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Nachrichten , 18.05.2021 :

Tages-Chronologie von Dienstag, 18. Mai 2021

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Pressespiegel überregional


Zeit Online, 18.05.2021:
Termin für Prozess gegen ehemalige KZ-Sekretärin noch unklar

MiGAZIN, 18.05.2021:
"Kein Deal mit Nazis" / Ballstädt-Prozess am Landgericht Erfurt wieder gestartet

die tageszeitung Online, 18.05.2021:
Haftbefehl gegen abgetauchten Nazi-Koch / Attila Hildmann erhielt wohl Tipp

Bayerischer Rundfunk, 18.05.2021:
Drohungen gegen Juden: Hass-Botschaften direkt aufs Handy

Hessische / Niedersächsische Allgemeine Online, 18.05.2021:
KZ-Gedenkstätte in Nordhausen: Unbekannte beschmieren Info-Tafeln

Norddeutscher Rundfunk, 18.05.2021:
Antisemitische Hetze auch vermehrt in Schleswig-Holstein

Der Tagesspiegel Online, 18.05.2021:
Witze über Anne Frank in Berliner Polizei-Chat / Angehender Kommissar verharmlost Holocaust - Entlassung gerechtfertigt

Neue Westfälische, 18.05.2021:
Kommentar / Antisemitismus in Deutschland / Als Kritik getarnter Hass

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Dienstag, 18. Mai 2021


Am 4. November 1944 wurde die Jüdin Franziska Spiegel (6. Mai 1905) von SS-Männern, im Hücker­holz in der Nähe von Spenge, hingerichtet (Halsschuss), auf ihren Rücken war der Zettel "Sie war Jüdin" geheftet.

Am 18. Mai 2021 stimmte der Rat der Stadt Bünde dem gemeinsamen Antrag der Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, Die Linke (vom 12. April 2021), zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" zu.

Am 5. Mai 2021 stimmte der Verkehrsausschuss der Stadt Bünde, dem Antrag der Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, Die Linke (vom 12. April 2021), zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" zu.

Am 27. April 2021 luden die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD und Die Linke im Rat der Stadt Bünde zur Diskussion mit Barbara Frey, Ottmar Holtz, zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" ein.

Am 19. April 2021 legte die Bürgermeisterin der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" (Sitzungen: Verkehrsausschuss am 5. - sowie des Rat am 18. Mai 2021) vor.

Am 12. April 2021 forderten die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD sowie Die Linke (im Rat der Stadt Bünde) in einem - gemeinsamen - Antrag die Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" in Bünde.

Am 17. Mai 2021 lud der "Versicherer im Raum der Kirchen", zu einem virtuellen Gesprächsrundgang über die so wechselvolle Geschichte des Ortes, wo die "Neue Synagoge" in Detmold (Lortzingstraße) stand, ein.

Am 15. Oktober 1940 wurde der Hitler-Gegner Leo Allerbeck - seit 1937, Vikar der St. Martinsgemeinde in Bad Lippspringe - auf Grund eines (von Reinhard Heydrich unterschriebenen) Haftbefehls festgenommen.

Am 18. Mai 2021 fand vor dem - Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart -, ein weiterer Verhandlungstag, im Verfahren gegen die Angeklagten der terroristischen Vereinigung "Gruppe S." - statt.

Am 11. Mai 2021 fand vor dem - Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart -, ein weiterer Verhandlungstag, im Verfahren gegen die Angeklagten der terroristischen Vereinigung "Gruppe S." - statt.

Am 6. Mai 2021 durchsuchen Polizeikräfte in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen sowie Thüringen Wohnungen sowie andere Räumlichkeiten mutmaßlicher weiterer Mitglieder der terroristischen"Gruppe S.".

Am 27. April 2021 fand vor dem - Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart - ein weiterer Verhandlungstag, im Verfahren gegen die Angeklagten der terroristischen Vereinigung "Gruppe S." - statt.

Am 14. April 2021 fand vor dem - Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart - ein weiterer Verhandlungstag, im Verfahren gegen die Angeklagten der terroristischen Vereinigung "Gruppe S." - statt.

Am 13. April 2021 wurde beim OLG Stuttgart der Prozess gegen die terroristische Vereinigung "Gruppe S.", auch gegen die Akteure Thomas Niemann (einer der Haupttäter) und Markus Krüper aus Minden eröffnet.

Am 4. November 2020 hat die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des OLG Stuttgart Anklage, gegen "elf mutmaßliche Mitglieder" - so wie "einen mutmaßlichen Unterstützer" der "Gruppe S.", erhoben.

Am 13. Juli 2020 wurde der am 14. Februar 2020 in Porta Westfalica - wegen mutmaßlicher Unterstützung der terroristischen Vereinigung "Gruppe S." - verhaftete Ulf Rösener tot in der JVA Dortmund aufgefunden.

Am 14. Februar 2020 wurden zwölf Neonazis der in Alfdorf gegründeten "Gruppe S." beziehungsweise "Der harte Kern", dabei Thomas Niemann, Markus Krüper, Minden; Ulf Rösener aus Porta Westfalica, verhaftet.

Seit der zweiten Maiwoche 2021 überwacht die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke, nach Übergriffen auf Synagogen in NRW, verstärkt die Jüdische Kultusgemeinde Minden, sowie die Alte Synagoge Petershagen.

Für den 24. Mai 2021 kündigt der "Kreisverband Minden-Lübbecke" der "AfD" um 18.00 Uhr in Minden auf dem Marktplatz eine weitere "Mahnwache": "Gemeinsam für unsere Freiheit und unsere Grundrechte!" an.

Am 17. Mai 2021 führte der "AfD"-"Kreisverband Minden-Lübbecke" eine Kundgebung gegen den Corona- Lockdown, Thorsten Althaus, Thomas Röckemann und Sebastian Landwehr, am Marktplatz Minden, durch.

