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Neue Westfälische 09 - Herford ,
15.06.2012 :
Die Schule mit dem bekennenden Paten / Die "staatsfeindliche Einstellung" brachte dem Pfarrer Wilhelm Oberhaus das KZ und den Tod
Von Hartmut Brandtmann
Herford. Die Wilhelm-Oberhaus-Grundschule hat eine besondere Stellung unter den elf Grundschulen der Stadt. Sie ist die einzige Kenntnisschule und hat als einzige einen bekennenden Antifaschisten als Namenspaten.
Die (Leidens-)Geschichte des katholischen Priesters wird erzählt in der Festschrift zum 300-jährigen Bestehen der Schule. Nach einem halben Jahr Archivstudium haben Dr. Rainer Brackhane, Mathias Polster und der Pfarrer i.R., Udo Tielking, auf 62 Seiten die Stationen einer politisch und geographisch wechselvollen Geschichte zusammen getragen. Die Redaktion hatte Birgit Nölker von der Schulpflegschaft.
Seit dem 18. September 1987 trägt die Schule den Namen Wilhelm Oberhaus. Auf Vorschlag des evangelischen Pfarrers Winfried Heidemann hatte der Stadtrat den Beschluss gefasst. Eine Bronzetafel am Eingang des Schulhauses erinnert an die Namensgebung vor 25 Jahren.
Oberhaus wurde am 31. Januar 1902 in einer katholisch geprägten Familie geboren. Sein Geburtshaus hat die Adresse Veilchenstraße 12. Sein Vater hatte eine Herrenkleiderfabrik. Am 1. April 1933 wurde Oberhaus im Paderborner Dom zum Priester geweiht. Als Vikar in Dortmund-Hombruch widmete er sich der Jugendarbeit und dem Religionsunterricht. Gegen Übergriffe einer städtischen Verwaltungsstelle wehrte er sich schriftlich: "Wir sind das unrechtmäßige und willkürliche Spiel der Polizei."
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Vergehen gegen das so genannte Heimtückegesetz vor, weil Oberhaus Jugendliche bewegt hatte, aus der Hitlerjugend auszutreten.
Im heutigen Lauchhammer (Sachsen) eskaliert der Streit, als Oberhaus ein Mädchen ohrfeigt, das zum Dienst des Bundes deutscher Mädchen statt zum Religionsunterricht gegangen war.
Wegen seiner "staatsfeindlichen Einstellung" wird er zunächst zu einer Haftstrafe verurteilt und dann ins KZ Dachau überstellt. Im Priesterblock erleidet er den strengen Winter 1941 / 42. Er erkrankt schwer und stirbt am 20. September 1942.
Ein alter Stubenkamerad zitiert den katholischen Pfarrer Wilhelm Oberhaus mit dem Satz: "Christus hat die Welt durch sein Leiden und Sterben erlöst, nicht durch Predigten und Wunderwirken."
Info / Historische Schulführung und Papstbrief
Am Samstag, 16. Juni, feiert die Wilhelm-Oberhaus-Grundschule ihr 300-jähriges Bestehen. Der Festakt beginnt um 11 Uhr mit der Big Band der Musikschule. Nach Grußworten und Liedern wird ein Papstbrief verlesen.
Die Schülerschaft präsentiert sich mit Spielstationen. Zeitzeugen-Interviews gehören ebenfalls zum Programm.
Für 12 Uhr und für 15 Uhr lädt Mathias Polster zu einer historischen Schulführung ein. Treffpunkt ist jeweils der Haupteingang. Um 13.30 Uhr beginnt eine Stadtführung vom katholischen Kirchhof an der Komturstraße aus.
Bildunterschrift: Stolz auf die umfangreiche Festschrift: Präsentiert von der Konrektorin Isabelle Steinkühler, Monique Volckmann (Schulpflegschaft), dem Stadtführer Mathias Polster, der Schulleiterin Eva Wall, dem Pfarrer i.R. Udo Tielking und Birgit Nölker (Schulpflegschaft).
herford@neue-westfaelische.de
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