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die tageszeitung , 28.01.2022 :

Wehrsportler mit besten Kontakten

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen eine Wehrsportgruppe / Die Verdächtigen, teils Reservisten, kommen auch aus völkischen Familien und rechten Bünden / Und sie haben Verbindungen ins Bundesaußenministerium

Von Andreas Speit und Andrea Röpke

Die Fahrzeuge auf dem Anwesen nahe Wedemark (Region Hannover) offenbaren die Neigung des Besitzers: Mehrere abgedeckte deutsche Militärfahrzeuge stehen auf dem Grundstück von Jens G. Eine lange Narbe an der linken Wange des Mannes deutet die politische Haltung an: Es ist der typische Schmiss einer schlagenden Burschenschaft, den er im Gesicht trägt.

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Lüneburg gegen den stellvertretenden Vorsitzenden der Reservisten-Kreisgruppe Hannover. Der Verdacht: Der Oberstleutnant der Reserve soll der Anführer einer rechtsextremen Wehrsport-Gruppe sein, die Migrantinnen, Migranten im Visier hatte. Hinzu kommt: Einige der Beschuldigten kennen sich nicht nur aus Reservisten-Verbänden, sondern auch aus rechtsextremen Kreisen.

"Der Kreis der Verdächtigen umfasst mittlerweile zehn Personen", sagt die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Wiebke Bethke, der taz. Die Auswertungen des umfangreichen, sichergestellten Materials dauere aber noch an, sagt Bethke. Dass die Ermittlungen nach einer Durchsuchung von acht Objekten in Niedersachsen, Nordrhein-Westfallen und Berlin dauern könnten, betonten die Ermittelnden schon im September 2021. Knapp 250 Waffen waren damals nach Razzien sichergestellt worden. Hinzu kamen Waffenteile, Munition und Datenträger. Eine Liste mit ­Adressen von Politikerinnen, Politikern soll bei einem Beschuldigten aus Wriedel (Landkreis Uelzen) gefunden worden sein. Als "Neigungsgruppe" bezeichneten sich die Verdächtigen offenbar selbst.

Auf G. kamen die Ermittler über Umwege. Bei einer Routineüberprüfung im Bundesverteidigungsministerium fiel dem Militärischen Abschirmdienst der Handy-Kontakt eines Referenten in der Abteilung "Strategie und Einsatz" auf. Der Referent war Burschenschaftler in Hannover. Gemeinsam mit Jens G. besuchte er 2004 ein "Ritterkreuz-Treffen", wie das ARD-Magazin "Kontraste" berichtet. Dort versammeln sich hochdekorierte Wehrmachtssoldaten. Zu den Verdächtigen der Wehrsportgruppe zählt der Referent nicht. Ein Blick auf die Facebook-Freunde von G. zeigt: Er kennt weitere Personen im Umfeld des Verteidigungsministeriums.

Auch den von der Staatsanwaltschaft Beschuldigten Wolfgang F. aus dem Wendland kennt G., - allerdings nicht aus dem Netz: F. verbrachte wie G. seine Jugend in einem Jugendbund namens "Deutsch-Wandervogel" (DWV). Der DWV wurde von einem "ehemaligen Waffen-SSler" aus Hodenhagen angeführt, sagt Odfried Hepp der taz. Der ehemalige Rechtsterrorist und spätere inoffizielle Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit wuchs mit Rechtsbündischen auf. "In einem der Zeltlager sagte mir ein alter SS-Mann: "Ich habe einmal einen Eid geschworen und den breche ich nicht bis an mein Lebensende"", sagt Hepp und hebt hervor: "Er meinte den auf Adolf Hitler."

In seiner Freizeit besuchte G. Militärfahrzeug-Treffen in Munster und war "Hobbykommandant" im örtlichen Panzermuseum

Unter den völkisch-antisemitischen Jugendgruppen war der DWV vermutlich die weltanschaulich radikalste Gruppe, betont der Potsdamer Politikwissenschaftler Gideon Botsch. Dieser sehr kleine Bund bestünde heute formal nicht mehr, doch manche Angehörige halten lebenslang die Treue.

G. nahm dann an bündischen Treffen teil, besuchte Polizei-Angaben zufolge die antisemitische "Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft" in Ilfeld (Thüringen). Sein Freund Wolfgang F. schickte die eigenen Kinder zum rechtsextremen "Sturmvogel - Deutscher Jugendbund". 2016 kamen vier der mutmaßlich Beschuldigten im Dorf Edendorf (Landkreis Uelzen) zusammen.

Völkische Familien feierten dort mit Gleichgesinnten aus ganz Deutschland ihren "Maitanz". Eine Frau mit Stirnband und langem Rock stieg aus einem Auto mit der "88" im Kennzeichen. Sie nahm die Hand des Mannes aus Wriedel. Beide teilen bis heute eine Leidenschaft für Waffen. Der Mann, Christian G., ist Reservist. Die Frau war in der Vergangenheit liiert mit dem Anführer der inzwischen verbotenen Gruppierung "Combat 18". 2002 fuhr sie mit dem späteren Mörder von Walter Lübcke zu einem Nazi-Aufmarsch nach Bielefeld. Den Maitanz in Edendorf feiert das Paar gemeinsam mit Jens G. und Wolfgang F., der zum Tanz aufspielt.

Bis zu den Ermittlungen leitete G. Schießtrainings und Übungswochenenden mit Sanitäts-, Absicherungs- und Orientierungsinhalten. Für den "Heimatschutz" bildete der Zimmermann auch Zivilisten an Waffen aus. In seiner Freizeit besuchte er Militärfahrzeug-Treffen in Munster, war "Hobbykommandant" im Panzermuseum. Bündische führte er durch das Museum.

Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft wies G. gegenüber "Kontraste" zurück.

Bildunterschrift: Er soll Anführer einer rechtsextremen Wehrsport-Gruppe sein: Jens G. bei einem Militaria-Treffen.

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Lippische Landes-Zeitung Online, 20.12.2021:

Ermittlungen laufen: Ist Detmolder Teil einer rechtsextremen Wehrsportgruppe?

