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Schaumburger Nachrichten Online , 08.06.2012 :

Ausstellung / Vorsicht vor Einfalt in den Köpfen

08.06.2012 - 17.00 Uhr

Demokratie muss immer wieder neu gelernt werden. Mit diesem Credo hat Sebastian Edathy, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses, am Freitag die Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtextremismus bekämpfen" im Forum des Gymnasiums Bad Nenndorf (GBN) eröffnet.

Bad Nenndorf. Die Schau leiste einen wichtigen Beitrag dazu, jungen Menschen die große Bedeutung einer weltoffenen demokratischen Zivilgesellschaft vor Augen zu führen, lobte der SPD-Politiker.

Die Schau, die auf mehreren Tafeln einen Überblick über die Grundlagen der Demokratie gibt und aufzeigt, welche Gefahren von rechtsextremen Einstellungen in der Gesellschaft ausgehen, ist vom niedersächsischen Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) konzipiert worden. Durch das Engagement des GBN-Lehrerkollegiums ist die Ausstellung bis zum 27. Juni in der Kurstadt zu sehen (siehe Kasten).

Rechtsextremismus sei "organisierte Menschenfeindlichkeit", betonte Edathy vor zahlreichen Gymnasiasten, Eltern, Vertretern der Stadt und der Samtgemeinde sowie zahlreichen Vereinen und Gruppen aus Bad Nenndorf. Umso wichtiger seien Programme wie die Ausstellung, die dazu beitragen, dass Jugendliche gar nicht erst den Einstieg in die rechte Szene finden. Der Sozialdemokrat forderte, die Belange Jugendlicher in den Mittelpunkt zu stellen, um den Erhalt der Demokratie zu gewährleisten. Jugendarbeit dürfe nicht rechtsextremen Gruppen überlassen werden. So interessiere es ihn im NSU-Untersuchungsausschuss auch, in welchem Umfeld sich die Zwickauer Terroristen derart radikalisieren konnten, dass sie zu Mördern geworden sind.

Hauptaufgabe einer demokratischen Gesellschaft sei es darum, betonte Edathy, immer wieder zu zeigen, dass man "keine Angst vor gesellschaftlicher Vielfalt" wohl aber vor "menschlicher Einfalt" haben müsse.

Dass Rechtsextremismus kein Randphänomen, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, erklärte Franziska Schröter von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bedenklich seien die Bemühungen rechter Gruppen und Parteien, in die Zivilgesellschaft einzudringen und vor allem bei der Jugendarbeit Vereine und Feuerwehren zu unterwandern. Schule sei darum wichtiger Ort, um "Demokratie zu lernen".

Auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese verwies mit Blick auf den alljährlichen Nazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf auf die Wichtigkeit einer wehrhaften Demokratie. "Diese Ausstellung ruft dazu auf, Zivilcourage zu zeigen."

Schüler führen durch die Schau

Wie kann man auf rechte Stammtischparolen reagieren? Wie sieht die rechte Jugendszene aus? Und warum gibt es eigentlich Demokratie? Diese Fragen beantwortet die Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen" anschaulich auf mehr als zehn Bildtafeln. Rechtsextreme Lebens- und Vorstellungswelten werden ebenso aufgezeigt wie die Grundlagen der Demokratie. Die Schau ist geeignet für Schüler ab 14 Jahren, richtet sich aber nicht ausschließlich an Jugendliche.

Gezeigt wird die Ausstellung in Kooperation mit dem Gymnasium Bad Nenndorf. So sind es auch die GBN-Schüler, die Schulklassen und Besuchergruppen durch die Ausstellung führen. Insgesamt zwölf Elftklässler haben sich freiwillig gemeldet und sich in einem Lehrgang der Friedrich-Ebert-Stitfung auf die Aufgabe vorbereitet.

Um die Schau einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können, wird sie ab Montag, 11. Juni, nicht im GBN, sondern im Haus Kassel gezeigt. Zu sehen ist sie bis zum 27. Juni immer montags bis freitags, 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Schulklassen und Gruppen können sich unter Telefon (05723) 94600 für eine Führung anmelden.

Bildunterschrift: Zahlreiche Schüler des GBN informieren sich in der FES-Ausstellung über die Grundlagen der Demokratie und den von rechten Einstellungen ausgehenden Gefahren.


sn@madsack.de

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