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3 Veranstaltungen - Nachrichten , 31.01.2022 :

Tages-Chronologie von Montag, 31. Januar 2022

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Veranstaltungskalender:



- Montag, 31. Januar 2022 um 17.30 Uhr -


Mahnwache: Solidarisch durch die Pandemie!


www.facebook.com/hashtag/lemgoh%C3%A4ltzusammen


Veranstaltungsort:

Marktplatz
Mittelstraße
32657 Lemgo


Wir sind solidarisch in der Pandemie. Für ein respektvolles Miteinander.

Lemgo hält zusammen!

Solidarisch in Gedenken an über 100.000 Opfer der Covid-Pandemie. Solidarisch mit den Beschäftigten im Gesundheitswesen. Mit Kindern und Jugendlichen, die unter der Pandemie besonders verzichten mussten. Mit den Menschen, die unter den Einschränkungen beruflich und privat zu leiden haben. Mit den Menschen in den Ländern des Südens, die bisher kaum Impfstoff erhalten konnten.

Wir werben für ein solidarisches Verhalten. Wir wissen, dass es das Virus gibt und wir halten schützende Corona-Maßnahmen für notwendig, um
als Gesellschaft die Pandemie gemeinsam zu überstehen. Jede und jeder muss sich einschränken, damit wir diese Krise durchstehen, daran gibt es für uns keinen Zweifel. Meine persönliche Freiheit ist immer an die Gemeinschaft gebunden, in der ich lebe - im Großen wie im Kleinen.

Wir stehen zum Dialog mit denen, die Corona-Maßnahmen ablehnen und darüber diskutieren wollen. Jede und jeder hat das Recht, mit Entscheidungen der Regierung nicht einverstanden zu sein und auch gegen sie zu demonstrieren. Wir wenden uns aber gegen diejenigen, die unser Land in einer "Diktatur" wähnen, die wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, die mit absurden Vergleichen den Holocaust verharmlosen. Auf vielen Kundgebungen gegen die Corona-Politik marschieren Neonazis mit und Menschen, die gegen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind. Hier sagen wir klar: Neonazismus und Verschwörungstheorien haben in Lemgo keinen Platz!

Zeigen wir uns solidarisch in der Pandemie. Treten wir denen entgegen, die die Pandemie und das Virus leugnen und unsere Demokratie angreifen; zeigen wir ihnen, dass sie nicht die Meinung der Lemgoer Mehrheit widerspiegeln!


Anlass der Mahnwache:

Am 31. Januar 2022 um 18.00 Uhr, kündigt die extrem rechte "Telegram"-Gruppe "Lippe OWL Protest und Widerstand jetzt" eine angemeldete Demonstration, "Lemgo geht spazieren", Treffpunkt am Rathaus, an.


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- Montag, 31. Januar 2022 um 17.45 Uhr -


Kundgebung: Gemeinsam und solidarisch durch die Pandemie


Veranstaltungsort:

Marktplatz
32756 Detmold


Aufruf zu solidarischen Handeln in der Pandemie!

Die Pandemie fordert uns alle; unter anderem fordert sie auch Haltung. Am 20. Januar 2022 folgten 600 Detmolderinnen und Detmolder dem Protest-Aufruf eines breiten Bündnisses aus Gewerkschaften, demokratischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Sie stellten mit einer Manifestation in der Innenstadt klar, was sie von der AfD und ihrem Versuch halten, Corona-Proteste für sich zu instrumentalisieren, nämlich nichts. Das "Forum offenes Detmold" gehörte zu den Organisatoren dieser Aktion.

Angesichts der derzeitigen montäglichen "Spaziergänge" von Corona-Protestlern auch in der Detmolder Innenstadt, bei denen sich neben Covid-Frustrierten und besorgten Impf-Gegnern auch Corona-Leugnerinnen, -Leugnern, Rechte und Nazis verschiedener Schattierungen tummeln und offenbar willkommen sind, hält es das Forum für wichtig, Widerspruch dazu sichtbar zu machen und zu organisieren.

Wir laden ein zur Teilnahme an Kundgebungen für einen solidarischen Weg durch die Pandemie gegen Hetze und Fake-News von Verschwörungs-Ideologen und rechten Hass-Predigern! Wir fordern auf zu solidarischer Vorsicht und Sicherheitsabstand zu rechten Demagogen und Verschwörungsirrsinn!

Unsere Protestveranstaltungen sind - im Unterschied zu den "Spaziergängern" - jeweils angemeldet und mit den Ordnungsbehörden abgestimmt. Wir treffen uns an den folgenden Montagen:

31. Januar, 7. und 14. Februar 2022 jeweils um 17.45 auf dem Marktplatz.

Wir rufen auf zur Teilnahme und Weitergabe dieser Einladung. Bringen Sie bitte Ihre Maske und gern eigene Plakate und Ihre Freundinnen, Freunde und Nachbarinnen, Nachbarn mit.


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- Montag, 31. Januar 2022 um 18.00 Uhr -


Kultur gegen Rechts - Wir halten zusammen gegen Corona


Veranstaltungsort:

Marktplatz
33098 Paderborn


Hinweis: Es gilt die 3G-Regelung und Masken-Pflicht.


Mit der Veranstaltung unter dem pointierten Titel "Kultur gegen Rechts" setzen die Parents for Future Paderborn gemeinsam mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz einen kulturellen Kontrapunkt gegen die stumpfen Parolen aus dem rechten Milieu.

Als Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten setzen wir uns gegen Populismus aus dem rechten Umfeld ein, da die Mechanismen der Corona-Leugnenden und die Leugnung des Klimawandels fast deckungsgleich sind. In vielen Fällen sind es sogar die gleichen Personen, die krude Thesen zu beiden Themen verbreiten. Insbesondere die so genannten "Spaziergänge" werden derzeit aus dem rechten Umfeld als Basis genutzt.

Kultur hat die besondere Kraft, Akzente zu setzen, Perspektiven neu zu eröffnen und Brücken zu schlagen. So wollen wir in Dialog kommen mit denen, die die Ängste und Sorgen um sich selbst oder ihre Angehörigen haben. Wir kritisieren weiterhin diejenigen, die jenseits fundierte Diskussionen Zweifel säen und die Demokratie zu unterminieren versuchen.

Flagge zeigen

Bekannte Künstlerinnen und Künstler werden mit einem Programm aus Musik, Gesang, Poesie und Schauspiel unterhalten.