20.12.2021 - 06.21 Uhr

Marianne Schwarzer

Kreis Lippe. Im Fall einer mutmaßlich rechtsextremen Gruppe ist die Staatsanwaltschaft Lüneburg noch nicht entscheidend weitergekommen. Und so ist nach wie vor unklar, gegen wen der neun Verdächtigen aus Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Anklage erhoben wird. Somit ist auch der Status des Detmolders noch nicht klar, der zu diesen Verdächtigen gehört.

Wie die LZ berichtete, hat das Landeskriminalamt Niedersachsen am 8. September dieses Jahres acht Objekte in Niedersachsen und NRW durchsucht, um einer mutmaßlichen rechtsextremen Wehrsportgruppe auf die Spur zu kommen. Unter den Verdächtigen sollen sechs Reservisten der Bundeswehr sein, hatte der Norddeutsche Rundfunk berichtet. Der ebenfalls verdächtigte Detmolder soll allerdings nicht zu diesem Sextett gehören. Die Verdächtigen seien männlich und 37 bis 53 Jahre alt. Bei der Durchsuchung seien nach Auskunft des Ministeriums fast 200 Polizeibeamte und Spezialkräfte unter Leitung des Landeskriminalamts Niedersachsen im Einsatz gewesen.

Die Ermittlungen in diesem Verfahren dauern unverändert an, erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg jetzt auf Nachfrage der LZ. Während der Durchsuchungen seien bei den Beschuldigten "zahlreiche Beweismittel, unter anderem diverse Waffen, Waffenteile, Munition und Datenträger aufgefunden worden". Diese Asservate seien allerdings bisher noch nicht abschließend ausgewertet worden, damit rechnet die Staatsanwaltschaft auch nicht vor Februar oder März des kommenden Jahres. "Erst nach der Auswertung kann indes geprüft werden, ob und gegebenenfalls wegen welcher Straftaten gegen die Beschuldigten, mithin auch den Beschuldigten aus Detmold, ein hinreichender Tatverdacht besteht", heißt es. Ermittelt werde wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe nach Paragraf 127. Als Motiv wird Rassismus vermutet.

Mit Material der dpa.

Bildunterschrift: Detmolder weiter im Visier der Behörden.

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Lüttringhauser, 07.10.2021:

Rechtsextreme Gruppe bereitete sich auf den Tag X vor

Mitglied einer Wehrsportgruppe aus Detmold orderte SS-Runen und Hakenkreuze.

Ein mutmaßliches Mitglied einer rechtsextremen Wehrsportgruppe von Bundeswehr-Reservisten ist den Sicherheitsbehörden bereits in der Vergangenheit aufgefallen. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitag-Ausgabe) aus Ermittlerkreisen erfuhr, soll der Beschuldigte aus Detmold bereits im Jahr 2009 NS-Devotionalien geordert haben. Der Zoll habe seinerzeit bei einer Zufallskontrolle in einer Lieferung an den Sportschützen SS-Runen und Hakenkreuze in einem Paket entdeckt.

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen ihn und acht weitere mutmaßliche Rechtsextremisten wegen der Bildung einer bewaffneten Gruppe. Bei einer Razzia in Berlin, Niedersachsen und NRW Anfang September fanden sich 250 Waffen, Waffenteile und Munition. Allein bei dem Tatverdächtigen aus Detmold stellten die Ermittler sechs Schusswaffen sicher. Allerdings verfügte er über eine entsprechende Waffenbesitzkarte. Angeblich bereitete sich die Wehrsportgruppe auf den Tag X vor. Der Anführer ist ein Oberstleutnant der Reserve aus Niedersachsen.

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Kölner Stadt-Anzeiger Online, 07.10.2021:

Rechtsextreme Reservisten

07.10.2021 - 11.56 Uhr

Wehrsportgruppe im Kampf um Systemüberwindung

Von Axel Spilcker

Der "Tag X." sollte wohl der Tag des Umsturzes werden. Die Wehrsportgruppe, in der sich unter anderem Reservisten aus der Bundeswehr zusammengeschlossen hatten, arbeitete offenbar auf die "antidemokratische Systemüberwindung" hin. Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeiger" soll bei der neunköpfigen, mutmaßlich rechtsextremen Truppe dieses Ziel weit oben auf der Agenda gestanden haben. Die Suche nach Beschuldigten führte die Ermittler auch in das nordrhein-westfälische Detmold. Grundlage für den Kampf der Gruppe bilden offenbar Verschwörungstheorien aus dem rechtsextremen Lager. Unter anderem die krude Ideologie der zufolge Migranten und Flüchtlingen aus muslimischen Ländern quasi einen Austausch der Bevölkerung verfolgen. Die Reaktion der Wehrsportgruppe war - so der Verdacht - das Ansinnen, die Migrations-Frage mit Gewalt zu lösen.

Anfang September ließ die Staatsanwaltschaft Lüneburg Immobilien der Beschuldigten in Berlin, Niedersachsen und im nordrhein-westfälischen Detmold durchsuchen. Bei der Razzia wurden 250 Waffen, Waffenteile und Munition gefunden. Sechs der neun Verdächtigen waren Reservisten der Bundeswehr und ehemalige Fallschirmjäger, bei den anderen soll es sich um Feuerwehrleute und Polizeibeamte handeln. Festnahmen blieben aus.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Bildung einer bewaffneten Gruppe.

Sechs Schusswaffen und NS-Devotionalien

Zum Kader soll auch Heinz-Peter S. (Name geändert) aus Detmold gehören. Wie diese Zeitung erfuhr, fanden sich bei der Freundin des Westfalen sechs Schusswaffen. Allerdings konnte der Sportschütze eine Waffenbesitzkarte vorweisen. D. geriet bereits vor elf Jahren ins Blickfeld der Staatsschützer. Bei einer Zufallskontrolle stellte der Zoll eine Lieferung von NS-Devotionalien an den rechtsextremen Waffen-Fan sicher.

