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2 Veranstaltungen - Nachrichten ,
05.02.2022 :
Tages-Chronologie von Samstag, 5. Februar 2022
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Veranstaltungskalender:
- Samstag, 5. Februar 2022 von 14.00 bis 16.00 Uhr -
Ausstellung: "Eva, Simon und die Anderen" - Jüdische Geschichte und Kultur im Raum Herford
Veranstaltungsort:
Gedenk-, Dokumentations-
und Begegnungsstätte Zellentrakt
Rathausplatz 1
32052 Herford
www.kuratorium-herford.de
www.zellentrakt.de
www.instagram.com/gedenkstaettezellentrakthf/?hl=de
www.twitter.com/HFzellentrakt
Hinweis:
Jeweils samstags und sonntags ist die Gedenkstätte unter den jeweils aktuell geltenden Bedingungen der Corona-Schutzverordnung von 14.00 bis 16.00 Uhr für höchstens zehn Besucherinnen, Besucher gleichzeitig zugänglich. Erforderlich ist eine Anmeldung unter (05221) 189257 oder info@zellentrakt.de.
Die Ausstellung:
Die Ausstellung ist der Beitrag des Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken e.V. und der Gedenkstätte Zellentrakt zum Festival-Jahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland": Am 11. Dezember 321 erlässt der römische Kaiser Konstantin ein Edikt. Es legt fest, dass jüdische Menschen städtische Ämter in der Kurie, der Stadtverwaltung Kölns, bekleiden dürfen und sollen. Dieses Edikt belegt eindeutig, dass jüdische Gemeinden bereits seit der Spätantike wichtiger integrativer Bestandteil der europäischen Kultur sind. 2021 steht Deutschland in besonderem Fokus, denn in diesem Jahr werden Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1.700 Jahren auf dem Territorium des heutigen Deutschlands leben.
1988 wurde in Herford die Ausstellung "Juden in Herford - 700 Jahre jüdische Geschichte und jüdische Kultur in Herford" gezeigt, die erste umfassende Darstellung zum Thema. Aus Anlass des Festival-Jahres zeigt das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V., das in Folge der damaligen Ausstellung entstanden ist, eine um zahlreiche neue Forschungen und Aspekte ergänzte Ausstellung, die auch die Jüdischen Gemeinden Vlotho, Bünde und Enger mit in den Blick nimmt.
Das Design der Ausstellung nimmt sich das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", kurz "Holocaust-Mahnmal" in Berlin zum Vorbild. Graue Stelen versinnbildlichen den Verlust für Deutschland und den Raum Herford durch den Holocaust. In der Ausstellung stehen aber nicht die Verfolgungs- und Vernichtungs-Zeiten, sondern gerade die fragile "Normalität" und der Alltag der Juden in der Stadt Herford, in Bünde, Vlotho, Enger und Spenge im Mittelpunkt. Kulturelle und wirtschaftliche Höhen und Verluste werden dargestellt und der Beitrag der Juden zur Entwicklung der Gesellschaft und Wirtschaft gezeigt. Der Wiederbeginn nach 1945 und die aktuelle Situation der jüdischen Gemeinschaft im Raum Herford sowie Entwicklungen des Antisemitismus in Deutschland und dem Raum Herford stehen am Ende der Ausstellung.
Die Ausstellung besteht aus zwölf chronologisch und thematisch angeordneten Stelen mit je vier Seiten. Der Rundgang in der Ausstellung ist markiert und die Stelen sind unten nummeriert. Sie sollten von rechts aus umgangen und betrachtet werden. In acht Vitrinen finden sich Exponate, die Beschriftungen dazu sind jeweils links neben / hinter den Vitrinen angebracht. Auf drei Touchscreen-Stationen können kurze Filmsequenzen zu verschiedenen Themen abgerufen werden. Im Flur außerhalb des Zellentraktes finden sich Tafeln zur historischen Juden-Feindschaft und dem aktuellen Antisemitismus.
Im Zellenflur verdeutlichen eine Installation und zahlreiche Exponate Beispiele der jüdischen Kultur: Ein gedeckter Tisch zum Shabbat-Mahl, eine Platte mit Mazzen für Pessach, das Modell der Herforder Synagoge und am Ende des Flurs das Heiligste in der Synagoge, die Thora. Der hier gezeigte, aus dem Feuer der Pogromnacht gerettete, Rest steht zugleich für den Versuch der Zerstörung der jüdischen Kultur ab 1933.
Ergänzungen zur Ausstellung:
Die Ausstellung im Zellentrakt wird ergänzt durch an 20 Orten jüdischen Lebens im Kreis Herford (Synagogen, Friedhöfen und Wohnorten) angebrachte QR-Codes mit Hörtexten zur Selbsterkundung, die auch über www.zellentrakt.de abgerufen werden können.
Auf www.youtube.com/watch?v=uD6KsDkeOfg sind erste Einblicke in die Ausstellung sowie zahlreiche Original-Dokumente und viele Exponate zur über 700-jährigen jüdischen Geschichte und Kultur im Raum Herford, die zu einem Besuch anregen sollen, zu sehen.
Schirmherrschaft der Ausstellung:
Landrat Jürgen Müller, Herford
Bürgermeister Tim Kähler, Herford
Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung NRW und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Leihgeber und Unterstützerinnen:
Landesarchiv NRW Westfalen, Münster; Landesarchiv NRW Ostwestfalen, Detmold; Centrum Judaicum Berlin (CJ); The Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem; Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Heidelberg; Widukind-Museum Enger; Städtisches Museum Herford; Jüdisches Museum Westfalen in Dorsten; Netzwerk-Gruppe Bünde; Christina Whitelaw (NB); Werner Brakensiek, Enger; Norbert Sahrhage, Spenge; Günter Schölzel, Geschichte Vlotho; Jörg Militzer, Bünde; Lutz Brade, Herford
Kooperationspartnerinnen:
Jüdische Gemeinde Herford-Detmold
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Herford e.V.
