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Mindener Tageblatt ,
07.07.2021 :
Petershagen / Wolfgang Battermann erhält Bundesverdienstkreuz
Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ist Wolfgang Battermann für sein Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet worden. Sein Name ist untrennbar mit der Alten Synagoge Petershagen verbunden, für deren Erhalt er jahrzehntelang kämpfte.
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Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 04.01.2012:
Beherzte Initiative
65-jähriger Pädagoge Wolfgang Battermann erhält deutsch-jüdische Auszeichnung
Von Hans-Jürgen Amtage
Petershagen. Für den Pädagogen Wolfgang Battermann wird das Jahr 2012 ein ganz besonderes. Der 65-Jährige erhält den renommierten "German Jewish History Award".
Dieser Preis, der als eine der bedeutendsten internationalen Auszeichnungen für das Engagement um die deutsch-jüdische Erinnerungskultur gilt, wird vom German Jewish Community History Council mit Sitz in West Newton (USA) ausgeschrieben - einem deutsch-jüdischen Geschichtsrat, der Teil der Obermayer Foundation ist. Eine Stiftung, die Projekte in vielen Teilen der Welt unterstützt. Unter anderem fördert sie jüdische Museen in Deutschland.
Der in Minden geborene und in Petershagen lebende ehemalige Gymnasiallehrer Wolfgang Battermann steht nach Ansicht der internationalen Jury, der neben Stifter Arthur S. Obermayer auch Berlins Alt-Bürgermeister Walter Momper angehört, für das Engagement um lebendige Erinnerungskultur. Vorgeschlagen für den Preis wurde der 65-Jährige von Harald Scheurenberg, dem Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Minden.
Seit Anfang der 80er Jahre bemühte sich Battermann mit einigen unentwegten Mitstreitern, die alte Synagoge in Petershagen, die 1845/46 erbaut und 1938 in der Reichspogromnacht nicht völlig zerstört wurde, wieder in das Zentrum des öffentlichen Interesses zu rücken. Zunächst gelang es dem Kreis Engagierter, dass die Synagoge unter Denkmalschutz gestellt wurde. Mitte der 90er Jahre dann machte sich der Petershäger an die Arbeit, um Menschen für die Rettung und den Erhalt der Synagoge zu gewinnen.
Mit der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen wurde eine Vereinsplattform geschaffen, ein Trägerkreis wurde zur Akquirierung von Geld gegründet. Und Wolfgang Battermann machte sich stark, dass die an die Synagoge angrenzende alte jüdische Schule ebenfalls in die Denkmalliste eingetragen wird. Mit Erfolg.
2001 wurde die Alte Synagoge als Gedenkstätte eingeweiht. 2007 kann die Arbeitsgemeinschaft einen wesentlichen Beitrag zum Kauf der jüdischen Schule beisteuern. Drei Jahre später beginnt die Rekonstruktion des Gebäudes auf den Zustand von 1878.
"Tauchbad für rituelle Reinigung"
Doch Wolfgang Battermann bleibt auch in anderen Erinnerungsbereichen unermüdlich. Er initiiert das Verlegen von "Stolpersteinen" durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Der erinnert mit seinen Aktionen an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten Wohnort Gedenksteine aus Messing in das Bürgersteig-Pflaster verlegt.
Der Pädagoge organisiert Führungen und Veranstaltungen, die jüdische Vergangenheit und Gegenwart verdeutlichen: "Ich stehe für viele Engagierte. Uns ist es wichtig, vergessene jüdische Menschen in ihrer Identität wieder in das Bewusstsein der Stadt zu holen."
In einer Art gutachterlichen Stellungnahme schreibt der Hamburger Geisteswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Grünberg, ein gebürtiger Mindener: "Die Synagoge mit benachbarter Schule und einer 2008 entdeckten und freigelegten Mikwe (ein Tauchbad, das der Reinigung von ritueller Unreinheit dient) aus dem Jahr 1796 bilden mit dem jüdischen Friedhof und einer großen Anzahl von Stolpersteinen vor den Wohnhäusern vertriebener und ermordeter jüdischer Mitbürger ein Ensemble. Dieses als zusammen gehörigen Erinnerungs- und Lernort restauriert und wieder belebt zu haben, dürfte in der jüngsten Vergangenheit in Deutschland einmalig sein."
Info / Preisübergabe in Berlin
Die German Jewish History Awards werden jedes Jahr an Personen vergeben, die ehrenamtlich herausragende Beiträge zur Dokumentation und zum Erhalt jüdischer Geschichte und Kultur, des jüdischen Erbes und/oder der Überreste lokaler deutscher Gemeinden geleistet haben.
Die Auszeichnung, die im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde, wird im Abgeordnetenhaus von Berlin überreicht.
Die Preisverleihung findet im Gedenken an die Befreiung von Auschwitz am 27. Januar statt, der Tag, der heute als Deutscher und Internationaler Holocaust-Gedenktag begangen wird. Da er in diesem Jahr auf einen Freitag fällt, an dem der jüdische Ruhetag, der Sabbat, beginnt, findet die Preisverleihung bereits am 23. Januar statt.
Bildunterschrift: Mit Kopfbedeckung: Wolfgang Battermann schaut in eine der neun Vitrinen in der Synagoge, in denen über die mehr als 450 Jahre jüdischer Orts- und Regionalgeschichte in Petershagen in Wort, Bild und Gegenständen berichtet wird. Er trägt eine Kippa, ein Käppchen, das jüdische Männer zum Beten oder ständig tragen. Es gilt als Zeichen des Respekts gegenüber Gott, eine Kippa zu tragen.
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Am 6. Juli 2021 erhielt Wolfgang Battermann - insbesondere für sein Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus - Gedenk- und Informationsstätte: "Alte Synagoge Petershagen" - das Bundesverdienstkreuz.
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www.synagoge-petershagen.de
www.facebook.com/synagoge.petershagen
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