An der Spitze des Wehrsport-Kaders soll Jens G. aus der niedersächsischen Region Wedemark stehen. Der Oberstleutnant der Reserve firmierte auch als stellvertretender Vorsitzender der Reservisten-Kreisgruppe Hannover. Die Vereinigung setzt sich aus zwölf Kameradschaften und acht Arbeitsgemeinschaften mit zirka 1.100 Mitgliedern zusammen. Anzeichen dafür, dass diese Reservisten ähnlich radikalen Gedanken folgen könnten wie Jens G., sind nicht bekannt.

Verantwortlich für Militärfahrzeug-Treffen

Der gelernte Zimmermann leitete Schießübungen unter anderem mit dem Maschinengewehr. Zudem veranstaltete der Offizier Übungswochenenden mit Sanitäts- Absicherungs- und Orientierungsinhalten und war verantwortlich für Militärfahrzeug-Treffen.

Außerdem soll der Beschuldigte Kontakte zu einem Regierungsdirektor im Bundesverteidigungsministerium unterhalten haben. Der Beamte arbeitete in einem äußerst sensiblen Bereich: Die Abteilung "Strategie und Einsätze" kümmert sich um den Identitätsschutz von Agenten des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) sowie um Soldaten beim Kommando Spezialkräfte KSK. Der ministerielle Sektor schafft Scheinidentitäten für heikle Einsätze.

Der Regierungsdirektor war offenbar nicht direkt in diese Aufgaben involviert. Vielmehr arbeitete er eher auf untergeordneter Ebene.

Hatte der Beamte Zugang zu geheimen Informationen?

Derzeit prüfe man, ob und inwieweit der Beamte Zugang zu geheimen Informationen aus diesem Bereich hatte, heißt es im Verteidigungsministerium. "Auch wird untersucht, ob es Abflüsse sicherheitsrelevanter Daten aus der Registratur gab." Nachrichtendienstliche Ermittlungen sollen nun den Sachverhalt aufklären. Unterdessen wurde der Beamte vorläufig in eine andere Abteilung abkommandiert.

Ein Sicherheitshinweis des MAD hatte die Nachforschungen ausgelöst. Eine routinemäßige Befragung legte Bezüge des Verdächtigen zu einer ultranationalen Burschenschaft nahe, die den Verfassungsschützern bekannt ist. Zugleich informierte die Staatsanwaltschaft Lüneburg das Ministerium über den Kontakt zum mutmaßlichen Wehrsportgruppen-Chef, Oberstleutnant der Reserve Jens G. Auch hier scheint noch unklar, wie eng sich die Verbindung gestaltete.

Fremdenfeindliche Motive vermutet

Laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" besteht der Verdacht, dass die Wehrsportgruppe Migranten töten wollte. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage hierzu nicht äußern. Er sagte: "Es besteht ein Anfangsverdacht, dass eine fremdenfeindliche Motivation handlungsleitend gewesen sein könnte."

Bleibt die Frage, warum die Bundesanwaltschaft angesichts solcher Hinweise den Fall nicht längst an sich gezogen hat? Ermittlungen, die sich zu Terror-Verfahren auswachsen, übernehmen üblicherweise die Bundesankläger aus Karlsruhe. Auch säßen die Beschuldigten längst in U-Haft, sollte es Hinweise auf einen zeitnahen Anschlag geben.

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Blick nach Rechts, 06.10.2021:

Völkischer Siedler Kopf einer mutmaßlichen Wehrsportgruppe

Von Andrea Röpke / Olaf Meyer

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen eine bewaffnete Untergrundgruppe mit politischen Verbindungen bis ins Verteidigungsministerium. Bislang unbekannt: Der verdächtigte Anführer hat einen völkisch-nationalistischen Hintergrund.

Es sind brisante Ermittlungen. Der Reserveoffizier der Bundeswehr, Jens G., soll Chef einer bewaffneten Wehrsportgruppe sein, gegen die die Staatsanwaltschaft in Lüneburg ermittelt. Sechs der neun Beschuldigten sind Reservesoldaten der Bundeswehr. Besonders pikant ist allerdings, dass G. über engen Kontakt zu einem Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums verfügt haben soll. Medien berichten, dass bei einer routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung Hinweise auf eine "rechtsextreme Gesinnung" gefunden wurden.

Im Mobiltelefon des Referenten der Abteilung "Strategie und Einsatz" fand sich die Nummer von Jens G. Diese Abteilung hat laut "Spiegel" Zugang zu sensiblen Geheiminformationen etwa über das Kommando Spezialkräfte und über verdeckte Ermittler des MAD. Es erfolgten Hausdurchsuchungen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin an acht Orten. Die mutmaßliche Wehrsportgruppe von Waffen-Fans wird von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Lüneburg mit geplanten Anschlägen auf Migranten in Zusammenhang gebracht. Es wurden Waffen als auch Munition sichergestellt, das Material werde geprüft, heißt es.

Miteinander eng vertraute völkische Szene

Der verdächtige Anführer, Oberstleutnant der Reserve, Jens. G., arbeitet als Zimmermann in der niedersächsischen Wedemark, wohnt aber wohl in der Lüneburger Heide. Bei Facebook zeigt sich G. als Militarist in Turnkleidung. Er ist stellvertretender Kreisvorsitzender der Reservisten-Kreisgruppe Hannover. Die setzt sich nach Angaben des "Recherche Netzwerk Hannover" aus circa 1.100 Mitgliedern zusammen. Im Landkreis Uelzen, in der Nähe von Bienenbüttel besuchte er 2016 einen "Maitanz" der völkischen Szene. Zu diesem Event wurden so genannte Sippenmitglieder aus dem politischen Spektrum von NPD, Wiking-Jugend, Heimattreuer Deutscher Jugend, Sturmvogel, Identitäre Bewegung, AfD und rechtsextremer Bünde zum Tanz in den abgelegenen Ortsteil Edendorf geladen. G. reiste mit einem olivfarbenen Volkswagen an. Mit vielen der Gäste war er vertraut.

