www.hiergeblieben.de

Neue Westfälische , 08.01.2022 :

Mordfall Lübcke: Richter stehen vor Dilemma

Stephan Ernst sagt, Elmar J. habe ihm die Waffe verkauft / Doch wie glaubwürdig ist der Täter?

Jutta Steinmetz

Paderborn / Borgentreich-Natzungen. Gibt es Beweise, dass Elmar J. eine gewisse Mitschuld hat an der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke? Hat der Natzunger tatsächlich Stephan Ernst einen Revolver Kaliber 38 verkauft, mit dem dieser dem Politiker den tödlichen Kopfschuss versetzte? Darf man einem Mann glauben, der in seinem eigenen Prozess immer wieder seine Aussage änderte und auch andere zu Unrecht belastete? Es sind komplexe Fragen, die sich die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn zu stellen hat. Dort muss sich Elmar J. aus Natzungen verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

Belastet hatte Stephan Ernst den Natzunger Trödler schon in seiner ersten Vernehmung, wie sich ein Ermittler vor Gericht erinnert. Damals im Juni 2019 berichtete Ernst demnach, einen Revolver mit der Bezeichnung "Taurus" von Elmar J. gekauft zu haben - irgendwann zwischen 2014 und 2016. Nicht die Einzige. Er behauptete auch, im Laufe der Zeit mehrere Waffen von dem 66-Jährigen erworben zu haben. Einige verkaufte er danach selbst weiter, andere behielt er, um sich im Sinne der Ideologie, der er anhing, zu bewaffnen, so der Eindruck des Fahnders. Augenscheinlich belieferte Elmar J. seinen Geschäftspartner, den er nur als "Peter aus Kassel" gekannt haben will, zudem mit Nazi-Devotionalien, so soll er diesem unter anderem einen SA-Dolch beschafft haben.

Glaubt man der ersten Vernehmung des Stephan Ernst, so bot ihm der Trödler immer wieder Waffen zum Kauf an. Das sei diesem sogar ein bisschen zu viel geworden, kann sich der Vernehmungsbeamte erinnern. Auch das Geschäftsgebaren gefiel Ernst wohl nicht. Elmar J. sei "zu offen" gewesen, habe auf den Trödelmärkten viel zu laut über die Geschäfte gesprochen, vertraute er im Juni 2019 den Ermittlern an. An den vollständigen Namen seines Waffenbeschaffers mochte er sich aber damals nicht erinnern. Ernst habe von einem "älteren Herrn" namens "Elmar" gesprochen, der in Natzungen in einem großen Haus nahe einer Bushaltestelle wohnen würde, erzählt der Zeuge. Elmar J. wurde Ende Juni 2019 festgenommen und unter dem Verdacht, zur Ermordung Walter Lübckes Beihilfe geleistet zu haben, bis Januar 2020 in Untersuchungshaft genommen.

Tatsächlich hatten die Ermittler nach Hinweisen des Stephan Ernst einen Erdbunker gefunden, in dem sich neben anderen Waffen auch ein Revolver der Marke "Rossi" befand, der als Tatwerkzeug identifiziert wurde. Trotz aller Bemühungen sei dessen Herkunft "sehr vernebelt" geblieben, wie eine Beamtin des hessischen Landeskriminalamtes vor Gericht bilanziert. Es konnte nur festgestellt werden, dass der Revolver schon vor vielen Jahren in der Schweiz aus dem Besitz eines alten Herrn auf ungeklärte Weise verschwunden war.