Am 10. Mai 2021 hielt der "AfD"-"Kreisverband Minden-Lübbecke" in Minden eine "Mahnwache" gegen den Lockdown mit Sebastian Schulze, Thomas Röckemann, Sebastian Landwehr sowie 104 Teilnehmenden ab.

Am 12. Mai 2021 wurden, im Abschnitt der BMX-Strecke im Kiebitzgrund in Bruchmühlen (Rödinghausen) - drei, etwa 70 mal 70 Zentimeter große, Hakenkreuze auf Containern, wie einem Gullydeckel, aufgesprüht.

Am 16. Mai 2021 wurden auf einer Anti-Israel-Kundgebung ("Die zionistische Politik ist schuld") in Herford mit mehr als zweihundert Teilnehmenden antisemitische Stereotype, Vorurteile und Feindbilder verbreitet.

Am 14. Mai 2021 nahm die mit Antisemitismus-Vorwürfen behaftete nordrhein-westfälische Sprecherin der Partei "Die Linke" - Inge Höger - vorderst an der Anti-Israel-"Mahnwache", am Alten Markt in Herford, teil.

Am 14. Mai 2021 fand in Herford am Alten Markt eine "Mahnwache" - der "Gruppe für Menschenrechte und Demokratie" (Gabi Bieberstein) gegen die "israelische Besatzung" - "Vertreibung der Palästinenser", statt.

Am 17. Mai 2021 informierte die Staatsanwaltschaft, neben Marcel Bauersfeld, Roland Sprenger, Friedrich-Wilhelm Oberdieck, Volksverhetzung, Störung der Religionsausübung, in zwei Fällen, angeklagt zu haben.

Am 17. Mai 2021 informierte die Staatsanwaltschaft Bielefeld darüber, den Herforder "Moschee-Trommler" Marcel Bauersfeld wegen Volksverhetzung in fünf, sowie Widerstandes in zwei Fällen, angeklagt zu haben.

Am 17. Mai 2021 wies das Amtsgericht Herford den Einspruch des "Moschee-Trommlers" Marcel Bauersfeld gegen ein Bußgeld (250 Euro), wegen Verstoßes gegen die Corona-Auflagen (20. November 2020) zurück.

Am 3. August 2020 gründete Roland Sprenger, Herford (Listenplatz 3 der "AfD" für die Wahl zum Kreistag Herford am 13. September 2020) die islamfeindliche "Bürgerinitiative gegen den Muezzin-Ruf in Herford".

Am 24. Juli 2020 wurde Marcel Bauersfeld - bei der Störung des Freitagsgebets, vor der "Ditib"-Moschee in Herford - von etwa 20 Personen aus dem Umfeld der "Reichsbürger", der "AfD" und Birgit Ebel unterstützt.

Am 19. Juni 2020, gegen 13.30 Uhr, störte der extrem rechte 37-jährige Aktivist Marcel Bauersfeld vor der Ditib-Moschee in Herford das Freitagsgebet, und läutete während des Muezzin-Rufes mit einer Kuhglocke.

Am 26. Mai 2014 fand in Herford die sechste extrem rechte "Mahnwache für den Frieden" - organisiert von primär Marcel Bauersfeld von der extrem rechten "BüSo", mit 67 Teilnehmenden unter Polizeischutz statt.

Am 25. Mai 2014 erreichte Marcel Bauersfeld, von der "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" ("BüSo") bei der Ratswahl in der Stadt Herford im Wahlbezirk 12 - für die Partei: "Die Linke" - 5,21 Prozent (43 Stimmen).

Am 13. Mai 2021 rief "Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts" von 18.00 bis 18.30 Uhr, zu einer Mahnwache - unter dem Motto "Wir stehen auf gegen Antisemitismus!" - vor der Synagoge Beit Tikwa auf.

Für den 17. Mai 2021 war in Gütersloh (18.00 bis 19.30 Uhr) der indes 25. "Lichterspaziergang" gegen die Corona-Schutzmaßnahmen - mit einer anschließenden Kundgebung auf dem Berliner Platz - angekündigt.

Am 17. Mai 2021 wurde bekannt, dass in der Innenstadt von Gütersloh drei, für die jüdischen Bürgerinnen Erika und Else Plaut, sowie Sophie Meinberg verlegten Stolpersteine, mit blauer Farbe angesprüht wurden.

Für den 18. Mai 2021 war eine weitere Versammlung, der extrem rechten Pandemie-Leugnenden von "Wir für SHS" (die "Reichsbürger" eingeschlossen), vor dem Rathaus in Schloß Holte-Stukenbrock angekündigt.


www.hücker-aschen.de/html/franziska_spiegel.htm

https://buende.ratsinfomanagement.net

www.gruene-buende.de/2021/04/16/der-general-muss-weg-gruene-linke-und-spd-stellen-antrag-auf-umbenennung

www.youtube.com/#hierundjetzt

www.jg-hf-dt.de

www.gedenkbuch-detmold.de

www.paderborn.de/bildung-universitaet/bibliotheken_archive/109010100000170622.php

www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/308-bad-lippspringe-nordrhein-westfalen

www.stolpersteine-bad-lippspringe.de

www.mobile-beratung-nrw.de

www.facebook.com/pages/category/Personal-Blog/Mindentr%C3%A4gtmaske-107983864488651

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www.lap-minden.de

www.minden-luebbecke.de/Service/Integration/NRWeltoffen

www.gegenrechts.info

www.twitter.com/RechercheKolle1/status/1294759737205166084

www.jg-hf-dt.de

www.juedische-gemeinde-bielefeld.de

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www.gegenrechts.info

www.facebook.com/B%C3%BCndnis-gegen-Rechts-im-Kreis-G%C3%BCtersloh-424624995037921

www.guetersloh.de/de/leben-in-guetersloh/stadtportrait/stadtgeschichte/juedische-gemeinde.php

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 18.05.2021:
Gedenkstein aufwerten

Neue Westfälische - Tageblatt für Enger-Spenge, 18.05.2021:
Franziska-Spiegel-Stein: Politik diskutiert über Umgestaltung

Neue Westfälische - Tageblatt für Enger-Spenge, 18.05.2021:
Gedenkstein soll umgestaltet werden

Lippische Landes-Zeitung, 18.05.2021:
Stelen erinnern an jüdisches Gotteshaus

Neue Westfälische - Paderborner Kreiszeitung, 18.05.2021:
Der fast vergessene Hitler-Gegner

WDR-Nachrichten aus Ostwestfalen-Lippe, 18.05.2021:
Terror-Prozess: Anschlag auf Bielefelder Moschee geplant?

