www.hiergeblieben.de

Mindener Tageblatt , 15.10.2019 :

Geduld gefragt

Ergebnisse zur Ahnenstätte liegen vor

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Wer an wissenschaftlich belegbaren Hintergründen zur Ahnenstätte Seelenfeld interessiert ist, muss sich noch etwas gedulden. Die Veröffentlichung sei in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Kultur- und Heimatpflege vorgesehen. So informierte Evelyn Hotze aus der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus auf MT-Anfrage.

Der Bericht selbst liege der Verwaltung mittlerweile vor. In der Sitzung werde es um eine Vorstellung der Ergebnisse sowie die Absprache des weiteren Vorgehens gehen. Einen konkreten Termin gab es gestern noch nicht.

Die beiden Historiker Dr. Karsten Wilke und Thomas Lange waren im Juli vorigen Jahres mit der Aufarbeitung der Geschichte der Ahnenstätte beauftragt worden. Dabei sollten sie Aspekte aus Vergangenheit und besonders der Gegenwart herausarbeiten. Für ihre Arbeit hatte die Stadt Petershagen 10.000 Euro bereitgestellt.

Im Juni 2017 hatte der Journalist Julian Feldmann auf ein Treffen aus der rechtsextremen Szene auf dem Friedhof hingewiesen. Bei einem Vortrag im Alten Amtsgericht äußerte der Rechtsextremismus-Experte Jan Raabe aus Bielefeld später, dass punktuelle Verbindungen der rechten Szene nicht von der Hand zu weisen seien. Wie diese Verbindungen wirklich aussehen, haben die beiden Wissenschaftler Wilke und Lange erarbeitet. Unklar ist noch, wie mit den Ergebnissen verfahren wird - als Workshop oder in Form weiterer Veröffentlichungen.


Copyright: Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 18.07.2019:

Neue Spuren

Bei ihren Recherchen zur Ahnenstätte Seelenfeld sind die Historiker auf Verbindungen zur rechtsextremen "Artgemeinschaft" gestoßen

Von Oliver Plöger

Petershagen (mt). Im Zuge der Forschungsarbeiten zur Ahnenstätte Seelenfeld hat sich eine Verzögerung ergeben. Die Ergebnisse können erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 vorgelegt werden. So die Information aus der Stadtverwaltung Petershagen. Die Verzögerung sei eingetreten, da die mit der Geschichte der Ahnenstätte beauftragten Historiker in der "Nordischen Zeitung" einen Hinweis auf die Anlage in Seelenfeld gefunden haben.

Mit den Ahnenstätten-Anlagen in Conneforde und Hilligenloh werde die Ahnenstätte Seelenfeld hier als aktuelle Begräbnisstätte genannt. Die "Nordische Zeitung" werde vom Verein "Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V." herausgegeben, der als rechtsextrem eingestuft werde. Die Stadt bezieht sich dabei auf einen Wikipedia-Eintrag, abgerufen am 17. Juni dieses Jahres. "Daher mussten weitere Unterlagen und Akten angefordert und gesichtet werden, wodurch die zeitliche Verschiebung eingetreten ist", hieß es dann auch im jüngsten Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege, der regelmäßig über den "Stand der Dinge" informiert.

Der Verfassungsschutz hatte die "Artgemeinschaft" 2012 als "rechtsextremistische Vereinigung" bezeichnet, die - so wörtlich - "strukturell mit anderen rechtsextremistischen Organisationen vernetzt ist". Und weiter: "Sie benutzt ihr neuheidnisches Weltanschauungsgebilde dabei als Vehikel, um rechtsextremistisches Gedankengut gesellschaftspolitisch zu verbreiten". Die 1951 gegründete "Artgemeinschaft" habe sich in den sechziger Jahren mit der "Nordischen Glaubensgemeinschaft" vereinigt, deren Wurzeln bis in das ausgehende 19. Jahrhundert zurückreichten. Konstatiert hatten die Verfassungsschützer heidnisch-völkische Versatzstücke und ein grundlegendes "Denkmodell von der Überlegenheit der arisch-nordischen bzw. germanischen Rasse". Neben der Wiedererweckung und Verbreitung des "artgemäßen" Glaubens gehe es der "Artgemeinschaft" um die Rekonstruktion einer nach dem Grundsatz des Führerprinzips aufgebauten Volksgemeinschaft. Hierbei seien deutliche Anlehnungen an Elemente der NS-Ideologie erkennbar. Zitat: "Dies unterscheidet die Artgemeinschaft von anderen in Deutschland existierenden neuheidnischen Gruppierungen, die lediglich eine Renaissance der germanischen Mythologie anstreben." Auf regionaler Ebene sei die Organisation in so genannten Gefährtschaften gegliedert. Auf öffentlichkeitswirksame Aktivitäten werde wegen des beinahe schon sektenhaften Charakters verzichtet. Vierteljährlich werde in kleiner Auflage die Mitgliederpublikation "Nordische Zeitung" (NZ) herausgegeben, die sich mit heidnisch-religiösen Themen und germanischem Brauchtum beschäftige.

Ein hier abgedruckter Hinweis auf die Ahnenstätte Seelenfeld ließ die beiden Historiker Dr. Karsten Wilke und Thomas Lange aufmerken, die die eigenen Forschungsergebnisse noch einmal aktualisieren mussten. Dabei ist beiden durchaus bekannt, dass auch in den vergangenen Jahren noch Beerdigungen hier stattgefunden hatten. So auch die Information im ersten Zwischenbericht (MT berichtete). Auch Veranstaltungen mit Teilnehmern aus dem rechtsextremen Spektrum habe es gegeben. Offenbar gibt es jetzt aber weitere aktuelle und vor allem nachweisbare Bezüge.

Ursprünglich sollten die Forschungsergebnisse im ersten Quartal veröffentlicht werden. Stand gestern laut Pressesprecherin Tatjana Brast: "Die Ausarbeitung der Historiker liegt der Stadt jetzt im Entwurf vor. Bedingt durch die anstehende Sommerpause der Politik und auch die Ferienzeit, ist eine Präsentation im Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege im vierten Quartal diesen Jahres geplant."

Thomas Lange hatte sich speziell die Erforschung der Jahre 1939 bis 1945 vorgenommen, Karsten Wilke die Zeit danach und mögliche Bezüge zu aktuellen rechtsextremistischen Strömungen. Zugeknöpft gab sich im Zuge der Recherchen der nach wie vor bestehende Ahnenstättenverein, der die Anlage in Seelenfeld betreibt.

Dass es nicht nur in den vergangenen Jahren, auch bald nach dem Krieg Veranstaltungen auf der Ahnenstätte gab, geht indes aus dem Archiv des Mindener Tageblatts hervor. So berichtet die Zeitung am 17. Juli 1950 von einer "Gedenkfeier an der Ludendorff-Ahnenstätte". Im Artikel heißt es: "Mehr als 500 Personen ( ... ) waren hier zusammengekommen. Nach dem Totengedenken wurde der Lebensgefährtin des Feldherrn, Dr. Mathilde Ludendorff, gedacht und dabei Protest erhoben gegen das Urteil der Spruchkammer München, das Frau Ludendorff in die Gruppe der "Hauptschuldigen" eingereiht hat." Anders Thomas Lange heute: "Dass Mathilde Ludendorff zutiefst antisemitisch und antidemokratisch war, steht außer Frage."

Wie die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden, steht noch nicht fest. Das soll nach dem Vortrag vor dem Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege im Herbst entschieden werden, so Brast. Publikation, Foren und Veranstaltungen seien denkbar.

Ahnenstätte und Gotterkenntnis

Die Gründung des Vereins "Ahnenstätte Seelenfeld e.V." passierte in etwa zeitgleich mit der Wiederzulassung der religiösen Organisation Mathilde Ludendorffs (1877 bis 1966), zweite Frau des Kriegsgenerals Erich Ludendorff. Mathilde Ludendorff hatte 1937 den "Bund für deutsche Gotterkenntnis" gegründet.

Bedingung für eine Mitgliedschaft im Ahnenstättenverein sei von Beginn an das Bekenntnis zu dieser Organisation Ludendorffs gewesen. Das gehe aus der Gründungssatzung sowie weiteren darauf folgenden Satzungen hervor. Aufgehoben wird diese Verbindung erst 1962.

1961 sei der "Bund für Gotterkenntnis" laut Dr. Karsten Wilke verboten worden. Dem Ahnenstättenverein sei zur Sicherung des Weiterbestehens zu einer entsprechenden Satzungsänderung geraten worden. plö

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882264 oder Oliver.Ploeger@MT.de.

Bildunterschrift: Der Eingang zur Ahnenstätte in Seelenfeld: Besonders, wenn es um aktuellere Bezüge geht, sind die Forscher offenbar auf interessante Verbindungen gestoßen.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 14.03.2019:

Verein hält Akten verschlossen

Nach mühevoller Recherche legen die Historiker erste Ergebnisse ihrer Forschung zur Ahnenstätte Seelenfeld vor / Danach streben die Akteure nach einer "radikalen völkisch-religiösen Gegenwelt"

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Mit der Ahnenstätte in Seelenfeld existiert eine "radikale völkisch-religiöse Gegenwelt" zum vorhandenen Christentum und den bürgerlichen Werten. So das Zwischen-Fazit der mit der Erforschung in Vergangenheit und Gegenwart der Ahnenstätte beauftragten Historiker Dr. Karsten Wilke und Thomas Lange. Im Mai wollen sie einen 50- bis 60-seitigen Bericht mit den endgültigen Ergebnissen vorlegen. Dabei gestaltet sich die Arbeit bis dato schwierig.

Neben Recherchen in den Archiven der Kirche wollten Wilke und Lange auch Einblicke in die Akten des Trägervereins bekommen. Lange: "Wir bekamen zwar mündlich Auskunft, bedauerlicherweise jedoch keinen Zugriff auf die Unterlagen", so Thomas Lange. Auch Interviews, die per Tonbandaufzeichnung hätten transkribiert werden können, wurden abgelehnt. "Gerade das wäre für die wissenschaftliche Auswertung aber wichtig." Der Ahnenstättenverein hatte hier insbesondere mit Persönlichkeitsrechten argumentiert.

Dass die Recherche bislang aufwendig war und sich "alle zwei bis drei Wochen" eine neue Aktenlage ergeben habe, betonte Lange am Dienstag vor dem Ausschuss für Kultur und Heimatpflege. Fündig wurden die Historiker im Kirchenarchiv in Bielefeld, fanden Unterlagen des "Tannenbergbundes", über den Ersten-Weltkriegs-General Erich Ludendorff (1865 bis 1937) und seine zweiten Frau Mathilde (1877 bis 1966). Die hatte um 1937 den nationalistischen Verein "Deutschvolk" gegründet, der nachweislich antisemitisch und antichristlich war und der als "Bund für Gotterkenntnis" und Nachfolgeorganisation des "Tannenbergbundes" noch heute existiert. Der "Tannenburgbund" selbst war 1933 verboten worden, da es zwischen Hitler, der an der Kirche aus taktischen Gründen festhielt, und Ludendorff zum Streit gekommen war. Ausgesöhnt hatten sich die beiden erst 1937, wie die Historiker darlegten.

Noch immer finden auf dem Friedhof Bestattungen statt

Damals ist auch der Ahnenstättenverein Niedersachsen ins Leben gerufen worden, der die Anlage bis heute betreibt und auf der nach wie vor Bestattungen stattfinden, wie auch aus dem Ausschuss bestätigt wurde. Die Mehrzahl derjenigen, die sich hier bei ihren "Sippen", so die Formulierung auf den Grabsteinen, bestatten lassen, stammen aber offenbar von außerhalb. Auch Angehörige eines in der rechtsextremen Szene agierenden Landschaftsgärtners, der angeblich schon auf Treffen gesehen wurde, sollen auf der Ahnenstätte in Seelenfeld begraben sein.

Dass es Bezüge zur aktuellen rechtsextremen Szene gibt, betonte Karsten Wilke auf Anfrage durch den Ausschuss. Martin Sölter (SPD) seien aus der Bevölkerung keine Beobachtungen bekannt. Problem sei dabei, so Wilke, dass die Wissenschaftler auf die Außenperspektive angewiesen seien. Auch Karsten Wilke verwies auf den Landschaftsgärtner, der auf Treffen gesehen worden sei, und einen Trauerredner, der ebenfalls in der rechten Szene agiere.

Rederecht gab der Ausschuss dem Seelenfelder Ortsheimatpfleger Friedrich Dralle: "Ich bin 71 Jahre alt, ich habe Seelenfeld erlebt", meinte er. 2010 habe es einen Aufmarsch geben, Störungen einer Gruppe aus Dortmund. Damals sei eine Polizeiaktion gelaufen. "Das ist das einzige, was ich als Ortsheimatpfleger weiß." Die Angaben des Journalisten, der über rechtsextreme Treffen berichtet und die Diskussion damit angestoßen hatte, zweifelte Dralle an.

Dr. Karsten Wilke, der sich speziell mit der Geschichte des Friedhofs nach 1945 beschäftigt, war auf Überlieferungen im Petershäger Stadtarchiv gestoßen, hatte Einsicht in die Vereinsakte beim Amtsgericht und erfuhr aus den sechziger Jahren von der Überprüfung des Ahnenstättenvereins als mögliche verfassungsfeindliche Organisation. Ausgewertet hatte er auch Publikationen der rechtsextremen Szene und bekam Akteneinsicht in eine private Sammlung.

Wilke und Lange waren von der Stadt mit der Forschungsarbeit beauftragt worden, nachdem der Friedhof durch Medienberichte ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde. Mittlerweile hat die Arbeit der Wissenschaftler überregionales Interesse gefunden: Für April hat sich eine Forschergruppe der Universität Oldenburg angesagt, die sich die Situation vor Ort anschauen möchte.

Forscher schlagen eine Fachtagung zum Thema vor

Was mit den Forschungsergebnissen geschehe, so Karsten Wilke, sei im Anschluss Sache der Stadt. Neben der Veröffentlichung der Publikation wäre aber auch eine Fachtagung sinnvoll.

Im Alten Amtsgericht hatte es im Zuge der Aufarbeitung der Ahnenstätten-Geschichte bereits öffentliche Vorträge gegeben, zuletzt vom Bielefelder Rechtsextremismus-Experten Jan Raabe. Er sei zwar kein Spezialist auf dem Gebiet der Ahnenstätte Seelenfeld, meinte aber auch, dass "punktuelle Verbindungen zu völkischen Gruppen nicht von der Hand" zu weisen seien. Mit Blick auf den "Bund für Gotterkenntnis" sprach er von einer "Bewegung, die Ideologien produzierte, aber wenig nach außen drang". Ihr Aktionsradius erstrecke sich aber ebenso wie der weiterer rechtsextremer Gruppierungen auf OWL. In vielen Bereichen gebe es Überschneidungen und Vernetzungen.

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882264 oder Oliver.Ploeger@MT.de.

Bildunterschrift: Vereinzelt finden hier auf der Ahnenstätte noch immer Beerdigungen statt. Meist aber von Auswärtigen. Der Friedhof sorgt mittlerweile für überregionales Interesse.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 13.11.2018:

Stadt sucht Quellen zur Ahnenstätte

Forscher hoffen auf Material

Petershagen-Seelenfeld (mt/plö). Die Stadt sucht verwertbare Quellen zur Geschichte der Ahnenstätte Seelenfeld. Als Beispiele werden Fotografien, Briefe, schriftlichen Unterlagen oder Gegenstände aus den 1920er-Jahren bis heute genannt. Das Material muss einen Bezug zur "Ahnenstätte Seelenfeld" oder / und zum Trägerverein "Ahnenstätten-Verein Niedersachsen" haben.

Die Stadt Petershagen hatte im August zwei Historiker mit der Erforschung der Geschichte der Ahnenstätte Seelenfeld beauftragt (MT berichtete).

Dabei handelt es sich laut Stadtverwaltung Petershagen um einen Privatfriedhof im Petershagener Ortsteil Seelenfeld, der sich in Besitz des "Ahnenstätten-Vereins Niedersachsen" befindet.

Wer Informationen hat, kann sich gerne an die Stabstelle Wirtschaftsförderung und Tourismus unter der Durchwahl (05702) 822238 wenden.

Bildunterschrift: Als Angehörige von Sippen haben sich einige bezeichnet, die in Seelenfeld begraben liegen.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 10./11.11.2018:

"Verbindungen nicht von der Hand zu weisen"

Jan Raabe spricht im Alten Amtsgericht über die völkische Szene in Ostwestfalen und beginnt seine Betrachtung mit der Ludendorff-Bewegung und der Ahnenstätte Seelenfeld

Von Kerstin Rickert

Petershagen (kr). "Ihre Macht entsteht dann, wenn wir ihnen Raum geben, wenn wir sie agieren lassen", sagt der Sozialpädagoge und Autor Jan Raabe. In seiner Heimatstadt Bielefeld engagiert sich der 53-Jährige ehrenamtlich im Verein "Argumente und Kultur gegen Rechts", der seit 25 Jahren rechtsextreme Entwicklungen erforscht und Akteure und Strömungen beobachtet, um die Erkenntnisse in Bildungsarbeit umzusetzen. Im Alten Amtsgericht referierte Raabe zum Thema "Die extreme Rechte in Ostwestfalen". Ausgangspunkt seiner Betrachtungen: die völkische Ludendorff-Bewegung hinter der Ahnenstätte Seelenfeld.

Für die Erforschung der Ahnenstätte hat die Stadt Petershagen Mittel in Höhe von 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. Mit der Forschungsarbeit beauftragt sind die beiden Historiker Dr. Karsten Wilke und Thomas Lange (das MT berichtete). Wilke und Raabe hatten die Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen e.V., der Verein Minden - Für Demokratie und Vielfalt e.V., das LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim, die Stadt Petershagen und der Mindener Geschichtsverein zur letzten Veranstaltung ihrer diesjährigen Vortragsreihe zum Thema als Co-Referenten eingeladen. Karsten Wilke hatte wegen Krankheit allerdings kurzfristig absagen müssen.

Er selbst sei kein Spezialist auf dem Gebiet der Ahnenstätte Seelenfeld, stellte Jan Raabe zu Beginn klar. Punktuelle Verbindungen zu völkischen Gruppierungen seien aber nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte des privaten Friedhofs auf dem einstigen germanischen Hünengräberfeld sei eng verbunden mit der des völkischen Vereins "Deutschvolk", der 1930 von Mathilde und Erich Ludendorff gegründet wurde. Als direkter Nachfolger gelte der bis heute mit Sitz im oberbayerischen Tutzing agierende "Bund für Gotterkenntnis", den der Verfassungsschutz als rechtsextrem und antisemitisch einstuft. Mit Blick auf die Entwicklung spricht Raabe von einer "Bewegung, die Ideologien produzierte, aber wenig nach außen drang". Ihr Aktionsradius erstrecke sich aber ebenso wie der weiterer rechtsextremer Gruppierungen auf OWL. In vielen Bereichen gebe es Überschneidungen und Vernetzungen.

Bis in die Jahre 2004 / 2005 seien die Ludendorffer in OWL mit vielen Vorträgen in Erscheinung getreten, 40 bis 50 Personen hätten sich in den 1990er Jahren regelmäßig in Minden versammelt.

Mit einem Personenkreis, der bundesweit etwa 400 Sippen umfasse, seien die Ludendorffer zwar keine große Bewegung, die zudem an völkischer Bedeutung verliere. Aber: "Die klassische völkische Szene ist in OWL besonders stark ausgeprägt." Das habe historische Gründe im "Hermannsland", sagt Raabe und verweist auf das Hermannsdenkmal, die Externsteine und die Wewelsburg als Versammlungs- und Ausflugsorte. Zu den Traditionsgemeinschaften gehöre auch die so genannte "Artgemeinschaft", die sich zu nordisch-germanischem Heidentum bekennt. Ihre Anhänger seien gut vernetzt und tauchten immer wieder auf - auch in der AfD. Bei deren Trauermarsch in Chemnitz dabei gewesen sei etwa der Detmolder Gerd Ulrich, bekannt als Angehöriger der inzwischen verbotenen "Wiking-Jugend". Gerd Rothe aus Bad Oeynhausen sei Mitbegründer der Nachfolge-Organisation "Sturmvogel" und von Wolf-Dieter Schröppe, ehemaliger Lehrer an der Mindener Waldorf-Schule, sei bekannt, dass er Kontakte zum "Freibund" habe, einem Jugendverband, der der Neuen Rechten zugeordnet wird. Es handele sich bei den einzelnen Gruppierungen nicht um besonders große Kreise mit nennenswerter Außenwirkung. "Sie sind vor allem erzieherisch tätig", sagt Raabe.