Evangelische Erwachsenenbildung - Kirchenkreisverband Herford-Lübbecke-Minden-Vlotho
Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold
Fachstelle NRWeltoffen im Kreis Herford
Mendel-Grundmann-Gesellschaft e.V., Vlotho
Kreisheimatverein Herford
Museen und Archive im Kreis Herford
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- Samstag, 5. Februar 2022 um 15.00 Uhr -
Führung durch das Forum Jacob Pins
Veranstaltungsort:
Forum Jacob Pins im Adelshof
Westerbachstraße 35 - 37
37671 Höxter
www.jacob-pins.de
Eine Führung, die über Jacob Pins, seine Kunst, das Schicksal der jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Höxter und die Geschichte des Adelshofes informiert. Es wird auch ein Filmporträt des israelischen Fernsehens über Jacob Pins angeboten.
Jacob Pins
Der jüdische Maler und Grafiker Jacob Pins wurde am 17. Januar 1917 in Höxter geboren. Er floh vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Palästina. Seinen Eltern gelang die Ausreise nicht, sie wurden 1941 ins Ghetto Riga deportiert und später vergast. Jacob Pins hatte schon 1959 erstmals seine Heimatstadt wieder besucht und stiftete ihr 2003 einen umfangreichen künstlerischen Nachlass. Im September 2003 wurde ihm für sein Versöhnungswerk die Ehrenbürgerschaft der Stadt Höxter verliehen. Jacob Pins starb am 4. Dezember 2005 in Jerusalem.
Jacob Pins Gesellschaft
Die im Jahr 2003 gegründete Jacob Pins Gesellschaft - Kunstverein Höxter e.V. verwaltet die Hunderte von Werken umfassende Stiftung und hat sich zum Ziel gesetzt, neben der Dokumentation und Vermittlung des künstlerischen Schaffens von Jacob Pins auch ausgewählten zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Prägung ein Ausstellungsforum zu bieten.
Mit der Verwaltung der Stiftung übernimmt die Jacob Pins Gesellschaft zugleich die Verpflichtung, das Andenken an die Eltern Dr. Leo Pins und Ida Pins und an alle Jüdinnen und Juden aus Höxter, die Opfer der Shoa wurden, zu bewahren, zu dokumentieren und durch eine ständige Ausstellung wach zu halten.
Monographie über Jacob Pins
Die Monographie "Jacob Pins - Künstler Sammler Freund" von Christine Longère und Dr. Manfred Strecker kann über den Buchhandel oder bei der Jacob Pins Gesellschaft bezogen werden.
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Pressespiegel überregional
Zeit Online, 05.02.2022:
Proteste für und gegen die Corona-Maßnahmen in Düsseldorf
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Samstag, 5. Februar 2022
Am 3. Dezember 2021 wurde auf YouTube der "Schülerfilm der Realschule Lemgo über jüdisches Leben in Lemgo" - zdi-Zentrum Lippe.MINT in Kooperation mit Rapschool NRW / Realschule Lemgo - veröffentlicht.
Am 13. Dezember 1941 wurde Hedwig Loewenthal (geboren: 18. März 1883 in Berlin) - nachdem sie zuvor aus Lemgo - zur Sammelstelle nach Bielefeld gebracht wurde - in das Getto Riga deportiert und ermordet.
Am 4. Februar 2022 demonstrierten deutlich über 3.000 Pandemie-Leugnende, in insgesamt fünf Protest-Zügen in der Innenstadt von Bielefeld gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.
Für den 4. Februar 2022 hatten Pandemie-Leugnende, unter anderen auch "Bielefeld steht auf!" - drei als "Spaziergänge" bezeichnete Aufmärsche - zwischen 700 und 749 Teilnehmenden in Bielefeld angemeldet.
Am 21. Januar 2022 fanden in der Innenstadt von Bielefeld vier als "Lichterspaziergänge" von Pandemie-Leugnenden aus Bielefeld, Herford, Gütersloh (angemeldete) Aufmärsche mit 2.500 Teilnehmenden statt.
Am 18. Januar 2022 stoppte die Polizei in der Innenstadt von Bielefeld, das ersten Mal, mehrere "Lichter-Spaziergänge" von Corona-Leugnenden und verhängte 59 Anzeigen (Verstöße gegen die Masken-Pflicht).
Am 7. Januar 2022 demonstrierten in Bielefeld weit mehr als 2.000 Corona-Leugnende begleitet durch die Polizei ("verzichtete aus Verhältnismäßigkeitsaspekten auf Auflösung") in zwei Aufzügen zum Kesselbrink.
Am 5. Januar 2022 meldete eine Privatperson einen Umzug, das Motto: "OWL geht in Bielefeld spazieren gegen die Spaltung der Gesellschaft" - mit 749 Teilnehmenden, für den 7. Januar 2022 um 18.00 Uhr an.
Am 3. Januar 2022 zogen die verschwörungsideologischen Corona-Leugnenden von "Bielefeld steht auf!", ihre Anmeldung für eine - Großdemonstration am 7. Januar 2022 - bei der Versammlungsbehörde zurück.
Am 3. Januar 2022 fand in Bielefeld zunächst eine Corona-"Mahnwache" am Rathaus, mit anschließenden "Lichterspaziergang" mit dem Motto "Bielefeld geht spazieren" mit etwa 150 Pandemie-Leugnenden statt.
Am 31. Dezember 2021 fand in Bielefeld ein unangemeldeter ("Bielefeld steht auf") - und von der Polizei tolerierter - "Lichterspaziergang" von Pandemie-Leugnenden mit "etwa 350 bis 500" Teilnehmenden statt.
Am 27. Dezember 2021 haben "1.000 bis 1.500" (Polizei) Corona-Leugnende eine unangemeldete sowie nicht genehmigte Demonstration, erneut toleriert und begleitet durch die Polizei in Bielefeld durchgeführt.
In der Nacht zum 21. Dezember 2021 sind in Bielefeld an der Promenade, die hoch zur Sparrenburg führt, viele antisemitische Graffitis aufgesprüht worden, die der Pandemie leugnenden Szene zuzurechnen sind.
Am 17. Dezember 2021 durchbrachen in Bielefeld nach der beendeten Demonstration von "Bielefeld steht auf!" ("3G") - aus einer Menge von über 3.000 Corona-Leugnenden - zahlreiche Gruppen Polizei-Sperren.
