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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt , 20.01.2022 :

"Ravensberger Blätter" jetzt bunt

In der letzten Schwarz-Weiß-Ausgabe der Publikation des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg geht es um den ersten großen Luftangriff auf Bielefeld 1941

Heimo Stefula

Mitte. "Die Geschichte der Luftangriffe auf Bielefeld im Zweiten Weltkrieg ist noch lange nicht zu Ende erzählt", so umschreibt der Leiter des Stadtarchivs, Jochen Rath, den Inhalt des zweiten Hefts 2021 der "Ravensberger Blätter". Die Publikation des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg erscheint seit 120 Jahren, optisch immer wieder verändert, "etwa alle dreißig Jahre", so Rath.

Jetzt ist es wieder soweit, ein Relaunch steht an und die Redaktion hat mit Peter Riedel, Lehrkraft an der Uni Bielefeld, ein neues Mitglied. Die nächste Ausgabe wird farbig gedruckt, größer (in DIN A4), und die Beiträge werden kürzer, dafür sind es künftig mehr pro Heft, das ab 2022 nur noch einmal im Jahr - immer im Spätsommer - erscheinen wird. Nicht nur deshalb ist diese letzte Ausgabe im gewohnten Format eine besondere.

"Bomben auf Bielefeld - Aspekte des Luftkriegs" lautet die Titelgeschichte dieses Heftes, verfasst vom obersten Stadtarchivar und untertitelt mit "Versuche einer Aufklärung". Die ersten Luftangriffe seien eher dem Zufall geschuldet, fand Rath heraus, einem Versehen der britischen Kampfflieger, die es eigentlich auf Osnabrück oder Hamm abgesehen hatten.

Mehr als 2.000 Bomben in einer Nacht abgeworfen

So aber wurden 2.000 Brandbomben und 237 Sprengbomben in der Nacht des 13. Juni 1941 auf Bielefeld abgeworfen, weitere 56 auf den nordwestlichen Stadtrand. Ein Versehen, das 27 Bielefelder mit dem Leben bezahlen mussten. "Die Piloten der Royal Air Force errechneten sich die Abwurfziele an Hand der Parameter Abflugzeit, Entfernung und Geschwindigkeit der Bomber", so Rath - und von Osnabrück nach Bielefeld sind es nur ein paar Flugminuten. Nicht einmal in den nachträglichen Einsatzprotokollen der RAF taucht Bielefeld als getroffenes Ziel auf.

Über "Spuren des Krieges im Bielefelder Westen" berichtet Heinz-Dieter Zutz in einem Aufsatz in den aktuellen "Ravensberger Blättern". Eine Spur führt zur Bosseschule. Auf dem Schulhof wurden Ende 1939 Luftschutzgräben ausgehoben, diese aber sind ein halbes Jahr später wieder zugeschüttet worden, weil sie unter Wasser standen. Die Bosseschule wurde beim verheerenden "Grand Slam"-Bombardement auf Bielefeld am 30. September 1944 fast vollständig zerstört.

Eine weitere Spur findet Heinz-Dieter Zutz an der Jöllenbecker Straße 7. Dort, wo sich heute im Erdgeschoss ein Gebraucht-Handy-Laden etabliert hat, war oben auf dem Rondell im Dachgeschoss eine Vierlingsflak stationiert, die, auf Grund ihrer geringeren Reichweite feindliche Tiefflieger ins Visier nahm, die sich an den nahe gelegen Bahngleisen orientierten. Diese Flakstellung wurde in Kriegszeiten als Ausflugsziel für Schulklassen eingesetzt. "Die Schüler", so Zutz, „"waren fasziniert von der Technik, wie die Waffen auseinander- und wieder zusammengebaut wurden".

In der dritten großen Abhandlung der letzten kleinformatigen und "farblosen" Ausgabe der "Ravensberger Blätter" beschäftigen sich Katja und Wolfgang Kosubek sowie Martin Wiegand mit der Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Stern aus Halle, die es, nachdem dort Anfang des 20. Jahrhunderts die Synagoge geschlossen wurde, nach Bielefeld zog. Robert Stern emigrierte bei Kriegsbeginn 1939 in die USA, sein jüngstes Enkelkind Eva lebt noch immer.

Die Ravensberger Blätter des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg sind für 5 Euro im Stadtarchiv am Neumarkt zu erwerben.

Bildunterschrift: Heinz-Dieter Zutz (v. l.), Peter Riedel, Wolfgang Kosubek, Martin Wiegand und Jochen Rath halten die letzte kleinformatige Ausgabe der Ravensberger Blätter in den Händen. Die nächste Ausgabe kommt in neuem Design.

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Im Dezember 2021 erschien das "Zweite Heft 2021" der "Ravensberger Blätter" - des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg e.V. mit dem Schwerpunkt "Bomben auf Bielefeld - Aspekte des Luftkriegs".

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