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Veranstaltung / Nachrichten - 18. August 2012: Antifaschistische Demonstration in Barsinghausen ,
14.08.2012 :
Tages-Chronologie von Dienstag, 14. August 2012
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Veranstaltungskalender:
- Dienstag, 14. August um 20.00 Uhr -
Filmvorführung: "The truth lies in Rostock" (Dokumentarfilm von Mark Saunders und Siobhan Cleary, Deutschland 1993, 82 Minuten)
Veranstaltungsort:
Freiraum Hameln e.V.
Walkemühle 1a
31785 Hameln
www.freiraum-hameln.de
Knapp 20 Jahre nach den massiven, rassistischen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen zwischen dem 22. und 26. August 1992, wollen wir den Dokumentarfilm: "The truth lies in Rostock", der diese unfassbaren Ereignisse bedrückend festgehalten hat, anzusehen und bei Bedarf zu besprechen.
Für diejenigen unter euch, die es nicht bei der bloßen Mischung aus Trauer, Wut und Empörung belassen wollen, können wir im Anschluss etwas zu den geplanten antifaschistischen Demonstrationen erzählen, die am 25. August 2012 in Rostock-Lichtenhagen stattfinden sollen.
Informationen im Internet:
www.lichtenhagen.net/
www.lichtenhagen.blogsport.de
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Dienstag, 14. August 2012
Die am 7. März 2012 begonnenen Arbeiten für den Umbau des Schloßhofes in Bielefeld, von 1940 bis 1943 als Arbeitslager für Jüdinnen und Juden unter Aufsicht der Gestapo genutzt, ruhen derzeit.
Am 13. August 2012 besuchte der 84-jährige Holocaust-Überlebende Hans-Leo Kornberg aus Boston in Bad Salzuflen das Haus in der Wenkenstraße 5, in dem die jüdische Familie Kornberg bis 1939 lebte.
Vom 12. bis zum 15. August 2012 besuchen 24 Jugendliche aus Deutschland, Weißrussland und Bosnien-Herzegowina die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) in Stukenbrock-Senne.
Am 18. August 2012 findet in Barsinghausen unter dem Motto "Enough is enough - Nazi-Gewalt entschlossen entgegentreten!" eine antifaschistische Demonstration statt.
Am 11. August 2012 referierte die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel in Hamm vor NPD-Mitgliedern und Neonazis in einer vom Neonazi Sascha Krolzig angemieteten ehemaligen Gaststätte.
Mitte Juli 2012 hat die extrem rechte "Justizopferhilfe (JOH) NRW" in der Lübbecker Straße in Löhne ein Büro im Gebäude von "JOH"-Mitglied Ralf Wachsmuth eröffnet.
Am 13. August 2012 kehrte Arutjun Varandanjan nach über drei Jahren seiner Abschiebung nach Armenien mit einem Visum für drei Monate nach Kirchlengern zurück.
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Bielefeld: Der Schloßhof als jüdisches Lager in der NS-Zeit - Umbauarbeiten ruhen
Die am 7. März 2012 begonnenen Arbeiten für den Umbau des Schloßhofes in Bielefeld, das Gebäude wurde von 1940 bis 1943 als Arbeitslager für Jüdinnen und Juden unter Aufsicht der Gestapo genutzt, ruhen derzeit. Darüber berichtet heute, am 14. August 2012, das Westfalen-Blatt.
Streit mit der Stadt um Stellplätze
Demnach haben sich der städtische Immobilienservicebetrieb (ISB) und der Betreiber der künftigen "Café und Bar Celona Finca" bisher nicht über den Preis für ein angrenzendes ehemaliges Bauhofgelände einigen können.
Rückblick: Hauskasten des historischen Gebäudes bleibt erhalten
Am 24. März 2011 hatten die Celona Gastro GmbH als Pächter und das Aktionsbündnis Schloßhof vereinbart, den gesamten Hauskasten des historischen Gebäudes zu erhalten. In dem Haus an der Schloßhofstraße wollte die Celona Gastro GmbH als Pächter ursprünglich - ungeachtet der historischen Bedeutung des ehemaligen Zwangslagers - ihr Finca-Konzept mit mediterraner Gastronomie umsetzen. Dafür zog das Unternehmen auch einen Abriss des Gebäudes in Betracht. Im Innenleben des Gebäudes wird der Vereinbarung zu Folge nun der ehemalige Wirtschaftsteil und spätere Männerschlafsaal während der Lagernutzung 1940 bis 1943 erhalten bleiben. Zudem hat die Celona Gastro GmbH zugesagt, an prominenter Stelle in der neuen Gaststätte eine Erinerungstafel anbringen zu lassen, Fotos von Insassen für eine Illustration sind vorhanden. Zudem soll es eine Broschüre zur Geschichte des Schloßhofs im Lokal geben.
"Aktionsbündnis Schloßhof"
Am 17. November 2010 hatte sich ein Aktionskreis gegründet, der sich dafür einsetze, dass das Gebäude des Schloßhofs erhalten wird. Das "Aktionsbündnis Schloßhof" unter dem Dach des "Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg" setzt sich unter anderem zusammen aus der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Pro Grün, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und dem Verein für Zeitgeschichte und regionale Erinnerungskultur.
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Bad Salzuflen: Holocaust-Überlebender besucht Elternhaus
Am 13. August 2012 besuchte der 84-jährige Holocaust-Überlebende Hans-Leo Kornberg aus Boston in Bad Salzuflen das Haus in der Wenkenstraße 5 - des gerade eröffneten Hotels "Kleiner-Grünauer", in dem die jüdische Familie Kornberg bis 1939 lebte. Darüber berichtet heute, am 14. August 2012, die Lippische Landes-Zeitung.
Kindertransport nach England
Zum 1. Januar 1920 eröffnete der Kaufmann Max Kornberg (1889 - 1943) im Haus seines Schwiegervaters in der Wenkenstraße 5 ein Tabakwarengeschäft, das ab 1932 von seiner zweiten Frau, Selma, geb. Nathan (1886 - 1942), geführt wurde, er selbst arbeitete als Handelsvertreter. Während des Novemberpogroms 1938 wurde Max Kornberg gemeinsam mit sechs weiteren Juden aus Bad Salzuflen und Schötmar verhaftet und für vier Wochen im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Im Januar 1939 konnte der Sohn aus erster Ehe, Hans-Leo (Jahrgang 1928), mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden.
Deportation in das Warschauer Ghetto
Bereits im September 1938 war das Tabakwarengeschäft auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen, das Haus Ende November 1938 verkauft worden - die Eheleute Kornberg wurden in das zum "Judenhaus" erklärte Haus Lange Straße 41 zwangsweise umgesiedelt. Max und Selma Kornberg wurden am 31. März 1942 von Bielefeld aus in das Warschauer Ghetto deportiert. Selma Kornberg ist von dort in das Vernichtungslager Treblinka gebracht worden, wo sich ihre Spur verliert. Ihr Ehemann wurde vermutlich am 3. November 1943 im Zwangsarbeitslager Trawniki (bei Lublin) erschossen.
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Schloß Holte-Stukenbrock: Jugendliche besuchen die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K)
Vom 12. bis zum 15. August 2012 besuchen 24 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren aus Deutschland, Weißrussland und Bosnien-Herzegowina die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) und den Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne. Darüber berichten heute, am 14. August 2012, das Westfalen-Blatt und die Neue Westfälische.