Mindener Tageblatt, 18.05.2021:
Es werden mehr

Radio Lippe, 18.05.2021:
Gewalt im Nahen Osten: keine Attacken auf Juden in Lippe

Neue Westfälische, 18.05.2021:
Polizei muss wieder Synagogen schützen

Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 18.05.2021:
SPD-Arbeitsgemeinschaft verurteilt Schmierereien

Radio Herford, 18.05.2021:
Herforder Moschee-Trommler muss Bußgeld zahlen

Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 18.05.2021:
Anklage wegen Volksverhetzung

Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 18.05.2021:
Heute im Lokalteil / Moschee-Trommler angeklagt

Westfalen-Blatt, 18.05.2021:
Störung vor der Moschee?

Westfalen-Blatt Online, 18.05.2021:
Gütersloh / Stolpersteine beschmiert, Staatsschutz ermittelt

Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke Online, 18.05.2021:
Stolpersteine beschmiert, Staatsschutz ermittelt

Polizeipräsidium Bielefeld, 18.05.2021:
Zeugen gesucht: "Stolpersteine" in Gütersloh besprüht

Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 18.05.2021:
"Stolpersteine" mit blauer Farbe besudelt

Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 18.05.2021:
Gütersloh: Drei Gedenksteine für NS-Opfer mit Farbe beschmiert

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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 18.05.2021:

Gedenkstein aufwerten

Spenge (WB/bo). Eine Einfriedung soll den Franziska-Spiegel-Gedenkstein in Hücker-Aschen besser zur Geltung kommen lassen. Eine entsprechende Anregung hat Eric Brennemann für die Partei "Die Linke" an die Politik gesandt. Er ist mit dem derzeitigen Zustand des Gedenksteins, der oft vermoost und unordentlich aussieht, nicht zufrieden. Der Kulturausschuss will sich in seiner Sitzung, die an diesem Dienstag um 18 Uhr im Bürgerbegegnungszentrum Lenzinghausen beginnt, mit dem Thema befassen.

Beschlossen werden soll, dass der Bauhof der Stadt Spenge um den Stein herum eine Einfriedung aus Steinen erstellen und mit Rindenmulch auffüllen soll. In diesem Ring können dann zukünftig Kränze und Blumen abgelegt werden.

Bildunterschrift: Der Kulturausschuss soll heute Abend beschließen, dass um den Franziska-Spiegel-Gedenkstein eine Einfriedung gebaut wird.

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Neue Westfälische - Tageblatt für Enger-Spenge, 18.05.2021:

Franziska-Spiegel-Stein: Politik diskutiert über Umgestaltung

Die Jüdin wurde 1944 im Hückerholz von SS-Leuten kaltblütig erschossen / Der Kulturausschuss der Stadt Spenge beschäftigt sich jetzt damit, wie das Mahnmal würdiger gestaltet werden kann

Ekkehard Wind

Spenge. Er steht etwas versteckt in einem kleinen Waldstück, nicht weit entfernt vom Hücker Moor: der Gedenkstein für Franziska Spiegel. Das Mahnmal will die Erinnerung an die jüdische Frau wachhalten, die hoffte, in der ländlichen Provinz sicher zu sein vor dem NS-Terror - hoffte, dem Holocaust entkommen zu können, überleben zu können bis zum Kriegsende.

Doch es kam anders: Rund ein halbes Jahr vor Ende des Krieges, am 4. November 1944, standen SS-Leute vor der Tür des Kottens, in dem Franziska Spiegel mit ihrem Mann Gottfried und ihrem Sohn Rolf lebte. Die Nazi-Schergen führten sie ab, trieben sie vor sich her nach Spenge ins Hückerholz und richteten sie kaltblütig hin. Auf ihrem Rücken hinterließen ihre Mörder einen Zettel. Darauf stand nur ein Satz: "Sie war eine Jüdin."

Mit dem Gedenkstein für Franziska Spiegel und dessen Umgestaltung befasst sich nun der Spenger Kulturausschuss in seiner heutigen Sitzung. Denn über den Zustand des Mahnmals hat sich die Partei "Die Linke" beklagt. Anlass für den Kulturausschuss, sich mit dem Thema zu befassen.

Von SS-Männern kurz vor Kriegsende ermordet

Nach Angaben der Stadtverwaltung hatte die Spenger Gesamtschule einst eine Patenschaft zur Pflege des Steins übernommen. Es habe sich aber herausgestellt, dass diese Pflege im Rahmen des Schulunterrichts nicht geleistet werden könne.

Wegen seiner Lage im Wald, nahe am Franziska-Spiegel-Weg, weise der Stein regelmäßig Grünverfärbungen auf. Und da die Gedenkstätte bislang über keine Abgrenzung oder Einfriedung verfüge, wirkten abgestellte LED-Kerzen und Kränze immer etwas unaufgeräumt.

Der Gedenkstein liege in einer natürlichen Umgebung, weshalb dort keine baulichen Maßnahmen erfolgten sollten, rät die Stadtverwaltung. Seine bisherige Gestalt und Charakteristik sollten erhalten bleiben. Dennoch solle durch ein paar Maßnahmen ein ordentliches und gepflegtes Gesamtbild entstehen.

Um den Stein herum und besonders im vorderen Teil soll eine Einfriedung aus Steinen erstellt werden. In diesem Ring könnten künftig Kränze und Blumen abgelegt werden. Die Arbeiten soll der städtische Bauhof übernehmen.

