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Westfalen-Blatt , 30.06.2012 :

Reise in die Neonazi-Szene / Dokumentarfilm zeigt verdeckt gedrehte Aufnahmen von Konzerten mit rechtem Liedgut

Von Janina Kröger

Bielefeld (WB). Die Besuche des Journalisten Thomas Kuban bei Konzerten der rechten Szene sind wie eine Reise zu einer Propagandaveranstaltung im Dritten Reich. Mit versteckter Kamera und mit dem szenetypischen Dress verkleidet, hat er acht Jahre lang in ganz Europa die Neonazi-Szene unterwandert und damit den Regisseur Peter Ohlendorf auf sich aufmerksam gemacht. Gemeinsam haben sie einen Dokumentarfilm gedreht, der im Februar bei der Berlinale uraufgeführt wurde. Am Freitag war der Regisseur im Bielefelder "Lichtwerk" zu Gast.

Entstanden ist ein wahrhaft eindringlicher Film mit Symbolcharakter. Er zeigt Szenen, in denen Rechtsextreme den Arm zum Hitlergruß heben, "Sieg Heil" schreien und dann in Liedzeilen wie "Blut muss fließen knüppelhageldick, wir schei... auf die Freiheit dieser Judenrepublik" einstimmen. "Es werden sehr harte Textszenen benannt, die nicht romantisieren", sagt Peter Ohlendorf, dessen Besuch durch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold angeregt wurde. In vielen Liedern werde sogar zum Mord aufgerufen - an Juden, Muslimen und an anderen ethnischen Gruppen, die im Feindbild der rechten Bewegung auftauchen. Problematisch: Als Rechtsrock-Light erreiche das Gedankengut immer mehr Jugendliche. "Es ist schon in allen Musikgenres präsent, auch in Hiphop und Pop", mahnt der Regisseur. Musik, die radikalisieren soll, die jungen Leuten ein Tor zu besagter Szene öffnen soll.

Genau deshalb verfolgen Kuban und Ohlendorf keine kommerziellen Ziele. Vielmehr wollen sie für diese bedrohliche Bewegung sensibilisieren. "Die NSU wäre ohne ein entsprechendes Umfeld nicht möglich", sagt Ohlendorf. "Richtig unheimlich ist, dass Konzerte oft in Hinterzimmern von Kneipen stattfinden, und selbst die Polizei sagt nichts", kritisiert der Regisseur, der die Unterstützung von Stiftungen und Sendern vermisst. Er hofft, durch den Film und die Tatsache, dass er seinen Namen unter ein derart brisantes Werk gesetzt hat, ein Signal an die Gesellschaft zu senden: "Wenn jemand eine rassistische Bemerkung macht: Toleriert das nicht!"

30.06./01.07.2012
wb@westfalen-blatt.de

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