Was sie eine, sei dasselbe Ziel, gegen die Demokratie zu agitieren. Ihre Anhänger fänden immer wieder Wege, sich neu zu formieren. Werde eine Organisation verboten, gründe sich eine neue, häufig auch unter Verschiebung der Organisationsformen sowie der nach außen publizierten Ziele.

Aus militantem Neonazismus etwa bildeten sich informelle Kreise, so genannte Kameradschaften, mit Leuten wie Marcus Winter aus Minden, den Raabe der "Funktionselite" in der Rechts-Rock-Szene zurechnet. "Die neonazistische Szene erkannte Musik als Mittel, um ihre Botschaften zu verpacken und ihre Ideologie zu transportieren", sagt Raabe.

Äußerlich seien Neonazis heute nicht unbedingt zu erkennen

Zu Konzerten wie dem von Winter organisierten Auftritt der Band "Sturmwehr" im März in Veltheim kämen zwar keine Massen, "aber sie kommen nicht nur aus OWL, und spannend ist es, sie zusammen zu betrachten", so der Bielefelder, der sich seit Jahren vor allem mit der Jugendkultur der extremen Rechten auseinandersetzt. "Winter schafft es auch in seinem Alter mit fast 40, junge Menschen anzusprechen", sagt er. Die Musik-Szene wirke stabilisierend, bundesweit bedeutende Akteure seien in OWL angesiedelt. Ein neuer Trend sei, an Kampfsport Interessierte zu akquirieren.

Äußerlich seien Neonazis heute nicht unbedingt zu erkennen. "Es gibt nicht mehr die Skinhead-Dominanz, das sind normal aussehende Leute", sagt Raabe und rät deshalb, besonders wachsam zu sein.

Bildunterschrift: Auf reges Interesse stieß der Vortrag von Jan Raabe im Alten Amtsgericht. Raabe selbst wollte sich nicht ablichten lassen. Das könnte seine Arbeit in der rechtsextremen Szene gefährden, meinte er. Raabe engagiert sich im Verein "Argumente und Kultur gegen Rechts".

Bildunterschrift: Punktuelle Verbindungen der rechten Szene zur Ahnenstätte seien nicht von der Hand zu weisen, sagt Jan Raabe.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 16.10.2018:

Akten alleine helfen nicht

Thomas Lange und Dr. Karsten Wilke sind in die Forschung der Ahnenstätte Seelenfeld eingestiegen und hoffen auf weitere Erkenntnisse durch einen öffentlichen Aufruf

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Die Aktenlage ist schwierig. Und manchmal kommen sie gar nicht an die Informationen ran - weil das Personenstandsrecht die Einsicht verbietet. Dennoch sind die beiden Forscher Thomas Lange und Dr. Karsten Wilke zuversichtlich, dass sie im ersten Quartal 2019 eine wissenschaftliche Dokumentation zur Ahnenstätte Seelenfeld vorlegen können. Dabei soll auch ein öffentlicher Aufruf helfen, den sie gemeinsam mit der Stadt Petershagen planen. Frage wäre dann: Wer hat noch Unterlagen zur Ahnenstätte zuhause? Die offizielle Pressemitteilung samt Kontaktdaten soll in den nächsten Tagen folgen.

Auf die Ergebnisse der Forschung will Lange nicht vorgreifen, weiß um die Sensibilität des Themas. Nein, die Seelenfelder wollen nicht in die rechte Ecke gestellt werden. Und so einfach sei es auch nicht, sagt Lange. "Das Thema ist nicht schwarz oder weiß." Die Forscher wissen sich von Ortsbürgermeister Jürgen Buschke unterstützt, der das auch im Rat der Stadt deutlich gemacht hatte: "Als Ortsbürgermeister begrüße ich den Einsatz der beiden Historiker." Auch Buschke wünscht sich, dass es nicht zu Vorverurteilungen kommt. Die Ahnenstätte war in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, nachdem Medien im Vorjahr davon berichtet hatten, dass es hier zu Treffen Rechtsextremer komme. Die Stadt hatte dann die beiden Forscher mit der Aufarbeitung der Geschichte und möglichen aktuellen Bezügen zum rechten Spektrum beauftragt.

Lange selbst habe sich die Jahre 1930 bis 1945 vorgenommen. Schwierig sei dabei die einseitige Sicht der Offizialakten. Beispiel: Ein Ludendorff-Anhänger sollte die Stelle des Dorflehrers antreten, was zum Konflikt mit dem Pfarrer und der Spaltung der Gemeinde in Christen und den Ludendorffer Tannenbergern führte. "Die Akten lassen die Friedhofsgründer nicht sonderlich gut dastehen", sagt Lange, der auch auf Wahlergebnisse hinweist. Dass etwa wenige Seelenfelder für die NSDAP gestimmt hatten, könnte daran gelegen haben, dass Ludendorff dazu aufgerufen habe, eben diese Partei nicht zu wählen. Ludendorff war gemeinsam mit seiner Frau Margarethe Schirmherr der Ahnenstätte, die um 1930 vom Tannenbergbund und der Deutschvolkgemeinde angelegt worden ist. "Dass Mathilde Ludendorff zutiefst antisemitisch und antidemokratisch war, steht außer Frage", so Lange.

Petition zur Diskriminierung durch die Stadt vom Landtag abgewiesen

Doch was ist heute? Karsten Wilke wird gemeinsam mit Jan Raabe am Mittwoch, 7. November, in einer öffentlichen Veranstaltung über "Extreme Rechte" sprechen. Der Vortrag, der um 19.30 Uhr im Alten Amtsgericht beginnt, soll die aktuelle völkisch-rechtsextreme Szene um die Ahnenstätte betrachten.

Unterdessen hat der Landtag eine Petition des Bückeburgers Hans Ulrich Gräf abgelehnt. Gräf hatte Beschwerde gegen die Stadt Petershagen wegen Diskriminierung und wegen Irreführung über Kenntnisse des Ahnenstättenvereins gestellt. So habe Gräf versucht, der Stadtverwaltung und dem Seelenfelder Ortsbürgermeister eine Mail zu übertragen - erfolglos. "Mir wurde zugetragen, dass die Einstellung so geändert wurde, dass von mir versandte Mails abgewiesen werden." Gräf fühle sich durch den Absender grundlos diskriminiert.

Weiter habe die Verwaltung behauptet, sie habe keine Erkenntnisse vom Glaubensbekenntnis und vom historischen Kontext des Ahnenstättenvereins zum Verein Deutschvolk, dem Tannenbergbund und dem Bund für Gotterkenntnis Ludendorff. Richtig sei, dass zahlreiche Historiker bereits umfangreich zu den Themen geforscht haben und, so Gräf wörtlich, "durchaus hinreichende geschichtliche Substanz" vorhanden sei, um den Ahnenstättenverein zu bewerten.

Der Petitionsausschuss sah "nach Prüfung der Angelegenheit" keinen Anlass, "im Sinne der Petition weiter tätig zu werden". Eine Überprüfung der Beschwerde habe ergeben, dass "E-Mails des Petenten nicht generell durch die Stadt abgewiesen werden". Die beanstandete Mail habe die Stadt auf Grund der genutzten Schlagwörter - darunter "KZ" und "SS" - nicht erreicht. Weiter: "Die Anfragen zur Ahnenstätte wurden nach Auskunft der Stadt nach bestem Wissen umfassend beantwortet." Die Stadt habe sich mit der Thematik der Anfragen auseinandergesetzt.

Hans Ulrich Gräf gibt sich mit der Ablehnung nicht zufrieden. Die Stadt, so Gräfs neuer Vorwurf, habe beim Amtsgericht durchgesetzt, dass er die Akte des Vereins nicht vollständig einsehen dürfe. Die Petershäger Verwaltung kommentiert diese Vorgänge nicht, verweist aber auf die laufenden Forschungen von Karsten Wilke und Thomas Lange.

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882264 oder Oliver.Ploeger@MT.de.

Bildunterschrift: Was passiert wirklich auf diesem Friedhof, was steckt hinter der Ahnenstätte? Das wollen die Forscher gerade herausfinden. Dabei stehen die Pforten nicht immer offen.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 12.07.2018:

Buschke bittet um Fairness

Öffentlichkeit beobachtet Seelenfeld mit Argusaugen

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Die Seelenfelder werden sich daran gewöhnen müssen, dass ihr Dorf weiter mit Argusaugen betrachtet wird - jedenfalls, was die Ahnenstätte betrifft. Und das weiß auch Ortsbürgermeister Jürgen Buschke, der im Rat vor allem um Fairness bat. "Als Ortsbürgermeister begrüße ich den Einsatz der beiden Historiker. Und die Herren bekommen unsere vollste Unterstützung."

Buschke lobte die bisher zwei Veranstaltungen, die zur Aufklärung auch der Zusammenhänge rund um die Ahnenstätte beigetragen haben (das MT berichtete). Auch gegenüber der Presse bat er um faire Berichterstattung, si möge "nicht gleich negativ" berichten.

Auch der Rat votierte abschließend für den Einsatz von Thomas Lange und Dr. Karsten Wilke. Sie sind mit der Ermittlung von Fakten und Hintergründe zur geschichtlichen Einordnung der Ahnenstätte beauftragt. Dabei sollen sie sowohl die Vergangenheit als auch die Bezüge zur Gegenwart aufarbeiten. Dabei wurden Haushaltsmittel von 10.000 Euro bereitgestellt. Lange und Wilke werden bis Ende 2018 / Anfang 2019 einen zweiteiligen Aufsatz zum Thema "Ahnenstätte Seelenfeld" erstellen, der anschließend veröffentlicht werden soll.

Im ersten Teil wird Thomas Lange die Entstehungsgeschichte der Anlage nachzeichnen und auch Aspekte wie "völkische Ideologie" und Totenkult analysieren. Langes Beitrag wird zudem die Nutzung der Anlage zur Zeit des Nationalsozialismus behandeln und 1945 enden.

Im zweiten Teil wird Karsten Wilke die Rezeption der Anlage in rechtsradikalen und rechtsextremen Kreisen nach 1945 nachvollziehen. Dies soll dann auch "für Außenstehende" verstehbar gemacht werden, heißt es in der Vorlage, die der Rat beschlossen hat.

2019 schlagen die Historiker eine Fachtagung vor, in der "ähnliche Rezeptionsvorgänge" dargestellt werden könnten, darunter zu den Externsteinen oder dem Freilichtmuseum Oerlinghausen.

Bildunterschrift: Was steckt wirklich hinter dem Friedhof in Seelenfeld? Die Historiker sollen aufklären.

_______________________________________________


Neue Westfälische, 10.07.2018:

Umstrittene Ahnenstätte in Petershagen wird erforscht

Petershagen (epd). Die Stadt Petershagen will bis zum Jahresende erste Forschungsergebnisse zur umstrittenen "Ahnenstätte Seelenfeld" vorlegen. Der Stadtrat habe die Historiker Thomas Lange und Karsten Wilke mit der Aufarbeitung von Geschichte und Gegenwart des privaten Friedhofs mit völkischen Wurzeln beauftragt, bestätigte eine Sprecherin der Kommune im Kreis Minden Lübbecke.

Der beim Dorf Seelenfeld nahe der Grenze von NRW zu Niedersachsen gelegene Privatfriedhof wurde von Anhängern der völkischen Ludendorff-Bewegung auf einem ehemaligen germanischen Hügelgräberfeld gegründet. Seit 1937 gehört die Anlage, auf der nach wie vor bestattet wird, dem "Ahnenstättenverein Niedersachsen". Ein Journalist hatte im Juni 2017 auf einem Mitgliedertreffen des Vereins den rechtsextremen Aktivisten Wolfram Schiedewitz ausgemacht und die Debatte über die Ahnenstätte ausgelöst.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 06.07.2018:

"Völkische" bedienen sich vieler Feindbilder

Der Zeithistoriker Uwe Puschner zeigt die Entstehung und Entwicklung einer rechtsextremen Sammelbewegung von Antisemiten bis hin zu Neuheiden und Esoterikern / Der Nationalsozialismus fußt auf den Ideen

Von Jürgen Langenkämper

Petershagen (mt). Ursprung, Ausprägungen, Niedergang, aber auch Fortwirkung und Aktualität des "Völkischen" hat der Zeithistoriker Prof. Dr. Uwe Puschner am Mittwochabend im Alten Amtsgericht in Petershagen aufgezeigt. "Antisemitismus war eine der Ursprungsquellen", hob der Geschichtsprofessor der Freien Universität Berlin ein durchgängiges Charakteristikum der Bewegung in ihrer Blütezeit von 1890 bis 1933 hervor.

Der Begriff des "Völkischen" entstand in den 1870er-Jahren im Deutschen Kaiserreich durch die Sprachreinigungsbewegung, die die deutsche Sprache von allen Fremdwörtern "reinigen" wollte. Dazu zählte auch der Begriff des "Nationalen", der in diesen politisch rechts gerichteten Kreisen durch das "Völkische" ersetzt wurde - dies allerdings über einen Umweg über Österreich.

In den deutschsprachigen Teilen der Habsburgermonarchie waren seit den 1880er-Jahren "Alldeutsche" aktiv, die das "Völkische" in ihrer Terminologie verwendeten. In den 1890ern wurden beide Begriffe nach Deutschland "re-importiert", wie Puschner sagte. Ab 1900 etablierte sich das "Völkische" im Sprachgebrauch als "Beschreibung für einen heterogenen Nationalismus in Deutschland mit einer spezifischen Weltanschauung".

Zu den "Völkischen" gehörten zahlreiche Teilbewegungen wie die Alldeutschen, Deutsch-Christen, Neuheiden, Ariosophen, Esoteriker, Eugeniker, Freikörper- und Runen-Gymnastik. Vielfach waren "Völkische" in mehreren Vereinen organisiert. Als Sammelbewegung seien die "Völkischen" ein "Netzwerk von Netzwerken" gewesen, so Puschner.

Zusammengehalten wurde die Strömungen durch gemeinsame Feindbilder. Dazu gehörten neben Juden - in Publikationen oft als Drachen bildlich dargestellt - alle international ausgerichteten Organisationen wie Sozialdemokratie, Freimaurerei und Katholizismus.

Die Mitglieder "völkischer" Organisationen waren meist Männer - "fünf bis zehn Prozent Frauen" - aus dem Bürgertum. Die Gesamtzahl schätzte Puschner auf rund 10.000. Viele davon saßen als Lehrer, Hochschullehrer, Pfarrer, Schriftsteller und Journalisten als Multiplikatoren in Schlüsselpositionen und beeinflussten gezielt weite Bevölkerungskreise.

Zum Ende des Ersten Weltkriegs, als sich die Träume der "Völkischen" zerschlugen, radikalisierten sie ihre Vorstellungen. Bis zur Mitte der 1920er-Jahre übten sie großen Einfluss in der Weimarer Republik aus. Doch ab 1925 wurden sie von den Nationalsozialisten abgelöst, die mit ihren Organisationsformen jüngere Menschen besser erreichten. Ab 1933 wurden sie an den Rand gedrängt, obwohl die Ideen der Nazis auf denen der "Völkischen" fußten. Verfolgt wurden sie nicht.

Manche Idee wirken bis heute fort und tauchen in neuem Gewand wieder auf. Puschner wies dabei auch auf Argumente von Teilen der AfD hin.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882168 oder Juergen.Langenkaemper@MT.de.

Bildunterschrift: Fachkundiger Referent: Zeithistoriker Prof. Uwe Puschner.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 03.07.2018:

Spurensuche im Bundesarchiv

Der Hauptausschuss hat die beiden Historiker Dr. Karsten Wilke und Thomas Lange mit der Erforschung der Ahnenstätte Seelenfeld beauftragt

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Die beiden Historiker Dr. Karsten Wilke und Thomas Lange sollen Fakten zur Einordnung der Ahnenstätte Seelenfeld ermitteln. Dabei soll es um geschichtliche Hintergründe gehen, vor allem aber um die Bewertung in der Gegenwart. Für den Einsatz der Wissenschaftler hatte der Rat bereits im März Haushaltsmittel in Höhe von 10.000 Euro bereitgestellt. Jetzt votierten die Ausschüsse für Kultur und Heimatpflege und der Haupt- und Finanzausschuss für den Einsatz von Wilke und Lange.

Beiden Historikern sei es bewusst, wie sensibel das Thema Ahnenstätte anzugehen ist, so Thomas Lange. "Uns geht es darum, konstruktiv herauszufinden, wie die Ahnenstätte entstehen konnte und wie sie heute genutzt und wahrgenommen wird." Umfangreiche Quellen gebe es auf kirchlicher Seite, herauszuarbeiten sei das Beziehungsgeflecht des Tannenbergfunds zu den Seelenfeldern. "Da ist Forschung zu leisten", so Lange - auch wenn der Tannenbergbund überregional schon sehr gut erforscht sei.

Für Seelenfeld selbst müsse eine politische Einordnung erfolgen, auch unter Einbezug historischer Wahlergebnisse. Frage müsse auch sein: Wer wurde dort beerdigt?

Wilke sieht seine Aufgabe vor allem darin, die Erkenntnisse von Thomas Lange bis in die Gegenwart zu verlängern. Recht wenig Material gebe es in der Verwaltung selbst, abgesehen von einer Erweiterung des Friedhofs 1994 / 1995. Auch in den Periodika der Ludendorffer gebe es keine oder sehr eingeschränkt Ausführungen zur Ahnenstätte Seelenfeld.

Notwendig sei die Quellensuche im Bundesarchiv und im Bayerischen Staatsarchiv. Wichtigste Quelle, so Wilke weiter, sei aber die Ahnenstätte selbst. "Herauszufinden sind biografische Hintergründe zu den Sippen, die dort begraben liegen." Danach müsse geprüft werden, wer die Ahnenstätte nach 1945 genutzt hat, welche Veranstaltungen es hier gibt und welchem Zweck diese Veranstaltungen dienen. "Eine Arbeitshypothese wäre es, dass die Ahnenstätte eine Gegenwelt zur christlichen Welt darstellt", sagte Wilke in einer ersten Einschätzung.

Der Friedhof könnte eine Gegenwelt zur christlichen Welt sein

Nicht zusagen konnte Lange, dass bis zum Ende diesen Jahres Ergebnisse vorliegen. Geplant aber sei ein wissenschaftlicher Aufsatz. Fußend darauf könnte weiteres Material erstellt werden, auch Informationstafeln für den Friedhof selbst.

Die Historiker empfehlen nach Abschluss der Forschungen eine Fachtagung. Über Organisation, Durchführung, Dokumentation und Finanzierung einer solchen Veranstaltung müsste gesondert gesprochen werden, hieß es dazu aus der Verwaltung.

Skeptisch blieb Karl-Christian Ebenau (Demokratisches Petershagen), der die Aufarbeitung der Geschichte grundsätzlich für wichtig hält, hier aber ein Thema sucht, das - "wie so viele derzeit" - durch die Sozialen Medien bekomme. Das insgesamt 10.000 Euro ausgegeben würden, können in Petershagen nicht alle verstehen.

Ja, die Diskussion um die Ahnenstätte habe sich hochgeschaukelt, es sei aber wichtig, dass der Rat jetzt ein Zeichen setzt, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Ellerkamp. Ähnlich CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Humcke: "Das Thema ist bei diesen Historikern in guten Händen."

Dass die Stadt Petershagen bereits jetzt Schaden genommen habe, ergänzte Heiner Müller von der FDP, und: "Dieser Schaden sollte behoben werden." Das bestätigte auch Helma Owczarski (SPD): "Der Schaden wird im Nachhinein größer sein, wenn wir nichts tun."

Die Historiker

Thomas Lange lebt in Hille, hat Geschichte in Hannover und Düsseldorf studiert und forscht seit 2009 auch an der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica. Sein Schwerpunkt ist die Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, darunter auch Rechtsextremismus.

Karsten Wilke studierte Geschichte und Literaturwissenschaften in Bielefeld und Groningen und wurde an der Universität Bielefeld 2009 promoviert. Beschäftigt ist der gebürtige Vlothoer an der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Auch in Schulen und Jugendeinrichtungen informiert er zum Thema.

Bildunterschrift: Wollen herausfinden, wie die Ahnenstätte entstand und welche Bedeutung sie hat: Karsten Wilke und Thomas Lange (rechts).

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882264 oder Oliver.Ploeger@MT.de.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 29.06.2018:

Kommentar / Es gibt noch viel zu tun / Thema: Ahnenstätte Seelenfeld

Von Stefan Koch

Eine pluralistische Gesellschaft sollte es verkraften, wenn ein Kreis an Neuheiden - auch aus der völkisch-esoterischen Ecke - Friedhöfe in Seelenfeld und andernorts betreibt, um dort ihre Angehörigen für die letzte Ruhe oder was auch immer zu betten. Sie kann es sich aber nicht leisten, die Hintergründe dieses Treibens aus den Augen zu verlieren und auf dessen Beobachtung zu verzichten.