Internationaler Jugendaustausch
Demnach nehmen die Schülerinnen und Schüler, davon eine Gruppe der Hauptschule Nord aus Gütersloh, an einem Programm des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks teil, das den internationalen Jugendaustausch zum Ziel hat und vom Land Nordrhein-Westfalen und der Stiftung Mercator unterstützt wird.
Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers "Stalag 326 (VI K)"
Anfang Mai 1941 begannen auf Befehl deutscher Wehrmachtsoffiziere die Arbeiten für das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers "Stalag 326 (VI K)". Diese Lager bekamen zunehmend eine große Bedeutung für die deutsche Kriegswirtschaft. So wurde bei Stukenbrock, im Bereich der Eselsheide, schon vor dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion eine Riesenfläche von vierhundert mal tausend Metern eingezäunt, Brunnen und Baracken für die Wachmannschaften angelegt. Die Nationalsozialisten rechneten mit einer großen Anzahl von Kriegsgefangenen.
Belegung unmittelbar nach dem Überfall auf die Sowjetunion
Das "Stalag 326" wurde schon unmittelbar nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 mit den ersten Kriegsgefangenen belegt. Mehr als 7.000 erreichten die Senne am 7. Juli 1941. In Viehwaggons der Reichsbahn waren sie zum Bahnhof Hövelhof gebracht worden und mussten dann, völlig erschöpft, den langen Fußmarsch zu dem vorgesehenen Lager am Lippstädter Weg (heute Landespolizeischule Erich Klausener) zurücklegen. Auf der eingezäunten Fläche fanden sie weder Unterkünfte noch ausreichende Verpflegung oder sanitäre Einrichtungen. Sie hausten in selbst errichteten Erdlöchern unter freiem Himmel. Insgesamt bestand die Nahrung aus 700 bis 800 Kalorien. Erschöpfung und Unterernährung begünstigten Krankheiten, an denen Tausende Gefangene gerade in den ersten Wochen zugrunde gingen.
340.000 Kriegsgefangene
340.000 überwiegend russische Kriegsgefangene waren zwischen 1941 und 1945 im Stalag 326 interniert. Die gründliche deutsche Bürokratie hat die Vorgänge im Lager akribisch erfasst. Das Lager wurde am 2. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit.
Ehrenfriedhof
Der Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter - in der Umgebung vor Ort zumeist als "Russenfriedhof" bezeichnet - befindet sich nahe des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers "Stalag 326". Mehrere zehntausend Tote wurden hier zwischen 1941 und 1945 begraben. Nicht nur für die Überlebenden entstand hier nach Befreiung und Kriegsende ein Ort der Erinnerung.
Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) im Internet:
www.stalag326.de
www.mitmachen-und-lernen.stalag326.de
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Barsinghausen: Antifaschistische Demonstration gegen Neonazi-Gewalt
Am 18. August 2012 findet in Barsinghausen unter dem Motto "Enough is enough - Nazi-Gewalt entschlossen entgegentreten!" eine antifaschistische Demonstration statt. Darüber berichten heute, am 14. August 2012, die "Calenberger Online News".
Hannover: Neonazi-Attacke mit Messer und Pfefferspray ...
Am 10. August 2012 griffen Neonazis aus dem Umfeld von "Besseres Hannover" sowie weitere Personen aus dem rechten Spektrum zwischen 21.00 Uhr und 21.30 Uhr einen Informationsstand der Kampagne "Nazis die Räume nehmen" auf dem Opernplatz in Hannover an.
... Weiterer Angriff mit Messer und Molotowcocktails in Barsinghausen
Wenige Stunden nach der Attacke in Hannover wurden die zum Teil gleichen Neonazis in der Innenstadt von Barsinghausen mit noch nicht entzündeten Molotowcocktails gesehen. Anschließend griffen diese einige Antifaschistinnen und Antifaschisten an. Eine Person wurde von einem Messer im Gesicht und am Rücken verletzt.
Neonazi-Aktivitäten in Barsinghausen - eine unvollständige Chronologie
Brandanschlag auf Falkenkeller
Bereits in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 2012 wurden zwei Molotowcocktails in den Eingangsbereich des freien Jugendraums Falkenkeller in Barsinghausen, der seit 16 Jahren von Jugendlichen in Selbstverwaltung betrieben wird, geworfen. Die Polizei Barsinghausen und der Staatsschutz Hannover untersuchten am 5. Juni 2012 den Eingangsbereich des Falkenkellers.
Keine "verfestigten rechtsextremistischen Strukturen"?
Zuvor, am 13. Februar 2012, behauptete die Polizeidirektion Hannover im Rahmen eines Pressegespräches, dass es in Barsinghausen "keine verfestigten rechtsextremistischen Strukturen" gebe.
Neonazi-Szene nicht totschweigen oder verharmlosen
Am 5. Februar 2012 forderte hingegen Andreas Gehrke, Regionsgeschäftsführer der DGB-Region Niedersachsen-Mitte, beim Neujahrsempfang des DGB-Ortsverbandes Barsinghausen dazu auf, Widerstand gegen Neonazis zu organisieren. Auf keinen Fall dürfe die Neonazi-Szene totgeschwiegen oder verharmlosen werden, so Gehrke und rief die Exekutive dazu auf, "die jungen Menschen, die Stellung gegen die Nazis beziehen, zu unterstützen und zu schützen". Gehrke forderte auch die gesamte Stadtgesellschaft auf, Widerstand gegen die extreme Rechte zu organisieren.
Hakenkreuze und NS-Parolen zum Holocaust-Gedenktag
In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 2012 wurden in Hohenbostel, einem Stadtteil von Barsinghausen, an zahlreichen Stellen Hakenkreuze und neonazistische Parolen gesprüht.
"NS" - "AntiAntifa" - "National" - "Deister Legion"
Die Neonazis besprühten unter anderem eine Friedhofsmauer an der Heerstraße mit "AntiAntifa", "National", "Deister Legion" und einem Hakenkreuz, weitere Hakenkreuze im Friedhof selbst an einer Sandsteinmauer und einem Baum.
Rückblick: "Wenn man miteinander spricht ... "
Am 23. Dezember 2011 erklärte die Polizei Barsinghausen, dass sie nach dem neonazistischen Überfall auf den selbstverwalteter Jugendraum Falkenkeller am 4. November 2011 auf Gespräche mit den Jugendlichen aus der rechten und der linken Szene setze.
Herunterspielen, verniedlichen und bagatellisieren - Staatsschutz ermittelt
Am 5. Dezember 2011 teilte der Staatsschutz in Hannover mit, dass sich an "der Gesamtsituation in Barsinghausen" seit "der Pressekonferenz vor einigen Wochen", gemeint ist der 18. November 2011, "nichts geändert" habe.
"Täter nicht unbedingt aus dem Bereich Barsinghausen"
Die Behörde habe demnach noch keine Hinweise auf die Täter, die in der Nacht zum 4. Dezember 2011 zahlreiche Neoazi-Schmierereien anbrachten hatten und wies darauf hin, dass die Täter nicht unbedingt aus dem Bereich Barsinghausen stammen müssten:
Neonazistische Schmierereien
In der Nacht zum 4. Dezember 2011 wurden im Ortsteil Hohenbostel in Barsinghausen mindestens zwölf Mal Häuserwände und Mauern mit neonazistischen Parolen wie "Deutschland den Deutschen" oder "Antiantifa" beschmiert. Der Staatsschutz habe hingegen im Zuge der Ermittlungen bislang neun Tatorte identifiziert: Achtmal beschmierten die unbekannten Täter demnach Wände und Scheiben in Hohenbostel, ein Schriftzug tauche in Winninghausen auf.
