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Nachrichten , 12.08.2017 :

Tages-Chronologie von Samstag, 12. August 2017

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Samstag, 12. August 2017


Am 10. August 2017 hielt Prof. Dr. Cord Berghahn in Detmold, im Haus Münsterberg ein Referat zum 200. "Geburtstag" der Wissenschaft vom Judentum, deren Begründer Leopold Zunz in Detmold geboren wurde.

Für den 7. September 2017, um 11.00 Uhr ist am Amtsgericht Bielefeld ein Prozess gegen den Bielefelder Neonazi Sascha Marcel Krolzig (Partei "Die Rechte") wegen Beleidigung und Volksverhetzung angekündigt.

Am 10. August 2017 teilte der Neonazi Sascha Krolzig ("Die Rechte") mit, dass eine "Sonderausgabe" der Zeitschrift: "Nationaler Sozialismus Heute", über: "30 Jahre Rudolf-Heß-Gedenk-Aktionen", erschienen ist.

Am 17. August 2016 berichtete der WDR Köln, dass Rainer Höke ("Kölle Druck GmbH") - Herausgeber des amtlich erscheinenden Stadtmagazins "Preußisch Oldendorfer Rundblick" - ein extrem rechter Verleger ist.

Am 6. Juli 1995 verurteilte das Landgericht Dortmund Rainer Höke - "Kölle Druck GmbH" - ob: "Beihilfe zu Paragraph 86" in zwei Fällen, zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldbuße (5.000 DM).

Am 19. Dezember 1993 wurden bei - "Kölle Druck GmbH" in Preußisch-Oldendorf - ein PC sowie Disketten sichergestellt - die zur Herstellung der neonazistischen Vierteljahresschrift "Bauernschaft" benutzt wurden.

Am 8. Dezember 1993 wurden auf einem Postamt in Preußisch-Oldendorf insgesamt 3.165 Exemplare der neonazistischen Vierteljahresschrift "Die Bauernschaft" ("4/93") des Thies Christophersen beschlagnahmt.

Am 11. August 2017 fand in Gütersloh eine Wahlkampfkundgebung, des (extrem rechten) "Kreisverbands Gütersloh" der "AfD", mit Alice Weidel, Udo Hemmelgarn, Peter Boehringer (mit 89 Teilnehmenden) statt.


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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Lippische Landes-Zeitung, 12./13.08.2017:
Düstere Geburtsstunde einer großen Persönlichkeit

Lippische Landes-Zeitung Online, 12.08.2017:
Hetze gegen Kellig hat ein juristisches Nachspiel für OWL-Vorsitzenden der Partei "Die Rechte"

Lippische Landes-Zeitung, 12./13.08.2017:
Tiraden gegen Kellig haben ein Nachspiel

Neue Westfälische - Bielefeld West, 12./13.08.2017:
Sascha Krolzig wegen Volksverhetzung angeklagt

Neue Westfälische, 12./13.08.2017:
Beleidigung: Krolzig steht vor Gericht

Radio Gütersloh, 12.08.2017:
AfD-Weidel in Gütersloh

Neue Westfälische - Gütersloh, 12./13.08.2017:
Auf gleichem Platz Welten auseinander

Neue Westfälische - Gütersloh, 12./13.08.2017:
Gütersloh: Lautes Pfeifkonzert für AfD-Spitzenkandidatin

Neue Westfälische, 12./13.08.2017:
Trillerpfeifen gegen AfD-Spitzenkandidatin

Westfalen-Blatt, 12./13.08.2017:
Kein Heimspiel

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Lippische Landes-Zeitung, 12./13.08.2017:

Düstere Geburtsstunde einer großen Persönlichkeit

Vortrag: Prof. Dr. Cord-Friedrich Berghahn spricht über Leopold Zunz / Der Detmolder gilt als Begründer der Wissenschaft des Judentums

Detmold (gw). "Er ist vielleicht einer der unbekanntesten, aber dafür einer der weltgeschichtlich bedeutendsten Detmolder." Mit diesen Worten hat Prof. Dr. Cord-Friedrich Berghahn den am 10. August vor 223 Jahren geborenen Leopold Zunz charakterisiert.