Gerade das aber war geschehen, als die Stadt Petershagen dem Ahnenstättenverein eine Parzelle zur Erweiterung seiner Anlage zur Verfügung stellte und dieser noch die Dreistigkeit besaß, auf seiner Hinweistafel der Öffentlichkeit zu suggerieren, dass die Urheber der Anlage Opfer des NS-Regimes gewesen seien.

Das Gegenteil war wohl der Fall, denn die Ludendorff-Sekte mit ihren wechselnden Bezeichnungen verfolgte eine stramm völkisch-antisemitische Ausrichtung. Noch Anfang der 1950er-Jahre war im Mindener Tageblatt von Kundgebungen auf der Seelenfelder "Ludendorff-Ahnenstätte" zu lesen. Unter anderem hatten dort 500 Teilnehmer wegen des Urteils der Spruchkammer gegen Mathilde Ludendorff protestiert, die wegen ihrer Rolle im Dritten Reich zunächst als Hauptschuldige eingestuft worden war.

Längst überfällig ist es deshalb, wenn Vereine und Verwaltungsstellen mit ihrer Aufklärungsarbeit das nachholen, was jahrzehntelang versäumt wurde. Das aber ist für die Nachfahren der Seelenfelder, die in den 1920er- und 1930er-Jahren den Ludendorffern auf den Leim gegangen waren und ihre Landeskirche verließen, um sich später zwischen Findlingen und Heidekraut beerdigen zu lassen, ein schmerzlicher Prozess. Der Befund, dass mit der Ahnenstätte eine negativ zu bewertende Anlage am Leben gehalten wird, die in ihrem Wesen der gegenwärtigen Grundordnung massiv entgegensteht und im rechtsradikalen Milieu vernetzt ist, traf auch bei der Informationsveranstaltung am vergangenen Mittwoch auf beharrliches Leugnen einiger Betroffener. Der Abschied von dieser Haltung bis zur Akzeptanz der Realität wird für einen Teil wohl noch ein weiter Weg sein. Vielleicht mag die Arbeit von zwei Historikern, die gestern von der Stadt Petershagen mit der Aufarbeitung nun offiziell beauftragt wurden, diesen Prozess beschleunigen.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 29.06.2018:

Völkische Gartenkunst

Landschaftsarchitekt Joachim Wolschke-Bulmahn referierte in Petershagen zu den historischen Hintergründen von Ahnenstätten aus der Sicht seines Fachgebietes

Von Stefan Koch

Petershagen-Seelenfeld (mt). Buchen, Kiefern, Eichen, Findlinge und jede Menge Heidekraut: Die Gestalt der Ahnenstätte Seelenfeld ist kein Zufall, sondern aus einer Weltanschauung entstanden, in der "Rasse", "Natur" und "Germanentum" bestimmende Werte waren. Auch das war offenbar in Vergessenheit geraten, als Heimatverein und Stadt Petershagen die Anlage touristisch bewarben und ihrer Nutzung durch neuheidnische Anhänger billigend zuschauten. Prof. Dr. Joachim Wolschke-Bulmahn von der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover und Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur referierte am Mittwoch zur Entwicklung und Bedeutung nicht nur der Ahnenstätte in Seelenfeld sondern auch der ihrer Schwestern in Hude / Hilligenloh und Conneforde - letztere ist allerdings jüngeren Datums.

Mehr als 100 Zuhörer waren zum Vortrag ins Alte Amtsgericht Petershagen gekommen. Das Referat war Teil der Vortragsreihe "Ahnenstätten, völkische Bewegung und extreme Rechte" des LWL-Industriemuseums Glashütte Gernheim, der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen, des Vereins "Minden - Für Demokratie und Vielfalt" sowie des Mindener Geschichtsvereins. Anlass der Reihe waren Medienberichte nach Recherchen des Kieler Journalisten Julian Feldmann, der auf Verbindungen der Betreiber der Ahnenstätte Seelenfeld zur rechtsextremen Szene hinwies.

Nachdem Wolschke-Bulmahn den ideologischen Zusammenhang heidnischer Friedhöfe mit dem damaligen Tannenbergbund und der Deutschvolkgemeinde feststellte, ging er auf die Vorgeschichte nationaler Identitätsfindung in Deutschland ein, die schon im 18. Jahrhundert begann und im 19. Jahrhundert an Stärke gewann. Aus der Perspektive des Landschaftsplaners schilderte der Referent die Verklärung einer mutmaßlichen germanischen Vergangenheit, die sich an vorchristlichen Hünengräbern und landschaftlichen Charakteristika orientierte. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die Natur hatte dabei national zu sein. Letztendlich gipfelte diese Idee in der Vorstellung einer Auslese von Pflanze, Mensch und Landschaft, die zur kulturellen Überlegenheit eines Germanentums geführt hatte. Die einfache Gartenkunst aus einheimischen Bäumen und Sträuchern diente als Gegenentwurf für französische und englische Gärten.

An Hand mehrerer Beispiele belegte Wolschke-Bulmahn, wie im frühen 20. Jahrhundert und in der NS-Zeit Landschaftsarchitekten eine besondere, genetisch verankerte Beziehung der Deutschen zur Natur behaupteten und daran ihre Gartenkonzepte ausrichteten - oft mit in die Landschaft eingebetteten Hügelgräbern als Motiv.

So stand auch ein Vertreter dieser Schule Pate, als die Ahnenstätte Seelenfeld um 1930 vom Tannenbergbund und der Deutschvolkgemeinde angelegt wurden - unter Schirmherrschaft von Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff und dessen Ehefrau Mathilde, die sich nach dem verlorenen Krieg in völkischerer Esoterik ergingen. Den Plan der Ahnenstätte Seelenfeld habe der Gartenarchitekt Rudolf Bergfeld (1873 - 1941) erarbeitet, so der Referent. Bergfeld habe nach moderaten Vorstellungen in der Kaiserzeit eine radikale Ideologisierung durchlaufen die später in aggressiven deutsch-völkischen Vorstellungen gipfelten. So fordere der Planer der Ahnenstätte in einer Publikationen unter anderem, auf dem Weg zur deutschen Gartenkunst "alles Fremdartige restlos auszumerzen". Derartige Gestaltungsvorgaben, so der Referent, hätten sich noch in den 60er-Jahren in der Friedhofsordnung der Ahnenstätte Hude / Hilligenloh niedergeschlagen, die ebenfalls Bergfeld zu verantworten gehabt habe. Seine beiden Anlagen seien sich mit zentralen Eingangstoren, Wallhecken, einer Leichenhalle in Form eines Hügelgrabes, Findlingen mit Geburts- und Todesrunen sowie anderen Elementen ähnlich.

Einen Unterschied machte der Landespfleger jedoch deutlich: Während sich der Betreiberverein der Ahnenstätte Hilligenloh auf seiner Informationstafel zum Friedhof den Verweis auf die völkische Bewegung der Ludendorffs und ein Bekenntnis gegen Rassismus und Antisemitismus abringt, hat die Ahnenstätte Seelenfeld nichts davon zu bieten. Vielmehr informiert der Ahnenstättenverein Niedersachsen als Träger darüber, dass die Anlage eine Bewegung ausgelöst habe, die dann der NS-Staat abrupt verboten habe - und verschweigt, dass nur wenige Jahre später das Verbot nicht mehr galt. Zudem macht der Verein darauf aufmerksam, dass die Stadt Petershagen ihm wegen der Nachfrage nach Grabplätzen eine weitere Parzelle zur Verfügung stellte und dass mit dem Kreis Minden-Lübbecke eine Umweltmaßnahme zur standortgerechten Bepflanzung einvernehmlich gelaufen sei. Joachim Wolschke-Bulmahn: "Hier wurde versucht, Geschichte zu beschönigen und man präsentiert sich als ökologisch."

Mittlerweile fehlen die Tafeln an den Eingängen der Seelenfelder Ahnenstätte. Stattdessen hängt ein schlichtes Schild "privat" am Lattentor.

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882165 oder Stefan.Koch@MT.de.

Bildunterschrift: Schwere Brocken mit viel Heide: So stellten sich germanophile Gartenarchitekten eine im völkischen Sinn angemessene Gestaltung vor. In Seelenfeld können sich Nachgeborene ein Bild davon machen.

Bildunterschrift: "Hier wurde versucht, Geschichte zu beschönigen und man präsentierte sich ökologisch." Joachim Wolschke-Bulmahn, Professor an der Fakultät für Architektur und Landschaft in Hannover.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 20.06.2018:

Die Ideologie hinter der Ahnenstätte

Vorträge beschäftigen sich im Alten Amtsgericht mit der "besonderen Art der Friedhöfe im norddeutschen Raum", der "Völkischen Bewegung" und den Rechtsextremen heute

Petershagen (mt/plö). Nachdem der Vortrag von Julian Feldmann zur Ahnenstätte Seelenfeld im vergangenen September für großes Interesse in der Bevölkerung gesorgt hatte, legen die Veranstalter jetzt nach: Drei Veranstaltungen beschäftigen sich speziell mit den Themen "Ahnenstätten", "Völkische Bewegung" und "Extreme Rechte".

Zum Thema "Ahnenstätten - Anmerkungen zu einer besonderen Art von Friedhöfen im norddeutschen Raum" spricht Prof. Dr. Joachim Wolschke-Bulmahn am Mittwoch, 27. Juni, 19.30 Uhr im Alten Amtsgericht. Im Vortrag werden die drei Ahnenstätten Seelenfeld, Hude / Hilligenloh und Conneforde vorgestellt.

Am Beispiel dieser Friedhöfe wird unter anderem diskutiert, wie spezifische Vorstellungen über Natur und Nation im späten 18. und 19. Jahrhundert entwickelt wurden. Weiter wird gezeigt, wie im frühen 20. Jahrhundert eine naturnahe Landschaftsgestaltung umgesetzt wurde und welche Bedeutung dabei Findlinge hatten. Der Referent erörtert laut Ankündigung aus dem Geschichtsverein auch das Entstehen spezifischer Vorstellungen über den Zusammenhang zwischen Natur und "Germanentum". Diese Vorstellungen seien im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden und spiegelten sich auch in landschaftsgestalterischen Maßnahmen des frühen 20. Jahrhunderts wider.

Der Vortrag betrachtet zudem die ideologische Dimension der Ahnenstätten und diskutiert die wichtigsten Charakteristika der Anlagen in Bezug auf ihre Gestaltung. Abschließen werden den Beitrag Anmerkungen zur aktuellen Situation.

Am Mittwoch, 4. Juli, 19.30 Uhr spricht Prof. Dr. Uwe Puschner über die völkische Bewegung in ihrer Epoche (1890 bis 1933). Die "Völkische Bewegung" entstand im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert und erlebte ihre Hochzeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende der 1920er-Jahre. "Die Geschichte der Völkischen Bewegung ist die Vorgeschichte des Nationalsozialismus", so Sven Panthöfer vom Mindener Geschichtsverein. Das gelte vor allem für die vielgestaltige völkische Weltanschauung, die einerseits das Fundament der nationalsozialistischen Ideologie darstelle und aus der sich andererseits nach 1945 bis in die Gegenwart der Rechtsextremismus speise. "Ohne die Völkische Bewegung sind weder der Nationalsozialismus noch die heutige extreme Rechte denkbar und verstehbar", so Panthöfer.

Am Mittwoch, 7. November, 19.30 Uhr, werden Jan Raabe und Dr. Karsten Wilke über die Erscheinungsformen der extremen Rechten in Ostwestfalen-Lippe berichten. Panthöfer: "Hier existiert seit Jahrzehnten eine ausdifferenzierte, aber gut vernetzte extrem rechte Szene. Dazu gehören unter anderem militante Neonazis, eine im bürgerlichen Gewande auftretende Holocaust-Leugnung und organisierte Familienzusammenschlüsse, die ihre Kinder im Geiste des Nationalsozialismus erziehen." Der Vortrag gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Erscheinungsformen der extremen Rechten in Ostwestfalen-Lippe und betrachtet hierbei auch die völkisch-rechtsextreme Szene um die Ahnenstätte Seelenfeld, kündigt Sven Panthöfer an. Neben der Darstellung von Organisationen und Szenen gehe es auch darum, Politikansätze der extremen Rechten herauszuarbeiten. Hervorzuheben sei hierbei die Agitation gegen Geflüchtete und gegen das Grundrecht auf Asyl, die nicht zuletzt über einen erstarkenden Rechtspopulismus zunehmend Einfluss auf gesellschaftliche Debatten gewinne.

Die Vortragsreihe wird von der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen e.V., dem Verein Minden - Für Demokratie und Vielfalt e.V., dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim, der Stadt Petershagen und dem Mindener Geschichtsverein e.V. veranstaltet.

Historiker soll Geschichte aufarbeiten

Alle drei Vorträge finden jeweils um 19.30 Uhr im Alten Amtsgericht, Mindener Straße 16 in Petershagen statt. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltungen sind auch Teil der Anstrengungen der Stadt Petershagen, die Geschichte der Ahnenstätte Seelenfeld aufzuarbeiten.

Im Vorjahr war das mediale an dem Gräberfeld wieder größer geworden, nachdem ein Treffen stattgefunden hatte, bei dem auch bekannte Rechtsextremisten anwesend gewesen sein sollen.

Die Stadt Petershagen hatte einen Betrag von 10.000 Euro für einen Historiker zur Verfügung gestellt, der die Geschichte der Ahnenstätte aufarbeiten soll. Die Politik hatte dabei insbesondere darauf gepocht, dass auch aktuelle Bezüge zur rechtsextremen Szene zu berücksichtigen seien.

Bildunterschrift: Ausschussmitglieder hatten sich die Ahnenstätte Seelenfeld im März angesehen.

_______________________________________________


Stadt Petershagen - Der Bürgermeister, 19.06.2018:

Sitzungsvorlage: Ahnenstätte Seelenfeld

( ... )

Drucksachen-Nummer: 79/2018

Beratungsfolge:

Ausschuss für Kultur und Heimatpflege: 28.06.2018

Haupt- und Finanzausschuss: 28.06.2018

Rat: 05.07.2018

( ... )

Betreff: Ahnenstätte Seelenfeld;

hier: Beauftragung der Historiker für die wissenschaftliche Ausarbeitung

Beschlussvorschlag:

Die Stadt Petershagen beauftragt die Historiker Thomas Lange (M. A.) und Dr. Karsten Wilke mit der Ermittlung der Fakten und Hintergründe zur geschichtlichen Einordnung der Ahnenstätte Seelenfeld in der Vergangenheit sowie vor allem zur Bewertung in der Gegenwart. Die Verwaltung wird beauftragt, die entsprechenden Verträge abzuschließen.

Sachdarstellung:

Im März diesen Jahres hat der Rat der Stadt Petershagen die Beauftragung eines Historikers mit der Ermittlung der Fakten und Hintergründe zur geschichtlichen Einordnung der Ahnenstätte Seelenfeld in der Vergangenheit sowie vor allem zur Bewertung in der Gegenwart beschlossen. Hierfür wurden Haushaltmittel in Höhe von maximal 10.000 Euro bereitgestellt.

Durch die Zweiteilung in einen geschichtlichen und einen politologischen Part wurde sehr schnell deutlich, dass es sinnvoll ist, zwei Fachleute aus den beiden Schwerpunktbereichen zu beauftragen. Mit Herrn Lange und Herrn Dr. Wilke konnten zwei Fachleute gewonnen werden. Eine kurze Vita ist nachfolgend aufgeführt. Im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Heimatpflege werden sich beide im Detail vorstellen.

Thomas Lange (M.A.), geboren 1979, ist Historiker. Er studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf sowie Geschichte, Politische Wissenschaft und Soziologie an der Leibniz Universität Hannover. Seine Arbeitsschwerpunkte: Geschichte des Nationalsozialismus, politische, juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit in der Bundesrepublik Deutschland, Gesellschafts- und Politikgeschichte der Weimarer Republik, ehrenamtliche Tätigkeit als Historiker in diversen Initiativen, Gründungsmitglied des Vereins
KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V.

Dr. Karsten Wilke, geboren 1971, ist Historiker. Er studierte und promovierte an der Universität Bielefeld. Seine Arbeitsschwerpunkte: Geschichte des Nationalsozialismus und Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Als Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold befasst er sich seit vielen Jahren mit Fragen zur Ausgestaltung des demokratischen Gemeinwesens.

Hinsichtlich der Erarbeitung haben sich die beiden Historiker erste Gedanken gemacht, die nachfolgend wiedergegeben werden:

Erste Überlegungen zum Forschungsprojekt "Ahnenstätte Seelenfeld"

Das Ziel des Projekts besteht für die Historiker darin, die Geschichte der Anlage sowie ihre Nutzung in rechtsradikalen und rechtsextremen Szenen während der vergangenen Jahrzehnte bis in die Gegenwart zu erforschen. Auf Grundlage der Ergebnisse ließen sich zu einem späteren Zeitpunkt Handlungsempfehlungen erarbeiten.

Herr Lange und Herr Wilke werden bis zum Ende des Jahres 2018 einen zweiteiligen, längeren Aufsatz zum Thema "Ahnenstätte Seelenfeld" erstellen, der anschließend veröffentlicht werden soll.

Im ersten Teil wird Herr Lange die Entstehungsgeschichte der Anlage nachzeichnen sowie ihre Struktur, die damit erschlossenen und angesprochenen Sinnzusammenhänge (zum Beispiel "völkische" Ideologie, Totenkult) und die intendierten Wirkungen analysieren. Herr Langes Beitrag wird auch die Nutzung der Anlage zur Zeit des Nationalsozialismus behandeln und entsprechend im Jahre 1945 enden.

Daran anschließen wird sich der zweite, von Herrn Wilke zu bearbeitende, Teil. Hier wird die Rezeption der Anlage in unterschiedlichen rechtsradikalen und rechtsextremen Szenen nach 1945 nachvollzogen. Wenn möglich soll diese Rezeption über ein minimales theoretisches Modell für Außenstehende verstehbar gemacht werden.

Weitere inhaltliche Festlegungen lassen sich derzeit noch nicht treffen. Zunächst muss nach Aussage der Historiker eine gründliche Sichtung der Quellen erfolgen. Erst danach lassen sich die konkreten Untersuchungsschwerpunkte und Fragestellungen festlegen.

Beide Textteile sollen über direkte Bezüge und Verweise verbunden werden, damit der Eindruck eines geschlossenen Textes entsteht. Eine Gesamt-Seitenzahl lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehen. Diese wird nach Sichtung der zur Verfügung stehenden Quellen bis Mitte August 2018 bestimmbar sein.

Kontextualisierung

Die Historiker empfehlen, das Thema "Ahnenstätte" in einem zweiten Schritt nochmals breiter zu kontextualisieren. Es erscheint als sinnvoll und angemessen, nach Abschluss der Forschungen noch einmal nachzulegen und - möglicherweise im Frühjahr / Frühsommer 2019 -eine themenbezogene Fachtagung / ein Symposium durchzuführen.

Hier ließen sich wichtige (auch regionale), möglicherweise sehr ähnliche Rezeptionsvorgänge aufzeigen (zum Beispiel Externsteine, Freilichtmuseum Oerlinghausen ... ), so dass über einen Vergleich ein noch besser differenziertes Bild entstehen könnte. Über Organisation, Durchführung, Dokumentation und nicht zuletzt Finanzierung einer derartigen Veranstaltung müsste natürlich nochmals gesondert gesprochen werden.

Im Verlauf der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Heimatpflege werden Herr Dr. Wilke und Herr Lange ihre Überlegungen zur Forschungsarbeit "Ahnenstätte Seelenfeld" vorstellen.