Veranstalterinnen: Paderborner Bündnis für Demokratie und Toleranz und Parents for Future Paderborn.


www.facebook.com/ParentsforFuturePaderborn

www.buendnisdemokratietoleranz.wordpress.com

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Pressespiegel überregional


MiGAZIN, 31.01.2022:
Sachsenhausen-Prozess / Sinti und Roma hoffen auf Schuldfeststellung

Neue Westfälische, 31.01.2022:
Feindbild Presse

Blick nach Rechts, 31.01.2022:
Lucke, Petry, Meuthen - die erwartbare Fortsetzung eines Trends

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Montag, 31. Januar 2022


Am 27. Januar 2022 vertagte der Rat der Stadt Oerlinghausen Anträge zum, nach der NS-Dichterin, Hitler-Verehrerin benannten "Agnes-Miegel-Weg", auf (Nicht-)Umbenennung zur Abstimmung am 3. März 2022.

Am 29. Januar 2022 wurden in Detmold gesamt sieben Stolpersteine für: Samuel, Hedwig, Hilde und Edith Valk; Hildegard Kleesiek; Anneliese und Margarete Lükermann durch den Künstler Gunter Demnig verlegt.

Am 4. Dezember 2017 wurde das - "Gedenkbuch für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Detmold" - der Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz aus Detmold, als digitale Fassung freigeschaltet.

Am 6. Oktober 2020 publizierte das "Recherche Kollektiv Ostwestfalen", dass im Januar 2020 der Sitz der "Identitären Bewegung Deutschland e.V.", von Rostock nach 33154 Salzkotten-Oberntudorf verlegt wurde.

Am 6. September 2020 führte die rassistische "Identitäre Bewegung Deutschland e.V." - im Rahmen einer "Sommertour" - im Regierungsbezirk Detmold Werbestände in Herford, Lage, Gütersloh, Paderborn durch.

Am 25. Mai 2014 wurde die neurechte und rassistische "Identitäre Bewegung Deutschland e.V." mit Sitz in Paderborn gegründet - und (mit dem Gründungsmitglied Davy Mühlenbein) - beim Amtsgericht registriert.

Am 31. Januar 2022 nahmen circa 290 Corona-Leugnende an dem, vom extrem rechten "Telegram"-Chat "Lippe OWL Protest und Widerstand jetzt", als "Bad Salzuflen geht spazieren" deklarierten Aufmarsch teil.

Am 31. Januar 2022 nahmen beinahe 300 Pandemie-Leugnende an der vom extrem rechten "Telegram"-Chat "Lippe OWL Protest und Widerstand jetzt", als "Lemgo geht spazieren" titulierten Demonstration teil.

Am 29. Januar 2022 beteiligten sich in Lemgo - laut Polizei: "ca. 580" Pandemie-Leugnende, darunter die Neonazis Burkhart Weecke, Gerd sowie Anna-Maria Ulrich, an einem Aufmarsch ("Spaziergang") in Lemgo.

Am 29. Januar 2022, 16.00 Uhr, rief das "Bündnis für Freiheit und Gerechtigkeit", zu einer "Demonstration inklusive Spaziergang in Lemgo", ab dem Regenstorplatz als - "Pflichtveranstaltung für alle Lipper!" - auf.

Am 31. Januar 2022 nahmen in Detmold 253 erwachsene Corona-Leugnende, darunter auch der völkische Neonazi Burkhart Weecke ("Thule-Seminar") aus Horn-Bad Meinberg, am achten "Lichterspaziergang" teil.

Für den 31. Januar 2022, 18.00 Uhr, kündigte "Lippe OWL und Umgebung Widerstand jetzt" - "Telegram", eine unangemeldete Demonstration unter dem Motto "Detmold geht spazieren", Treffpunkt: Rathaus, an.

Am 28. Januar 2022 führten 15 Pandemie-Leugnende in Detmold, an der "Hornsche Straße", darunter der völkische Neonazi Gerd Ulrich aus Berlebeck, eine "Schilder-Aktion" gegen die Corona-Eindämmung durch.

Am 24. Januar 2022 nahmen in Detmold 287 erwachsene Corona-Leugnende im Schulterschluss, mit etwa Neonazi Burkhart Weecke, Rolf-Arno Maertzke, "AfD" - gegen Ende - am siebten "Lichterspaziergang" teil.

Für den 24. Januar 2022 (18.00 Uhr) kündigte der "Telegram"-Chat "Lippe OWL Protest und Widerstand", eine unangemeldete Demonstration unter dem Motto "Detmold geht spazieren", Treffpunkt: Rathaus, an.

Am 21. Januar 2022 führten 18 Pandemie-Leugnende im Detmolder Ortsteil Heiligenkirchen, darunter die Neonazis Gerd Ulrich sowie Burkhart Weecke eine "Schilder-Aktion" gegen die Corona-Eindämmung durch.

Am 21. Januar 2022 bezeichnete die extrem rechte Gruppe "Grundrechte Paderborn" die "Schilder-Aktion" in Heiligenkirchen auf "Telegram" als - so wortwörtlich - "friedlicher Protest aus der Mitte der Gesellschaft".

Am 31. Januar 2022 nahmen in Schieder-Schwalenberg 44 erwachsene Pandemie-Leugnende an einer auf "Telegram" als "Schieder geht spazieren" beworbenen Demonstration gegen die Corona-Eindämmung teil.

Am 31. Januar 2022 führten 25 erwachsene Pandemie-Leugnende, Auftakt am "Brunnentempel", Kurpark um 17.00 Uhr, einen Pandemie-"Spaziergang - "Wir gehen spazieren (mit Kerze) in Bad Meinberg" durch.

Am 31. Januar 2022 beteiligten sich im Kreis Höxter - in den Städten Höxter, Bad Driburg sowie Warburg - schätzungsweise ungefähr 600 Corona-Leugnende an Anti-Pandemie-Versammlungen ("Spaziergängen").

Am 31. Januar 2022 beteiligten sich in Paderborn - "nach Schätzung der Polizei" - rund "2.000" Personen, am unangemeldeten Aufmarsch - "Lichterumzug" -, der extrem rechten Gruppe "Grundrechte Paderborn".

Für den 31. Januar 2022 um 18.30 Uhr kündigt die extrem rechte Gruppe "Grundrechte Paderborn" - ohne Anmeldung - einen weiteren Aufmarsch ("Lichterumzug") "Für Einigkeit" in der Paderborner Innenstadt an.

Am 24. Januar 2022 nahm der völkische Neonazi Gerd Ulrich aus Detmold - Ortsteil Berlebeck - mit einem Plakatträger an dem "Spaziergang" von 2.000 Corona-Leugnenden, in der Innenstadt von Paderborn teil.

Am 24. Januar 2022 fand in der Innenstadt von Paderborn ein angemeldeter Aufmarsch ("Spaziergang"), der extrem rechten Gruppe "Grundrechte Paderborn" mit 2.000 teilnehmenden Corona-Leugnenden statt.

Am 21. Januar 2022 bezeichnete die extrem rechte Gruppe "Grundrechte Paderborn" die "Schilder-Aktion" in Heiligenkirchen auf "Telegram" als - so wortwörtlich - "friedlicher Protest aus der Mitte der Gesellschaft".