Zur Eröffnung der Brauchtumsfeier spielten damals die männlichen Oberhäupter von vier örtlichen "Sippen" mit Jagdhörnern auf. Einer war Hellmut M. aus Bienenbüttel. Auch er wurde bereits von den Behörden mit Waffen in Zusammenhang gebracht. M. war in den 1970er Jahren im Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) aktiv und soll später der "Deutschen Bürgerinitiative" des verurteilten Rechtsterroristen Manfred Roeder angehört haben. Ebenfalls Kontakt pflegte M. zu Heinz Lembke. Bei dem Forstmeister aus der Lüneburger Heide war im Oktober 1981 das größte jemals bei Neonazis in Deutschland entdeckte Sprengstoff- und Waffendepot gefunden worden. Lembke stand zudem in Verdacht in den Oktoberfest-Anschlag verwickelt gewesen zu sein. Unterlagen belegen, dass eine bewaffnete Gruppe aus der Region Uelzen bereit stand um hinter den "feindlichen Linien" zu kämpfen.

M. nimmt weiterhin an rechtsextremen Aufmärschen teil, teilweise gemeinsam mit seinen inzwischen erwachsenen Kindern. Filmaufnahmen eines Werbevideos zeigen zwei seiner jugendlichen Töchter bei einer Veranstaltung der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ). Dieser Verein wurde 2009 wegen seiner aggressiv-kämpferischen Grundhaltung vom Bundesinnenministerium verboten. In Edendorf beim "Maitanz" stößt Jens G. 2016 auf diese und andere rechte Anhängerschaften.

Völkische "Avantgarde" will eigenen Nachwuchs gegen demokratische Gesellschaft immunisieren

Die völkische Szene sieht sich als elitäre nationale Avantgarde. Viele männliche Mitglieder besitzen Waffenscheine und sind in Jagdgenossenschaften und Vereinen aktiv. Auch ein Faible für Wehrmacht und Militär ist in diesen Kreisen nichts Besonderes, obgleich sich nach außen vor allem auf Wandervogel-Mystik und Volkstum berufen wird. Der Potsdamer Wissenschaftler Gideon Botsch warnt bereits seit Jahren davor, dass Kinder und Jugendliche in extrem rechten Jugendbünden eine "umfassende politische Schulung" erfahren, die sie gegen eine weltoffene, demokratische Gesellschaft immunisieren soll. Jens G., Fahrtenname "Trüffel", zählte zum antisemitischen "Deutsch-Wandervogel" (DWV).

Gideon Botsch sagt: "Unter den völkisch-antisemitischen Jugendgruppen war der Deutsch Wandervogel vermutlich die weltanschaulich radikalste. Dieser sehr kleine Verein beruht als "Lebensbund" auf der "Gefährtenschaft" seiner Mitglieder, die sich um mehrgenerationelle Familienverbände gruppieren. Auch wenn der Bund heute formal nicht mehr bestehen sollte: Seine früheren Angehörigen stehen in engem Kontakt miteinander, oft werden sie in anderen Verbänden aktiv - und sie versuchen auch, in an sich unpolitischen Jugendbünden Erfahrungen zu sammeln." Und: "Die Bejahung von Stärke, Kampf und Gewalt gehört zu den Erziehungsprinzipien dieser Gruppierungen. Bei Verbänden wie dem Deutsch Wandervogel kann das auch rechtsterroristische Tendenzen umfassen." Als Kind habe auch der spätere Rechtsterrorist Odfried Hepp die Lager des DWV besucht, der Vater war "Gefährte". Dieser Bund ist in der Lüneburger Heide bis heute tief verwurzelt.

Weitere Bündische unter den Facebook-Freunden

Unter den Facebook-Freunden von Jens G. sind Bündische, so ein Aktivist des "Weinbacher Wandervogel" aus Nordrhein-Westfalen oder nationalistisch gesinnte Handwerker aus Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Wohl kein Zufall: Auch mit dem Schwiegersohn des NPD-Landwirtes Joachim Nahtz aus Eschede ist G. befreundet. Dem niedersächsischen Verfassungsschutz ist der 1971 geborene Reichswehr-Fan, Jens G., mit seiner Vorliebe für deutsche Kübelwagen, bestens bekannt. Personennummer: PN 61764380.

Bereits 2002 listete die thüringische Polizei ihn und seine damalige Ehefrau, eine Heilpraktikerin aus Hannover, als Teilnehmerinnen der Sonnenwendfeier des damaligen Anführers Jürgen Rieger der rassistischen "Artgemeinschaft - Germanischen Glaubensgemeinschaft" im "Hufhaus" in Ilfeld auf. In der Kartei der "Artgemeinschaft" wird sie als "Mitglied" seit 1991 geführt. Auch in den letzten Jahren fielen zwei "Kübelwagen" bei deren Treffen im Südharz auf. 2019 lud "Trüffel" gemeinsam mit Holger, Heinrich und Heiko die "Gefährten unserer Jugend, ihr Bilder bessrer Zeit" zur Geburtstagsfeier ein. Eine Wiese "zum kothen und campieren" sei neben dem Festplatz vorhanden, hieß es in der Einladung.

Bundeswehr-Experte mit neu-rechtem Hintergrund

Der Name eines Facebook-Freundes könnte für die Staatsanwaltschaft Lüneburg jedoch von besonderer Bedeutung sein: Peter Boßdorf. Der 2020 verstorbene Dr. Peter Boßdorf galt als langjähriger Bundeswehr-Experte mit neu-rechtem Hintergrund. Unter seiner Leitung hatte sich der Mittler Report Verlag "zu einem Marktführer in der wehrtechnischen und sicherheitspolitischen Publizistik entwickelt", wie es in einem Nachruf heißt. Boßdorfs Branchendienst beobachtet eigenen Angaben zufolge "politischen Prozesse im Verteidigungsausschuss und im Ministerium". Leser finde der Verlag vor allem in den Führungsstäben und Einrichtungen der Bundeswehr, in Rüstungsbehörden auf EU- und NATO-Ebene, im Parlament, bei Leitmedien und Forschungsinstituten, sagte Boßdorf gegenüber "Politik & Kommunikation".