Schlägerei unter "der rechten und der linken Szene"?
Am 3. Dezember gegen 22.40 Uhr hätten sich in der Barsinghäuser Marktstraße "zwei Personen aus einer Zehnergruppe, die dem linken Spektrum zuzuordnen sind, haben sich mit zwei Personen geprügelt, die als rechtsorientiert einzuordnen sind", so der Staatsschutz weiter. Die Aussage einer Zeugin, die etwas anderes beobachtet und gegenüber den Ermittlern ausgesagt hatte, wurde von der Behörde bisher nicht erwähnt.
Hakenkreuz an Fenster geschmiert - Goetheschule
Bereits zuvor, vermutlich am Wochenende 26./27. November 2011, wurde von außen an die Glasscheibe der Sporthalle der Kooperativen Gesamtschule Goetheschule in Barsinghausen ein Hakenkreuz geschmiert.
Schulleiter rät von Überbewertung ab
Demnach riet der Schulleiter der Kooperativen Gesamtschule Goetheschule, Thomas Frenzel-Früh, von einer Überbewertung der Angelegenheit allerdings ab.
Kundgebung für den Erhalt des Falkenkellers und gegen Neonazis
Am 26. November 2011 fand in Barsinghausen eine Kundgebung mit etwa 70 Teilnehmenden für den Erhalt des Falkenkellers, freie Jugendarbeit und gegen die sich im Laufe der letzten 12 Monaten stark radikalisierte neonazistische Szene statt. An der Protestaktion nahmen auch Mitglieder der SPD und von Bündnis 90 / Die Grünen sowie die stellvertretende Bürgermeisterin teil.
Seit 16 Jahren selbstverwalteter Jugendraum
Der Falkenkeller ist ein freier Jugendraum in Barsinghausen, der seit 16 Jahren von Jugendlichen in Selbstverwaltung betrieben wird. Die Stadt Barsinghausen versuchte in den letzten Jahren immer wieder den Falkenkeller zu behindern, wo es möglich war.
"Hier werden die Opfer der Rechten bestraft"
Ausgerechnet neonazistische Übergriffe auf die Einrichtung führten jetzt dazu, dass der Falkenkeller aktuell massiv in seiner Existenz bedroht ist, da die Stadtverwaltung nach 16 Jahren spontan festgestellt hat, dass sich nur noch maximal 15 Personen im Kellerraum aufhalten dürfen. Das bedeutet dass alle Veranstaltungen des Falkenkellers, vom Jugendcafé über Spieleabende bis hin zu Konzerten und Bildungsabenden nicht mehr stattfinden können. "Hier werden die Opfer der Rechten bestraft", betonte ein Redner auf der Kundgebung am 26. November 2011 im Hinblick auf den Falkenkeller-Überfall vor wenigen Wochen.
Neonazistische Übergriffe ...
Am 4. November 2011 gegen 22.20 Uhr überfielen fünf vermummte Neonazis im Alter von 17 bis 22 Jahren den Falkenkeller und wurden kurze Zeit später von der Polizei festgenommen. Die Neonazis waren zuvor vermummt und Parolen skandierend durch die Innenstadt gezogen.
Am 9. November 2011 demonstrierten spontan etwa 40 Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Innenstadt von Barsinghausen gegen die gefestigten und vernetzten neonazistische Strukturen.
... eines losen Zusammenhaltes
Schon am 18. November 2011 teilten die Polizei in Barsinghausen und der Staatsschutz aus Hannover in einer Märchenstunde mit, dass es keine rechte Szene oder feste Gruppe, sondern nur einen losen Zusammenhalt in der Stadt Barsinghausen gibt.
Gefestigte und vernetzte Neonazi-Szene
Die Szene in Barsinghausen hat sich im Laufe von 16 Monaten deutlich radikalisiert, gefestigt und vernetzt. Sie hält Kontakte zu Neonazis im Landkreis Schaumburg und einer der Wortführer der Gruppe ist Mitglied in der Kameradschaft "Besseres Hannover".
Informationen im Internet:
www.falkenkeller-barsinghausen.de
www.recherchebbg.wordpress.com
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Hamm / Vlotho: Holocaust-Leugnerin zu Gast bei NPD und "Kameradschaft Hamm"
Am 11. August 2012 sprach die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho in Hamm vor NPD-Mitgliedern und Neonazis aus Hamm, Dortmund und dem Münsterland in einer von dem an der Universität Bielefeld Jura studierenden Neonazi Sascha Krolzig aus Hamm angemieteten ehemaligen Gaststätte in der Werler Straße 82. Darüber berichtet heute, am 14. August 2012, der "Blick nach Rechts".
"Wirtschaftspolitik 1933 - 45"
Haverbeck referierte zum Thema "Wirtschaftspolitik 1933 - 45", eingeladen war sie von der "Kameradschaft Hamm" und dem NPD-Kreisverband Unna / Hamm.
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Löhne: "Justizopferhilfe" hat Büro eröffnet
Mitte Juli 2012 hat die vom Landesamt für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen und dem Polizeilichen Staatsschutz für Ostwestfalen-Lippe beobachtete extrem rechte "Justizopferhilfe (JOH) NRW" in der Lübbecker Straße in Löhne ein Büro im Gebäude von "JOH"-Vorstandsmitglied Ralf Wachsmuth ("Abt. Menschenrechte, Sicherheit, Öffentlichkeitsarbeit") eröffnet. Darüber berichtet heute, am 14. August 2012, das Westfalen-Blatt.
Büro als Wohnsitz
Im "JOH-Bürgerbüro" haben unter anderem Jürgen Niemeyer ("Recht, Sicherheit, Gesundheit, Öffentlichkeitsarbeit"), Gerd Peter Wattler ("Finanzen, Gesundheit, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit") und Gustav Kowsky aus dem Vorstand der "JOH" ihren Wohnsitz bei der Stadt Löhne angemeldet. Damit bestehe "absolutes Hausrecht", "BRD-Dienstausweisträger" würden in Kürze erfahren, was mit dem "JOH-Hausrecht" umgesetzt werden solle, so eine Ankündigung von Vorstandsmitglied Gustav Kowsky.
Von Polizeibeamten mit Hitlergruß verabschiedet
Einer der Akteure der "JOH" ist der in Vlotho lebende "Reichsbürger" Axel Thiesmeier ("Status: Person des Vorstandes - Abt. Recht, Sicherheit, Revision, Öffentlichkeitsarbeit"). Am 12. November 2009 hatte sich Thiesmeier in Bad Oeynhausen von zwei Polizeibeamten mit dem Hitlergruß verabschiedet. Das Amtsgericht Bad Oeynhausen hatte Thiesmeier deshalb wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach "dem Sondergesetz" (Thiesmeier) § 86a StGB am 30. April 2010 zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen à 30 Euro Strafe verurteilt. Die 11. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld reduzierte die Strafe am 5. Oktober 2010 wegen anstehender Unterhaltsverpflichtungen des Angeklagten von 750 auf 500 Euro.