Knapp 30 Zuhörer waren am Donnerstag ins Detmolder Haus Münsterberg gekommen, um dem Braunschweiger Germanistikprofessor zuzuhören, wie er über Zunz, den Begründer der Wissenschaft des Judentums, referierte. So erfuhren die Zuhörer, dass Jom Tob Lippmann Zunz, der sich erst später Leopold nannte, unter ärmlichen Verhältnissen auf die Welt kam. "Wir können uns die spärlich dokumentierten Lebensumstände des Knaben, der 1794 nahezu leblos auf die Welt kam, kaum düster genug vorstellen", sagte Berghahn.

In jungen Jahren kam der entscheidende Schritt: Im Jahr 1818 habe Zunz mit seinem Artikel "Etwas über die rabbinische Literatur" eine der einflussreichsten intellektuellen Strömungen des deutschsprachigen Judentums geprägt. Die Thesen, die Zunz darin entwirft, "sind inter- und transdisziplinär", führte Berghahn aus. Der Autor habe darin versucht, die jüdische Literatur und Kultur philologisch zu erschließen und historisch zu begreifen. Das sei eine Besonderheit gewesen, denn "bis dahin war die Deutungshoheit über Texte der jüdischen Tradition ausschließlich theologisch fundiert", so Berghahn.

In seinem Vortrag hob Prof. Berghahn auch Leopold Zunz` Kampf gegen die "zumeist antisemitisch motivierte Exklusion der Wissenschaft des Judentums aus den Universitäten" hervor. So erklärte er, dass für die deutsche Wissenschaft des 19. und auch weitgehend des 20. Jahrhunderts, mit dem Begriff "Antike", die griechische und römische, später auch die vorderasiatische, aber eben nicht die jüdische Antike gemeint gewesen sei.

So düster die Umstände der Geburt des Detmolders waren, so traurig seien auch Zunz` letzte zwölf Lebensjahre gewesen. Mit den Worten: "Diese standen im Zeichen einer langanhaltenden Depression und eines fast vollständigen wissenschaftlichen Schweigens", beendete Berghahn seinen Vortrag. Für seine Ausführungen erhielt er lang anhaltenden Beifall.

Bildunterschrift: Beim Vortrag im Haus Münsterberg: Prof. Dr. Cord-Friedrich Berghahn referiert über das Leben von Leopold Zunz.

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Lippische Landes-Zeitung Online, 12.08.2017:

Hetze gegen Kellig hat ein juristisches Nachspiel für OWL-Vorsitzenden der Partei "Die Rechte"

12.08.2017 - 09.25 Uhr

Von Jens Reichenbach und Martin Hostert

Detmold / Bielefeld. Am Donnerstag, 7. September, steht der OWL-Vorsitzende der Partei "Die Rechte", Sascha Krolzig aus Bielefeld, von 11 Uhr an vor dem Amtsgericht in seiner Heimatstadt. Er hatte den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Detmold-Herford, Matitjahu Kellig, als "frechen und selbstgefälligen Juden" bezeichnet. Krolzig ist wegen Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt.

Dass der Termin zustande kommt, ist Kelligs Rechtsanwalt Thomas Walther zu verdanken. Walther, der sich unter anderem als Vertreter der Nebenkläger im Detmolder Auschwitz-Prozess gegen Reinhold Hanning in der Region und bundesweit einen Namen gemacht hat, hatte gegen die zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft veranlasste Einstellung des Ermittlungsverfahrens Beschwerde vor dem OLG Hamm erhoben. So erreichte er eine Wiederaufnahme.

Der emeritierte Detmolder Musikprofessor Kellig hatte sich vor mehr als einem Jahr gegen die rechten Tiraden mit einer Strafanzeige gewehrt, unterstützt von Walther. Für diesen steht zweifelsfrei fest, dass der Ausdruck "frecher Jude" vor allem von Hitler und führenden Leuten des Dritten Reiches herablassend und beleidigend eingesetzt worden war. "Die Rechte" hatte mit der Wortwahl, die Krolzig nun vor Gericht bringt, auf Kelligs Kritik am Verlagsprogramm der Deutschen Verlagsgesellschaft aus Preußisch Oldendorf reagiert. Die DVG hatte rechtsextreme Schriften verbreitet.

