ihnen ein solcher Hintergrund nicht bewusst gewesen sei, sie nur an den Externsteinen interessiert seien und auch die Atmosphäre im Verein durchaus als angenehm empfunden hätten. Eine anwesende Referentin verwies auf ihre Herkunft aus der 68er-Bewegung und ihre Kenntnis des Charakter der Nationalsozialismus, sie habe nichts von Rassismus bemerkt.

Neuanfang?

Eine "Neuausrichtung" sehen die Kritikerinnen und Kritker des "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" nicht, so sind auch nach der Neubesetzung des Vereinsvorstands publizierte Beiträge am Gedankengut von völkisch-germanophilen Ideologen wie Teudt, Wirth, Machalett oder Neumann orientiert. Bis heute werden die Werke von Wilhelm Teudt vom "Forschungskreis" empfohlen.

Bücher von Herman Wirth zum Kauf angeboten

Der "Forschungskreis Externsteine" weist in der Einladung zu den diesjährigen Vortragstagen übrigens ausdrücklich darauf hin, dass es beim Büchertisch des Vereins in der Burgscheune "insbesondere auch um Veröffentlichungen von Herman Wirth geht", die im Rahmen der "Privatisierung unserer Archiv-Bibliothek" angeboten werden. Im Klartext: auf der Tagung wurde rassistisches Material zum Kauf und zur Verbreitung angeboten.

Ausblick

Auch die Vorträge und Referate, die im Rahmen der "45. Externstein-Vortragstage" vom 2. bis zum 4. Juni 2011 in der Burgscheune gehalten wurden, belegen keine "Neuausrichtung" des "Forschungskreis Externsteine". Die wiederholt angekündigte "Aufarbeitung" der Vereinsgeschichte wurde auch 2011 nicht in die Weg geleitet, diesbezügliche Bemühungen waren nicht erkennbar. Angesichts der in den letzten Jahren vom derzeitigen Vereinsvorsitzenden publizierten Artikel ist eine solche auch nicht zu erwarten. Mitgliedern des Vereins, denen der extrem rechte Hintergrund bisher nicht bewusst gewesen ist, kann deshalb nur ein Austritt nahe gelegt werden. Wissenschaftliche Forschungen zu den Externsteinen sind in seriösen Vereinigungen ohne völkischen Hintergrund ausdrücklich zu begrüßen.

Einstellung jeglicher Unterstützung durch die Stadt

Für die 46. Arbeitstagung des "Forschungskreis Externsteine", welche vom 16. bis zum 20. Mai 2012 stattfinden soll, konnte dieser, laut eigenen Aussagen, wiederum die "Burgscheune" in Horn-Bad Meinberg anmieten. Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" fordert daher weiterhin die sofortige Einstellung jeglicher Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine" durch die Stadt Horn-Bad Meinberg - sowie die sofortige Entziehung der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt.

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Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 03.06.2011:

Pressemitteilung / Arbeitskreis fordert inhaltliche Debatte zum "Forschungskreis Externsteine" ein - Position des Bürgermeisters ambivalent, teilweise "höchst problematisch"

Am 1. Juni 2011 begannen im Rathaus der Stadt Horn-Bad Meinberg die "45. Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreis Externsteine e.V.". Die "Tagung" wird bis zum 5. Juni in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg fortgeführt.

Der Bürgermeister der Stadt Horn-Bad Meinberg, Eberhard Block, begrüßte den Verein, der in der Tradition völkisch-rassistischer Denker wie Wilhelm Teudt, Herman Wirth oder Walther Machalett steht, im Rathaus. Die umfangreiche Pressemitteilung mit Informationen des "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" über das extrem rechte Gedankengut innerhalb des Vereins und die Involviertheit von Mitgliedern in die extreme Rechten veranlassten ihn zwar bei der Begrüßung deutliche Worte gegen Rassismus zu sprechen, eine nicht nur schriftliche Distanzierung von der extremen Rechten einzufordern und die Vereinsmitglieder mit den Vorwürfen des Arbeitskreises zu konfrontieren, der Forderung nach sofortiger Einstellung jeglicher Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine" durch die Stadt Horn-Bad Meinberg folgte er jedoch nicht.