Am 21. Januar 2022 führten 18 Pandemie-Leugnende im Detmolder Ortsteil Heiligenkirchen, darunter die Neonazis Gerd Ulrich sowie Burkhart Weecke eine "Schilder-Aktion" gegen die Corona-Eindämmung durch.

Am 17. Januar 2022 nahmen in Paderborn nach Polizei-Angaben "1.500" Corona-Leugnende an einer von der (extrem rechten) Gruppe "Grundrechte Paderborn" angemeldeten Demonstration, "Lichterumzug" teil.

Für den 17. Januar 2022, 18.30 bis 20.30 Uhr, bewarb die extrem rechte Gruppe "Grundrechte Paderborn" eine (angemeldete) Demonstration gegen die Eindämmung der Pandemie, mit Auftakt am Maspernplatz.

Am 10. Januar 2022 nahmen in Paderborn "in der Spitze 2.500" (Polizei) Corona-Leugnende an einer von der (extrem rechten) Gruppe "Grundrechte Paderborn" angemeldeten Demonstration, "Lichterumzug" teil.

Am 3. Januar 2022 sagte der (extrem rechte) Influencer Tim Kellner (Horn-Bad Meinberg), als Redner bei dem Paderborner "Spaziergang": "Der Faschismus ist wieder da in Deutschland, zeigt seine wahre Fratze."

Am 3. Januar 2022 nahmen in Paderborn am "Spaziergang", der extrem rechten Corona-Leugnenden von "Grundrechte Paderborn", mit 600 Mitwirkenden, auch "Personen aus dem rechtsextremen Spektrum" teil.

Am 27. Dezember 2021 löste die Polizei eine unangemeldete Versammlung, von etwa 300 Menschen mit Lichtern und Kerzen vor der Herz-Jesu-Kirche in Paderborn auf, es wurden mehrere Strafanzeigen gestellt.

Am 31. Januar 2022 fand in der Innenstadt von Salzkotten ein als "Spaziergang" angemeldeter - und von der Kreispolizeibehörde genehmigter - Aufmarsch von Corona-Leugnenden mit "etwa 100 Personen" statt.


https://ratsinfo.oerlinghausen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZZFXH_bbaJ8SmP7ZIfWUtZmHrznTVBG943013pNf8MCv/Anregung_--_24_GO_Umbenennung_Agnes-Miegel-Weg.pdf

www.oerlinghausen.de/de-wAssets/docs/Erinnerungsbuch_NS-Opfer_Oerlinghausen_dritte_Ausgabe_2019.pdf

www.gedenkbuch-detmold.de

www.stadtarchiv.detmold.de

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Lippische Landes-Zeitung, 31.01.2022:
Grüne enttäuscht über die Unentschlossenheit

Lippische Landes-Zeitung, 31.01.2022:
Menschen bleiben unvergessen

Neue Westfälische Online, 31.01.2022:
Rechtsextreme Identitäre Bewegung kapert Corona-Proteste

Neue Westfälische, 31.01.2022:
Rechtsextreme kapern Corona-Proteste

Radio Lippe, 31.01.2022:
Lemgo: Demo gegen Corona-Politik ohne größere Zwischenfälle

Lippische Landes-Zeitung, 31.01.2022:
Hunderte protestieren

Neue Westfälische Online, 31.01.2022:
Viele Teilnehmer bei Protest-Montag in der Paderborner Innenstadt

Radio Hochstift, 31.01.2022:
Parents for Future organisieren "Kultur gegen Rechts" in Paderborn

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Lippische Landes-Zeitung, 31.01.2022:

Grüne enttäuscht über die Unentschlossenheit

Der Stadtrat vertagt die Entscheidung über eine mögliche Umbenennung des Agnes-Miegel-Wegs / Zusatzschilder sind für SPD, CDU und FDP eine Option

Gunter Held

Oerlinghausen. Der einzige Punkt über den in der Ratssitzung am Donnerstag in der Mensa der Heinz-Sielmann-Schule diskutiert wurde, waren Bürgeranträge, die sich mit der Umbenennung und Nicht-Umbenennung des Agnes-Miegel-Weges in der Südstadt beschäftigten. Drei Antragsteller, davon einer, der am Agnes-Miegel-Weg wohnt, hatten die Umbenennung des Weges zum Ziel. Zwei Anträge gab es, den Namen beizubehalten. Einer davon war in Form einer Unterschriftenaktion von 41 Anwohnern eingereicht worden. Entschieden wurde am Ende nichts. Das soll in der nächsten Ratssitzung am 3. März passieren.

Auf Vorschlag von Bürgermeister Dirk Becker erhielt jede Fraktion die Gelegenheit, eine Stellungnahme zu der Thematik vorzustellen. Der Reihenfolge wurde bestimmt von der Größe der Fraktion. Für die SPD machte Volker Neuhöfer deutlich, dass die Frage einer Umbenennung schwierig zu beantworten sei. Man habe in der Fraktion intensiv und kontrovers diskutiert. Dahinter stand auch das Bewusstsein, dass "der Name unserer Nation auf ewig mit dem Mord des NS-Regimes an sechs Millionen Juden in Verbindung stehen wird". Agnes Miegel habe eine starke Nähe zum NS-Regime gehabt und sich auch nach dem Krieg nicht distanziert.

Aber sie sei auch eine bedeutende Dichterin gewesen, die vom deutschen Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki gewürdigt wurde. Eine Beibehaltung des jetzigen Status könne es für die SPD nicht geben. Die SPD schlage vor, den Straßennamen mit einem informativen Zusatzschild zu versehen.

Auch Angelika Lindner, Fraktionschefin der CDU, sprach von intensiven Diskussionen in der Fraktion. Sie sagte: "In der Nachkriegszeit verloren Millionen Deutsche ihre Heimat." Um die Eingliederung zu erleichtern, seien Straßennamen nach den "verlorenen Ostgebieten, nach Dichtern und Prominenten benannt". Es gebe gute Gründe, Agnes Miegel nicht mit einem Straßennamen zu ehren. Doch die CDU plädiere für die Beibehaltung des Namens verbunden mit einem Zusatzschild, ähnlich, wie es die SPD vorgeschlagen habe, jedoch erweitert um einen QR-Code hinter dem sich weitere Informationen zu Agnes Miegel nachlesen lassen.

Keine Distanzierung von NS-Diktatur

Die Grünen bekannten sich als einzige Fraktion konsequent zu einer Umbenennung. Fraktionsvorsitzende Ute Hansing begann ihren Beitrag mit dem Hinweis, dass der Tag der Ratssitzung, der 27. Januar, der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sei. "Heute soll der Tag sein, an dem der Rat der Stadt Oerlinghausen Abstand davon nimmt, eine bekennende Nationalsozialistin in Form einer Straßenbenennung weiter zu ehren", sagte sie. Die Antragsteller für eine Umbenennung hätten den Fokus auf einen Tatbestand gerichtet, der aus Bequemlichkeit zu lange geruht habe.