Krolzig ist mehrfach einschlägig vorbestraft und hat als Jugendlicher wegen Volksverhetzung im Arrest gesessen. Zahlreiche Verurteilungen zu Arbeitsleistungen und Geldstrafen folgten. Er stand wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen und Verleumdung vor Gericht, die Verfahren sind indes teilweise eingestellt worden. Im Februar 2016 hatte das Verwaltungsgericht Minden seine Klage gegen die Nicht-Zulassung für ein Referendariat im Justizdienst abgewiesen. "Die Bandbreite der vom Kläger begangenen Straftaten ist erheblich", heißt es unter anderem in der Urteilsbegründung.

Kellig und Walther wollten sich im Vorfeld nicht zu dem nun anstehenden Verfahren äußern. Der Bielefelder Staatsanwalt Udo Vennewald erklärte auf Anfrage dieser Zeitung: "Auf der Homepage der Partei "Die Rechte" ist ein Artikel erschienen mit dem Titel "Linke und Jüdische Gemeinde hetzen gegen Verleger". Darin wird der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als "frecher Judenfunktionär" bezeichnet. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte mit dieser Formulierung bewusst an die NS-Ideologie angeknüpft und der Gemeindevorsitzende beleidigt werden."

Der Angeklagte sei im Sinne des Telemediengesetzes verantwortlich für den Inhalt der Homepage des Kreisverbandes OWL. Die Formulierungen Krolzigs sind bis heute auf der Homepage der Rechten nachzulesen. Aktuell wirbt Krolzig im Netz für die Sonderausgabe des Heftes "NS heute". Der Titel: "30 Jahre Rudolf-Heß-Gedenk-Aktionen – eine Chronik".

Bildunterschrift: Wehrt sich: Matitjahu Kellig aus Detmold.

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Lippische Landes-Zeitung, 12./13.08.2017:

Tiraden gegen Kellig haben ein Nachspiel

Prozess: Der OWL-Vorsitzende der Partei "Die Rechte" steht nun vor Gericht / Er hatte den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde als "frechen Juden" bezeichnet

Von Martin Hostert und Jens Reichenbach

Detmold / Bielefeld. Am Donnerstag, 7. September, steht der OWL-Vorsitzende der Partei "Die Rechte", Sascha Krolzig aus Bielefeld, von 11 Uhr an vor dem Amtsgericht in seiner Heimatstadt. Er hatte den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Detmold-Herford, Matitjahu Kellig, als "frechen und selbstgefälligen Juden" bezeichnet. Krolzig ist wegen Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt.

Dass der Termin zustande kommt, ist Kelligs Rechtsanwalt Thomas Walther zu verdanken. Walther, der sich unter anderem als Vertreter der Nebenkläger im Detmolder Auschwitz-Prozess gegen Reinhold Hanning in der Region und bundesweit einen Namen gemacht hat, hatte gegen die zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft veranlasste Einstellung des Ermittlungsverfahrens Beschwerde vor dem OLG Hamm erhoben. So erreichte er eine Wiederaufnahme.

Der emeritierte Detmolder Musikprofessor Kellig hatte sich vor mehr als einem Jahr gegen die rechten Tiraden mit einer Strafanzeige gewehrt, unterstützt von Walther. Für diesen steht zweifelsfrei fest, dass der Ausdruck "frecher Jude" vor allem von Hitler und führenden Leuten des Dritten Reiches herablassend und beleidigend eingesetzt worden war. "Die Rechte" hatte mit der Wortwahl, die Krolzig nun vor Gericht bringt, auf Kelligs Kritik am Verlagsprogramm der Deutschen Verlagsgesellschaft aus Preußisch Oldendorf reagiert. Die DVG hatte rechtsextreme Schriften verbreitet.

Krolzig ist mehrfach einschlägig vorbestraft und hat als Jugendlicher wegen Volksverhetzung im Arrest gesessen. Zahlreiche Verurteilungen zu Arbeitsleistungen und Geldstrafen folgten. Er stand wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen und Verleumdung vor Gericht, die Verfahren sind indes teilweise eingestellt worden. Im Februar 2016 hatte das Verwaltungsgericht Minden seine Klage gegen die Nicht-Zulassung für ein Referendariat im Justizdienst abgewiesen. "Die Bandbreite der vom Kläger begangenen Straftaten ist erheblich", heißt es unter anderem in der Urteilsbegründung.

