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Westfalen-Blatt / Westfälisches Volksblatt ,
17.01.2022 :
Hat Jaeger es wirklich gut gemacht?
Wolfgang Stüken legt Neuedition seines Buches über das Wirken des Erzbischofs in der NS-Zeit vor
Paderborn (WV). Die am 6. Dezember des vergangenen Jahres von der Universität Paderborn veröffentlichte Zwischenbilanz zu den Missbrauchstaten, die während der Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941 - 2002) durch Priester des Erzbistums Paderborn verübt worden sind, offenbart schwerwiegendes Fehlverhalten der beiden früheren Oberhirten. Für Jaeger (Jahrgang 1892, Erzbischof von 1941 bis 1973) wurde damit ein weiteres Forschungskapitel aufgeschlagen.
Das erste Kapitel, sein Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, sorgt bis heute für Diskussionen und dürfte weiter ein Thema sein. Der Paderborner Journalist Wolfgang Stüken hat eine Neuedition des Buches "Hirten unter Hitler" vorgelegt. Er hatte das Buch über die Rolle Jaegers und seines Vorgängers Caspar Klein in der NS-Zeit 1999, im Jubiläumsjahr "1.200 Jahre Bistum Paderborn“, erstmals veröffentlicht. Es war seit Jahren vergriffen.
"Er hat es gut gemacht." So lautete das Fazit zu Jaegers Wirken in der NS-Zeit, das der Historiker Joachim Kuropka, emeritierter Professor für Neueste Geschichte der Universität Vechta, für die Studie "Lorenz Jaeger. Ein Erzbischof in der Zeit des Nationalsozialismus" zog, die 2020 von der Theologischen Fakultät Paderborn publiziert wurde (Herausgeber: Josef Meyer zu Schlochtern und Johannes W. Vutz). Der im Februar 2021 mit 79 Jahren verstorbene Kuropka, wie einst Jaeger Mitglied des Päpstlichen Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem, sparte in seinem letzten Kreuzzug gegen Kritiker Jaegers nicht an Schmähungen, wie sie in wissenschaftlichen Studien eher selten zu finden sind. Er befand, Stükens 1999 bei Klartext in Essen erschienenes Buch sei durch Aufpicken von Zitaten nach der "Hühnerhof-Methode" entstanden. Dagegen attestierte der frühere Leiter des Paderborner Erzbistums-Archiv, Dr. Arnold Otto, Stüken in jener Fakultätsstudie, er habe die 1999 bekannten Archivbefunde "noch um zahlreiche weitere Bestände" ergänzt.
Kuropkas scharfe Angriffe zielten nach Stükens Auffassung auch gegen den Düsseldorfer Publizisten und Diplomtheologen Peter Bürger (Jahrgang 1961). Das aus dem Sauerland stammende langjährige Mitglied der katholischen Friedensorganisation "Pax Christi" hatte im Jahre 2015 den Antrag der Ratsfraktion der Demokratischen Initiative Paderborn (DIP, heute Linksfraktion), Jaeger die 1956 verliehene Paderborner Ehrenbürgerwürde abzuerkennen, mit einem Dossier begleitet. Der DIP-Antrag scheiterte.
Peter Bürger hat die Neuedition der "Hirten unter Hitler" als Band 12 der von ihm herausgegebenen Reihe "Kirche und Weltkrieg" herausgebracht. Auf Grund eines größeren Schriftgrades ist das 424-seitige Buch besser lesbar, zudem haben viele der Fotos ein größeres Format. Der Text des im Handel erhältlichen Buches ist zudem in der Digital-Bibliothek www.kircheundweltkrieg.wordpress.com kostenlos abrufbar. Bürger und Stüken haben einen Folgeband zu "Hirten unter Hitler" angekündigt, der Dokumente und Debatten-Beiträge zur Paderborner Bistumsleitung in der NS-Zeit enthält und voraussichtlich im Laufe dieses Jahres erscheinen soll. Das Buch "Hirten unter Hitler", Norderstedt BoD 2021, hat die ISBN-Nummer 978-3-7557-6020-7 und kostet als Paperback-Ausgabe 13,90 Euro.
Bildunterschrift: Wolfgang Stüken präsentiert die Neuauflage seines Buches über die Rolle von Paderborns Kirchenführung in der Zeit des Nationalsozialismus.