Auch Boßdorfs Familie bewegt sich in Kreisen Ewiggestriger. Sein Schwiegervater war mehrere Jahre Chefredakteur der Zeitschrift "Zuerst". Boßdorfs Ehefrau ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des bisherigen verteidigungspolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion. Die Töchter engagieren sich bei der extrem rechten Identitären Bewegung (IB). Eine war 2017 an einem Blockadeversuch vor dem Bundesjustizministeriums beteiligt und kandidierte bei den letzten Kommunalwahlen in Königswinter für die AfD. Ebenso wie der mutmaßliche Wehrsportgruppen-Anführer Jens G. verkehren die jungen Frauen in völkischen und rechtsbündischen Kreisen.

Bildunterschrift: Der Verdächtige auf dem Weg zum Maitanz.

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Recherche Netzwerk Hannover, 02.10.2021:

Jens G. - Oberstleutnant der Wehrsportgruppe?

Am 8. September 2021 durchsuchten Polizistinnen, Polizisten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg sieben Grundstücke unter anderem in Berlin, Detmold, dem Raum Lüneburg und in der Wedemark. Die Staatsanwaltschaft wirft neun Beschuldigten die Gründung oder das Befehligen einer bewaffneten Gruppe vor. Bei den Durchsuchungen wurden 250 Waffen, Waffenteile und Munition sichergestellt. Am 14. September folgte eine weitere Razzia in der Wedemark. Der Polizei lagen Informationen über ein weiteres Waffenversteck vor. Wieder wurden Waffenteile und Munition gefunden. Laut "Hannoversche Allgemeine Zeitung" fand eine der Razzien im Kreuzungsbereich Stargarder Straße / Samlandweg in Mellendorf statt. Sechs der neun Beschuldigten waren Reservisten der Bundeswehr und ehemalige Fallschirmjäger. Die Staatsanwaltschaft dazu: "Zu persönlichen Hintergründen der Beschuldigten, eventuellen Bezügen der Gruppe nach außen und die konkrete Ausgestaltung der Gruppe werden derzeit keine Angaben gemacht." (1), (2), (3)

Am 1. Oktober 2021 berichtete der "Spiegel" über die Ermittlungen. Laut Spiegel gehen die Sicherheitsbehörden dem Verdacht nach, dass die Gruppe Migrantinnen, Migranten töten wollte. Kopf sei Jens G., ein Oberstleutnant der Reserve. Er soll Wehrsportübungen organisiert haben. Die Beschuldigten seien im Alter zwischen 37 und 53 Jahren. Die Ermittlungen waren nach einer Routineüberprüfung eines Referenten im Verteidigungsministerium durch den Militärischen Abschirmdienst in Gang gekommen, auf dessen Handy Verbindungen zu Jens G. entdeckt wurden. Der Referent war in der Abteilung "Strategie und Einsatz" eingesetzt und hatte Zugang zu sensiblen Geheiminformationen. Der Spiegel berichtet weiter, dass G. ein leidenschaftlicher Militarist sei und ein Faible für Militärfahrzeuge habe. (4)

Nach unseren Informationen handelt es sich bei Jens G. um Jens Grohnert. Jens Grohnert ist 1. Stellvertretender Kreisvorsitzender der Reservisten-Kreisgruppe Hannover. Die Kreisgruppe setzt sich aus 12 Kameradschaften und acht Arbeitsgemeinschaften mit circa 1.100 Mitgliedern zusammen. Am Abend des 1. Oktober 2021, nachdem der Name "Jens G." im Spiegel als Kopf der Gruppe genannt wurde, verschwanden die Vorstandsmitglieder von der Webseite des Kreisverbandes. Lediglich der Kreisvorsitzende ist noch mit Namen, Dienstrang und Kontaktdaten gelistet.

Jens Grohnerts Tätigkeit als aktiver Reservist im Verbandsleben und im Feld ist in vielen Zeitungsartikeln und auch in Publikationen des Reservistenverbandes dokumentiert. Er leitete Schießtrainings, wies Reservisten in Maschinengewehre ein, leitete Übungswochenenden mit Sanitäts- Absicherungs- und Orientierungsinhalten und war Verantwortlicher für Militärfahrzeug-Treffen. Grohnert arbeitet als Zimmermann in der Wedemark.

Unter Grohnerts Facebook-Freunden findet sich ein Constantin S. S. ist Oberstleutnant und kommandierte das Fallschirmjägerbataillon 263 mit Sitz in Zweibrücken bis zur Auflösung im März 2015. S. bildete danach Einzelkämpfer der Bundeswehr aus. Unter seiner Leitung kollabierten Lehrgangsteilnehmer. Ein ausbildender Hauptfeldwebel unter seinem Kommando konnte einer Verurteilung in dem Fall entgehen. Er einigte sich vor Gericht und zahlte eine Geldstrafe. Bei der Übergabe des Kommandos an eine andere Leitung posierte S. in den Medien und auf Facebook mit einem Spartaner-Schild seiner Lehrgruppe auf dem das Lambda-Zeichen, dem Symbol der Identitären Bewegung zu sehen ist. Augenscheinlich ist es zeremonieller Bestandteil der Einheit. Mittlerweile arbeitet S. im Verteidigungsministerium.

Auch bei Grohnert findet sich eine Verbindung zur so genannten "Neuen Rechten". Am 28. September 2001 protestierten Bundeswehr- und Reserve-Angehörige in der rechtskonservativen Zeitung "Junge Freiheit" mit einem Appell gegen die Entlassung des Oberleutnant der Reserve Götz Kubitschek aus einer Wehrübung wegen seines Buches über den Bosnien-Krieg und seine Tätigkeit als Autor in der "Jungen Freiheit". Zu den Unterzeichnern gehört "Jens Grohnert, Zimmermann / Oberleutnant d.R." Kubitschek ist heute Autor und Publizist mit eigenem Verlag und betreibt mit dem "Institut für Staatspolitik" in Schnellroda einen neurechten Thinktank.