Für den 17. Dezember 2021, um 18.00 Uhr, Kesselbrink, Bielefeld, hatten die Pandemie-Leugnenden von "Bielefeld steht auf!" eine neuerliche Demonstration "Für ein Ende der Corona-Maßnahmen" angekündigt.
Am 3. Dezember 2021 fand in Bielefeld eine Versammlung der Corona-Leugnenden von - "Bielefeld steht auf!" unter dem Motto: "Für ein Ende der Corona-Maßnahmen" - mit mehr als 1.500 Teilnehmenden statt.
Für den 7. Februar 2022 um 18.00 Uhr kündigen verschwörungsmythische "Telegram"-Kanäle eine weitere Demonstration unter dem Motto "Bad Salzuflen geht spazieren", mit dem Treffpunkt vor dem Rathaus an.
Am 4. Februar 2022 wurde die "Bad Salzufler Erklärung", von den Stadtverbänden von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90 / Die Grünen sowie Freie Wähler gegen die so genannten Corona-"Spaziergänger" vorgestellt.
Am 31. Januar 2022 nahmen circa 290 Corona-Leugnende an dem, vom extrem rechten "Telegram"-Chat "Lippe OWL Protest und Widerstand jetzt", als "Bad Salzuflen geht spazieren" deklarierten Aufmarsch teil.
Am 24. Januar 2022 nahmen beim fünften - zum fünften Male unangemeldeten - "Spaziergang" in Schloß Holte-Stukenbrock 115 Pandemie-Leugnende teil, Ordnungsdienst und Polizei verzichteten auf Kontrollen.
Am 17. Januar 2022 nahmen beim vierten (wiederum nicht angemeldeten) "Spaziergang" in Schloß Holte-Stukenbrock "etwa 70" Pandemie-Leugnende teil, Ordnungsdienst und Polizei verzichteten auf Kontrollen.
Am 10. Januar 2022 nahmen beim dritten (wiederum nicht angemeldeten) "Spaziergang" in Schloß Holte-Stukenbrock "etwa 70" Pandemie-Leugnende teil, Ordnungsdienst und Polizei verzichteten auf Kontrollen.
Am 3. Januar 2022 nahmen "mehr als 100" Pandemie-Leugnende beim zweiten, wieder unangemeldeten, "Spaziergang" in Schloß Holte-Stukenbrock teil, Ordnungsdienst, sowie Polizei verzichteten auf Kontrollen.
Am 27. Dezember 2021 nahmen "etwa 80" Corona-Leugnende - auch Mitglieder vom "AfD"-"Stadtverband Schloß Holte-Stukenbrock" - am ersten, unangemeldeten, "Spaziergang" in Schloß Holte-Stukenbrock teil.
www.youtube.com/watch?v=tP4XBN_nNyQ
www.museen-lemgo.de/frenkelhaus
www.stadtarchiv-lemgo.de
www.gfcjz-lippe.de
www.oerlinghausen.de/de-wAssets/docs/Erinnerungsbuch_NS-Opfer_Oerlinghausen_dritte_Ausgabe_2019.pdf
www.historischer-rueckklick-bielefeld.com/2011/12/01/01122011/comment-page-1
https://go.nw.de/3eIfgyn
www.alibi.noblogs.org
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www.twitter.com/alibi602
www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com
www.facebook.com/BielefeldStelltSichQuer
www.bad-salzufler-erklaerung.de
www.vhs-vhs.de/demokratie-leben
www.jupa-shs.de
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Lippische Landes-Zeitung, 05./06.02.2022:
Realschüler drehen Film über jüdisches Leben in Lemgo
Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 05./06.02.2022:
Stadtgeschichte / Hedwig Loewenthal - ein tragisches Schicksal
Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 05./06.02.2022:
Oerlinghausen: Der Fall Loewenthal
Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 05./06.02.2022:
Rund 2.500 gegen Corona-Politik
Westfalen-Blatt / Bielefelder Zeitung, 05./06.02.2022:
3.000 demonstrieren gegen Impf-Pflicht
Lippische Landes-Zeitung, 05./06.02.2022:
Parteien setzen Zeichen gegen "Corona-Spaziergänge"
Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Kommentar / Behörden-Skandal abwenden
Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Strafanzeige gegen den Jupa-Vorsitzenden
Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Schloß Holte-Stukenbrock: Jupa-Vorsitzender angezeigt
Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Henri Lindner wird Straftat vorgeworfen
Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Heute im Lokalteil / Ermittlungen gegen Henri Lindner
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Lippische Landes-Zeitung, 05./06.02.2022:
Realschüler drehen Film über jüdisches Leben in Lemgo
Das zdi-Zentrum Lippe.MINT, die Realschule, die Rapschool NRW, die Stadt und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe initiieren ein Projekt
Lemgo. Der Name Karla Raveh ist in Lemgo bekannt. Auch die Schüler der "Jüdisch hier"-AG der Realschule Lemgo kennen diesen Namen. Doch was steckt genau dahinter? Wie war das eigentlich hier in Lemgo zur Zeit des Nationalsozialismus? Wurden auch hier Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung begangen? Gab es in Lemgo auch eine Synagoge?
Diese Fragen haben sich die Schüler der AG gestellt, heißt es in einer Mitteilung. Schnell sei die Idee geboren gewesen, daraus einen Film zu drehen, um die Erkenntnisse mit anderen Jugendlichen teilen zu können. Für den Film habe sich das Team an vielen Orten in der Heimatstadt informiert. So sei im Stadtarchiv recherchiert, an einer Führung im Museum Hexenbürgermeisterhaus teilgenommen, ein Stadtrundgang für weitere Information genutzt und der jüdische Friedhof besichtigt worden, bevor es an den Filmdreh ging, der mit den Profis der Rapschool NRW produziert wurde.
Im Film werden Zeugnisse des jüdischen Lebens in Lemgo an verschiedenen Drehorten eindrucksvoll dargestellt, heißt es weiter. So werde das Synagogen-Mahnmal in der Lemgoer Neuen Straße und die Gedenkstätte Frenkel-Haus ins Bild gesetzt. Auch die Recherche im Stadtarchiv Lemgo sei mit der Kamera begleitet worden.