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Neue Westfälische - Paderborner Kreiszeitung, 10.08.2020:
Dieser Kardinal lässt sich nicht einordnen
Die Theologische Fakultät stellt einen Sammelband zur Rolle von Lorenz Jaeger im Nationalsozialismus vor / Zur Frage der Ehrenbürgerwürde des Erzbischofs äußern sich zwei Autoren auf unterschiedliche Weise
Jochem Schulze
Paderborn. Am 13. September wird in Paderborn ein neuer Rat gewählt. Am 8. Oktober tagt das Gremium erstmals in neuer Zusammensetzung. Und vielleicht noch in diesem Jahr könnte sich der Rat erneut mit einem Thema beschäftigen, das bereits im Jahr 2015 für Diskussionen sorgte. Damals hatte die Demokratische Initiative Paderborn (DIP) beantragt, dem früheren Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Der Würdenträger habe zur "Rechtfertigung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen" beigetragen. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Erzbischof Hans-Josef Becker beauftragte die Theologische Fakultät mit einer wissenschaftlichen Untersuchung. Am Samstag wurden die Ergebnisse vorgestellt.
"Lorenz Jaeger - Ein Erzbischof in der Zeit des Nationalsozialismus", heißt das Buch, in dem die Herausgeber Josef Meyer zu Schlochtern und Johannes W. Vutz auf insgesamt 465 Seiten acht Beiträge gesammelt haben. Unter den Autoren sind mit Dietmar Klenke und Joachim Kuropka zwei emeritierte Geschichtsprofessoren, die ihre Untersuchungsergebnisse in der Fakultät auch persönlich vorstellten. Klenke, ehemaliger Professor für Neueste Geschichte an der Universität Paderborn, hat sich mit "Kardinal Jaeger in der kirchenkritischen Öffentlichkeit: Moralische Entlastung oder Stigmatisierung als Nazi-Bischof?" beschäftigt. "Lorenz Jaeger war sicher nicht rassenbiologisch oder sozialdarwinistisch infiziert. Aber er war ein Anti-Versailles-Nationalist", sagte Klenke. Zudem sei dem Kardinal die rhetorische Balance zwischen Kriegsunterstützung und Kritik am NS-Regime weniger gut als anderen Bischöfen gelungen. "Ob das als Grund ausreicht, ihm die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, halte ich für zweifelhaft", erklärte der Historiker.
"Der Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft ist abseitig", zog Kuropka die Schlussfolgerung aus seinem Beitrag "Zur Kritik an Erzbischof Lorenz Jaegers Haltung zum Nationalsozialismus im Kontext der Kontroverse um seine Ehrenbürgerschaft". Der frühere Professor für Neueste Geschichte und Leiter der Arbeitsstelle für Katholizismus an der Universität Vechta hat sich in seinem Beitrag vornehmlich am bereits 1999 erschienenen Buch "Hirten unter Hitler" des damaligen NW-Lokalredakteurs Wolfgang Stüken und an den Veröffentlichungen des sauerländischen Theologen und Publizisten Peter Bürger abgearbeitet. "Er hat es gut gemacht", fasste Kuropka Jaegers Jahre auf dem Bischofsstuhl zusammen.
"Dieses Buch verzichtet auf eine pauschale Einordnung Lorenz Jaegers", betonte Meyer zu Schlochtern. Der Herausgeber freute sich darüber, dass auf bislang nicht zugängliche Akten, darunter der Nachlass des Kardinals, zurückgegriffen werden konnte. "Leider gibt es einen weißen Fleck", erklärte Co-Herausgeber Vutz und sprach die Dokumente zur Bischofsernennung Jaegers im Jahr 1941 an. Diese unterliegen weiterhin der päpstlichen Geheimhaltung.
Mit Dina van Faassen und Detlef Grothmann ("Lorenz Kardinal Jaeger - Eine biographische Skizze"), Burkhard Neumann ("Jaeger und die Ökumene im Dritten Reich"), Hans-Walter Stork ("Bücher aus der Bibliothek Lorenz Kardinal Jaegers im Bestand der EAB Paderborn"), Rainer Pöppinghege ("Lorenz Jaeger - der Freiheitskämpfer auf dem Bischofsstuhl") und Arnold Otto ("Lorenz Jaeger im Spiegel archivischer Quellen") haben noch weitere Autorinnen und Autoren aus Paderborn Beiträge für das im Münsteraner Verlag Aschendorff erschienene Werk geliefert.
