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Neue Westfälische ,
06.01.2022 :
Lübcke-Mord: Händler bestreitet Waffen-Verkauf
Der Höxteraner Elmar J. wird vor Gericht beschuldigt, mitverantwortlich zu sein für den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten / Sein Verteidiger will einen Freispruch erwirken / Täter Stephan Ernst wird nicht als Zeuge aussagen
Jutta Steinmetz
Paderborn. Wer den ihm unbekannten Elmar J. an diesem frühen Morgen auf einer Paderborner Straße getroffen hätte, wäre kaum darauf gekommen, dass der 66-Jährige auf dem Weg ins Landgericht war, um sich einem schweren Vorwurf zu stellen. Der mittelgroße Mann, der über einem schwarzen Oberhemd einen dunkelbraunen Lederblouson trägt und völlig unauffällig wirkt, soll mitverantwortlich sein für den gewaltsamen Tod Walter Lübckes. Der Kasseler Regierungspräsident wurde im Juni 2019 getötet, weil er sich immer wieder öffentlich für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen hatte.
Und so sind zahlreiche Kameras auf den Natzunger gerichtet, als er neben seinem Verteidiger Ashraf Abouzeid Platz nimmt. Ihm gegenüber sitzen Julia Florczak und Holger Heming von der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf. Sie gehören der Zentralstelle Terrorismusverfolgung NRW an und sind der Überzeugung, dass sich Elmar J. der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat, als er die in Tschechien gefertigte Tatwaffe, einen Revolver Kaliber 38, an den Rechtsextremisten Stephan Ernst verkaufte. Der Angeklagte habe mit einer "missbräuchlichen Verwendung" rechnen müssen.
Nachdem die Anklage verlesen ist, ist Verteidiger Abouzeid am Zug. Er lässt zunächst das Leben des gebürtigen Paderborners Revue passieren. Dabei kommt zur Sprache, dass der gelernte Zweiradmechaniker, der etliche Jahre für ein Sicherheitsunternehmen Geldtransporter steuerte, eine "gewisse Affinität" zum so genannten Dritten Reich gehabt habe. Sein Vater, dem zu Ehren er seinen Ebay-Account unter dem Namen "Panzerjupp1925" betreibt, habe ihn als Kind oft mit in die Kneipe genommen, wo sich Ältere über ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges unterhielten, erzählt der Verteidiger über Elmar J. "Unkritisch" und "offensichtlich beeindruckt" von den gehörten Geschichten sei dieser gewesen.
Von diesem "gewissen" Faible konnten sich auch die Fahnder überzeugen, die das Zuhause des 66-Jährigen durchsuchten. In der ehemaligen Kneipe, die Elmar J. für private Treffen nutzte, fanden sich NS-Devotionalien, einschlägige Bücher und Landser-Hefte. Im Theken-Bereich hingen passende Bilder. Jeder, der eingetreten sei, habe diese sehen müssen, ist ein Ermittler sicher. Ebenso das Holzmännchen, das ein Oberlippenbärtchen trug und den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben hatte und auf dem Tresen stand.
Waffen fanden der Fahnder und seine Kollegen nicht, wohl aber 106 Patronen. Zu diesem Verstoß gegen das Waffengesetz stehe sein Mandant, sagt Verteidiger Abouzeid. Aber der tschechische Revolver, Kaliber 38, stamme nicht von Elmar J. Zwar kenne dieser Stephan Ernst, allerdings nur als "Peter aus Kassel". Lediglich acht bis neunmal habe er diesen getroffen. Tatsächlich habe er diesem einige "Objekte" verkauft, aber eben nicht die besagte Tatwaffe.
