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Lippische Landes-Zeitung , 29.11.2018 :

"Populisten verdrehen die Tatsachen"

Haus Münsterberg: Michael Rubinstein referiert über jüdisches Leben in Deutschland / Er ist überzeugt, dass Antisemitismus ein Phänomen der deutschen Mehrheitsgesellschaft ist

Kreis Lippe / Detmold. Jüdisches Leben ist in Deutschland wieder "vielfältig und vital" - das sagt Michael Rubinstein, Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden. Landeskirche, Evangelische Studierendengemeinde und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hatten ihn ins Haus Münsterberg eingeladen.

Unter der Überschrift "Wie und warum jüdisches Leben wieder deutsch sein kann" schilderte Rubinstein Chancen, Schwierigkeiten und Perspektiven, berichtet die Lippische Landeskirche. Durch Zuwanderung jüdischer Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion habe sich seit Ende der 80er-Jahre ein lebendiges Gemeindeleben entwickelt. Die Zahl jüdischer Gemeindeglieder sei von 30.000 (1990) auf rund 100.000 angewachsen. In Herford / Lippe stieg die Mitgliederzahl von 23 auf 83, in Bielefeld von 23 auf 303 und in Paderborn von 35 auf 54. In NRW gebe es 22 Gemeinden mit 27.000 Mitgliedern.

Viele Kindertagesstätten und Grundschulen hätten ihren Betrieb aufgenommen, und das Albert-Einstein-Gymnasium in Düsseldorf sei die erste weiterführende jüdische Schule in NRW. Eine aktive Jugendarbeit sichere die Zukunft der Gemeinden. Aber: Diskriminierung fange im Kleinen an. "Juden sind nicht Mitbürger, sondern Vollbürger. Wir sind Menschen und Bürger dieses Landes und möchten auf Augenhöhe als integrierter Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden." Jüdisches Leben in Deutschland sei immer noch nicht selbstverständlich. Gemeindezentren müssten immer schärfer bewacht werden. Das Tragen einer Kippa in der Öffentlichkeit sei zur Mutprobe geworden und der Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen. "Populisten verdrehen historische Tatsachen, wenn sie Antisemitismus allein unter Muslimen und Flüchtlingen verorten. Antisemitismus gab es schon immer, und 20 Prozent der Deutschen haben antisemitische Vorurteile. Den Antisemitismus haben nicht Flüchtlinge mitgebracht, er ist ein Phänomen der deutschen Mehrheitsgesellschaft."

Rubinstein rief zum Trialog auf: "Wir benötigen einen konstituierten Trialog zwischen Juden, Christen und Muslime. Wir dürfen uns nicht von Populisten zum offenen Hass gegenüber Minderheiten funktionalisieren lassen."

Bildunterschrift: Zu Gast in Detmold: Michael Rubinstein. Bettina Hanke-Postma (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit) begrüßt ihn.

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- Montag, 29. Oktober 2018 um 19.30 Uhr -


Vortrag von Michael Rubinstein: Ohne mit und aber! Wie und warum jüdisches Leben wieder deutsch sein kann


Veranstaltungsort:

Haus Münsterberg
Hornsche Straße 38
32756 Detmold

www.gfcjz-lippe.de


Moderation: Bettina Hanke-Postma


Michael Rubinstein ist Deutscher. Bekennender deutscher Jude - oder jüdischer Deutscher, je nach Betrachtungsweise. Jüdisch und Deutsch klingt auch im Jahr 2018 noch fremd für viele Ohren, oder zumindest ist die Reaktion darauf eher distanziert als selbstverständlich. In seinem von persönlichen Eindrücken und Erfahrungen geprägten Vortrag gewährt Michael Rubinstein hintergründige Einblicke in das heutige jüdische (Gemeinde-)Leben und berichtet offen seine Sicht der Dinge.

Geboren 1972 in Düsseldorf wurde Rubinstein Diplom-Medienwirt und übernahm 2004 die Geschäftsführung der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim / Ruhr-Oberhausen, der viertgrößten Jüdischen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. 2010 wurden die Verantwortlichen der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim / Ruhr-Oberhausen, darunter auch Michael Rubinstein, mit dem Preis für Toleranz und Zivilcourage Duisburg ausgezeichnet. 2012 rückte er durch seine Kandidatur als unabhängiger Oberbürgermeister für die Stadt Duisburg in einen breiteren Fokus der Öffentlichkeit und beendete die Wahl auf dem dritten Platz. Gemeinsam mit der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor veröffentlichte er 2013 das Buch "So fremd und doch so nah - Juden und Muslime in Deutschland". Seit Mitte 2015 ist er als Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein mit Sitz in Düsseldorf tätig.


Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V. in Kooperation mit der Lippischen Landeskirche und der Evangelischen Studierendengemeinde Detmold / Lemgo im Rahmen der Reihe "Religionen im Gespräch".


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