Die Linksfraktion setzt sofort einen Konter
Beinahe zeitgleich mit der Buchvorstellung in der Theologischen Fakultät veröffentlichte auch die Linksfraktion / Offene Liste Paderborn als Nachfolger der DIP-Ratsfraktion auf ihrer Internetseite linksfraktion-paderborn.de einen neuen Debattenbeitrag von Peter Bürger. Die 65 Seiten über "Lorenz Jaeger - Kriegsbischof der deutschen Blutsgemeinschaft" sind ein Sonderdruck aus dem jüngst erschienenen Sammelband "Texte zur Militärseelsorge im Hitler-Krieg" und können bei der Linksfraktion auch in Broschürenform angefordert werden.
Auf Nachfrage äußerte sich auch Reinhard Borgmeier.
"Ich halte das Ergebnis der Untersuchung der Theologischen Fakultät für enttäuschend. Lorenz Jaeger war ein deutsch-nationaler Militarist. Wir werden diese Diskussion weiterführen", sagte der Vorsitzende der Linksfraktion. (js)
Bildunterschrift: Die Herausgeber Josef Meyer zu Schlochtern (l.) und Johannes W. Vutz (r.) mit den Autoren Dietmar Klenke (2. v. l.) und Joachim Kuropka (3. v. l.) im Garten der Theologischen Fakultät.
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Domradio, 08.08.2020:
Studie: Kardinal Jaeger war weder Nazi noch Widerstandskämpfer
Offizier, Wehrmachtspfarrer, Kardinal
Nachdem eine Initiative forderte, Kardinal Jaeger aus der Liste der Paderborner Ehrenbürger zu streichen, wurde eine Forschungskommission eingesetzt. Teilte der Paderborner Erzbischof die Rassenideologie der Nazis? Nein - aber ...
Der frühere Paderborner Kardinal Lorenz Jaeger (1892 - 1975) war ein Offizier des Ersten Weltkriegs mit hohen Auszeichnungen und Wehrmachtspfarrer - aber nach einer neuen Studie kein Anhänger der Nazis. Der von 1941 bis 1973 in Paderborn amtierende Erzbischof war aber auch kein Widerstandskämpfer, wie die am Samstag in Paderborn vorgestellte Untersuchung betont.
Der heutige Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hatte 2015 das Forschungsprojekt beauftragt. Anlass war ein Antrag der "Demokratischen Initiative Paderborn" im Stadtrat, Jaeger aus der Liste der Ehrenbürger zu streichen, da er angeblich zur Rechtfertigung der nationalsozialistischen Kriegsverbrechen beigetragen habe. Zwar lehnte der Stadtrat den Antrag mit großer Mehrheit ab, aber die Diskussion ging weiter. Der Vorwurf der Nazi-Nähe wurde schon in den 1960 / 70er Jahren erhoben, zumal Jaeger manchmal eine soldatische Sprache pflegte und Fotos ihn in Uniform zeigen.
Forscher: "Zeitumstände berücksichtigen"
Die Forschungsgruppe aus Theologen und Historikern mahnte eine "differenzierte Betrachtung" des Kardinals an. Aus ein paar Zitaten aus Predigten oder Hirtenbriefen lasse sich nicht Jaegers Haltung zum NS-Staat ableiten, sagte der Studienleiter und Paderborner Fundamentaltheologe Josef Meyer zu Schlochtern. Die Historiker Joachim Kuropka aus Vechta und Dietmar Klenke aus Paderborn forderten, die Zeitumstände zu berücksichtigen, unter denen Jaeger lebte.
Laut Kuropka war manches, was vermeintlich für eine Nazi-Nähe spreche, damals völlig normal. So könne man dem Kardinal nicht vorhalten, als Religionslehrer dem Verein "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" (NSV) angehört zu haben. "Das war für viele Beamte selbstverständlich."