An den Drehorten hätten die Mitarbeiter der Institutionen deren Bedeutung erklärt und Antworten auf die Fragen der Schülergruppe zu den Hintergründen des jüdischen Lebens und der Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus gegeben.
Lehrer Thorsten Holling habe die Idee zu dem Projekt gehabt, nachdem er vom Wettbewerb "Jüdisch hier" des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe gehört hatte. Mit der Idee, mit Schülern zur ehemaligen Synagoge in Lemgo zu recherchieren, bewarb er sich. Groß sei die Freude gewesen als feststand, dass dieses Projekt mit 24 weiteren Projekten ausgewählt wurde. Daraufhin sei die AG gebildet worden.
"Unsere Schüler haben freiwillig und zusätzlich zum normalen Unterricht an der AG teilgenommen. Sie haben mit großem Engagement an diesem Thema gearbeitet. Heraus gekommen ist ein Film, der auch andere junge Menschen anspricht und zeigen soll, dass die Gräueltaten gegen die jüdische Bevölkerung nicht weit weg sind, sondern auch hier bei uns in Lemgo stattgefunden haben", teilt er mit.
"Ein toller Film zu einem sehr wichtigen Thema, gerade auch wieder in dieser Zeit. Als wir von der Idee erfahren haben, haben wir sofort zugesagt, zu unterstützen. Wir freuen uns, dass wir neben der genutzten Medientechnik und der entsprechenden Berufsorientierung für die Schülerinnen und Schüler ein so wichtiges Thema transportieren können", wird Thomas Mahlmann vom zdi-Zentrum Lippe.MINT zitiert. Die Kurse wurden mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit und des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes gefördert.
Der Film ist über den YouTube-Kanal des zdi-Zentrums Lippe.MINT abrufbar.
Bildunterschrift: Marcel Oeben (Stadtarchiv, von links), Dana Wegwerth-Jansen (Stadtarchiv), Thorsten Holling (Realschule), Fabian Schröder (Gedenkstätte Frenkel-Haus), Leonie Tausendfreund (Schülerin), Thomas Mahlmann (zdi-Zentrum Lippe.MINT), Dorit Meier (Schulleiterin Realschule) ,Joel Handlanger (Schüler), Sara Elkmann (Gedenkstätte Frenkel-Haus), Kaius Sturhan (Schüler), Liza Hoffmann (Schülerin), Daniel Schneider (Rapschool NRW), Max Schäfer (Schüler), Lukas Höhrmann (Schüler) und Amy Schmidt (Schülerin) vor dem Frenkel-Haus.
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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 05./06.02.2022:
Stadtgeschichte / Hedwig Loewenthal - ein tragisches Schicksal
Eigentlich war die Oerlinghauserin mit jüdischen Wurzeln längst Christin, doch die Nazis demütigten sie und vertrieben sie / Schließlich transportierte man die hilflose Frau in ein Ghetto
Horst Biere
Oerlinghausen. Warum Hedwig Loewenthal ausgerechnet nach Oerlinghausen kam, weiß man nicht. Jedenfalls zog die 29-jährige Frau, die aus einer angesehenen jüdischen Mediziner-Familie in Berlin stammte, im Jahre 1912 in ein Gebäude, das zum Gut Menkhausen gehörte. 1924, also lange bevor die Nazis an die Macht kamen, kaufte sie dann ein Grundstück am Ende des Landerweges, oberhalb des Schopketals und baute dort ein Haus. Ihr Vater Prof. Wolff-Wilhelm Loewenthal, war ein international anerkannter Augenarzt und arbeitete zeitweise mit Robert Koch an der Berliner Charité. Trotz ihrer jüdischen Wurzeln, traten Hedwig und ihre vier Schwestern schon früh - noch in Berlin - dem evangelischen Glauben bei.
Hedwig Loewenthal engagiert sich ehrenamtlich
Hedwig Loewenthal lebte in Oerlinghausen sehr zurückgezogen, übte keinen Beruf aus, schien gut situiert aber offenbar gesundheitlich beeinträchtigt. Ihre Mutter zog in den 1920er Jahren zu ihr an den Landerweg, doch sie verstarb recht bald im Mariannenstift. Das ergaben Recherchen des Historikers Jürgen Hartmann, der das Schicksal der Loewenthals im "Erinnerungsbuch" für die Oerlinghauser Opfer des Nationalsozialismus beschreibt. Dass Hedwig nichts mit dem jüdischen Glauben zu tun hatte, zeigt auch, dass sie sich ehrenamtlich im evangelischen "Stadtverein Innere Mission" in Brackwede engagierte. Doch als 1933 die Nazis an die Macht kamen, galt Hedwig Loewenthal offiziell als Jüdin und somit begann ein höchst tragisches Schicksal seinen Lauf zu nehmen.
In Briefen zwischen den Behörden und ihr zeigt sich das Bild einer einsamen, verzweifelten, hilflosen Frau, die immer mehr Drangsalierungen erleiden musste. In ihrem Haus lebte zum Beispiel ein Mieter, der sich weigerte, seine Miete an eine "Jüdin" zu bezahlen und sie ständig unter Druck setzte. Ortspolizist Neese teilte dem Oerlinghauser Amt sogar mit: "Loewenthal wird seit einiger Zeit fortgesetzt von E. schikaniert. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP weiß um den Fall Bescheid."