Bürgermeister
gez. Blume

_______________________________________________


Neue Westfälische, 24./25.03.2018:

Historiker soll Seelenfeld erkunden

Petershagen. Die Stadt Petershagen beauftragt einen unabhängigen Historiker mit der Aufarbeitung von Geschichte und Gegenwart der umstrittenen "Ahnenstätte Seelenfeld". Das mediale Interesse an dem Friedhof mit völkischen Wurzeln zeige, dass es "von immenser Bedeutung ist, hinzuschauen und nicht wegzusehen", hieß es. Der heidnische Begräbnisplatz wird von Rechtsextremen verehrt.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 17./18.03.2018:

Finanzausschuss setzt Zeichen

Das Gremium setzt 10.000 Euro für einen Historiker ein und will den Fall Ahnenstätte Seelenfeld nicht bagatellisiert wissen / Mittlerweile hat ein Bückeburger Bürger Strafanzeige gestellt

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Die Aufarbeitung der Geschichte wird weitere Treffen des Vereins Ahnenstätte auf dem Friedhof in Seelenfeld nicht verhindern können. Das sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Günter Wehmeyer im Haupt- und Finanzausschuss. Um ein Zeichen zu setzen, votierte das Gremium dennoch für die Investition von 10.000 Euro. Mit dem Geld soll ein Historiker bezahlt werden, der die Vergangenheit der Ahnenstätte Seelenfeld professionell durchleuchtet. Mittlerweile hat ein Bürger aus Bückeburg nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen "Unbekannt" und den Ahnenstättenverein Niedersachsen gestellt. Sein Verdacht: Volksverhetzung und die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Ellerkamp hielt es in der Sitzung am Donnerstag für bedauerlich, dass der erste Antrag der SPD in Sachen Ahnenstätte von der Verwaltung erst nachgereicht wurde - ein Versehen, wie Bürgermeister Dieter Blume sagte und sich entschuldigte. Ellerkamp verwies dann darauf, dass es sicherlich viele Daten und Informationen zur älteren Geschichte der Ahnenstätte gebe, wenige aber zur neueren. Die vergangenen Jahre, so sein Appell, sollten jetzt zuerst betrachtet werden. Ähnlich hatte es die SPD bereits im November vorigen Jahres im ersten Antrag zum Thema formuliert: Es gehe "insbesondere auch darum, mögliche Zusammenhänge zum historischen und aktuellen Rechtsextremismus oder zu völkisch-nationalen Bewegungen besonders in den Fokus zu nehmen, um belastbare Entscheidungen zum zukünftigen Umgang mit diesem Ort treffen zu können."

Auch Ergebnisse akzeptieren, die "vielleicht nicht so schön sind"

Bürgermeister Dieter Blume erinnerte am Donnerstag noch einmal daran, dass der Trägerverein aufgefordert sei, sich zu positionieren. Ein erstes Schreiben hatte es schon gegeben. Der Verein hatte mitgeteilt, dass er "mit seiner Anlage weder politische noch weltanschauliche oder kommerzielle Betätigungen und Aktivitäten betreibt". Der Verein sei auch in kein "Netzwerk" eingebunden, hieß es in dem Schreiben. Die Verwaltung geht davon aus, dass der Trägerverein diese Position gesondert öffentlich machen und konkretisieren wird.

Selbstkritisch geht die Stadt mittlerweile mit der Ahnenstätte um: Sehr wohl habe es auch in den vergangenen Jahren Anfragen zur Entstehungsgeschichte, den ursprünglich dort verorteten Hügelgräbern oder zum Trägerverein gegeben. Diese Anfragen, so Evelyn Hotze aus der Stabstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus, seien nach bestem Wissen umfassend beantwortet worden. Wörtlich heißt es in der Vorlage zum 10.000-Euro-Beschluss: "Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, wäre eine weitergehende Veröffentlichung der vorhandenen Daten sinnvoll gewesen, um Interessierten eine eigenständige Einordnung der geschichtlichen Ereignisse zu ermöglichen."

"Wir können die Treffen in der Tat nicht verhindern", betonte auch Wolfgang Riesner (Grüne) im Haupt- und Finanzausschuss, und: "Wir können aber sagen: Wir schauen ganz genau hin. Dieses Signal geht von dem Beschluss aus und dieses Signal ist sehr wichtig." Helga Berg (CDU) machte zudem deutlich: "Das Thema kann man gar nicht ernst genug nehmen. Es geht gar nicht, die Ahnenstätte in irgendeiner Form zu bagatellisieren." Sie selbst würde bei der historischen Aufarbeitung selbstverständlich auch Ergebnisse akzeptieren, die "vielleicht nicht so schön sind". Bei einer Enthaltung (Demokratisches Petershagen) stimmte der Ausschuss für die Investition.

Der Bürger aus Bückeburg bezieht sich unterdessen bei seiner Strafanzeige auf die Beiträge im MT, die Kleine Anfrage durch die SPD-Abgeordnete Christina Kampmann, auf Berichterstattungen des NDR und die Veröffentlichungen des Journalisten Julian Feldmann. Der hatte im Vorjahr über die Treffen mit rechtsextremer Beteiligung geschrieben. Im Dorf selbst sieht man das anders, wie Ortsheimatpfleger Friedrich Dralle deutlich gemacht hatte: "Ich kann über die Ahnenstätte nichts Negatives berichten."

Bildunterschrift: Sippen finden auf der Ahnenstätte ihre Ruhestätte - auch heute noch. Mittlerweile beschäftigt sich auch die Politik mit dem Thema. Und demnächst die Geschichtswissenschaft.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 08.03.2018:

"Dieses ganze Schlamassel hier"

Der Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege lässt sich von Ortsheimatpfleger Friedrich Dralle über die Ahnenstätte Seelenfeld führen und genehmigt 10.000 Euro für einen Historiker

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Über die aktuelle Sicht auf die Ahnenstätte Seelenfeld ärgert sich Ortsheimatpfleger Friedrich Dralle. Vor dem Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege sprach er beim Ortstermin von "unkultivierter Berichterstattung" und von diesem "ganzen Schlamassel, den wir hier nicht haben wollten". Er selbst sei bei sämtlichen Treffen des Freundeskreises Ahnenstätte Seelenfeld dabei gewesen und betonte: "Ich kann über die Ahnenstätte nichts Negatives berichten." Auch die im WDR-Beitrag vorigen Jahres erwähnten "angeleinten Schäferhunde" habe er nicht gesehen. Die Ahnenstätte sei heute ein Friedhof, auf dem sich Menschen bestatten lassen, die sich vom christlichen Glauben abgekehrt haben. Er habe an sehr stimmungsvollen Trauerfeiern hier teilgenommen.

Ob er in plattdeutscher Sprache vortragen dürfe, fragte Friedrich Dralle. Kein Problem, hieß es von den Ausschussmitgliedern, die dann auch "in platt" nachfragten. Etwa hundert Begräbnisstellen gebe es, viele Sippengrabstellen, so Dralle. Die Einrichtung des Friedhofs auf einem germanischen Hügelgräberfeld gehe auf das Jahr 1930 zurück.

Der Ahnenstättenverein habe das Gelände durch Flächenzukauf vergrößern können. In den vergangenen Jahren habe es zahlreiche Veranstaltungen mit dem Freundeskreis gegeben, auch Wolfram Schiedewitz habe teilgenommen und über Wegebau gesprochen.

Ahnenstättenverein müsse klarer Position beziehen

Schiedewitz war zuletzt als Betreiber des Vereins Gedächtnisstätte, der im thüringischen Guthmannshausen aktiv ist, in die Schlagzeilen geraten. An politische Äußerungen in Seelenfeld kann sich Dralle nicht erinnern. "Es war auch nicht so, dass uns irgendjemand von irgendwas überzeugen wollte." Schiedewitz sei Landschaftsgärtner - und darum sei es gegangen. Den einzigen Vorfall, an den sich Dralle erinnere, habe es 2010 gegeben - durch die Störung einer Dortmunder Truppe.

Als Ortsheimatpfleger kennt Dralle natürlich auch die Seelenfelder Geschichte, nach der ein Ludendorff-Anhänger die völkisch-nationalen Gedanken in den zwanziger Jahren nach Seelenfeld brachte, mit dem Pfarrer in Konflikt geriet und sich die mehr als 300 Seelen zählende Gemeinde aufspaltete: in Christen und "Tannenberger", die dann die Begräbnisstätte nutzten.

Auf die schwierige Geschichte verwies Ausschussvorsitzende Katharina Koch, ebenfalls Wolfgang Riesner (Grüne), der an der Ortsbegehung als Gast teilnahm. "Beim ideologischen Überbau kann man sich nur schütteln", sagte Riesner. Anfangs habe der Verein "Deutschvolk", die Ahnenstätte betrieben, seit 1937 der Ahnenstättenverein Niedersachsen.

Aus der Stadt Petershagen habe es nach den Worten von Evelyn Hotze, Leiterin der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus, Kontakt zum Ahnenstättenverein gegeben. Dabei sei deutlich geworden, so heißt es in der Vorlage der Verwaltung, dass dieser Verein seine Öffentlichkeitsarbeit intensivieren muss, um Transparenz zu schaffen und sich vom Rechtsextremismus und Nationalsozialismus zu distanzieren. Der Verein selbst hat gegenüber der Stadt auch schriftlich reagiert und mitgeteilt, dass er "mit seiner Anlage weder politische noch weltanschauliche noch kommerzielle Betätigungen bzw. Aktivitäten" betreibe. Ursprünglich sollte Udo David vom Ahnenstättenverein auch an dem Ausschuss teilnehmen, was aber wohl wegen eines Missverständnisses nicht geschah.

Im Ausschuss verwies Katharina Koch dann auf den Antrag der SPD, der die Aufnahme des Tagesordnungspunktes "Ahnenstätte Seelenfeld" in die Sitzung gefordert hatte, ebenso die Aufarbeitung des Themas. Die ist bereits in vollem Gang, wie Evelyn Hotze deutlich machte, insbesondere was die politische Ausrichtung begrifft. Die Stadt hat Kontakt zur Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts aufgenommen, ebenfalls zu den Universitäten in Bielefeld und Hannover. Auch das LWL-Büro für Regionalgeschichte in Münster ist aktiviert, wobei hier aus einem Pool freier Historiker geschöpft werden kann. Die Beschäftigung einer solchen Fachkraft sei notwendig, um keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der "Aufarbeitungsabsicht" aufkommen zu lassen, heißt es von der Stadt. Laut Evelyn Hotze seien auf Grund vorliegender Honorar-Empfehlungen 10.000 Euro kalkuliert worden. "Sehr viel Geld", wie Reinhardt Jäntsch (FDP) deutlich machte - gerade "in einer Stadt der Sparsamkeit". Das Thema sei sehr brisant, also sei es wichtig, wer es aufarbeite, so Jäntsch.

Bei zwei Enthaltungen hat sich der Ausschuss dafür ausgesprochen, das Geld für die Aufarbeitung der Geschichte der Ahnenstätte auszugeben. Ziel dieser Arbeit sei die geschichtliche Einordnung in der Vergangenheit, die Bewertung in der Gegenwart und die Verbesserung der Information der Öffentlichkeit.

Bildunterschrift: Interessierte Zuhörer von Friedrich Dralle (rechts) waren unter anderem (von links) Martin Sölter, Reinhardt Jäntsch und Katharina Koch.

Bildunterschrift: Auch aktuell finden Beerdigungen auf der Ahnenstätte statt. Verstorbene werden oft in Sippengräbern bestattet.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 07.03.2018

Erster Bericht zur Ahnenstätte

Petershagen (mt/plö). Einen ersten Zwischenbericht der beauftragten Historiker zur Ahnenstätte Seelenfeld steht auf der Tagesordnung des Ausschusses für Kultur und Heimatpflege am Dienstag, 12. März. Beginn ist um 16.30 Uhr im Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes Lahde. Thomas Lange und Dr. Karsten Wilke waren mit der geschichtlichen Einordnung der Ahnenstätte in Vergangenheit und Gegenwart beauftragt.

_______________________________________________


Blick nach Rechts, 15.02.2018:

Völkischer Verein mit Rechtsdrall

Von Julian Feldmann

Die nordrhein-westfälische Landesregierung sieht bei dem völkisch-heidnischen Friedhof "Ahnenstätte Seelenfeld" im Nordosten des Landes vereinzelte Kontakte zur rechtsextremen Szene. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD hervor, die bnr.de vorliegt.

Nachdem der "Blick nach Rechts" im Juni vergangenen Jahres über ein Treffen der "Ahnenstätte Seelenfeld" in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) berichtet hatte, begann in dem kleinen Örtchen Seelenfeld die Diskussion um den heidnischen Friedhof und die dahinterstehenden rechten Aktivisten. An der "Ahnenstätten"-Zusammenkunft hatten bekannte Rechtsextremisten teilgenommen - nicht zum ersten Mal. Die "Ahnenstätte Seelenfeld" war in der Weimarer Republik von Mitgliedern des völkisch-antisemitischen "Tannenbergbund" um Erich Ludendorff gegründet worden. Die Gründer, so genannte "Ludendorffer", behielten auch nach 1945 die Kontrolle über die "Ahnenstätte".

Auf eine Kleine Anfrage der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordneten Christina Kampmann zur völkisch-rechtsextremen Szene antwortet die Landesregierung in Düsseldorf nun zurückhaltend. Der Landesregierung sind "vereinzelte lose Kontakte" zwischen der "Ahnenstätte" "zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen, Organisationen und Einzelpersonen" bekannt, so das Innenministerium.

Vorstandsmitglieder mit Kontakten in die rechte Szene

Recherchen von bnr.de belegen hingegen, dass der Vorstand des Trägervereins der "Ahnenstätte Seelenfeld" aus drei Personen besteht, die alle Kontakte in die rechtsextreme Szene haben. Ein Vortrag des Vorsitzenden des Betreibervereins, Helge Ohlsen aus Hamburg, wurde im Februar 2009 in der Vereinszeitschrift "Die Warte" des rechtsextremen "Norddeutschen Kulturkreises" angekündigt. Als Veranstaltungsort wurden die Räume der "Burschenschaft Germania Königsberg zu Hamburg" benannt. Der "Norddeutsche Kulturkreis" war 1962 als "Freundeskreis Filmkunst" unter Beteiligung von Alt-Nazis gegründet worden. Jahrzehntelang zeigte der Verein indizierte NS-Filme in angemieteten Kinos, zuletzt lud er vor allem zu Vorträgen ein. "Führende Mitglieder des Vereins hatten einen rechtsextremistischen Vorlauf oder unterhielten Verbindungen zum Rechtsextremismus", stellte der Hamburger Senat 2010 fest. 2014 löste sich der Verein auf.

Schon in den 1990er Jahren tauchte Ohlsens Name in Dokumenten einer rechtsextremen Organisation der "Reichsbürger" auf. Texte von Ohlsen erschienen zuletzt in der vom Verfassungsschutz beobachteten "Ludendorffer"-Zeitschrift "Mensch und Maß".

In der "Ludendorff-Gedenkstätte" aktiv

Ebenfalls Vorstandsmitglied des Seelenfelder Betreibervereins und Stättenwart ist Udo David aus Petershagen, ein ehemaliger Realschullehrer. David besuchte 2010 mindestens zwei Versammlungen des rechtsextremen "Bundes für Gotterkenntnis". Zudem ist David seit Jahrzehnten im "Ludendorffer"-Verein "Ludendorff-Gedenkstätte" aktiv, der sich um das ehemalige Landhaus von Mathilde und Erich Ludendorff in Tutzing am Starnberger See kümmert.

Auch das dritte Vorstandsmitglied des "Ahnenstätten"-Vereins, Inka M., hat Berührungspunkte zu völkisch-rechtsextremen Kreisen. An mindestens einer Versammlung, zu der der "Bund für Gotterkenntnis" 2010 in eine Gaststätte nach Minden eingeladen hatte, nahm M. teil. Außerdem wurde sie 2011 in die Führung der "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" gewählt. Diese "Arbeitsgemeinschaft" unterhielt - damals noch unter dem Namen "Bund Deutsche Heimat" - bis in die 1990er Jahre in Versmold-Loxten (Kreis Gütersloh) ein "Jugendheim", in dem völkische Jugendlager und Sonnenwendfeiern organisiert wurden. Vor allem die rechtsextremen "Ludendorffer" nutzten das Heim intensiv.

"Durch den BfG organisierte Veranstaltungen nicht bekannt"

Die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" ist personell eng mit dem "Ahnenstätten"-Verein in Seelenfeld verbunden. Dennoch führt der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz die Organisation nicht als Beobachtungsobjekt, wie das Innenministerium der Landtagsabgeordneten Kampmann mitteilte.

Auch ansonsten scheint der Verfassungsschutz die völkisch-rechtsextreme Szene in Ostwestfalen-Lippe teilweise nicht im Blick zu haben. Auf Kampmanns Frage, welche Treffen des verfassungsfeindlichen "Bundes für Gotterkenntnis" (BfG) dem Innenministerium seit 2010 bekannt seien, heißt es lapidar, der BfG hätte seinen Schwerpunkt in anderen Bundesländern. "Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen sind der Landesregierung nicht bekannt." Mindestens zu drei Versammlungen traf sich der BfG allerdings alleine 2010 in einer Gaststätte in Minden. Als Referenten traten dort der Braunschweiger "Ludendorffer" Gerhard Bracke und die "Ludendorfferin" Adelheid Duppel auf. Organisator der Mindener Treffen, zu denen auch aus dem Raum Unna und dem Osnabrücker Land Teilnehmer anreisten, war Gernot Lange aus Kirchdorf (Kreis Diepholz), der 2010 in den Vorstand des "Bundes für Gotterkenntnis" gewählt wurde, inzwischen jedoch auch wieder ausschied.

"Arbeitskreis für Lebenskunde" drillt Kinder und Jugendliche

Auch Treffen des völkischen "Arbeitskreises für Lebenskunde", des Jugendverbands der "Ludendorffer", der immerhin seinen offiziellen Sitz in Essen hat, hat die Landesregierung nicht registriert. Dass der "Arbeitskreis" die Kinder und Jugendlichen, die aus völkischen Familien kommen, ganz im Sinne der antisemitischen und rassistischen Lehren von Mathilde Ludendorff drillt, ist in der Satzung und ganz offen auf der Internetseite der Organisation nachzulesen: "Den Ausgangspunkt für die Gestaltung des Lagerablaufes, für die Auswahl der Lebenskundethemen und deren Behandlung, bildet die Philosophie von Mathilde Ludendorff." "Lebenskundethemen" sind etwa "Selbst- und Volkserhaltung" oder "Sittengesetz und Moralvorstellungen". "Die Erhaltung der Vielfalt und Verschiedenheit aller Kulturen und Völker ist uns ein besonderes Anliegen. Eine große Bedeutung hat dabei unser eigenes Volk, in dem wir verwurzelt sind."

Die Landtagsabgeordnete Kampmann fordert von der Düsseldorfer Landesregierung, dass sie die Stadt Petershagen bei der Aufarbeitung der Geschichte der "Ahnenstätte" unterstützen solle. Die Stadt Petershagen hatte im Sommer vergangenen Jahres - nach den Berichten von bnr.de und WDR - ein Gespräch mit dem "Ahnenstätten"-Verein gesucht. Die Stadt forderte den völkischen Verein gar auf, "die Öffentlichkeitsarbeit (zu) intensivieren".

Bildunterschrift: Die "Ahnenstätte Seelenfeld" in Petershagen steht seit letztem Jahr in der Kritik.

_______________________________________________


Neue Westfälische Online, 15.02.2018:

Friedhof in Petershagen wird zum Pilgerort für Rechtsextreme

15.02.2018 - 09.32 Uhr

Der Trägerverein der "Ahnenstätte Seelenfeld" hat laut NRW-Innenminister Verbindungen in die völkische Szene / SPD-Politikerin Kampmann fordert, das zu unterbinden

Von Lothar Schmalen

Petershagen. Ein heidnischer Friedhof im Petershagener Ortsteil Seelenfeld ist offenbar eine Kultstätte völkisch-rechtsextremer Kreise. Jetzt hat auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dem Trägerverein des Friedhofs "Ahnenstätte Seelenfeld" Verbindungen zu Rechtsextremisten bescheinigt.

Er schreibt in der Antwort auf eine Anfrage der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordneten Christina Kampmann, der Landesregierung seien "vereinzelte lose Kontakte zwischen Mitgliedern der Ahnenstätte und ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen Organisationen und Einzelpersonen bekannt".

Wegbegleiter Hitlers wollte hier beerdigt werden

Überhaupt zeichne sich im Vergleich zu anderen NRW-Regionen die völkisch-rechtsextremistische Szene in OWL "durch eine relativ starke Präsenz aus". Insbesondere ehemalige Mitglieder des verbotenen Vereins "Collegium Humanum" seien ohne feste Strukturen aktiv. Vor allem am Rande von Prozessen gegen Holocaust-Leugner - gemeint ist wohl die frühere Vorsitzende des "Collegium Humanum", Ursula Haverbeck.

Die "Ahnenstätte Seelenfeld" hat eine lange Tradition im Rechtsextremismus. Der Friedhof auf einem germanischen Hügelgräberfeld wurde bereits 1930 von Anhängern der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff (General und Wegbegleiter Adolf Hitlers) gegründet.

