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Neue Westfälische Online , 06.01.2022 :

Wie geht es mit den Corona-Protesten in OWL weiter?

06.01.2022 - 20.57 Uhr

Demos und "Spaziergänge"

Besorgte Bürger laufen neben Akteuren der rechten Szene - auch in OWL ist das zu beobachten. Doch was haben die Gegner der Corona-Maßnahmen künftig vor?

Lukas Brekenkamp

Bielefeld. Es begann mit Demonstrationen, mittlerweile sind es "Spaziergänge". Alles ganz harmlos? In einigen Teilen von OWL muss sich die Polizei nun mit dem Spektrum aus besorgen Bürgern, Impf-Gegner und auch Rechtsextremen beschäftigen. Ein Überblick.

Die Landrätin aus Minden-Lübbecke, Anna Katharina Bölling (CDU), wurde Ziel von Querdenkern und Co. Zumindest ihr Haus. Denn das steuerten mehr als 150 Demonstranten zuletzt an - während eines "Spaziergangs" durch die Straßen Mindens. Mittlerweile ermittelt die Polizei. Schon zuvor kam es zu ähnlichen Fällen in Deutschland, als Personen aus dem Bereich der Corona-Demos die Privathäuser von Politikern ansteuerten.

Auch in OWL werden lange vorab angemeldete Demonstrationen kurz vor knapp abgesagt. Aus den Demos werden plötzlich "Spaziergänge". Eine Taktik der Organisatoren. Doch wer sind die eigentlich? Und was planen sie künftig?

"Spaziergänger" in ganz OWL

Wie viele "Spaziergänger" es in der Region gibt, ist kaum zu sagen. Offenbar nehmen einige an Veranstaltungen in mehreren Orten teil. Viele haben für verschiedene "Spaziergänge" zugesagt. Vom Bielefelder Staatsschutz heißt es, man beobachte, dass sich das Teilnehmer-Potenzial von Demos in OWL überschneidet und dass in der Vergangenheit bei Versammlungen am Montag eine Verteilung auf einzelne Städte festzustellen war. Wenige Tage später sei es zu einer Konzentration bei einer Demo in Bielefeld gekommen.

Generell gilt OWL als Hotspot der Corona-Proteste in NRW. Der Bielefelder Staatsschutz berichtet von einem "Höhepunkt" des Demo-Aufkommens zum Ende des vergangenen Jahres. Und: "Mit weiterer Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen muss auch mit einem weiteren Anstieg der Versammlungen gerechnet werden."

Doch wer steckt hinter den Aktionen? Tim K. ist ein bulliger, muskulöser Typ. Die langen, grauen Haare trägt er nach hinten. Die Hosen weit. Seinen Oberkörper bedeckt er unter anderem mit einer Kutte. Darauf die Insignien des Rocker-Clubs "Brothers Guard", Chapter "Salt City" in Horn-Bad Meinberg. Tim K., ehemaliger Polizist, ist das, was man eine Galionsfigur der rechten Szene nennen kann - nicht nur in OWL, sondern in ganz Deutschland. Etwa 400.000 Menschen folgen ihm alleine bei YouTube, wo er regelmäßig Videos postet, in denen er sich beispielsweise gegen die Regierung richtet.

Bei Telegram wird bereits geworben

Klar, dass so eine Berühmtheit mit einer Rede in Paderborn für Stille bei einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen sorgt. Für seine Aussagen erhält er Applaus. Er wolle nun regelmäßig kommen, wenn die Paderborner gegen die Maßnahmen demonstrieren. Immer wieder montags, wie in so vielen anderen Städten auch. Sein Ziel: Bald mit 3.000 Personen - "wenn nicht gar 30.000" - protestieren. Fakt ist: In der kommenden Woche soll tatsächlich der dritte "Paderborner Lichterumzug" stattfinden, in der Telegram-Gruppe "Grundrechte-PB" wird bereits fleißig geworben. Die Demonstration sei offiziell angemeldet. Ob das so bleibt?

Etwas anders ist das in Bielefeld. Nachdem es zu chaotischen Szenen kam, als etwa 2.000 Demonstranten kurz vor Weihnachten durch die Stadt marschierten, hat die Polizei nun "größere Geschütze" aufgefahren. Die nächste Demonstration steht bereits am Freitag an. Eigentlich. Denn sie wurde abgesagt. Die Initiatoren rechtfertigten das in ihrer Telegram-Gruppe unter anderem mit den Auflagen, unter denen der "Lichterspaziergang" hätte stattfinden müssen. Für künftige "Spaziergänge" wolle man sich rechtliche Beratung holen. Am Donnerstag die Wende: Nun soll doch eine Demo stattfinden - die Polizei hatte sich sowieso schon auf eine Versammlung vorbereitet.

Auch Rechtsextreme auf Demos dabei

Apropos Bielefelder Telegram-Gruppe: Wie in vielen Gruppen, die ins Spektrum der Corona-Proteste fallen, werden auch in dieser rechte Inhalte gepostet. Mal werden Verschwörungsmythen von QAnon geteilt, mal etwas von der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Allerdings: Solchen Inhalten wird auch widersprochen - aber nicht immer. Recherchen unter anderem von linken Aktivisten zeigen, dass in der rasant wachsenden Telegram-Gruppe auch Personen sind, die in den Bereich "Rechtsextrem" fallen.

Solche Personen nahmen in der Vergangenheit auch an Demonstrationen in Bielefeld teil. Zum Beispiel die Familie U. aus dem Kreis Lippe, ehemalige Funktionäre der verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend". Oder Personen, die bereits bei Demonstrationen für die Holocaust-Leugnerin Haverbeck in Erscheinung getreten sind. Oder Mitglieder der Jungen Alternativen sowie extrem rechte Burschenschaftler. Oder Personen, die offenbar der rechtsextremen Identitären Bewegung oder der Partei "Die Rechte" nahe stehen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Ein Ende der Demos? Fast ausgeschlossen

Dass Extremisten bei solchen Veranstaltungen mitlaufen ist in Bielefeld kein Einzelfall. Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Demo-Teilnehmer Reichsbürger oder rechtsextrem sind.

Dass die Demonstrationen ein Ende haben, ist nahezu ausgeschlossen. Zu groß erscheint der Zulauf in manchen Teilen der Region. Und sowieso: Die Gegner der Impfung und der Pandemie-Maßnahmen werden ihre Meinung so schnell nicht ändern - und den Protest so schnell nicht beenden.

Das zeigen Einblicke in die Telegram-Gruppen, in denen sich die Demonstranten organisieren. Hier wird fleißig für weitere Corona-Demos geworben - in ganz OWL. So laden die Mitglieder zu "Spaziergängen" ein. Jeden Montagabend - in Bielefeld, Lemgo, Halle, Bad Salzuflen, Detmold, Espelkamp, Lage, Bünde und Minden. Ob die Veranstaltungen tatsächlich stattfinden, ist eine andere Frage.

Bildunterschrift: In ganz OWL kommt es zu Demos und "Spaziergängen" - wie hier in Paderborn.

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Am 6. Januar 2022 publizierte Lukas Brekenkamp - in der Online-Ausgabe der "Neue Westfälische" - über wachsende Demonstrationen und die "Telegram"-Gruppen von Corona-Leugnenden in Ostwestfalen-Lippe.

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