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Westfalen-Blatt / Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel , 11.10.2017 :

Opa wurde in Greffen beerdigt

Stadtarchiv hilft Igor Kasseev aus Russland, der das Grab seines Großvaters gesucht hat

Harsewinkel (WB). Lange Jahre mit Recherchen an vielen Stellen hat Igor Kasseev aus der 500 Kilometer südöstlich von Moskau gelegenen Region Pensa gebraucht, bis er den Sterbeort und das Grab seines Großvaters Iwan Kasseev ausfindig gemacht hatte. Die umfangreichen Quellen des International Tracing Service des Internationalen Roten Kreuzes in Arolsen brachten ihn auf die Spur, dass Iwan Kasseev zu den Kriegsgefangenen des großen Lagers 326 (VI K) in Stukenbrock gehört hatte und in Greffen auf dem Friedhof beerdigt ist.

Nun konnte er zusammen mit seiner Frau Tatjana und begleitet von Hilla Westerhelweg, Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stalag 326, an das Grab des Großvaters treten, den er nie kennengelernt hat. Zuvor wurde er im Rathaus von Bürgermeisterin Amsbeck-Dopheide begrüßt, die daran erinnerte, dass der Besuch am Antikriegstag, dem 1. September, stattfinde, und die Verpflichtung der internationalen Politik zum Erhalt des Friedens betonte.

In einer Gedenkminute verneigten sie sich vor dem Großvater und anderen Kriegsgefangenen

Zugleich sprach sie dem Gast aus Russland, der seinen Großvater nie kennengelernt hat, ihr Mitgefühl aus und bat ihn, ihre Grüße der betagten Mutter auszurichten, die nur zwei Jahre alt war, als ihr Vater in den Krieg ziehen musste. Stadtarchivar Eckhard Möller hatte im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses Dokumente zu den sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern bereitgelegt. Besonders wichtig war es für Igor Kasseev, die Sterbeurkunde seines Großvaters in den Händen halten zu können. Seine Fragen nach den Todesumständen konnten ihm nicht beantwortet werden, weil sich über Kriegsgefangene nur wenige Dokumente im Stadtarchiv finden lassen.

Nach dem Besuch im Rathaus fuhr das Ehepaar Kasseev zusammen mit dem Stadtarchivar und Hilla Westerhelweg zum Friedhof nach Greffen. Sichtlich bewegt traten Igor und Tatjana Kasseev an das Grab des Großvaters und schmückten es mit Blumen. In einer Gedenkminute verneigten sie sich vor dem Großvater und den 14 anderen sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier Zwangsarbeit leisteten und jung starben, ohne ihre Heimat wiederzusehen.

Bildunterschrift: Gemeinsame Suche beendet (sitzend von links): Tatjana Kasseev und Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide; (stehend von links) Hilla Westerhelweg, Eckhard Möller und Igor Kasseev.


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