Als das Amt Schötmar Hedwig Loewenthal im Jahre 1939 anwies, aus Deutschland auszuwandern, brach für sie eine Welt zusammen. Trotzdem blieb ihr Brief höflich: "So hat mich Ihr Schreiben, welches gestern in meine Hände gelangte, betreffs Auswanderung in große Unruhe, Not und Bestürzung versetzt. Ich bin Christin und will nicht klagen. Ich bedauere aufrichtig durch meine Geburt dem Staat ein Ärgernis bereiten zu müssen." Sie wollte sogar ihren neuen Mietern, dem Maurer B. und seiner Familie, ihr Haus überschreiben und ihnen ihr ganzes Vermögen übertragen, wenn sie nur im Obergeschoss des Hauses wohnen bleiben dürfe. Die Behörden stimmten zu, sie konnte vorerst dort unter strengen Bedingungen in einem strikt abgegrenzten Bereich des Hauses leben. Sie bekam im Gegenzug ihr Essen und ein wenig Taschengeld, hatte sich aber "möglichst vom öffentlichen Verkehr fernzuhalten". Doch es gab immer mehr Repressalien gegen sie. Anfangs durfte sie noch manchmal im Kreise der Familie B. Radio hören oder ihr Essen aus der Küche abholen. Später wurde es ihr zumeist auf die Treppe gestellt. Die Ehefrau B. bezeichnete sie gelegentlich als den "faulsten Menschen, den sie kennengelernt hätte". Die Familie habe ihre Häuslichkeit und ihren Frieden aufgegeben - "eingetauscht durch die Widerwärtigkeit, einen störrischen, raffinierten Juden im Haus zu haben".
Doch Jürgen Hartmann schreibt in seinem "Erinnerungsbuch" auch darüber, dass es ihr wohl noch gelungen sei, einige Kontakte zu ihrem früheren christlichen "arischen" Umfeld in Oerlinghausen aufrecht zu halten. Sogar mit dem strammen Nationalsozialisten Hermann Diekmann, dem Volkschuldirektor, habe sie in Verbindung gestanden. Das habe Diekmann nach dem Krieg hervorgehoben, um sich für seine Vergangenheit reinzuwaschen. Doch Diekmann sei es wohl nur darum gegangen, die letzten Habseligkeiten Hedwig Loewenthals zu ergattern. "Sie war so dankbar für meine Bemühungen", gab Diekmann zu Protokoll, "und zeigte mir persönlich Sachen, die ich für meine Mühewaltung erhalten sollte: Kupferner Kessel, Kochherd, Gemälde, für die Schule ein Harmonium. Für das Museum ein Mahagoni-Zimmer und ein wertvoller Schrank."
Im Deportationszug Richtung Riga - dann verliert sich die Spur
Zum Leidwesen Diekmanns beschlagnahmte die Gestapo jedoch fast alle Geschenke. Im Juni 1941 letztlich befahl die Bielefelder Gestapo Hedwig Loewenthals Auszug aus Oerlinghausen. Man wollte sie anfangs in einem der wenigen "Judenhäuser" des Kreises Lippe unterbringen, doch wegen deren Überfüllung kam sie bei den Eheleuten Adolf und Lina Sternheim in Lemgo unter - aber nur kurz.
Im Dezember 1941 sammelten die Nazis die letzten noch verbliebenen jüdischen Bürger ein, um sie zu deportieren. Hedwig Loewenthal wurde mit dem Lastwagen zur Sammelstelle nach Bielefeld gebracht. Jürgen Hartmann schreibt: "Am 13. Dezember setzte sich der Deportationszug Richtung Riga in Bewegung. Ob sie den Fußweg bis ins Ghetto überlebt hat, ist nicht bekannt. Alte, kranke, gebrechliche Männer und Frauen wurden mitunter kurz nach ihrer Ankunft erschossen." Hedwig Loewenthal wurde 1952 vom Amtsgericht Lemgo für tot erklärt. In Lemgo erinnert ein Stolperstein in der Paulinenstraße 5 an sie.
Bildunterschrift: Am Bielefelder Hauptbahnhof begann am 13. Dezember 1941 die Deportation ins Ghetto Riga.
Bildunterschrift: Hedwig Loewenthal als Neunjährige im Jahre 1892.
Bildunterschrift: Familie Loewenthal auf einem Foto des Jahres 1892. Hedwig steht links vor dem Arm ihres Vaters, des damals recht bekannten Augenmediziners Professor Wolff-Wilhelm Loewenthal.
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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 05./06.02.2022:
Oerlinghausen: Der Fall Loewenthal
Oerlinghausen. Eine Frau wird von ihrem Mieter gedemütigt - und lässt ihn kostenlos in seiner Wohnung wohnen. In der Stadtgeschichte wird der tragische Fall geschildert.
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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 05./06.02.2022:
Rund 2.500 gegen Corona-Politik
Trotz Sturm und Regen kommen vor allem auf dem Kesselbrink viele Protestler zusammen / Polizei teilt zumeist friedlichen Demozug in drei Teile / Drei Festnahmen
Jens Reichenbach, Charlotte Mahncke, Susanne Lahr
Bielefeld. Bei der Neuauflage des "Lichter-Spaziergangs" sind am Freitagabend bei zwei von drei geplanten Aufzügen schätzungsweise 2.500 Gegner der Corona- und Impf-Politik durch die Innenstadt gezogen - erneut begleitet von einem Großaufgebot der Polizei. Es blieb überwiegend friedlich, allerdings gab es drei Festnahmen nach Widerstandshandlungen und Solidarisierungseffekte in der Menge, die die Polizisten und Ordnungsamtsmitarbeiter verbal und mit Handys bedrängten. Zudem mussten Anwohner und Verkehrsteilnehmer etliche Behinderungen ertragen.
Zu Beginn der Demos, die vom Kesselbrink und vom Kunsthallen-Park durch die Stadt zogen, forderten Polizei und Ordnungsamt die Teilnehmer wiederholt auf, der Masken-Pflicht nachzukommen. Daraufhin griffen viele der Protestler auf dem Kesselbrink zu Trillerpfeifen. In den einschlägigen Telegram-Gruppen war zuvor die Rede davon gewesen, dass Benutzer eines Blasinstrumentes nicht der Masken-Pflicht nachkommen müssten. Trillerpfeifen würden dabei wie Blasinstrumente eingestuft, wurde in den Chats betont.
Im Kunsthallen-Park gab es eine andere Marschrichtung. Dort wurde per Megafon durchgesagt: "Wir tragen die Maske aus Protest!" Etwa 150 Spaziergänger hatten sich an dieser Stelle versammelt, von denen viele tatsächlich Maske trugen. Die große Mehrheit vom Kesselbrink verzichtete auch direkt vor den Sicherheitskräften auf Masken.