Bildunterschrift: Webseite der Kreisgruppe der Reserve am Abend des 1. Oktober 2021 ohne Grohnert und restlichen Vorstand.

Bildunterschrift: Webseite der Kreisgruppe der Reserve Hannover mit Grohnert.

Bildunterschrift: Constantin S. mit dem Wappenschild seiner Einheit, einem Spartaner-Schild.

Bildunterschrift: Grohnert posiert auf Facebook in Flecktarn vor einem Militärflugzeug.

(1) Hannoversche Allgemeine Zeitung Online, 01.10.2021

(2) Hannoversche Allgemeine Zeitung Online, 09.09.2021

(3) Hannoversche Allgemeine Zeitung Online, 15.09.2021

(4) Spiegel Online, 01.10.2021

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Radio Lippe, 02.10.2021:

Detmold: "Wehrsportgruppe" wollte offenbar Migranten töten

Reservisten der Bundeswehr sollen Anschläge auf Migranten geplant haben. Und die ersten Spuren führten auch nach Lippe.

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen eine Wehrsportgruppe. Darüber hatten wir hier bei Radio Lippe schon berichtet.

Jetzt schreibt der "Spiegel", dass die Gruppe wohl tatsächlich geplant habe, Migranten zu töten.

Anfang September hatten Ermittler acht Objekte in Niedersachsen, NRW und Berlin durchsucht - unter anderem stand auch ein Mann aus Detmold auf ihrer Liste.

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Spiegel Online, 01.10.2021:

Reservisten der Bundeswehr sollen Anschläge auf Migranten geplant haben

01.10.2021 - 14.06 Uhr

Ermittlungen gegen Rechtsextreme

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen eine Wehrsportgruppe. Sie soll nach "Spiegel"-Recherchen geplant haben, Migranten zu töten. Ihr Anführer stand in Kontakt zu einem Referenten im Verteidigungsministerium.

Von Hubert Gude und Matthias Gebauer

Die Sicherheitsbehörden gehen dem Verdacht nach, dass eine Wehrsportgruppe von ehemaligen Fallschirmjägern und Reservisten aus Niedersachsen Migranten töten wollte. Angeführt wird sie demnach von Jens G., einem Oberstleutnant der Reserve. Er soll die Wehrsportübungen organisiert haben.

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen neun Beschuldigte im Alter von 37 bis 53 Jahren wegen des Vorwurfs, sich einer bewaffneten Gruppe angeschlossen beziehungsweise diese befehligt zu haben. Ein Sprecher bestätigte dem "Spiegel", es bestehe "ein Anfangsverdacht, dass eine fremdenfeindliche Motivation handlungsleitend gewesen sein könnte".

Bereits Anfang September hatten Ermittler wegen der Verdachtsmomente acht Objekte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin durchsucht. Dabei wurden Waffen, Munition und Material sichergestellt, das eine rechtsextreme Gesinnung der Reservisten nahelegt. Kurz darauf erfuhren die Ermittler, dass Jens G. engen Kontakt zu einem Referenten im Bundesverteidigungsministerium pflegte.

Ministerium überprüft interne Systeme

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) war Mitte September bei einer routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung des Referenten auf Hinweise gestoßen, die auf eine rechtsextreme Gesinnung des früheren Soldaten deuteten. Auf seinem Handy entdeckten die MAD-Beamten die Verbindung zu Jens G. Der Fall wird im Ministerium ernst genommen, da der Referent in der Abteilung "Strategie und Einsatz" Zugang zu sensiblen Geheiminformationen hatte, etwa über das Kommando Spezialkräfte und über verdeckte Ermittler des MAD.

Das Ministerium hat dem Referenten umgehend alle Zugänge zu sensiblen Daten und seiner Abteilung untersagt. Der MAD überprüft derweil in den internen Systemen des Ministeriums, ob es über den Referenten Abflüsse von Informationen gegeben hat. Zudem wird sein engeres Arbeitsumfeld genau unter die Lupe genommen, hieß es aus dem Wehrressort.

Bislang keine Festnahmen

Ein Sprecher von CDU-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, das Ressort verfolge beim Thema Rechtsextremismus eine unnachgiebige Linie. "Wir gehen jedem einzelnen Fall mit Hochdruck nach, weil Extremisten keinen Platz in der Bundeswehr oder im Ministerium haben."

Der mutmaßliche Anführer der Wehrsportgruppe, Bundeswehr-Reservist Jens G., gibt sich in den Sozialen Medien als leidenschaftlicher Militarist mit einem Faible für historische Militärfahrzeuge und organisierte Treffen von Gleichgesinnten. "Hässlich, feige und gemein, so muss ein Fallschirmjäger sein", postete der 50-Jährige mit einem Smiley auf Facebook. Rechtsextreme Inhalte veröffentlichte er nicht auf Facebook.

Bei einigen der sichergestellten Waffen handelt es sich offenbar um Sammlerstücke. Einige der Reservisten sollen die Erlaubnis haben, bestimmte Waffen zu führen. Festnahmen gab es in dem Ermittlungsverfahren bislang keine.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, der Anführer der Wehrsportgruppe habe Kontakt zu einem Referatsleiter gehabt. Wir haben den Fehler korrigiert.

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Norddeutscher Rundfunk, 15.09.2021:

Verdacht auf Wehrsportgruppe: Weiteres Waffenlager entdeckt

15.09.2021 - 19.55 Uhr

Nach Durchsuchungen wegen des Verdachts auf Bildung einer rechtsextremen und bewaffneten Gruppe hat es in Niedersachsen eine weitere Razzia gegeben. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei fand in Wedemark bei Hannover Waffenteile und Munition, wie die Staatsanwaltschaft Lüneburg am Mittwoch mitteilte. Es hatten sich demnach Anhaltspunkte für ein weiteres Waffenversteck eines der neun bereits bekannten Beschuldigten ergeben. Die strafrechtliche Relevanz der am Dienstag gefundenen Teile werde noch geprüft. Festnahmen gab es zunächst keine. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Polizei in einem Großeinsatz mehrere Objekte mutmaßlicher Rechtsextremisten in Niedersachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen durchsucht hatte. Unter den neun Beschuldigten sind demnach sechs Reservisten. Die Beamten fanden Waffen, Waffenteile und Munition.

