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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt , 06.08.2021 :

Mit dem Herzen in der alten Heimat

Die VHS zeigt 22 Porträts von "Jekkes in Israel" ab 5. September in der Ravensberger Spinnerei / Zwei israelische Künstler machten erstaunliche Entdeckungen beim Besuch der bedrohten NS-Zeitzeugen

Heike Krüger

Bielefeld. Sie sind unter den Letzten ihrer Generation. Die deutschstämmigen Jekkes (oder auch Jeckes) bilden in Israel eine aussterbende Minderheit. In den 1930er Jahren sind sie mit ihren Eltern unter dem Eindruck wachsenden Antisemitismus aus Nazi-Deutschland geflohen - nach Palästina, ins gelobte Land. Aber auch dort waren die Menschen mit ihrem fremden Aussehen und ihren Bräuchen nicht immer wohl gelitten. Die Bezeichnung Jekkes resultiert aus der Tatsache, dass die Einwanderer sich stets elegant kleideten und trotz hoher Temperaturen Jacken trugen.

Deutsche Lieder haben sie immer noch im Gedächtnis

Zwei israelische Künstler, der Darsteller, Sänger und Kabarettist Moshe Beker (am 2. September wird er ab 18.30 Uhr ein Konzert in der Raspi geben) und die Fotografin Oranit Ben Zimra, haben die Gelegenheit genutzt, einige Zeugen einer vergangenen Epoche in ganz Israel zu suchen und sie und ihre Art, zu wohnen, zu fotografieren sowie Zitate zu sammeln. Entstanden sind 22, teils berührende Porträts von Menschen zwischen 83 und 100 Jahren. Mit Gesichtern, aus denen viel gelebtes Leben herauszulesen ist.

Beate Ehlers, Fachbereichsleiterin an der Volkshochschule Bielefeld, hat sich die Schau als Baustein des VHS-Projekts "1.700 Jahre jüdisches Leben" gesichert. Im Juli waren die beiden Israelis zum Vorgespräch in Bielefeld, mit ihren Bildern im Gepäck. Pünktlich zur Eröffnung der Schau am 5. September (11 Uhr) im Kleinen Saal der VHS werden die Bilder passend gerahmt sein und einen beredten Einblick in das Leben der deutschstämmigen Israelis geben. "Jekkes in Israel" - das ist eine durchaus gemischte Gruppe von Menschen, die noch immer Kindheitserinnerungen mit Deutschland verbinden. "Manche haben mit dem Land ihrer Eltern total abgeschlossen, andere empfinden es noch immer als eine zweite Heimat", berichtet Beate Ehlers von den Gesprächen mit den Ausstellungsmachern. Oft hinge die Bindung an Deutschland laut den beiden Israelis davon ab, ob die Jekkes noch eine positive Erinnerung an bestimmte Kindheitsjahre hatten. "Manche konnten noch deutsche Volks- und Kinderlieder intonieren - und taten das auch", schildert Ehlers. Es sei erstaunlich gewesen, zu beobachten, so Oranit Ben Zimra, wie Kultur, Bräuche, Bildung und Küche der Jekkes durchaus harmonisch "mit der israelischen Lebensweise verschmolzen". Einer der Porträtierten ist der 93-jährige Gabriel Bach. Er war Mit-Ankläger im Prozess gegen Holocaust-Organisator Adolf Eichmann in den 1960er Jahren in Jerusalem, in dem erstmals der Massenmord an den Juden in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde. Und Bach, der gute Gründe gehabt hätte, niemals wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, habe den beiden Künstlern erklärt, dass er sich immer noch "zuhause fühlt", wenn er nach Deutschland reise. Und die "Jekke" Zila Briller emigrierte 1933 mit ihren Eltern und ist nach eigenen Angaben das erste Kind gewesen, das nach Naharia (Bielefelds Partnerstadt) gekommen sei.

