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Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock / Westfalen-Blatt ,
14.08.2012 :
Drei Länder - drei Jahre / Jugendliche eines ewoca3-Camps besuchen die Dokumentationsstätte Stalag
Von Bernd Steinbacher
Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Thematisch dreht sich das europäische Workcamp (ewoka3) um Konflikte und gesellschaftliche Auswirkungen. Gedanken darüber machen sich Jugendliche aus Deutschland, Weißrussland und Bosnien-Herzegowina.
Die 24 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren nehmen an einem Workcamp teil, das internationalen Jugendaustausch zum Ziel hat. 14 Tage sind sie zusammen, vier davon besuchen sie die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne und den Sowjetischen Ehrenfriedhof. Sie beschäftigen sich dabei mit der Geschichte des Lagers und mit dem Schicksal der Kriegsgefangenen. "Der Zweite Weltkrieg dient als Beispiel, welche Auswirkungen Konflikte auf Menschen haben können", sagte gestern Galina Müller. Sie ist Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Gütersloh im Bereich Jugend und Bildung und leitet mit einem Kollegen zusammen das Camp.
Von Sonntag bis Mittwoch sichten sie in der Dokumentationsstätte Dokumente, besonders Fotos, die Schicksale zeigen. Sie hören Vorträge, und gestern stand noch eine Wanderung zum Hövelhofer Bahnhof an. Auf dem so genannten Russenpfad mussten die Kriegsgefangenen vom Bahnhof bis zum Lager marschieren, völlig entkräftet. Manch einer überlebte bereits diesen Marsch nicht.
Oliver Nickel, Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte, hat gerne zugesagt, als die Anfrage der Stadt Gütersloh wegen des Besuchs kam: "Es ist sehr interessant, Jugendliche aus drei verschiedenen Ländern hier zu haben. Sie gehen unterschiedlich mit der Geschichte um. Die Bosnier haben ja selbst Erinnerung an 1996 und 1997. Solche Erinnerungen werden durch Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg wieder hervorgerufen."
"Es ist sehr interessant, Jugendliche aus drei verschiedenen Ländern hier zu haben."
Oliver Nickel
Olga Heptin, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte, übersetzt, wenn Besuch aus Russland oder Weißrussland kommt. Sie betreut jetzt die Jugendlichen aus Weißrussland, die sich mit Biographien beschäftigt haben. Olga Heptin erzählt, dass die Jugendlichen einen Brief an jene Frau aus Weißrussland schreiben wollen, die die Dokumentationsstätte und den Ehrenfriedhof besuchte.
"Das Stalag ist emotional geladen", sagt Galina Müller. Die Jugendliche beteiligten sich stark und diskutierten auch abends noch über das Erlebte. So wunderten sich einige, dass die Polizei das einstige Lagergelände nutze.
Die Teilnehmer wohnen in Gütersloh in Zelten auf dem Gelände der Hauptschule Nord. Von dort kommen auch die deutschen Teilnehmer. "Wir haben Schüler angesprochen. Wichtig waren Interesse und die Bereitschaft, die drei Jahre mitzumachen", sagt Galina Müller. Für die Jugendlichen aus den anderen Ländern hat es eine Ausschreibung im Internet gegeben. Gemeinsam wollen sie auf dem Schulgelände einen Treffpunkt mit Feuerstelle anlegen und einen Baum pflanzen.
Die Gruppe fährt noch nach Berlin, trifft Politiker, besucht den Reichstag und ein jüdisches Jugendzentrum. Fortgesetzt wird das Jugendcamp im nächsten Jahr in Bosnien. Dabei geht es dann darum, wie Konflikte wirken und wie die Menschen selbst damit umgehen. 2014 treffen sich die Jugendlichen dann in Weißrussland. Dann werden die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Natur thematisiert.
Doch nicht nur ernste Themen stehen auf dem Programm. So sollte es gestern einen weißrussischen Abend geben mit mit Liedern, Tänzen und Essen. Heute folgt das bosnische Programm. Die deutschen Jugendlichen überlegen noch, was sie als typisch deutsch anbieten, denn einige von ihnen kommen aus dem Iran und Irak. Finanziert wird dass Camp von der Stadt Gütersloh und dem Land NRW über das Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund.
Bildunterschrift: 24 Teilnehmer eines Workcamps besuchen noch bis morgen die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne. Leiterin des Camps mit Jugendlichen aus Deutschland, Weißrussland und Bosnien-Herzegowina ist Galina Müller, Mitarbeiterin der Stadt Gütersloh (rechts). Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Dokumentationsstätte Victoria Evers (4. von rechts), Olga Heptin (3. von rechts) und Oliver Nickel (2. von rechts) erläutern die Geschichte und betreuen die Gäste.
SHS@westfalen-blatt.de
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