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Westfalen-Blatt / Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel , 21.04.2017 :

"Hier ruhen so viele stolze Herzen"

Fotospaziergang über den Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne

Von Matthias Kleemann

Kreis Gütersloh (WB). Am 2. April jährte sich der Tag der Befreiung des Stammlagers 326 (VI K) zum 72. Mal. Amerikanische Soldaten nahmen das Lager ohne Widerstand ein, die Führungskräfte des Lagers hatten sich abgesetzt, nur ein Wachdienst sollte die Stellung halten.

Etwa 9.000 Überlebende trafen die Soldaten an. Aber noch viel größer ist die Zahl der Toten, die in der Nähe des Lagers in 36 Massengräbern verscharrt worden waren. Schätzungen zufolge sollen es bis zu 65.000 sein. Etwa 16.000 von ihnen konnten in der Gedenkstätte Stalag 326 schon namentlich identifiziert werden.

Eine Gruppe überlebender Gefangener hat unmittelbar nach der Befreiung damit begonnen, das Gräberfeld in einen würdevollen Friedhof umzuwandeln. Sie haben das Gelände eingezäunt, für jede der 36 Grabreihen einen Gedenkstein aufgestellt und den Obelisken geschaffen. Die Inschriften sind auf kyrillisch, englisch und deutsch.

Am 2. Mai 1945 wurde der Friedhof eingeweiht. Etwa 400 Kriegstote von nahegelegenen Friedhöfen waren exhumiert und auf den Friedhof umgebettet worden.  Ihre Gräber liegen direkt auf der linken Seite, vom Eingang aus gesehen. Es sind vier Grabreihen markiert mit schlichten Stelen, auf denen A, B, C und D steht. In den 60er Jahren wurden noch einmal 809 Personen, darunter auch einige Zwangsarbeiterinnen und Kinder beigesetzt. Deren Gräber befinden sich ganz hinten am Zaun, mit Inschriften in lateinischer Schrift. Die Gräber der übrigen Umgebetteten sind auf der Fläche vor der Ehrenhalle, fünf Grabreihen mit Steinen, auf denen jeweils vier Namen vermerkt sind, je zwei auf Vorder- und Rückseite.

Nach und nach wurde das Gelände umgestaltet. Der Besucher geht durch ein schmiedeeisernes Tor und blickt auf ein zentral positioniertes Mahnmal in Form vieler steinerner Kreuze. Die rote Fahne aus Glaskeramik, die sich ursprünglich auf der Spitze des Obelisken befand, wurde durch ein orthodoxes Kreuz ersetzt. Darüber ist lange gestritten worden.

Gedenktafeln wurden aufgestellt, zuletzt die Glasstelen mit 16.000 Namen. Heute ist der Friedhof ein parkähnliches Gelände, das zu jeder Jahreszeit seinen Reiz hat und zum Verweilen und Gedenken einlädt.

Bildunterschrift: Auf dem Obelisken grüßt das orthodoxe Kreuz.

Bildunterschrift: Narzissen und andere Frühlingsblumen sprießen zurzeit, so wie hier vor einem der 36 Kopfsteine für die Massengräber.

Bildunterschrift: Weiß, blau und rot, die Farben Russlands, auf einem Gebinde, das am Obelisken niedergelegt wurde.

Bildunterschrift: Angehörige reisen von weither an. Einige von ihnen hinterlassen individuelle Zeugnisse des Gedenkens.

Bildunterschrift: Diese Steine stehen hinten am Zaun. Hier sind Zwangsarbeiterinnen und Kinder begraben.

Bildunterschrift: Einer von wenigen individuellen Grabsteinen dort, wo 400 umgebettete Kriegstote liegen.

Bildunterschrift: 16.000 Namen in kyrillischer Schrift auf 17 Glasstelen, die vor kurzem aufgestellt wurden.

Bildunterschrift: Kiefern und Birken wachsen auf dem Ehrenfriedhof, eine Vegetation, wie sie wohl auch in weiten Teilen Russlands ähnlich anzutreffen ist.

Bildunterschrift: Auf diesen Stelen stehen die bekannten Namen der 400 Umgebetteten.


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