Kein Vorbild - "Ur-Europa"

Bürgermeister Blok wies das Anliegen des Arbeitskreises sogar in öffentlichen Erklärungen zurück. Dabei berief er sich darauf, dass beim Verfassungsschutz keine Informationen über den "Forschungskreis Externsteine" vorliegen würden. Auch über den Verein "Ur-Europa" lagen diesem jedoch keine Erkenntnisse vor. "Ur-Europa" war in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil der Ehrenvorsitzende des Vereins, Paul Rohkst, im März 2011 sein Interesse an der städtischen Immobilie "Geisesches Haus" in der Burgstraße in Horn-Bad Meinberg bekundet hatte.

"Ur-Europa" wolle laut Rohkst in den zum Verkauf stehenden Gebäude eine "Ausstellung mit Darstellungen der europäischen Kulturgeschichte" unterbringen. Die Stadt Horn-Bad Meinberg lehnte den Verkauf der Immobilie an "Ur-Europa" konsequent ab und positionierte sich öffentlich: "Wir haben im Internet Hinweise gefunden, die den Verdacht nahe legen, dass diese Organisation rassistisch, faschistisch und antisemitisch ist. Wir verkaufen das Gebäude jedoch nur an jemanden, der uns eine seriöse Nutzung vorlegt", so Bürgermeister Eberhard Block am 15. April 2011.

Ideologische Hauptperson von "Ur-Europa" ist Herman Wirth, ein "Germanenkundler", welcher ab den 20er Jahren Theorien entwickelte, nach denen der nordische Mensch der eigentliche Schöpfer der Kultur und somit der wertvollere sei. Herman Wirth gründete zusammen mit dem Reichsführer SS Heinrich Himmler die "Forschungsgemeinschaft deutsches Ahnenerbe". Der Verein "Ur-Europa" geht zurück auf die 1957 wieder gegründete "Herman-Wirth-Gesellschaft" und bezieht sich schon in seinem Namen auf dessen Versuche, an Hand von Felsritzungen eine "ur-europäische" - arische - Rasse nachzuweisen.

Sowohl zwischen der ideologischen Ausrichtung, als auch zwischen den Akteuren von "Ur-Europa" und dem "Forschungskreis Externsteine" bestehen, wie in der ersten Presseerklärung des Arbeitskreises wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen belegt, deutliche Überschneidungen. Bürgermeister Block sieht jedoch "deutliche Unterschiede zum Verein Ur-Europa": Im "Forschungskreis Externsteine" arbeiten, so der Bürgermeister, "Horn-Bad Meinberger Persönlichkeiten mit, die über jeden Zweifel erhaben sind".

Mit zweierlei Maß

Wie sich der Bürgermeister diese Überschneidungen der beiden Vereine "Ur-Europa" und "Forschungskreis Externsteine" erklärt, gibt er nicht bekannt. Das Stadtoberhaupt kann nicht mit zweierlei Maß messen, dieses Vorgehen ist höchst problematisch: Extrem rechtes Denken und Handeln ein und derselben Personen ändern sich nicht durch die Zugehörigkeit dieser in mehreren Vereinen. Ist Herrn Block zudem nicht bekannt, dass schon vor Jahren Mitglieder des "Forschungskreises Externsteine" den Verein ausdrücklich gerade wegen dessen extrem rechten Ausrichtung verlassen haben?.

Nicht alle über einen Kamm

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Aktivistinnen und Aktivisten und schon gar nicht alle Gäste des "Forschungskreises Externsteine" der extremen Rechten zuzuordnen sind und völkisches oder rassistisches Gedankengut vertreten. Eine Gesamtschau des Vereinswirkens lässt aber zweifelsfrei keinen anderen Schluss zu, als dass hier eine extrem rechte Ideologie unterfüttert wird. Das Persönlichkeiten, die laut Herrn Block "über jeden Zweifel erhaben sind", dem "Forschungskreis Externsteine", einschließlich seines aktuellen Vorsitzenden, einen demokratischen Persilschein ausstellen, wirft jedoch Fragen auf: Waren sie unwissend, wie verhalten diese sich nachdem umfangreiche Belege über den extrem rechten Charakter des Vereins veröffentlicht wurden?