Neu ist: Der Kreisheimatverein hat unlängst eine Steele mit einem QR-Code aufgestellt. Nach dem Scannen des Codes kann der Besucher etwas über das Leben und die Ermordung Franziska Spiegels erfahren. Genau dies hatte auch die Partei Die Linke gefordert: Sie hatte sich für einen intermedialen Zugang zu historischen Quellen im Internet mit Hilfe eines QR-Codes per Smartphone ausgesprochen.

Bildunterschrift: Der Gedenkstein für Franziska Spiegel, die 1944 ermordet wurde.

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Neue Westfälische - Tageblatt für Enger-Spenge, 18.05.2021:

Gedenkstein soll umgestaltet werden

Spenge. Der Kulturausschuss der Stadt Spenge befasst sich in seiner heutigen Sitzung mit der Umgestaltung des Franziska-Spiegel-Gedenksteins.

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Lippische Landes-Zeitung, 18.05.2021:

Stelen erinnern an jüdisches Gotteshaus

Detmold. Zur Erinnerung an die in der NS-Zeit zerstörte "Neue Synagoge" hat das Unternehmen "Versicherer im Raum der Kirchen" (VRK) an seinem Firmenstandort in Detmold Gedenkstelen aufgestellt. Der Ort und seine Geschichte sollten im "kollektiven Gedächtnis der Stadt Detmold" lebendig gehalten werden, teilte der VRK mit.

"Als christlich geprägtes Unternehmen tragen wir an diesem Standort eine besondere Verantwortung. Deshalb haben wir uns im vergangenen Jahr dazu entschieden, Stelen in unserem Innenhof aufzustellen", erklärte Jürgen Mathuis, Vorstandssprecher des VRK.

Die im Jahr 1907 in Detmold eingeweihte "Neue Synagoge" war während der Ausschreitungen des Novemberpogroms 1938 zerstört worden. Heute befindet sich an der Stelle der Firmenstandort des Versicherungsunternehmens VRK. Mit einem Video und einem virtuellen Gesprächsrundgang über die Geschichte wurden die Gedenkstelen am gestrigen Montag, 17. Mai, der Öffentlichkeit vorgestellt, so der VRK.

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Neue Westfälische - Paderborner Kreiszeitung, 18.05.2021:

Der fast vergessene Hitler-Gegner

Der Geistliche Leo Allerbeck bezog während der NS-Zeit immer wieder klar Stellung / Bad Lippspringer retten ihren Vikar vor dem Konzentrationslager

Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe. Sein Name ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Nur wenige Bad Lippspringer erinnern sich heute noch an Leo Allerbeck. Zeitzeugen beschreiben den einstigen Vikar der St. Martinsgemeinde als geradlinigen Menschen, der für seine klare und unmissverständliche Sprache bekannt war. Schon früh gehörte er zu den erklärten Kritikern des NS-Regimes. Wiederholte Verhöre und Haussuchungen waren die Folge. Als dem Geistlichen 1940 sogar die Einweisung in ein Konzentrationslager drohte, formierte sich in Bad Lippspringe deutlicher Protest.

Leo Allerbeck erblickte am 16. April 1900 als eines von elf Kindern in Langenberg das Licht der Welt. Die Reifeprüfung legte er im Jahr 1920 an einem Gymnasium in Beckum ab. Sein Theologiestudium führte ihn nach Paderborn, Münster und München. Am 7. August 1927 schließlich empfing Allerbeck im Hohen Dom zu Paderborn die Priesterweihe.

Es folgten Jahre, in denen er als Vikar tätig war. Die dritte und letzte Station auf diesem Weg war ab 1937 die St. Martinsgemeinde in Bad Lippspringe. Zu diesem Zeitpunkt stand Allerbeck bereits unter Beobachtung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Seine NS-kritischen Predigten hatten den Argwohn des Regimes geweckt. Der Mann auf der Kanzel konnte sich gewiss sein, dass jede seiner Äußerungen von interessierter Seite mitgeschrieben wurde. Als Vikar von St. Martin zeichnete Leo Allerbeck auch für die katholische Jugend- und Erwachsenenarbeit verantwortlich. Auch hier machte der damals 40-jährige Geistliche keinen Hehl daraus, dass er den Nationalsozialismus als "gottlose Ideologie" ablehnte.

Im Herbst 1940 kam es zum fast schon erwartbaren Eklat. Der Bad Lippspringer Vikar hatte in einem Rundschreiben zu einer Männerkundgebung eingeladen. Darin warnte er eindringlich vor der Gefahr eines neuerlichen "Untergangs in die Barbarei".

Das von der Gestapo sichergestellte Schreiben konnte als Kampfansage verstanden werden. Wörtlich heißt es darin: "Wir wissen ja: Unsere heutige Welt ist krank. Die christliche Kultur des Abendlandes ist bedroht durch freigeistige und neuheidnische gottlose und gottfeindliche Strömungen. Deshalb muss alles erneuert werden in Christus."

Unterschrift von Heydrich persönlich

Das Schreiben löste laut Bericht der Gestapo "berechtigtes Aufsehen und eine starke Beunruhigung in der Bad Lippspringer Bevölkerung aus". Da Allerbecks Verhalten angeblich dazu geeignet war, "das Vertrauen des Volkes in die Staatsführung in weitem Maße zu untergraben", wurde er im Oktober 1940 festgenommen. Den Haftbefehl hatte der berüchtigte Leiter des Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, persönlich unterschrieben. Beinahe wäre es noch schlimmer gekommen: Die Einweisung des Bad Lippspringer Vikars in ein Konzentrationslager stand offensichtlich unmittelbar bevor.

Die Verhaftung Allerbecks stieß in Bad Lippspringe auf völliges Unverständnis. So schreibt Wilhelm Hücker, Pfarrer von St. Martin, in seinem Jahresrückblick 1940: "Die Bewohner unserer Stadt, nicht nur die Katholiken, auch die Protestanten, sind über diese Maßregelung ganz empört."

