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6 Artikel , 03.08.2021 :

Pressespiegel überregional

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Übersicht:


Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:
Berlin / Gedenken an ermordete Sinti und Roma

Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:
Erinnerung / Arolsen Archives unterstützen Schulen bei Besuch von KZ-Gedenkstätten

Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:
Zentralrat der Juden / "Moderner Ort jüdischen Denkens"

Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:
"Gewalt und möglicherweise Terror"

Neue Westfälische, 03.08.2021:
Gewalttat bei Berliner Demo verurteilt

die tageszeitung Online, 03.08.2021:
Ämtersperre gegen AfD-Kandidaten / Für den Bundestag reicht’s noch

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Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:

Berlin / Gedenken an ermordete Sinti und Roma

03.08.2021 - 07.49 Uhr

Mit einer Gedenkfeier ist an die Ermordung von Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau 1944 erinnert worden

Mit einer Gedenkfeier ist am Montagabend im Berliner Regierungsviertel an die Ermordung von Sinti und Roma im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 1944 erinnert worden. Ehrengast am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas neben dem Reichstagsgebäude war die 97-jährige Überlebende Zilli Schmidt. Für ihr Engagement als Zeitzeugin erhielt Schmidt im April das Bundesverdienstkreuz.

Die Gedenkrede hielt Jùlie Georg von "Sinti-Roma-Pride", einer unabhängigen Organisation für die junge Generation der Sinti und Roma. Zudem wurden Erinnerungen von Überlebenden vorgetragen. Musikalisch wurde die Gedenkstunde von Sandro Roy und Jerome Weiss umrahmt.

Das Internationale Auschwitz Komitee erklärte, den Auschwitz-Überlebenden bleibe immer bewusst, dass auch die Sinti und Roma vollständig vernichtet und ausgelöscht werden sollten. Angesichts der Verachtung, Ausgrenzung und Gewalt, die ihnen bis heute in vielen europäischen Gesellschaften entgegenschlage, habe dieser Gedenktag eine bittere und beklemmende Aktualität.

Am 2. August jährt sich die "Liquidation des Zigeunerfamilienlagers" in Auschwitz-Birkenau zum 77. Mal. SS-Angehörige ermordeten in der Nacht auf den 3. August 1944 die fast 4.000 verbliebenen Sinti und Roma in Gaskammern - zumeist als arbeitsunfähig eingestufte Frauen, Kinder und ältere Menschen. Vor sechs Jahren wurde der 2. August vom Europäischen Parlament als Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma anerkannt.

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma hatte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, eine andauernde Diskriminierung und Unterdrückung beklagt, der Angehörige der Volksgruppen auch heute noch in vielen EU-Staaten ausgesetzt seien. "Sinti und Roma müssten gleichberechtigt in ihren Heimatländern in Ost- und Südosteuropa leben dürfen, mit Zugang zu Arbeit und Bildung", sagte Rose.

In einigen Ländern Süd- und Osteuropas herrsche eine Situation, die für demokratische Institutionen "unwürdig" sei, sagte Rose weiter. Er fordert die Bundesregierung zum Eingreifen auf. "Wir dürfen keine Apartheid vor unserer Haustür dulden."

Mit Blick auf die Lebenssituation der Sinti und Roma in Deutschland forderte Rose eine breitere Sensibilisierung der Gesellschaft. Zwar sei in den vergangenen Jahren politisch viel erreicht worden, gesellschaftlich bleibe aber noch vieles zu tun. "Der Antiziganismus ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, antiziganistische Klischees werden seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben", sagt er. Außerdem gebe es in Deutschland nicht das gleiche Bewusstsein für Antiziganismus wie für Antisemitismus, klagte der Zentralratsvorsitzende. "Das muss sich ändern."

