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1 Veranstaltung - Nachrichten , 12.01.2018 :

Tages-Chronologie von Freitag, 12. Januar 2018

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Veranstaltungskalender:



- Freitag, 12. Januar 2018 von 08.00 bis 13.00 Uhr -


Ausstellung: Der alte jüdische Friedhof in Detmold - Grabsteine, die Geschichten erzählen

- Fotos von Ulrich Heinemann, Detmold


Veranstaltungsort:

Rathaus am Markt
Foyer / Großer Sitzungssaal
Marktplatz 5
32756 Detmold


Ausstellungsdauer: Vom 11. Januar bis zum 16. Februar 2018; montags bis donnerstags von 08.00 bis 17.00 Uhr und freitags von 08.00 bis 13.00 Uhr.


Der alte jüdische Friedhof an der heutigen Richthofenstraße / Spitzenkamptwete wurde erstmals 1724 erwähnt und bis 1880 belegt. Eine Tafel an der hohen Stützmauer erinnert an diesen historischen Ort in Detmold. 1939 musste das Gelände an die Stadt veräußert werden. Anfang der 1950er Jahre wurden die 99 erhaltenen Grabsteine und die nicht verwesten Gebeine begleitet von einem Rabbiner auf den 1883 neu angelegten Friedhof an der oberen Spitzenkamptwete umgebettet. Das Gelände wurde 1954 eingeebnet.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. hat im Rahmen eines Dokumentationsprojektes von dem bekannten Detmolder Fotografen Ulrich Heinemann die 99 Grabsteine mit Zustimmung der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold ablichten lassen.

Die schwierigen hebräischen Texte wurden im Auftrag der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. von Nathanja Hüttenmeister, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Salomon Ludwig Steinheim-Institutes für deutsch-jüdische Geschichte e.V. in Essen, fachkundig übersetzt und teilweise erläutert. Jeder Stein erzählt seine individuelle Geschichte. Die Übersetzungen hat die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. auf ihrer Internetseite - www.gfcjz-lippe.de - veröffentlicht. Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Fotografien.


Ausstellung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. in Kooperation mit der Stadt Detmold.

www.gfcjz-lippe.de

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Freitag, 12. Januar 2018


Am 9. Januar 2018 starb mit 93 Jahren der in Werther geborene Werther jüdische Holocaust-Überlebende Kurt-Wilhelm Weinberg, der 1939 Deutschland mit einem Kindertransport nach England verließ, in London.

Am 14. Januar 2018 gibt es eine Führung durch das - Museum Wäschefabrik - in Bielefeld mit Vorführung der Filmpräsentation zur tragischen Geschichte des jüdischen Unternehmers Hugo Juhl und seiner Familie.

Am 19. Januar 2018 kommentiert Dr. Diethard Sawicki in der Volkshochschule Gütersloh, die Inhalte eines viel beachteten geisteswissenschaftlichen Gemeinschaftsprojekts, der Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte.

Im Jahr 2018 erhält der: Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) - insgesamt 245.000 Euro, 200.000 Euro davon sind Landesmittel - der Restbetrag kommt von Kreis, Stadt und privaten Geldgebern.

Am 2. Januar 2018 sagte der parlamentarische Staatssekretär im NRW-Kulturministerium, NRW sei bereit, zu der Weiterentwicklung der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) finanzielle Unterstützung zu geben.

Im Jahr 2018 zahlt der Kreis Gütersloh dem Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K), neben dem jährlichen Zuschuss in Höhe von 12.500 Euro, überdies noch 9.000 Euro für die Nachkriegsforschung.

Am 11. Dezember 2017 forderte der Regionalrat Detmold, "die Bestrebungen ... die Gedenkstätte "Stalag 326 (VI K) Senne" ... und den Ehrenfriedhof als national bedeutsame Gedenkstätte weiter zu entwickeln".

Am 7. Dezember 2017 berichtete der "Landschaftsverband Westfalen-Lippe" (LWL) über Ausgrabungen in dem Stammlager VI K (326), im Bereich - wo ab 1941 110 französische Kriegsgefangene interniert waren.

Am 6. November 2017 haben Parteien sowie Einrichtungen in OWL beschlossen, bei der Weiterentwicklung der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne zur nationalen Gedenkstätte, gemeinsam zu arbeiten.

Von 1914 bis 1918 gehörte die Senne mit 73.351 Kriegs- (auch russische) und 2.462 Zivilgefangenen, zu den drei größten Lagerkomplexen im Deutschen Reich, "Vorgängerlager" des "Stalags 326 (VI K) Senne".

Nach der am 5. Oktober 2017 veröffentlichten "Jahresbilanz Politisch motivierte Kriminalität 2016", werden in OWL - "circa 400 Personen" der Szene von "Reichsbürgern und Selbstverwaltern" polizeilich zugeordnet.

Am 14. Juni 2017 durchsuchten viele Polizeikräfte ("SEK" und Polizeihundeführer sowie die Polizei Minden-Lübbecke) das Haus vom 67-jährigen "Reichsbürger" Karl Dettmer, Stemwede nach Lang- und Kurzwaffen.

Am 13. Februar 2017 ist der "Reichsbürger" Karl Dettmer aus Stemwede mit einem Berufungsantrag beim OVG Münster gegen einen Beschluss vom Verwaltungsgericht Minden vom 29. November 2016 gescheitert.

Am 29. November 2016 bestätigte das Verwaltungsgericht Minden einen Widerruf von Waffenbesitzkarten, gegen den "Reichsbürger" Karl Dettmer (aus Stemwede), durch die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke.

Am 30. September 2015 wurde der Komplex in Löhne, in dem die selbsternannte "Botschaft Germanitien" der extrem rechten "Justiz-Opfer-Hilfe NRW" agierte - im Amtsgericht Bad Oeynhausen zwangsversteigert.

Mitte Juli 2012 eröffnete die, vom Verfassungsschutz NRW - sowie dem Polizeilichen Staatsschutz für OWL überwachte "Justiz-Opfer-Hilfe NRW" die "Botschaft Germanitien", in der Lübbecker Straße 35 - 39, Löhne.

Am 11. Januar 2018 wurde ein 55-Jähriger aus Vlotho wegen Volksverhetzung - Facebook-Eintrag vom 22. März 2016 - zu einer Geldstrafe (von insgesamt 4.800 Euro), vom Amtsgericht Bad Oeynhausen verurteilt.

