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Nachrichten ,
06.07.2021 :
Tages-Chronologie von Dienstag, 6. Juli 2021
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Pressespiegel überregional
Jüdische Allgemeine Online, 06.07.2021:
Niedersachsen / Jüdischer Friedhof in Wolfsburg mit Ewigkeitsruherecht
die tageszeitung Online, 06.07.2021:
Keine Ermittlungen zu Notruf in Hanau: / "Mein Sohn könnte noch leben"
MiGAZIN, 06.07.2021:
Ballstädt-Verfahren / Nebenklage nennt Neonazi-Prozess eine Farce
Berliner Zeitung Online, 06.07.2021:
Berlin / Neonazi nach Messer-Angriff auf Jamaikaner verhaftet
Blick nach Rechts, 06.07.2021:
Rassistischer Übergriff in Lübeck
Kölnische Rundschau Online, 06.07.2021:
"Holocaust und Corona sind Lügen" / 59-Jährige in Köln wegen Volksverhetzung verurteilt
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Dienstag, 6. Juli 2021
Am 6. Juli 2021 erhielt Wolfgang Battermann - insbesondere für sein Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus - Gedenk- und Informationsstätte: "Alte Synagoge Petershagen" - das Bundesverdienstkreuz.
Am 8. Juni 2021 gegen 18.45 Uhr beobachtete ein Zeuge - am Schutzstaffel-Schießstand des ehemaligen Konzentrationslagers Niederhagen - vier Bundeswehrsoldaten, einer davon, habe den "Hitlergruß" gezeigt.
Am 2. Juni 2018 wurde ein Video der militant-neonazistischen Gruppierung "Atomwaffen Division" ("AWD") im Internet verbreitet, wo ein mit Totenkopf-Maske Vermummter (mit Fahne) vor der Wewelsburg posiert.
Am 2. April 1945 wurde das Konzentrationslager Niederhagen, 1941 als "Außenlager Wewelsburg" - einem Nebenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen, entstanden - von amerikanischen Soldaten befreit.
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Mindener Tageblatt Online, 06.07.2021:
Der Anti-Rassist: Bundesverdienstkreuz für Wolfgang Battermann
die tageszeitung Online, 06.07.2021:
Hitlergruß am SS-Schießstand
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Mindener Tageblatt Online, 06.07.2021:
Der Anti-Rassist: Bundesverdienstkreuz für Wolfgang Battermann
06.07.2021 - 20.12 Uhr
Jürgen Langenkämper
Petershagen / Minden. Vor 60 Jahren hat ein Lebenswerk begonnen, das gestern im Kreishaus in Minden eine besondere Würdigung erfuhr: Landrätin Anna Katharina Bölling überreichte Wolfgang Battermann in Namen des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz für sein großes Engagement für das Gemeinwohl und gegen Antisemitismus und Rassismus.
"Es begann 1961, genau vor 60 Jahren", erzählte der gebürtige Mindener zum Abschluss in seinen Dankesworten, "ich war 14 Jahre alt und verfolgte den Eichmann-Prozess in Jerusalem am Fernsehschirm". Nicht fasziniert von der "Banalität des Bösen" Eichmanns, wie Hannah Arendt es nannte, sei er gewesen, "sondern erstarrt vor Entsetzen über das grausamste Verbrechen der Menschheit und die gewissenlose individuelle Verantwortungslosigkeit eines Eichmann". Fortan sollten ihn Judentum und Antisemitismus nicht mehr loslassen, nicht als Schüler, Student der 68er-Generation, als Lehrer am Gymnasium Petershagen nicht und auch nicht als Bürger und Privatperson. Seine Reaktion sei damals schon und stets gewesen: "Das darf nicht wieder passieren, nie wieder!" Das sei der Grund, "warum ich hier heute noch stehe - nach 60 Jahren".
Untrennbar mit der Region sind der Name Wolfgang Battermanns und sein ehrenamtliches Wirken vor allem mit der Alten Synagoge in Petershagen verbunden. Die Landrätin skizzierte den Weg von ersten Überlegungen während der Referendar-Zeit am Gymnasium über erste Erörterungen im Rat 1997 bis zum Kauf und zur Sanierung 1998 und der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen, deren stellvertretender Vorsitzender er seither ist.