Und so verfolgt der Verteidiger die Aussage eines 67-Jährigen mit besonderem Interesse. Dieser unterstützte Elmar J. bei seinen Geschäften auf Trödel- und Flohmärkten. Ihm vertraute sich der Angeklagte an, als er 2019 durch den Beitrag in einer Boulevard-Zeitung von der Mordtat des Stephan Ernst erfuhr. Damals habe ihm J. berichtet, dass er diesem einige Jahre zuvor eine Waffe mit dem Kaliber vier Millimeter verkauft habe, erzählt der Rentner - und wiederholt damit vor Gericht eine Darstellung, die er bereits 2019 bei der Polizei zu Protokoll gab und in diverse Mikrofone von Fernsehsendern sprach. Diese Aussage entlaste seinen Mandanten, ist Verteidiger Abouzeid überzeugt. Elmar J. habe seinem Freund spontan den Verkauf einer Waffe gestanden, das sei aber nicht die Tatwaffe. "Das ist ein Beweismittel dafür, dass er eben keinen 38er-Revolver verkauft hat", meint Abouzeid und ist deshalb von einem Freispruch überzeugt. Denn allein auf die Angaben von Stephan Ernst könne die Anklage nicht gestützt werden. Dieser hatte in zwei Vernehmungen Elmar J. als Waffen-Verkäufer bezichtigt, in einer anderen wollte er aber diesen "außen vorlassen", wie sich im Zeugenstand Oberstaatsanwalt Dieter Killmer erinnert, der das Verfahren gegen Stephan Ernst als Bundesanwalt geführt hatte.
Auf eine Bestätigung des Täters werden die Richter unter dem Vorsitz von Eric Schülke verzichten müssen, weil dieser von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht. Sie wollen sich deshalb genauer mit dem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt befassen, um dem Aussageverhalten des Mannes auf die Spur zu kommen, der den Mord an Walter Lübcke immer wieder anders schilderte. Die Verhandlung wird am Freitag, 7. Januar, fortgesetzt.
Bildunterschrift: Der Angeklagte Elmar J. (l.) und sein Verteidiger Ashraf Abouzeid im Schwurgerichtssaal des Paderborner Landgerichts.
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Radio Hochstift, 04.05.2021:
Lübcke-Mord: Anklage gegen Elmar J. aus Borgentreich-Natzungen
Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat Anklage gegen Elmar J. aus Borgentreich-Natzungen erhoben. Dem 65-Jährigen wird im Komplex des Lübcke-Mords unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen.
Elmar J. soll im Jahr 2016 dem späteren Lübcke-Mörder Stephan E. die Waffe mit Munition verkauft haben, mit der der Kasseler Regierungspräsident Lübcke im Juni 2019 erschossen wurde. Außerdem soll der Mann aus Borgentreich-Natzungen unerlaubt auch in Besitz von Patronen unterschiedlicher Fabrikate und Kaliber gewesen sein, diese wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung vor knapp zwei Jahren sichergestellt.
Der 65-Jährige saß mehr als ein halbes Jahr in Untersuchungshaft - aktuell ist er auf freiem Fuß. Vor dem Paderborner Landgericht wird er sich wegen fahrlässiger Tötung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten müssen.
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Westfalen-Blatt, 28.06.2019:
Fall Lübcke: Mordwaffe im Kreis Höxter gekauft
Mutmaßlicher Waffenhändler in Borgentreich festgenommen
Von Jan Gruhn
Karlsruhe / Borgentreich (WB). Im Kreis Höxter hat es eine Festnahme gegeben, die im Zusammenhang mit dem Mord an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke steht.
Nach dem Geständnis von Stephan Ernst (45), Lübcke erschossen zu haben, wurde der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe, Elmar J. (64), in Borgentreich-Natzungen festgenommen. Ein weiterer Mann, Markus H. (43), wurde in Kassel verhaftet. H. soll Ernst den Kontakt zu J. vermittelt haben, wie die Generalbundesanwaltschaft am Donnerstag mitteilte.
Beide sollen einem Sprecher zufolge Kenntnis von der rechtsextremen Gesinnung Ernsts gehabt und in Kauf genommen haben, dass die verkaufte Faustfeuerwaffe Kaliber 38 zu einem politisch motivierten Tötungsverbrechen eingesetzt wird. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord. J. soll Ernst die Waffe 2016 verkauft haben. Die Wohnungen der beiden Festgenommenen wurden durchsucht, J. lebt hinter einer ehemaligen Gaststätte in der Ortsmitte von Natzungen. Gegen J. und H. wurden am Donnerstagabend Haftbefehle erlassen.
Ausgangspunkt für die Festnahmen war den Ermittlern zufolge ein Geständnis, das Ernst am Dienstag abgelegt habe. Darin habe er sowohl die Tötung Lübckes zugegeben, als auch die Lage eines Waffenverstecks und die Herkunft der Waffen preisgegeben. Berichten zufolge wurde die mutmaßliche Tatwaffe zusammen mit anderen Schusswaffen in einem Erdloch auf dem Gelände des bisherigen Arbeitgebers Ernsts gefunden. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte Ernst angegeben, außer der Tatwaffe auch eine Pumpgun sowie eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition besessen zu haben.