Am 11. Mai 2017 begann beim Amtsgericht Bad Oeynhausen ein Verfahren, gegen einen (54 Jahre alten) Mann aus Vlotho wegen des volksverhetzenden Eintrags auf einer offen einzusehenden "Facebook"-Seite.

Am 22. März 2016 schrieb Andreas Milewski aus Vlotho auf einer öffentlichen Facebook-Seite des "Stern", die Sätze: "Muslime sind für mich keine Menschen. Jeder Hund und jede Katze sind mehr wert für mich.".

Am 12. Januar 2018 fand die Monatsversammlung des Arbeitskreises gegen Nazis Horn-Bad Meinberg mit den thematischen Schwerpunkten Vereinsgründung, Satzungsentwurf, sowie die Jahresplanung 2018 statt.

Am 12. Januar wählte der (völkisch-nationalistische) "Kreisverband Paderborn" der Partei "AfD", bei einem Kreisparteitag einen Vorstand und Delegierte, neuer Sprecher ist Karl-Heinz Tegethoff aus Borchen-Etteln.


www.heimatverein-werther.de/stadtgeschichte/juedisches-leben-in-werther/

www.museum-waeschefabrik.de

www.stalag326.de

www.blumen-fuer-stukenbrock.de

www.mobile-beratung-nrw.de

www.lap-minden.de

www.facebook.com/MindenGegenRechts

www.aul-herford.de/projekte/nrweltoffen/

www.loehnegegenrechts.wordpress.com

www.arbeitskreis-gegen-nazis.de

www.bgr-paderborn.de

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Westfalen-Blatt / Zeitung für Werther, 12.01.2018:
Ohne Zorn die Heimatstadt besucht

Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 12.01.2018:
Jüdische Geschichte der Wäschefabrik

Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 12.01.2018:
Deutsch-Polnische Erinnerungsorte

Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:
Mehr Platz, Geld und Anerkennung

Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:
Heute im Lokalteil / Schub für Gedenkstätte Stalag

Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:
Ein Pfad der Erinnerung für die Gedenkstätte

Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:
Ideen für die Dokumentationsstätte

Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:
Ein Pfad der Erinnerung für die Gedenkstätte

Neue Westfälische, 12.01.2018:
Konzept für Stukenbrocker Gedenkstätte soll 2019 stehen

Radio Westfalica, 12.01.2018:
Zahl der Reichsbürger steigt

Neue Westfälische - Löhner Nachrichten, 12.01.2018:
Trendfairs mietet komplette Ladenzeile

Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 12.01.2018:
Vlothoer hetzt gegen Muslime

Westfalen-Blatt / Vlothoer Zeitung, 12.01.2018:
Muslime mit Tieren verglichen: 4.800 Euro Geldstrafe

Westfalen-Blatt, 12.01.2018:
Geldstrafe nach Hetze im Netz

Lippische Landes-Zeitung, 12.01.2018:
Arbeitskreis gegen Nazis tagt heute

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Werther, 12.01.2018:

Ohne Zorn die Heimatstadt besucht

Zeitzeuge des Nazi-Terrors: Kurt W. Weinberg ist mit 93 Jahren in London gestorben

Werther (WB). Aus London erreicht Werther die traurige Nachricht, dass Kurt W. Weinberg am Dienstag, 9. Januar, im Kreise seiner Familie im Alter von 93 Jahren friedlich eingeschlafen ist.

Er ist vielen Wertheranern von seinen Besuchen in Werther bekannt, den Älteren auch aus der Zeit Anfang der fünfziger Jahre, als er die Zigarrenfabrik seines Vaters im Haus Werther betrieb. Grundschüler erinnern sich an seine fröhlichen und anregenden Besuche in der Grundschule im Jahr 2010 während der Ausstellung zur Reichspogromnacht.

In den vergangenen zehn Jahren hat Weinberg die Aktivitäten des Arbeitskreises "Spuren jüdischen Lebens in Werther" mit seinen Erfahrungen und Erinnerungen bereichert und dabei viele neue Freunde gewonnen. "Alle waren immer wieder davon beeindruckt, dass er ohne Zorn und gänzlich unvoreingenommen mit den heutigen Generationen zusammenarbeiten konnte, auch wenn seine Lebensgeschichte unter der nationalsozialistischen Diktatur ihm zu einer anderen Einstellung Anlass gegeben hätte", schreibt Ute Dausendschön-Gay vom Arbeitskreis.

Kurt Wilhelm Weinberg kam 1924 als zweiter Sohn des Zigarrenfabrikanten Julius Weinberg und dessen Ehefrau Elsa im Haus Werther, dem "Schloß", zur Welt. Sein Bruder Bernd wurde 1922 geboren, 1928 kamen seine Zwillingsschwestern Eva und Resi dazu. Kurt besuchte die Schulen in Werther, bevor er 1936, wie sein Bruder Bernd, nach Frankfurt zur jüdischen Schule gehen musste, da er am Besuch einer öffentlichen Schule durch die Anwendung der Rassengesetze gehindert wurde.

Wie seine Geschwister konnte er im Mai 1939 Deutschland - getrennt von Eltern und Geschwistern - mit einem Kindertransport nach England verlassen. Er erlebte dort große Hilfsbereitschaft und besuchte eine englische Schule, an der er nach dem Krieg seinen Abschluss erwarb. Nach seiner Tätigkeit als Radiotechniker in London lebte er bis 1954 für einige Jahre teilweise wieder in Werther, wo er das väterliche Geschäft betrieb, das vor dem Krieg zwangsverkauft werden musste.

Nach dem Verkauf des väterlichen Geschäftes machte sich Kurt W. Weinberg als Zigarrenhändler in London selbstständig, wo er mit seiner Frau und den vier Töchtern seine Eltern Julius und Elsa Weinberg bis zu ihrem Tode betreute. Kurt und Charlotte Weinberg gründeten 1967 die Stiftung "Nansen Village", die ausländischen Studierenden mit ihren Familien bezahlbaren Wohnraum bot und einen sozialen Rahmen für ihren Aufenthalt schaffte. Die Motivation für ihr Lebenswerk waren die guten Erfahrungen, die Kurt nach seiner erzwungenen Emigration nach England machen konnte.

Zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2014 eröffnete der Arbeitskreis "Spuren jüdischen Lebens in Werther" ihm zu Ehren im Rathaus die Ausstellung "Das Lebenswerk Nansen-Village". Auf den Plakaten mit teils bislang unveröffentlichten Fotos zeichnete diese das Lebenswerk Weinbergs nach. Wegen ihres hohen Alters war es dem Ehepaar nicht mehr möglich, nach Werther zu kommen. Die Präsentation des Arbeitskreises zur Reichspogromnacht in Werther hatte Weinberg 2010 noch persönlich mit eröffnet.

Bildunterschrift: Mit Kurt Weinberg (rechts) begrüßte Bürgermeisterin Marion Weike vor acht Jahren Fred Alexander (links) einen zweiten Zeitzeugen der
Juden-Verfolgung in Werther.

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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 12.01.2018:

Jüdische Geschichte der Wäschefabrik

Bielefeld. Zu einer Führung durch das Museum Wäschefabrik mit Vorführung der Medienpräsentation zur jüdischen Geschichte lädt das Museum am Sonntag, 14. Januar, von 11.30 bis 13 Uhr ein. Die Führung soll Einblicke in das frühere Leben und Arbeiten in der Wäschefabrik Juhl & Helmke geben. Ergänzend wird ein Film über das Schicksal der jüdischen Unternehmerfamilie Juhl gezeigt.

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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 12.01.2018:

Deutsch-Polnische Erinnerungsorte

VHS: In einem Vortrag erläutert Dr. Diethard Sawicki die Inhalte eines viel beachteten geisteswissenschaftlichen Gemeinschaftsprojektes

Gütersloh (nw). Der deutsche Ritterorden und seine Niederlage bei Tannenberg, Preußen und Danzig, Oberschlesier und Kaschuben, Rosa Luxemburg und der Zweite Weltkrieg, der Holocaust und Willy Brandts Kniefall, Fußball und Polski Fiat - all das sind Deutsch-Polnische Erinnerungsorte. Denn keine zwei Nationen Europas haben wohl eine so eng verflochtene Geschichte wie Deutschland und Polen.

Mit diesem Thema befasst sich ein Vortrag bei der VHS am Freitag, 19. Januar, von Dr. Diethard Sawicki. Der Titel lautet "20 Deutsch-Polnische Erinnerungsorte".

Als Nachbarn teilen Deutsche und Polen viele Erinnerungen, die jedoch in beiden Ländern oft unterschiedlich gedeutet und beurteilt werden. Das Interesse, diese nachbarschaftlichen Beziehungsgeschichten zusammen zu bringen, führte zum Forschungsprojekt "Deutsch-Polnische Erinnerungsorte", dem größten geisteswissenschaftlichen Gemeinschaftsprojekt, das es je zwischen den beiden Ländern gegeben hat. Initiiert wurde es vom Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, einer weltweit wohl einzigartigen Einrichtung des wissenschaftlichen und publizistischen Dialogs.

Seit kurzem ist das Projekt abgeschlossen: 130 internationale Autoren geben in 5 umfangreichen Bänden Einblick in die Geschichtswelten beider Länder. Soeben ist zudem für ein breiteres Publikum der Auswahlband "20 Deutsch-Polnische Erinnerungsorte" erschienen.

Dr. Diethard Sawicki ist ein Programmleiter für das Geschichtsprogramm des Verlags Ferdinand Schöningh (Paderborn) und hat die Realisierung der "Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte" langjährig begleitet. Er erklärt, was Historiker meinen, wenn sie von Erinnerungsorten sprechen. Er schildert die Herausforderungen des Vorhabens und zeigt, welche geschichtlichen Erinnerungen Deutsche und Polen teilen - und was dies für das jeweilige Bild vom Nachbarland bedeutet. Welches sind die gemeinsamen und welches die kontroversen Gesichtspunkte zwischen Deutschen und Polen, wenn es um die Vergangenheit geht?

"Die Herausgeber, Robert Traba, langjähriger Leiter der Vertretung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, und der Oldenburger Historiker Hans Henning Hahn, sowie ihre Mitarbeiter haben somit einen fundamentalen Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung geleistet." (Thomas Urban, Süddeutsche Zeitung)

Der Vortrag beginnt um 18 Uhr im Raum 15 im VHS-Haus an der Hohenzollernstraße.

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:

Mehr Platz, Geld und Anerkennung

Steuerungsgruppe schiebt nationale Gedenkstätte Stalag 326 weiter an

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Mehr Platz, mehr Geld, ein nachhaltiges Konzept und wissenschaftliche Unterstützung: Die Zeiten von "Klein-klein" und "Hin und Her", wie Europa-Abgeordneter Elmar Brok es nennt, sind vorbei. Die Dokumentations- und Gedenkstätte Stalag 326 Senne bekommt Unterstützung von allen Seiten und Anerkennung über die Parteigrenzen hinweg.

Landtagspräsident André Kuper hat zur zweiten Sitzung der Lenkungs- und Steuerungsgruppe gestern im Rathaus die Fäden zusammengeführt. An einem Tisch sitzen jetzt neben den Vertretern aller Parteien auch die Landeszentrale für politische Bildung, über die die Förderung durch das Land NRW für 2018 auf 200.000 Euro aufgestockt worden ist und der Historiker Professor Dr. Thomas Welskopp von der Universität Bielefeld, der am 23. und 24. März das Symposium "Wehrmachtslager für sowjetische Kriegsgefangene im Dritten Reich" an der Universität Bielefeld leitet.

Michael Frücht, Direktor des Landesamts für Aus- und Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei in NRW (LAFP), kann sich vorstellen, der Gedenkstätte eine oder mehrere Baracken zu überlassen, die aus der Zeit des Sozialwerks stammen (1946 bis 1971). Die meisten sind für Neubauten der Polizeischule abgerissen worden, einige sind aber noch vorhanden. Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins: "Unsere räumliche Situation ist katastrophal. In einer Baracke, die direkt neben dem Arrestgebäude liegt, könnten wir eine Sonderausstellung zum Sozialwerk zeigen und öffentliche Führungen anbieten. Das wäre optimal." Frücht habe zugesagt, sich zu bemühen, den bisherigen Nutzern (Polizei-Sport-Verein) eine Alternative anzubieten. "Das ist ein deutliches Signal", wertet auch André Kuper. Gebäude und Gelände gehören dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, sind also Landeseigentum.

Der Förderverein nutzt ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude, die Entlausungsstation, für Vorträge. Das Haus ist aber auch für den Ethik-Unterricht der angehenden Polizisten reserviert. Es sei aus Mitteln des Landes für etwa 300.000 Euro renoviert worden und mit einer Ausstellung von der Polizei bestückt.

