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3 Artikel ,
24.01.2022 :
Pressespiegel überregional
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Übersicht:
MiGAZIN, 24.01.2022:
Zahlen eingebrochen / Pandemie-bedingt deutlich weniger Besucher in KZ-Gedenkstätten
Blick nach Rechts, 24.01.2022:
Ermittlungen gegen Heise wegen Hakenkreuzen
MiGAZIN, 24.01.2022:
"Hinsehen, Erkennen, Handeln" / Berlin startet Kampagne gegen antimuslimischen Rassismus
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MiGAZIN, 24.01.2022:
Zahlen eingebrochen / Pandemie-bedingt deutlich weniger Besucher in KZ-Gedenkstätten
24.01.2022 - 05.18 Uhr
Der Vorjahrestrend setzt sich fort: Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie sorgten dafür, dass Erinnerungsorte für die Opfer der NS-Verbrechen bundesweit auch 2021 deutlich weniger Besucher zählten als noch 2019.
Die KZ-Gedenkstätten in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Besucherinnen und Besucher verzeichnet als noch vor der Corona-Pandemie. Grund für den anhaltenden Rückgang der Besucherzahlen sind vor allem die mehrmonatigen Schließungen, wie eine Umfrage des "Evangelischen Pressedienstes" ergab. Schon im Jahr zuvor waren die Zahlen stark gesunken. Neben Pandemie-bedingten Schließungen waren auch Einbrüche im Tourismus Grund dafür.
Während 2019, dem letzten Jahr ohne Einschränkungen durch die Pandemie, noch rund 700.000 Menschen die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen im brandenburgischen Oranienburg besuchten, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 100.000. Auch in den landesweit fünf Einrichtungen mit NS-Bezug in Sachsen sanken die Besucherzahlen um mindestens die Hälfte im Vergleich zu 2019, zum Teil sogar um zwei Drittel. Bundesweit zeigten sich im vergangenen Jahr in vielen KZ-Gedenkstätten sowie an anderen Orten, an denen an den NS-Terror erinnert wird, ähnliche durch die Corona-Pandemie bedingte Folgen.
Corona-bedingte Schließungen
Wie viele andere Erinnerungsorte bundesweit musste auch das ehemalige Konzentrationslager Dachau bei München fast ein halbes Jahr lang schließen. Obwohl in den Sommermonaten 2021 fast wieder so viele Menschen ins ehemalige Konzentrationslager kamen wie vor der Corona-Pandemie, sei die Gesamtbesucherzahl weiterhin rückläufig, erklärte der Träger der Gedenkstätte. Genauso wie im Vorjahr sei der Besucherstrom auch 2021 "unbeständig und immer noch beeinträchtigt durch die Pandemie" gewesen, hieß es. Vor der Pandemie kamen etwa 900.000 Menschen nach Dachau.
In der niedersächsischen KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen halbierten sich die Gesamtbesucherzahl im Vergleich zum Vorjahr auf gut 100.000. Die Zahlen seien auch deshalb gesunken, weil keine neuen Sonderausstellungen eröffnet wurden, erklärte der Träger. Während das Außengelände der Gedenkstätte das Jahr über frei zugänglich gewesen war, sei das Dokumentationszentrum erst ab Mai geöffnet gewesen.
Mehr digitale Angebote
Auch die Gedenkstätte Wöbbelin in Mecklenburg-Vorpommern war 2021 monatelang geschlossen. Als Reaktion auf die Schließungen habe die Einrichtung digitale Alternativen geschaffen, wie beispielsweise eine digitale Gedenkwoche anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers. Auch andere Gedenkstätten erweiterten ihre Angebote.
Entgegen dem Abwärtstrend konnte Deutschlands nördlichste KZ-Gedenkstätte Ladelund 2021 etwas mehr Besucher empfangen als im Jahr zuvor. Dass 2021 mehr Besuche verzeichnet wurden, liege jedoch wahrscheinlich daran, dass die Gedenkstätte im vergangenen Jahr mit insgesamt acht Wochen deutlich kürzer geschlossen werden musste als im Jahr zuvor, so die Träger. Vergleichsweise lagen die Besucherzahlen jedoch auch dort deutlich unter denen von 2019.
Dutzende Gedenk- und Erinnerungsstätten
In Deutschland gibt es Dutzende KZ-Gedenkstätten, hinzu kommen viele weitere Erinnerungsstätten für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Rund sechs Millionen europäische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regime-Gegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie Menschen mit Behinderung.
Rund um den Holocaust-Gedenktag Ende Januar finden alljährlich zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz in Polen befreit. Seit 1996 wird zu diesem Datum in Deutschland der Holocaust-Gedenktag begangen. (epd/mig)
Bildunterschrift: Auschwitz (Archiv).
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Blick nach Rechts, 24.01.2022:
Ermittlungen gegen Heise wegen Hakenkreuzen
Von Kai Budler
Im Zusammenhang mit dem "Fretterode-Prozess" vor dem Landgericht Mühlhausen ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen Neonazi Thorsten Heise. Von seinem Grundstück war der Angriff ausgegangen, bei dem die Angeklagten des Prozesses zwei Journalisten schwer verletzt haben sollen.
Knapp zwei Monate nach einem Vor-Ort-Termin im Fretterode-Prozess gegen zwei Neonazis ermittelt die Staatsanwaltschaft Mühlhausen nun auch gegen den NPD-Funktionär Thorsten Heise. Die Strafverfolgungsbehörde prüft derzeit, ob an einem Haus auf Heises Grundstück in Fretterode Hakenkreuze zu sehen sind.
