www.hiergeblieben.de

Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V. , 27.07.2001 :

Büren: Ali Dasayak nun schon 60 Tage im Hungerstreik / Erklärung der drei Hungerstreikenden

In der JVA Büren befinden sich im Augenblick drei Kurden im Hungerstreik. Alle drei haben Angst vor einer Abschiebung in die Türkei. Sie werfen der Türkei einen fehlenden Demokratisierungsprozess vor, der sich unter anderem in der Unterdrückung des kurdischen Volkes manifestiert.

Ali Dasayak ist am heutigen Tag (Freitag) nun schon 60 Tage im Hungerstreik. Als er am Dienstag gewogen worden ist, brachte er, bei einer Größe von 173 cm, nur noch 50,6 kg auf die Waage. Er erbricht immer wieder die Flüssigkeit, die er zu sich nehmen soll. Dadurch nimmt er viel zuwenig Flüssigkeit auf, ein Nierenversorgen ist somit vorprogrammiert. Außerdem erleidet er immer wieder Schwächeanfälle. Als er bei solch einem Schwächeanfall hinfiel, zog er sich eine Verletzung am Kopf zu. Die JVA Büren hat Dasayak heute ins Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg verlegen lassen.

Erol Akbulut befindet sich seit dem 17.06.2001 (41 Tage) im Hungerstreik. Bei einer Körpergröße von 178 cm wog er vor dem Hungerstreik 91 kg. Die Waage zeigte heute nur noch ca. 72 kg an. Sein genaues Gewicht kennt er nicht, da bei den Untersuchungen in der Krankenabteilung der JVA kein Dolmetscher anwesend ist und er kein deutsch spricht.

Ismail Genc hungert seit dem 05.07.2001 (22 Tage). Als er am 4. Tag des Hungerstreiks gewogen wurde, wog er 75 kg. Am 25.07. betrug sein Gewicht nur noch 67,3 kg bei einer Körpergröße von 172 cm. Er weigerte sich heute zum Wiegen zu gehen, um damit gegen die langen Wartezeiten beim Arzt zu protestieren. Dort müssen die Hungerstreikenden bis zu 1,5 Stunden auf ihre Untersuchung warten.

Alle drei beklagen sich darüber, dass sie von Seiten der JVA immer wieder unter Druck gesetzt werden, damit sie ihren Hungerstreik beenden.

Die Hungerstreikenden übergaben dem Verein Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V. folgende Erklärung (das türkische Original kann als Kopie jederzeit angefordert werden. Im Zweifelsfall gilt das Original.):

An die Öffentlichkeit

Wir drei Kurden wurden von der Polizei verhaftet und sitzen in Abschiebehaft in Büren, um von den Ausländerbehörde in die Türkei zurückgeschoben zu werden. Wir, Ismail und Ali, haben vorher in Deutschland politisches Asyl beantragt. Aber unser Antrag wurde nicht anerkannt und gegen uns wurde die Abschiebung in die Türkei angeordnet.

Da es bekannt ist, dass in der Türkei kein bisschen Fortschritt in die Demokratisierung zu erkennen ist, dass die Schande unseres Zeitalters nämlich Folterung fortgesetzt wird, dass Denken (eigene Meinung sagen) als ein Grund gehandhabt wird, um zu inhaftieren und zu bestrafen, dass Identität nicht verleugnen und zu sagen ich bin Kurde ein Grund ist um gefoltert und getötet zu werden, dass die politische Häftlinge in der Türkei wegen ihrer humanistischen Forderungen blutdurstig und gnadenlos ermordet wurden, dass die Türkei die betriebene Politik seit unserer Flucht nicht geändert hat und vorher betriebene antidemokratische Politik weiterhin fortgesetzt und verschärft wird, sitzen wir in Hungerstreik, weil wir es genau wissen, dass im Falle einer Rückkehr in die Türkei die oben genannten Vorgehen auch auf uns angewendet werden.

Erol dagegen ist, bevor er einen Antrag auf politisches Asyl gestellt hat, von der Polizei wegen illegaler Einreise verhaftet und in Abschiebehaft in Büren verbracht worden, um ihn in die Türkei abzuschieben.

Wir protestieren, dass Deutschland die Kurden, die hier ein politisches Asyl gesucht haben in die Türkei abschiebt. Wir werden auch unser Hungerstreik weiter fortsetzen.

Ismail Genc, seit 05.07.2001 im Hungerstreik
Gez. Genc

Ali Dasayak, seit 29.05.2001 im Hungerstreik
Gez. Dasayak

Erol Akbulut, seit 17.06.2001 im Hungerstreik
Gez. Akbulut

z. Z JVA Büren
Stöckerbusch 1
Gefängnis


gockel@gegenabschiebehaft.de

zurück