"Wichtig ist, dass die tausend Zuständigkeiten zusammengeführt werden", sagt Elmar Brok und dankte André Kuper für seine Arbeit. Broks Frau und seine Schwiegermutter haben ein Jahr im Sozialwerk "als DDR-Flüchtlinge" gelebt. Deshalb habe er eine persönliche Bindung. "Das Stalag ist keine lokale Geschichte. Es verdeutlicht große historische Zusammenhänge, die auch hier stattgefunden haben. Zwei menschenverachtende Diktaturen haben den Wahnsinn über unsere Welt gebracht."

"In einer Baracke, die direkt neben dem Arrestgebäude liegt, könnten wir eine Sonderausstellung zum Sozialwerk zeigen und öffentliche Führungen anbieten."
Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins

Vor- und Nachteil ist, dass die Gedenkstätte auf dem Gelände der Polizeischule eingezäunt und nur über die Zugangskontrolle erreichbar ist. Das bietet einerseits Schutz vor Übergriffen, anderseits können Besucher nicht einfach mal so reinschauen. Daran will niemand etwas ändern. Hans Wupper-Tewes sieht das Potenzial der Gedenkstätte nicht in den zufälligen Besuchern, sondern in der Zusammenarbeit mit Schulen, Polizei und Bundeswehr. Die ist im vergangenen Jahr ausgebaut worden, der Förderverein hat mit Schulen, auch dem Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock, eine Bildungspartnerschaft gegründet.

Mit im Boot ist der Westfälische Heimatbund unter dem Vorsitz des Direktors des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster, Matthias Löb. Der unterstützt die Suche nach Zeitzeugen. Löb hat einen Aufruf an alle angeschlossenen Heimatvereine verfasst. Gesucht werden Zeitzeugen, die über den Einsatz von Kriegsgefangenen in der regionalen Landwirtschaft und in Unternehmen berichten können.

Unterstützung erwartet André Kuper auch von Staatsministerin Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In ihr Aufgabengebiet fallen Denkmalschutz und Gedenkstättenförderung. Die Gedenkstätte werde sich auch als Projekt für die "Regionale 2022" anmelden, sagt Kuper.

Gedächtnisweg zwischen Friedhof und Gedenkstätte

Die Lenkungsgruppe zur Weiterentwicklung der Gedenk- und Dokumentationsstätte Stalag 326 VI K Senne begeistert sich für eine Idee, die die Dorfgemeinschaft Stukenbrock-Senne bereits 2009 ins Dorfentwicklungskonzept geschrieben hat.

Da die Entfernung zwischen dem Ehrenfriedhof Sowjetischer Kriegstoter und der Dokumentationsstätte auf dem Gelände der Polizeischule Luftlinie etwa zwei Kilometer beträgt, möchte der Dorfverein einen Gedächtnisweg zwischen Ehrenfriedhof, Kommunalfriedhof, ehemaligem Italiener-Friedhof und Dokumentationsstätte anlegen, um darauf hinzuweisen, dass es mehr gibt.

Auf Trittsteinen sollen die Menschen von einem zum anderen Ort wandern können. Auf dem Weg sollen Stationen über die historischen Fakten informieren.

"Die Idee trifft auf große Zustimmung", sagt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Allerdings seien noch keine konkreten Schritte hinsichtlich der Wegeführung und des eventuell notwendigen Grunderwerbs getätigt worden. Ungeklärt ist auch noch, ob der Weg barrierefrei gestaltet werden kann. Die Idee soll jetzt weiterentwickelt werden.

Bildunterschrift: Landtagspräsident André Kuper mit Dr. Hans Wupper-Tewes (Landeszentrale für politische Bildung), Europa-Abgeordnetem Elmar Brok, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Fördervereins-Vorsitzenden Manfred Büngener und Geschäftsführer Oliver Nickel (von links).

Bildunterschrift: Bürgermeister Hubert Erichlandwehr zeigt das Konzept zum Gedächtnisweg. Das hatte die Dorfgemeinschaft Stukenbrock-Senne bereits 2009 entwickelt.

Kommentar

Jahrelang hieß es: Alle loben, keiner zahlt. Nun ist die Zeit gekommen, den Ort, seine Geschichte und das Gedenken ohne ideologische Verbrämung zu entwickeln. "Gott sei Dank gibt es vor Ort einen bienenfleißigen Verein, der sich einsetzt. Ein Riesenkompliment für das, was Ehrenamtliche leisten", sagt André Kuper. Das Ehrenamt ist die Säule der Arbeit aller NRW-Gedenkstätten. Das professionelle und wissenschaftliche Fundament wird verstärkt. Das ist echte Anerkennung.

Monika Schönfeld

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:

Heute im Lokalteil / Schub für Gedenkstätte Stalag

Unter der Leitung des Landtagspräsidenten André Kuper hat die Gedenkstätte Stalag 326 Senne weiteren Schub erhalten. In der Steuerungsgruppe wurden Schritte zur weiteren Entwicklung besprochen.

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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:

Ein Pfad der Erinnerung für die Gedenkstätte

Stalag 326: Bürgermeister Hubert Erichlandwehr stößt mit einer alten Idee auf viel Zustimmung

Von Lothar Schmalen

Schloß Holte-Stukenbrock. Eigentlich ist die Idee schon neun Jahre alt, doch plötzlich hat sie eine völlig neue Aktualität gewonnen. Bei den Beratungen über die Weiterentwicklung der Dokumentationsstätte Stalag 326 zu einer Gedenkstätte von nationaler Bedeutung hat Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (CDU) das Konzept für einen "Pfad der Erinnerung" zwischen dem Sowjetischen Ehrenfriedhof und dem etwa zwei Kilometer entfernten Gelände des Stammlagers für Kriegsgefangene, auf dem sich die eigentliche Dokumentationsstätte in einem der wenigen noch existierenden Stalag-Originalgebäude, der Arrestbaracke, befindet.

"Wir sind ganz begeistert von dieser Idee", sagte Landtagspräsident André Kuper nach der zweiten Sitzung des Lenkungskreises Stalag 326 im Rathaus. Die Idee war 2009 im Rahmen der Dorfentwicklung Stukenbrock-Senne entstanden, damals aber nicht verwirklicht worden. Jetzt könnte sie ein wichtiger Bestandteil für das Gesamtkonzept einer großen Gedenkstätte Stalag 326 werden.