Diesen Worten wohnte Selbstkritik inne, denn vor zehn Jahren, bei der ersten Diskussion um eine Umbenennung, war einstimmig entschieden worden, dass die Grünen ein Zusatzschild konzipieren. Das ist jedoch nicht geschehen. Wichtig für die Grünen war, dass sich Miegel nie von ihrem Wirken während der NS-Diktatur distanziert habe. "Es ist eine Frage der demokratischen Kultur, wem wir erinnernd gedenken wollen und wem lieber nicht", sagte Hansing.

Tobias Jaehn (FDP) stimmte im Grundsatz der SPD und der CDU zu, schlug aber vor, dass das Zusatzschild dem Rat präsentiert werde, bevor es montiert werde.

Dennis Thon, Fraktionsvorsitzender der Initiative Oerlinghausen (IO), sagte, dass es am Agnes-Miegel-Weg 125 Anwohner gebe. Die Initiative spreche sich dafür aus, dass die Verwaltung eine Abfrage mit Erläuterungen des Themas an die Haushalte versendet. So würden die Anwohner mit ins Boot geholt.

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Lippische Landes-Zeitung, 31.01.2022:

Menschen bleiben unvergessen

Sieben neue Stolpersteine werden im Beisein des Künstlers Gunter Demnig verlegt / Sie erinnern an jüdische Mitbürger, die während des Holocaust ermordet wurden

Thomas Krügler

Detmold. Der Künstler Gunter Demnig hat auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GfCJZ) im Haus Münsterberg einen Vortrag über seinen künstlerischen Werdegang und das Projekt "Stolpersteine" gehalten. Einen Tag später verlegte er sieben neue Stolpersteine.

Demnig bezeichnet sich selbst als "Spurenleger". Die ersten Stolpersteine verlegte er Anfang der 90er Jahre inoffiziell und ohne Genehmigung vor dem Kölner Rathaus. Seitdem hat sich sein Projekt mit 90.000 Stolpersteinen in 26 europäischen Ländern zur weltweit größten dezentralen Gedenkstätte entwickelt. Die Idee dazu kam ihm, als er 1990 die "Spur der Erinnerungen" legte, die den Weg markierte, auf dem Nazis in Köln einst 1.000 Roma und Sinti zum Abtransport in die Vernichtungslager getrieben hatten.

Die Steine erinnern vor allem an jüdische Opfer, aber auch an Sinti und Roma, Homosexuelle und politisch Verfolgte. Die Menschen sollen über die Verbrechen der Nazis im Alltag stolpern. Sie erinnern an Einzelschicksale und geben den Opfern des Holocaust ihre Würde zurück. Im jüdischen Talmud heißt es: "Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Für sein Engagement wurde Demnig inzwischen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er erhielt aber auch drei Morddrohungen.

Kritiker bemängeln, dass auf den Namen ermordeter Juden mit Füßen herumgetrampelt werde und sie für Verschmutzungen und Vandalismus anfällig seien. In München dürfen daher keine Stolpersteine verlegt werden. In Greifswald wurden zum Jahrestag der Novemberpogrome 2012 Steine aus dem Pflaster gerissen, worauf sich das Spendenaufkommen der Stiftung Stolpersteine verdoppelte. Der Sorge, Neonazis könnten mit Springerstiefeln auf dem Andenken der Opfer herumtrampeln, hält Demnig entgegen, dass die Steine so umso blanker strahlen. "Wer eine Inschrift auf einem Stolperstein lesen will, muss sich vor den Opfern verbeugen und erweist ihnen so die Ehre."

Joanne Herzberg, die vor fünf Jahren aus St. Louis in Missouri nach Detmold kam, hat vor zwei Jahren das Projekt Stolpersteine in Detmold vorangetrieben. Fünf Steine erinnern seitdem in der Karlstraße an das Schicksal ihrer Vorfahren. Auch wenn sie gleich einen Tag später mit roter Farbe beschmiert wurden, lässt sie sich nicht entmutigen. Auf Initiative der GfCJZ ist die Anzahl nun auf 13 Steine angewachsen und weitere sollen folgen.

Bürgermeister Frank Hilker freute sich, dass der Weg für die neuen Stolpersteine durch eine Satzungsänderung seit Oktober geebnet wurde, da nun das Einverständnis der Eigentümer eines Hauses, vor dem Steine verlegt werden, nicht mehr zwingend erforderlich ist. Barbara Klaus, katholische Vorsitzende der GfCJZ, lobte die kurze Zeit vom Antrag bis zur Realisierung.

Am Samstag wurden sieben neue Steine an drei Standorten in Detmold eingeweiht. Eigentlich sollten es neun Steine sein. Wegen einer Baumaßnahme kommen zwei Steine später hinzu. Musikstudentin Jessika Zehnpfenning umrahmte die Verlegung mit Klageliedern auf der Klarinette. Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und des Grabbe-Gymnasiums, die die Pflege-Patenschaft der Steine übernehmen, legten weiße Rosen nieder. Kirchliche Vertreter sprachen Gebete.

An der Hermannstraße 29 gedenken nun vier Steine der jüdischen Familie Valk. Samuel Valk, Ehefrau Hedwig und die beiden Töchter Hilde und Edith wurden am 10. Dezember 1941 nach Riga deportiert und 1944 im Konzentrationslager Stutthof ermordet. Vor dem Haus Hornsche Straße 23 ist ein Stolperstein hinzugekommen, der Hildegard Kleesiek gewidmet ist. Die Katholikin kam 1943 im Alter von 20 Jahren als asozial Stigmatisierte ins Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie am 7. Dezember 1944 ermordet wurde.

Auf dem Schulhof des Grabbe-Gymnasiums erinnern zwei Steine an die christlich konfirmierten Schwestern Anneliese und Margarete Lükermann. Sie wohnten in der Werrestraße 12 (heute Georg-Weerth-Straße) und wurden nacheinander in die Heilanstalt Eben-Ezer Lemgo eingewiesen. 1945 starben sie im Lindenhaus Brake. Ihr Tod wurde durch rasseideologisch motivierte Unterversorgung psychisch Kranker und Behinderter verursacht. Für das jüdische Ehepaar Kauders werden nach Umbauten noch zwei Steine in der Langen Straße verlegt. Sie wurden am 8. Mai 1945 in Auschwitz ermordet.

Erinnerungen

Stolpersteine sind quadratisch, aus Beton und mit einer von Hand beschrifteten glänzenden Messingplatte versehen, auf denen die Lebensdaten der jüdischen Opfer stehen. Insgesamt 124 Stolpersteine finden sich in Lippe. Jeder Stein kostet 120 Euro.