Einzelne verstrickten sich in Diskussion mit den Ordnungsamtsmitarbeitern wegen Attesten, die die Masken-Pflicht aufheben. Eine ältere Dame ohne Maske weigerte sich, ihren Ausweis zu zeigen. Sie wurde von den Ordnungskräften umkreist und dann mit Nachdruck um den Ausweis gebeten.
Bei zwei Kontrollen an der Kreuzstraße eskalierte die Situation derart, dass es zu Widerstandshandlungen kam. Die Polizei griff ein und brachte die Männer (58, 31) in Polizei-Zellen. Gegen einen von ihnen lag bereits ein Haftbefehl wegen Widerstandsleistungen vor. Die Menge quittierte den Zugriff jeweils mit lautstarken Pöbeleien gegen die Beamten. Auf dem Kesselbrink wurde kurz vor Ende der Demo ein Mann, der eine Masken-Kontrolle störte und sich nicht davon abbringen ließ, die Aktion zu filmen, von der Polizei sogar zu Boden gebracht. Er leistete dabei Widerstand und verletzte einen Beamten leicht. Auch hier bildete sich im Nu eine große Menge, die die Polizisten beschimpften und filmten. Um einen Filmer auf Distanz zu halten, kam Pfefferspray zum Einsatz. Eine Einsatzhundertschaft musste die Menge schließlich auf Distanz halten.
Vom Sturm verweht, der auch Schilder, Schirme und Mützen davonfliegen ließ, wurde vielleicht der Demozug aus Richtung Hauptbahnhof. Die Gruppe von einem knappen Dutzend hatte sich noch an Ort und Stelle aufgelöst und anderen Spaziergängen angeschlossen.
Auf dem Kesselbrink waren geschätzt letztlich mehr als 2.000 Personen zusammengekommen, so dass, wie beim letzten Mal, der Aufzug von der Polizei dreimal geteilt wurde. Denn ab 750 Teilnehmern hätte eigentlich die 3G-Pflicht gegriffen. Trotz aller Durchsagen, auch des Veranstalters, trugen geschätzt zwei Drittel der der Spaziergänger keine Maske - ohne größere Konsequenzen. Laut Polizeisprecherin Sonja Rehmert hätten Polizei und Ordnungsamt insgesamt 39 Verstöße gegen die Masken-Pflicht geahndet.
Der Gegenprotest vom "Bündnis gegen Rechts" fand dieses Mal ausschließlich vor dem Alten Rathaus statt. Bündnis-Sprecherin Friederike Vogt betonte, dass es das Hauptziel der Mahnwache sei, die Impf-Gegner vom wichtigsten Platz der Stadt fernzuhalten. Mit Blick auf die Telegram-Gruppen, in denen sich die Corona-Gegner austauschen, sagte Vogt: "Wer ernsthaft davon ausgeht, dass in diesen Kanälen keine rechten Ideologien verbreitet werden, der ist auf dem rechten Auge blind."
Bildunterschrift: Auf dem Kesselbrink versammeln sich erneut die meisten Corona- und Impf-Gegner. Mit Trillerpfeifen reagieren etliche auf die Aufforderung, der Masken-Pflicht nachzukommen. Insgesamt bleiben die Aufmärsche friedlich, einer löst sich mangels Masse auf.
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Westfalen-Blatt / Bielefelder Zeitung, 05./06.02.2022:
3.000 demonstrieren gegen Impf-Pflicht
Drei Aufzüge am Freitagabend in der Innenstadt - zwei Festnahmen - Behinderungen im Verkehr
Von Kerstin Sewöster und Hendrik Uffmann
Bielefeld (WB). Etwa 3.000 Menschen haben am Freitagabend in Bielefeld erneut gegen die Corona-Maßnahmen und die Impf-Pflicht protestiert. Von drei Startpunkten am Kesselbrink, am Hauptbahnhof und im Kunsthallen-Park aus zogen die Teilnehmer - begleitet von einem starken Polizeiaufgebot - zu Fuß durch die Innenstadt. Vor dem Rathaus hatten sich etwa 40 Menschen zu einer Gegenkundgebung unter dem Motto "Bielefeld nimmt Platz - Bielefeld denkt mit statt quer" versammelt.
Am Kesselbrink war die Zahl der Teilnehmer so groß, dass die Polizei den Demonstrationszug, der von dort um 18.30 Uhr gestartet war, zunächst in zwei Gruppen, und später sogar drei Gruppen aufteilen musste.
Insgesamt verliefen die Kundgebungen weitestgehend ruhig, erklärte Polizeisprecherin Sonja Rehmert. An der Kreuzstraße kam es zu zwei Vorfällen, bei denen die Polizei Mitarbeitern des Ordnungsamtes zu Hilfe kommen musste, als diese Demo-Teilnehmer wegen des Verstoßes gegen die Masken-Pflicht kontrollieren wollten. Darauf gab es auch Drohungen aus der Gruppe der Demonstranten gegen die Ordnungskräfte. Zwei Person wurde festgenommen.
Außerdem wurde ein Demonstrant vorläufig in Gewahrsam genommen, weil er einem Platzverweis der Polizei nicht nachkam. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Kesselbrink kam es im Zusammenhang mit einer Masken-Kontrolle erneut zu einem Widerstand gegen die Ordnungskräfte; ein Polizist wurde dabei leicht an der Hand verletzt.
Durch die Demonstrationszüge kam es zu Behinderungen im Bus- und Bahnverkehr. Die Stadtbahnen konnten den kompletten Linienweg fahren, allerdings im Schritttempo und mit leichten Verspätungen. Große Verkehrsprobleme gab es laut Polizei jedoch nicht.
Am Skulpturenpark an der Kunsthalle folgten etwa 300 Menschen der Gruppe "Gütersloh steht auf". Kritisiert wurde die angebliche Gleichschaltung der Presse, die freie Meinungsäußerung nicht zulasse. Es war bereits das vierte Mal, dass es in Bielefeld an einem Freitagabend Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gab. Aufgerufen dazu hatten dieses mal drei Veranstalter. Neben der Gütersloher Gruppe hatte auch eine Privatperson eine Versammlung unter dem Motto "Bielefeld steht auf! Für eine freie Impf-Entscheidung!" ab dem Kesselbrink angemeldet. Die Dritte Demo unter dem Motto "Frei geboren" hatte die Gruppierung "Herford steht auf!" mit Start am Bahnhof angemeldet.