Auch Ludendorff selbst wäre gern in Seelenfeld beerdigt wurden, doch veranlasste Hitler ein Staatsbegräbnis in dessen Heimatort Tutzing. Die Villa Ludendorff dort ist bis heute Pilgerstätte für Rechtsextremisten, die sich schon 1937 zum "Bund für Gotterkenntnis" zusammenschlossen.

"Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in NRW sind der Landesregierung nicht bekannt"

Diesen "Bund" gibt es bis heute, und die Ahnenstätte in Petershagen hat noch immer ihre Bedeutung für Ludendorff-Anhänger. Erkennbar ist dies an der völkischen Symbolik, die auf dem Friedhof dominiert. Keine christlichen Zeichen, keine Kreuze, dafür aber der "Deutschvolk"-Adler, bis heute Zeichen der "Ludendorffer". Er ist nicht nur auf Grabsteinen zu sehen, sondern auch über dem Eingang des Geräteschuppens. Der Verein Deutschvolk ist ein Vorläufer des "Bundes der Gotterkenntnis" (BdG).

In Verbindung mit den völkisch-rechtsextremistischen Ideologen steht nach Recherchen des Hamburger Journalisten Julian Feldmann auch die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" in Verbindung. Die Arbeitsgemeinschaft hieß früher "Bund deutscher Heimat" und habe von den 70er bis in die 90er Jahre ein Vereinsheim in Versmold betrieben, berichtet Feldmann.

Rechtsextremisten besuchten Friedhof

Kampmanns Frage, ob der Landesregierung bekannt sei, welche Veranstaltungen der "Bund der Gotterkenntnis" (BfG) und der mit ihm verbundene Arbeitskreis für Lebenskunde, in dem Jugendlichen die völkisch-rechtsextremistische Ludendorff-Ideologie nahe gebracht werden soll, organisieren, beantwortet Reul so: "Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in NRW sind der Landesregierung nicht bekannt."

Dagegen weist Feldmann darauf hin, dass seit 2010 mindestens drei Veranstaltungen des "Bundes" in OWL belegt seien, wahrscheinlich habe es auch eine vierte gegeben. Zuletzt habe der Trägerverein "Ahnenstätte Seelenfeld" am 11. Juni 2017 zu einer Vortragsveranstaltung mit anschließender "Ahnenstätten"-Besichtigung eingeladen. Laut Informationsdienst "Blick nach Rechts" nahmen daran Rechtsextremisten teil, unter anderem Mitglieder des Vereins "Gedächtnisstätte e.V.", der 1992 in Vlotho gegründet wurde. Erste Vorsitzende war Ursula Haverbeck.

Christina Kampmann fordert, dass der Trägerverein "Ahnenstätte Seelenfeld" seine Beziehungen zur rechtsextremistischen Szene einstellen müsse. Die Landesregierung solle die Stadt bei der Aufarbeitung der Geschichte des Friedhofes helfen.

Bildunterschrift: Zieht Rechtsextreme an: Die Ahnenstätte Seelenfeld in Petershagen.

_______________________________________________


Neue Westfälische, 15.02.2018:

Friedhof als Kultstätte für Rechtsextreme

Gelände in Petershagen: Der Trägerverein der "Ahnenstätte Seelenfeld" hat laut NRW-Innenminister Verbindungen in die völkische Szene / SPD-Politikerin Kampmann fordert, das zu unterbinden

Von Lothar Schmalen

Petershagen. Ein heidnischer Friedhof im Petershagener Ortsteil Seelenfeld ist offenbar eine Kultstätte völkisch-rechtsextremer Kreise. Jetzt hat auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dem Trägerverein des Friedhofs "Ahnenstätte Seelenfeld" Verbindungen zu Rechtsextremisten bescheinigt. Er schreibt in der Antwort auf eine Anfrage der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordneten Christina Kampmann, der Landesregierung seien "vereinzelte lose Kontakte zwischen Mitgliedern der Ahnenstätte und ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen Organisationen und Einzelpersonen bekannt".

Überhaupt zeichne sich im Vergleich zu anderen NRW-Regionen die völkisch-rechtsextremistische Szene in OWL "durch eine relativ starke Präsenz aus". Insbesondere ehemalige Mitglieder des verbotenen Vereins "Collegium Humanum" seien ohne feste Strukturen aktiv. Vor allem am Rande von Prozessen gegen Holocaust-Leugner - gemeint ist wohl die frühere Vorsitzende des "Collegium Humanum", Ursula Haverbeck.

Die "Ahnenstätte Seelenfeld" hat eine lange Tradition im Rechtsextremismus. Der Friedhof auf einem germanischen Hügelgräberfeld wurde bereits 1930 von Anhängern der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff (General und Wegbegleiter Adolf Hitlers) gegründet. Auch Ludendorff selbst wäre gern in Seelenfeld beerdigt wurden, doch veranlasste Hitler ein Staatsbegräbnis in dessen Heimatort Tutzing. Die Villa Ludendorff dort ist bis heute Pilgerstätte für Rechtsextremisten, die sich schon 1937 zum "Bund für Gotterkenntnis" zusammenschlossen. Diesen "Bund" gibt es bis heute, und die Ahnenstätte in Petershagen hat noch immer ihre Bedeutung für Ludendorff-Anhänger. Erkennbar ist dies an der völkischen Symbolik, die auf dem Friedhof dominiert. Keine christlichen Zeichen, keine Kreuze, dafür aber der "Deutschvolk"-Adler, bis heute Zeichen der "Ludendorffer". Er ist nicht nur auf Grabsteinen zu sehen, sondern auch über dem Eingang des Geräteschuppens. Der Verein Deutschvolk ist ein Vorläufer des "Bundes der Gotterkenntnis" (BdG).

In Verbindung mit den völkisch-rechtsextremistischen Ideologen steht nach Recherchen des Hamburger Journalisten Julian Feldmann auch die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" in Verbindung. Die Arbeitsgemeinschaft hieß früher "Bund deutscher Heimat" und habe von den 70er- bis in die 90er-Jahre ein Vereinsheim in Versmold betrieben, berichtet Feldmann.

Kampmanns Frage, ob der Landesregierung bekannt sei, welche Veranstaltungen der "Bund der Gotterkenntnis" (BfG) und der mit ihm verbundene Arbeitskreis für Lebenskunde, in dem Jugendlichen die völkisch-rechtsextremistische Ludendorff-Ideologie nahe gebracht werden soll, organisieren, beantwortet Reul so: "Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in NRW sind der Landesregierung nicht bekannt."

Dagegen weist Feldmann darauf hin, dass seit 2010 mindestens drei Veranstaltungen des "Bundes" in OWL belegt seien, wahrscheinlich habe es auch eine vierte gegeben. Zuletzt habe der Trägerverein "Ahnenstätte Seelenfeld" am 11. Juni 2017 zu einer Vortragsveranstaltung mit anschließender "Ahnenstätten"-Besichtigung eingeladen. Laut Informationsdienst "Blick nach Rechts" nahmen daran Rechtsextremisten teil, unter anderem Mitglieder des Vereins "Gedächtnisstätte e.V.", der 1992 in Vlotho gegründet wurde. Erste Vorsitzende war Ursula Haverbeck.

Christina Kampmann fordert, dass der Trägerverein "Ahnenstätte Seelenfeld" seine Beziehungen zur rechtsextremistischen Szene einstellen müsse. Die Landesregierung solle die Stadt bei der Aufarbeitung der Geschichte des Friedhofes helfen.

Bildunterschrift: Zieht Rechtsextreme an: Die Ahnenstätte Seelenfeld in Petershagen.

_______________________________________________


TAG24 Ostwestfalen-Lippe, 14.02.2018:

Trügerisches Idyll!

14.02.2018 - 06.00 Uhr

Hier ist die "völkische Szene" besonders aktiv

Petershagen. Das Thema "völkischer Rechtsextremismus" beschäftigt die Menschen in Deutschland immer wieder.

Nach einer Veranstaltung eines völkischen Vereins in Petershagen-Seelenfeld im Juni 2017, zu der Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik gekommen sein sollen, hakte SPD-Abgeordnete Christina Kampmann bei der Landesregierung nach.

Damals lud der Trägerverein der "Ahnenstätte Seelenfeld", ein heidnischer Friedhof, zu einem Vortrag ein. "Daran nahmen laut dem Informationsdienst "Blick nach Rechts" (16.06.2017) auch Rechtsextremisten teil, zum Beispiel Herr S., der dem rechtsextremistischen Verein "Gedächtnisstätte e.V." mit Sitz in Vlotho (Kreis Herford) vorsteht", so die Politikerin in ihrer Kleinen Anfrage.

Immer wieder kommt es zu solchen Treffen "mit dreistelligen Teilnehmerzahlen" auf dem Friedhof. "Vor allem Verbindungen zu den rechtsextremen "Ludendorffern", Anhängern der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff, wurden in Seelenfeld offensichtlich."

Auch an anderen Orten in Ostwestfalen-Lippe wurden in der Vergangenheit ähnliche Veranstaltungen organisiert. Das bestätigt auch die Landesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage.

Demnach zeichne sich die völkisch-rechtsextremistische Szene in OWL "( ... ) im Vergleich zu anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen ( ... ) durch eine relativ starke örtliche Präsenz aus".

Unter anderem sollen ehemalige Mitglieder des 2008 verbotenen Vereins "Collegium Humanum" immer wieder in der Region aktiv sein. "Vor allem am Rande von Prozessen gegen bekannte Holocaust-Leugner finden diese Zusammentreffen auch öffentlich statt."

Und auch der Trägerverein des heidnischen Friedhofs in Seelenfeld soll bereits durch "vereinzelte lose Kontakte ( ... ) zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen, Organisationen und Einzelpersonen" aufgefallen sein.

Die Stadt Petershagen ist übrigens bereits mit der Aufarbeitung der Entstehungsgeschichte beschäftigt. "Die Stadtverwaltung bittet um Verständnis, dass dieses nicht kurzfristig zu realisieren sein wird, da die Thematik sehr komplex ist und in ihren umfassenden Facetten beleuchtet werden soll", heißt es auf der Homepage der Stadt.

Bildunterschrift: Auf dem heidnischen Friedhof gibt es mehrere Hügelgräber.

_______________________________________________


WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 13.02.2018:

Völkische Szene in Ostwestfalen-Lippe

13.02.2018 - 05.51 Uhr

Die Landesregierung bestätigt vereinzelte Kontakte zwischen Vereinsmitgliedern der umstrittenen Ahnenstätte Seelenfeld in Petershagen und rechtsextremistischen Personen und Organisationen.

Das geht aus einer am Montag (12.02.2018) vorgestellten Antwort zu einer Kleinen Anfrage der Bielefelder SPD-Abgeordneten Christina Kampmann hervor. Mehrfach hatten sich auf und in der Nähe des Friedhofs Rechtsextremisten getroffen. Gegründet wurde der nicht-christliche Privatfriedhof 1929 von völkischen Ludendorffern. Die Betreiber der Begräbnisstätte sollen ihrer antisemitischen Ideologie noch heute nahestehen.

Laut Landesregierung ist die völkische Szene in Ostwestfalen-Lippe relativ stark präsent. Besonders ehemalige Mitglieder des 2008 verbotenen Collegium Humanums seien in der Region aktiv, aber ohne feste Strukturen. Die Stadt Petershagen ist zusammen mit dem Friedhofsverein dabei, die Geschichte der Ahnenstätte Seelenfeld aufzuarbeiten.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 10.02.2018:

Verbindung zu Rechtsextremisten / Ministerium antwortet auf Anfrage

Von Stefan Koch

Petershagen-Seelenfeld (mt). Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen bestätigt lockere Verbindungen zwischen den Aktiven um die so genannten "Ahnenstätte Seelenfeld" und Rechtsextremisten. Eine entsprechende Kleine Anfrage zu diesem Thema hatte die Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann im Januar gestellt. Anlass dazu waren Medienberichte im Sommer vergangenen Jahres (das MT berichtete).

"Der Landesregierung sind vereinzelte lose Kontakte zwischen Mitgliedern der Ahnenstätte Seelenfeld und ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen Organisationen und Einzelpersonen bekannt", teilte am Mittwoch das NRW-Innenministerium mit. Des Weiteren schreibt das Innenministerium in seiner Antwort auf mehrere Teilfragen zum Rechtsextremismus, dass sich im Vergleich zu anderen Regionen des Landes Nordrhein-Westfalen die völkisch-rechtsextremistische Szene in Ostwestfalen-Lippe durch eine relative starke örtliche Präsenz auszeichne. "Insbesondere ehemalige Mitglieder des 2008 durch den Bundesminister des Inneren verbotenen Vereins Collegium Humanum sind ohne feste Strukturen immer wieder in der Region aktiv." Vor allem am Rande von Prozessen gegen bekannte Holocaust-Leugner fänden diese Zusammentreffen auch öffentlich statt.

Bislang hatte die Stadt Petershagen die Ahnenstätte als touristisches Kuriosum bewertet. Mittlerweile soll durch einen Aufklärungsprozess die Entstehungsgeschichte des Friedhofs genauer beleuchtet werden.

Die Landtagsabgeordnete Kampmann: "Der Trägerverein der Ahnenstätte muss seine Beziehungen zur rechtsextremistischen Szene einstellen." Weitere Kontakte zwischen Mitgliedern des Trägervereins und der rechtsextremistischen Szene seien nicht akzeptabel und müssten umgehend beendet werden. Die Landesregierung solle die Stadt Petershagen bei der Aufarbeitung der Geschichte der Ahnenstätte unterstützen.

Bildunterschrift: Die Ahnenstätte wirft Fragen auf.

_______________________________________________


Ministerium des Inneren des Landes Nordrhein-Westfalen, 07.02.2018:

"Völkisch-rechtsextremes Netzwerk in Ostwestfalen-Lippe"

Der Minister

Präsidenten des Landtags
Nordrhein-Westfalen
Herrn Andre Kuper MdL
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf

Kleine Anfrage 704 der Abgeordneten Christina Kampmann der Fraktion der SPD "Völkisch-rechtsextremes Netzwerk in Ostwestfalen-Lippe", LT-Drs. 17/1706

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

namens der Landesregierung beantworte ich die Kleine Anfrage 704 wie folgt:

Frage 1

Welche Kontakte der "Ahnenstätte Seelenfeld" bzw. ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen Organisationen sind der Landesregierung bekannt?

Der Landeregierung sind vereinzelte lose Kontakte zwischen Mitgliedern der "Ahnenstätte Seelenfeld" und ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen, Organisationen und Einzelpersonen bekannt.

Frage 2

Welche Aktivitäten entfaltet die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat und Naturkunde in Westfalen-Lippe" (Bielefeld)?

Die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" ist kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen, sodass zu dieser Organisation keine weitergehenden Angaben gemacht werden können.

Frage 3

Welche Veranstaltungen haben der "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V." und der "Arbeitskreis für Lebenskunde e.V." seit 2010 in NRW durchgeführt? Bitte aufschlüsseln nach Datum, Ort und ggf. Teilnehmerzahl.

Der "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V." (BfG) ist eine rechtsextremistische Organisation mit Vereinssitz in Bayern und mit Vereinsobjekten in anderen Bundesländern außerhalb von Nordrhein-Westfalen. Hier liegt auch der Schwerpunkt der Aktivitäten der Gruppierung. Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen sind der Landesregierung nicht bekannt.

Der "Arbeitskreis für Lebenskunde e.V." ist zwar beim Amtsgericht Essen als Verein eingetragen, hat seinen Sitz aber in Schleswig-Holstein. Der Verein beruft sich auf die religiös-völkische Ideologie der Mathilde Ludendorff. Veranstaltungen der Organisation in Nordrhein-Westfalen sind der Landesregierung nicht bekannt.

Frage 4

Wie bewertet die Landesregierung die völkisch-rechtsextremistische Szene in OWL im Vergleich zu anderen Regionen im Land?

Im Vergleich zu anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen zeichnet sich die völkisch-rechtsextremistische Szene in Ostwestfalen-Lippe durch eine relativ starke örtliche Präsenz aus. Insbesondere ehemalige Mitglieder des 2008 durch den Bundesminister des Innern verbotenen Vereins "Collegium Humanum" sind ohne feste Strukturen immer wieder in der Region aktiv. Vor allem am Rande von Prozessen gegen bekannte Holocaust-Leugner finden diese Zusammentreffen auch öffentlich statt.

Mit freundlichen Grüßen

Herbert Reul

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 18.01.2018:

Kleine Anfrage zur Ahnenstätte

Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete verlangt Informationen über rechtsradikale Szene

Von Stefan Koch

Petershagen-Seelenfeld (mt). Die Ahnenstätte Seelenfeld beschäftigt demnächst auch den Landtag in Düsseldorf. So hat die Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann vor einigen Tagen eine Kleine Anfrage zur Bedeutung des nicht-christlichen Friedhofs für die rechtsextreme Szene in Ostwestfalen-Lippe gestellt. Die Landesregierung soll unter anderem die Frage beantworten, ob Kontakte der Ahnenstätte beziehungsweise ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen Organisationen bekannt sind.

Kampmann bezieht sich in ihrer Anfrage auf die Medienberichterstattung, nachdem im Juni vergangenen Jahres Rechtsextremisten an einer Veranstaltung des Trägervereins in Seelenfeld teilgenommen hatten (das MT berichtete). "Vor allem Verbindungen zu den rechtsextremen Ludendorffern, Anhängern der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorffs, wurden in Seelenfeld offensichtlich", schreibt Kampmann. "Die Ahnenstätte wurde 1929 von Ludendorff-Anhängern gegründet und auch die heutigen Betreiber sollen dieser Ideologie nahestehen."

Wie die Bielefelder Landtagsabgeordnete weiterhin feststellt, beschränkten sich die Aktivitäten der völkischen Rechtsextremisten nicht auf Petershagen-Seelenfeld allein. Regelmäßig habe der rechtsextreme "Bund für Gotterkenntnis" der Ludendorff-Sekte mit Sitz in Tutzing (Bayern) in der Vergangenheit zu Veranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe eingeladen. Das Netzwerk der völkischen Rechtsextremisten in Ostwestfalen-Lippe umfasse auch die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" mit Sitz in Bielefeld. Heute agiere diese "Arbeitsgemeinschaft" offenkundig ausschließlich im Hintergrund. Auch die Aktivitäten der Ludendorffer sowie Heimat- und Naturkundler sind Gegenstand der Kleinen Anfrage.

Jahrelang war die Ahnenstätte Seelenfeld als touristisches Kuriosum der Region von der Stadt Petershagen beworben worden, obwohl der Ort auch schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ein Treffpunkt für Ludendorff-Anhänger auch zu Kundgebungen war. Im Sommer 2017 hatte dann der Hamburger Publizist Julian Feldmann in mehrere Medienbeiträgen über aktuelle rechtsradikale Tendenzen in Verbindung mit dem neuheidnischen Friedhof berichtet. Zuletzt musste auch die Stadt ihre Bewertung des Friedhofs revidieren.

So will Petershagen nun einen zweistufigen Aufklärungsprozess angehen und die Entstehungsgeschichte des Friedhofs und die damalige Bedeutung erarbeiten. Anschließen soll die öffentliche Präsentation der Ergebnisse besprochen werden.

Bislang gab es am Eingang der Ahnenstätte nur eine Hinweistafel. Dabei wurde der Ursprung des Friedhofs in der völkisch-esoterischen Szene, die sich vor rund 100 Jahren um das Ehepaar Mathilde und Erich Ludendorff gebildet hatte, verschwiegen.

Bildunterschrift: Der Adler als Symbol der Ludendorff-Bewegung ist auf einigen Grabsteinen in Seelenfeld präsent.


Copyright: Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

_______________________________________________


Landtag Nordrhein-Westfalen - 17. Wahlperiode, 11.01.2018:

Kleine Anfrage 704 der Abgeordneten Christina Kampmann, SPD

Drucksache 17/1706

Datum des Originals: 09.01.2018

Völkisch-rechtsextremes Netzwerk in Ostwestfalen-Lippe

Nachdem im Juni an einer Veranstaltung eines völkischen Vereins in Petershagen-Seelenfeld (Kreis Minden-Lübbecke) Rechtsextremisten auch aus anderen Bundesländern teilgenommen hatten, haben Medien das Thema "völkischer Rechtsextremismus" in Ostwestfalen-Lippe aufgegriffen. Der Trägerverein der "Ahnenstätte Seelenfeld", eines heidnischen Friedhofs, hatte am 11.06.2017 zu einer Vortragsveranstaltung mit anschließender "Ahnenstätten"-Besichtigung geladen. Daran nahmen laut dem Informationsdienst "Blick nach Rechts" (16.06.2017) auch Rechtsextremisten teil, zum Beispiel Herr S., der dem rechtsextremistischen Verein "Gedächtnisstätte e.V." mit Sitz in Vlotho (Kreis Herford) vorsteht. In der Vergangenheit fanden immer wie-der Treffen mit dreistelligen Teilnehmerzahlen in Seelenfeld statt, daran nahmen 2010 zum Beispiel mehrere Führungspersonen des später verbotenen "Nationalen Widerstands Dortmund" teil.

