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Lippische Landes-Zeitung , 30.06.2021 :

Unvergessliche Worte

Die Sonderausstellung zu Ehren Shmuel Ravehs wird im Beisein seiner Söhne feierlich eröffnet

Lemgo (pm.) Zu der vor einem Monat fertiggestellten Sonderausstellung "Shmuel Raveh 1925 - 1986 - Das Leben eines stillen Zeitzeugen?!" gab es nun die offizielle feierliche Eröffnungsveranstaltung. Für Bürgermeister Markus Baier war es eine besondere Ehre, die Veranstaltung mit den Ehrengästen aus Israel eröffnen zu dürfen: den Söhnen Michael und Danny Raveh.

Michael Raveh las aus der Biografie, die er über seinen Vater geschrieben hat, der ehemalige Museumsleiter Jürgen Scheffler übersetzte die Lebensgeschichte von Shmuel Raveh dann ins Deutsche. Michael Raveh nutzte für die Biografie auch Schriftstücke seines am 11. Dezember 1986 verstorbenen Vaters. Da es davon nicht allzu viele gab, machte er sich nach dem Tode seiner Mutter am 27. Mai. 2017 auf eine Reise in die Vergangenheit. Er begab sich zu einer der größten Holocaust-Gedenkstätten Yad Vashem, um dort Informationen über seinen Vater zu finden. Dieser Versuch sollte jedoch fehlschlagen. Einige Jahre später fand Raveh dann in einer Gedenkstätte in den USA in einem Buch weitere Hinweise.

In Lemgo las er unter anderem von der Flucht aus Polen und dem Leben in Lemgo. Die Passagen hatte Shmuel Raveh selbst zu Papier gebracht. Das Publikum lauschte still und betroffen. Manche hatten Tränen in den Augen, als sie hörten, wie jüdische Bürger sich nach Alter sortieren mussten, um in den sicheren Tod deportiert zu werden.

Fünf Schülerinnen und Schüler der Lemgoer Karla-Raveh-Gesamtschule zeigten Ausschnitte aus dem Theaterstück über Shmuel Raveh, das unter der Regie von Freya Müller, mit einer Choreographie von Patricia Struffolino und der Musik von Philipp Schmidt-Rhaesa, Lehrer an der Gesamtschule, präsentiert wurde. Das komplette Stück wird noch bis September ausgearbeitet und dann im Hexenbürgermeisterhaus aufgeführt.

Nach dem Theaterstück führte Kuratorin Sara Elkmann die Besucher durch die Sonderausstellung. Diese ist in sechs Abschnitte unterteilt und beginnt mit dem Sommer 1939 in Debblin in Polen.

Museumsleiter Fabian Schröder freute sich über die zahlreichen Besucher und wandte sich mit emotionalen Worte auch an die Familie Raveh: "Uns war es besonders wichtig, dass die Familie Raveh bei der Eröffnung der Ausstellung mit dabei ist."

Shmuel Raveh, damals noch Rubin, kam 1949 nach Lemgo und heiratete Karla Frenkel. Im Jahr 1967 änderten sie ihren Nachnamen in das hebräische Raveh.

Bildunterschrift: Über die Eröffnung der Sonderausstellung von Shmuel Raveh freuen sich (von links) Bürgermeister Markus Baier, Michael Raveh, Sara Elkmann und Museumsleiter Fabian Schröder. Alle Beteiligten wurden negativ auf Corona getestet.

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Lippische Landes-Zeitung, 23.06.2021:

Raveh-Söhne zu Besuch in Lemgo

Museum lädt zur nachträglichen Ausstellungseröffnung

Lemgo. Seit vergangenem Jahr ist die Lebensgeschichte von Shmuel Raveh, dem Ehemann der Lemgoer Ehrenbürgerin Karla Raveh, stärker in das Bewusstsein der Stadtgesellschaft gerückt: Im August 2020 wurde dessen Biografie publiziert, vor einem Monat die Sonderausstellung über sein Leben im Museum Hexenbürgermeisterhaus fertiggestellt (die LZ berichtete).

Sowohl die Buchveröffentlichung als auch die Ausstellungseröffnung konnten Corona-bedingt allerdings nicht standesgemäß begangen werden, schreibt die Stadt. Michael Raveh, der die Biografie seines Vaters selbst geschrieben hatte, konnte bei der Buchvorstellung nur per Videokonferenz teilnehmen und eine Einreise der Familie Raveh aus Israel gestaltete sich in den vergangenen Monaten ebenfalls schwierig.

Nun sind die beiden Söhne Shmuel und Karla Ravehs, Michael und Danny Raveh, in Lemgo eingetroffen. Anlässlich ihres Besuchs laden die Städtischen Museen Lemgo an diesem Sonntag zu einer nachträglichen Eröffnungsveranstaltung der Sonderausstellung ein. Im Garten des Museums Hexenbürgermeisterhaus liest Michael Raveh aus der Biografie seines Vaters und Schülerinnen und Schüler der Karla-Raveh-Gesamtschule zeigen erste Teile des im Entstehen befindlichen Theaterstücks über Shmuel Raveh. Bürgermeister Markus Baier freut sich, die Veranstaltung eröffnen zu können, schreibt die Stadt weiter. Vor und nach der Veranstaltung wird Kuratorin Sara Elkmann Kurzführungen anbieten. Beginn ist um 11.30 Uhr. Die Teilnahme ist nur mit Impf- oder Genesenen-Nachweis oder negativem Testergebnis möglich.

Anmeldung per Mail an museen@lemgo.de oder unter Tel. (05261) 213276.