Kein Anlass zur Skepsis?

Der Forschungskreis tage seit über 40 Jahren in Horn-Bad Meinberg, so der Bürgermeister in einer weiteren Ausführung - dabei hätten sich "bislang jedoch keine Anhaltspunkte ergeben, die Anlass zur Skepsis geben" würden. Sollte die aktive Teilnahme von Herman Wirth, der mit dem Reichsführer SS Heinrich Himmler die "Forschungsgemeinschaft deutsches Ahnenerbe" gegründet hatte und bei einer "Externstein-Tagung" des "Arbeits- und Forschungskreis Walther Machalett für Vor- und Frühgeschichte", verbunden mit der Kommentierung "wohl eine(r) der spannendsten Führungen an den Externsteinen" dem Bürgermeister verborgen geblieben sein?

Auch die Forschungsliteratur zum Thema "Schwarmgeister an den Externsteinen", die seit Jahren vorliegt und in der der "Forschungskreis Externsteine" beziehungsweise der "Arbeits- und Forschungskreis Walther Machalett" umfänglich benannt und analysiert wird, nimmt Herr Block nicht zur Kenntnis. Für den Bürgermeister einer seit Jahrzehnten mit dem Thema Externsteine befassten Gemeinde eine fast fahrlässige Haltung.

Arbeitskreis fordert inhaltliche Debatte

Die Stadt Horn-Bad Meinberg, vertreten durch ihren Bürgermeister, ist bisher jeglicher politischen Debatte über die vom "Forschungskreis Externsteine" veröffentlichten Inhalte ausgewichen. Diese gilt es jedoch zu führen.

Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" fordert weiterhin:

- die sofortige Einstellung jeglicher Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine" durch die Stadt Horn-Bad Meinberg - einschließlich der symbolischen Unterstützung, die durch ein Interaktionsverhältnis mit dem Verein entsteht,

sowie

- die sofortige Entziehung der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt.

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Pressemitteilung / Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen, 30.05.2011:

Seminar am "Heiligtum" der "weißen Rasse" - die "Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreises Externsteine e.V."

Vom 1. bis 5. Juni 2011 will der "Forschungskreis Externsteine e.V." in dem nahe der Stadt Detmold und dem Naturdenkmal Externsteine gelegenen Ort Horn-Bad Meinberg seine "45. Externstein-Vortragstage" durchführen. Der Verein steht in der Tradition völkisch-rassistischer Denker wie Wilhelm Teudt, Herman Wirth oder Walther Machalett. Teudt und Wirth waren im Nationalsozialismus federführend an der Herausbildung einer explizit völkischen Geschichtsschreibung beteiligt. Ihre Lehren verkündeten die Vorstellung von einer hochstehenden "germanisch-nordischen" - oder wahlweise "arischen" - "Rasse". Als einen oder gar als den zentralen Ort des religiösen Kultes dieser "Rasse" betrachteten sie die Externsteine. (1)

Das Vortragsprogramm und die vom Verein publizierten Schriften der letzten Jahre wirken oftmals harmlos oder esoterisch verstiegen. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch ein extrem rechter Hintergrund. Laut Programm wird die Tagung, die in der Burgscheune stattfindet, zudem noch durch den Bürgermeister der Stadt im Rathaus eröffnet. So viel offizielle Anerkennung rechtfertigt einen genaueren Blick auf den Verein und sein Wirken.

Der Verein

Der 2007 in "Forschungskreis Externsteine e.V." umbenannte Verein "Arbeits- und Forschungskreis Walther Machalett für die Vor- und Frühgeschichte" (AFWM) wurde ursprünglich 1995 gegründet. Er entstand im Kontext der schon seit 1966 jährlich stattfindenden Tagungen des "Arbeits- und Forschungskreises Walther Machalett für die Vor- und Frühgeschichte der Externsteine im Teutoburger Wald", der sich vermutlich seit seiner Gründung in Horn-Bad Meinberg traf. (2)

In der Vereinssatzung des AFWM heißt es: "Der Verein verfolgt den Zweck, Wissenschaft und Forschung zur Vor- und Frühgeschichte fachübergreifend und ganzheitlich zu fördern und insbesondere die geschichtliche Bedeutung der Externsteine und ihres Umfeldes darzustellen." (3)

Auch wenn hier der Begriff "ganzheitlich" im wissenschaftlichen Kontext nachdenklich stimmen sollte, so ist ein extrem rechter Hintergrund in diesen Worten nicht zu erkennen. Erst ein Blick auf die in den Vereinsvorstand gewählten Personen und die Funktionäre der Vereinsgründung offenbart bei einigen von ihnen Aktivitäten in diesem Bereich.

