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Schaumburger Zeitung , 14.06.2005 :

(Kleinenbremen) "Das war eine ganz besondere Art von Geschichtsunterricht" / Vortrag über Freiherr v. Plettenberg / Neues aus dem Familienarchiv

Kleinenbremen (gp). Der Name "Kurt Freiherr von Plettenberg" hat hierzulande einen guten Klang. Zu einem Vortragüber Persönlichkeit und Schicksal des Widerstandskämpfers waren über 60 Zuhörer ins Kleinenbremer Bergwerksmuseums gekommen. Sie bekamen Infos "aus erster Hand". Als Referent hatte sich Plettenbergs heute in Essen lebender Sohn Karl-Wilhelm von Plettenberg zur Verfügung gestellt. Der 67-Jährige entpuppte sich als geist- und kenntnisreicher Erzähler und Chronist.

Anlass des Vortrags war die derzeit im Bergwerksmuseum laufenden Ausstellung "Kirche und Krone". In ihr wird eine spektakuläre Kleinenbremer Begebenheit vor 60 Jahren dokumentiert. Damals waren im Gewölbekeller der Dorfkirche die preußische Königskrone und andere Kostbarkeiten des Hohenzollernschatzes versteckt. In Gang gebracht hatte die abenteuerliche Nacht- und Nebelaktion der Hohenzollern-Generalbevollmächtigte Kurt von Plettenberg (wir berichteten).

Im ersten Teil seines Vortrags ging dessen Sohn auf die 750-jährige Geschichte seiner aus dem Sauerland stammenden Familie ein. Danach folgten Hinweise auf eine Reihe verdienstvoller und zu ihrer Zeit überregional bedeutsamer Vorfahren. Einen der bemerkenswertesten unter ihnen, nämlich den eigenen Vater, stellte Karl-Wilhelm von Plettenberg auf besonders zurückhaltende und gleichzeitig anrührend-persönliche Art und Weise vor. Dabei konnte er sich auf umfangreiches, zum Teil unveröffentlichtes Quellenmaterial aus dem Familienarchiv stützen, darunter Briefe und Aufzeichnungen der "Zeit"-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff und des engsten Vertrauten Carl-Hans Graf Hardenberg.

Nach Darstellung von Plettenbergs kannte sich der größte Teil der Widerstandsoffiziere bereits aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Mehrere von ihnen, wie zum Beispiel Heereschef von Hammerstein und Feldmarschall von Kluge, hatten Seite an Seite mit von Plettenberg im selben Infanterieregiment gekämpft.

1939 kam es zu ersten Attentatsgesprächen. Kurt von Plettenberg fiel die Aufgabe zu, über den militärischen Zirkel hinaus "Kontakte zu schmieden". Eine wichtige Figur schien den Verschwörern Kronprinz Louis Ferdinand zu sein. Er wurde als Galions- und Integrationsfigur für die Zeit nach dem Hitler-Sturz betrachtet. Die Konservativen des Attentäterkreises dachten anfangs sogar über die (Wieder-) Einführung einer konstitutionellen Monarchie im Nach-Hitler-Deutschland nach. Die Überlegungen in diese Richtung waren jedoch Makulatur, als Lous Ferdinand 1943 die Kontakte zum Widerstand endgültig abbrach.

"Es schien ihm die einzige sichere Möglichkeit zu sein, Freunde und Wegbegleiter zu retten", antwortete Kurt von Plettenberg auf die Frage, warum sein Vater während der Untersuchungshaft am 10. März 1945 im Berliner Reichssicherheitshauptamt Selbstmord begangen habe. Die Preisgabe von Namen unter der Folter hätte unweigerlich zur Verhaftung einer ganzen Reihe weiterer Männer und Frauen, darunter auch der Repräsentanten des Hauses Hohenzollern, geführt.

"Das war eine ganz besondere Art von Geschichtsunterricht" meinte nach dem Vortrag Museumschef Dr. Gerhard Franke. Die Ausstellung "Kirche und Krone" habe eine bewegend-authentische Ergänzung erfahren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juni geöffnet.


sz@schaumburger-zeitung.de

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