Webmaster vom "Collegium Humanum"
Thiesmeier war der Webmaster der Homepage des "Collegium Humanum" in Vlotho. Diesbezügliche Ermittlungen des am 7. Mai 2008 vom Bundesinnenminister verbotenen Zentrums der Holocaust-Leugner führten jedoch zu keiner Anklageerhebung.
"Hauptmann der Wache"
Gleichzeitig fungierte Thiesmeier als "Hauptmann der Wache" beim "Collegium Humanum", bei Seminaren der Holocaust-Leugner bewachte er den Parkplatz in der Bretthorststraße.
Technische Unterstützung aus der Bad Oeynhausener Geschäftswelt
Das Hosting der Internetseite "JOH - NRW" - wie auch das der Homepage "Kehrusker" des Mindener Neonazis Matthias Schwier - liefert eine Firma aus Bad Oeynhausen.
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Kirchlengern: Rückkehr drei Jahre nach der Abschiebung
Am 13. August 2012 kehrte Arutjun Varandanjan nach seiner Abschiebung nach Armenien am 19. Mai 2009 mit einem Visum für drei Monate und einer Perspektive für eine längere Aufenthaltsgenehmigung nach Kirchlengern zurück. Darüber berichten heute, am 14. August 2012, das Westfalen-Blatt und die Neue Westfälische.
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Bielefelder Zeitung / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Streit mit der Stadt um Stellplätze / Am Schloßhof ruhen die Arbeiten - Eröffnungstermin im Oktober soll aber nicht gefährdet sein
Lippische Landes-Zeitung, 14.08.2012:
"Bis 1936 war ich ein normaler Volksschüler" / Hans-Leo Kornberg floh vor den Nazis - Nun ist er erster Gast des Hotels in seinem früheren Elternhaus
Neue Westfälische, 14.08.2012:
Jüdischer Professor besucht Heimatstadt
Neue Westfälische 06 - Schloß Holte-Stukenbrock, 14.08.2012:
Schüler suchen im Stalag nach Antworten / Drei-Länder-Projekt macht Station in Stukenbrock
Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Drei Länder - drei Jahre / Jugendliche eines ewoca3-Camps besuchen die Dokumentationsstätte Stalag
Calenberger Online News, 14.08.2012:
Demonstration gegen Nazi-Gewalt
Blick nach Rechts, 14.08.2012:
Neuer Szene-Treffpunkt in Hamm
Herforder Kreisblatt / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Staatsschutz warnt vor Justiz-Opfer-Hilfe / Büro an der Lübbecker Straße eröffnet - Organisation soll rechter Szene entstammen
Neue Westfälische 11 - Bünde, 14.08.2012:
Willkommen zu Hause Harut! / Wiedervereinigung nach drei Jahren: Freunde holen den 21-Jährigen vom Flughafen ab
Bünder Zeitung / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Harut ist wieder daheim / Drei Jahre nach seiner Abschiebung kann der 21-Jährige wieder seine schulische Ausbildung fortsetzen
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Bielefelder Zeitung / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Streit mit der Stadt um Stellplätze / Am Schloßhof ruhen die Arbeiten - Eröffnungstermin im Oktober soll aber nicht gefährdet sein
Von Michael Schläger
Bielefeld (WB). Die Bauarbeiten am Schloßhof sind vorübergehend eingestellt worden. Der städtische Immobilienservicebetrieb (ISB) und der Betreiber der künftigen "Café und Bar Celona Finca" haben sich bisher nicht über den Preis für ein angrenzendes ehemaliges Bauhofgelände einigen können.
Reiner Müller vom städtischen Immobilienservicebetrieb wird deutlicher, sieht "erhebliche Differenzen bei den Kaufpreisvorstellungen" für das Bauhofgelände, das gegenüber des Schloßhofes liegt. Der ISB-Preisvorschlag ist aus seiner Sicht "mehr als in Ordnung", die Preisvorstellung der Oldenburger käme dagegen einer "Verschleuderung städtischen Vermögens gleich", wenn man darauf einginge.
Dieter Ellermann, Abteilungsleiter im Bauamt, erläutert, dass die bisherigen Arbeiten als Sanierung im Bestand gewertet werden könnten. Für den weiteren Verlauf der Arbeiten sei aber ein Bauantrag erforderlich, der in der bisher vorliegenden Form nicht genehmigungsfähig sei. Die Zahl der vorzuhaltenden Stellplätze richte sich nach der Gästezahl, die der künftige Betreiber erwarte. Sei die Parkplatzfrage geklärt, könne die Genehmigung aber schnell erteilt werden.
Mit einer Fläche von rund 600 Quadratmetern verteilt auf zwei Etagen soll die Finca Platz für 300 Gäste bieten. Geplant sind auch eine große Terrasse, ein Biergarten, ein Spielplatz und ein "Mini-Sandstrand". Das Investitionsvolumen soll sich auf mehr als vier Millionen Euro belaufen. Bisher betreibt der Oldenburger Gastronomie-Spezialist vier Lokale nach dem Finca-Konzept und 18 weitere Gastronomiebetriebe.
"Wir beginnen jetzt damit, das Servicepersonal einzustellen", sagt der künftige Betriebsleiter der Finca Bielefeld, Marcel Maurer. Er benötigt für den reibungslosen Betrieb rund 100 Mitarbeiter. Auch im neuen Schloßhof soll an die wechselvolle Geschichte des Gebäudes erinnert werden, das während der NS-Zeit auch als Zwangslager für Juden genutzt worden war.
Bildunterschrift: Am Schloßhof ruhen derzeit die Arbeiten. Der Bauantrag ist aus Sicht der Verwaltung noch nicht genehmigungsfähig.
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Lippische Landes-Zeitung, 14.08.2012:
"Bis 1936 war ich ein normaler Volksschüler" / Hans-Leo Kornberg floh vor den Nazis - Nun ist er erster Gast des Hotels in seinem früheren Elternhaus
Von Jens Rademacher
1939 gelang Hans-Leo Kornberg die Flucht vor den Nazis. Jetzt ist der 84-Jährige zum ersten Mal wieder an den Stätten seiner Kindheit gewesen - als erster Gast des Hotels in seinem früheren Elternhaus.
Bad Salzuflen. "Wir sitzen hier im Tabakwarengeschäft", sagt Hans-Leo Kornberg beim Pressegespräch im neuen Foyer des gerade eröffneten Hotels "Kleiner-Grünauer" mit einem Lächeln. Der Biochemiker aus den USA ist der erste Übernachtungsgast im Grünau-Ausbildungshotel. Das ist just in dem Haus in der Wenkenstraße 5 eingerichtet worden, in dem die jüdische Familie Kornberg bis 1939 lebte und in dem der Sohn aufwuchs.
Die Säulen an der Fassade, die Eingangstür - "das ist gleich geblieben", sagt Kornberg. Daneben sei im Erdgeschoss das Tabakgeschäft beheimatet gewesen, das sein Vater Max betrieb und das dieser 1938 abgeben musste. "Nebenan war die Metzgerei der Kutscheras, die uns in der schlimmen Zeit immer geholfen haben."
Nach einem Empfang im Rathaus mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Honsdorf erzählt Kornberg im Gespräch mit VHS-Leiter Franz Meyer, bis 1936 sei er "ein normaler Volksschüler" gewesen. Doch dann sagte sein Vater ihm, dass er nicht mehr ins Schwimmbad gehen könne. "Weil wir Juden sind." Schwimmen gelernt, sagt Kornberg, habe er in Bad Salzuflen nicht.