Noch immer verheimlichten Angehörige der Minderheit ihre Zugehörigkeit aus Angst vor Ausgrenzung; dabei stünden kulturelle Identität und Zugehörigkeit zu einer Nation nicht im Gegensatz zueinander. Rose warnte: "Im Kampf gegen Antiziganismus und Antisemitismus geht es nicht um die Rechte von Minderheiten, es geht um die Verteidigung unseres demokratischen Rechtsstaates." (epd/kna)

Bildunterschrift: Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin.

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Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:

Erinnerung / Arolsen Archives unterstützen Schulen bei Besuch von KZ-Gedenkstätten

03.08.2021 - 16.15 Uhr

Zentralratspräsident Josef Schuster begrüßt die neue Initiative

Die Arolsen Archives unterstützen Schulen bei der Vor- und Nachbereitung von Besuchen in ehemaligen deutschen Konzentrationslagern. In dem Projekt "documentED" stehen Materialpakete zu mehr als 40 KZ-Häftlingen zum Download zur Verfügung, wie das internationale Zentrum über NS-Verfolgung am Dienstag im nordhessischen Bad Arolsen mitteilte. Die so genannten Toolkits repräsentierten 13 verschiedene Gedenkstätten in Europa und unterschiedliche Verfolgungsgründe.

Jugendliche wüssten oft wenig über die Verfolgung von Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus, obwohl das Thema fest in den Lehrplänen verankert sei. Dabei sei es angesichts rechter Hetze im Netz zunehmend wichtig, dass Schülerinnen und Schüler gut informiert seien.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte die Initiative: "Wenn Schülerinnen und Schüler sich mit Dokumenten aus der NS-Zeit und dem persönlichen Schicksal von KZ-Insassen befassen, wird das Grauen des Holocaust verständlicher", erklärte er. Das Projekt trage dazu bei, junge Menschen gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenhass "zu immunisieren".

Die Arolsen Archives sind nach eigenen Angaben mit über 30 Millionen Dokumenten das weltweit umfassendste Archiv über Opfer und Überlebende der Schoa. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. (epd)

Bildunterschrift: Zentralratspräsident Josef Schuster.

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Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:

Zentralrat der Juden / "Moderner Ort jüdischen Denkens"

03.08.2021 - 11.46 Uhr

Der Bau der Jüdischen Akademie in Frankfurt am Main beginnt im Spätsommer

Der Baubeginn der Jüdischen Akademie des Zentralrats der Juden in Deutschland rückt näher. Am 2. September findet in Frankfurt am Main im Beisein von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) der Erste Spatenstich statt.

Projekt

Der Neubau, der eine frühere Professoren-Villa integriert, wird in der Senckenberganlage unweit der Messe errichtet. Für den Entwurf zeichnet der Frankfurter Architekt Zvonko Turkali verantwortlich.

Die Gesamtkosten des Projekts betragen 34,5 Millionen Euro. Sie werden gemeinsam vom Bund, dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt und dem Zentralrat der Juden getragen. Es ist geplant, den Bau Ende 2023 fertigzustellen. Im Jahr darauf soll die Jüdische Akademie ihren Betrieb aufnehmen.

Plattform

"Das intellektuelle jüdische Leben erhält mit der Akademie einen neuen Mittelpunkt", erklärt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. "Wir wollen sowohl der jüdischen Gemeinschaft in ihrer Pluralität eine Plattform bieten als auch vor dem Hintergrund der deutsch-jüdischen Geschichte in die Gesamtgesellschaft hineinwirken und den interreligiösen Dialog pflegen", so Schuster weiter.

"Unterschiede aushalten und Gemeinsamkeiten stärken - das soll dieser moderne Ort jüdischen Denkens leisten", betont der Zentralratspräsident.

Perspektive

Die Jüdische Akademie sieht sich in der Tradition des in den 20er-Jahren gegründeten Jüdischen Lehrhauses, das in Frankfurt vom Historiker und Religionsphilosophen Franz Rosenzweig geleitet wurde. Wichtige öffentliche Diskurse sollen in der Akademie aufgegriffen und um die jüdische Perspektive erweitert werden.