So war der Wahlleiter der Gründungsversammlung Walter Drees auch Ehrenmitglied der zum Neonazismus gehörenden extrem rassistischen "Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung". (4) Darüber hinaus war Drees seit 1993 Referent bei der "Hetendorfer Tagungswoche" (5), einer Veranstaltungsreihe in dem neonazistischen Schulungszentrum Hetendorf bei Celle. Diese wurden 1998 verboten. In der nachfolgenden gerichtlichen Auseinandersetzung stellte das Bundesverwaltungsgericht fest: "Während der Hetendorfer Tagungswochen der Heideheim-Vereine wurden rassistische Auffassungen vertreten und die Vernichtung der Juden im 3. Reich geleugnet und verharmlost". .(6) Der neonazistische Charakter der Tagungen war offenkundig.

Auch der in den Vorstand des AFWM gewählte Wolfgang Fachmann war mehrfacher Referent dieser "Hetendorfer Tagungswoche". (7) 1995 und 1996 referierte er dort, 1997 war er als Referent vorgesehen, die Tagung wurde jedoch verboten. Der Verfassungsschutz Niedersachsen berichtete 1997: "In seiner im Rahmen der 6. Hetendorfer Tagungswoche 1996 verkauften Broschüre "Jahrgang 1929" preist FACHMANN den Nationalsozialismus und verharmlost die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen." (8)

Ein weiteres Mitglied des Gründungsvorstands des AFWM war Dr. Gert Meier. Dieser publizierte in der im Grabert-Verlag, einem "der größten organisationsunabhängigen rechtsextremistischen Verlage in Deutschland" (9), erscheinenden Zeitschrift "Deutschland in Geschichte und Gegenwart" (10), ein Autor mit diesem Namen zudem in einem Tagungsband der extrem rechten "Gesellschaft für freie Publizistik". (11) Diese ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz die größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland.

Der extrem rechte Hintergrund eines Teils der Aktivisten des AFWM lässt aufhorchen. Dass dies kein Zufall ist, zeigt ein Blick auf die Ideengeber des Vereins und in die Dokumentation der Jahrestagungen des Vereins mit dem Titel "Rückschau".

Seine "Väter" und Ideengeber

Namensgeber und ideologisch prägender Denker des Arbeitskreises ist Walter Machalett. Dieser behauptet in Band 5 seines Hauptwerks "Die EXTERNSTEINE - Das Zentrum des Abendlandes - Die Geschichte der weißen Rasse" (12), das er 1970 veröffentlichte: "Das Abendland bildet seit den ältesten Zeiten ein geschlossenes Wohn- und Siedlungsgebiet der weißen Rasse. ( ... ) Diese weiße Rasse besaß seit eh und je in allen ihren Siedlungsräumen unzweifelhaft eine gemeinsame, einheitliche, biologische Entwicklung." (13) Machalett ergänzt dieses um die Punkte "Ursprache", "Geschichte", "Kultur" und "Kulturpraxis" (14) - alles selbstverständlich "einheitlich" und "abendländisch".