2002 war Wolfgang Battermann Mitbegründer des Arbeitskreises Antisemitismus in seiner Geburtsstadt Minden. 2007 gründete er den Arbeitskreis Stolpersteine Petershagen. Zusammen mit vielen Helfern und Unterstützern, aber maßgeblich vorangetrieben durch sein ehrenamtliches Engagement - für das ihm seine Frau Bärbel und die Familie den Rücken freihielten - wurde die benachbarte frühere jüdische Schule erworben und gemeinsam mit der 2008 entdeckten Mikwe, dem wohl ältesten jüdischen Tauchbad in Westfalen, restauriert. Im Jahr der Einweihung, 2012, wurde sein unermüdlicher Einsatz für die Gedenk- und Erinnerungskultur mit der Verleihung des höchst seltenen Obermayer Awards gewürdigt, zwei Jahre später ergänzt durch die Verleihung der "Obermayer Insignien". 2012 erfolgte auch die Auszeichnung "Germany at its best" durch das Land NRW für die Rettung eines deutschlandweit einmaligen Erinnerungs- und Lernortes, den das Ensemble von Alter Synagoge und Jüdischer Schule überregional darstellt.
Der Hamburger Historiker Prof. Arno Herzig warf als langjähriger Freund, Weggefährte und auch geistiger Mentor ein Streiflicht auf die Zeit, als beide gemeinsam durch die Fenster einen Blick in das vom Verfall bedrohte Synagogen-Gebäude warfen, das als Remise zweckentfremdet wurde. "Immerhin ist sie so erhalten geblieben", sagte der Kenner jüdischer Geschichte in Deutschland und ganz besonders im Mindener Land. "Nach 1945 sind mehr Synagogen abgerissen worden, als im November 1938 zerstört wurden", gab er einen kritischen Hinweis auf die schwierigen Anfänge des Umgangs mit jüdischer Geschichte unmittelbar nach dem Krieg.
Über den Beitrag Battermanns zur Memorialkultur als Grund für dessen Auszeichnung hinausgehend, erinnerte Herzig an einen Besuch mit Studenten auf Einladung des Gymnasiallehrers 1984. Dabei erkundeten die Studenten auch das Gelände der vom Verfall bedrohten Glashütte Gernheim. Die daraus resultierende wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte Gernheims leistete einen wichtigen Beitrag zu dessen Erhalt als LWL-Industriemuseum. Es sei neben der Alten Synagoge eine weitere "Attraktion des gesamten Landkreises", so Herzig. "Auch dies ist eines deiner Verdienste", dankte er dem Freund.
Vielfältige Aspekte der ehrenamtlichen Arbeit griff Hans Ulrich Gräf, der Wolfgang Battermann für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hatte, in seiner Laudatio auf, um die guten Gründen zu beleuchten, die ihn zu seinem Vorschlag bewegt hatten. Beispielhaft nannte er Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden wie Erna de Vries und Gesprächsrunden über die Manifestation völkischer Ideologie im ländlichen Raum als Grundlage und Nährboden für Antisemitismus und Rassismus. "In diesem konträren Spannungsbogen, zwischen mit den Füßen getretener Menschenwürde, politisch motiviertem Völkermord und einer völkischen Ideologie, einer deutschnationalen antisemitisch-rassistischen Bewegung, sorgst du unermüdlich dafür, dass jüdisches Leben in Deutschland möglich und erfahrbar bleibt", sagte Gräf.
Wolfgang Battermann vergaß über das Lob für ihn persönlich in seinen Dankesworten nicht seine Unterstützer und Wegbegleiter, die er wie den gebürtigen Mindener Wolfgang Hempel oder die "Child Survivors", überlebende Kinder der Shoah, zum Teil erst durch die Arbeit mit und für die Alte Synagoge kennengelernt hatte, aber ebenso Marianne Schmitz-Neuland, frühere Bürgermeisterin und Vorsitzende der AG Alte Synagoge, sowie Harald Scheurenberg und seinen verstorbenen Vater Kurt von Seiten der Jüdischen Kultusgemeinde.