Bildunterschrift: Christine Tellbüscher-Beckfeld mit einem Foto von Edith Falk, Gunter Demnig, Barbara Klaus und Bürgermeister Frank Hilker (von links) weihen neue Stolpersteine ein.

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Neue Westfälische Online, 31.01.2022:

Rechtsextreme Identitäre Bewegung kapert Corona-Proteste

31.01.2022 - 05.03 Uhr

Sitz im Kreis Paderborn

Lange Zeit war es ruhig um die Rechtsextremen. Doch mittlerweile tauchen Aktivisten der Gruppe auf Corona-Demos auf. Seite an Seite mit anderen Rechtsextremen.

Lukas Brekenkamp

Bielefeld. "Hitlerjugend in Hipster-Klamotten" wurde die Identitäre Bewegung (IB) in der Vergangenheit bereits genannt. Um den rechtsextremen Verein, der seinen offiziellen Sitz im Raum Paderborn hat, ist es ruhiger geworden. Scheinbar. Denn es findet eine Umstrukturierung statt. Dabei nutzen die Rechtsextremen auch die Corona-Proteste.

"Sichere Grenzen statt Corona-Tyrannei", steht in weißen Lettern auf dem roten Transparent, entstanden in München und verbreitet auf einem Foto im Internet. Auf einem anderen steht auf einem Transparent "Jugend gegen Impf-Zwang", gehisst vom Dach eines historischen Gebäudes in Ostdeutschland. Auf den ersten Blick lassen sich keine Verbindungen zur Identitären Bewegung feststellen. Das gelbe Lambda-Zeichen, das Logo der Rechtsextremen? Fehlanzeige. Doch Recherchen zeigen, dass hinter Aktionen wie diesen Rechtsextreme aus dem Umfeld der IB stecken dürften.

Seit Jahren geht es bergab

Entstanden ist die Identitäre Bewegung in Frankreich, später schwappte sie nach Deutschland über. Zunächst war die Gruppe vor allem ein Internet-Phänomen, später machte der Verein, der zur Neuen Rechten zählt, durch medienwirksame Aktionen auf sich aufmerksam. Zum Beispiel, als man das Brandenburger Tor oder das WDR-Gebäude in Köln besetzte.

Seit einigen Jahren geht es mit der Identitären Bewegung offenbar bergab. Die Fahnen wehen schon lange nicht mehr im Wind rechtsextremer Demos oder Aktionen, in Sozialen Medien ist die IB (fast) verschwunden. Verfassungsschützer führen den Niedergang auf den öffentlichen Druck und die Berichterstattung zurück. Auch linke Aktivisten machen immer wieder Verstrickungen öffentlich. Die Taktik der Verharmlosung des Rechtsextremismus - gescheitert. Laut Verfassungsschutz suchen die Aktivisten neue Organisationsformen, "die noch nicht gebrandmarkt sind".

Aktionen gegen Corona-Maßnahmen

Bereits vor einem Jahr startete die IB mit einem Internetauftritt, um gegen "Corona-Zwangsmaßnahmen" aufzurufen. Ebenfalls seit gut einem Jahr sprießen Kanäle in Sozialen Medien aus dem Boden, die auf den ersten Blick nicht auf die IB schließen lassen, jedoch alle dasselbe Muster haben. Man kann fast von regionalen Zellen sprechen, die da entstehen.

Auf den Kanälen werden Fotos und Videos von Aktionen präsentiert. Mal wird ein Banner mit rechter Aufschrift durch Pyrotechnik in Szene gesetzt. Mal ist das Ergebnis einer nächtlichen Plakat-Aktion in einer deutschen Stadt zu sehen. Die Personen auf de Bildern sind kaum zu erkennen, sind maskiert und anonym - anders als es früher bei großen Aktionen der IB war. Damals landeten Fotos und Videos auf den Kanälen des Vereins im Netz. Die Teilnehmer der Aktion waren fast alle klar erkennbar.

Verstrickungen zur "alten IB"

Beworben werden die neuen Kanäle von führenden Köpfen des Vereins wie etwa Philip T., Vorstandsmitglied der IB aus Ostdeutschland. Aktionen der neuen Gruppierungen werden fleißig über den Telegram-Account der IB sowie IB-nahe Internetseiten verbreitet.

Die Aktionen haben stets den selben Tenor. Vor allem geht es darum, die "Heimat zu verteidigen", ein typischer Slogan der IB. Zum anderen richten sich die Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen. Hier zeigen Recherchen, dass bundesweit Aktivisten aus dem Umfeld der IB an Demos teilnehmen - zum Teil sogar eine größere Rolle spielen. Dieser Redaktion sind rechte Personen aus dem Umfeld der IB bekannt, die bei den Corona-Protesten mitmischen. Dem NRW-Verfassungsschutz liegen ähnliche Erkenntnisse vor. So schreibt er: "Aktuell werden etwa bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen Transparente gezeigt, die der IBD zuzuordnen sind."

Neue Gruppen in ganz Deutschland

Anfang 2022 marschierte in Düsseldorf ein Block mit Transparenten bei einer Demo vorweg. Auf einem Banner stand "Gegen Impf-Zwang und Maßnahmen-Terror". Eine Gruppe namens "Revolte Rheinland" bekennt sich zu diesem Protest in Sozialen Medien. Eine Gruppe, die von der IB beworben wurde. Szene-Beobachter von der "Recherche-Plattform zur Identitären Bewegung" rechnen "Revolte Rheinland" dem Dunstkreis der IB zu, in der sich Personen der rechtsextremen Szene aus NRW und Rheinland-Pfalz sammeln.

Ein Sprecher des Recherche-Kollektiv berichtet: "Die IB hat eine Transformation hinter sich, ganz nach dem Vorbild der Identitären in Österreich um den rechtsextremen Martin Sellner." Früher habe sich die IB von anderen Rechtsextremen wie der NPD und der Jugendorganisation Junge Nationalisten klar distanziert. "Mittlerweile verschwinden die ehemaligen IBler in die Anonymität, hier ist eine Abgrenzung von anderen Parteien oder Gruppen nicht nötig", so der Sprecher weiter. "Zu Beginn haben sich in diesen neuen Gruppen vor allem frühere IBler gesammelt, mittlerweile sind auch andere Personen aus dem rechtsextremen Spektrum dabei. Diese Schnittstellen sind gerade in Sozialen Medien sichtbar."

Mittlerweile existieren in ganz Deutschland ähnliche Kanäle wie "Revolte Rheinland". Aktivisten rufen dazu auf, sich darin zu vernetzen. Selbst im Raum OWL wurde vor wenigen Wochen ein entsprechender Account angelegt, deren Mitglieder sich als "patriotische Jugend" beschreiben. Im Raum OWL zeigen Recherchen und auch Erkenntnisse linker Aktivisten ebenfalls die Teilnahme von einzelnen Personen, die bereits an Demonstrationen oder Aktionen der IB beteiligt waren. Zuletzt tauchten verschiedene Aufkleber der Identitären Bewegung im Rahmen einer Demonstration in Bielefeld auf.