Die Externsteine sind für Machalett eine Pyramide von Weltrang und Beweis für die "hochstehende Kultur der weißen Rasse". Über seine Lehre schrieben die Journalisten Klaus Bellmund und Kaarel Siniveer: "Mit so genannten "Machalettschen Linien" führt der Forscher seinen reichlich simplen Beweis. Er zeichnet eine Gerade von der Cheopspyramide in Ägypten hinauf in die Nordsee zum angeblichen Atlantis. Dann eine Gerade von einer Kultstätte westlich von Nordafrika (Salvages) zu einer solchen Stätte im schwedischen Uppsala. Das Ergebnis: Die beiden Geraden haben ihren Schnittpunkt bei den Externsteinen. Was zu beweisen war." (15)

So wirr und phantastisch die Ausführungen Machaletts sind, so sind diese doch nicht genuin neu: "Ich bin der Überzeugung, daß Teudt mit seinen Schlüssen auf dem richtigen Weg ist" schreibt er. Tatsächlich war Wilhelm Teudt in einigen Punkten Vordenker für Machalett.

Der Germanen-"Forscher" Wilhelm Teudt

Wilhelm Teudt sah sich selbst als Nationalsozialisten "bis auf die Knochen". Zentraler Gegenstand seiner "Forschungen" waren die angeblich vorgeschichtlichen Kultorte in Lippe, vor allem die Externsteine. Hier kam er mit den Interessen Himmlers erst in Berührung und dann in Konflikt, als Himmler die Rechte an den Externsteinen der SS-eigenen "Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmäler" übertrug und mit ihrer Erforschung das SS-"Ahnenerbe" beauftragte. Teudt, der anfangs mit dem "Ahnenerbe" zusammengearbeitet hatte - dieses unterhielt unter anderem eine "Pflegstätte für Germanenkunde" im Detmolder Neuen Palais - wurde bald wegen seiner Führungsansprüche ausgeschlossen. Die Zurückweisung durch Himmler machte Teudt allerdings weder zum Gegner von SS oder NSDAP noch verringerte sie sein Ansehen in lippischen NS-Kreisen.

Teudt versammelte seine Anhänger zunächst in der 1928 gegründeten "Vereinigung der Freunde germanischer Vorgeschichte", aus der er jedoch nach ihrer Angliederung an das SS-"Ahnenerbe" austrat. 1938 gründete er die "Osningmark-Gesellschaft", die nach seinem Tod 1942 in "Wilhelm-Teudt-Gesellschaft" umbenannt und von dem Detmolder Amtsgerichtsrat Mische weitergeführt wurde.

Wilhelm Teudts Weltanschauung entstammte der völkisch-rassistischen, religiös aber auch politischen Bewegung, um die er sich so verdient machte, dass er zu seinem 75. Geburtstag von Hitler mit einem Professorentitel "geadelt" wurde, dem allerdings keinerlei wissenschaftliche Ausarbeitung entsprach. (16)

Völkisch II - Herman Wirth

Auch die Überzeugungen des völkischen "Forschers" Herman Wirth spielen im AFWM eine Rolle.

Dieser war Mitbegründer des SS-"Ahnenerbes" und neben Teudt einer der wichtigsten germanophilen Laienforscher. (17) Wirth glaubte an ein Wiedererwachen der nordischen Rasse, welches er durch "Rassenvermischung" bedroht sah.

Wirth war selbst im AFWM tätig. Ein späterer Bericht zur 7. Tagung des Vereins erwähnt die Anwesenheit des "legendär(n) Ursymbolforscher(s) Herman Wirth, der den Tagungsteilnehmern neben seinem Vortrag wohl eine der spannendsten Führungen an den Externsteinen ermöglichte, die sie jemals erlebt haben dürften." (18)

Rückschau

Ein Blick in die "Rückschau", die jährliche Tagungsdokumentation des Vereins, zeigt, dass ein erheblicher Teil der Beiträge der Ideenwelt dieser und weiterer extrem rechter Vordenker entlehnt ist.

So ist gleich der erste Beitrag in der ersten, 1985 erschienen "Rückschau" - ein Beitrag mit dem Titel "Uraltes Weistum unserer Vorfahren in Torbögen lippischer und ostwestfälischer Fachwerkbögen" - eine genuin völkische Brauchtumsinterpretation, die in der Tradition von Philipp Stauff steht. (19)

Andere Beiträge stammen von Elisabeth Neumann-Gundrum (20) oder rekurieren auf deren Gedankengut.