Bildunterschrift: Der Demonstrationszug war so groß, dass die Polizei ihn in drei Gruppen aufteilen musste.
Bildunterschrift: Vor dem Alten Rathaus versammelten sich etwa 40 Teilnehmer einer Gegen-Demo unter dem Motto "Bielefeld nimmt Platz".
Bildunterschrift: Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollierten die Einhaltung der Masken-Pflicht. Dabei gab es im Laufe der Demos zwei Festnahmen.
Mehr Bilder zum Thema in den Fotogalerien auf: www.westfalen-blatt.de
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Lippische Landes-Zeitung, 05./06.02.2022:
Parteien setzen Zeichen gegen "Corona-Spaziergänge"
Wenn sich die Pandemie-Skeptiker montags am Historischen Rathaus versammeln, soll das Licht an dem Denkmal und an den Gradierwerken aus bleiben / Auf den Aufruf zu einer Gegen-Demo wird verzichtet
Bad Salzuflen (ski). Die Stadtverbände von CDU, SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern haben die "Bad Salzufler Erklärung" ins Leben gerufen. Sie kann online unterzeichnet werden. Damit wollen die Politiker ein Zeichen gegen die montäglichen "Spaziergänge" von Corona-Skeptikern setzen. Zuletzt zählte die Polizei rund 300 Menschen, die in der Kurstadt gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen.
"Es ist ja in Ordnung, dass Menschen Sorgen haben und Regeln kritisch hinterfragen", sagte Sabine Mirbach (CDU) beim Pressetermin. Man dürfe aber den Respekt voreinander nicht verlieren. Angesichts der vielen Corona-Todesfälle in Lippe seien viele Äußerungen von Corona-Skeptikerin eine Verhöhnung der Opfer. Clemens Welslau (SPD) betonte: "Die Pandemie ist kein Spaziergang." Den Demonstranten gehe es eben nicht um Freiheit und Demokratie. "Sie gefährden die Demokratie", so Welslau.
Menschen sollen zu Hause bleiben
Die Initiatoren der Erklärung haben sich dafür eingesetzt, dass am kommenden Montag die Lichter am Historischen Rathaus, an dem die Corona-Skeptiker starten, aus bleiben. Zudem soll das Licht an anderen Wahrzeichen der Stadt wie den Gradierwerken ebenfalls ausgeschaltet werden. Entsprechende Absprachen seien mit der Stadtverwaltung und den Stadtwerken getroffen worden. "Wir haben uns bewusst entschieden, keine Mahnwache oder eine Gegendemonstration zu organisieren", sagte Jan Gentemann (CDU). Zum einem wolle man den Konflikt mit den Corona-Spaziergängern aus dem Weg gehen und so dafür sorgen, dass die Polizei nicht noch mehr Einsatzkräfte binden müsse. Zum anderen sei es Ziel der Initiatoren, dass die Menschen zu Hause blieben, um Infektionen zu vermeiden. Noch nicht entschieden ist, ob zeitgleich zu den "Spaziergängen" die Kirchenglocken läuten. Das solle den Kirchengemeinden überlassen bleiben. Wichtig ist den Initiatoren, dass es sich um eine parteiübergreifende Initiative handele. Man hoffe, dass sich viele Menschen und auch andere Parteien anschlössen. Lediglich die AfD wolle man außen vorlassen.
Die "Bad Salzufler Erklärung" findet sich im Wortlaut im Netz unter www.bad-salzufler-erklaerung.de. Dort kann sie auch online unterzeichnet werden.
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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Kommentar / Behörden-Skandal abwenden
Sigurd Gringel
Montags ziehen Menschen in SHS durch die Straßen, die bewusst gegen das Versammlungsgesetz und die Corona-Schutzverordnung verstoßen. Eine Strafe haben sie dafür nicht zu befürchten, solange sie nur frech genug auftreten und Ordnungskräfte schlichtweg ignorieren. Die Polizei schreibt dann eine Anzeige gegen Unbekannt.
Es ist für Bürger, die sich an Recht und Gesetz halten, kaum nachvollziehbar, dass die Polizei einerseits Gesetzesbrecher unter Aufsicht laufen lässt, andererseits einen jungen Mann in Bedrängnis bringt, der ohne Vorsatz gehandelt hat und mehr Rückgrat als die Montagsdemonstranten beweist, indem er für die Jupa-Aktion Verantwortung übernimmt.
Kein Ermessensspielraum zu haben, wie die Polizei es sagt, klingt wie Hohn angesichts der Abwägung, die Montagsdemonstranten unbehelligt ziehen zu lassen. Sollte der Vorsitzende tatsächlich eine Strafe erhalten, wäre das ein Behörden-Skandal.
Jetzt sind auch die Stadt und alle Befürworter der Jupa-Aktion noch einmal gefragt, Solidarität zu beweisen. Sie müssen sich hinter das Jugendparlament und Henri Lindner stellen.
shs@nw.de
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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Strafanzeige gegen den Jupa-Vorsitzenden
Die Jugendlichen hätten ihre Solidaritätsaktion am Rathaus anmelden müssen, sagt die Polizei
Sigurd Gringel
Schloß Holte-Stukenbrock. Die Solidaritätsaktion des Jugendparlamentes im Bürgerpark hat ein Nachspiel. Jupa-Vorsitzender Henri Lindner hat am Freitag Post vom Staatsschutz Bielefeld erhalten. Darin wird ihm vorgeworfen, eine unangemeldete Versammlung durchgeführt zu haben. Die Polizei argumentiert, sie dürfe nicht anders handeln.
Seit Wochen demonstrieren Bürger aus unterschiedlicher Motivation montags auch in SHS gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. Sie nennen sich Spaziergänger und setzen sich über das Versammlungsgesetz und die Corona-Schutzverordnung hinweg. Sie melden die Demonstration nicht an und ignorieren während ihres Ganges durch die Stadt Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei.