Zwei Tage vor Weihnachten wird Allerbeck aus der Haft in Bielefeld entlassen. Ob das ein Zugeständnis an die aufgebrachte Bevölkerung von Bad Lippspringe war, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Überliefert ist dagegen ein Vorfall, der sich laut Zeitzeugen im November 1940 zugetragen haben soll. Der NS-Ortsgruppenleiter zu dieser Zeit war ein Mann namens Käse.

Bekannte Siedlung in Rietberg

Als dieser eines Abends an seinem Schreibtisch saß, soll ihm ein Nachbar durch das offene Fenster zugerufen haben: "Du verdammter Käse, wenn du nicht dafür sorgst, dass unser Kaplan sofort zurück kommt, dann machen wir Quark aus dir!" Wie weiter berichtet wird, soll es auch eine Unterschriftenaktion zu Gunsten von Leo Allerbeck gegeben haben, an der sich etwa 300 Bad Lippspringer Bürgerinnen und Bürger beteiligten.

An Aufgaben mangelte es Allerbeck in der Folgezeit nicht. Während des Zweiten Weltkriegs war der Geistliche auch Lazarettpfarrer in Bad Lippspringe. In dieser Zeit leistete er 900 lungenkranken Soldaten seelischen Beistand. Über seine Haftzeit in Bielefeld hat Leo Allerbeck nicht viel gesprochen, ebenso wenig über die drei Haussuchungen und die fünf Verhöre durch die Gestapo. 1946 verließ er die Badestadt und wurde Pfarrer in Rietberg. Hier trat er mit Nachdruck gegen die weit verbreitete Wohnungsnot an. Mit Erfolg: 1950 entstand in Rietberg eine Wohnsiedlung mit 20 Häusern, die in Erinnerung an Leo Allerbeck im Volksmund nur "Leo-Siedlung" genannt wurde.

Allerbecks Verbindung nach Bad Lippspringe aber riss auch in den folgenden Jahrzehnten nie ab. Seine letzte Station als Rector ecclesiae führte ihn 1960 zum örtlichen Heilig-Geist-Krankenhaus. 1966 trat er in den Ruhestand. Die letzte und einzige Ehrung wurde ihm acht Jahre später durch die Ernennung zum Geistlichen Rat h.c. zuteil.

Leo Allerbeck starb am 27. August 1977. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Schwesternfriedhof von Heilig Geist. In den folgenden Jahren gerieten Leben und Wirken des couragierten Gottesmanns in Vergessenheit. Eine offizielle Würdigung blieb bis heute aus.

Bildunterschrift: Eines der seltenen Fotos, auf denen Leo Allerbeck abgebildet ist. Das Bild entstand 1953.

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WDR-Nachrichten aus Ostwestfalen-Lippe, 18.05.2021:

Terror-Prozess: Anschlag auf Bielefelder Moschee geplant?

18.05.2021 - 19.05 Uhr

Die so genannte Terror-Gruppe S. hatte offenbar auch einen Anschlag auf eine Moschee in Bielefeld geplant. Das geht aus den Aussagen eines Angeklagten hervor, die am Dienstag am Oberlandesgericht Stuttgart gezeigt wurden.

Paul U. gilt als Schlüsselfigur im Prozess - er war derjenige aus der Gruppe, der die Polizei mit Informationen beliefert hatte. Er ist Hauptbelastungszeuge, aber auch Angeklagter. Bei der Polizei hatte er einen Tag nach dem ominösen Treffen der Gruppe Anfang Februar 2020 in Minden ausgesagt - noch bevor die Polizei die Gruppenmitglieder festnahm. Die Anfänge seiner insgesamt neun Stunden langen Verhöre wurden am Dienstag als Video vorgespielt - und offenbarten viel über das, was bei dem Treffen in Minden besprochen.

Mehrere Moscheen ins Auge gefasst

Demnach hatte der Chef der Gruppe, Werner S., seine Ziele unmissverständlich erklärt. Es sollte Anschläge geben, auf Moscheen vor allem, um von der islamischen Seite Gegengewalt zu provozieren: "Es soll Bürgerkrieg kommen", habe S. gesagt. Und "es geht bis in den Tod".

Zunächst war eine Großmoschee in Köln ins Auge gefasst worden - das hätte eine enorme Gegenreaktion hervorrufen können. Wegen der großen Polizeipräsenz in der Millionenstadt habe man das verworfen und mittelgroße Städte favorisiert, wo die islamischen Gemeinden eine regionale Bedeutung hätten.

Waffen bestellt und Geld gesammelt

Als erstes Beispiel sei Bielefeld ins Spiel gebracht worden. Fast alle Teilnehmer hätten Waffen bestellt, auch die beiden Mindener Teilnehmer: Gastgeber Thomas N. und Markus K. Und fast alle hätten Geldzusagen über 5.000 Euro gemacht, auch Thorsten W. aus Hamm, der Verwaltungsbeamte bei der Polizei.

Telefone abgehört

Weil U. frühzeitig die Polizei eingeweiht hatte, wurden Telefone von Gruppenmitgliedern abgehört. Die Gespräche von Werner S. mit seinen "Kameraden" wurden vor Gericht vorgespielt - und offenbarten einen Einblick in die Rollen der einzelnen Angeklagten. Thomas N. aus Minden, so der "Chef" der Gruppe, sei ein knallharter, hochanständiger Typ. N. soll sich auch zur Mitfinanzierung eines Rückzugsortes der Gruppe in Süddeutschland bereit erklärt haben.

Über den zweiten Angeklagten aus Minden, Markus K., hieß es: "der steht gerade" - übersetzt: auf den kann man sich verlassen. Über Thorsten W. aus Hamm erhoffe man sich Kontakte zu weiteren Kandidaten für die Gruppe.