Bildunterschrift: Danny Raveh (Mitte) und Michael Raveh (Zweiter von rechts) haben für die Sonderausstellung über ihren Vater Objekte aus Israel mitgebracht. Philipp Schmidt-Rhaesa (links, Karla-Raveh-Gesamtschule), Sara Elkmann und Fabian Schröder (beide Städtische Museen Lemgo) freuen sich auf die gemeinsame Veranstaltung am Sonntag.

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Lippische Landes-Zeitung, 22./23.05.2021:

Auf den Spuren des Shmuel Raveh

Das Hexenbürgermeisterhaus widmet dem Ehemann von Lemgos Ehrenbürgerin eine eigene Ausstellung / Ab diesem Wochenende ist sie für Besucher auch in Präsenz zugänglich

Nicole Ellerbrake

Lemgo. Dass während der Zeit des Nationalsozialismus neben den vielen deutschen Juden auch Juden aus Deutschlands Nachbarländern verfolgt wurden, kommt in den Geschichtsbüchern und Erzählungen meist etwas zu kurz. Eng mit Lemgo verbunden ist die Geschichte des Shmuel Raveh. Der spätere Ehemann von Karla Raveh wurde in seiner Heimat Polen verfolgt und hat einen ähnlichen Weg wie die Namenspatronin der Lemgoer Gesamtschule durchlebt. So richtig ist er nie dazu gekommen, seine eigene Geschichte zu erzählen und aufzuschreiben, deswegen hat die Gedenkstätte Frenkel-Haus ihm nun im Museum Hexenbürgermeisterhaus eine eigene Ausstellung gewidmet.

Das Buch "Die Geschichte meines Vaters" von Karla und Shmuels Sohn Michael Raveh habe dem Museums-Team Anlass zur Planung der Ausstellung "Shmuel Raveh 1925 - 1986 - Das Leben eines stillen Zeitzeugen?!" gegeben, erklärt Museumsleiter Fabian Schröder. In diesem Buch, das die Hansestadt im vergangenen Jahr herausgegeben hat, hat Michael Raveh das Leben des Shmuel Raveh zusammengefasst - aufbauend auf einigen Aufzeichnungen seines Vaters, die er zufällig gefunden hatte. Den Namen Raveh hat die Familie allerdings erst in den 1960er Jahren angenommen, sodass auch in der Ausstellung bis zu diesem Zeitpunkt von dem ursprünglichen Namen Rubin die Rede ist.

Mit viel Liebe zum Detail hat Sara Elkmann, wissenschaftliche Volontärin des Museums, die Daten und Schriftstücke zusammengetragen und unter Beachtung aller kleinen Details die Geschichte des Shmuel Rubin aufgearbeitet. Sein Leben wird den Besuchern auf gleich zwei Etagen in einer Art Zeitreise präsentiert. Es gibt sechs Bereiche: "Kindheit und Jugend", "Besatzungszeit und Shoa", "Überlebt in Lemgo", "Nach Israel kommen", "Ein neues Leben in Israel" und "Erzählen?!" führen die Besucher strukturiert durch die Geschichte.

Die originalen Aufzeichnungen des bereits 1986 verstorbenen Shmuel Raveh beginnen mit dem "schönsten Sommer seines Lebens", wie er ihn beschreibt. Dem Sommer im Jahr 1939, als die Welt für ihn noch in Ordnung war und er in Polen eine tolle Zeit mit seiner Familie verbrachte. Dem letzten gemeinsamen Sommer, bevor seine Familie in den Konzentrationslagern ermordet wurde.

Er selbst überlebte und kam über viele Stationen nach einer waghalsigen Flucht nach Lemgo, wo er seine zukünftige Frau kennenlernte. Ab dieser Zeit zeigt die Ausstellung zunehmend mehr originale Schriftstücke und Fotografien, die - wie auch ein Gedicht von Shmuel Raveh - hier erstmals veröffentlicht werden.

Da seine Frau Karla sich als Zeitzeugin in Lemgo immer sehr engagiert hatte, hat sich ihr Mann immer etwas im Hintergrund gehalten. "Das soll sich mit dieser Ausstellung ändern", sagt Sara Elkmann und freut sich darüber, die Geschichte dieses besonderen Menschen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben.

Das Hexenbürgermeisterhaus ist ab dem heutigen Samstag wieder geöffnet. Die Ausstellung zu Shmuel Raveh soll mindestens bis zum 3. Oktober bestehen bleiben. Auch Schulklassen können sich für die Ausstellung anmelden. Aktuell gilt, dass eine vorherige Anmeldung telefonisch unter (05261) 213-276 oder direkt vor Ort für jeden Besucher ausreicht. Ein negatives Testergebnis oder ein Impf-Nachweis wird laut Museumsleiter Fabian Schröder nicht benötigt. Dasselbe gilt auch für das Junkerhaus (beide Museen sind auch am Pfingstmontag geöffnet) und die Gedenkstätte Frenkel-Haus, die jederzeit auf Anfrage geöffnet wird.

Bildunterschrift: Sara Elkmann (links), Annette Paschke-Lehmann (Geschäftsbereichsleiterin Kultur) und Fabian Schröder präsentieren Ausstellungsstücke zu Shmuel Raveh. Die Ausstellung kann ab heute besichtigt werden.

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Am 20. August 2020 erschien das Buch "Shmuel Raveh (1925 - 1986). Die Geschichte meines Vaters" von Michael Raveh im "Verlag für Regionalgeschichte", Reihe "Schriften des Städtischen Museums Lemgo 21".

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www.museen-lemgo.de

www.stadtarchiv-lemgo.de/literatur/schriften-des-staedtischen-museums-lemgo

www.gfcjz-lippe.de


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