Während der Pogromnacht 1938 wurde der Vater verhaftet und vier Wochen lang im KZ Buchenwald interniert. Nach der Rückkehr des Vaters, berichtet Franz Meyer, sei den Eheleuten klar geworden, dass es für ihren Sohn in Deutschland keine Zukunft mehr geben könne. Anfang 1939 gelang es ihnen, den Sohn mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit bringen zu lassen. Dort nahm ein Onkel den Zehnjährigen auf. Seine Eltern sah er nie wieder. Ihnen gelang die Ausreise nicht.
Hans-Leo Kornberg studierte, forschte unter anderem in Oxford und wurde in den 70er Jahren von der Queen zum Ritter geschlagen. Seit 1995 ist er Professor in Boston. In den vergangenen Jahrzehnten führte ihn die Arbeit als Wissenschaftler oft nach Deutschland. Doch zu seinem Elternhaus kehrte er nie zurück. Warum habe er das tun sollen, wo seine Eltern und Freunde ermordet wurden, fragt er. Doch um seiner Frau Donna die Orte seiner Kindheit zu zeigen, "haben wir uns jetzt gesagt, wir wollen uns die Stadt ansehen".
Er müsse mit der Vergangenheit zurechtkommen, sagt Kornberg nachdenklich. Den Atlantik hat das Ehepaar an Bord der Queen Mary 2 überquert. Neun Tage dauerte die Überfahrt. Spätestens am 4. September will das Paar wieder in den USA sein. Dann ist für Hans-Leo Kornberg Vorlesungsbeginn an der Universität Boston.
Bildunterschrift: Vor dem Haus Wenkenstraße 5: Hans-Leo Kornberg (Vierter von links) und Donna Kornberg (Dritte von rechts) mit Andreas Gronemeier, Ingrid Tennie, Ulrike Masurek, Dr. Wolfgang Honsdorf, Anne Schedding und Franz Meyer (von links).
Persönlich
Hans-Leo Kornberg studierte nach dem Schulbesuch in England Biochemie und Biologie. Er lehrte an den Unis Oxford, Leicester und Cambridge. Seit seiner Übersiedlung in die USA 1995 ist er Professor für Biologie in Boston. Sein Vater Max wurde vermutlich 1943 in einem Zwangsarbeiterlager bei Lublin erschossen. Selma Kornberg, ergaben die Recherchen von Franz Meyer, wurde ins Vernichtungslager Treblinka deportiert.
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Neue Westfälische, 14.08.2012:
Jüdischer Professor besucht Heimatstadt
Bad Salzuflen. 1939 war Hans-Leo Kornberg vor den Nazis aus Bad Salzuflen geflohen. Jetzt ist der 84-jährige Biochemiker, der derzeit in Boston (USA) tätig ist, zum ersten Mal zurückgekehrt. Er wurde als erster Übernachtungsgast im Ausbildungshotel des Kinderheims Grünau empfangen - in dem Haus, in dem Familie Kornberg einst lebte.
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Neue Westfälische 06 - Schloß Holte-Stukenbrock, 14.08.2012:
Schüler suchen im Stalag nach Antworten / Drei-Länder-Projekt macht Station in Stukenbrock
Schloß Holte-Stukenbrock (big). Das Urteil ist deutlich: "Den Nazis war es scheißegal, wie die Gefangenen leben - Ihr seht ja, wie dünn die sind." Zitat aus einer Diskussion bosnischer, deutscher und weißrussischer Jugendlicher. Gestern in der Dokumentationsstätte Stalag 326.
24 junge Männer und Frauen im Alter von 16 bis 19 Jahren lernen die Dokumentationsstätte kennen, erfahren von den Schicksalen, machen sich mit dem Gelände und der Anlage vertraut. Seit Sonntag gehen sie in Gruppen verschiedenen Themen nach, bis Mittwoch wollen sie hier arbeiten.
Die Schüler, davon eine Gruppe der Hauptschule Nord aus Gütersloh, nehmen an einem Programm des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks teil, das vom Land NRW und der Stiftung Mercator unterstützt wird. Es geht um das Thema "Konflikt und Gesellschaft".
In Deutschland beginnt das auf drei Jahre angelegte Projekt, erklärt Galina Müller vom Fachbereich Jugend und Bildung der Stadt Gütersloh. Sie und ein Kollege sowie Oliver Nickel, Olga Heptin und Victoria Evers vom Förderverein der Dokumentationsstätte Stalag 326 erklären den Jugendlichen, beraten sie, diskutieren mit ihnen, zeigen. Bilder und Dokumente zum Beispiel, die Bestandteil der Ausstellung in der Dokumentationsstätte sind und deutlich machen, was sich hier während des Zweiten Weltkriegs abgespielt hat. Krieg - ein Thema, das einigen näher ist, als ihr Alter vermuten lässt. "Die Jugendlichen aus Bosnien kennen das ja noch aus ihrer Kindheit", erklärt Galina Müller - vom Balkan-Konflikt, der bis Ende der 90er Jahre andauerte.
Die Dokumentationsstätte haben die Veranstalter ausgewählt, "weil es darum geht, welche Auswirkungen Konflikte wie der Zweite Weltkrieg auf die Menschen hatte". Vom 10. bis 24. August gehen die Jugendlichen diesen Konflikten nach. Untergebracht sind sie auf einem Zeltplatz in Gütersloh. Geplant ist noch ein Besuch in Berlin, sie werden den Reichstag besichtigen, sich mit Politikern treffen, ein jüdisches Jugendzentrum besuchen.
2013 treffen sie sich in Bosnien, 2014 ist der Abschluss des Projekts in Weißrussland. Bis dahin wird ein Brief aus Schloß Holte-Stukenbrock längst eine Frau aus Weißrussland erreicht haben. Ihr Vater war 1942 in Staumühle gestorben, hatte im Stalag 326 als Kriegsgefangener gearbeitet, sie hatte sich 2007 aufgemacht, mehr über sein Schicksal herauszufinden (die NW berichtete mehrfach). Fünf Jahre später wird sie ein "sehr bewegender Brief", so Galina Müller, erreichen. Von Jugendlichen, die auch nach Antworten suchen.
www.ewoca.org
Bildunterschrift: Blick auf die Dokumente: Gestern diskutierten die Jugendlichen des Projekts im Ausstellungshaus des Stalag 326; zwei tragen ein T-Shirt, das auflistet, wer zum Team gehört.
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Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Drei Länder - drei Jahre / Jugendliche eines ewoca3-Camps besuchen die Dokumentationsstätte Stalag
Von Bernd Steinbacher
Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Thematisch dreht sich das europäische Workcamp (ewoka3) um Konflikte und gesellschaftliche Auswirkungen. Gedanken darüber machen sich Jugendliche aus Deutschland, Weißrussland und Bosnien-Herzegowina.
Die 24 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren nehmen an einem Workcamp teil, das internationalen Jugendaustausch zum Ziel hat. 14 Tage sind sie zusammen, vier davon besuchen sie die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne und den Sowjetischen Ehrenfriedhof. Sie beschäftigen sich dabei mit der Geschichte des Lagers und mit dem Schicksal der Kriegsgefangenen. "Der Zweite Weltkrieg dient als Beispiel, welche Auswirkungen Konflikte auf Menschen haben können", sagte gestern Galina Müller. Sie ist Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Gütersloh im Bereich Jugend und Bildung und leitet mit einem Kollegen zusammen das Camp.