Information / Wieso hat die Identitäre Bewegung seinen Sitz in OWL?

2014 wurde die Identitäre Bewegung (IB) in Paderborn offiziell als Verein gegründet - von einem Rechtsextremen, der lange offiziell als Vorstandsmitglied der IB geführt wurde. Fotos, die im Netz kursieren, zeigen den Mann in jungem Alter in einer Uniform der "Heimattreuen Deutschen Jugend", die mittlerweile verboten ist. Den Gründer der IB hat es mittlerweile nach Bayern gezogen, wo er noch aktiv für die IB war. Inzwischen ist er von der Website verschwunden. Zeitweise war die offizielle Anschrift des Vereins in Ostdeutschland verortet, wurde jedoch später wieder im Raum Paderborn angegeben. Laut linken Recherchen soll hier ein Mitglied der IB leben, das bereits seit geraumer Zeit für den rechtsextremen Verein in Erscheinung getreten ist. Zum Beispiel 2018 bei einer Protestaktion vor dem Bundesjustizministerium oder 2020, als Identitäre in einigen OWL-Kreisen Flyer verteilt haben.

Bildunterschrift: Das Logo der Identitären Bewegung taucht mittlerweile kaum noch auf, doch deren Mitglieder sind weiter aktiv. Es findet eine Umstrukturierung statt.

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Neue Westfälische, 31.01.2022:

Rechtsextreme kapern Corona-Proteste

Lange Zeit war es ruhig um die Identitäre Bewegung / Doch mittlerweile tauchen Aktivisten der Gruppe immer häufiger auf Demonstrationen auf / Seite an Seite mit anderen Rechtsextremen

Lukas Brekenkamp

Paderborn. "Hitlerjugend in Hipster-Klamotten" wurde die Identitäre Bewegung (IB) in der Vergangenheit bereits genannt. Um den rechtsextremen Verein, der seinen Sitz im Raum Paderborn hat, ist es ruhiger geworden. Scheinbar. Denn es findet eine Umstrukturierung statt. Dabei nutzen die Rechtsextremen auch die Corona-Proteste.

"Sichere Grenzen statt Corona-Tyrannei", steht in weißen Lettern auf dem roten Transparent, entstanden in München und verbreitet auf einem Foto im Internet. Auf einem anderen steht auf einem Transparent "Jugend gegen Impf-Zwang", gehisst vom Dach eines historischen Gebäudes in Ostdeutschland. Auf den ersten Blick lassen sich keine Verbindungen zur Identitären Bewegung feststellen. Das gelbe Lambda-Zeichen, das Logo der Rechtsextremen? Fehlanzeige. Doch Recherchen zeigen, dass hinter Aktionen wie diesen Rechtsextreme aus dem Umfeld der IB stecken dürften.

Entstanden ist die Identitäre Bewegung in Frankreich, später schwappte sie nach Deutschland über. Zunächst war die Gruppe vor allem ein Internet-Phänomen, später machte der Verein, der zur "Neuen Rechten" zählt, durch medienwirksame Aktionen auf sich aufmerksam. Zum Beispiel, als man das Brandenburger Tor oder das WDR-Gebäude in Köln besetzte.

Seit einigen Jahren geht es mit der IB offenbar bergab. Die Fahnen wehen schon lange nicht mehr im Wind rechtsextremer Demos oder Aktionen, in Sozialen Medien ist die IB (fast) verschwunden. Verfassungsschützer führen den Niedergang auf den öffentlichen Druck und die Berichterstattung zurück. Auch linke Aktivisten machen immer wieder Verstrickungen öffentlich. Die Taktik der Verharmlosung des Rechtsextremismus - gescheitert. Laut Verfassungsschutz suchen die Aktivisten neue Organisationsformen, "die noch nicht gebrandmarkt sind".

Bereits vor einem Jahr startete die IB mit einem Internet-Auftritt, um gegen "Corona-Zwangsmaßnahmen" aufzurufen. Ebenfalls seit gut einem Jahr entstehen Kanäle in Sozialen Medien, die auf den ersten Blick nicht auf die IB schließen lassen, jedoch alle dasselbe Muster haben. Man kann von regionalen Zellen sprechen, die da entstehen.

Auf den Kanälen werden Fotos und Videos von Aktionen präsentiert. Mal wird ein Banner mit rechter Aufschrift durch Pyrotechnik in Szene gesetzt. Mal ist das Ergebnis einer nächtlichen Plakat-Aktion zu sehen. Die Personen auf den Bildern sind kaum zu erkennen, sie sind maskiert - anders als es früher bei großen Aktionen der IB war. Damals landeten Fotos und Videos auf den Kanälen des Vereins im Netz. Die Teilnehmer der Aktion waren fast alle klar erkennbar.

Beworben werden die neuen Kanäle von führenden Köpfen des Vereins wie etwa Philip T., Vorstandsmitglied der IB aus Ostdeutschland. Aktionen der neuen Gruppen werden fleißig über den Telegram-Account der IB sowie IB-nahe Internetseiten verbreitet.

Die Aktionen haben stets denselben Tenor. Vor allem geht es darum, die "Heimat zu verteidigen", ein typischer Slogan der IB. Zum anderen richten sich die Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen. Hier zeigen Recherchen, dass bundesweit Aktivisten aus dem Umfeld der IB an Demos teilnehmen - zum Teil auch eine größere Rolle spielen.

Neue Gruppen der Bewegung in ganz Deutschland

Dieser Redaktion sind Rechtsradikale aus dem Umfeld der IB bekannt, die bei den Corona-Protesten mitmischen. Dem NRW-Verfassungsschutz liegen ähnliche Erkenntnisse vor. So schreibt er: "Aktuell werden etwa bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen Transparente gezeigt, die der IB zuzuordnen sind."

Anfang 2022 marschierte in Düsseldorf ein Block mit Transparenten bei einer Demonstration vorweg. Auf einem Banner stand "Gegen Impf-Zwang und Maßnahmen-Terror". Eine Gruppe namens "Revolte Rheinland" bekennt sich zu diesem Protest. Eine Gruppe, die von der IB beworben wurde. Szene-Beobachter von der "Recherche-Plattform zur Identitären Bewegung" rechnen "Revolte Rheinland" dem Dunstkreis der IB zu, in der sich Personen der rechtsextremen Szene aus NRW und Rheinland-Pfalz sammeln.