Überschneidungen bei den Autorinnen und Autoren finden sich zum Beispiel zur extrem rechten Zeitschrift "Deutschland in Geschichte und Gegenwart" und zum Jahresbericht des in der Tradition von Herman Wirth stehenden Vereins "Ur-Europa e.V." (21) Als Referentinnen und Referenten waren die Autorinnen und Autoren bei der "Artgemeinschaft", dem "Collegium Humanum" (22) oder der "Gesellschaft für freie Publizistik" (23) aktiv.

"Neue Externsteinforschung"

Aus den Reihen des Vereins wird kolportiert, dass es 2007, parallel zur Umbenennung in "Forschungskreis Externsteine e.V.", (24) zu einer Trennung von Personen mit rechtem Hintergrund gekommen sei. Zudem suggeriert der derzeit verwendete Begriff "Neue Externsteinforschung", dass auch inhaltlich eine Veränderung stattgefunden habe.

Jedoch verlautbart der Verein auf seiner Website ausdrücklich: "Die Neue Externsteinforschung knüpft an die Erkenntnisse von Wilhelm Teudt an, insbesondere an seine "Germanische Heiligtümer"". (25) Der Ehrenvorsitzende Dr. Gert Meier schreibt mit Bezug auf die "Neue Externsteinforschung", "seit Wilhelm Teudt, Walter Machalett, Elisabeth Neumann-Gundrum und weniger anderer" sei nur "Murks fabriziert" worden. Es geht also explizit um eine Rückbesinnung auf diese völkischen Ideologen.

Solche Kontinuitäten auf ideologischer und sogar auf personaler Ebene werden auch in dem Beitrag von Renate Freifrau von Lamezam in der "Rückschau" 2010 deutlich, die dort in ihrem Artikel "Die Große Mutter als erste Schöpfungsoffenbarung und ihr Niederschlag an den Externsteinen" schreibt, Herman Wirth habe sie 1973 nach Schweden geschickt, "um mich dort mit der Symbolik der Felsbildkunst vertraut zu machen. ( … ) Und letztlich war ich in der Grotte des Felsens 1 der Externsteine tätig." (26)

Neuer Vorstand - Neuanfang?

2010 schieden Dr. Gert Meier und der Wilhelm Teudt-Enkel Jürgen Mische aus dem Vorstand aus. Neuer Vorsitzender wurde der Berliner Matthias Wenger. (27)

Wenger ist jedoch ebenfalls kein Unbekannter: Schon 1980 gründete er mit dem Nazi-Rocker Arnulf Priem den "Asgard-Bund e.V." und wurde dessen erster Vorsitzender. Später war er bei dem rassistisch-germanophilen "Armanen-Orden" aktiv. 1985 war er an der rechten Unterwanderung der Westberliner "Alternativen Liste", dem Landesverband der Berliner Grünen, beteiligt. Wenger distanziert sich mittlerweile vom Faschismus, es gibt jedoch Hinweise, die diese Distanzierung unglaubwürdig erscheinen lassen. Insbesondere die von Wenger verfassten Texte stellen sich in die Tradition von völkischen Ideologen wie Herman Wirth (28) oder Elisabeth Neumann-Gundrum. (29)

So scheint immer noch zu gelten, was den Unterwanderern des Grünen Landesverbandes damals als "Genaue Verhaltensmaßregeln" mit auf den Weg gegeben wurde: " ... Alles was geht ableugnen, herunterspielen, verharmlosen. Nichts zugeben, was nicht eindeutig durch polizeiliche oder gerichtliche Untersuchungen nachgewiesen und zum Prozeßabschluß - Verurteilung - kam ( ... )" und betonen, "man lehne NS-Ideologien streng ab." (30)

Im Anhang des Vortragsprogramm zur diesjährigen Tagung ist, von Wenger unterzeichnet, zu lesen: "Der Forschungskreis Externsteine e.V. kämpft nachdrücklich gegen den Missbrauch der Vorgeschichtsforschung durch rechtsextremes Denken. Dabei reflektieren wir auch die Beeinflussung, denen Archäologie und Volkskunde in der NS-Zeit ausgesetzt waren. Die Externsteine wie auch viele andere heilige Stätten in ganz Europa und überall auf der Welt sind Ausdruck eines weltweiten spirituellen Erbes. Wir werden die Geschichte der ideologischen Verfälschung der alteuropäischen Überlieferung durch den Rechtsextremismus auf unseren Tagungen aufarbeiten." (31)

Angesichts der auch von Wenger vertretenen Inhalte wirken diese Sätze wie ein Versuch, sich gegen Kritik zu immunisieren.

