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Neue Westfälische - Tageblatt für Enger-Spenge , 18.05.2021 :

Franziska-Spiegel-Stein: Politik diskutiert über Umgestaltung

Die Jüdin wurde 1944 im Hückerholz von SS-Leuten kaltblütig erschossen / Der Kulturausschuss der Stadt Spenge beschäftigt sich jetzt damit, wie das Mahnmal würdiger gestaltet werden kann

Ekkehard Wind

Spenge. Er steht etwas versteckt in einem kleinen Waldstück, nicht weit entfernt vom Hücker Moor: der Gedenkstein für Franziska Spiegel. Das Mahnmal will die Erinnerung an die jüdische Frau wachhalten, die hoffte, in der ländlichen Provinz sicher zu sein vor dem NS-Terror - hoffte, dem Holocaust entkommen zu können, überleben zu können bis zum Kriegsende.

Doch es kam anders: Rund ein halbes Jahr vor Ende des Krieges, am 4. November 1944, standen SS-Leute vor der Tür des Kottens, in dem Franziska Spiegel mit ihrem Mann Gottfried und ihrem Sohn Rolf lebte. Die Nazi-Schergen führten sie ab, trieben sie vor sich her nach Spenge ins Hückerholz und richteten sie kaltblütig hin. Auf ihrem Rücken hinterließen ihre Mörder einen Zettel. Darauf stand nur ein Satz: "Sie war eine Jüdin."

Mit dem Gedenkstein für Franziska Spiegel und dessen Umgestaltung befasst sich nun der Spenger Kulturausschuss in seiner heutigen Sitzung. Denn über den Zustand des Mahnmals hat sich die Partei "Die Linke" beklagt. Anlass für den Kulturausschuss, sich mit dem Thema zu befassen.

Von SS-Männern kurz vor Kriegsende ermordet

Nach Angaben der Stadtverwaltung hatte die Spenger Gesamtschule einst eine Patenschaft zur Pflege des Steins übernommen. Es habe sich aber herausgestellt, dass diese Pflege im Rahmen des Schulunterrichts nicht geleistet werden könne.

Wegen seiner Lage im Wald, nahe am Franziska-Spiegel-Weg, weise der Stein regelmäßig Grünverfärbungen auf. Und da die Gedenkstätte bislang über keine Abgrenzung oder Einfriedung verfüge, wirkten abgestellte LED-Kerzen und Kränze immer etwas unaufgeräumt.

Der Gedenkstein liege in einer natürlichen Umgebung, weshalb dort keine baulichen Maßnahmen erfolgten sollten, rät die Stadtverwaltung. Seine bisherige Gestalt und Charakteristik sollten erhalten bleiben. Dennoch solle durch ein paar Maßnahmen ein ordentliches und gepflegtes Gesamtbild entstehen.

Um den Stein herum und besonders im vorderen Teil soll eine Einfriedung aus Steinen erstellt werden. In diesem Ring könnten künftig Kränze und Blumen abgelegt werden. Die Arbeiten soll der städtische Bauhof übernehmen.

Neu ist: Der Kreisheimatverein hat unlängst eine Steele mit einem QR-Code aufgestellt. Nach dem Scannen des Codes kann der Besucher etwas über das Leben und die Ermordung Franziska Spiegels erfahren. Genau dies hatte auch die Partei Die Linke gefordert: Sie hatte sich für einen intermedialen Zugang zu historischen Quellen im Internet mit Hilfe eines QR-Codes per Smartphone ausgesprochen.

Bildunterschrift: Der Gedenkstein für Franziska Spiegel, die 1944 ermordet wurde.

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Am 4. November 1944 wurde die Jüdin Franziska Spiegel (6. Mai 1905) von SS-Männern, im Hücker­holz in der Nähe von Spenge, hingerichtet (Halsschuss), auf ihren Rücken war der Zettel "Sie war Jüdin" geheftet.

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www.hücker-aschen.de/html/franziska_spiegel.htm


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