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Mindener Tageblatt, 18.05.2021:

Es werden mehr

"Minden trägt Maske" und AfD mobilisieren Teilnehmer

Stefan Koch

Minden. Die Demonstrationen am Mindener Marktplatz legen zu. Am Montag entlastete ein Zug der Hundertschaft der Bielefelder Bereitschaftspolizei die Mindener Kollegen personell, riegelte mit Fahrzeugen die Zufahrten ab und trennte die AfD-Mahnwache von ihrer Gegenkundgebung.

Mit wachsender Zahl waren diesmal die Gruppen "Minden gegen Rechts" plus "Minden trägt Maske" vertreten, die für ihre Kundgebung Teile der Martinitreppe und des Scharn besetzt hatten sowie am Markt 15 vertreten waren. Wie Valeria Casselmann vom Organisations-Team erklärte, war eine Teilnehmerzahl von 150 Personen zu dieser Kundgebung angemeldet worden. Schon bei der Demonstration vor einer Woche seien aber mehr Teilnehmer gekommen. 160 Personen habe eine Auswertung ergeben.

Auf der anderen Seite des Marktplatzes hatte sich die AfD zu ihrer mittlerweile siebten Mahnwache gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung eingefunden. Deren Schaumburger Bundestagskandidat Thorsten Althaus, von Beruf Gymnasiallehrer, trug seine Sicht zur Bildungspolitik unter besonderer Berücksichtigung des schulischen Alltags während der Pandemie vor.

Schon seit Wochen ist das innerstädtische Zentrum Ort der beiden Kundgebungen. Wie Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, am Freitag mitteilte, seien sowohl die Versammlungsleiter der AfD als auch die der Gegenkundgebung gegenüber der Polizei kooperativ. An den Montags-Terminen habe die Polizei keinen Widerstand gegen die Hygiene-Regeln feststellen können. Ausnahmen habe es allerdings am 19. April gegeben. Damals gab es drei Anzeigen gegen Personen, die sich während der AfD-Kundgebung weigerten, eine Maske zu tragen. Als die Veranstaltung beendet gewesen sei, hätten weitere 15 Personen auf den Mundschutz verzichtet, sodass drei Uneinsichtige ebenfalls eine Anzeige erhalten hätten. Probleme machte bei den AfD-Mahnwachen am 12. und 5. April auch eine Frau, die ebenfalls keine Maske tragen wollte. Sie habe eine Anzeige erhalten und sei vom AfD-Versammlungsleiter ausgeschlossen worden. Bei den Anzeigen handele es sich um Ordnungswidrigkeiten, für deren Bearbeitung die Ordnungsbehörde der Stadt zuständig sei.

Bildunterschrift: Ein Zug der Hundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Bielefeld unterstützte am Montag den Einsatz in Minden.

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Radio Lippe, 18.05.2021:

Gewalt im Nahen Osten: keine Attacken auf Juden in Lippe

In Lippe gab es in den vergangenen Tagen keine Bedrohungen, Beleidigungen oder gar Gewalt gegen Juden.

Wegen der mal wieder aufgebrandeten Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis im Nahen Osten war es zuletzt auch in Deutschland wieder vermehrt zu Attacken auf Juden und jüdische Gebäude gekommen.

Hier bei uns ist noch nichts vorgefallen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold auf Radio Lippe-Nachfrage.

Ein Sonderlob gab es für die Polizei. Die habe schon vor der jüngsten Gewalt im Nahen Osten Präsenz gezeigt, tut das jetzt noch mal ein bisschen mehr - und das vor allem an der Synagoge in Herford.

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Neue Westfälische, 18.05.2021:

Polizei muss wieder Synagogen schützen

Den Nahost-Konflikt haben jene, die in Deutschland gerade antisemitische Parolen grölen, nicht gelöst / Dafür geht in Jüdischen Gemeinden einmal mehr die Angst vor Angriffen um

Florian Pfitzner

Bielefeld. Es ist gar nicht so einfach, zu Beginn des Schawuot-Festes Menschen jüdischen Glaubens für eine Presseanfrage zu gewinnen - zumal wieder einmal nach Antisemitismus gefragt wird. "Eigentlich ist das ja überhaupt nicht unser Problem", sagt Irith Michelsohn, Generalsekretärin der Union progressiver Juden (UpJ) in Deutschland. "Es ist insgesamt ein Problem der deutschen Gesellschaft."

Michelsohn kommt gerade aus dem Gottesdienst. In diesen Tagen spricht sie wieder häufig mit der Polizei. Mal geht es um die Sicherheit des UpJ-Büros, mal um die der Jüdischen Gemeinde in Bielefeld, der Michelsohn vorsteht. "Die Lage ist ziemlich prekär", sagt sie. "In Deutschland verwechseln gerade wieder viele Menschen legitime Israel-Kritik mit stupidem Juden-Hass."

Es riefen Leute an - Michelsohn sagt: "menschenverachtende Idioten" - die ins Telefon schrien: "Kindermörder Israel". Wie soll man damit umgehen? Im Grunde habe sich schon vor Tagen abgezeichnet, wie einige Menschen in Deutschland auf die Gewalt im Nahen Osten reagieren: "hasserfüllt, ohne jedes Maß, ohne jede Kenntnis von den Gefühlen unserer Mitglieder".

Fast jedes Mitglied, 96 Prozent, der Jüdischen Gemeinde in Bielefeld hat familiäre Wurzeln in den ehemaligen Sowjetländern. "Unsere älteren Mitglieder fühlen sich deshalb oft zweifach benachteiligt - salopp gesagt, weil sie Juden sind und dazu auch noch Ausländer", erzählt Michelsohn. "Was aber haben sie mit der Politik im Nahen Osten zu tun?"

Auch bei Matitjahu Kellig klingelt derzeit häufiger das Telefon. Abgeordnete aus dem Bundestag und dem NRW-Landtag rufen an und fragen nach seinem Befinden. "Mir geht’s nicht gut", sagt Kellig, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. Die Polizei habe regelmäßigen Kontakt zu Mitgliedern, um die Sicherheitsmaßnahmen abzustimmen. Vor Tagen hat sie eine Streife an der Synagoge postiert. Einige Kreispolizeibehörden in Nordrhein-Westfalen haben nicht erst auf eine Beurteilung der Gefährdungslage des Landes gewartet, sie schickten ihre Kräfte nach eigener Entscheidung zu jüdischen Gotteshäusern.