Weil Stephan Ernst immer wieder seine Aussagen änderte, die Tat selbst, aber auch das Randgeschehen immer wieder anders darstellte, dürfe auf dessen Schilderungen keine Verurteilung gestützt werden, ist Verteidiger Ashraf Abouzeid überzeugt. Auch das Gericht sieht sich vor einem "Dilemma", wie der Vorsitzende Richter Eric Schülke sagt. Weil Ernst, noch nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt, im Prozess gegen Elmar J. nicht aussagen will, könne sich die Kammer "kein eigenes Bild von dessen Glaubwürdigkeit machen". Und so wollen sich die Richter intensiv mit dem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt befassen, in dem sich ihre Kollegen auch zum Aussageverhalten des Stephan Ernst geäußert haben. Möglicherweise sollen aber auch zwei Männer als Zeugen geladen werden, denen er ebenfalls Waffen verkaufte. Die will er nach eigenen Angaben gleichfalls bei dem Trödler aus Natzungen erstanden haben. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 19. Januar, fortgesetzt.

_______________________________________________


Radio Hochstift, 04.05.2021:

Lübcke-Mord: Anklage gegen Elmar J. aus Borgentreich-Natzungen

Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat Anklage gegen Elmar J. aus Borgentreich-Natzungen erhoben. Dem 65-Jährigen wird im Komplex des Lübcke-Mords unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Elmar J. soll im Jahr 2016 dem späteren Lübcke-Mörder Stephan E. die Waffe mit Munition verkauft haben, mit der der Kasseler Regierungspräsident Lübcke im Juni 2019 erschossen wurde. Außerdem soll der Mann aus Borgentreich-Natzungen unerlaubt auch in Besitz von Patronen unterschiedlicher Fabrikate und Kaliber gewesen sein, diese wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung vor knapp zwei Jahren sichergestellt.

Der 65-Jährige saß mehr als ein halbes Jahr in Untersuchungshaft - aktuell ist er auf freiem Fuß. Vor dem Paderborner Landgericht wird er sich wegen fahrlässiger Tötung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten müssen.

_______________________________________________


Westfalen-Blatt, 28.06.2019:

Fall Lübcke: Mordwaffe im Kreis Höxter gekauft

Mutmaßlicher Waffenhändler in Borgentreich festgenommen

Von Jan Gruhn

Karlsruhe / Borgentreich (WB). Im Kreis Höxter hat es eine Festnahme gegeben, die im Zusammenhang mit dem Mord an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke steht.

Nach dem Geständnis von Stephan Ernst (45), Lübcke erschossen zu haben, wurde der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe, Elmar J. (64), in Borgentreich-Natzungen festgenommen. Ein weiterer Mann, Markus H. (43), wurde in Kassel verhaftet. H. soll Ernst den Kontakt zu J. vermittelt haben, wie die Generalbundesanwaltschaft am Donnerstag mitteilte.

Beide sollen einem Sprecher zufolge Kenntnis von der rechtsextremen Gesinnung Ernsts gehabt und in Kauf genommen haben, dass die verkaufte Faustfeuerwaffe Kaliber 38 zu einem politisch motivierten Tötungsverbrechen eingesetzt wird. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord. J. soll Ernst die Waffe 2016 verkauft haben. Die Wohnungen der beiden Festgenommenen wurden durchsucht, J. lebt hinter einer ehemaligen Gaststätte in der Ortsmitte von Natzungen. Gegen J. und H. wurden am Donnerstagabend Haftbefehle erlassen.

Ausgangspunkt für die Festnahmen war den Ermittlern zufolge ein Geständnis, das Ernst am Dienstag abgelegt habe. Darin habe er sowohl die Tötung Lübckes zugegeben, als auch die Lage eines Waffenverstecks und die Herkunft der Waffen preisgegeben. Berichten zufolge wurde die mutmaßliche Tatwaffe zusammen mit anderen Schusswaffen in einem Erdloch auf dem Gelände des bisherigen Arbeitgebers Ernsts gefunden. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte Ernst angegeben, außer der Tatwaffe auch eine Pumpgun sowie eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition besessen zu haben.