Vor allem Verbindungen zu den rechtsextremen "Ludendorffern", Anhängern der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff, wurden in Seelenfeld offensichtlich. Die "Ahnenstätte" wurde 1929 von Ludendorff-Anhängern gegründet und auch die heutigen Betreiber sollen dieser Ideologie nahestehen.

Doch die Aktivitäten der völkischen Rechtsextremisten beschränken sich nicht auf Petershagen-Seelenfeld. Regelmäßig lud der rechtsextreme "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)" (Sitz: Tutzing / Bayern) in der Vergangenheit zu Veranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe. Das Netzwerk der völkischen Rechtsextremisten in Ostwestfalen-Lippe umfasst auch die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" mit Sitz in Bielefeld. Heute agiert diese "Arbeitsgemeinschaft" offenkundig ausschließlich im Hintergrund.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Welche Kontakte der "Ahnenstätte Seelenfeld" beziehungsweise ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen Organisationen sind der Landesregierung bekannt?

2. Welche Aktivitäten entfaltet die "Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" (Bielefeld)?

3. Welche Veranstaltungen haben der "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V." und der "Arbeitskreis für Lebenskunde e.V." seit 2010 in NRW durchgeführt? Bitte aufschlüsseln nach Datum, Ort und gegebenenfalls Teilnehmerzahl.

4. Wie bewertet die Landesregierung die völkisch-rechtsextremistische Szene in OWL im Vergleich zu anderen Regionen im Land?

Christina Kampmann

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 03.01.2018:

Historiker soll helfen

Ahnenstätte Seelenfeld

Petershagen-Seelenfeld (plö). Die Stadt ist an der Aufarbeitung von Vergangenheit und Gegenwart der Ahnenstätte Seelenfeld interessiert und distanziert sich ausdrücklich von rechtsextremen Tendenzen. Das macht Evelyn Hotze aus der Stabsstelle für Tourismus gegenüber Hans-Ulrich Graef deutlich. Graef hatte in einem offenen Schreiben Bezug auf einen Beitrag der Hildesheimer Zeitung genommen, in dem es um den "Missbrauch von Begräbnisstätten" geht.

Graef wörtlich: "Ich wünsche mir, dass die Stadt Petershagen und die Parteien im Rat, aber vor allem auch der SPD-Kreisverband Minden-Lübbecke ebenfalls zur öffentlichen Auseinandersetzung über den politischen Missbrauch der Ahnenstätte durch rechtsnationale Gruppen und Alt-Nazis aufrufen würde, damit eine transparente öffentliche Aufarbeitung der Historie in Gang gesetzt wird." Das Umschreiben der Historie und Hinweistafeln reichen nach Graefs Auffassung nicht aus.

Im laufenden Prozess, so Evelyn Hotze, gehe es neben der geschichtlichen Einordnung wesentlich um die Einordnung des Trägervereins und seiner Ausrichtung. Und: "Zum aktuellen Prozesstand kann ich Ihnen mitteilen, dass derzeit noch verschiedene Rückmeldungen von übergeordneten Behörden hinsichtlich der Einschätzung des Trägervereins ausstehen." Weiterhin werde die Beauftragung eines Historikers erfolgen, der die geschichtliche Einordnung vornehmen soll. Weiter verweist Evelyn Hotze auf die Internetseite der Stadt Petershagen, auf der die aktuellen Informationen zur Ahnenstätte veröffentlicht werden.

Das Thema Ahnenstätte Seelenfeld war im Vorjahr durch Berichterstattungen über Treffen so genannter "völkischer Gruppen" in den Fokus geraten. Die Stadt plant, so Hotze, eine informative und reflektierte Broschüre.


Copyright: Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 21.11.2017:

Stadt nimmt Ahnenstätte ins Visier

Die Geschichte des Friedhofs wird professionell aufgearbeitet / Außerdem sollen die Informationstafeln erneuert werden

Von Oliver Plöger

Petershagen (mt). Wenn es um die Ahnenstätte Seelenfeld geht, will die Stadt mit einem "zweistufigen Prozess" in die Aufklärungsarbeit gehen. Das macht Evelyn Hotze aus der Stabstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus deutlich. In einer ersten Phase soll die Entstehungsgeschichte des Friedhofs und ihre damalige Bedeutung samt Ausrichtung erarbeitet werden. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, werde über die Veröffentlichung und Darstellung gesprochen.

Grund für die Geschäftigkeit im Petershäger Rathaus ist nicht zuletzt die kritische Berichterstattung, nach der das "Interesse an der Ahnenstätte gestiegen ist", wie Evelyn Hotze sagt. Die Stadt Petershagen werde die nächste Zeit nutzen, um sich ein umfassendes Bild zu machen. So hatte es auch Bürgermeister Dieter Blume im TV-Interview deutlich gemacht - nicht ohne den Hinweis allerdings, dass sich die Stadt selbst überrascht zeige, was die Vorwürfe gegen den Ahnenstätten-Verein betreffe. Auch Ortsheimatpfleger Friedrich Dralle habe hier keine Neonazis gesehen, wie er selbst nach den Berichten sagte.

Derzeit würden laut Evelyn Hotze Informationen aus verschiedenen unabhängigen Quellen zusammengetragen, darunter Fachbeiträge, Tagungsbände, Bücher zum Thema. Neben dem städtischen Archiv erhoffe sich die Stadt Informationen aus dem Klosterarchiv Loccum, dem Mindener Geschichtsverein, dem Kommunalarchiv Minden, aber auch der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus. Letztere bietet nach eigener Darstellung allen Organisationen, Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen Hilfe an, die vor Ort akute Probleme mit extrem rechten oder rassistischen Vorkommnissen haben. Hier sei bereits die Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert worden, wie Evelyn Hotze im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus sagte. Weiter sei deutlich geworden, dass auch der Ahnenstättenverein Niedersachsen seine Öffentlichkeitsarbeit intensivieren müsse, um Transparenz zu schaffen. Dass es diese Probleme möglicherweise in Seelenfeld geben könnte, wurde nicht zuletzt durch den Vortrag des Kieler Soziologen und Journalisten Julian Feldmann deutlich, der im September im Alten Amtsgericht über "Die "Ahnenstätte" Petershagen-Seelenfeld und den rechtsextremen "Bund für Gotterkenntnis"" sprach, Untertitel: "Ein politischer Ort unserer Region seit 1929 und seine heutige Bedeutung." Julian Feldmann geht nach seinen Recherchen davon aus, dass die Ahnenstätte Teil eines heute noch aktiven Verbundes rechts-esoterischer Kreise ist (MT berichtete).

Besonders wichtig ist der Stadt die Darstellung nach außen

Feldmann betonte, dass die mit 120 bis 150 Personen in Seelenfeld auftretenden "völkischen Sippen" keine gewaltbereiten Krawall-Nazis seien, sondern eher die stillen Vertreter der Szene darstellten. Auch Julian Feldmann, der ohnehin eine eigene Veröffentlichung zum Thema plant, habe seine Mitarbeit bei der weiteren Recherche-Arbeit der Stadt Petershagen zugesagt.

Besonders wichtig sei der Stadt die Darstellung nach außen, wie Evelyn Hotze betont. "Geplant ist eine informative, reflektierte Schrift, die jedem Interessierten eine eigenständige geschichtliche Einordnung des Friedhofs ermöglicht."

Auch die bestehenden Informationstafeln vor Ort sollen überarbeitet werden. Und Hotze: "Die entsprechende Begleitung durch eine Veröffentlichung im Internet versteht sich von selbst."

Bei der Veranstaltung im September musste die Stadt aus Zuschauerreihen Kritik am unkritischen Umgang mit der Geschichte einstecken. Zumindest da wird gegengesteuert, wie im jüngsten Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus deutlich gemacht wurde. Evelyn Hotze: "Das Credo "Nur wer seine Geschichte kennt, kann Zukunft gestalten" gilt für alle Bereiche der Stadt Petershagen. Ein Verschweigen oder Tabuisieren wird an keiner Stelle betrieben." Gerade der offene Umgang mit geschichtsträchtigen Orten zeichne die Stadt aus. Um Verständnis bittet die Verwaltung aber, dass die Ergebnisse nicht "von heute auf morgen" vorliegen. Die Thematik sei komplex und solle in allen Facetten erfasst werden, hieß es im Ausschuss.

Fakt ist: Die Ahnenstätte Seelenfeld lässt sich zurückverfolgen bis zur völkisch-heidnischen Bewegung um das Ehepaar Mathilde und Erich Ludendorff, erklärte Antisemiten und Gegner der Weimarer Republik.

Bildunterschrift: Die Stadt will Aufklärungsarbeit leisten, was die Ahnenstätte Seelenfeld betrifft.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 06.10.2017:

Ruheplatz für völkisch-nationale Heiden

Mathilde und Erich Ludendorff trugen maßgeblich zur Entstehung der Ahnenstätte bei

Petershagen-Seelenfeld (sk). Die Geschichte der Ahnenstätte Seelenfeld ist Teil der Entwicklung jener völkisch-heidnischen Bewegung, deren Urheber das Ehepaar Mathilde und Erich Ludendorff ist - beide waren Antisemiten und Gegner der Weimarer Republik. Ihrer Religionsgemeinschaft sollen heute noch ein paar 1.000 Menschen angehören. Verfassungsschutzbehörden stufen den eingetragenen Verein als rechtsextrem ein.

Erich Ludendorff, der bereits als General in den letzten Monaten des Kaiserreichs zur politischen Person aufstieg, versuchte nach dem Ersten Weltkrieg, seine Karriere als Politiker fortzusetzen. Er gilt als einer der Erfinder der Dolchstoßlegende und wurde zum Weggefährten Adolf Hitlers, mit dem er 1923 den erfolglosen Hitler-Ludendorff-Putsch unternahm. Später war Ludendorff an der Gründung der deutsch-völkischen Organisationen "Tannenbergbund" und "Deutschvolk" beteiligt.

Im Jahr 1933 wurde der Tannenbergbund verboten, da es zum Streit mit Hitler kam. Letzterer hatte aus taktischen Gründen an seiner Nähe zu den Kirchen festgehalten, was die heidnischen Ludendorffer verärgerte. Die ideologische Schnittmenge zwischen Nazis und Ludendorffern blieb aber weiterhin groß. Juden, Freimaurer, Kommunisten waren die Gegner. Als es 1937 zur Aussöhnung zwischen Ludendorff und Hitler kam, durfte der vorübergehend in Ungnade gefallene Mitmarschierer aus Putschisten-Tagen seinen "Bund für Deutsche Gotterkenntnis" ins Vereinsregister eintragen - das Nachfolgemodell zum Tannenbergbund war damit aus der Taufe gehoben.

Mathilde Ludendorff, eine ehemalige Nervenärztin, trat in der Weimarer Republik als Verfasserin völkisch-esoterischer Publikationen auf. Nachdem Deutschland erneut einen Weltkrieg verloren hatte, versuchte sie, ihre Sekte in die Bundesrepublik hinüber zu retten. 1951 gelang ihr die Wiederauflage unter der Bezeichnung "Bund für Gotterkenntnis". Ein darauf folgendes Verbot konnte die Organisation später durch juristische Interventionen abwenden. Ludendorffer haben auch heute Kontakt zu Ahnenstätten und nutzen sie als Friedhöfe. In Tutzing befindet sich das Zentrum des Vereins, wo sich die Villa der Eheleute und damit das Mekka der Ludendorffer befindet. Auch der Weltkriegsgeneral ruht in Tutzing unter seiner Bronze-Büste.

Aber nicht dort, sondern angeblich in Petershagen-Seelenfeld wollte der im Jahr 1937 Verstorbene begraben sein. Belegt ist, dass das Ehepaar Ludendorff 1930 die Ahnenstätte aufgesucht hatte. Zuvor brachte ein junger Ludendorff-Anhänger die völkisch-nationalen Gedanken noch unter der Ägide des Tannenbergbundes in das idyllische Seelenfeld mit, als er dort eine Stelle als Dorfschullehrer antrat. Daraus erwuchs ein Konflikt mit dem für den Ort zuständigen Pfarrer. Schließlich spaltete sich die mehr als 300 Seelen zählende Gemeinde in Christen auf der einen Seite und Tannenberger auf der anderen ab, die damals massenweise aus der Kirche austraten. Die Neuheiden sicherten sich 1929 eine Begräbnisstätte und betrieben sie in privatrechtlicher Trägerschaft. Bei dem Gelände handelte es sich ein archäologisch bedeutsames Hügelgräberfeld aus der Bronzezeit, das 1915 entdeckt worden war. Auch heute noch gibt es den Verein.

Bildunterschrift: Mathilde Ludendorff setzte das "Erbe" fort.

Bildunterschrift: Erich Ludendorff wollte angeblich in Seelenfeld begraben werden.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 06.10.2017:

Ahnungslos zur Ahnenstätte

Auf Medienberichte über rechtsradikalen Zuspruch für den Seelenfelder Friedhof folgte eine Vortragsveranstaltung im Alten Amtsgericht Petershagen / Anwohner gaben sich überrascht, Kritiker forderten mehr Information

Von Stefan Koch

Petershagen-Seelenfeld (mt). Wie ein Unterstand aus dem Ersten Weltkrieg wirkt die Totenkammer. Über der Tür ist der Deutschvolk-Adler der Ludendorffer in Stein gemeißelt - so wie auf einer Handvoll jener Brocken, die die mehr als 100 Begräbnisstellen zieren. Nicht von Familien, sondern von "Sippen" ist auf den Inschriften die Rede. Und nur ein Teil der Toten scheint aus Seelenfeld zu stammen, wie die Angaben verraten, die auch zum akademischen Grad der Verblichenen nicht schweigen.

Über zwei unverschlossene Tore ist die Ahnenstätte Seelenfeld zu betreten, denn sie soll allen Besuchern offen stehen. Sie ist Teil des touristischen Angebotes der Stadt Petershagen und wird in Broschüren beworben. "Ihre Anlage löste in Deutschland eine Bewegung aus, die vom NS-Staat am 23.09.1933 abrupt durch Verbotsverfügung beendet wurde", behauptet die Hinweistafel des Betreibervereins am Eingang - und geht dann zur Heimatkunde über.

Dass sich Anhänger des braunen Spektrums von der Seelenfelder Ahnenstätte angezogen fühlen, berichtet dagegen der Journalist Julian Feldmann aus Kiel. Schon vor sieben Jahren beobachtete er, wie sich bei einer Feier des Freundeskreises Ahnenstätte Seelenfeld unter den 120 Besuchern Rechtsextremisten aus dem Ruhrgebiet und aus Süddeutschland tummelten. Zuletzt war im Juni Wolfgang Schiedewitz, der im thüringischen Guthmannshausen den Verein Gedächtnisstätte betreibt, dabei, als sich rund 80 Personen vor Ort einfanden. Nachdem der Journalist in mehreren Medien über das Seelenfelder Treiben berichtet hatte, strahlte auch der WDR einen Beitrag aus Petershagen aus. Seitdem läuft die öffentliche Diskussion (das MT berichtete).

"Die Ahnenstätte Petershagen-Seelenfeld und der rechtsextreme Bund für Gotterkenntnis" lautete in der vergangenen Woche der Titel eines Vortrags mit Feldmann im Alten Amtsgericht Petershagen. Auf Grund des hohen Publikumsinteresses waren die Stühle ausgegangen. Einladende waren der Mindener Geschichtsverein in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen, dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim und dem Verein "Minden - Für Demokratie und Vielfalt".

Feldmann, dessen thematischer Schwerpunkt auf dem völkisch-antisemitischen Teil der Gesellschaft liegt und der auch über die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel berichtet hatte, sieht in der Seelenfelder Ahnenstätte eine Anlage im Verbund von vier weiteren. Zwischen den Standorten gebe es enge personelle Beziehungen. Dem Trägerverein der Seelenfelder Ahnenstätte gehörten drei Personen an, so der Journalist, die bereits in der rechtsextremen Szene aufgefallen seien - zwei davon lebten im Petershäger Raum.

Feldmann machte deutlich, dass die mit 120 bis 150 Personen in Seelenfeld auftretenden "völkischen Sippen" keine gewaltbereiten Krawall-Nazis seien, sondern eher die stillen Vertreter der Szene darstellten. "Natürlich sind auch nicht alle Mitglieder des Ahnenstättenvereins in der rechten Szene engagiert - viele sind familiär in das Umfeld hineingeboren worden", erklärte Feldmann.

Wenig begeistert über seine Berichterstattung erwiesen sich bei der Vortragsveranstaltung anwesende Seelenfelder. Ortsheimatpfleger Friedrich Dralle monierte, dass im WDR-Beitrag zum Ahnenstätten-Treffen im Juni von Schäferhunden die Rede gewesen sei, die am Eingang angeleint waren. Als Zeuge habe er weder die Tiere noch Neonazis gesehen. Und von "dem Schiedewitz" habe er erst aus Medienberichten erfahren.

Ein Anderer bemerkte, dass seine Vorfahren auf dem Friedhof ruhten. Diese seien weder Antisemiten noch Nationalsozialisten gewesen. "Viele hatten damals bloß Zweifel am christlichen Glauben."

Und noch ein weiterer Seelenfelder erklärte, dass es Kontakte zwischen der Kulturgemeinschaft und den Betreibern der Ahnenstätten gegeben habe. "Da hat niemand etwas Rechtsradikales gesagt."

Kritische Stimmen rügten bei der Vortragsveranstaltung dagegen, dass die Stadt Petershagen schon vor drei Jahren über das völkisch-nationale Umfeld der Ahnenstädte informiert worden sei. Nichts sei geschehen. Und auch die jüngsten Reaktionen der Stadt auf die Medienberichte wurden als dürftig bewertet.

Das allerdings könnte sich ändern, denn Petershagen denkt darüber nach, die Informationen der Öffentlichkeit in Bezug auf die Ahnenstätte zu überarbeiten. Und Julian Feldmann will noch in diesem Jahr ein Buch über seine Recherchen zum völkischen Friedhofswesen in Seelenfeld veröffentlichen.

Bildunterschrift: Die Totenkammer liegt gleich am nordwestlichen Eingang der Ahnenstätte in Seelenfeld.

Bildunterschrift: Der Journalist Julian Feldmann beobachtet die Ahnenstätte. Hier bekam sie am 6. Juni 2010 Besuch aus völkischen Kreisen, darunter Dennis Giemsch von den Autonomen Nationalisten in Dortmund.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 29.09.2017:

Ahnenstätte in der Kritik

170 Besucher kamen zum Vortrag von Julian Feldmann

Von Stefan Koch

Petershagen (mt). Die Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld sei nicht nur ein Ort außerchristlicher Religiosität, sondern vor allem von politischer Bedeutung. Diese Feststellung traf der Journalist Julian Feldmann aus Kiel bei seinem Vortrag im Alten Amtsgericht Petershagen am Mittwochabend.

Seit mehreren Jahren verfolgt der Beobachter der rechten Szene das Geschehen in dem beschaulichen Ort. Dabei stellte der Soziologe fest, dass die Ahnenstätte Teil eines heute noch aktiven Verbundes rechts-esoterischer Kreise ist. Unter anderem hatte er den vom Verfassungsschutz beobachteten Rechtsextremisten Wolfram Schiedewitz in Seelenfeld angetroffen.

Rund 170 Zuhörer waren gekommen, um den Vortrag mit dem Titel "Die Ahnenstätte Petershagen-Seelenfeld und der rechtsextreme Bund für Gotterkenntnis" zu hören. Eingeladen hatte der Mindener Geschichtsverein in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen, dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim und dem Verein "Minden - Für Demokratie und Vielfalt".

In seinem Vortag widmete sich Feldmann der Entstehungsgeschichte der Ahnenstätte, die bis in die Zeit der Weimarer Republik zurückgeht sowie der Entwicklung der so genannten Ludendorff-Bewegung mit ihren Nachfolgeorganisationen bis in die heutige Zeit.

In der Diskussion kamen auch Einwohner von Seelenfeld zu Wort, die durch verwandtschaftliche Beziehungen mit dem Friedhof in Privatträgerschaft verbunden sind. Dabei machten die Betroffenen deutlich, dass ihnen rechtsextremes Gedankengut weder in der Vergangenheit aufgefallen sei, noch dass sie derartigen Tendenzen nahestünden. Offen blieb, wie die Stadt Petershagen weiter mit der Ahnenstätte umgehen soll, die bislang als Teil des touristischen Angebotes beworben wurde. Einige Redner machten deutlich, dass der unkritische Umgang mit der aus einer bronzezeitlichen Begräbnisstätte hervorgegangen Anlage ein Ende habe müsse.