Nach den Raketen-Angriffen der palästinensischen Hamas auf Israel und der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten hatte es in mehreren Städten antisemitische Entgleisungen bei Versammlungen gegeben. Es wurden Israel-Flaggen angezündet, in Gelsenkirchen marschierten ungefähr 180 Menschen zur städtischen Synagoge und riefen judenfeindliche Parolen. "Solche Szenen können eine gehörige Angst hervorrufen", sagt Kellig. "Mir reicht es ehrlich gesagt schon, wenn ich sehe, was auf einer angeblich friedlichen Demo wie in Herford passiert - auch bei uns in der Region werden antisemitische Ausfälle zu Israel-Kritik umgedeutet."

Der SPD-Justiz-Politiker Sven Wolf sieht in den Ereignissen von Gelsenkirchen ein "fatales Zeichen für den Rechtsstaat". Eskaliert war der Konflikt zwischen Israel und der Hamas am Montagabend vor einer Woche. "Warum stellt sich die Polizei dann nicht auf antisemitische Aggressionen ein? Wir kennen das doch aus der Vergangenheit."

Im Landtag haben CDU und FDP eine Sondersitzung des Innenausschusses beantragt, in der es unter anderem um den Polizeieinsatz gehen soll. In einem der Videos aus Gelsenkirchen habe Michelsohn gesehen, dass die Polizei "offenbar nur sehr zögerlich eingeschritten ist", sagt sie. "So eine spontane Versammlung muss sofort abgebrochen werden, so etwas kann man nicht auf deutschen Straßen zulassen."

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verspricht, mit aller Konsequenz gegen antisemitische Gewalt vorzugehen. Die Polizei könne allerdings nur dann eingreifen, wenn die "Handlungen und Aktionen eindeutig sind und eine Strafbarkeit vorliegt".

Hochgradig bedenklich findet SPD-Politiker Wolf auch den Fall in Hagen, wo die Stadt entschieden hat, eine Israel-Flagge vorm Rathaus nach den antisemitischen Ausschreitungen wieder abzuhängen. "Man darf niemals vor antisemitischer Gewalt zurückschrecken", sagt Wolf, "erst recht nicht in Deutschland". Wolf warnt vor einem allzu milden Umgang mit judenfeindlichen Aktionen. "Wir dulden keine rechtsfreien Räume, schon gar nicht vor Synagogen."

In Solingen war ebenfalls eine Israel-Fahne vor dem Rathaus verbrannt worden. Die Stadt hat einen Tag später eine neue Flagge gehisst.

Bildunterschrift: Vor der Synagoge in Herford stehen Streifenwagen der Polizei. "Die Lage ist ziemlich prekär."

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Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 18.05.2021:

SPD-Arbeitsgemeinschaft verurteilt Schmierereien

Rödinghausen. In Rödinghausen haben Unbekannte nationalsozialistische Symbole auf Straßen und Container gesprüht (die NW berichtete). Die AG Migration und Vielfalt in der SPD im Kreis Herford verurteilt "die Angriffe auf unsere Werte in Form dieser Schmierereien mit nationalsozialistischen Symbolen aufs Schärfste". Alle demokratischen Kräfte müssten zusammenhalten gegen jegliche Art von Extremismus, heißt es in einer Mitteilung. "Gerade in der jetzigen Zeit, wo die Gesellschaft sich immer mehr spaltet, müssen wir sehen, dass sie nicht noch weiter auseinander driftet. Wir sind eine weltoffene Gesellschaft, in der Vielfalt Normalität sein sollte." Und weiter heißt es: "In Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus, fühlen wir uns verpflichtet, unsere Kräfte für die Gestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt einzusetzen." Ein großer Dank gelte den Kräften der Freiwilligen Feuerwehr, die sofort reagiert und die Schmierereien wieder entfernt hätten.

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Radio Herford, 18.05.2021:

Herforder Moschee-Trommler muss Bußgeld zahlen

Der Mann, der in Herford lautstark vor der Ditib-Moschee protestiert hatte, ist vom Amtsgericht verurteilt worden. Er muss 250 Euro Bußgeld zahlen, weil er bei seiner Aktion im vergangenen November gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen hatte.

Marcel B. hatte zusammen mit vier Gleichgesinnten Krach vor der Moschee gemacht, um ein Zeichen gegen den islamischen Aufruf zum Freitagsgebet zu setzen. Weil dabei Masken- und Abstands-Pflicht nicht richtig eingehalten wurden, kam es zur Gerichtsverhandlung.

Anklage wegen Volksverhetzung

Unterdessen hat die Bielefelder Staatsanwaltschaft Marcel B. angeklagt. Der 38-Jährige muss sich wegen Volksverhetzung, Störung von Religionsfreiheit und Widerstand gegen Polizeibeamte verantworten.

B. habe mit seinen Aktionen vor der Herforder Ditib-Moschee andere Menschen dazu angestachelt, es ihm gleichzutun, so der Vorwurf.

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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 18.05.2021:

Anklage wegen Volksverhetzung

Moschee-Trommler Marcel Bauersfeld soll zu Hass gegen Muslime aufgestachelt haben

Von Moritz Winde

Herford (HK). Mit Topf und Löffel hatte Marcel Bauersfeld freitags gegen den Muezzin-Ruf an der Ditib-Moschee protestiert: Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld den 38-Jährigen angeklagt - wegen Volksverhetzung, Störung der Religionsausübung in fünf Fällen sowie Widerstandes gegen Polizisten in zwei Fällen.

