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21.02.2022 :
Pressespiegel überregional
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MiGAZIN, 21.02.2022:
Ein paar Gedanken / Beileidstourismus in Hanau
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MiGAZIN, 21.02.2022:
Ein paar Gedanken / Beileidstourismus in Hanau
21.02.2022 - 08.55 Uhr
Starke Reden, große Versprechen, Fotos mit Opfern. Warum sahen so viele Politiker in Hanau aus wie Beileidstouristen? Ein paar Gedanken.
Von Ekrem Şenol
Über Hanau gäbe es so viel zu sagen: über Rassismus, Rechtsextremismus, das erneute Versagen der Sicherheitsbehörden, den Umgang mit den Opfern und ihren Hinterbliebenen, über Versprechen, über "lückenlose Aufklärung", über Einzeltäter …
Hanau ist aber viel mehr als alles, was darüber jemals geschrieben oder gesagt werden könnte. Sie sprengt jeden Wortschatz, bringt jede Sprache an ihre Grenzen - insbesondere Deutsch -, ähnlich wie nach NSU, Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Mölln, Halle, München …
Die Gedenkveranstaltungen wirken nicht mehr. Es sind zu viele geworden. Zu viele Nazi-Morde wurden seit dem ersten "Nie wieder" nicht verhindert.
Als Bundeskanzlerin Angela Merkel 2012 lückenlose Aufklärung der NSU-Morde versprach, hat das noch Erwartungen geweckt. Dasselbe Versprechen in Hanau klang bedeutungslos.
Vielleicht war Helmut Kohl 1993 einfach nur ehrlich. Viele Politiker gestern in Hanau sahen aus wie Beileidstouristen.
Serpil Temiz Unvar, Mutter des in Hanau ermordeten Ferhat Unvar: "Es reicht nicht, dass man Interviews führt, dass man uns die Hände schüttelt, uns Beileid ausspricht und sich Politiker mit uns fotografieren lassen. Es ist noch nichts geschafft."
Nichts.
Bildunterschrift: Ekrem Şenol, Gründer und Chefredakteur von MiGAZIN.
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