Offizielle Weihen und Unterstützung

Am Mittwoch, dem 1. Juni 2011, soll die Tagung des "Forschungskreises Externsteine e.V." im Rathaus von Horn-Bad Meinberg eröffnet werden. Dort soll eine Foto-Ausstellung des Vereinsmitglieds Wolfgang Liebig mit "Expressionen von den Externsteinen" gezeigt werden; der Bürgermeister Eberhard Block (SPD) ist mit einem Grußwort angekündigt. (32)

Distanzierten sich Vertreter der Stadt vor einigen Wochen noch öffentlich und eindeutig vom Versuch des Vereins "Ur-Europa e.V.", eine städtische Immobilie zu erwerben, so findet hier eine Hofierung statt. "Alle Anmeldungen für die Unterkunft bitten wir schriftlich zu richten an das Stadtmarketing Horn-Bad Meinberg GmbH", (33) heißt es auf der Website des Vereins. Hier bedient sich der Verein einer Firma, die der Stadt Horn-Bad Meinberg sehr nahe steht. Diese stellt zum Zecke der Tourismusförderung dem Verein ihre Dienste zur Verfügung.

Darüber hinaus behauptet der Verein auf seiner Website, er sei nicht nur "überparteilich" und "weltanschaulich neutral", sondern auch gemeinnützig. (34) Dies bedeutet, dass an den Verein gerichtete Spenden steuerabzugsfähig sind, der Verein also von Steuerzahlenden unterstützt wird.

Nicht alle über einen Kamm

Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Aktivistinnen und Aktivisten und schon gar nicht alle Gäste des "Forschungskreises Externsteine e.V." der extremen Rechten zuzuordnen sind und völkisches oder rassistisches Gedankengut vertreten. Eine Gesamtschau des Vereinswirkens lässt aber keinen anderen Schluss zu, als dass hier eine extrem rechte Ideologie unterfüttert wird.

Wir fordern daher:

- die sofortige Einstellung jeglicher Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine e.V." durch die Stadt Horn-Bad Meinberg - einschließlich der symbolischen Unterstützung, die durch ein Interaktionsverhältnis mit dem Verein entsteht,

sowie

- die sofortige Entziehung der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt.

Selbstdarstellung:

Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" ist ein Zusammenschluss interessierter Personen, der sich anlässlich der aktuellen Vorgänge im Bereich der Externsteine zusammen fand und umfangreiche Materialien zum Thema ausgewertet hat.

Kontakt über: info@hiergeblieben.de

Quellen:

(1) Zur Bedeutung der Externsteine für die völkische Religiosität vergleiche: Halle, Uta: "Treibereien wie in der NS-Zeit" - Kontinuitäten des Externstein-Mythos nach 1945. In: Puschner, Uwe / Großmann, G. Ulrich (Hg.): Völkisch und National. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. Darmstadt 2009, S. 195.

(2) Rückschau (1985), S. 1 u 52.

(3) Satzung des "Forschungskreises Externstein e.V.", Vereinsregister Lemgo VR 61181 vom 04.05.2011.

(4) Blick nach Rechts, Nr. 1 (1997) vom 08.01.1997, S. 3.

(5) "Programm der 5. Hetendorfer Tagungswoche vom 17.6 bis 25.6.95".

(6) www.welt.de/print-welt/article509810/OVG_bestaetigt_Verbot_rechter_Vereine_in_Hetendorf.html (eingesehen am 30.05.2011).

(7) Protokoll der Gründungsversammlung des künftigen Vereines "Arbeits- und Forschungskreis Walther Machalett für Vor- und Frühgeschichte", S. 2.

(8) Verfassungsschutzbericht 1997 Niedersachsen, o.O., o.J., S. 53.

(9) www.verfassungsschutz-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=56&Itemid=94 (eingesehen am 30.05.2011).

(10) Mecklenburg, Jens (Hg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin, 1996, S. 411.