Überhaupt geht es voran in den Bemühungen um die Weiterentwicklung der Dokumentationsstätte. Teilnehmer sprachen von einer erfolgreich verlaufenen Sitzung gestern. Helga Lange (Halle), Sprecherin der Grünen im Regionalrat, äußerte sich beispielsweise sehr zufrieden. "Hier wird wirklich gute Arbeit geleistet", sagte sie im NW-Gespräch. Über den Verlauf der Sitzung berichtete André Kuper anschließend in einem Pressegespräch.

Im Dezember hat Joana Poethke ihre Arbeit in der Dokumentationsstätte aufgenommen. Die Aufgabe der Berlinerin ist es, die Geschichte über das Lager für Flüchtlinge und Vertriebene, des Sozialwerks Stukenbrock, aufzuarbeiten. Die dort zusammengeschlossenen Sozialverbände (Caritas, Diakonie, DRK etc.) betrieben das Lager auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, in dem bis zu 2.500 Menschen lebten, von 1948 bis 1970.

Ein Gewinn für den Lenkungsausschuss ist, dass jetzt auch der Verwaltungschef des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Landesdirektor Matthias Löb, und der Chef der Polizeiausbildung in NRW, Michael Frücht, mitarbeiten. Der Landschaftsverband ist selbst Träger von vielen Museen und Ausstellungen und verfügt über viel Know-how in diesem Bereich.

Und die Zusammenarbeit mit der Polizei zahlt sich vielleicht schon sehr schnell aus. Im Gespräch ist jedenfalls, dass die Dokumentationsstätte zusätzliche Räumlichkeiten bekommen soll, und zwar in einem Gebäude unmittelbar neben der Arrestbaracke. Bislang wird das Gebäude, das in der Zeit des Sozialwerks entstand, von der Polizei genutzt.

Es gibt noch ein zweites Originalgebäude aus der Stalag-Zeit, die so genannte Entlausungsbaracke. Sie soll jetzt für 300.000 Euro hergerichtet werden, damit hier auch langfristig der Ethik-Unterricht für die Polizeischule stattfinden kann.

André Kuper kündigte an, der Lenkungskreis treffe sich am 7. Mai zum dritten Mal, dann aber auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. "Wir wollen uns die Anlage dann einmal genauer anschauen", sagte Kuper.

Zwischen Weser und Rhein

Bildunterschrift: Treiben die Gedenkstätte voran: Landtagspräsident André Kuper, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr mit einer Planskizze des "Pfads der Erinnerung" und Oliver Nickel (v. l.).

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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:

Ideen für die Dokumentationsstätte

Schloß Holte-Stukenbrock (big). Die zweite Sitzung der Lenkungsgruppe zur Zukunft der Dokumentationsstätte Stalag 326 hat gestern im Rathaus stattgefunden. Dabei sorgte eine Idee von Bürgermeister Hubert Erichlandwehr für Begeisterung bei NRW-Landtagspräsident André Kuper, der sich der Sache, wie berichtet, persönlich angenommen hat. Die Idee ist nicht neu, aber wieder aktuell.

Der Bericht dazu steht auf der 3. Lokalseite.

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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 12.01.2018:

Ein Pfad der Erinnerung für die Gedenkstätte

Zum zweiten Mal haben sich die Mitglieder der Lenkungsgruppe zur Zukunft der Dokumentationsstätte Stalag 326 zusammengesetzt. Dabei ging es um eine Idee, die so neu nicht ist.

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Neue Westfälische, 12.01.2018:

Konzept für Stukenbrocker Gedenkstätte soll 2019 stehen

Stalag 326: Die Einrichtung erhält in diesem Jahr insgesamt 245.000 Euro. Im Gespräch ist eine räumliche Erweiterung der Dokumentationsstätte / Elmar Brok will Kultur-Staatsministerin Monika Grütters einladen

Von Lothar Schmalen

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Plan ist ehrgeizig, wie die Gedenkstätten-Experten sagen: Bis Ende 2019 soll das Konzept für die Gedenkstätte von nationaler Bedeutung auf dem Gelände des früheren Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock stehen. Und bis dahin sollen dann beim Bund auch die entsprechenden Mittel beantragt werden. Das ist eines der Ergebnisse der zweiten Sitzung des Lenkungskreises unter Leitung von Landtagspräsident André Kuper (CDU) im Rathaus von Schloß Holte-Stukenbrock.

In dem Kriegsgefangenenlager sind Zehntausende Soldaten aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ums Leben gekommen, die meisten von ihnen sind auf dem rund anderthalb Kilometer entfernten Sowjetischen Ehrenfriedhof begraben. Nach dem Krieg nutzten die Briten das Gelände zunächst als Internierungslager für Nationalsozialisten, später betreute das Sozialwerk Stukenbrock hier Tausende DDR-Flüchtlinge.

Für die Arbeit der Dokumentationsstätte stehen in diesem Jahr 245.000 Euro zur Verfügung; rund 200.000 Euro davon sind Landesmittel, der Rest kommt von Kreis, Stadt und privaten Geldgebern. 115.000 Euro sind, so erläuterte Hans Wupper-Tewes, im NRW-Kulturministerium für die Gedenkstätten-Arbeit zuständig, allein für die Arbeit an dem Gesamtkonzept vorgesehen. Einen entsprechenden Antrag hat der bisherige Träger der Dokumentationsstätte, der Förderverein Stalag 326, bereits gestellt. Erarbeitet werden sollen ein Ausstellungskonzept für das Kriegsgefangenenlager, das britische Internierungslager für Nationalsozialisten und das Flüchtlingslager des Sozialwerkes Stukenbrock nach dem Zweiten Weltkrieg sowie ein museumspädagogisches Konzept. Außerdem müssen die baulichen Erfordernisse definiert und das Zugangsproblem gelöst werden. Die Dokumentationsstätte befindet sich auf dem Gelände der Polizeischule Stukenbrock und ist bislang nicht öffentlich zugänglich.

Schloß Holte-Stukenbrocks Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (CDU) brachte noch eine Idee ein: Ein "Pfad der Erinnerung" könnte den Sowjetischen Ehrenfriedhof mit dem eigentlichen Lagergelände, auf dem die heutige Dokumentationsstätte zu finden ist, verbinden.

