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27.07.2021 :
Pressespiegel überregional
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MiGAZIN, 27.07.2021:
Nebenan / Die Ahrweiler-Verschwörung
Neue Westfälische, 27.07.2021:
Werte-Union will Wahl mit AfD-Stimmen
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MiGAZIN, 27.07.2021:
Nebenan / Die Ahrweiler-Verschwörung
27.07.2021 - 05.23 Uhr
Wer schamlos ist, dem kommt so eine Flutkatastrophe gelegen. Man kann Rettungskräften den Weg versperren, Lügen verbreiten und so tun, als würde man helfen. Apropos, kennen Sie Nàsis?
Von Sven Bensmann
So eine Flutkatastrophe ist schon eine großartige Gelegenheit - jedenfalls wenn man über keinerlei Schamgefühl verfügt. Und nein, es geht nicht um Armin Laschet, der sich hinter dem Rücken des Bundespräsidenten schlapp lacht.
Die Grünen haben’s da ja schon etwas besser gemacht: Urlaub beendet, öffentlich alles ganz, ganz schlimm gefunden - und dann aber lieber keinen Fuß ins Katastrophengebiet gesetzt, wo man nicht nur wie all die anderen ständig im Wege gestanden hätte, sondern dazu noch vom steten Nimbus des "Wir haben’s euch ja gesagt" umgeben wäre. Die Deutschen sind zwar dumm genug, einen Pressetermin vor Ruinen als echtes Engagement misszuverstehen - aber wen sie gar nicht leiden können, sind die, die genau davor stets gewarnt und konkrete Schritte gefordert haben, ebendies zu verhindern: Besserwisser, die sich für ihr Wohl einsetzen.
Richtig erfolgreich haben aber wohl die verschiedenen Milieus des Rechtsextremen die Flutkatastrophe genutzt, weshalb ich heute einmal ganz ernst werden muss. Denn was ein aufrechter Deutscher ist, der hat keinen geregelten Beruf, der kann jederzeit einfach alles stehen und liegen lassen, um die knappen Ressourcen am Ort einer Flutkatastrophe zu verbrauchen; und das muss angemessen eingeordnet werden.
Statt einfach nur unwillkürlich im Wege zu stehen, haben diese Rechten sich dann auch bewusst in den Weg der Rettungskräfte gestellt. Statt den Helfern zu helfen, haben sie sie beleidigt und mit Müll beworfen. Statt den Betroffenen zu helfen, haben sie mit Pseudo-Polizeifahrzeugen und über alle Kommunikationskanäle Lügen verbreitet, dass niemand da sei, der helfe. Statt für die Retter zu spenden, haben sie eigens Spenden eingesammelt und diese auf Privatkonten umgeleitet, wo sie zu allem, aber sicher nicht zur Hilfe der Betroffenen eingesetzt werden. Statt selbst mit anzupacken und Schutt wegzuräumen, haben sie sich selbst als Betroffene ausgegeben, um die Koordination der Rettungsarbeiten zu sabotieren.
Ob Reichsbürger, Prepper, Impf-Gegner oder sonstige Verdenker - unter dem Deckmantel des angeblichen Kümmerns verfolgen die Rechten genau zwei Ziele, und können dabei nicht einmal viel falsch machen:
Erstens: Sie behindern ganz direkt die Hilfen. Sie reduzieren die Mittel und die Fähigkeiten die Retter vor Ort und erzeugen gleichzeitig bei denjenigen Betroffenen, die bereit sind, ihnen zu glauben, das Bild, selbst die großen Kümmerer zu sein.
Zweitens: Durch ihre ständigen Angriffe auf die Retter reduzieren sie deren Motivation zu helfen. Der so erzeugte psychische Druck könnte dazu führen, dass der ein oder andere seine freiwillige Hilfstätigkeit einstellt und geht; zumindest aber ist der Einsatz nicht derselbe, wenn man sich und sein Hilfsangebot nicht als Willkommen wahrnimmt. Überhaupt wird eine Ferne zwischen Helfer und Geholfenem erzeugt, die niemandem weiterhilft, außer den Spaltern - eine Lehre übrigens, die sich problemlos auf praktisch jedes andere gesellschaftliche Thema übertragen ließe, in dem die Nàsis (National-Asozialen, treue Leser erinnern sich) ihre Finger haben. Aber wem sag ich das?