Ein Sprecher des Recherche-Kollektivs berichtet: "Die IB hat eine Transformation hinter sich, ganz nach dem Vorbild der Identitären in Österreich um den rechtsextremen Martin Sellner." Früher habe sich die IB von anderen Rechtsextremen wie der NPD und der Jugendorganisation Junge Nationalisten klar distanziert. "Mittlerweile verschwinden die ehemaligen IBler in die Anonymität, hier ist eine Abgrenzung von anderen Parteien oder Gruppen nicht nötig", so der Sprecher. "Zu Beginn haben sich in diesen neuen Gruppen vor allem frühere IBler gesammelt, mittlerweile sind auch andere Personen aus dem rechtsextremen Spektrum dabei. Diese Schnittstellen sind gerade in Sozialen Medien sichtbar."

Mittlerweile existieren in ganz Deutschland ähnliche Kanäle wie "Revolte Rheinland". Aktivisten rufen dazu auf, sich zu vernetzen. Selbst in OWL wurde vor wenigen Wochen ein entsprechender Account angelegt, deren Mitglieder sich als "patriotische Jugend" beschreiben. In OWL zeigen Recherchen und Erkenntnisse linker Aktivisten ebenfalls die Teilnahme von einzelnen Personen, die bereits an Demonstrationen oder Aktionen der IB beteiligt waren. Zuletzt tauchten verschiedene Aufkleber der Identitären Bewegung bei einer Demonstration in Bielefeld auf.

Bildunterschrift: Das Logo der Identitären Bewegung taucht mittlerweile kaum noch auf, doch deren Mitglieder sind weiter aktiv. Es findet eine Umstrukturierung statt.

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Radio Lippe, 31.01.2022:

Lemgo: Demo gegen Corona-Politik ohne größere Zwischenfälle

Am Wochenende sind in Lippe einige Leute gegen die Corona-Politik auf die Straße gegangen. Anders als die so genannten Spaziergänge war diese Demo angemeldet. Zu der Versammlung am Samstag in Lemgo kamen nach Polizeiangaben etwa 600 Menschen. Es blieb friedlich.

Der Protest richtete sich gegen Impfzwang und 2G / 3G-Diskriminierung. Die Masken-Pflicht wurde größtenteils eingehalten, hieß es von der Polizei. Sie wertet aber noch Videos aus, weshalb möglicherweise weitere Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen hinzukommen. Auf dem Marktplatz gab es zeitgleich zwei Gegen-Veranstaltungen mit rund 110 Teilnehmern.

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Lippische Landes-Zeitung, 31.01.2022:

Hunderte protestieren

In Lemgo verläuft die erste in Lippe genehmigte Demonstration gegen Corona-Maßnahmen weitgehend friedlich / Auf dem Marktplatz zeigen die Lemgoer Flagge gegen die Aktion

Astrid Sewing

Lemgo. 150 Teilnehmer waren angemeldet, viel mehr waren gekommen. Die Polizei schreibt später, dass es 580 waren, doch es dürften mehr gewesen sein. Laut skandierend machten sie ihrem Unmut in Lemgo Luft. Die Impf-Pflicht und die Corona-Maßnahmen waren der Anlass, es vermischte sich mit grundsätzlicher Kritik an der Regierung. Auf dem Marktplatz gab es zwei Gegendemonstrationen, die Polizei sicherte mit einer Einsatzhundertschaft die Innenstadt ab. Die Stimmung war aufgeheizt, insbesondere wenn die Polizei eingriff.

Was sind das für Gruppen, die sich an der angemeldeten Demonstration beteiligen? Familien mit Kindern, junge Menschen, Ältere, ein Spektrum der Gesellschaft, bunt gemischt. Und doch unterscheiden sie sich in dem, was sie ausdrücken wollen. "Grundgesetz-Brecher", "Wir kämpfen gegen die Regierung Scholz", "Wir sind die rote Linie", es gibt ein deutliches Statement für einen radikalen Wechsel. Nicht nur in Bezug auf die Corona-Politik. Die spalte die Gesellschaft, sagt Paul Duschner vom Bündnis für Freiheit und Gerechtigkeit, das überregional aufgerufen hatte. Sieben Mitglieder gehören zur Kerngruppe. Friedlicher Protest soll es sein, ein Weg, "den Unmut, den viele spüren, öffentlich zu machen". Dass am Ende mehr kommen, als von den Organisatoren angemeldet waren, sieht er als Bestätigung.

Das Motto der Demo, "Freiheitlich-demokratische Grundordnung, gegen Impf-Zwang und 2G / 3G-Diskriminierung" war entsprechend gewählt. Der Kunsthistoriker sagt, dass viele Bürger enttäuscht sind, weil die Impfungen aus ihrer Sicht nicht halten, was versprochen wurde, dass die Corona-Regeln zu oft widersprüchlich sind. Duschner spricht von Impfschäden, die Dokumentation sei lückenhaft. Für den 35-Jährigen gehören auf Nachfrage Schwellungen an den Armen nach der Impfung ebenso dazu, wie bleibende gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Überhaupt würden gegenteilige Meinungen zum Thema von anderen, wie zum Beispiel Wolfgang Wodarg, unterdrückt. Die Impf-Pflicht lehnt das Bündnis kategorisch ab. "Ist das Corona-Virus gefährlicher als das Grippe-Virus? Wir sagen Nein. Es ist nicht gerechtfertigt, die Grundrechte derart über einen langen Zeitraum zu beschneiden. Jeder soll das selbst für sich entscheiden", sagt Duschner.

Es ist allerdings deutlich mehr, was mitmarschiert. Auf einigen Jacken sieht man Reichsadler, es geht um radikale Umbrüche des Systems, die Sandra Gabriel, ebenfalls Mitglied des Bündnis-Kernteams, in einer Rede vehement mit dem Motto der Demonstration verknüpft. Sie spricht von der Machtelite, davon, "dass Rudi Dutschke sich heute uns anschließen würde". Und von Entrechteten, die auf die Straße gehen und ihren Widerstand öffentlich machen sollen.

Als die Polizei bei der Kundgebung durch die Reihen geht und fordert, dass die Masken getragen werden müssen, kommen einige dem nicht nach. Sie werden aufgefordert, zu gehen, einige werden zur Feststellung der Personalien mitgenommen. Das löst ein Pfeifkonzert aus. In der Innenstadt rastet eine Frau aus, als die Polizei eine Seitenstraße sperrt, die nicht zur Strecke der Demonstration gehört. Sonst bleibt es friedlich. Im Nachgang kündigt die Polizei an, dass Beweis-Videos ausgewertet werden sollen, weitere Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen kämen hinzu.