"Gewisse ideologische Schnittmengen" mit den Nazis
Klenke verwies auf die Prägung Jaegers nach dem Ersten Weltkrieg. In der Ablehnung des Versailler Vertrags und nach der russischen Revolution habe es "gewisse ideologische Schnittmengen" mit den Nazis gegeben. "Heutzutage wissen wir, dass man nationale Abwehrrhetorik nicht zu schnell als nationalsozialistisch bewerten darf." Er habe keinen Beleg dafür gefunden, dass Jaeger das rassenbiologische Denken der Nazis geteilt habe.
Die Forschungsgruppe griff den Angaben zufolge auf bislang nicht erschlossene Akten zu, darunter den Nachlass Jaegers. Nicht mehr berücksichtigt wurden römische Akten aus der Zeit Pius XII. Diese können erst seit März dieses Jahres eingesehen werden, was die Corona-Krise dann wieder verhinderte. Die Dokumente zur Bischofsernennung sind verschlossen, da sie grundsätzlich dem päpstlichen Geheimnis unterliegen. (KNA)
Bildunterschrift: Kardinal Lorenz Jaeger (stehend) im Jahr 1967.
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Neue Westfälische - Paderborner Kreiszeitung, 09./10.05.2015:
Erzbischof im braunen Zwielicht
Theologe und Publizist Peter Bürger wertet Jaegers Verhalten als Kollaboration
Von Hans-Hermann Igges
Paderborn. Er soll Soldaten in Gottes Namen für Führer, Volk und Vaterland in den Tod gepredigt, vom NS-Regime verfolgte Priester nach dem Krieg zum Stillschweigen ermahnt und dem Regime nahe stehende gedeckt haben. Er soll ein römisch-katholischer Brückenbauer zum Nationalsozialismus gewesen sein, gar ein Kollaborateur, Paderborns ehemaliger Erzbischof Lorenz Kardinal Jager. Noch heute steht der Mann, der 1941 bis 1973 Oberhirte des Erzbistums war, bei vielen in hohem Andenken. Doch zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945 ist auch die Kritik an ihm wieder laut geworden.
Die Demokratische Initiative Paderborn (DIP), mit drei Vertretern eine der kleinsten Fraktionen im Rat, hat die Streichung seines Namens aus der Ehrenbürgerliste beantragt - so wie das 1983 bisher allein mit Adolf Hitler geschah. 1956 war Lorenz Jaeger nach einstimmigem Ratsbeschluss zum Ehrenbürger ernannt worden. Rückendeckung dafür bekommt die DIP von dem aus dem Sauerland stammenden Theologen und Publizisten Peter Bürger. Unter dem Titel "Lorenz Jaeger und die "Stufen der Kollaboration"" hat er eine 24-seitige Stellungnahme mit Dokumentation zum Antrag der DIP verfasst, die gestern vorgestellt wurde. Sein Fazit: "Wir Heutigen haben kein Recht, aus bequemer Position heraus einen Bischof der nationalsozialistischen Zeit oder sonst jemanden zu verurteilen, weil er keinen Widerstand geleistet hat. Es geht um Stufen einer ohne äußeren Zwang getätigten Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime und speziell dessen Kriegsapparat." Dies könne nicht ohne Folgen bleiben für das öffentliche Geschichtsgedächtnis, welches auch den Verantwortungsbereich eines Kommunalparlamentes berühre.
"Meine Tante wird sich nicht darüber freuen"
Aber auch für die Kirche fordert Bürger Konsequenzen: "Die Initiative sehe ich nicht als Angriff, sondern als Geschenk an die Kirche. Sie sollte nicht mit den üblichen Reflexen aufgegriffen werden." Damit meint Bürger den Umgang mit Jaeger in der veröffentlichten Kirchengeschichte. Scharf griff er gestern das Standardwerk des Kirchenhistorikers Herbert Gruß von 1995 über Jaeger an, das ein völlig falsches Bild des Oberhirten zeichne. Aber auch der letzte Band der offiziellen Bistumsgeschichte von Hans-Jürgen Brand und Karl Hengst über die Zeit von 1930 bis 2010 ignoriere die Ergebnisse der Forschungen u. a. von NW-Lokaljournalist Wolfgang Stüken, der 1999 Jaegers Nähe zur NS-Ideologie in seinem Buch "Hirten unter Hitler" sauber nachgewiesen habe.