Die Jüdische Akademie ist die erste überregionale jüdische Institution dieser Art, die nach 1945 errichtet wird. Sie geht aus der 2013 gegründeten, von Sabena Donath und Doron Kiesel geleiteten Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden hervor. (ja)

Bildunterschrift: So soll die Jüdische Akademie aussehen.

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Jüdische Allgemeine Online, 03.08.2021:

"Gewalt und möglicherweise Terror"

03.08.2021 - 10.55 Uhr

Antisemitismus-Beauftragter Michael Blume warnt vor Radikalisierung von Corona-Leugnern

Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, befürchtet ein Abdriften von Verschwörungsgläubigen im Umfeld der Corona-Demonstrationen in den Extremismus.

Dem Nachrichtenportal "watson" sagte er in einem am Dienstag veröffentlichten Interview: "Ich glaube leider, dass in den nächsten Jahren die Radikalisierung weitergeht. Dass wir Gewalt und möglicherweise auch Terror erleben werden."

Politik

Blume warf Teilen der Politik und der Sicherheitsbehörden vor, zu naiv auf die Bewegung hinter den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zu blicken. "Ich erlebe immer noch, dass Politiker meinen: Ja, aber man kann doch vernünftig miteinander reden. Und ich muss dann erklären: Nein. Bei denjenigen, die tief im Verschwörungsglauben versinken, setzt die Vernunft aus. Dann hat man es mit Menschen zu tun, die Zuwendung und Freundlichkeit anderer als Schwäche empfinden - und sich dadurch sogar noch bestätigt fühlen", sagte Blume.

Den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der seine Impf-Skepsis öffentlich gemacht hatte, forderte Blume auf, nicht weiter wissenschaftliche Erkenntnisse zu leugnen: "Ich würde Herrn Aiwanger dringend dazu aufrufen, dass er sich als stellvertretender Ministerpräsident entweder zur Wissenschaft bekennt - oder Konsequenzen für sich zieht. Ein öffentliches Amt sollte in Deutschland nicht mit Wissenschaftsleugnung vereinbar sein." (epd)

Bildunterschrift: Der Antisemitismus-Beauftragte von Baden-Württemberg, Michael Blume.

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Neue Westfälische, 03.08.2021:

Gewalttat bei Berliner Demo verurteilt

Berlin (epd). Nach einem Angriff aus der "Querdenken"-Szene auf den dju-Landesgeschäftsführer für Berlin-Brandenburg, Jörg Reichel, ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung und weiterer Straftaten. Die Bundesregierung verurteilte die Gewalttat scharf, die am Sonntag in Berlin aus einer Demonstration heraus gegen den Gewerkschafter verübt wurde. Der Angriff sei absolut unverständlich und zu verurteilen, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Laut Tagesspiegel wurde Reichel von Teilnehmern einer "Querdenken"-Demonstration vom Fahrrad gezerrt, getreten und geschlagen und musste danach im Krankenhaus behandelt werden. In Berlin hatten sich mehrere tausend Menschen über die Verbote von Demonstrationen der "Querdenken"-Szene hinweggesetzt. Bis zum Abend habe es fast 600 Festnahmen gegeben. Ein 49-jähriger Mann starb nach Polizeiangaben im Krankenhaus, nachdem er bei einer Identitätsfeststellung am Sonntagnachmittag über Kribbeln in Arm und Brust geklagt hatte.

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die tageszeitung Online, 03.08.2021:

Ämtersperre gegen AfD-Kandidaten / Für den Bundestag reicht’s noch

AfD-Bundestagskandidat Matthias Helferich schrieb unter sein Foto "das freundliche Gesicht des NS". Er wird für Ämter gesperrt, doch bleibt Kandidat.