An der Lenkungskreissitzung nahm auch der CDU-Europapolitiker Elmar Brok teil. Die Gedenkstätte Stalag 326 habe überregionale Bedeutung. Der aus Schloß Holte-Stukenbrock stammende Brok hat auch familiäre Verbindungen zu dem Gelände, weil seine Ehefrau und seine Schwiegermutter als Flüchtlinge aus der DDR ein Jahr lang auf dem Gelände gelebt haben. Brok kündigte an, er werde die für Kulturangelegenheiten zuständige Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Monika Grütters (CDU), einladen, das Gelände des ehemaligen Stammlagers für sowjetische Kriegsgefangene zu besuchen. Im Lenkungskreis sollen, wie Landtagspräsident Kuper berichtete, zusätzlich auch der Verwaltungschef des Landschaftsverbands, Matthias Löb, und der Chef der Polizeiausbildung in NRW, Michael Frücht, mitarbeiten.

Möglicherweise kann die Dokumentationsstätte sich schon bald räumlich ausdehnen. Denn eines der Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft, das zu Zeiten des DDR-Flüchtlingslagers entstand und bislang von der Polizei genutzt wird, könnte künftig von der Dokumentationsstätte mitgenutzt werden.

Bildunterschrift: Sommer 1942: Die historische Aufnahme zeigt sowjetische Kriegsgefangene im Stalag 326.

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Radio Westfalica, 12.01.2018:

Zahl der Reichsbürger steigt

Die so genannte Reichsbürger-Szene wird immer größer. Die Verfassungsschutzämter der Länder gehen inzwischen von mehr als 15.000 Menschen aus, die sich als Reichsbürger oder Selbstverwalter bezeichnen. Vor einem Jahr wurde ihre Zahl noch auf 10.000 geschätzt.

Sorge bereitet den Experten, dass sich viele Reichsbürger bewaffnet haben. Sei es mit legalen oder illegalen Waffen. Die größte Szene gibt es laut einem Bericht des Magazins Focus in Bayern, aber auch hier in OWL ist die Szene aktiv. So hat die Polizei vergangenes Jahr bei einer Hausdurchsuchung bei einem Rentner in Stemwede dutzende Waffen sichergestellt. Er hatte sich vorher geweigert, seine Gewehre freiwillig abzugeben. Die selbsternannten Reichsbürger erkennt die Bundesrepublik nicht an. Behörden und Gerichten halten sie für illegal und behauptet, das Deutsche Reich bestehe bis heute.

Bildunterschrift: Razzia bei einem Reichsbürger in Stemwede.

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Neue Westfälische - Löhner Nachrichten, 12.01.2018:

Trendfairs mietet komplette Ladenzeile

Erweiterung: Der Betreiber der Area 30 will das ehemalige Germaniten-Gebäude als Dependance für Unternehmen aus der Küchenwelt nutzen / Erster Mieter wird der österreichische Küchenproduzent Walden sein

Von Dirk Windmöller

Löhne. Happy End für ein Gebäude mit einer problematischen Geschichte: Bis vor rund zwei Jahren hatten an der Lübbecker Straße die Germaniten ihre Botschaft. Rechtsradikale Reichsbürger gingen ein und aus.

Gekauft wurde das Gebäude nach der Pleite des Eigentümers von der Familie Bulut und zwei Kompagnons. Die sanierten es und schafften die Grundlagen für eine gewerbliche Nutzung. Neuer Mieter ist jetzt die Trendfairs GmbH. Der Betreiber der Küchenmesse Area 30 will dort einen Showroom unter dem Namen "cube 30" einrichten.

Der Löhner Unternehmer Temel Bulut (Autohaus Mahner Feld) vertritt die Eigentümergemeinschaft. Sie hatte das Haus für 160.000 Euro ersteigert. "Das Gebäude erlebt eine sehr positive Veränderung. Darüber freuen wir uns", sagt Bulut. Rund 200.000 Euro wurden in das Gebäude mit seiner 800 Quadratmeter großen Ladenzeile und mehreren Wohnungen investiert. Auch in Zukunft wird die Autowerkstatt Konrad auf der Rückseite des Gebäudes ihren Sitz behalten.

Seit etwa eineinhalb Jahren wurde nach Pächtern für die Ladenzeile gesucht. "Wir haben von Anfang an Nutzungen für Spielhallen oder aus dem Bereich des Rotlichtmilieus ausgeschlossen", sagt Bulut. Aus dem horizontalen Gewerbe habe es keine Anfragen gegeben. "Uns haben aber einige Spielhallenbetreiber gefragt. Die sind bereit, deutlich höhere Mieten zu bezahlen als andere und auch als wir jetzt bekommen. Das hat an unserer Haltung aber nichts verändert."

Es gab aber auch Interesse von Unternehmen, die gepasst hätten. "Wir hatten Gespräche mit Textilhändlern, einem Schuhgroßhandel und einem Radhändler" nennt Bulut einige Beispiele. Als sich zeigte, dass die Area-30-Macher am gesamten Gebäude interessiert sind, habe man diese Lösung bevorzugt. "Da sich das Gebäude jetzt in einer Hand befindet, ist für uns das Handling deutlich einfacher", sagt Bulut.

"Dieses Gebäude ist für uns eine ideale Erweiterung", sagt Michael Rambach, Geschäftsführer der Trendfairs GmbH. Die Area 30 habe sich in den letzten Jahren zu einer bedeutenden Küchenorderfachmesse entwickelt. Dort zeigen jährlich im September rund 130 Anbieter auf 9.950 Quadratmeter Ausstellungsfläche ihre Neuheiten. "Mit rund 12.000 registrierten Fachbesuchern ist die Area 30 der zentrale Ort für Geschäfte rund um die Küche", sagt Rambach.

Die Nachfrage nach Präsenz im Herzen der Deutschen Küchenindustrie steige stetig. "Das gilt vor allem für Premiumanbieter, die von dieser Küchenregion weiter entfernt beheimatet sind", sagt Rambach.

Diesen Unternehmen will Trendfairs mit "cube 30" die Möglichkeit einer dauerhaften Dependance bieten. Der österreichische Küchenproduzent Walden wird Mitte des Jahres als erster Mieter das neue Objekt beziehen. "Bis zum Umzug sind noch einige Umbauarbeiten notwendig", sagt Rambach.

Walden will die Flächen nicht nur während der Messe nutzen. "Wir planen ganzjährige Veranstaltungen und Schulungen in Löhne", sagt Stefan Radinger, der für das Küchendesign bei Walden verantwortlich ist. Mit "cube 30" könne man an diesem etablierten Standort auch außerhalb der Messezeiten ein wichtiges Fachpublikum erreichen. Davon werde die Marke Walden sicher stark profitieren.