Bildunterschrift: Neue Funde im Fall der neun Beschuldigten (Themenbild).

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Blick nach Rechts, 10.09.2021:

Rechtsextreme Gruppe?

Razzia bei Bundeswehr-Reservisten

Von Michael Klarmann

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen Reservisten und Zivilangestellte der Bundeswehr wegen des Verdachts auf Bildung einer rechtsextremen Wehrsportgruppe.

Diesbezüglich fand am Mittwoch eine Großrazzia der Polizei statt, die sich gegen mehrere Beschuldigte richtete. Sie stehen im Verdacht, eine bewaffnete, rechtsextreme Gruppe gebildet zu haben. Laut Medienberichten wurden sieben Objekte in den Bereichen der Polizeidirektionen Lüneburg und Hannover, in Nordrhein-Westfalen - u.a. Detmold - und in Berlin durchsucht.

Die neun Beschuldigten sind laut Ermittler zwischen 37 und 53 Jahre alt. Sechs Beschuldigte sind Reservisten der Bundeswehr, gleichwohl waren nur vier Reservisten von den insgesamt sieben Hausdurchsuchungen betroffen. Die federführende Staatsanwaltschaft Lüneburg teilte mit, Festnahmen habe es nicht gegeben. Im Einsatz waren fast 200 Polizeibeamte und Spezialkräfte unter Leitung des Landeskriminalamts Niedersachsen.

Waffen und Munition beschlagnahmt

Beschlagnahmt wurden unter anderem Waffen, Waffenteile und Munition. Da einige der Beschuldigten derlei als Reservisten möglicherweise legal besitzen dürfen muss nun geprüft werden, ob die beschlagnahmten Dinge strafrechtlich relevant sind. Die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" meldete, drei Beschuldigte seien überdies Zivilangestellte der Bundeswehr.

Erst zu Jahresbeginn hatte das antifaschistische "Recherche Kollektiv Ostwestfalen" ein Dossier publiziert, wonach zum Teil leitende Bundeswehr-Reservisten aus dem Raum Bielefeld an rechtsextremen Demonstrationen oder solchen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen teilgenommen hatten. Teile der Personen traten in Kapuzenpullis mit dem Aufdruck "Division Ostwestfalen" und in Armee-Kleidung auf.

"Division Ostwestfalen" und die Bundeswehr-Reservisten

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe sollen zwei der Reservisten aus dem Raum Bielefeld im Februar indes ihre Mitgliedschaft im Reservistenverband gekündigt haben. Das teilte der Verband seinerzeit auf Anfrage dem WDR mit. Bielefeld liegt rund 30 Kilometer westlich von Detmold.

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Der Tagesspiegel Online, 10.09.2021:

Bundeswehr-Reservisten sollen rechtsextreme Gruppe gebildet haben

10.09.2021 - 16.20 Uhr

Durchsuchungen auch in Berlin

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt wegen Verdachts auf Bildung einer rechtsextremen Wehrsportgruppe. Es wurden Waffen und Munition gefunden.

Nach einer Razzia in drei Bundesländern ermittelt die Staatsanwaltschaft Lüneburg gegen Bundeswehr-Reservisten, die eine rechtsextreme und bewaffnete Gruppe gebildet haben sollen. Zuvor hatte die Polizei in einem Großeinsatz mehrere Objekte mutmaßlicher Rechtsextremisten in Niedersachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen durchsucht, wie der "Spiegel" am Freitag zuerst berichtete.

Die genauen Orte nannte die Anklagebehörde nicht. "Wir setzen alles daran, dieser Szene keinen Fußbreit Raum zu lassen", betonte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Insgesamt gebe es neun Beschuldigte, darunter seien sechs Reservisten, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Bei sieben Beschuldigten habe es Durchsuchungen gegeben, darunter waren demnach vier Reservisten. Das Verteidigungsministerium erklärte, Ermittlungen seien bekannt, verwies aber auf die zivilen Strafverfolgungsbehörden. Unbestätigt blieb, dass unter zivilen Beschäftigten Mitarbeiter eines von der Bundeswehr beauftragten Wachschutzunternehmens sowie ein Feuerwehrmann sind.

Die Beamten fanden Waffen, Waffenteile und Munition, wie die Sprecherin sagte. Ein "nicht unerheblicher Anteil" der Waffen müsse zunächst begutachtet werden, bislang könne sie zu den Funden nichts sagen. Geprüft werden müsse die strafrechtliche Relevanz der gefundenen Waffen und der Munition, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dauerten an, mit schnellen Ergebnissen rechne er nicht. Festnahmen habe es nicht gegeben.

Durchsuchungen gab es nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums am Mittwoch in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. In Niedersachsen ging es den Angaben zufolge um das Gebiet der Polizeidirektionen Lüneburg und Hannover, in Nordrhein-Westfalen nach einem Bericht der "Lippischen Landes-Zeitung" um Detmold. Im Einsatz waren nach Ministeriumsangaben fast 200 Polizeibeamte und Spezialkräfte unter Leitung des Landeskriminalamts Niedersachsen.

"Wir gehen konsequent gegen rechte Gefährder und Straftäter vor"

"Wir gehen konsequent gegen rechte Gefährder und Straftäter vor", sagte Pistorius. Das gelte umso mehr, wenn der Verdacht bestehe, dass die Verdächtigen sich bewaffnet haben könnten. Das Verfahren zeige, dass Wachsamkeit nötig sei: "Darauf sind wir eingestellt und werden auch zukünftig unmittelbar mit allem reagieren, was uns insbesondere im polizeilichen Repertoire zur Verfügung steht."