Ausführlicher Bericht folgt.

Bildunterschrift: Der Journalist Julian Feldmann.

_______________________________________________


- Mittwoch, 27. September 2017 um 19.00 Uhr -


Vortrag von Julian Feldmann, Kiel: Die "Ahnenstätte" Petershagen-Seelenfeld und der rechtsextreme "Bund für Gotterkenntnis"

- Ein politischer Ort unserer Region seit 1929 und seine heutige Bedeutung


Veranstaltungsort:

Altes Amtsgericht
Mindener Straße 16
32469 Petershagen


Die Gründung der "Ahnenstätte" Petershagen-Seelenfeld reicht in die Weimarer Republik zurück. Ihre Wurzeln hat sie bis heute in der Bewegung der so genannten "Ludendorffer".

Angesichts dieses völkischen Hintergrunds und aktueller Berichterstattung in den Medien bedarf es einer erneuten historischen wie politischen Einordnung. Die Veranstalter wollen deshalb einen Anstoß zur historischen Aufklärung leisten und laden dazu die interessierte Öffentlichkeit zu einem Vortrag mit anschließendem Gespräch mit dem Journalisten Julian Feldmann ein. Feldmann berichtete bereits vielfach über dieses Thema in verschiedenen Medien und bereitet zur Zeit eine eigene Publikation dazu vor. Er wird aus seiner journalistischen und publizistischen Recherche und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema berichten.

Vor knapp 90 Jahren wurde die "Ahnenstätte" Seelenfeld gegründet, die sich an vorgeblich germanischen Begräbnisstätten orientierte. Sie wurde zur Gründungszeit durch den explizit völkisch-antisemitischen Geist ihrer Gründer getragen. Heute wird sie durch einen Verein betrieben; das Gräberfeld ist vergrößert worden. Wie die "Ahnenstätte" in Seelenfeld entstand und was sich heute dahinter verbirgt, soll in der Veranstaltung geklärt werden.


Der Journalist Julian Feldmann arbeitet für öffentlich-rechtliche Fernsehsender vor allem zum Themenbereich Rechtsextremismus. Er ist Autor der Jüdischen Allgemeinen und für "bnr", den "Blick nach Rechts". Mit den Ludendorffern - auch in Ostwestfalen-Lippe - befasst er sich seit sieben Jahren.


Veranstalterinnen: Mindener Geschichtsverein in Kooperation mit der AG Alte Synagoge Petershagen, dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim und dem Verein "Minden - Für Demokratie und Vielfalt e.V.".

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 27.09.2017:

Historische Einordnung

Vortrag über die Ahnenstätte in Seelenfeld

Petershagen-Seelenfeld (mt/hy). Der Mindener Geschichtsverein lädt in Kooperation mit der AG Alte Synagoge Petershagen, dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim und dem Verein "Minden - Für Demokratie und Vielfalt" heute, 27. September, zu einem Vortrag mit anschließendem Gespräch ein.

Der Journalist Julian Feldmann aus Kiel referiert über das Thema "Die "Ahnenstätte" Petershagen-Seelenfeld und der rechtsextreme "Bund für Gotterkenntnis". Ein politischer Ort unserer Region seit 1929 und seine heutige Bedeutung." Beginn ist um 19 Uhr im Alten Amtsgericht Petershagen. Der Eintritt ist frei.

Die Gründung der "Ahnenstätte" reicht in die Weimarer Republik zurück. Ihre Wurzeln hat sie bis heute in der Bewegung der so genannten "Ludendorffer". Angesichts dieses völkischen Hintergrunds und aktueller Berichterstattung in den Medien bedarf es einer erneuten historischen wie politischen Einordnung.

Die Veranstalter wollen deshalb einen Anstoß zur historischen Aufklärung leisten. Julian Feldmann berichtete bereits vielfach über dieses Thema und bereitet zur Zeit eine eigene Publikation dazu vor. Er wird aus seiner journalistischen und publizistischen Recherche und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema berichten. Feldmann arbeitet für öffentlich-rechtliche Fernsehsender vor allem zu Rechtsextremismus.

Bildunterschrift: Die Ahnenstätte in Seelenfeld.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 07.09.2017:

"Ahnenstätte" neu einordnen

In einem Vortrag im Alten Amtsgericht wird der Kieler Journalist Julian Feldmann über "einen politischen Ort unserer Region" und dessen heutige Bedeutung referieren

Von Oliver Plöger

Petershagen-Seelenfeld (mt). Für eine historische und politische Einordnung der "Ahnenstätte Seelenfeld" plädiert der Mindener Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen, dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim und dem Verein "Minden - Für Demokratie und Vielfalt". Dazu Sven Panthöfer vom Mindener Geschichtsverein: "Vor knapp 90 Jahren wurde die "Ahnenstätte" Seelenfeld gegründet, die sich an vorgeblich germanischen Begräbnisstätten orientierte. Sie wurde zur Gründungszeit durch den explizit völkisch-antisemitischen Geist ihrer Gründer getragen. Heute wird sie durch einen Verein betrieben; das Gräberfeld ist vergrößert worden." Wie diese "Ahnenstätte" in Seelenfeld entstand und was sich heute dahinter verbirgt, soll in einer Veranstaltung geklärt werden, die am Mittwoch, 27. September, ab 19 Uhr im Alten Amtsgericht Petershagen stattfindet. Eingeladen wurde dazu der Journalist Julian Feldmann, der unter anderem für "Spiegel Online" über die Verfahren gegen die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel berichtet hat. Über den Petershäger Friedhof plant Feldmann aktuell eine eigene Publikation.

Zuletzt war das mediale Interesse an dem Gräberfeld in Seelenfeld wieder größer geworden, nachdem ein Treffen stattgefunden hatte, bei dem auch bekannte Rechtsextremisten anwesend gewesen sein sollen. Auch der Westdeutsche Rundfunk hatte über die Zusammenkunft berichtet. Die Stadt Petershagen hatte in der Folge dem Eindruck widersprochen, dass die Grabanlage eine Begräbnisstätte für Völkische sei und dass sich Petershagen zum Treffpunkt der rechten Szene entwickelt habe. Auch Friedrich Dralle, Ortsheimatpfleger in Seelenfeld, habe keine rechtsextreme Propaganda feststellen können, die Gäste hätten die Ahnenstätte seinen Beobachtungen zufolge instandgesetzt.

Anders der Kieler Journalist Julian Feldmann, der den Vortrag am 27. September halten wird. Sein Thema: "Die "Ahnenstätte" Petershagen-Seelenfeld und der rechtsextreme "Bund für Gotterkenntnis". Ein politischer Ort unserer Region seit 1929 und seine heutige Bedeutung."

An besagtem Wochenende hätten sich 80 Personen zu einer internen Veranstaltung der Ahnenstätte getroffen. Vorab habe es einen Vortrag über die Archäologie des Bestattungswesens von der Steinzeit bis zur Neuzeit gegeben. Nach Feldmanns Worten soll auch Wolfgang Schiedewitz aus Seevetal vor Ort gewesen sein, der im thüringischen Guthmannshausen den Verein "Gedächtnisstätte" betreibt.

Zu den Gründerinnen dieses Vereins gehörte die mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilte Vlothoerin Ursula Haverbeck-Wetzel, die in ihrer Heimatstadt auch das 2008 verbotene rechtsextreme Schulungszentrum "Collegium Humanum" betrieben hatte. In Vlotho saß zunächst auch der Verein "Gedächtnisstätte", bevor er 2011 nach Thüringen umzog.

Ein Hügelgräberfeld von überregionaler Bedeutung

Auf diese Zusammenhänge weist vor Ort das Schild "Dorfspaziergang Seelenfeld" nicht hin. Aber darauf, dass die Anlage auf einem kulturhistorisch bedeutsamen Gelände errichtet wurde: "Als im Kriegsjahr 1915 zur ackerbaulichen Umnutzung die geometrischen Parzellierungen erfolgten, entdeckte man auf diesem west-östlichen Höhenzug das Bronzezeitliche Hügelgräberfeld von überregionaler Bedeutung." So hätten unsere Vorfahren schon von dreieinhalb Jahrtausenden am "Sole Velde", also in Seelenfeld gelebt. Der Begräbnisplatz sei 1929/30 vom Landschaftsgärtner Rudolf Bergfeld gestaltet worden, Schirmherr war Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff.

Bildunterschrift: Die Anlage in Seelenfeld ist in den vergangenen Monaten verstärkt in den Blick der Medien geraten. Julian Feldmann will in Petershagen über die Hintergründe aufklären.

_______________________________________________


Mindener Tageblatt, 08./09.07.2017:

Friedhofsruhe gestört

Eine Veranstaltung auf der Ahnenstätte Seelenfeld mit Besuch aus der rechten Szene wirft Fragen auf / Nun will die Stadt Petershagen für mehr Transparenz und Information sorgen

Von Stefan Koch

Petershagen-Seelenfeld (mt). Um die Ruhestätte für Anhänger völkisch-esoterischen Gedankenguts in Seelenfeld ist es vor einigen Tagen lauter geworden. Als sich vor drei Wochen dort ein größerer Kreis zusammenfand, wurden auch bekannte Rechtsextremisten gesichtet. Nachdem der Hamburger Journalist Julian Feldmann über das Treffen auf der Internetplattform "Blick nach Rechts" berichtete, kam der WDR zu einem Drehtermin bei der Stadt Petershagen vorbei. Denn die Stadt hat die Ahnenstätte Seelenfeld in ihr touristisches Angebot eingebaut und informiert darüber in einer Broschüre. Die muss nun überarbeitet werden.

1929 wurde die Ahnenstätte unter Schirmherrschaft des Weltkriegsgenerals Erich Ludendorff von Anhängern des Tannenbergbundes in Seelenfeld begründet. Ludendorff und vor allem dessen Frau Mathilde gelten als Stifter der völkischen Religion, die auch heute noch als "Bund für Gotterkenntnis" firmiert.

Wie Feldmann berichtete, waren am 12. Juni mehr als 80 Personen nach Seelenfeld gekommen. Nicht nur aus Ostwestfalen-Lippe, dem angrenzenden Niedersachsen, sondern auch aus Düsseldorf, Münster, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Northeim, der Lüneburger Heide und Schleswig-Holstein seien die Besucher angereist - darunter auch Wolfram Schiedewitz aus dem Kreis Harburg. Er werde vom Verfassungsschutz als einer der Funktionäre der rechten Szene beobachtet. "Nicht alle Teilnehmer und Angehörige der Ahnenstätte Seelenfeld stammen aus dem völkischen Milieu, doch viele kommen aus Familien, die tief verstrickt sind in die rechte Szene", so der Journalist.

Friedrich Dralle, Ortsheimatpfleger in Seelenfeld, sieht den jüngsten Friedhofsbesuch gelassen. Nach seinen Beobachtungen hätten die Gäste die Ahnenstätte instandgesetzt. Von rechtsextremer Propaganda sei nichts festzustellen gewesen. "Bis heute besteht ein harmonisches Verhältnis zwischen der Dorfgemeinschaft und dem Friedhofsverein", meint Dralle, der selbst in seiner Eigenschaft als Fremdenführer Touristen mit vorbereitetem Text zur Ahnenstätte begleitet. "Es handelt sich schließlich um eine einzigartige Begräbnisanlage."

Findlinge statt Grabkreuz, Runen und Deutschvolk-Adler der Ludendorffer im Ambiente der Heidelandschaft machen den Charakter der Ahnenstätte aus. Um sie kümmert sich Udo David mit einem Betreiberverein. Der ehemalige Realschullehrer ist nicht nur im gesellschaftlichen Leben Petershagens vernetzt, sondern soll laut der Recherchen Feldmanns auch an Veranstaltungen des Bundes für Gotterkenntnis teilgenommen haben und dem Verein Ludendorff-Gedenkstätte angehören, der den ehemaligen Sitz des Ludendorff-Ehepaares als religiöses Zentrum betreibt. David selbst war auf MT-Anfrage nicht zu erreichen.

Die Stadt Petershagen sieht keine Verbindung zur rechten Szene

"Auf Grund der jüngsten Beiträge im Internet sowie der erfolgten Berichterstattung im WDR und NDR ist das mediale Interesse an der Anlage gestiegen", teilt Evelyn Hotze, Leiterin der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus bei der Stadt Petershagen mit. Die Stadt widerspreche dabei ausdrücklich dem Eindruck, dass die Grabanlage eine Begräbnisstätte für Völkische sei und dass sich Petershagen zum Treffpunkt der rechten Szene entwickelt habe. "Ganz im Gegenteil: Seitens der Stadt Petershagen werden beispielsweise seit Jahren gemeinsam mit Schulklassen Gedenkfeierlichkeiten für das Arbeitserziehungslager Lahde abgehalten, um die Erinnerung wachzuhalten. Gleiches gilt für die Arbeiten des Vereins der Alten Synagoge Petershagen. In diesem Zusammenhang seien auch die Stolpersteine in Petershagen erwähnt, die ebenfalls gegen das Vergessen wirken sollen", teilt Hotze in einer Pressemitteilung mit.

Laut Hotze wurde allerdings nach einem Gespräch der Stadt mit dem Ahnenstättenverein und der Ortschaft Seelenfeld deutlich, dass der Verein Ahnenstätte Seelenfeld seine Öffentlichkeitsarbeit intensivieren müsse, um Transparenz zu schaffen und sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren. In diesem Zuge werde auch die städtische Publikation überarbeitet und mit weitergehenden Informationen versehen, die eine umfassendere geschichtliche Einordnung ermöglichten. Zudem sei eine neue Publikation speziell für die Ahnenstätte Seelenfeld angedacht, was wegen der Komplexität der Thematik nicht kurzfristig geschehen könne. "Im Ergebnis soll eine informative, reflektierte Schrift vorliegen."

Bildunterschrift: Als eine einzigartige Begräbnisstätte bewerten der Ortsheimatpfleger und die Stadt Petershagen die Ahnenstätte Seelenfeld. Im touristischen Angebot hat die von einem privaten Verein betriebene Anlage einen festen Stellenwert.

Bildunterschrift: Der Deutschvolk-Adler der Ludendorffer ist auf dem Friedhof als Emblem verbreitet.

_______________________________________________


WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 05.07.2017:

Rechte Szene trifft sich regelmäßig in Petershagen

05.07.2017 - 10.44 Uhr

Privatfriedhof Treffpunkt der rechten Szene

Stadt äußert Überraschung

Geschichte des Friedhofs soll aufgearbeitet werden

Im Petershagener Ortsteil Seelenfeld gibt es seit der Zeit der Weimarer Republik einen Privatfriedhof, auf dem auch Anhänger einer antisemitisch-rassistischen Bewegung begraben werden. Die so genannte "Ahnenstätte Seelenfeld" wurde von Menschen geschaffen, die sich den völkischen Theorien des Ehepaares Mathilde und Erich Ludendorff verbunden fühlen.

Ein Verein kümmert sich heute um den runenübersäten Friedhof. Einige der Vereinsmitglieder haben nach WDR-Recherchen enge Verbindungen in die völkische Szene.

Stadt zeigt sich überrascht

Obwohl die rechten Hintergründe anderer "Ahnenstätten" bereits lange bekannt sind, zeigte sich die Stadt Petershagen überrascht über die Vorwürfe gegen den Verein. Der Bürgermeister sagte, er wolle jetzt die Geschichte der Ahnenstätte aufarbeiten lassen.

Sendehinweis: Lokalzeit OWL - Heute, 19.30 bis 20.00 Uhr.

_______________________________________________


Blick nach Rechts, 16.06.2017:

Begräbnisstätte für Völkische

Von Julian Feldmann

Auf einer "Ahnenstätte" im ostwestfälischen Seelenfeld (Kreis Minden-Lübbecke) werden seit der Weimarer Zeit vor allem völkische Ludendorff-Anhänger beigesetzt - zu einem "Ahnenstätten"-Treffen kamen auch bekannte Rechtsextremisten.

Hier auf dem neuheidnischen Friedhof im Tannenberger Grund, in idyllischer Heidelandschaft außerhalb des Ortes, wollte einst schon Erich Ludendorff begraben werden. Das war dem Erste-Weltkriegs-General nicht vergönnt, nach seinem Tod 1937 bekam er ein von Adolf Hitler angeordnetes Staatsbegräbnis im oberbayerischen Tutzing. Bereits 1930 war die "Ahnenstätte Seelenfeld" von Anhängern des völkisch-antisemitischen Tannenbergbundes (Schirmherr: Ludendorff) auf einem germanischen Hügelgräberfeld ins Leben gerufen worden. Erich Ludendorff und seine Frau Mathilde hatten Seelenfeld während der Weimarer Republik auch selbst besucht. In dem Ort war ein großer Teil der Bevölkerung aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Eine Tannenbergbund-Publikation schwärmte 1932: "Dieses herrliche Fleckchen deutscher Erde hat die Deutschvolkgemeinde Seelenfeld als Begräbnisstätte für ihre Toten bestimmt."

Auf der "Ahnenstätte" selbst dominiert völkische Symbolik. Keine christlichen Zeichen, keine Kreuze. Der "Deutschvolk-Adler", bis heute Zeichen der "Ludendorffer", ist nicht nur auf Grabsteinen zu sehen, sondern auch in Sandstein gemeißelt über dem Eingang zum Geräteschuppen. Der Verein "Deutschvolk" war der Vorläufer des "Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff)", der bis heute die völkische Ideologie Mathilde Ludendorffs verbreitet. Auf vielen Grabsteinen sind die Geburts- und Sterbedaten mit Runen gekennzeichnet. Einige "Ludendorffer" haben bereits ihren Grabstein, obgleich sie noch unter den Lebenden weilen. Der Friedhof, auf dem zahlreiche große Findlinge liegen, wird seit 2008 erweitert - offenbar gibt es eine große Nachfrage.

Deutsche Schäferhunde vor dem Tor

Vor dem Eingangstor zur "Ahnenstätte" wachen am vergangenen Sonntag zwei Deutsche Schäferhunde. Mehr als 80 Personen besichtigen die Begräbnisstätte an diesem Tag, sie kamen zu einer internen Veranstaltung der "Ahnenstätte". Die Hunde gehören zu einem umtriebigen Rechtsextremisten aus Niedersachsen: Wolfram Schiedewitz aus Seevetal (Kreis Harburg) wird vom Verfassungsschutz als einer der Funktionäre der Szene beobachtet, denn er führt den rechtsextremen "Verein Gedächtnisstätte" an, der im thüringischen Guthmannshausen (Kreis Sömmerda) ein Zentrum für Geschichtsrevisionisten betreibt. "Schiedewitz sieht Deutschland im "Krieg", dessen Ziel die "Umzüchtung der Deutschen" und der Zerstörung des "deutschen Nationalismus" sei", schreibt der niedersächsische Verfassungsschutz. "Unter dem Deckmantel des Gedenkens an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs" agitiere der Schiedewitz‘ Vereinigung "gegen den demokratischen Verfassungsstaat".

Im 300-Seelen-Dorf Seelenfeld bei Petershagen, im äußersten Nordosten Nordrhein-Westfalens, versammelten sich am vergangenen Wochenende Völkische aus ganz Nord- und Westdeutschland. Vor allem aus Ostwestfalen-Lippe und den angrenzenden niedersächsischen Landkreisen reisten die Teilnehmer an. Aber auch aus Düsseldorf, Münster, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Northeim, der Lüneburger Heide und Schleswig-Holstein kamen teilweise ganze Familien. Jung bis Alt trafen sich am Vormittag im Seelenfelder Gasthaus Strahs. Dort lauschten sie einem Vortrag über die Archäologie des Bestattungswesens von der Steinzeit bis zur Neuzeit. Dann ging es auf die "Ahnenstätte".

"Ahnenstätten"-Verein eng mit der völkischen Szene verbunden

Als Organisator vor Ort trat Udo David auf, ein ehemaliger Realschullehrer. David ist Mitglied im Verein "Ludendorff-Gedenkstätte", der sich um das ehemalige Landhaus des Ehepaars Ludendorff in Tutzing am Starnberger See in Oberbayern kümmert. Die "Villa Ludendorff" dient den Ludendorff-Anhängern bis heute als eine Art Schrein. Bilder zeigen David auch als Teilnehmer von Veranstaltungen des rechtsextremen "Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff)", er sitzt im Vorstand des Betreibervereins der "Ahnenstätte Seelenfeld". Der "Ahnenstätten"-Verein ist eng mit der völkischen Szene in Ostwestfalen-Lippe verbunden, mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder waren auch in rechten Vereinigungen wie dem "Bund Deutsche Heimat" aktiv.