Einige Umbauten hat Trendfairs-Chef Rambach noch geplant. Unter anderem wird der Eingangsbereich optisch dem mobilen Messebau auf dem Festplatz angepasst. Im Gebäude könnte je nach Anforderungen noch Platz für zwei bis drei weitere Mieter sein. Auch diese werden mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Küchenwelt sein.

Bildunterschrift: Planung: So soll das Gebäude an der Lübbecker Straße gegenüber des Festplatzes spätestens zur nächsten Area 30 im September aussehen. Der erste Mieter wird der österreichische Küchenproduzent Walden sein. Platz gebe es für weitere zwei bis drei Mieter.

Bildunterschrift: Während der Sanierung: Temel Bulut vertritt die Eigentümergesellschaft, die das Gebäude für 160.000 Euro ersteigert hatte. Vorab war es der Sitz der Germaniten.

Kommentar / Schöne Entwicklung

Dirk Windmöller

Manchmal gibt es auch schöne Wendungen. Jahrelang sorgten Germaniten und rechtsradikale Reichsbürger für viel Unruhe, die von den Räumen der Botschaft das Fantasiestaates an der Lübbecker Straße ausging. Viele Löhner Bürger stemmten sich dagegen. Allen voran die Aktiven des Bündnisses Gemeinsam für Vielfalt.

Als die Germaniten aus ihrer Botschaft geflüchtet waren, wurde das Gebäude unter anderem von der Familie Bulut ersteigert. Dass eine Familie mit türkischen Migrationshintergrund das Gebäude erworben hat, muss den Reichsbürgern gegen den Strich gegangen sein. Wie der Name schon vermuten lässt, stehen diese Menschen Einwanderern eher kritisch gegenüber.

Genauso schön ist, dass das Gebäude künftig von Unternehmen genutzt wird, die nicht aus Deutschland kommen. So wird aus einem Haus, in dem über die Grenzen Deutschlands im Jahr 1938 geschwafelt wurde, ein Gebäude mit internationalem Flair. Besser geht es nicht.

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Neue Westfälische - Herforder Kreisanzeiger, 12.01.2018:

Vlothoer hetzt gegen Muslime

Facebook: Der 55-jährige Mann zeigt sich uneinsichtig und muss zahlen

Von Ulf Hanke

Bad Oeynhausen / Vlotho. Der Angeklagte gehört offenbar zu den Menschen, die leicht reizbar sind. Mit hochrotem Kopf hört sich der 55-jährige Vlothoer, ein ehemaliger Nachtclubbesitzer und Lastwagenfahrer, an, was die Staatsanwaltschaft Bielefeld ihm vorwirft. Demnach soll er im März 2016 auf Facebook geschrieben haben: "Muslime sind sowieso keine Menschen. Katzen und Hunde sind mehr wert." Dann platzt es aus ihm heraus: "Ich weiß gar nicht, was daran strafbar sein soll."

Das Amtsgericht Bad Oeynhausen weiß aber sehr wohl, was daran strafbar ist. Der Richter verurteilte den Vlothoer Donnerstag zu 120 Tagessätzen à 40 Euro (4.800 Euro) wie von der Staatsanwaltschaft beantragt. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert, weil nicht hinreichend bewiesen sei, dass sein Mandant auch wirklich der Autor der Hass-Botschaft war.

Anders als sein Mandant stellte der Anwalt jedoch klar, dass der Satz menschenverachtend sei. Die Indizienkette reiche aber nicht aus, den Vlothoer zu verurteilen. Der Satz war aus dem Facebook-Auftritt eines überregionalen Magazins in ein Internet-Formular der Online-Wache der Polizei hineinkopiert worden und nicht etwa abfotografiert angehängt worden.

Dem Gericht fehlte deshalb der Zusammenhang. Es verglich den Schreibstil des Angeklagten auf dessen eigener Facebook-Seite mit dem Inhalt des strafbaren Facebook-Eintrags, kam aber zu dem Schluss, dass die Hetze durchaus vom Vlothoer stammte.

Hinzu kam, dass der Angeklagte selbst bei der Polizei Bielefeld angerufen hatte, nachdem er eine schriftliche Ladung mit dem Hinweis auf die Vorwürfe erhalten hatte. In dem Telefonat ließ der Vlothoer, der wegen Zuhälterei und Beleidigung vorbestraft ist, den Polizisten jedoch gar nicht zu Wort kommen. Der Beamte schilderte das Telefonat als "Wortschwall" des Angeklagten, bei dem dieser sich vor allem über die Strafbarkeit seines Facebook-Eintrags gewundert habe, ohne die Hetze jedoch wörtlich zu wiederholen.

Der Verteidiger zweifelte an, dass sein Mandant überhaupt gewusst habe, um welche Beschuldigungen es sich handelte. Der Beamte widersprach. Der Polizist habe jedoch keine Gelegenheit gehabt, den Angeklagten zu unterbrechen und über seine Rechte aufzuklären.

Die Verhandlung war im Mai 2017 angesetzt worden. Damals fehlte jedoch eine Zeugin, die den strafbaren Inhalt gemeldet hatte, die aber von der Polizei zunächst nicht ausfindig gemacht werden konnte. Der junge Staatsanwalt zückte damals während der Gerichtsverhandlung kurzentschlossen sein internetfähiges Mobiltelefon und lieferte dem Polizeibeamten eine Adresse der Zeugin in Bocholt. Tatsächlich erschien diese Zeugin nun vor Gericht und bestätigte die Volksverhetzung.

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Westfalen-Blatt / Vlothoer Zeitung, 12.01.2018:

Muslime mit Tieren verglichen: 4.800 Euro Geldstrafe

55-jähriger Vlothoer wegen Volksverhetzung verurteilt

Von Heike Pabst

Vlotho (VZ). Ein Online-Kommentar zum Attentat in Brüssel vom 22. März 2016 hat jetzt für einen Vlothoer rechtliche Konsequenzen. Der 55-Jährige hatte darin Muslime herabgewürdigt. Nun wurde er zu einer Geldstrafe von 4.800 Euro verurteilt.