Kellig und Walther wollten sich im Vorfeld nicht zu dem nun anstehenden Verfahren äußern. Der Bielefelder Staatsanwalt Udo Vennewald erklärte auf Anfrage dieser Zeitung: "Auf der Homepage der Partei "Die Rechte" ist ein Artikel erschienen mit dem Titel "Linke und Jüdische Gemeinde hetzen gegen Verleger". Darin wird der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als "frecher Judenfunktionär" bezeichnet. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte mit dieser Formulierung bewusst an die NS-Ideologie angeknüpft und der Gemeindevorsitzende beleidigt werden."

Der Angeklagte sei im Sinne des Telemediengesetzes verantwortlich für den Inhalt der Homepage des Kreisverbandes OWL. Die Formulierungen Krolzigs sind bis heute auf der Homepage der Rechten nachzulesen. Aktuell wirbt Krolzig im Netz für die Sonderausgabe des Heftes "NS heute". Der Titel: "30 Jahre Rudolf-Heß-Gedenk-Aktionen - eine Chronik".

Bildunterschrift: Wehrt sich: Matitjahu Kellig aus Detmold.

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Neue Westfälische - Bielefeld West, 12./13.08.2017:

Sascha Krolzig wegen Volksverhetzung angeklagt

Amtsgericht: OWL-Vorsitzender der Partei Die Rechte muss sich wegen Äußerungen über den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Detmold-Herford verantworten / Staatsanwalt: Bewusst an NS-Ideologie angeknüpft

Detmold / Bielefeld (jr/mah). Er hatte den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Detmold-Herford, Matitjahu Kellig, als "frechen und selbstgefälligen Juden" bezeichnet - dafür wird sich Sascha Krolzig aus Bielefeld nun vor Gericht verantworten müssen. Er ist wegen Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt.

Am Donnerstag, 7. September, steht der OWL-Vorsitzende der Partei "Die Rechte" vor dem Amtsgericht Bielefeld. Dass der Termin zustande kommt, ist Kelligs Rechtsanwalt Thomas Walther zu verdanken. Walther, der sich unter anderem als Vertreter der Nebenkläger im Detmold NS-Prozess gegen Reinhold Hanning in der Region und bundesweit einen Namen gemacht hat, hatte gegen die zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft veranlasste Einstellung des Ermittlungsverfahren Beschwerde vor dem OLG Hamm erhoben. So erreichte er eine Wiederaufnahme. Der emeritierte Detmolder Musikprofessor Kellig hatte sich bereits vor mehr als einem Jahr gegen die rechten Tiraden mit einer Strafanzeige gewehrt, unterstützt vom renommierten Anwalt Walther. Die Rechte hatte mit der Wortwahl, die Krolzig nun vor Gericht bringt, auf Kelligs Kritik am Verlagsprogramm der Deutschen Verlagsgesellschaft aus Preußisch Oldendorf reagiert. Die DVG hatte rechtsextreme Schriften verbreitet.

Krolzig ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Er stand wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen und Verleumdung vor Gericht, die Verfahren sind teilweise eingestellt worden. Im Februar 2016 hatte das Verwaltungsgericht Minden seine Klage gegen die Nicht-Zulassung für ein Referendariat im Justizdienst abgewiesen.

Der Bielefelder Staatsanwalt Udo Vennewald erklärte auf Anfrage: "Auf der Homepage der Partei Die Rechte ist ein Artikel erschienen mit dem Titel "Linke und Jüdische Gemeinde hetzen gegen Verleger". Darin wird der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als "frecher Judenfunktionär" bezeichnet. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte mit dieser Formulierung bewusst an die NS-Ideologie angeknüpft und der Gemeindevorsitzende beleidigt werden." Der Angeklagte sei im Sinne des Telemediengesetzes verantwortlich für den Inhalt der Homepage.

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Neue Westfälische, 12./13.08.2017:

Beleidigung: Krolzig steht vor Gericht

Detmold / Bielefeld. Sascha Krolzig, Vorsitzender der Partei "Die Rechte" aus Bielefeld, steht am 7. September wegen Volksverhetzung und Beleidigung vor dem Bielefelder Amtsgericht. Er hatte den Detmolder Musikprofessor Matitjahu Kellig als "frechen und selbstgefälligen Juden" bezeichnet. Kellig, Chef der Jüdischen Gemeinde Detmold-Herford, hatte daraufhin Strafanzeige erstattet.