Die Nazis, das hat sich auch an diesen anderen Stellen gezeigt, können dabei kaum verlieren. Während der Staat, das THW und die Spendenorganisationen allen gleich und gleichzeitig helfen und helfen müssen, was nie schnell genug sein kann, können sich die Nazis auf hyperlokaler Ebene engagieren und so den Eindruck erwecken, sie würden die bessere Hilfe leisten - gerade in einer Ausnahmesituation wie dieser fehlt schließlich der Blick dafür, wer die Dorfbrücke wieder aufgebaut hat, die Straßen und die Kanalisation wieder instand gesetzt hat, die Wasser-, Strom- und Telekommunikationsnetze ersetzt oder wer den Keller des Nachbars ausgepumpt hat. Und überhaupt darf man das ja auch erwarten. Aber, dass der freundliche Nazi aus Brandenburg extra hergekommen ist und den kaputten Schrank aus dem Schlafzimmer herausgetragen hat, das bleibt dann vielleicht doch hängen; auch dann, wenn vorher vielleicht vier linke Migranten die gesamte Küche entkernt haben - die hatten schließlich keine politische Agenda, über die jedem ein Loch in den Bauch zu schnattern sie extra aus der Zone angereist sind.
Und selbst, wenn es bei 6 oder 7 von 10 Menschen auch in dieser Ausnahmesituation nicht ansatzweise verfängt: Die Bundesrepublik, die Länder, die Hilfsorganisationen müssen 10 von 10 Menschen erreichen; die extreme Rechte jenseits der Union wäre schon froh, wenn sie bis zur Bundestagswahl auch nur 1 von 10 erreicht hätte.
Am Ende ist es wie bei der Überflutung selbst: Wenn die Sandsäcke auch nur an einer einzigen Stelle nicht halten, kann der Keller bereits hinüber sein.
Bildunterschrift: MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann.
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Neue Westfälische, 27.07.2021:
Werte-Union will Wahl mit AfD-Stimmen
Nico Pointner und Stefan Hantzschmann
Köln. Die ultrakonservative Werte-Union fordert die Aufstellung eines CDU-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen. Dabei müsse man sich von allen demokratisch legitimierten Mitgliedern des Landtags wählen lassen - auch von der AfD, sagte der neue Vorsitzende Max Otte. "Wenn ich gewählt werde, ist mir egal, von wem ich gewählt werde", so Otte. "So verstehe ich Demokratie."
Die Thüringer CDU lehnte seine Forderung ab und zeigte sich entrüstet. "Die AfD ist gerade in Thüringen in weiten Teilen rechtsextrem und das Schielen auf ihre Stimmen - egal wo - völlig indiskutabel", machte Generalsekretär Christian Herrgott klar. Ein bürgerlicher Ministerpräsident entspräche den Mehrheitsverhältnissen im Thüringer Landtag, sagt dagegen Otte. "Es wäre richtig, wenn die CDU einen eigenen Kandidaten für ein konstruktives Misstrauensvotum aufstellte."
Man wäre zwar angewiesen auf die AfD, hätte dann aber dennoch einen CDU-Ministerpräsidenten. Otte sagte, er stehe weiter dazu, dass die Werte-Union weder mit AfD noch mit den Linken zusammenarbeite. Aber: "Gewählt werden darf man in einem demokratisch legitimierten Parlament immer noch von jedem Abgeordneten."
Thüringens CDU-Generalsekretär sagte, die Werte-Union habe in ganz Deutschland nicht einmal halb so viele Mitglieder wie die CDU allein in Thüringen. "Unsere Partei hat keine Ratschläge von diesem randständigen Kleinst-Verein nötig." Otte habe sich in Thüringen bislang auch noch nicht blicken lassen.
Das Thüringer Landesparlament entschied am Freitag über ein Misstrauensvotum, das die AfD-Fraktion gegen Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) angestrengt hatte. Linke, SPD, Grüne und FDP stimmten geschlossen mit Nein. Die CDU-Abgeordneten blieben auf ihren Plätzen sitzen und stimmten nicht mit ab - was ihnen bereits zuvor viel Kritik eingebracht hatte.
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