Wer ihn letztlich vor Gericht gebracht hat, weiß der Vlothoer bis heute nicht. Denn es war eine anonyme Anzeige über ein Internetportal des Bundeskriminalamtes, die seinen Kommentar auf der Facebook-Seite des "Stern" zu einer Angelegenheit des Staatsschutzes machte.

"Muslime sind für mich keine Menschen. Jeder Hund und jede Katze sind mehr wert für mich": Das soll der unter anderem wegen Zuhälterei und Beitrag zu illegalem Aufenthalt vorbestrafte Mann geschrieben haben - allerdings mit sehr viel mehr Satzzeichen und eigenwilliger Groß- und Kleinschreibung. Er bestreitet das bis zuletzt. Er habe "nichts mit rechtspopulistischen Dingen zu tun", sagt Alonso N. (Name von der Redaktion geändert) in seinem letzten Wort vor dem Urteil.

Im Netz zu finden ist das Posting nicht mehr. Einen Screenshot davon gibt es ebenfalls nicht. Der Inhalt des Kommentars inklusive des offenbar charakteristischen Schreibstils des Vlothoers ist nur durch die Online-Anzeige überliefert. Deshalb argumentiert die Verteidigung, es gebe "keine aktenkundige Beweise". Auf dem öffentlich einsehbaren Teil des Facebook-Profiles von Alonso N. sind allerdings noch Äußerungen aus dem Jahr 2015 zu finden, die mindestens als islamkritisch verstanden werden können.

Im Mai vergangenen Jahres hatte der Prozess gegen den Kraftfahrer Alonso N. begonnen. Nach dem ersten Verhandlungstag war der Staatsschutz in Bielefeld mit Nachermittlungen beschäftigt: Es galt, eine Zeugin ausfindig zu machen, die sich bei den Moderatoren der Facebook-Seite des "Stern" über Alonso N.s Kommentar beschwert hatte. Nun war sie gefunden und der Prozess konnte wieder aufgenommen werden.

Der Beamte der Kriminalinspektion Staatsschutz wird als erstes noch einmal vernommen. Er hatte nach der gerichtlichen Vorladung mit Alonso N. telefoniert. Dabei, so sagt es der Beamte erneut aus, habe der Vlothoer den Kommentar eingeräumt, jedoch nichts Schlimmes dabei gefunden.

Schließlich ist die aus Rhede bei Bocholt angereiste Zeugin an der Reihe. Sie erinnert sich an die entsprechende Internet-Debatte. "Es kamen viele kritische Bemerkungen, und diese ging über das hinaus, was man öffentlich stehen lassen kann." Sie habe die Moderatoren angeschrieben, aber die Online-Anzeige gegen den Mann nicht aufgegeben. "Sonst hätte ich auf jeden Fall einen Screenshot gemacht."

Der Verteidiger fragt, ob die Zeugin seinen Mandanten einen "menschenverachtenden Widerling" genannt habe und verweist darauf, dass er eine Anzeige wegen Beleidigung erwägt. Darauf reagiert die Zeugin: "An den "Widerling" kann ich mich nicht erinnern, aber "menschenverachtend" habe ich sicher geschrieben."

Die Staatsanwältin spricht in ihrem Plädoyer zwar von einer "etwas unklaren Beweislage", hält den Angeklagten aber dennoch per Indizienkette für überführt. Sie fordert eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 40 Euro und betont, eine solche Verurteilung müsse auch zeigen, "dass gewisse rechtspopulistische Bemerkungen nicht salonfähig sind". Dem folgt der Vorsitzende Richter Dr. Cornelius in seinem Urteil und sagt: "Bei einem Geständnis wären auch nur 90 Tagessätze möglich gewesen."

Eine Berufung oder Revision gegen das Urteil ist möglich.

Kommentar

Bei der ersten Verhandlung im Mai 2017 hatte Alonso N. noch "frei Schnauze" geredet. Zwar gab er da auch schon nichts zu, aber seine Äußerungen waren dennoch entlarvend: "Ist es strafbar, etwa einen treuen Schäferhund lieber zu mögen als manche Menschen? Das hätte ich nie gedacht." Nun sitzt er fast schweigend neben seinem Verteidiger - sicherlich ist es besser so. Genutzt hat ihm die neue Strategie letztlich aber nichts. Angesichts des tobenden digitalen Mobs, angesichts der Neigung zu vieler Menschen, im Netz Hass und Hetze zu verbreiten, ist eine solche hohe Geldstrafe sicherlich ein gutes Signal. Es zeigt: Die Menschenwürde gilt für alle und überall. Im Internet ist man nicht unsichtbar. Leider ist davon auszugehen, dass Geldstrafen kaum Auswirkungen auf eine verfestigte Gesinnung haben. Doch für alle diejenigen, die nur mal nach ein paar Flaschen Bier im Netz ihren mentalen Mülleimer auskippen wollen, könnte sie eine sinnvolle Warnung sein.

Heike Pabst

Bildunterschrift: Im Amtsgericht Bad Oeynhausen ist gestern ein Vlothoer zu 120 Tagessätzen à 40 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er in einem Internet-Kommentar Muslime herabgewürdigt hatte.

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Westfalen-Blatt, 12.01.2018:

Geldstrafe nach Hetze im Netz

Vlotho (WB/pab). Wegen Volksverhetzung ist ein 55-jähriger Kraftfahrer aus Vlotho gestern vom Amtsgericht Bad Oeynhausen zu einer Geldstrafe von insgesamt 4.800 Euro verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter sah es als erwiesen an, dass der Mann in einer Debatte über das Attentat in Brüssel vom 22. März 2016 auf der Facebook-Seite des "Stern" geschrieben hatte: "Muslime sind für mich keine Menschen. Jeder Hund und jede Katze sind mehr wert für mich." Der Mann bestritt das bis zuletzt und betonte, er habe mit "rechtspopulistischen Dingen" nichts zu tun. Das Posting ist online nicht mehr auffindbar. Dennoch überzeugten die Aussage einer Facebook-Nutzerin und der charakteristische Schreibstil des Mannes das Gericht von seiner Schuld.

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Lippische Landes-Zeitung, 12.01.2018:

Arbeitskreis gegen Nazis tagt heute

Horn-Bad Meinberg. Das Monatstreffen des Arbeitskreises gegen Nazis findet heute ab 18 Uhr im Rittersaal, Burg Horn, statt. Thematische Schwerpunkte sind das weitere Vorgehen bei der Vereinsgründung, die Diskussion eines Satzungsentwurfs und die Jahresplanung 2018.

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