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WDR-Nachrichten aus Ostwestfalen-Lippe , 02.08.2021 :

Gedenktafel für ermordete Sinti und Roma in Herford

02.08.2021 - 14.57 Uhr

Am Herforder Rathaus erinnert ab sofort eine Gedenktafel an die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit.

Anlässlich des Gedenktages zum Völkermord an Sinti und Roma fand die Gedenkfeier am Montag am Herforder Rathaus statt. Zur Zeit des Nationalsozialismus befand sich hier das Jugendamt.

Jugendamtsmitarbeiter halfen bei Verfolgung von Sinti und Roma

Die Mitarbeitenden observierten damals Familien der Sinti und Roma und halfen aktiv bei deren Verfolgung. Darüber informiert die Tafel des Kuratoriums "Erinnern Forschen Gedenken". Es erinnert unter anderem an die Zwangssterilisation mehrerer Mitglieder von Sinti-Familien.

Die Tafel befindet sich am Sockel des Rathauses links neben der Haupttreppe. Über einen QR-Code sind weitere Informationen über die Verfolgung der Sinti und Roma abrufbar. Die Tafel ist überschrieben mit den Worten des Herforder Sinto Alfred Lessing: "Deutschland war für mich immer Heimat, bedeutete aber auch immer Angst".

Mindestens zehn Sinti und Roma aus Herford wurden ermordet

Roma und Sinti leben seit einigen hundert Jahren in Herford. In den Jahren 1933 bis 1945 unterlagen sie besonderer Verfolgung. Aus 17 Herforder Familien wurden Männer, Frauen und Kinder verfolgt. Mindestens zehn von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Umdenken durch Gespräche mit Betroffenen

"Wer vor der Gedenktafel stehen bleibt und liest, was dort steht, sucht vielleicht das Gespräch mit einem Sinto oder Roma", sagt Oswald Marschall vom Zentralrat der deutschen Sinti und Roma. Nur durch Gespräche und Kontakt mit ihnen könne ein Umdenken geschehen.

Entschädigung verweigert

Eine Entschädigung wurde den Sinti und Roma nach 1945 verweigert, heißt es auf der Gedenktafel. Diese Entscheidung wurde damit begründet, dass sie nicht aus rassistischen, sondern aus "asozialen Gründen" diskriminiert worden seien.

Fast 500.000 ermordete Sinti und Roma in NS-Zeit

Der internationale Gedenktag zum Genozid an Sinti und Roma findet am 2. August statt. An diesem Tag wurden 1944 fast 3.000 Insassen des so genannten "Zigeuner-Lagers" im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Schätzungsweise wurden bis zu 500.000 Sinti und Roma während der NS-Zeit getötet.

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- Montag, 2. August 2021 um 10.30 Uhr -


Enthüllung / Einweihung der Gedenktafel an die Verfolgung der Sinti und Roma in Herford


Veranstaltungsort:

Rathaus
Rathausplatz 1
32052 Herford


Am 2. August 2021 wird um 10.30 Uhr am Herforder Rathaus die Gedenktafel zur Erinnerung an die Verfolgung der Herforder Sinti und Roma der Öffentlichkeit übergeben. Sie befindet sich am Sockel des Rathauses links neben der Haupttreppe.

Nach der Begrüßung durch Tim Kähler (Bürgermeister) folgen Grußworte von Stefan Schwartze, MdB und von Oswald Marschall (Verein Deutscher Sinti e.V. Minden, für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma). Nach der Übergabe des Tafel gibt Gisela Küster (Vorsitzende des Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken e.V.) einen kurzen Einblick in die Schicksale der Sinti und Roma in Herford. Untermalt wird die Veranstaltung durch Musik von Django Reinhardt.

Der Tafeltext unter den Worten "Deutschland war für mich immer Heimat, bedeutete aber auch immer Angst" des Herforder Sinto Alfred Lessing, der seine Kindheit in Herford verbrachte, lautet:

"Hier im Herforder Rathaus befand sich zur Zeit des Nationalsozialismus in Zimmer 23 das Jugendamt der Stadt Herford. Es observierte Familien der Sinti und Roma und half aktiv bei deren Verfolgung in Herford. Die dafür zuständige Fürsorgerin Helene Rollmann betrieb die Trennung der Kinder mehrerer Herforder Sinti-Familien vom Elternhaus und erlaubte unter anderem Zwangssterilisationen. Das Jugendamt unterstützte auch die Untersuchungen der Rassenhygienischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamts unter Dr. Robert Ritter in Berlin, in denen die Kinder als "Zigeuner" klassifiziert wurden.

Roma und Sinti - im Volksmund als "Zigeuner" bezeichnet - leben seit einigen hundert Jahren in Herford. In den Jahren 1933 bis 1945 unterlagen sie besonderer Verfolgung. Betroffen waren hier etwa 17 Familien. Mindestens zehn Sinti und Roma aus Herford wurden in den KZs ermordet. Eine Entschädigung wurde ihnen nach 1945 mit der Begründung, dass sie nicht aus rassistischen, sondern aus asozialen Gründen diskriminiert worden waren, verweigert."

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Am 2. August 2021 wurde in der Stadt Herford am Sockel des Rathauses eine Gedenktafel, zur Erinnerung an die Verfolgung der Herforder Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus, öffentlich eingeweiht.

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