Der FDP-Innenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser sagte, die Razzien zeigten, "wie akut das Problem solcher kleinen, im Verborgenen agierenden extremistischen Netzwerke in der Bundeswehr und den Sicherheitsbehörden ist". Er rief dazu auf, die behördliche Zusammenarbeit bei der Aufklärung im Falle extremistischer Gruppierungen "dringend" zu verbessern. Strasser beklagte, die Bundesregierung sei eine "überfällige Reform der föderalen Sicherheitsarchitektur" nicht angegangen. Vor allem der Bundesinnenminister sei dazu nicht bereit gewesen. (dpa)

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Spiegel Online, 10.09.2021:

Reservisten sollen rechtsextreme Wehrsportgruppe gegründet haben

10.09.2021 - 11.52 Uhr

Razzien in mehreren Bundesländern

Bei einer Razzia hat die Polizei nach "Spiegel"-Informationen Wohnungen von mutmaßlich rechtsextremen Reservisten durchsucht. Auch bei einem unter Terror-Verdacht stehenden Soldaten wurden jüngst weitere Waffen gefunden.

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt nach "Spiegel"-Informationen gegen mehrere Bundeswehr-Angehörige, die sich zu einer rechtsextremen Wehrsportgruppe zusammengeschlossen haben sollen. Am Mittwoch durchsuchte die Polizei acht Objekte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin und stellte Waffen und Munition sicher.

Bei vier der insgesamt neun Verdächtigen handelt es sich den Ermittlungen zufolge um Bundeswehr-Reservisten, drei Beschuldigte sind Zivilangestellte der Truppe. Neben den Waffen und Bundeswehr-Equipment stellten die Beamten Material sicher, das auf eine rechtsextreme Gesinnung der Gruppierung schließen lasse.

Bei der Razzia unter Leitung des niedersächsischen Landeskriminalamts waren 200 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. "Wir setzen alles daran, dieser Szene keinen Fußbreit Raum zu lassen", sagte Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD). "Das gilt umso mehr, wenn der Verdacht besteht, dass sie sich bewaffnet haben könnte."

Soldat unter Terror-Verdacht

Erst kürzlich hatten hessische Ermittler in einem anderen Fall mehrere Waffen-Bunker eines ebenfalls mutmaßlich rechtsextremen Soldaten ausgehoben. Auf zwei Gartengrundstücken im Taunus fand die Polizei nach "Spiegel"-Informationen Pistolen und Gewehre, einen Schalldämpfer und Sprengmittel.

Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat der unter Terror-Verdacht stehende Tim F. den Ermittlern die aufwendig angelegten Verstecke selbst gezeigt. Bei zwei Ortsbegehungen im Sommer begleiteten ihn Spezialeinsatzkräfte, auch ein Bodenradar kam zum Einsatz.

Tim F. war im Februar festgenommen worden und sitzt wie sein Vater und sein Bruder in Untersuchungshaft. Damals waren bei der Familie unter anderem Handfeuerwaffen, Munition und eine Handgranate sichergestellt worden. Bei Tim F., der inzwischen aus der Truppe entlassen wurde, fanden die Ermittler ein Pamphlet mit dem Titel "Wie man die Macht in Deutschland übernehmen könnte". Darin wurde unter anderem fabuliert, den Bundestag zu stürmen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und weiterer Delikte. F.s Anwalt ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet.

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Radio Lippe, 10.09.2021:

Rechte Wehrsportgruppe: Funde nach Durchsuchungen werden begutachtet

Nach der Razzia gegen eine mutmaßliche rechtsextremistische Wehrsportgruppe in Niedersachsen und NRW halten sich die Ermittler noch bedeckt. Das Landeskriminalamt hatte am Mittwoch (08.09.2021) unter anderem die Wohnung eines Detmolders durchsucht.

Zu den Ergebnissen gibt es bisher nur spärliche Infos.

Die Ermittler hatten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg sieben Objekte in Niedersachsen und NRW nach Waffen, Waffenteilen und Datenträgern durchsucht. Eine Sprecherin bestätigte uns zwar, dass Waffen und Munition gefunden wurden. Ob das auch bei dem Fall in Detmold so war, ließ die Staatsanwältin aber offen. Erst müssten sich Gutachter die sichergestellten Sachen ansehen und bewerten, das könne dauern.

Das Verfahren richtet sich gegen insgesamt sieben Männer zwischen 37 und 53 Jahren. Bei vier davon handelt es sich nach Angaben der Ermittler um Reservisten der Bundeswehr. Der Beschuldigte aus Detmold gehört nicht dazu.

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Lippische Landes-Zeitung, 09.09.2021:

Verdacht auf rechte Wehrsportgruppe

LKA durchsucht Detmolder Wohnung

Detmold (sk). Wegen des Verdachts auf Bildung einer rechtsextremistischen Wehrsportgruppe hat das LKA Niedersachsen nach LZ-Informationen auch in Detmold gestern am frühen Morgen eine Wohnung durchsucht. Die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt gegen sieben Beschuldigte in Niedersachsen und NRW. Vier davon sollen Reservisten bei der Bundeswehr sein - der Detmolder aber nicht dazugehören. Die Personen seien im Alter zwischen 37 und 53 Jahren.

"Die Beschuldigten in NRW und Niedersachsen sollen sich einer bewaffneten Gruppe angeschlossen haben", erklärt Jan Christoph Hillmer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Bei den Durchsuchungen sei es darum gegangen, Waffen, Waffenteile, Munition und Datenträger sicherzustellen. Dass die LKA-Ermittler auch in Detmold aktiv gewesen seien, wolle er nicht bestätigen - nur, dass der Einsatz in NRW gewesen sei. "Es geht um laufende Ermittlungen. Daher können wir zum gegebenen Zeitpunkt noch keine weiteren Informationen bekanntgeben", sagte Hillmer.

Festnahmen habe es keine gegeben. Auch zu den Ergebnissen der Durchsuchungen könne die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg aktuell noch nichts sagen - ebenfalls mit Hinweis auf das laufende Verfahren.

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Am 8. September 2021 wurde in einem Verfahren der Staatsanwaltschaft Lüneburg - gegen neun Männer, wegen Verdacht auf Bildung einer Neonazi-Wehrsportgruppe - auch eine Wohnung in Detmold durchsucht.

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