Von Sonntag bis Mittwoch sichten sie in der Dokumentationsstätte Dokumente, besonders Fotos, die Schicksale zeigen. Sie hören Vorträge, und gestern stand noch eine Wanderung zum Hövelhofer Bahnhof an. Auf dem so genannten Russenpfad mussten die Kriegsgefangenen vom Bahnhof bis zum Lager marschieren, völlig entkräftet. Manch einer überlebte bereits diesen Marsch nicht.
Oliver Nickel, Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte, hat gerne zugesagt, als die Anfrage der Stadt Gütersloh wegen des Besuchs kam: "Es ist sehr interessant, Jugendliche aus drei verschiedenen Ländern hier zu haben. Sie gehen unterschiedlich mit der Geschichte um. Die Bosnier haben ja selbst Erinnerung an 1996 und 1997. Solche Erinnerungen werden durch Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg wieder hervorgerufen."
"Es ist sehr interessant, Jugendliche aus drei verschiedenen Ländern hier zu haben."
Oliver Nickel
Olga Heptin, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte, übersetzt, wenn Besuch aus Russland oder Weißrussland kommt. Sie betreut jetzt die Jugendlichen aus Weißrussland, die sich mit Biographien beschäftigt haben. Olga Heptin erzählt, dass die Jugendlichen einen Brief an jene Frau aus Weißrussland schreiben wollen, die die Dokumentationsstätte und den Ehrenfriedhof besuchte.
"Das Stalag ist emotional geladen", sagt Galina Müller. Die Jugendliche beteiligten sich stark und diskutierten auch abends noch über das Erlebte. So wunderten sich einige, dass die Polizei das einstige Lagergelände nutze.
Die Teilnehmer wohnen in Gütersloh in Zelten auf dem Gelände der Hauptschule Nord. Von dort kommen auch die deutschen Teilnehmer. "Wir haben Schüler angesprochen. Wichtig waren Interesse und die Bereitschaft, die drei Jahre mitzumachen", sagt Galina Müller. Für die Jugendlichen aus den anderen Ländern hat es eine Ausschreibung im Internet gegeben. Gemeinsam wollen sie auf dem Schulgelände einen Treffpunkt mit Feuerstelle anlegen und einen Baum pflanzen.
Die Gruppe fährt noch nach Berlin, trifft Politiker, besucht den Reichstag und ein jüdisches Jugendzentrum. Fortgesetzt wird das Jugendcamp im nächsten Jahr in Bosnien. Dabei geht es dann darum, wie Konflikte wirken und wie die Menschen selbst damit umgehen. 2014 treffen sich die Jugendlichen dann in Weißrussland. Dann werden die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Natur thematisiert.
Doch nicht nur ernste Themen stehen auf dem Programm. So sollte es gestern einen weißrussischen Abend geben mit mit Liedern, Tänzen und Essen. Heute folgt das bosnische Programm. Die deutschen Jugendlichen überlegen noch, was sie als typisch deutsch anbieten, denn einige von ihnen kommen aus dem Iran und Irak. Finanziert wird dass Camp von der Stadt Gütersloh und dem Land NRW über das Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund.
Bildunterschrift: 24 Teilnehmer eines Workcamps besuchen noch bis morgen die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne. Leiterin des Camps mit Jugendlichen aus Deutschland, Weißrussland und Bosnien-Herzegowina ist Galina Müller, Mitarbeiterin der Stadt Gütersloh (rechts). Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Dokumentationsstätte Victoria Evers (4. von rechts), Olga Heptin (3. von rechts) und Oliver Nickel (2. von rechts) erläutern die Geschichte und betreuen die Gäste.
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Calenberger Online News, 14.08.2012:
Demonstration gegen Nazi-Gewalt
14.08.2012 - 17.30 Uhr
"Enough is enough, Nazi-Gewalt entschlossen entgegentreten!" ist der Name einer Demonstration, die am kommenden Samstag, 18. August, in Barsinghausen stattfindet. Angemeldet wurde sie gestern von einer Person aus Wunstorf für die Zeit von 13.12 Uhr bis 19.00 Uhr. Dem Vernehmen nach hat die Anfangszeit der Demo Symbolcharakter: Die Zahlen 1, 3, 1, 2 stehen für die entsprechenden Buchstaben im Alphabet: ACAB, in Szene-Kreisen die Abkürzung für "All Cops Are Bastards" (Alle Polizisten sind Bastarde).
Nach Polizeiangaben rechnet der Organisator mit rund 400 Teilnehmern. Sie wollen vom Barsinghäuser Bahnhof in die Innenstadt ziehen. Die Polizei bereitet sich intensiv auf die Veranstaltung vor, die Barsinghäuser Beamten erhalten Unterstützung von Polizisten anderer Dienststellen. Die Innenstadt wird gesperrt. Die Geschäftsleute der Innenstadt wurden bereits über die Demonstration informiert. Möglicherweise wird der Wochenmarkt eher als üblich schließen.
Als Grund für die Demonstration wird im Internet der Messerangriff eines 18-jährigen Barsinghäuser Neonazis auf einen linken Kontrahenten angegeben. In der Nacht zu Samstag sind in der Innenstadt rechtsextreme und linke junge Menschen aufeinander losgegangen und haben sich eine Schlägerei geliefert. Mehrere Anwohner riefen die Polizei. Die Beamten stellten nicht nur das Messer des 18-Jährigen sicher, sondern bei den linken Kontrahenten auch einen Schlagstock und Pfefferspray. Die genauen Umstände der Schlägerei sind bisher nicht bekannt, die Ermittlungen der Polizei dauern noch an.
Bildunterschrift: Anfang August wurde in Bad Nenndorf gegen Nazis demonstriert. Am kommenden Samstag wird es eine Demonstration in Barsinghausen geben.
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Blick nach Rechts, 14.08.2012:
Neuer Szene-Treffpunkt in Hamm
Hamm. Die neonazistische "Kameradschaft Hamm" verfügt seit Kurzem über ein eigenes festes Domizil.
Ein führendes Mitglied der nordrhein-westfälischen Neonazi-Szene habe in der Stadt eine ehemalige Gaststätte angemietet, berichtete die in Hamm erscheinende Tageszeitung "Westfälischer Anzeiger". Das Blatt bestätigte damit eine Information, die regionale Antifa-Gruppen am Wochenende verbreitet hatten. Mieter ist demzufolge Sascha Krolzig, "Kopf" der örtlichen Neonazi-Szene und über die Grenzen der Stadt hinaus Anmelder und Organisator von Neonazi-Demonstrationen. "Ein junger Nationalist" habe offenbar die Räume angemietet, "um sich dort mit seinen Freunden zwecks gemeinsamer Freizeitbeschäftigung zu treffen", heißt es inzwischen bestätigend auf der Internetseite der Hammer Neonazis.
Erstmals fand in der ehemaligen Gaststätte im Süden der Innenstadt am Samstag eine größere Schulungsveranstaltung mit etwa 50 Teilnehmern statt. Referentin war die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aus dem ostwestfälischen Vlotho. Haverbeck war Vorsitzende des "Collegium Humanum" und stellvertretende Vorsitzende des "Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten" (VRBHV). Beide Organisationen wurden 2008 verboten. Haverbeck blieb dennoch in der Szene aktiv.