Dass das Werk abgeschlossen sei, verneinte Wolfgang Battermann. Als Anregung gab er Kay Busche, der in Vertretung des Bürgermeisters gesprochen hatte, mit auf den Weg ins Rathaus: "Mein Wunsch ist eine namentliche Rückbenennung der Goebenstraße in Petershagen mit dem jüdischen Ensemble von 1796 und 1846 in Synagogenstraße, die immer so hieß. Seit Einführung von Straßennamen in Petershagen trug sie diesen Namen bis in die 1930er-Jahre hinein."
Bildunterschrift: Verdiente Ehrung: Landrätin Anna Katharina Bölling (links) überreichte Wolfgang Battermann (Mitte) das Bundesverdienstkreuz. Kay Busche von der Stadt Petershagen (von rechts), Hans Ulrich Gräf, der ihn vorgeschlagen hatte, und Prof. Arno Herzig würdigten seine Leistungen und das große Engagement.
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die tageszeitung Online, 06.07.2021:
Hitlergruß am SS-Schießstand
Soldaten im Corona-Einsatz in NRW
Wegen der Pandemie halfen Soldaten im Gesundheitsamt Meschede aus - bis vier von ihnen nach Feierabend offenbar einen Nazi-Ausflug unternahmen.
Sebastian Erb
Berlin (taz). Die Wewelsburg im Kreis Paderborn sollte in der NS-Zeit zu einer zentralen und elitären Versammlungsstätte der SS ausgebaut werden. Um dafür Arbeitskräfte zu haben, ließ SS-Chef Heinrich Himmler direkt daneben ein Konzentrationslager errichten, das KZ Niederhagen. Heute ist hier eine Gedenkstätte. Und der Ort ist offenbar auch ein Ausflugsziel von rechtsextremen Soldaten, wie taz-Recherchen ergeben haben.
Am 8. Juni gegen 18.45 Uhr beobachtete ein Zeuge am SS-Schießstand des ehemaligen Konzentrationslagers vier Personen in Tarnuniform. Einer von ihnen soll dabei den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben haben. Die durch den Zeugen gerufene Polizei stellte die Personalien der Männer fest: Es handelte sich um Bundeswehrsoldaten, die eine knappe Autostunde entfernt im Einsatz gegen die Corona-Pandemie waren.
Sie halfen im Rahmen der Amtshilfe im Gesundheitsamt in Meschede aus, zu Spitzenzeiten waren hier mehr als 40 Soldatinnen, Soldaten im Einsatz, im Testzentrum, zur Kontakt-Nachverfolgung und an der Telefonhotline.
An dem Abend des mutmaßlichen Nazi-Ausflugs stellte die Polizei fest, dass die Soldaten mit ihrem Dienstfahrzeug von ihrer Unterkunft in Hachen zum ehemaligen SS-Schießstand gefahren waren, zwei von ihnen sollen leicht alkoholisiert gewesen sein. Sie sollen beim Betreten des Geländes auch eine Metallsonde bei sich geführt haben, womöglich wollten sie im Erdreich nach NS-Devotionalien suchen.
Staatsschutz ermittelt
Nach taz-Informationen sind zwei der Soldaten vom Panzerpionierbataillon 1 im niedersächsischen Holzminden, die anderen beiden gehören dem Marinefliegergeschwader 5 in Wurster an. Drei von ihnen sind Unteroffiziere, einer ist Mannschaftssoldat. Eine herbeigerufene Feldjägerstreife der Bundeswehr informierte noch am Abend die Disziplinarvorgesetzten der Soldaten.
Der Staatsschutz der Polizei in Bielefeld hat die Ermittlungen übernommen, wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach Paragraf 86a Strafgesetzbuch. Diese Ermittlungen dauern noch an, sagte ein Polizeisprecher der taz. Die Beschuldigten würden den Hitlergruß bestreiten.
Direkt am Tag nach dem Vorfall seien die vier Soldaten vom Corona-Einsatz abgezogen worden, sagt der Pressesprecher des Hochsauerlandkreises, Martin Reuther, zu dem das Gesundheitsamt gehört. Sie hätten zuvor "hervorragende Arbeit abgeliefert", seien gut integriert gewesen und immer freundlich. "Es ist umso bedauerlicher, dass es außerhalb des Dienstes zu dem Vorfall kam."
Bildunterschrift: Vier Bundeswehrsoldaten besuchten nach Feierabend das ehemalige KZ Niederhagen (Symbolfoto).
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