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Radio Gütersloh, 12.08.2017:

AfD-Weidel in Gütersloh

Der Wahlkampfauftritt der AfD gestern Nachmittag in Gütersloh ist ruhig verlaufen. Die Zahl der Demonstranten und der Besucher war etwa gleich hoch. Insgesamt waren circa 300 Menschen vor Ort. Die gebürtige Gütersloherin und AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel kritisierte den Lärm der Gegendemonstranten und forderte sie auf, sich inhaltlich mit der Partei auseinanderzusetzen. Weidel übte scharfe Kritik an der Bundesregierung. Sie forderte unter anderem eine Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland. Zuvor hatte es Verwirrung um die AfD-Pressekonferenz im Parkhotel Gütersloh gegeben. Sie war kurzfristig abgesagt worden.

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Neue Westfälische - Gütersloh, 12./13.08.2017:

Auf gleichem Platz Welten auseinander

Wahlkampf: Die aus Harsewinkel stammende AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wird in der Innenstadt von Parteianhängern und Gegendemonstranten in Empfang genommen

Von Eike J. Horstmann und Christina Zimmermann

Gütersloh. Die Veranstaltung war definitiv nicht zu überhören. Trotzdem drehten sich mehrere Passanten beim Überqueren des Berliner Platzes verblüfft zur Bühne um, auf der neben dem Konterfei der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel der Slogan "Hol dir deine Heimat zurück!" prangte. Nicht minder überrascht schauten die Passanten auf die Demonstranten, die sich mit bunten Plakaten und Trillerpfeifen am Rande des Platzes aufgebaut hatten und versuchten, die Kundgebung der rechtspopulistischen Partei lautstark zu stören.

Mit "Haut ab!" und "Nazis raus!"-Rufen wurde die aus Harsewinkel stammende AfD-Politikerin und ihr Anhang in Gütersloh begrüßt. Sowohl der Protest als auch die Kundgebung selbst fielen deutlich kleiner aus, als sie ursprünglich angekündigt wurden. Jeweils 100 Gegner und Sympathisanten lieferten sich auf dem zentralen Platz ein akustisches Gefecht, bewacht von einem großen Aufgebot der Polizei. "Irgendwas muss doch getan werden", erklärt ein junger Mann, warum er zur AfD-Kundgebung gekommen ist. "Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen."

Was bei den einen zustimmendes Nicken auslöste, sorgte bei den anderen für verständnisloses Kopfschütteln. "Wir zeigen an diesem Tag, dass Gütersloh bunt und weltoffen ist", sagte Matthis Haverland, Vorsitzender der Jusos Gütersloh, die zur Gegendemonstration aufgerufen hatten. Nicht nur die Jungsozialisten waren dem Aufruf gefolgt. Auch Anhänger der überparteilichen Bewegung "Pulse of Europe" waren an die Moltkestraße gekommen, um gegen die AfD-Veranstaltung anzuschreien. "Die AfD hat in Gütersloh nichts zu suchen", sagte Gegendemonstrant Aisan Dixon. "Wir brauchen eine solche Politik hier nicht, denn Gütersloh ist weltoffen und das muss so bleiben." Mit seiner Pfeife im Mund hoben er und seine Freunde ihr Plakat, auf dem neben einer Fotomontage der AfD-Politikerin auch "Alice im Wunderland" stand, hoch in die Luft. Dazu ertönten laute Pfiffe.

"Alice Weidel hatte hier in Gütersloh vielleicht auf einen Heimvorteil gehofft", sagte Haverland. "Die Gütersloher haben aber bewiesen, dass das nicht der Fall ist." Für ihn war die Gegendemo laut genug. Tatsächlich war unter dem lauten Getriller kaum ein Wort von dem zu verstehen, was auf der Bühne gesprochen wurde. Ohnehin pflegten die Demonstranten nicht gerade einen direkten Austausch.