Bislang bestünden keine ausreichenden Hinweise darauf, dass Elmar J. und Markus H. in die Attentatspläne auf Walter Lübcke eingebunden gewesen seien oder Kenntnis darüber gehabt hätten. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die drei Beschuldigten sich zu einer "rechtsterroristischen Vereinigung" zusammengeschlossen hätten. Wie "Spiegel online" berichtet, war Markus H. allerdings schon einmal im Visier der Ermittler: Er soll im Juni 2006 als Zeuge im Mordfall Halit Yozgat ausgesagt haben. Die Tat wird heute der rechtsextremen Terrorgruppe NSU zugeschrieben. 2009 soll H. laut Polizeiakten außerdem an einem Neonazi-Aufmarsch in Dortmund teilgenommen haben, bei dem Stephan Ernst festgenommen wurde.

Der mutmaßliche Waffenlieferant Elmar J. galt unter seinen Nachbarn als freundlich, habe sich aber weitgehend aus dem Dorfleben zurückgezogen. Laut Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch hat die Stadt 2017 /20 18 mit ihm über den Verkauf eines Grundstücks verhandelt.

Seite 4: Leitartikel

Seite 5: Hintergrund

Bildunterschrift: Dieses Foto soll Elmar J. zeigen.

_______________________________________________


Am 19. Januar 2022 ist am Landgericht Paderborn der dritte Verhandlungstag, gegen Elmar Johannwerner aus Borgentreich - anklagt als mutmaßlicher Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke, terminiert.

Am 7. Januar 2022 wurde beim Landgericht Paderborn am 2. Tag, der Prozess gegen Elmar Johannwerner aus Borgentreich - anklagt als mutmaßlicher Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke fortgesetzt.

Am 5. Januar 2022 begann vor dem Landgericht Paderborn - der Prozess gegen Elmar Johannwerner, aus Borgentreich - anklagt als mutmaßlicher Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke (1. Juni 2019).

Am 4. Mai gab die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft bekannt - dass sie gegen Elmar Johannwerner, Borgentreich - Anklage, als mutmaßlichen Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke, erhoben hat.

Am 18. Dezember 2020 berichtete der NDR, dass das bei Hans-Dieter Runde am 13., 14. November 2019 in Amshausen entdeckte Waffen-, Sprengstoffdepot im Bezug zu den Mordfall Lübcke-Ermittlungen stand.

Am 9. Dezember 2020 befasste sich der Rechtsausschuss des Landtags NRW mit den Ermittlungen gegen Elmar Johannwerner aus Borgentreich, wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Am 9. Dezember 2020 berichtete die NRW-Landesregierung, im Rechtsausschuss des Landtags NRW - 67. Sitzung - zu dem Tagesordnungspunkt - "Führt eine Spur im Mordfall Lübcke nach Nordrhein-Westfalen?".

Am 7. Dezember 2020 teilte das Ministerium der Justiz von NRW mit - dass die Ermittlungen gegen Elmar Johannwerner: fahrlässige Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz, noch nicht abgeschlossen seien.

Am 19. Juli 2019 stufte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen - Neonazi - Elmar Johannwerner, aus Borgentreich (Kreis Höxter) als "Gefährder" aus dem Bereich "politisch motivierte Kriminalität - rechts" ein.

Am 24. Juni 2020 gab der Generalbundesanwalt die Ermittlungen gegen Elmar Johannwerner, Vorwürfe der fahrlässigen Tötung - sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz - an die Staatsanwaltschaft Paderborn ab.

Am 15. Januar 2020 hob der Bundesgerichtshof beim Mordfall Walter Lübcke ohne öffentliche Begründung den Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Tatwaffen-Verkäufer, Elmar Johannwerner aus Borgentreich, auf.

Am 27. Juni 2019 wurde nach dem Mord-Geständnis von Stephan Ernst (an Walter Lübcke) in Borgentreich der mutmaßliche Tatwaffe-Verkäufer Elmar Johannwerner, "Facebook"-"Favorit": "NPD Sachsen", verhaftet.

_______________________________________________


www.demokratie-und-toleranz-hx.de

08./09.01.2022

zurück