Nach dem Vor-Ort-Termin Anfang Dezember hatten mehrere Beobachterinnen, Beobachter berichtet, an einem seit 2020 neu errichteten Gebäude auf dem Grundstück seien am Türsturz vier öffentlich sichtbare Hakenkreuze eingelassen. Entsprechende Fotos hatten die Initiative "Tatort Fretterode" und die Thüringer Landtagsabgeordnete der Linken, Katharina König-Preuss, veröffentlicht.
Strafanzeige gegen Heise
"Es ist unfassbar, dass Hakenkreuze im öffentlichen Raum scheinbar schon über einen längeren Zeitraum geduldet werden", so König-Preuss. Sie forderte das Thüringer Innenministerium und weitere zuständige Behörden zum sofortigen Handeln auf. Das Zeigen von Hakenkreuzen im öffentlichen Raum sei eine Straftat nach § 86a des Strafgesetzbuches, die von Polizei und Staatsanwaltschaft entsprechend verfolgt werden müsse. Dass sich "einer der bekanntesten militanten Neonazis Deutschlands, der regelmäßig von der Polizei Besuch erhält, so sicher fühlen kann, dass er öffentlich Hakenkreuze in seinem Garten präsentiert, ist mehr als besorgniserregend und lässt tief blicken, wie es um die Strafverfolgungsbehörden in Thüringen bestellt ist", kritisierte König-Preuss.
Sie stellte Anzeige gegen Heise wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mühlhausen müsse geklärt werden, ob die Symbole tatsächlich für Dritte als Hakenkreuze erkennbar und ob sie wirklich öffentlich einsehbar seien. Die Neonazis Gianluca B. und Nordulf H. müssen sich seit September 2021 vor dem Landgericht Mühlhausen verantworten, weil sie im April 2018 zwei Journalisten während ihrer Recherche in Fretterode überfallen und schwer verletzt haben sollen. Das Verfahren ist bislang bis Ende März terminiert.
Bildunterschrift: Kommt nun nicht nur auf Heises Sohn, sondern auf ihn selbst Ärger zu?
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MiGAZIN, 24.01.2022:
"Hinsehen, Erkennen, Handeln" / Berlin startet Kampagne gegen antimuslimischen Rassismus
24.01.2022 - 05.20 Uhr
Auf Plakaten, Flyern und Postkarten ruft Berlin zum Handeln gegen antimuslimischen Rassismus auf. Seit Jahren steigen die Fälle. Innensenatorin Spranger warnt: Islam-Feindlichkeit immer mehr auch in der Mitte der Gesellschaft.
Unter dem Slogan "Hinsehen - Erkennen - Handeln" ist am Freitag in Berlin eine Kampagne gegen antimuslimischen Rassismus gestartet worden. Sie ist die Fortsetzung einer Kampagne der Landeskommission Berlin gegen Gewalt, die sich in einem ersten Teil mit Antisemitismus befasst hatte.
Auf Plakaten, Flyern und Postkarten werden vier alltägliche Szenen von antimuslimischem Rassismus gezeigt und es wird zum Handeln aufgerufen. "Jede Berlinerin und jeder Berliner kann auf antimuslimische Vorfälle achten, Betroffene unterstützen und Fälle den Register- und Meldestellen mitteilen oder zur Anzeige bringen", sagte Innenstaatssekretärin Nicola Böcker-Giannini (SPD).
Zahl antimuslimischer Fälle steigt
Antimuslimischer Rassismus sei in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden, betonte die Staatssekretärin, die die kurzfristig verhinderte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) vertrat. Die Zahl der Vorfälle steige seit Jahren. In Berlin wurden 2020 trotz Lockdowns 208 Fälle von antimuslimischen Rassismus registriert. In den Vorjahren waren es 169 (2019) beziehungsweise 157 (2018). "Und das ist nur die Spitze des Eisbergs", betonte Böcker-Giannini.
Innensenatorin Spranger erklärte schriftlich: "Gewalttaten wie in Hanau, wo Einzeltäter Unheil anrichten, machen uns fassungslos. Es mehren sich allerdings auch Äußerungen aus der Mitte der Gesellschaft, die den Islam für bedrohlich halten bzw. Musliminnen und Muslime als "störend" empfinden. Und darum müssen wir uns kümmern."
Antimuslimischer Rassismus Alltag in Deutschland
Antimuslimischer Rassismus existiert laut Spranger in allen gesellschaftlichen Bereichen, von Alltagsrassismus und Diskriminierung bis hin zu körperlichen Angriffen. "Menschen auf Grund ihres Glaubens oder ihrer Herkunft zu diskriminieren, verträgt sich nicht mit einem toleranten und offenen Berlin", so die Senatorin.
Die vier Motive zeigen Alltagssituationen in der U-Bahn, am Späti, im Hörsaal und vor der Moschee und werden in den nächsten zwei Wochen im ganzen Stadtgebiet plakatiert. "Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen Alltag in Deutschland", sagte Rima Hanano, Projektleiterin der Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit (CLAIM): "Daher brauchen wir dringend mehr Aufklärung und eine intensive Debatte in allen Bereichen der Gesellschaft." (epd/mig)
Bildunterschrift: Polizei vor Moschee.
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