Bislang bestünden keine ausreichenden Hinweise darauf, dass Elmar J. und Markus H. in die Attentatspläne auf Walter Lübcke eingebunden gewesen seien oder Kenntnis darüber gehabt hätten. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die drei Beschuldigten sich zu einer "rechtsterroristischen Vereinigung" zusammengeschlossen hätten. Wie "Spiegel online" berichtet, war Markus H. allerdings schon einmal im Visier der Ermittler: Er soll im Juni 2006 als Zeuge im Mordfall Halit Yozgat ausgesagt haben. Die Tat wird heute der rechtsextremen Terrorgruppe NSU zugeschrieben. 2009 soll H. laut Polizeiakten außerdem an einem Neonazi-Aufmarsch in Dortmund teilgenommen haben, bei dem Stephan Ernst festgenommen wurde.
Der mutmaßliche Waffenlieferant Elmar J. galt unter seinen Nachbarn als freundlich, habe sich aber weitgehend aus dem Dorfleben zurückgezogen. Laut Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch hat die Stadt 2017 /20 18 mit ihm über den Verkauf eines Grundstücks verhandelt.
Seite 4: Leitartikel
Seite 5: Hintergrund
Bildunterschrift: Dieses Foto soll Elmar J. zeigen.
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Am 19. Januar 2022 ist am Landgericht Paderborn der dritte Verhandlungstag, gegen Elmar Johannwerner aus Borgentreich - anklagt als mutmaßlicher Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke, terminiert.
Zum 7. Januar 2022 ist am Landgericht Paderborn der zweite Verhandlungstag gegen Elmar Johannwerner aus Borgentreich - anklagt als mutmaßlicher Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke, terminiert.
Am 5. Januar 2022 begann vor dem Landgericht Paderborn - der Prozess gegen Elmar Johannwerner, aus Borgentreich - anklagt als mutmaßlicher Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke (1. Juni 2019).
Am 4. Mai gab die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft bekannt - dass sie gegen Elmar Johannwerner, Borgentreich - Anklage, als mutmaßlichen Verkäufer der Tatwaffe im Mordfall Walter Lübcke, erhoben hat.
Am 18. Dezember 2020 berichtete der NDR, dass das bei Hans-Dieter Runde am 13., 14. November 2019 in Amshausen entdeckte Waffen-, Sprengstoffdepot im Bezug zu den Mordfall Lübcke-Ermittlungen stand.
Am 9. Dezember 2020 befasste sich der Rechtsausschuss des Landtags NRW mit den Ermittlungen gegen Elmar Johannwerner aus Borgentreich, wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.
Am 9. Dezember 2020 berichtete die NRW-Landesregierung, im Rechtsausschuss des Landtags NRW - 67. Sitzung - zu dem Tagesordnungspunkt - "Führt eine Spur im Mordfall Lübcke nach Nordrhein-Westfalen?".
Am 7. Dezember 2020 teilte das Ministerium der Justiz von NRW mit - dass die Ermittlungen gegen Elmar Johannwerner: fahrlässige Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz, noch nicht abgeschlossen seien.
Am 19. Juli 2019 stufte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen - Neonazi - Elmar Johannwerner, aus Borgentreich (Kreis Höxter) als "Gefährder" aus dem Bereich "politisch motivierte Kriminalität - rechts" ein.
Am 24. Juni 2020 gab der Generalbundesanwalt die Ermittlungen gegen Elmar Johannwerner, Vorwürfe der fahrlässigen Tötung - sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz - an die Staatsanwaltschaft Paderborn ab.
Am 15. Januar 2020 hob der Bundesgerichtshof beim Mordfall Walter Lübcke ohne öffentliche Begründung den Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Tatwaffen-Verkäufer, Elmar Johannwerner aus Borgentreich, auf.
Am 27. Juni 2019 wurde nach dem Mord-Geständnis von Stephan Ernst (an Walter Lübcke) in Borgentreich der mutmaßliche Tatwaffe-Verkäufer Elmar Johannwerner, "Facebook"-"Favorit": "NPD Sachsen", verhaftet.
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www.demokratie-und-toleranz-hx.de
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