Veranstalter des Treffens am Samstag, das sich dem Thema "Wirtschaftspolitik 1933 - 45" gewidmet haben soll, sei die "Kameradschaft Hamm" in Zusammenarbeit mit dem NPD-Kreisverband Unna / Hamm gewesen, teilten die Neonazis mit. Mangels eigener Räume und weil Gastwirte ihre Hinterzimmer nicht an eine braune Kundschaft vermieten wollten, waren ähnliche Veranstaltungen mit Beteiligung aus Unna und Hamm in den letzten drei Jahren häufig in Dortmund durchgeführt worden. Dort verfügen "Autonome Nationalisten" über einen eigenen Veranstaltungsraum. (ts)
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Herforder Kreisblatt / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Staatsschutz warnt vor Justiz-Opfer-Hilfe / Büro an der Lübbecker Straße eröffnet - Organisation soll rechter Szene entstammen
Von Katharina Schuster
Löhne (LZ). Der Staatsschutz Bielefeld warnt vor der Justiz-Opfer-Hilfe (JOH) NRW, die an der Lübbecker Straße ein Büro betreibt. Bei der JOH soll es sich seiner Meinung nach um Vertreter der rechten Szene handeln.
"Wir warnen vor der Justiz-Opfer-Hilfe", mahnt Horst Köhler vom Staatsschutz Bielefeld. Denn: "Wir ordnen die Anhänger der JOH der rechten Szene zu, auch wenn sie sich in Teilen vom Nationalsozialismus distanzieren." Auch dem Ordnungsamt der Stadt Löhne ist die JOH bekannt. Durch einen Hinweis eines Bürgers sei er auf das Büro aufmerksam geworden, erklärt Wolfgang Greinke, Leiter des Ordnungsamtes. "Der Bürger meinte, dass sich dahinter die rechte Szene verberge", ergänzt er. Da der Staatsschutz Bielefeld bereits in die Angelegenheit involviert sei, bestehe jedoch im Moment kein ordnungsrechtlicher Anlass, weitere Schritte zu unternehmen. "Ein Rückschluss mit Polizei und Staatsschutz wird kurzfristig erfolgen", sagt Greinke.
Der Staatsschutz Bielefeld stellt aber klar, dass es keine Straftat ist, sich an die JOH zu wenden. Allerdings "muss klar sein, dass die Vertretung Ihrer Sache wegen der irrigen Rechtsauffassung nicht zum Erfolg führen wird", gibt Horst Köhler zu bedenken. In einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, nennt die JOH die Bundesrepublik Deutschland einen "BRD-(Schein-)"Staat"". Dies führt sie auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zurück, das das Wahlrecht für Bundestagswahlen in zentralen Punkten für verfassungswidrig erklärte (die Löhner Zeitung berichtete).
Beim Ordnungsamt Löhne sei Anfang des Jahres ein Schreiben eines Löhners eingegangen, der sich gegen ein Strafmandat wegen eines Parkverstoßes wehren wollte. "Das Schreiben zielt darauf ab, dass ein Knöllchen rechtsunbeständig sei, da es den deutschen Rechtsstaat nicht gebe", erklärt Wolfgang Greinke. Die Person sei jedoch weiteren Vollstreckungen ausgesetzt. In dem Schreiben lasse sich ein Musterschreiben wiedererkennen, das auch bei dem Löhner Büro der JOH zu finden sei, erläutert Greinke weiter. "Der Kern des Problems sind die so genannten Rechtsbeistände der JOH, die Menschen, die glauben, dass ihnen Unrecht widerfährt, Hoffnungen machen, die nicht erfüllt werden können", hebt Horst Köhler hervor.
Nach Angaben des Staatsschutzes Bielefeld sei die JOH "eng verbunden" mit der "Reichsbürgerbewegung". Diese teile die Einstellung der JOH zur Bundesrepublik Deutschland. Im Zusammenhang mit der "Reichsbürgerbewegung" komme es auch immer wieder zu Urkundenfälschungen. "Diese "Reichsbürger" legen ihre Ausweise auch bei Ämtern vor und geraten dadurch in den Verdacht der Urkundenfälschung. Bei Menschen, die das im Alltag leben, kann es immer wieder Probleme geben", betont Horst Köhler.
Bildunterschrift: An der Lübbecker Straße hat die Justiz-Opfer-Hilfe ein Büro eingerichtet. Laut Staatsschutz ist es nicht strafbar, sich dort beraten zu lassen, dies führe aber nicht zum Erfolg.
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Neue Westfälische 11 - Bünde, 14.08.2012:
Willkommen zu Hause Harut! / Wiedervereinigung nach drei Jahren: Freunde holen den 21-Jährigen vom Flughafen ab
Von Karl-Hendrik Tittel
Kirchlengern / Düsseldorf. Erst mit der SMS gestern Morgen kam die Gewissheit: Die Zeilen auf dem Display von Helena Wiebes Telefon stammten von Harut, ihrem ehemaligen Schüler und heutigen Schützling. Der inzwischen 21-Jährige, der vor mehr als drei Jahren in seine für ihn fremde Heimat Armenien abgeschoben wurde (die NW berichtete ausführlich), sitzt tatsächlich in einem Flieger nach Deutschland. Freunde und Beschützer haben all die Zeit für seine Rückkehr gekämpft - und holten ihn gestern vom Flughafen ab.
"Wir waren alle überrascht, als Harut plötzlich schrieb, dass er auf dem Weg ist", sagt Erika Nauhart, Jugendpflegerin aus Kirchlengern und eine von vielen, die sich für Harut in all den Jahren engagiert hat. Im Prinzip sei seine Rückkehr "von langer Hand geplant" gewesen. Aber einen genauen Termin für die Wiederkehr des beliebten Schülers gab es noch nicht. Und auch die Zweifel blieben, ob die Regierung seines Landes ihn auch tatsächlich würde ziehen lassen, obwohl er seinen zweijährigen Militärdienst inzwischen abgeleistet hat. Die erste Hürde hatte er genommen, das sagte die SMS aus. Aber würde er ohne Probleme die deutschen Grenzen passieren? Die Grenzen des Landes, das ihn vor drei Jahren abgeschoben hat?
Aber es ist alles gut gegangen. Gegen 18 Uhr ist Haruts Flieger auf dem Düsseldorfer Flughafen gelandet. Die Strapazen sind dem jungen Mann deutlich anzusehen, beschreiben diejenigen, die ihn dort erwartet haben. Schließlich war er fast zwei Tage auf Reisen, musste er die Nacht zuvor auf dem Moskauer Flughafen verbringen. "Wir sind alle sprachlos und er ist es auch - es war ein sehr emotionales Wiedersehen", beschreibt Nauhart ihre Eindrücke über das Telefon. "Harut wirkt äußerlich ruhig, aber seine Knie waren glaube ich weich."
Jetzt ist Harut wieder in Deutschland, wohnt bei einer Gastfamilie in Bünde. Er ist zurück an einem Ort, den der gebürtige Armenier als seine Heimat ansieht. Aber ob er jetzt für immer bleiben kann, ist noch nicht gewiss.
"Harut hat ein Visum für drei Monate bekommen, das ist sicher", sagte Wiebe gestern der NW. Nun soll versucht werden, eine längere Aufenthaltsgenehmigung zu erwirken. Mindestens für drei Jahre. Denn Haruts Ziel ist das Abitur. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn Harut hat sowohl von der Bezirksregierung Detmold, als auch von der Schulleiterin der Erich-Kästner-Gesamtschule Bünde die Sondergenehmigung erhalten, an dieser Schule sein Abitur nachzuholen.