Die Polizei schirmt zwei Gegendemonstrationen auf dem Marktplatz ab. Das Bündnis "Lemgo hält zusammen" aus CDU, SPD, Grünen, BfL und ESL und der Türkisch-Islamischen Gemeinde hält Transparente hoch. Es sind deutlich weniger Demonstranten, etwa 110. "Dieser Marktplatz ist das Herzstück unserer Stadt, den wollen wir nicht denen überlassen, die an der demokratischen Grundordnung sägen, um den Staat zu zerlegen. Es ist ein Platz für unsere Bürger, für den Austausch", sagt Christiane Thiel (CDU). Man sei zu Diskussionen bereit, zu einem Austausch auf Augenhöhe im Sinne der Demokratie. Neben dem Bündnis ist auch die Linksjugend Lippe auf dem Marktplatz, und da ist der Protest deutlich lauter: "Man marschiert nicht mit den Rechtsradikalen." Lemgos Bürgermeister Markus Baier: "Wir stehen für die Solidarität mit den Schwachen. Wir sind bereit zu Gesprächen mit denen, die Sorgen haben. Wer den Staat abschaffen will, dem zeigen wir aber deutlich, dass wir das nicht akzeptieren. Wir brauchen keine deutsche Tea-Party."

Sie erreichen die Autorin unter Tel. (05231) 911152.

Bildunterschrift: Mit kämpferischen Parolen drückten Hunderte am Samstag ihren Protest aus. Sie zogen vom Regenstorplatz durch die Innenstadt.

Bildunterschrift: Die beiden Gegendemonstrationen wurden auf dem Marktplatz von der Polizei abgeschirmt.

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Neue Westfälische Online, 31.01.2022:

Viele Teilnehmer bei Protest-Montag in der Paderborner Innenstadt

31.01.2022 - 21.35 Uhr

Bei der Veranstaltung "Kultur gegen Rechts" beziehen Paderborner Künstler klar Stellung. Zeitgleich ziehen Corona-Spaziergänger durch die Stadt - ohne Anmeldung.

Marc Schröder, Julia Lichtnecker

Paderborn. Während es auf dem Maspernplatz am Montagabend keine angemeldete Versammlung gab, war der Paderborner Marktplatz gut besucht - und das trotz des nasskalten Wetters. Ausgestattet mit Regenschirmen und Masken haben rund 400 Menschen an der Veranstaltung "Kultur gegen Rechts" teilgenommen, so die Zahlen des Veranstalters. Die Polizei geht von etwa 200 Teilnehmern aus.

Mit Beiträgen verschiedener Paderborner Kulturschaffender sollte ein Zeichen gegen die Corona-Proteste und für die Demokratie gesetzt werden. Die Veranstaltung war als Gegenpol zu den montags stattfindenden "Spaziergängen" gedacht. Deren Protest hatten die bisherigen Anmelder am Freitag kurzfristig abgesagt, Grund dafür sei die 3G-Regelung für Versammlungen bei über 750 Teilnehmenden.

"Wir haben nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, diese Veranstaltung abzusagen", sagt Mit-Initiator Stefan Wisbereit von Parents For Future Paderborn. "Es geht nicht um den Protest gegen einen Spaziergang an einem Tag, sondern darum Flagge zu zeigen gegen die rechten Tendenzen - und die spielen sich nicht nur an einem einzelnen Montag ab."

Kein Vergleich zu Montagsspaziergängen von 1989

Pünktlich zum Beginn um 18 Uhr ließ der Regen etwas nach, als Tanja Rohloff und Andreas Hörstmann die Veranstaltung eröffneten. Mit dem Song "Geist ist geil" performten die beiden einen Song zur aktuellen Pandemie-Situation. Längst nicht der einzige Beitrag mit Corona-Bezug: Gedichte, von Schauspieler Max Rohland vorgetragen, thematisierten unter anderem eine mögliche Impf-Pflicht. Und auch die Band Nadu um Sängerin Nadine Dubberke zeigte mit "Druck steigt" ein Stück, das während der Pandemie entstanden ist.

"Der Druck ist da, aber trotzdem haben wir uns dazu entschieden, solidarisch zu bleiben", sagte Dubberke auf der Bühne. Für gute Stimmung sorgten weiterhin Poetry Slammer August Klar und die Band Punch Drunk Poets.

Klar Stellung bezog auch der Paderborner Musiker Volker Kukulenz. Die Montags-Spaziergänge seien kein Vergleich zu 1989, wie die Spaziergänger selbst es oft behaupteten.

"Spaziergang" wächst unterwegs deutlich an

Zunächst rund 300 Gegnerinnen und Gegner der Corona-Maßnahmen versammelten sich auf dem Maspernplatz. Die Polizei bewertete dies als Versammlung und machte darauf per Durchsagen aufmerksam. Der Aufforderung, einen Versammlungsleiter zu benennen, kam man nicht nach und setzte sich stattdessen zum "Spaziergang" in Bewegung. Über Westerntor und Liboriberg ging es schließlich wieder zurück zum Maspernplatz.

Im Verlauf schlossen sich immer wieder Menschen an, so dass nach Schätzung der Polizei rund 2.000 Personen unterwegs waren. Auf dem Weg riegelten die Ordnungskräfte immer wieder die Zuwege in Richtung Fußgängerzone ab. Einzelne Grüppchen gelangten dennoch in diesen Bereich und flanierten recht ziellos über die Westernstraße. Zu konkreten Ansammlungen kam es hier jedoch nicht. In Salzkotten waren etwa 100 Personen zu einer angemeldeten Protestkundgebung zusammengekommen.

Polizeisprecher Michael Biermann berichtete von einem insgesamt friedlichen Abend. Jedoch gab es am Rande des "Spaziergangs" neun Ordnungswidrigkeiten, acht wegen Masken-Verstößen und ein Verstoß gegen die Ausweispflicht. Auch zwei Strafanzeigen, ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und eine Widerstandshandlung seien aufgenommen worden.

Bildunterschrift: Gut ausgestattet mit Regenschirmen und Masken waren auf dem Marktplatz am Montagabend mehrere hundert Personen zusammengekommen.

Bildunterschrift: Die Teilnehmer des "Spaziergangs" drehten ihre Runde über die Gehwege des inneren Rings in Richtung Maspernplatz.

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Radio Hochstift, 31.01.2022:

Parents for Future organisieren "Kultur gegen Rechts" in Paderborn

Unter dem Titel "Kultur gegen Rechts" gehen heute in Paderborn die Künstler auf die Straße. Anlass sind die wiederholten Demos von Gegnern der Corona-Maßnahmen. Zu der Aktion heute ab 18 Uhr auf dem Marktplatz rufen die Parents for Future auf.

Und zwar, weil sie nach eigenen Aussagen festgestellt haben, dass die "Mechanismen der Corona-Leugner und der Leugner des Klimawandels fast deckungsgleich sind". In vielen Fällen handele es sich sogar um dieselben Personen, die krude Thesen zu beiden Themen verbreiten.

Laut den Parents for Future Paderborn hat Kultur die besondere Kraft, Perspektiven neu zu eröffnen und Brücken zu schlagen. An der Veranstaltung beteiligen sich unter anderem die Künstler Andreas Hörstmann und Tanja Rohloff, NaDu und Band, Volker Kukulenz sowie die Punch Drunk Poets. Es wird mit etwa 500 Teilnehmern gerechnet.

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