www.hiergeblieben.de

Lippische Landes-Zeitung , 29.01.2022 :

Großnichte eines Euthanasie-Opfers

Die Autorin Barbara Stellbrink-Kesy liest in Detmold

Detmold. "Unerhörte Geschichte - Frei, aber verpönt". Vom Leben und Leid einer Frau aus Detmold, die Opfer der "Euthanasie"-Politik der Nationalsozialisten wurde, liest Barbara Stellbrink-Kesy in einer Veranstaltung der Stadtbibliothek Detmold und des Stadtarchivs Detmold am Dienstag, 1. Februar, 19.30 Uhr, in der Schule am Wall.

Der erste Stolperstein, der in Detmold an ein Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert, ist Irmgard Heiss gewidmet. Sie wurde 1944 Opfer der NS-Euthanasie-Politik. Ihre Großnichte Barbara Stellbrink-Kesy hat die in der Familie lange verschwiegene Geschichte in einem Buch zusammengefasst.

"In ihrem Detmolder Elternhaus fand die Autorin ein Päckchen mit Dokumenten, versteckt in einem Schrank mit doppeltem Boden", schreibt die Stadt Detmold in einer Pressemitteilung. "Es enthielt Briefe ihrer Großtante Irmgard Heiss, geb. Stellbrink aus verschiedenen Heil- und Pflegeanstalten." Damit begann für die Autorin eine Reise in die Vergangenheit. "Als Barbara Stellbrink-Kesy im Landesarchiv NRW auch noch die Krankenakte aus der Pflegeanstalt Lindenhaus einsehen konnte, gelang es ihr, aus vielen Puzzleteilen das Leben ihrer außergewöhnlichen Großtante zu rekonstruieren."

Irma Heiss war 18-jährig nach Berlin gegangen, hatte früh geheiratet und war Mutter dreier Kinder geworden. Da sie kein normales "bürgerliches" Leben führte, verlor sie den Rückhalt in der Familie. Sie verbrachte Jahre in psychiatrischen Anstalten und starb 1944 an einer Lungentuberkulose, die Folge von unzureichender Ernährung und medizinischer Versorgung war.

Auch ihr Bruder, Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink, überlebte die NS-Zeit nicht. Obwohl zunächst ein überzeugter Nationalsozialist, ging er in den Widerstand. Vom Volksgerichtshof verurteilt, wurde er 1943 hingerichtet. Er wird als "Märtyrer von Lübeck" geehrt.

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Zugang zur Schule am Wall über das Residenz Hotel. Es gelten die 2G-Regeln.

Bildunterschrift: Barbara Stellbrink-Kesy.

_______________________________________________


- Dienstag, 1. Februar 2022 um 19.30 Uhr -


Lesung mit Barbara Stellbrink-Kesy: "Unerhörte Geschichte: Frei - aber verpönt"


Veranstaltungsort:

Schule am Wall
Am Wall 5
32756 Detmold


Hinweis: Zugang zur Schule am Wall über das Residenz Hotel. Es gelten die 2G-Regeln.


Moderation von Lesung und anschließendem Gespräch durch Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold.


"Unerhörte Geschichte - Frei, aber verpönt". Vom Leben und Leid einer Frau aus Detmold, die Opfer der "Euthanasie"-Politik der Nationalsozialisten wurde. Barbara Stellbrink-Kesy liest in einer Veranstaltung der Stadtbibliothek Detmold und des Stadtarchivs Detmold aus ihrem am 29. Dezember 2020 erschienen Buch.

Detmold. Der erste Stolperstein, der in Detmold an ein Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert, ist Irmgard Heiss gewidmet. Sie wurde 1944 Opfer der NS-Euthanasie-Politik. Ihre Großnichte, Barbara Stellbrink-Kesy, hat die in der Familie lange verschwiegene Geschichte in einem Buch zusammengefasst.

In ihrem Detmolder Elternhaus fand die Autorin ein Päckchen mit Dokumenten, versteckt in einem Schrank mit doppeltem Boden. Es enthielt Briefe ihrer Großtante Irmgard Heiss, geb. Stellbrink aus verschiedenen Heil- und Pflegeanstalten. Damit begann für die Autorin eine Reise in die Vergangenheit. Als Barbara Stellbrink-Kesy im Landesarchiv NRW auch noch die Krankenakte aus der Pflegeanstalt Lindenhaus einsehen konnte, gelang es ihr, aus vielen Puzzleteilen das Leben ihrer außergewöhnlichen Großtante zu rekonstruieren.

Irma Heiss war 18-jährig nach Berlin gegangen, hatte früh geheiratet und war Mutter dreier Kinder geworden. Da sie kein normales "bürgerliches" Leben führte, verlor sie den Rückhalt in der Familie. Sie verbrachte Jahre in Psychiatrischen Anstalten und starb 1944 an einer Lungentuberkulose, die Folge von unzureichender Ernährung und medizinischer Versorgung war.

Auch ihr Bruder, der stets zu ihr gehalten hatte, Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink, überlebt die NS-Zeit nicht. Obwohl zunächst ein überzeugter Nationalsozialist, ging er in den Widerstand. Vom Volksgerichtshof verurteilt, wurde er 1943 hingerichtet. Er wird als "Märtyrer von Lübeck" geehrt.


Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Erinnern und Gedenken 2022" vom 26. Januar bis 23. März 2022 der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., Buchhandlung Kafka & Co., Chorgemeinschaft Cantus - Novus und Freunde, Forum Offenes Detmold, Geschwister-Scholl-Gesamtschule Detmold, Stadt Detmold, Stadtarchiv Detmold, Stadtbibliothek Detmold, Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Detmold.

_______________________________________________


Lippische Landes-Zeitung, 13.05.2011:

Gunter Demnig setzt "Stolperstein" an der Hubertusstraße ein

Erinnerung an NS-Opfer: Mit dem ersten Detmolder "Stolperstein" will der Kölner Künstler Gunter Demnig kein

eswegs Passanten auf dem Fußweg vor dem Haus Nummer 10 in der Hubertusstraße aus dem Gleichgewicht und zu Fall bringen. Vielmehr sollen die Passanten innehalten, auf den Stein schauen und der Opfer des Nazi-Terrors gedenken.

Die Plakette auf dem Detmolder "Stolperstein" erinnert an die 1897 geborene Irmgard Heiss, die in diesem Haus aufwuchs. Als sie psychisch erkrankte, wurde sie 1925 im Lindenhaus in Brake aufgenommen. Trotz weiterer Aufenthalte in Gütersloh und Lengerich, gab sie die Hoffnung auf Heilung nie auf. Das drücken Briefe aus, die ihre Großnichte Barbara Stellbrink-Kesy in einer Ausstellung über "Euthanasie" im Dritten Reich gezeigt hatte.

Die Hoffnung von Irmgard Heiss erfüllte sich nicht. Sie wurde 1941 von Lengerich in die Heilanstalt Weilmünster in Hessen ausgeliefert. Dort ließ man sie langsam verhungern. Ihre Schwestern holten sie im Januar 1944 dort heraus, doch erholte sich Heiss nicht mehr. Sie verstarb am 3. Oktober 1944.

___________________________________________________


Am 1. Februar 2022 liest Barbara Stellbrink-Kesy in Detmold aus ihrem Buch "Unerhörte Geschichte: Frei - aber verpönt" (Dezember 2020) über Irmgard Heiss - die 1944 ein Opfer der NS-Euthanasie-Politik wurde.

___________________________________________________


www.zba-buch.de/zeitgeschichtliche-reihe

www.stadtarchiv.detmold.de

29./30.01.2022

zurück