Der 1961 geborene Sauerländer machte gestern klar, dass ihm der kritische Umgang mit dem "Bischof meiner Jugend" nicht leicht gefallen sei. Auch werde sich seine in Paderborn lebende 90-jährige Tante sicher nicht darüber freuen. Aber es müsse im Sinne von Papst Franziskus nun Schluss sein mit der Kultur des Selbstlobs und einer "Geschichte voller Unwahrheiten, die der Kirche nicht gut tut". Positive Ansätze sieht Bürger denn auch in jüngsten Äußerungen des aktuellen Militärbischofs Franz-Josef Overbeck und Worten des Bischofs der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, Hans-Josef Algermissen, früher Paderborn, heute Fulda.
Bürger nannte eine Reihe von Jaeger-Zitaten, die ihm "die Tränen in die Augen" getrieben hätten: So seine devote Haltung dem Gauleiter gegenüber, ausgerechnet in Münster, der Stadt des NS-kritischen Bischofs von Galen. Oder sein Bremsmanöver im Episkopat, als viele Bischöfe 1943, dem Jahr massenhafter Deportationen, ein Signal für Menschlichkeit setzen wollten. Oder seine Förderung der NS-Rassenlehre auch an der Theologischen Fakultät. Auch nach dem Krieg habe Jaeger nie Selbstkritik gezeigt. Seine Kollaboration sei nicht mit der späteren öffentlichen Würdigung vereinbar.
Bürgers Stellungnahme und eine Dokumentation ist im vollen Umfang nachzulesen unter: www.di-paderborn.de
Bildunterschrift: Soldatische Erscheinung: "Der wahre Christ trägt das Kreuz Christi, die Siegel seiner Auserwählung, mit demselben Stolz wie der Soldat sein eisernes Kreuz", sagte der neue Erzbischof Lorenz Jaeger in seiner Weiheansprache am 19. Oktober 1941. Dieses Foto, das ihn mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse des Ersten Weltkrieges, dem Ritterkreuz mit Schwertern des Hausordens der Hohenzollern und seinem Bischofskreuz zeigt, entstand am 19. August 1942 in einem Dortmunder Fotostudio.
Bildunterschrift: Belesen: Peter Bürger (M.) im Kreis der DIP-Kommunalpolitiker Reinhard Borgmeier (v. l.), Peter Leppin, Cornelia Austermeier (Fraktionsgeschäftsführerin) und Roswitha-Köllner.
Kommentar / Umstrittener Eintrag in Ehrenbürgerliste / Auseinandersetzung tut Not
Von Hans-Hermann Igges
Durfte der Erzbischof den Krieg Hitler-Deutschlands in der Art rechtfertigen?
Zweifellos hatte Lorenz Jaeger nach 1945 allen Grund, seine das NS-Regime aktiv stützende Rolle in den Hintergrund treten zu lassen. Damit war er in Gesellschaft vieler. Gegenseitig ließ man sich seine Verstrickungen durchgehen, hatte Verständnis und half sich bei Rechtfertigungen.
Sein Name auf der Liste der Paderborner Ehrenbürger mag für manche zu Recht auch posthum unerträglich sein. Viel wichtiger als ihn von diesem Sockel zu stürzen, ist aber die Auseinandersetzung mit der Rolle dieses konkreten Kirchenführers in der NS-Zeit. Da wünscht man sich auch 70 Jahre nach Kriegsende immer noch viel mehr - von weltlicher und kirchlicher Seite.
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Am 15. Dezember 2021 erschien die Neuedition "Hirten unter Hitler: Die Rolle der Paderborner Erzbischöfe Caspar Klein und Lorenz Jaeger in der NS-Zeit", Wolfgang Stüken, "Kirche & Weltkrieg - Digitalbibliothek".
Nach einer am 8. August 2020 veröffentlichten Studie, habe es bei dem ehemaligen Paderborner Kardinal Lorenz Jaeger (1892 - 1975), "gewisse ideologische Schnittmengen" mit den Nationalsozialisten gegeben.
Am 8. August 2020 wurde das Buch "Lorenz Jäger - Ein Erzbischof in der Zeit des Nationalsozialismus" von Johannes Vutz und Josef Meyer zu Schlochtern (Hg.), in der Theologischen Fakultät Paderborn vorgestellt.
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www.kircheundweltkrieg.wordpress.com
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