"Wir leben dieses Projekt seit über anderthalb Jahren", gibt Ben Zimra Auskunft. Drei ihrer hochbetagten "Helden" seien inzwischen gestorben. Aber: "Wir sind unheimlich stolz darauf, dass wir sie treffen und ihre Geschichten an die nächsten Generationen weitergeben können."

Bildunterschrift: Jekke Zila Briller ist eine von 22 Portraitierten. In ihrem Ausdruck spiegelt sich ein ganzes Leben wieder.

Bildunterschrift: Die israelische Fotografin Oranit Ben Zimra.

Bildunterschrift: Der Blick in Zila Brillers israelisches Zuhause offenbart viele Bezüge zur alten Heimat der Jekke.

Bildunterschrift: Beate Ehlers / VHS Bielefeld organisiert die Schau.

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- Sonntag, 5. September 2021 um 11.30 Uhr -


Eröffnung der Ausstellung "Jekkes in Israel" mit Moshe Beker und Oranit Ben Zimra


Veranstaltungsort:

Volkshochschule Bielefeld
Historischer Saal
Ravensberger Park 1
33607 Bielefeld

www.vhs-bielefeld.de


Ausstellungsdauer: Vom 5. September bis zum 3. Oktober 2021; montags bis dienstags von 08.00 bis 12.00 und 13.00 bis 16.00 Uhr, mittwochs von 08.00 bis 12.00 Uhr, donnerstags von 08.00 bis 12.00 und 13.00 bis 18.00 Uhr, freitags von 08.00 bis 12.00 Uhr.


Künstlerische Spurensuche

Der Schauspieler und Regisseur Moshe Beker und die Fotografin Oranit Ben Zimra - beide sind seit über 30 Jahren in der israelischen Kulturwelt im Bereich Fotografie, Bühne und Produktion tätig - haben sich auf eine künstlerische Spurensuche begeben und die so genannten "Jekkes", ehemals aus Deutschland eingewanderte Jüdinnen und Juden, in ihrem Lebensumfeld besucht. Durch eindrucksvolle Porträtfotografien und kleine Videosequenzen bringen sie uns die authentische Lebensweise der "Jekkes" näher, in der sich noch kulturelle Spuren aus der Kindheit in Deutschland finden lassen.


22 Porträts

Entstanden sind 22 berührende Porträts von Menschen zwischen 83 und 100 Jahren. Einer der Porträtierten ist der 93-jährige Gabriel Bach. Er war Mitankläger im Prozess gegen Holocaust-Organisator Adolf Eichmann im April 1961 in Jerusalem, in dem erstmals der Massenmord an den Jüdinnen und Juden in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde.

"Wir leben dieses Projekt seit über anderthalb Jahren", sagt Oranit Ben Zimra. Drei ihrer hochbetagten Porträtierten sind inzwischen gestorben. Aber: "Wir sind unheimlich stolz darauf, dass wir sie treffen und ihre Geschichten an die nächsten Generationen weitergeben können."


"Jüdische Kulturtage Bielefeld"

Eine Ausstellung des Initiativkreises "Jüdische Kulturtage Bielefeld" mit Veranstaltungen aus dem Bereich Kunst, Musik und Literatur vom 2. September bis zum 10. Oktober 2021: Konzerte, Installationen, Ausstellungen, Vorträge und Workshops machen im Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" dieses Leben sichtbar und erlebbar.


Kooperationspartnerinnen

Volkshochschule Bielefeld
Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. Bielefeld
Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. - Arbeitsgemeinschaft Bielefeld
Historisches Museum der Stadt Bielefeld
Historischer Verein für die Grafschaft Ravensberg e.V. - Arbeitsgemeinschaft für Zeitgeschichte

Gefördert durch den Verein "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", den Landschaftsverband Westfalen-Lippe und das Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat.

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Am 5. September 2021 wird in der Volkshochschule Bielefeld die Ausstellung "Jekkes in Israel" mit Moshe Beker, Oranit Ben Zimra, im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Bielefeld (02.09. bis 10.10.2021) eröffnet.

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www.juedische-gemeinde-bielefeld.de


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