Neben den genannten Sprechchören flogen von den Gegendemonstranten blaue Europa-Ballons zu den AfD-Anhängern herüber, die dann unter anderem mit den zuvor von den Organisatoren verteilten Stäben von Deutschlandfahnen zerstochen wurden. Der erste laute Knall sorgte kurzfristig für Nervosität an der Bühne und unter den Beamten. In die andere Richtung sparten die Redner - neben Weidel kamen auch der hiesige Kandidat Udo Hemmelgarn und der bayerische AfD-Politiker Peter Boehringer zu Wort - nicht mit Häme und deutlichen Worten in Richtung des politischen Gegners. Als "Pseudo-Demokraten", "Witz", "Schande" oder als personifizierte "Bildungsmisere Deutschlands" wurden die Protestler bezeichnet. Die ließen sich aber nicht beirren und pfiffen noch lauter.

Kurzfristig kam es dann doch zu einem unmittelbaren Kontakt zwischen AfD-Befürwortern und Gegnern, als sich ein junger Mann mit einem Schirm mit der Aufschrift "FCK AFD" unter die Kundgebungsbesucher mischte. Umgehend entwickelten sich Wortgefechte, kurz darauf entriss ihm ein AfD-Anhänger mit Deutschlandfahne den Schirm und trampelte ihn kaputt. Die Polizei schritt umgehend ein und schlichtete - es sollte die einzige Handgreiflichkeit bleiben.

Nach etwas mehr als einer Stunde war der Spuk dann auch schon wieder vorbei. Die Teilnehmer beider Seiten zerstreuten sich, die meisten ganz offensichtlich froh, aus dem Dauerregen heraus zu kommen. Die Lautsprecher auf dem Berliner Platz verstummten, ebenso die Trillerpfeifen der Gegner. Die akustische Hoheit in der Innenstadt übernahmen dann wenige Meter weiter die "Dead Lovers" bei ihrem Konzert von "Freitag 18" auf dem Dreiecksplatz.

Pressekonferenz im Parkhotel abgesagt

Im Vorfeld der Kundgebung der AfD auf dem Berliner Platz hatte die Partei die Vertreter der lokalen Presse zu einer Pressekonferenz ins Parkhotel eingeladen. Diese wurde im Verlauf des Vormittages kurzfristig von der AfD abgesagt.

Der Grund: Sämtliche Konferenzräume des Vier-Sterne-Hotels an der Kirchstraße stünden auf Grund von Wartungsarbeiten zum anberaumten Zeitpunkt nicht zur Verfügung.

Auf Anfrage der Neuen Westfälischen bestätigt eine Sprecherin des Parkhotels den Vorgang. Sie weist allerdings darauf hin, dass es seitens der Partei lediglich eine "nicht bestätigte Anfrage" und somit "keine offizielle Buchung" gegeben habe.

Zudem seien die Wartungsarbeiten kein vorgeschobener Grund: Es handele sich dabei um ein von langer Hand geplantes Projekt für die Sommermonate, bei dem unter anderem die Lüftungsanlage der betroffenen Räume überholt würden. "Die Tiefgarage steht derzeit voll von den Fahrzeugen der Handwerker", so die Sprecherin.

Bildunterschrift: Mit Ratschen und Trillerpfeifen: Die Gegendemonstranten waren während der gesamten Kundgebung zu hören.

Bildunterschrift: Gerangel: Die Polizei schlichtete zwischen den Kontrahenten.

Bildunterschrift: Deutlich: Alice Weidel kanzelt die Protestler ab.

Video unter: www.nw.de/guetersloh

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Neue Westfälische - Gütersloh, 12./13.08.2017:

Gütersloh: Lautes Pfeifkonzert für AfD-Spitzenkandidatin

Gütersloh. Rund 500 Demonstranten waren angekündigt, letztlich kamen rund 200 Sympathisanten und Gegner, um der Kundgebung der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel zu lauschen oder eben ihre Rede durch laute Trillerpfeifen zu stören. Schon im Vorfeld hatte die Partei mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

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Neue Westfälische, 12./13.08.2017:

Trillerpfeifen gegen AfD-Spitzenkandidatin

Protest: Die aus Harsewinkel stammende Alice Weidel spricht in Gütersloh / Die im Vorfeld der Kundgebung anberaumte Pressekonferenz im Parkhotel musste hingegen kurzfristig abgesagt werden