Nicht alle Teilnehmer und Angehörigen der "Ahnenstätte Seelenfeld" stammen aus dem völkischen Milieu, doch viele kommen aus Familien, die tief verstrickt sind in die rechte Szene. Auch Anhänger des "Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff)" sind dabei. Bei einer ähnlichen Versammlung 2008 trat als Referent Nordfried Preisinger aus Schleswig-Holstein auf. Der "Ludendorffer" setzt sich seit Jahren für die Jugenderziehung im Sinne Mathilde Ludendorffs ein.

Großen Andrang gibt es alle paar Jahre in Seelenfeld, so auch im Sommer 2010. Zu einem Vortrag mit dem Titel "Hermann der Cherusker und Erich Ludendorff - zwei deutsche Feldherren, die Weltgeschichte gestaltet haben" und einem gemeinsamen Mittagessen trafen sich damals mehr als 120 Personen im örtlichen Gasthaus.

"Autonome Nationalisten" in der "Ahnenstätte"

Zu der "geschlossenen Veranstaltung" hatte Helge Ohlsen eingeladen, der als Ansprechpartner der Deutschen Hochschulgilde "Gorch Fock zu Hamburg" fungierte und Leserbriefe in der rechten "Jungen Freiheit" schrieb. Ein Aufsatz von Ohlsen erschien 2009 in der rechtsextremen Zeitschrift "Mensch und Maß". Heute ist Ohlsen Vorsitzender des "Ahnenstätten"-Vereins.

Neben Familienverbänden aus ganz Deutschland fanden 2010 auch Neonazis aus dem Ruhrgebiet den Weg nach Seelenfeld. Eine Gruppe "Autonomer Nationalisten" um Dennis Giemsch, Michael Brück, Christoph Drewer und Alexander Deptolla. Die Aktivisten des als gewaltbereit geltenden "Nationalen Widerstands Dortmund", der inzwischen verboten ist, besuchten auch die "Ahnenstätte" und lauschten dort einem Vortrag von Udo David.

In der Region scheint die "Ahnenstätte Seelenfeld" allerdings kaum auf Kritik zu stoßen. Sowohl die Stadt Petershagen als auch der Landkreis Minden-Lübbecke empfehlen die neuheidnische Begräbnisstätte als Ausflugsziel. Darauf hingewiesen, dass der Friedhof von Angehörigen der völkischen Bewegung angelegt wurde und auch die heutigen Betreiber noch eng mit der rechten Szene verbandelt sind, fehlt. Auch auf den Hinweistafeln am Eingang fehlt eine historische Einordnung.

Bildunterschrift: Auf der "Ahnenstätte Seelenfeld" wollte schon Erich Ludendorff begraben werden.

_______________________________________________


Autorenteam, 04.12.2013:

( ... ) 7. Die Ludendorff-Bewegung - eine antisemitische "Weltanschauungsgemeinschaft"

Seit einigen Jahren führt der antisemitische "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V." (BfG) regelmäßig
Veranstaltungen im Kreis Minden-Lübbecke durch, an der ebenso regelmäßig militante Neonazis
teilnehmen.

Die Ludendorff-Bewegung beruft sich auf die völkischen Lehren des populären Generals im Ersten
Weltkrieg, Erich Ludendorff, und seiner Frau Mathilde. 1923 nahm er am Putschversuch von Adolf Hitler in
München teil. Ludendorff wurde im anschließenden Prozess wegen seiner "Verdienste" im Ersten Weltkrieg freigesprochen. Während der Weimarer Republik war er zeitweise Reichstagsabgeordneter für die
"Nationalsozialistische Freiheitspartei" und Mitbegründer des völkischen Tannenbergbundes ("Tannenberg-Bund. Arbeitsgemeinschaft völkischer Frontkrieger- und Jugendverbände"). Kurz vor seinem Tod 1937 fanden Ludendorff und Hitler erneut zusammen. Die Beisetzung Erich Ludendorffs, der eigentlich in Petershagen-Seelenfeld beerdigt werden wollte, wurde als Staatsakt im bayrischen Tutzing zelebriert. Mathilde Ludendorff formte maßgeblich die verschwörungstheoretische "Philosophie" der "Deutschen Gotterkenntnis". Sie wurde im Nationalsozialismus als religiöses Bekenntnis zugelassen.

Mathilde Ludendorff engagierte sich in der jungen Bundesrepublik in ihrem Bund für Gotterkenntnis und starb 1966.

Vorgänger des Bundes für Gotterkenntnis war der 1930 gegründete Verein "Deutschvolk", dessen Periodika eine Auflagenstärke von über 100.000 Exemplaren hatte. Die Ludendorff-Bewegung wird heute als bedeutende völkische Organisation der Zwischenkriegszeit und geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus gesehen.

Die Ludendorff-Bewegung greift über den in Tutzing ansässigen "Bund für Gotterkenntnis" hinaus. Jugend-, Volkstanzgruppen sowie regionale Zirkel gehören ihr an, Ahnenstätten ("heidnische" Friedhöfe), Ferienheime und weitere Immobilien stehen ihr zur Verfügung. Das Mitteilungsblatt "Mensch und Maß", das vom Verlag Hohe Warte in Pähl (Oberbayern) herausgegeben wird, hat eine Auflage von rund 2.000 Exemplaren. Die Anhängerinnen und Anhänger verteilen sich auf etliche Vereine und Zusammenschlüsse in der Bundesrepublik, welche die Lehren Mathilde Ludendorffs vermitteln.

Ihre Aktivitäten bestehen vor allem in der Organisation von Tagungen zu "philosophischen" und politischen Themen. Volkstanz und ähnliche Aktivitäten ergänzen das völkische Kulturangebot. Im Vereinsgeflecht der Ludendorffer existieren daneben auch größere Vereine, allen voran die bundesweite Jugendorganisation "Arbeitskreis für Lebenskunde e.V." (AfL). Der "Arbeitskreis für Lebenskunde e.V." vermittelt die Ideologie der Bewegung an Kinder und Jugendliche. In Zeltlagern wird neben Wander- oder Kanutouren auch revisionistischer Geschichtsunterricht angeboten. Traditionell eng verbunden sind den Ludendorffern andere stark völkisch ausgerichtete Organisationen wie die inzwischen verbotene "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) beziehungsweise deren Nachfolgestrukturen ("Interessengemeinschaft Fahrt und Lager") und die NPD.

Ideologische Nähe zum Nationalsozialismus

Für die Ludendorffer, wie für alle völkischen Gruppierungen, ist die Vorstellung eines rassisch konstituierten Volkes, das es "rein" zu halten gelte, von zentraler Bedeutung. Die Ludendorffer überbauen diese Ideologie mit dem religiösen Konstrukt der "deutschen Gotterkenntnis". Jedes Volk besitze eine eigene Form von Gotterkenntnis, so die Ludendorffer. Das "deutsche Volk" und die "deutsche Gotterkenntnis" sehen die Ludendorffer durch eine Verschwörung "überstaatlicher Mächte" bedroht. Dazu gehören ihrer Ansicht nach die Katholische Kirche, die Jesuiten, Freimaurer, die kommunistische Internationale und insbesondere "die Juden" als angebliche Urheber aller Verschwörungen. Sie wähnen "die Juden" als Hintermänner der dem "deutschen Volke aufgezwungenen und artfremden" christlichen Religion und des "Bolschewismus". Hier stehen die Ludendorffer in eindeutiger Nähe zu den Nationalsozialisten. Daher verwundert es auch nicht, dass immer wieder im Rahmen ihrer Veranstaltungen einschlägig bekannte Personen der Neonazi-Szene auftreten.

Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld

Das größte Event der Ludendorffer in Nordrhein-Westfalen ist das alle zwei Jahre stattfindende Treffen des "Freundeskreises" der Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld im Kreis Minden-Lübbecke: Mehr als 120 Personen aus der gesamten Bundesrepublik, darunter zahlreiche Familien mit Kindern, lauschten am 6. Juni 2010 einem Vortrag zum Thema "Hermann der Cherusker und Erich Ludendorff - zwei deutsche Feldherren, die Weltgeschichte gestaltet haben". Eingeladen hatte zu dem Vortrag und der anschließenden Begehung der Ahnenstätte der Funktionär der "Deutschen Gildenschaft", Helge O. aus Hamburg. Unter den Angereisten war auch eine Gruppe Neonazis aus dem Ruhrgebiet, angeführt vom Dortmunder Dennis G., der als Vater des Konzeptes der "Autonomen Nationalisten" im Westen der Republik gilt. Gäste, die bereits zuvor anreisten, konnten beim inzwischen verstorbenen Ludendorffer-Freund Heinrich R. im Findlings-Wald campieren. 2008 referierte der "Ludendorffer"-Funktionär Nordfried P. aus Schleswig-Holstein über "Gibt es ein Leben nach dem Tode? Kreationisten, Evolutionsbiologen und Mathilde Ludendorff geben eine Antwort" in Petershagen-Seelenfeld. Der Vorsitzende des während der NS-Zeit gegründeten Vereins, der sich um die Ahnenstätte in Seelenfeld kümmert, stammt aus Bad Salzuflen. Das nächste Treffen des "Freundeskreises" der Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld ist für den Sommer 2014 anberaumt.

Regelmäßige Treffen in Minden

Das Ahnenstätten-Treffen bei Petershagen ist nicht die einzige Veranstaltung in der Region: In unregelmäßigen Abständen treffen sich mehrmals im Jahr Mitglieder und Sympathisanten des "Bund für Gotterkenntnis" in Minden. So kamen am 20. März 2010 etwa 20 Ludendorffer in der Gaststätte "Lindenhof" zusammen, um den Vortrag von Gerhard B. aus Braunschweig über "Englands Kriegserweiterungsstrategie und die Besetzung Norwegens vor 70 Jahren" zu hören. Bereits in den 1900er Jahren führte der "Bund für Gotterkenntnis" Veranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe durch. Damals referierte unter anderem der Vorsitzende Gunther D. aus Dachau in Minden. Gegenwärtig schätzen Beobachtende der Szene, dass im Kreis Minden-Lübbecke etwa 25 Ludendorffer aktiv sind.

_______________________________________________


roter Winkel (VVN-BdA), Juli 1992:

Die Karriere des Germanenfriedhofs

"Ahnenstätte Seelenfeld"

Von Jens Breder

In Seelenfeld steckt Geschichte. 1228 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, sorgte das beschauliche 340-Einwohner-Dorf nordöstlich von Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Schlagzeilen: 1914 wurden dort in einem altgermanischen Hügelgräberfeld Urnen aus der Bronzezeit entdeckt. Allerdings entschwand das Interesse an Seelenfeld ebenso schnell, wie es gekommen war.

Die "Karriere" des Hügelgräberfeldes indes endete nicht. Sie begann. 1930 schufen sich dort die Seelenfelder Anhänger des völkisch-germanisch- und antisemitischen "Tannenbergbundes" des Generals Erich Ludendorff ihren "sichtbaren Sammelpunkt" (so die "Mindener Heimatblätter" 1934). Den Friedhof gibt es heute noch. Auch wenn die naturbelassenen Findlinge mit Moos bewachsen, die Runen und die Grabsteininschriften verwittert sind, ist längst noch kein Gras über den Friedhof gewachsen. Einige Grabstellen sind frisch, immer wieder werden hier Bestattungen zelebriert.

Vieles weist darauf hin, dass Ludendorff-Anhänger für die stetige Belegung des Friedhofes sorgen. Zwar wird die Ahnenstätte inzwischen von einem "Ahnenstättenverein Niedersachsen e.V." verwaltet, der sich "als unpolitische Gemeinschaft von Heiden" sieht - der zuständige Ahnenstätten-Wart jedoch mag "indirekte Verbindungen" zur Nachfolgeorganisation des Tannenbergbundes, dem "Bund für Gotterkenntnis" nicht abstreiten. Des Weiteren tragen die Grabsteine Ortsangaben wie Ostpreußen, Pommern, Braunschweig - ganze "Sippen" aus dem gesamten Bundesgebiet lassen sich hier beerdigen.

Erich Ludendorff persönlich hätte gerne daneben gelegen. Der Hitler-Kumpan beim Putsch in München und Schirmherr des 1925 gegründeten Tannenbergbundes erklärte seinen Seelenfeldern Anhängern, dass er sich auf dem Gelände der Ahnenstätte begraben lassen wollte. Das allerdings war nicht im Sinne Adolf Hitlers: Der gab 1937, nach dem Tod des Generals, Order zum nationalsozialistischen Staatsbegräbnis in dessen Heimatort Tutzing. Dort ist inzwischen die "Weltanschauungsgemeinschaft Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V." (Vorsitzender ist Dr. G. Duda) ansässig - eine rege Organisation (vgl. hierzu: "Ludendorffer tummeln sich in Ostwestfalen" in "roter Winkel" Nr. 17, sowie "Sonnenwendfeier der Ludendorff-Sekte" in dieser Ausgabe, d. Red.). In Seelenfeld selbst sind der Friedhof, die Ludendorff-Anhänger und ihre Geschichte allerdings kaum noch Gesprächspartner. Die Ahnenstätte wird brav geduldet, ist sonntägliches Ausflugsziel.

Das Friedhofsamt der Stadt Petershagen gibt sich tolerant: "Es hat noch nie jemand Anstoß daran genommen. Da geht es sehr unauffällig und in kleinem Rahmen vor sich." Auch dem zuständigen Pfarrer begegnet der betont heidnische Friedhof, dessen Wegzuführung sogar die Kreuzesform vermeidet, in seiner Arbeit "überhaupt nicht mehr". Das ging dem früheren Amtsinhaber Pastor Hof nicht so. Er führte Mitte der 20er Jahre ein "autoritäres Regiment", der Konflikt mit den Dorfbewohnern blieb nicht aus. Als der junge Ludendorff-Anhänger und Dorfschullehrer Peithmann kam, hatte er leichtes Spiel. Die Ideen des Tannenbergbundes (Kampf den überstaatlichen wie Christen-, Juden-, Freimaurertum und Marxismus) faszinierten die Seelenfelder, schon bald war die Einwohnerschaft in zwei Hälften gespalten: Tannenberger und Christen. Die Tannenberger gewannen an Einfluss, setzten die Errichtung der Ahnenstätte auf dem germanischen Hügelgräberfeld durch und konnten 1933 sogar einen Gemeindevorsteher ins Amt wählen. Der allerdings wurde vom damaligen NSDAP-Landrat nicht bestätigt. Kurz darauf wurde der Tannenbergbund verboten. Der Nationalsozialismus fraß einen seiner Wegbereiter.

Doch 1937 kam es zur bereinigenden Aussprache zwischen Mathilde Ludendorff und Adolf Hitler: Der Bund für Deutsche Gotterkenntnis wurde gegründet. Kein Wunder, schließlich waren die ideologischen Ansätze sehr eng verknüpft. So schrieb Mathilde Ludendorff 1937 in einem Aufsatz: "Mann und Frau als Schöpfer und Hüter der Sippe und die tüchtigsten Männer und Frauen als Hüter des Volkes, jeder den Segen seines Geschlechtes dem Volksganzen sichernd, so sieht die deutsche Gotterkenntnis die beiden Geschlechter im Volke und schafft hiermit erst wieder geweihte Sippe und ein deutsches, lebendiges und nicht mehr verjudetes Volk."

Bildunterschrift: Der Grabstein mit Sechskreuz auf dem Germanenfriedhof. Der Name Weecke ist im Lippischen gut bekannt. B. Weecke unterhält in Horn eine einschlägige Buchhandlung.

Bildunterschrift: Auch der Hoheitsadler des Tannenbergbundes findet sich auf dem Ahnenstätten-Friedhof Seelenfeld, eingeschnitzt über dem Zugang zum Geräteraum.

_______________________________________________


Am 15. Oktober 2019 schrieb das "Mindener Tageblatt", im Ausschuss für Kultur und Heimatpflege - Stadt Petershagen, wird der Bericht zur "Ahnenstätte Seelenfeld", Thomas Lange, Dr. Karsten Wilke, vorgestellt.

Am 12. März 2019 legten die Historiker Thomas Lange und Dr. Karsten Wilke im Ausschuss für Kultur und Heimatpflege der Stadt Petershagen, einen ersten Zwischenbericht über die "Ahnenstätte Seelenfeld" vor.

Am 5. Juli 2018 beauftragte der Rat der Stadt Petershagen die beiden Historiker Thomas Lange sowie Dr. Karsten Wilke - mit einer Faktenermittlung zu einer historischen Einordnung der "Ahnenstätte Seelenfeld".

Am 28. Juni 2018 beauftragte die Stadt Petershagen, Haupt- und Finanzausschuss, die Historiker Thomas Lange, Dr. Karsten Wilke mit der Faktenfindung zur historischen Einordnung der "Ahnenstätte Seelenfeld".

Am 28. Juni 2018 beauftragte die Stadt Petershagen (Ausschuss für Kultur und Heimatpflege) Dr. Karsten Wilke, sowie Thomas Lange (Historiker) mit der geschichtlichen Einordnung der "Ahnenstätte Seelenfeld".

Am 27. Juni 2018 sprach Joachim Wolschke Bulmahn in Petershagen zu "Ahnenstätten - Anmerkungen zu einer besonderen Art von Friedhöfen im norddeutschen Raum" (Veranstaltungsreihe zu: "Ahnenstätten").

Am 19. Juni 2018 publizierte der Bürgermeister der Stadt Petershagen die Sitzungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss, Ausschuss für Kultur und Heimatpflege sowie den Rat zur "Ahnenstätte Seelenfeld".

Am 22. März 2018 beschloss der Rat der Weserstadt Petershagen einen Historiker, unter anderem für die "Hintergründe zur geschichtlichen Einordnung" der (völkischen) "Ahnenstätte Seelenfeld", zu beauftragen.

Am 15. März 2018 beschloss der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Petershagen, einen Historiker, für "Hintergründe zur geschichtlichen Einordnung" der (völkischen) "Ahnenstätte Seelenfeld", zu beauftragen.

Am 6. März 2018 beschloss der Ausschuss für Kultur und Heimatpflege Petershagen - einen Historiker, für "Hintergründe zur geschichtlichen Einordnung" der (völkischen) "Ahnenstätte Seelenfeld", zu beauftragen.

Am 6. März 2018 bestritt der Ortsheimatpfleger Seelenfeld bei der - "Ahnenstätte Seelenfeld" - völkisches Agieren, sprach von "unkultivierter Berichterstattung", und: Wolfram Schiedewitz sei "Landschaftsgärtner".

Am 7. Februar 2018 beantwortete das NRW-Ministerium des Innern eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Christina Kampmann (SPD), über die Aktivitäten der völkischen "Ahnenstätte Seelenfeld", in Petershagen.

Am 9. Januar 2018 stellte die Bielefelder Abgeordnete Christina Kampmann (SPD), im Landtag Nordrhein-Westfalen eine Kleine Anfrage zu den Aktivitäten der völkischen "Ahnenstätte Seelenfeld" in Petershagen.

Am 27. September 2017 redete Julian Feldmann (in Petershagen) über die "Ahnenstätte" in Petershagen-Seelenfeld sowie über den völkischen "Bund für Gotterkenntnis" und den Verein "Ahnenstätte Seelenfeld".

Am 11. Juni 2017 fand in der - "Ahnenstätte Seelenfeld" - eine Zusammenkunft des Vereins "Ahnenstätte Seelenfeld" mit mehr als 80 Personen - dabei Wolfram Schiedewitz vom "Verein Gedächtnisstätte" - statt.

Am 6. Juni 2010 fand ein Treffen des "Freundeskreises Ahnenstätte Seelenfeld" mit über 120 Personen - darunter auch Neonazis wie Dennis Giemsch aus Dortmund - in der Gaststätte "Lindenhof" in Minden statt.

Am 20. März 2010 fand in Minden, Gaststätte "Lindenhof", ein Treffen des antisemitischen und völkischen "Bundes für Gotterkenntnis" ("Ludendorffer"), mit einem Vortrag von Gerhard Bracke (Braunschweig) statt.

Am 20. Juni 1992 veranstalteten die antisemitischen "Ludendorffer" ("Bund für Gotterkenntnis") am "Alter Salzweg" ("Jugendheim - Bund Deutscher Heimat") im Versmolder Stadtteil Loxten eine Sonnenwendfeier.

_______________________________________________


www.synagoge-petershagen.de

www.facebook.com/synagoge.petershagen

www.mobile-beratung-owl.de


zurück