(11) Meier, Gert: Das Ende der DM - eine Torheit der Regierenden? In: Kongress-Protokoll 1996, Deutschland im Europa freier Völker, 7. Gesamtdeutscher Kongreß, Gesellschaft für Freie Publizistik e. V, Oberboihingen, 1996, S 11.

(12) Walther Machalett, Walther: Die EXTERNSTEINE - Das Zentrum des Abendlandes. Die Geschichte der weißen Rasse. Band 2. Externsteine, Hallonen, 1970.

(13) Ebd., S. 9.

(14) Ebd.

(15) Bellmund, Klaus / Siniveer, Kaarel: Kulte, Führer, Lichtgestalten. Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propaganda, München, 1997, S. 140.

(16) Vgl. Hartmann, Jürgen: Vom "völkischen Vorkämpfer" zum Nationalsozialisten "bis auf die Knochen". Der politische Werdegang des "Germanenkundlers" Wilhelm Teudt. In: Rosenland, Zeitschrift für lippische Geschichte 11 (2010), S. 23 - 36.

(17) Vgl. Wiwjorra, Ingo: Herman Wirth. Ein gescheiterter Ideologe zwischen "Ahnenerbe" und Atlantis. In: Barbara Danckwortt (Hg.): Historische Rassismusforschung. Ideologen, Täter, Opfer, Hamburg 1995.

(18) Fachmann, Wolfgang: Die Geschichte des Arbeitskreises in Bildern und Geschichten. In: Rückschau (2005 / 2006), S. 4f.

(19) Vgl. Grossmann, G. Ulrich: Völkisch und national - Der "Beitrag" der Hausforschung. Wiederaufleben der Runenkunde des SS-Ahnenerbes. In: Puschner, Uwe / Großmann, G. Ulrich (Hg.): Völkisch und National. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. Darmstadt 2009, S. 31.

(20) Neumann-Gundrum, Elisabeth: Urbilder / Urworte aus dem eigenen ältesten Testament der europäischen Menschheitsgruppe. In: Rückschau (1985), S. 7.

(21) Meier, Gert: Wer sind eigentlich die Vierzehn Heiligen? In: Ur-Europa Jahrbuch 2000, S. 103; Wenger, Matthias: Buchbesprechungen, In: Ur-Europa Jahrbuch (2003), S. 127 und Ur-Europa Jahrbuch (2004), S.123.

(22) Zum Beispiel Seminar im "Collegium Humanum" vom 08.07. bis 10.07.1983 "Gehalt und Kern deutscher Sagen", mit Dr. Heinz Ritter, Schaumburg.

(23) Zum Beispiel Elke Moll - Autorin und Referentin der "Gesellschaft für freie Publizistik" 1997 und Autorin im Ur-Europa Jahrbuch 2008.

(24) Vereinsregisterauszug des Vereinsregister Lemgo VR 61181 vom 17.05.2011.

(25) www.forschungskreis-externsteine.de/Veroeffentlichungen-NeueExternsteinForschung.html (eingesehen am 30.05.2011).

(26) Freifrau von Lamezan, Renate: Die Große Mutter als erste Schöpfungsoffenbarung und ihr Niederschlag an den Externsteinen. In: Rückschau (2010/2011), S. 44 - 59.

(27) Vereinsregisterauszug des Vereinsregister Lemgo VR 61181 vom 17.05.2011.

(28) Vgl. Wenger, Matthias: Das Symbolverständnis Herman Wirths. In Rückschau (2003) S.34 - 37.

(29) Wenger, Matthias: Prähistorische Monumentalfelskunst am Beispiel der Externsteine. In Rückschau (2008/2009) S.46 - 52.

(30) Mecklenburg, Jens (Hg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin, 1996, S. 721.

(31) Vortragsprogramm2011. PDF unter www.forschungskreis-externsteine.de/Vortragsprogramm2011.pdf (eingesehen am 30.05.2011).

(32) Ebd.

(33) www.forschungskreis-externsteine.de/Veranstaltungen.html (eingesehen am 30.05.2011).

(34) www.forschungskreis-externsteine.de (eingesehen am 30.05.2011).


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