Die beiden Klassenlehrer Helena Wiebe und Roland Drossert sowie viele weitere Freunde und Fürsprecher haben sich unermüdlich für Haruts Rückkehr eingesetzt und ihn von Deutschland aus unterstützt. "Nachdem Harut abgeschoben wurde, mussten wir wieder von vorne anfangen", so Wiebe.
Dazu gehörten Gespräche mit der Ausländerbehörde in Herford oder auch mit Botschaft in der armenischen Hauptstadt Jerewan, um den Prozess der Rückkehr zu beschleunigen. "Aber so eine Botschaft lässt sich nicht gerne etwas von deutschen Lehrern vorschreiben", so Wiebe. Die ganze Angelegenheit sei "sehr komplex" gewesen. Zudem musste Harut von einer Familie eingeladen werden, sonst hätte er kein Visum bekommen. Jetzt ist er wieder da. Und seine Fürsprecher und Freunde sind sichtlich erleichtert.
Info / Abgeschoben
Eine Klausur trennte den damals 18-jährigen Harut von seinem Realschul-Abschluss, als Polizisten am frühen Morgen des 19. Mai 2009 die Tür zur Wohnung seiner Familie aufbrachen und sie zum Flughafen brachten. Nach elf Jahren in Deutschland wurde er in ein Land abgeschoben, das nur auf dem Papier seine Heimat war. Hier war er Klassenbester, in Armenien konnte er kaum die Landessprache verstehen.
Bildunterschrift: Pure Freude: Helena Wiebe, Corinne Knaub, Harut, Hermann Kedrich, Artur Peters und Otto Boldt (v. l.) vor dem Düsseldorfer Flughafen.
Bildunterschrift: Eine schwere Zeit: Harut sitzt nach seiner Abschiebung vor dem Haus seiner Großeltern in Armenien.
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Bünder Zeitung / Westfalen-Blatt, 14.08.2012:
Harut ist wieder daheim / Drei Jahre nach seiner Abschiebung kann der 21-Jährige wieder seine schulische Ausbildung fortsetzen
Von Hilko Raske
Kirchlengern / Bünde (BZ). Sein Schicksal hat viele Menschen in Kirchlengern und Bünde bewegt: Arutjun Varandanjan, genannt Harut. Der Jugendliche, der im Mai 2009 nach Armenien abgeschoben wurde, ist seit gestern wieder in Deutschland.
Er hätte nur noch eine letzte Abschlussprüfung im Fach Mathematik schreiben müssen, und sein Realschulabschluss wäre ihm sicher gewesen. Doch dazu kam es nicht mehr. Harut wurde im Mai 2009 vom Ausländeramt des Kreises Herford mitsamt der ganzen Familie nach Armenien abgeschoben. Seinen Eltern wurde Asylbetrug vorgeworfen: Sie hatten als Herkunftsland den Iran und nicht Armenien angegeben. Für den damals 17-jährigen Schüler brach eine Welt zusammen. Seit gestern Abend ist er wieder in Bünde.
Gegen Abend traf der mittlerweile 21-Jährige auf dem Düsseldorfer Flughafen ein. Von der armenischen Hauptstadt Eriwan über Moskau führte der Flug, der ihn zurück nach Deutschland brachte. Am Flughafen wurde er schon erwartet. Seine ehemalige Klassenlehrerin Helena Wiebe, Erika Nauhart von der Jugendpflege des Kreises Herford und Freunde aus der Schulzeit an der Kästner-Gesamtschule Kirchlengern wollten unbedingt da sein, wenn er nach drei Jahren erstmals wieder deutschen Boden betritt. Für Harut geht damit ein Traum in Erfüllung. Der junge Mann, der als Zweijähriger mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen war, ist wieder daheim. Er hat auch schon konkrete Vorstellungen davon, was er den nächsten Jahren machen möchte. Er strebt das Abitur an, das er an der Kästner-Gesamtschule in Bünde ablegen will. Für eine Unterkunft ist auch schon gesorgt. Die Familie seines besten Freundes Ronny nimmt ihn auf. Dort kann er die nächsten drei Jahre in Bünde leben.
"Aus humanitären Gründen war diese Abschiebung eine Tragödie."
Eberhard Baecker
Der "Fall Harut" hatte hohe Wellen geschlagen. Der damalige Schulleiter Eberhard Baecker sprach von einer humanitären Tragödie. "Obwohl völlig legal nach den Gesetzen der Bundesrepublik, ist vielen Menschen klar, dass die Abschiebung ebenso unnötig wie tragisch war. Aus humanitären Gründen und unter Menschenrechtsgesichtspunkten war diese Abschiebung - in der Woche, in der die Bundesrepublik 60 Jahre Grundgesetz feierte - eine Tragödie", urteilte der Pädagoge. Zahlreiche Personen aus seinem Freundeskreis, aus der Lehrerschaft, aus der Gemeinde Kirchlengern sowie Politiker aus der Region setzten sich für seine Rückkehr ein. Die überregional bekannte Hip-Hop-Gruppe Raplektion drehte sogar einen Videoclip "Freedom for Harut". Selbst der damalige Integrationsminister Armin Laschet äußerte sich 2009 in einem Interview dahingehend, dass jungen, gut ausgebildeten Menschen wie Harut auch mit Blick auf den demografischen Wandel eine Chance gegeben werden müsse.
Am 26. Januar 2010 sah es dann so aus, als ob Harut wieder nach Deutschland einreisen könnte. Mit einem Linienflug sollte er aus Eriwan in Berlin eintreffen. Im letzten Augenblick wurde er von einem Grenzbeamten aufgehalten, weil dem ein Stempel nicht bekannt war - und der schon bezahlte Flug fand ohne ihn statt. Kurz darauf wurde er für zwei Jahre zur armenischen Armee eingezogen. Stationiert wurde er in der Krisenregion Bergkarabach. In der Folge war der Kontakt zu Harut immer seltener geworden.
Weshalb darf Harut nun zurückkehren, obwohl er doch mit seiner Familie abgeschoben worden ist? "In der Regel gilt: Wer abgeschoben wurde, hat kein Recht auf Rückkehr", informierte Wolfgang Kuhlmann, Pressesprecher des Kreises Herford. Das sei im Aufenthaltsgesetz so festgelegt. Es gebe aber eine Ausnahme: "Auf Antrag kann die Wirkung der Ausweisung zeitlich befristet werden. In einem solchen Fall muss der Betreffende die Kosten der Ausweisung tragen und zurück überweisen." Das sei im Fall von Harut geschehen. Im Oktober 2009 wurde nach Anträgen beim Ausländeramt und beim Innenminister die Abschiebung formal auf einen Tag beschränkt. "Er hat somit eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis", sagte Kuhlmann.
Für Harut kam diese Entscheidung damals jedoch zu spät - er war ohne gültige Papiere in Armenien angekommen, konnte deshalb nicht mehr ausreisen. Erst nachdem er seinen Dienst in der armenischen Armee abgeleistet hatte, erhielt er gültige Personalpapiere. Und mit denen ist er nun wieder in Deutschland eingetroffen.
Bildunterschrift: Kehrt nach drei Jahren, die er in Armenien verbracht hat, zurück nach Deutschland: Arutjun Varandanjan, genannt Harut. Als 17-Jähriger wurde er in einer nächtlichen Aktion gemeinsam mit seiner Familie nach Armenien abgeschoben.
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