Gareth Joswig

Berlin (taz). Bezirksvorstand im sauerländischen Arnsberg darf Matthias Helferich nicht mehr sein. Sein Amt als Co-Vize-Chef der AfD Nordrhein-Westfalen muss er auch abgeben. Aber für den Bundestag reicht es noch so gerade: Denn der Bundesvorstand hat trotz positiver Bezugnahme auf den Nationalsozialismus nur eine Ämtersperre für den 33-jährigen Helferich beschlossen. Das heißt, er darf zwei Jahre lang keine Ämter in der AfD bekleiden. Helferich wird aber im September auf Grund seines aussichtsreichen Platzes auf der Landesliste wohl trotzdem in das höchste Parlament Deutschlands einziehen.

Hintergrund ist, dass Helferich in einem Facebook-Chat unter anderem ein Bild von sich mit "das freundliche Gesicht des NS" kommentiert hat und den berüchtigten NS-Richter und Teilnehmer der Wannsee-Konferenz, Roland Freisler, als Vorbild benannte. Helferich, selbst Jurist, soll zudem in geleakten Chats mit Verbindungen in Neonazi-Kreise geprahlt haben.

Nur sechs von zwölf anwesenden Mitgliedern im Vorstand sollen für einen Parteiausschluss gestimmt haben, der Rest hat sich enthalten. Für ein Parteiausschlussverfahren braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Die Spitzenkandidatinnen, Spitzenkandidaten Alice Weidel und Tino Chrupalla, Wunschkandidatinnen, Wunschkandidaten des "Flügels", sollen sich ebenfalls enthalten haben. Die zweijährige Ämtersperre soll einstimmig ergangen sein. Der Beschluss muss noch durch das Schiedsgericht der AfD NRW bestätigt werden.

Bundessprecher Jörg Meuthen, der sich als Antipode zu den radikalsten Kräften seiner Partei inszeniert, war enttäuscht, dass es nur zur Ämtersperre kommt: Er "hätte es sehr begrüßt, wenn sich die erforderliche Mehrheit für einen Parteiausschluss gefunden hätte", sagte Meuthen. Viele sich zum bürgerlichen Lager zählende Mitglieder sind nach taz-Informationen erschrocken, dass es angesichts Helferichs eindeutiger Äußerungen sechs Enthaltungen gab.

"Schlimme Krise"

Auch im Landesverband NRW gibt es Kritik an der eher laschen Ordnungsmaßnahme: Michael Schild, Co-Vize-Chef in NRW, sagte, es sei eine "zu geringe Maßnahme" - "das ist eine schlimme Krise, in die die AfD hineingeschlittert ist". Letzter Strohhalm der Gegnerinnen, Gegner Helferichs: Man wolle nun juristisch prüfen, inwiefern die Abstimmung über ein Ausschlussverfahren bei sechs Enthaltungen und sechs Ja-Stimmen nicht doch die nötige Zweidrittelmehrheit erfülle.

Helferich selbst schien erleichtert, dass er nach seinen Äußerungen vorerst nur mit einer Ämtersperre davongekommen ist. Er hege keinen Groll gegen den Bundesvorstand und bedanke sich bei "zahlreichen Mitgliedern und Sympathisanten, die sich hinsichtlich der Rufmordkampagne solidarisch" gezeigt hätten, schrieb er auf Facebook. NRW-Chef Rüdiger Lucassen, selbst im Bundestag und Vertrauter von Helferich, hatte den Vorstand vor harten Strafmaßnahmen gewarnt.

Uwe Junge, erklärter Gegner des völkischen Flügels, sagte zu der Konflikt-Personalie: "Typen wie Helferich und deren Unterstützer, wie Lucassen und die JA (AfD-Jugendorganisation Junge Alternative, d. Red.) gehören nicht in die AfD. Wenn das geduldet wird, müssen bürgerliche Mitglieder, Funktionäre und Mandatsträger Konsequenzen ziehen." Junge selbst hatte sich in Vergangenheit mehrfach homophob geäußert und kämpft derzeit mit dem eigenen Bedeutungsverlust innerhalb der Partei. Welche Konsequenzen er nun zieht, bleibt allerdings offen. Eine Anfrage der taz beantwortete er bisher nicht.

Bildunterschrift: "Das freundliche Gesicht des NS" darf in den Bundestag.

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