Das Jugendparlament ist sich sicher, dass die Mehrheit der Bürger in Schloß Holte-Stukenbrock nicht so denkt und handelt wie die Montagsdemonstranten. Das war einer der Gründe, die Aktion im Bürgerpark Ende Januar zu organisieren. Zudem wollten die Jugendlichen damit Solidarität mit denjenigen zum Ausdruck bringen, die besonders unter der Corona-Pandemie leiden und gelitten haben. Und sie wollten der Opfer der Pandemie gedenken. Mehr als 330 Menschen, darunter Vereine, Institutionen und alle im Stadtrat vertretenen Parteien, haben sich an der Solidaritätsaktion beteiligt. Das sind deutlich mehr Menschen als an den Montagabenden.
Am Morgen der Aktion erschien die Polizei im Bürgerpark. Die Beamten machten Henri Lindner darauf aufmerksam, dass die Aktion von der Versammlungsbehörde als Versammlung gewertet werde, die laut Gesetz im Vorfeld hätte angemeldet werden müssen. Das hat Henri Lindner, der als Jupa-Vorsitzender spontan die Verantwortung als Versammlungsleiter auf sich genommen hatte, nicht gemacht. Aber nicht vorsätzlich, wie er betont.
Er hatte mit Ordnungsamtsleiter Egon Henkenjohann und einer weiteren Mitarbeiterin gesprochen. Beide haben ihm gesagt, dass sie die Jupa-Aktion nicht als Versammlung sehen. Das Problem dabei: Versammlungsbehörde ist die Polizei und nicht das Ordnungsamt. Und die Polizei Gütersloh hat die Aktion anders bewertet. "Versammlung im Sinne dieses Gesetzes ist eine örtliche Zusammenkunft von mindestens drei Personen zur gemeinschaftlichen, überwiegend auf die Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung gerichteten Erörterung oder Kundgebung", heißt es im Versammlungsgesetz NRW. Weil das Jupa die Aktion nicht vorschriftsmäßig angemeldet hat, sieht die Polizei den Anfangsverdacht einer Straftat.
"Wir haben keinen Ermessensspielraum", sagt Polizeisprecherin Katharina Felsch. Eine Anzeige gegen einen der Montagsdemonstranten hat es in SHS noch nicht gegeben. Stets wurde gegen Unbekannt ermittelt. Henri Lindner hat nun zwei Wochen Zeit, zu der Anschuldigung Stellung zu nehmen.
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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Schloß Holte-Stukenbrock: Jupa-Vorsitzender angezeigt
Strafanzeige gegen den Vorsitzenden des Jugendparlamentes: Die Jugendlichen hätten Ende Januar ihre Solidaritätsaktion am Rathaus anmelden müssen, sagt die Polizei. Ein Bericht mit Kommentar.
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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Henri Lindner wird Straftat vorgeworfen
Vorsitzender des Jugendparlaments soll am 23. Januar gegen das Versammlungsgesetz NRW verstoßen haben
Von Dirk Heidemann
Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Auf diese Post aus dem Polizeipräsidium Bielefeld hätte Henri Lindner gut verzichten können. Dem Vorsitzenden des Jugendparlaments wird vorgeworfen, am 23. Januar eine Straftat begangen zu haben, da er die Versammlung zur Solidarität in der Gesellschaft im Bürgerpark ("Nicht quer-, sondern zusammen denken - gemeinsam in SHS") nicht angemeldet hatte. Dabei sei die Zusammenkunft bereits am 19. Januar auf Facebook beworben worden. Der 21-Jährige soll damit nach Paragraf 27, Absatz 1, gegen das Versammlungsgesetz NRW verstoßen haben. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.
Henri Lindner muss sich als Versammlungsleiter nun innerhalb von zwei Wochen zum Sachverhalt äußern - und wird das natürlich auch tun. "Ich werde einfach darlegen, wie es war", sagt der Jupa-Vorsitzende, der im Vorfeld der Veranstaltung Kontakt zum Ordnungsamt aufgenommen und mit Emine Bikliq sowie Egon Henkenjohann gesprochen hatte. "Mir wurde damals gesagt, dass die Aktion, so wie wir sie durchführen wollen, keine Versammlung sei", so Henri Lindner. Nach Rücksprache mit Egon Henkenjohann am Freitag bekam Henri Lindner vom Chef des Amtes für Bürgerservice und Ordnung die Zusage, dass er sich in seiner Stellungnahme auf diese Aussagen auch berufen kann.
Als Versammlung im Sinne des Gesetzes wird in Nordrhein-Westfalen eine örtliche Zusammenkunft von mindestens drei Personen zur gemeinschaftlichen, überwiegend auf die Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung gerichteten Erörterung oder Kundgebung definiert. "Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt wurden allerdings dazu aufgerufen, entweder alleine oder als Familie im Bürgerpark ein Zeichen der Solidarität abzulegen", argumentiert Henri Lindner. Daher könne von einer Versammlung keine Rede sein.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung am Sonntagvormittag hatten Polizeibeamte Henri Lindner darauf hingewiesen, dass diese nicht angemeldet sei und es im Nachgang Probleme geben könnte. Gleiches wiederholte sich am Nachmittag, als Polizisten aus Rheda-Wiedenbrück vor Ort waren, die eigentlich einen "Spaziergang" der Kritiker der Corona-Maßnahmen (fand dann doch nicht statt) begleiten wollten. Diese hätten auch die Personalien von Henri Lindner aufgenommen.
Bildunterschrift: Das Jugendparlament mit (von links) Johanna Dyk, Fabian Mrugala, Henri Lindner, Havin Altun und Alisa Caliskan hatte am 23. Januar zu einer Aktion im Bürgerpark aufgerufen.
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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock, 05./06.02.2022:
Heute im Lokalteil / Ermittlungen gegen Henri Lindner
Schloß Holte-Stukenbrock. Henri Lindner wird eine Straftat vorgeworfen, der Staatsschutz ermittelt. Der Vorsitzende des Jugendparlaments hatte die Versammlung im Bürgerpark am 23. Januar nicht angemeldet. Musste er auch nicht, meint nicht nur der 21-Jährige, sondern auch Ordnungsamts-Chef Egon Henkenjohann.
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