Gütersloh (he). Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte für ihre Kundgebung in Gütersloh 200 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet, die von den Jusos angekündigte Gegendemonstration sollte 300 Protestler zählen. Wahrscheinlich war es dem widrigen Wetter geschuldet, dass letztlich nur jeweils 100 Sympathisanten und Gegner den Auftritt der aus Harsewinkel stammenden Spitzenkandidatin Alice Weidel auf dem zentralen Berliner Platz verfolgten oder eben mit Trillerpfeifen und Rufen zu stören suchten. Der ostwestfälische Dauerregen war indes nicht die einzige Unpässlichkeit, mit der Weidel in Gütersloh zu kämpfen hatte. Eine im Parkhotel vor der Kundgebung anberaumte Pressekonferenz musste kurzfristig abgesagt werden, da sämtliche Konferenzräume des Hotels wegen Wartungsarbeiten nicht zur Verfügung standen. In Düsseldorf durfte die AfD derweil den Henkel-Saal für ihren Wahlkampfauftritt nutzen. Das Amtsgericht erließ eine einstweilige Verfügung zugunsten des örtlichen AfD-Kreisverbandes.

Bildunterschrift: Lautstark: Die Gegendemonstranten in Gütersloh.

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Westfalen-Blatt, 12./13.08.2017:

Kein Heimspiel

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sieht überall Verfall

Von Dietmar Kemper

Gütersloh (WB). Ein Heimspiel war das für die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel nicht wirklich. Beim Auftakt des Bundestagswahlkampfes in NRW füllte sich der Berliner Platz in Gütersloh nur spärlich - und die Gegenseite brachte Weidel mächtig in Rage.

Die Gegendemonstranten von SPD, Gewerkschaften und der Organisation Pulse of Europe nannte die in Gütersloh geborene Weidel "eine Schande, einen Witz". Sie benützten Trillerpfeifen, weil sie nicht in der Lage seien, Argumente in Worte zu fassen. Weidel, neben Alexander Gauland das Gesicht der AfD im Bundestagswahlkampf: "Da hinten steht die Bildungsmisere der Bundesrepublik Deutschland."

Vor etwa 80 eigenen Anhängern - die Gegenseite war mindestens genauso groß - folgten am Freitag die bekannten Vorwürfe. Die Bundesregierung in Person von Angela Merkel treffe einsame Entscheidungen auf Kosten der Bürger und breche dabei deutsches und europäisches Recht. "Wir erleben ei­nen Verfall der Ordnung, der Rechtsordnung, der Prinzipien", behauptete Weidel und steuerte auf das Lieblingsthema der Partei, die Flüchtlingspolitik, zu. Merkel habe es zugelassen, "dass jeder Hinz und Kunz in unser Land kommen kann". Asyl brauche eine Obergrenze, die Probleme der Welt ließen sich nicht in Deutschland lösen. Es sei ein Skandal, "Leute ohne Papiere in unser Land zu lassen und sie dann mit der Begründung nicht abzuschieben, weil sie keine Papiere haben". Weidel forderte ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild, um sicherzustellen, dass Fachkräfte ins Land kommen.

Untergangsphantasien beschwor die 38-Jährige auch beim Thema Geld. Null- und sogar Negativzinsen fürs Ersparte gebe es schon, und jetzt solle den Bürgern auch noch das Recht, Bargeld zu verwenden, beschnitten werden. "Die AfD steht für eine uneingeschränkte Bargeldnutzung der Bürger", betonte Weidel, die in Harsewinkel aufwuchs und in Versmold das Gymnasium besuchte.

Zuvor hatte Udo Hemmelgarn, Sprecher der AfD im Regierungsbezirk Detmold und Bundestagskandidat, die "Mainstream-Medien" kritisiert, die angeblich nur noch interessengelenkt und nicht mehr sauber informierten - ein Stereotyp, das immer wieder im Wahlkampf bemüht wurde.

Vor ausländischen Zuhörern am Rande des Platzes verwies der 58-Jährige "auf die gut funktionierenden Smartphones der Flüchtlinge", die aber gleichzeitig keine Papiere dabei hätten. Mit Blick auf Migranten sprach er von einem "Einfall". Die überschaubare Gruppe auf dem Berliner Platz forderte er bei fiesem Nieselregen auf: "Holen Sie sich den Rechtsstaat zurück."

Bildunterschrift: Alice Weidel konzentrierte sich auf das Flüchtlingsthema und warf der Bundesregierung vor, ohne Not auf eine effektive Sicherung der Grenzen zu verzichten.

Bildunterschrift: Jusos hatten sich ein Wortspiel ausgedacht.

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