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Neue Westfälische , 02.02.2017 :

Brandanschlag auf Muslime

Mordkommission ermittelt: Der schnelle Einsatz der Bielefelder Feuerwehr rettet dem schlafenden Iman vermutlich das Leben / Alles spricht für gelegtes Feuer

Von Jürgen Mahncke

Bielefeld. Den Mitgliedern der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Bielefeld steht auch zwölf Stunden nach dem Brandanschlag auf ihr Gemeindezentrum die Betroffenheit und Angst im Gesicht. Um genau 3.13 Uhr am Mittwochmorgen geht in der Leitstelle der Bielefelder Feuerwehr der Notruf ein, dass aus der Moschee an der Ziegelstraße Flammen schlagen. Und dann kommt von dem aufmerksamen Nachbarn, der durch klirrende Fensterscheiben wach geworden war, noch der entscheidende Hinweis, dass in dem Gebäude vermutlich zwei Menschen schlafen.

Es spielen sich dramatische Szenen ab. Feuerwehrleute unter schwerem Atemschutz durchsuchen im Erdgeschoss Aufenthalts- und Sozialräume und kämpfen sich durch dichten Qualm. Ein zweiter Trupp erkundet die Kellerräume. Hier befindet sich der Gebetsraum der bosnischen Moschee-Gemeinde.

Gleich nebenan liegt das Appartement des Imans Mohamed Fetic. Mit Gewalt wird die Tür aufgebrochen. Feuerwehrleute wecken den Vorprediger, der im Tiefschlaf liegt und führen ihn ins Freie. Eine zweite Person wird nicht gefunden.

Im Mehrfamilienhaus wecken Polizisten mit lautem Klopfen 18 Bewohner und fordern sie auf, das Gebäude zu verlassen. Es besteht Gefahr, dass die Flammen von nebenan übergreifen. "Um 3.30 Uhr hämmerte die Polizei an meine Wohnungstür", erzählt Heidrun Zimmermann. "Ich habe alles zusammengepackt, mir den Mantel übergezogen und schon stand ich draußen in der Kälte." Inzwischen ist der Brand gelöscht. Als Heidrun Zimmermann gefragt wird, ob sich der Iman bei ihr aufwärmen könne, zögerte die 71-jährige schwer kranke Frau nicht lange. "Wenn Leute in Not sind, muss ich helfen", sagt sie bescheiden und weist darauf hin, dass sie nur positive Erfahrungen mit den muslimischen Menschen aus Bosnien gemacht hat.

Eintreffende Beamte der Kriminalpolizei und des Staatsschutzes haben bei erstem Augenschein und Spurensuche schnell eine Vermutung. Eine große Fensterscheibe ist eingeworfen, Brandbeschleuniger eingesetzt worden.

Verdächtige Gegenstände werden in einer Mülltonne gefunden. Alles spricht für eine Brandstiftung. Noch am Morgen nimmt eine Mordkommission mit vierzehn Beamten ihre Arbeit auf. "Wir ermitteln wegen versuchten Mordes", bestätigt ihr Leiter Thorsten Stiffel. Es werde geprüft, ob es sich um eine politisch motivierte Tat handeln könnte.

Der 1. Vorsitzende der islamisch-bosnischen Gemeinschaft, Haris Mulic, zeigt sich am Nachmittag betroffen. Gemeinsam mit dem in der Nacht geretteten Iman, Mohamed Fetic, diskutiert er vor dem beschlagnahmten und schwer beschädigten Gemeindezentrum die Konsequenzen aus dem Brandanschlag. "Wir sind sehr besorgt über den Anschlag auf unsere Gemeinde, wir wissen nicht, wie das weitergehen soll", und spricht von drei Anschlägen auf Moscheen, die 2014 in Bielefeld und Bad Salzuflen verübt wurden.

Mehmet Ali Ölmez vom Integrationsrat der Stadt Bielefeld fordert in einer Stellungnahme, Populisten, Rassisten und Demagogen keinen Raum im öffentlichen Leben zu lassen. Den Betroffenen hilft dies wenig. Sie haben einfach nur noch Angst.

Bildunterschrift: Betroffen: Iman Mohamed Fetic (links) und Gemeindevorsitzender Haris Mulic vor dem beschlagnahmten Gebäude.

Bildunterschrift: Einsatz: Feuerwehrleute an der Brandstelle. Der Schaden ist hoch.


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