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Die Glocke ,
08.06.2021 :
Rechtsextremismus / Anschlagspläne auf Moschee als Warnsignal
Von Matthias Bornhorst
Bielefeld / Herford / Warendorf (bor). Offenbar ist eine Bielefelder Moschee ein Anschlagsziel der rechtsextremen "Gruppe S." gewesen. Das gab der Kronzeuge in dem Prozess gegen die zwölfköpfige Terror-Organisation Ende Mai in einer Vernehmung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart zu Protokoll. Zwei Mitglieder der 2020 aufgeflogenen "Gruppe S." stammen demnach aus Minden - sie ist nur ein Beispiel für die rechtsextremen Umtriebe in Ostwestfalen-Lippe (OWL).
"Die Anschlagspläne sind ein Warnsignal", sagt Janine Tappe von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) OWL in Herford. Die Beratungsstelle beobachtet jeden Prozesstag. "Es zeigt sich deutlich, wie stark die Vernetzung und das Gewaltpotenzial in der Szene sind", sagt Tappe. Die MBR, die von Bund und Land NRW finanziert wird, berät Bürger, Behörden und die Polizei zum Thema Rechtsextremismus und leistet präventive Aufklärungsarbeit in Schulen und Vereinen.
Tappe liefert ein beunruhigendes Bild der rechtsextremen Aktivitäten in der Region. "Das Spektrum reicht von Parteien über Vereine bis hin zu Musikbands und Kampfsport-Gruppen. Der Rechtsextremismus ist ein Puzzle aus verschiedenen Teilen." Das immer noch verbreitete Bild des Skinheads mit Bomberjacke und Springerstiefeln erfasse das Phänomen nicht mehr. Mit Sorge sieht Tappe die Entwicklung in der Szene der "Querdenker" und Corona-Leugner. Die Ansicht unterstreicht der Warendorfer Bundestagsabgeordnete Reinhold Sendker. Die Corona-Pandemie "hat das Immunsystem unseres Rechtsstaates geschwächt", betonte zuletzt der CDU-Politiker, der sich bereits seit zehn Jahren mit der MBR aus dem Regierungsbezirk Münster austauscht.
Jeder Bürger, der rassistische Vorfälle beobachtet, kann sich kostenfrei an die mobilen Beratungsteams in OWL und im Münsterland wenden. "Wenn im Sportverein rechte Sprüche geklopft werden oder der Nachbar eine Reichskriegsflagge aufhängt, werden wir gerufen und fahren zu den Hilfesuchenden", sagt Tappe. Vor Ort leiste die MBR Aufklärungsarbeit zum Thema Diskriminierung und stärke zivilgesellschaftliches Engagement, etwa durch Argumentationstrainings. "Wenn im Verein Interesse besteht, liefern wir auch Vorträge über rechtsextreme Kleidung, Symbole und Organisationen."
Die "Gruppe S.", in der Mitglieder aus der "Reichsbürger"-Szene kommen, plante Terroranschläge, die zu Gegenwehr und letztlich zu einem Bürgerkrieg führen sollten. Bei einem Treffen in Minden sei eine Bielefelder Moschee als Ziel genannt worden, wie der Kronzeuge vor Gericht angab. "Es wäre Wahnsinn, wenn diese kranken Menschen das umgesetzt hätten", teilt das Bielefelder "Bündnis der Islamischen Gemeinden" mit. "Die Nazis wollen Angst schüren. Wir lassen uns aber nicht in die Opferrolle drängen. Wir vertrauen auf den Rechtsstaat und die Polizei."
Bildunterschrift: Die völkische "Identitäre Bewegung" - ein rechtsextremer Verein, der vor allem junge Menschen umwirbt, hat ihren deutschen Sitz seit Herbst 2020 in Salzkotten (Kreis Paderborn). Die Gruppe wird vom Verfassungsschutz beobachtet und ist nur ein Beispiel rechtsextremer Aktivitäten in Westfalen.
Bildunterschrift: Die Wewelsburg in Büren übt hohe Anziehungskraft auf Neonazis aus.
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Am 8. Juni 2021 informierte "Die Glocke", über die extrem rechte Szene in Ostwestfalen-Lippe - sowie das Angebot / die Arbeit der "Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus OWL / Regierungsbezirk Detmold".
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www.mobile-beratung-nrw.de
www.mobile-beratung-owl.de
www.mobim.info
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