Die ihm zur Last gelegten Taten sollen sich zwischen dem 19. Juni und dem 31. Juli 2020 zugetragen haben. "Die Anklage geht davon aus, dass er mit seinem Verhalten bewusst die religiöse Andacht stören wollte. Dabei ist es ihm darauf angekommen, andere Bürger, die seine Einstellungen teilten, zu ähnlich feindseligen Taten gegen die versammelten Muslime zu veranlassen", sagt Claudia Bosse, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Damit habe Bauersfeld den öffentlichen Frieden stören und gegen Teile einer religiösen Gruppe zu Hass aufstacheln wollen. Er habe neben seinem Getrommel - zunächst mit einer Kuhglocke, dann mit Löffel und Topf - auch feindselige Parolen gerufen.

Volksverhetzung - es ist der schwerwiegendste der drei Anklagepunkte - kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. Neben Bauersfeld seien zwei weitere Herforder angeklagt, sagt Claudia Bosse - ebenfalls wegen Volksverhetzung und Störung der Religionsausübung, allerdings nur in zwei Fällen. Die Anklageschriften liegen derzeit beim zuständigen Amtsgericht in Herford. Die Behörde muss nun darüber entscheiden, ob es zum Strafprozess kommt. Das gilt jedoch als sehr wahrscheinlich.

Marcel Bauersfeld sagt, er habe schon ein wenig Bauchschmerzen mit Blick auf die Verhandlung. "Ich habe mir einen Anwalt genommen." Von seiner grundsätzlichen Haltung - er toleriert den Muezzin-Ruf nicht - lasse er sich jedoch nicht abbringen. "Ich habe ja nur meine Meinung kundgetan." Bürgermeister Tim Kähler hatte per Verfügung den Gebetsruf genehmigt. Neben Zustimmung hatte er dafür auch Beleidigungen, Bedrohungen und Hass erfahren.

Unterdessen musste Bauersfeld am Montag eine juristische Niederlage einstecken. Vor dem Amtsgericht wehrte sich der Arbeitslose gegen einen Bußgeldbescheid der Stadt. Der Vorwurf: Er soll am 20. November erneut vor dem muslimischen Gebetshaus an der Bielefelder Straße mit drei anderen Leuten Musik beziehungsweise in seinem Fall Lärm gemacht haben (diese Zeitung berichtete). "Er hat den Mindestabstand nicht eingehalten und keine Maske getragen", sagten die Polizisten übereinstimmend, die die Anzeige wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung geschrieben hatten.

"Er wollte bewusst die religiöse Andacht der Muslime stören."
Claudia Bosse, Staatsanwältin

Bauersfeld und seine Mitstreiter sahen dies anders, gaben an, mindestens anderthalb Meter voneinander entfernt gestanden zu haben. Doch die Richterin schenkte ihnen keinen Glauben: "Sie haben mit ihrem Verhalten nicht dazu beigetragen, das Infektionsrisiko zu minimieren." Der zweite Vorwurf, der 38-Jährige sei mit seinem Getrommel zu laut gewesen, ließ sich nicht erhärten. Es hatte damals niemand die Dezibel gemessen. Mit dem Urteil bleibt das 250-Euro-Knöllchen bestehen. "Ich werde mit allen Möglichkeiten dagegen vorgehen", kündigte Bauersfeld an. Er weiterer Beschwerdeführer blieb am Montag ebenfalls erfolglos. Er muss 200 Euro zahlen.

Übrigens: Die Protest-Aktionen vor der Moschee lässt Bauersfeld nach eigenen Angaben seit März bleiben. Er wolle sich nicht vor den Karren der AfD im Bundestagswahlkampf spannen lassen. Die Rechtspopulisten hatten schon einmal Aufnahmen von Bauersfeld für Propaganda-Zwecke genutzt.

Bildunterschrift: Marcel Bauersfeld muss sich wohl demnächst vor dem Amtsgericht unter anderem wegen Volksverhetzung verantworten.

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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 18.05.2021:

Heute im Lokalteil / Moschee-Trommler angeklagt

Herford. Er soll wiederholt zum Hass gegen Muslime aufgestachelt haben: Die Staatsanwaltschaft hat Marcel Bauersfeld wegen Volksverhetzung und Störung der Religionsausübung angeklagt. Der 38-Jährige hatte freitags mit Topf und Löffel vor der Ditib-Moschee gegen den Muezzin-Ruf protestiert.

Lokales Herford

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Westfalen-Blatt, 18.05.2021:

Störung vor der Moschee?

Herford (WB/mor). Er soll wiederholt zum Hass gegen Muslime aufgestachelt haben: Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat Marcel B. wegen Volksverhetzung und Störung der Religionsausübung angeklagt. Zudem wird ihm Widerstand gegen Polizisten vorgeworfen. Der 38-Jährige hatte monatelang freitags vor der Herforder Ditib-Moschee lautstark gegen den Muezzin-Ruf protestiert - erst mit Kuhglocke, dann mit Löffel und Topf. Dabei soll er "feindselige Parolen" gerufen haben. "Er wollte die religiöse Andacht stören", sagt Staatsanwältin Claudia Bosse. Volksverhetzung kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.

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Westfalen-Blatt Online, 18.05.2021:

Gütersloh / Stolpersteine beschmiert, Staatsschutz ermittelt

18.05.2021 - 15.16 Uhr

Gütersloh (din). An der Feldstraße auf Höhe des Gütersloher Dreiecksplatzes hat jemand drei Messing-Stolpersteine, die an deportierte und ermordete jüdische Mitbürgerinnen erinnern, mit blauer Farbe besprüht. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

"Zu Ermittlungsschritten wird aus taktischen Gründen keine Auskunft gegeben. Gleiches gilt zu Verdachtsmomenten bei diesem frühen Stadium der Ermittlungen", teilte der Staatsschutz am Dienstag auf Nachfrage mit.

Die Stolpersteine erinnern an Erika und Else Plaut sowie Sophie Meinberg, die in einem Haus an der Feldstraße gewohnt hatten, verschleppt wurden und in den Ghettos Warschau und Theresienstadt zu Tode kamen. Am Morgen des 10. November 1938 wurde das Haus an der Feldstraße, damals Hindenburgstraße, von Nationalsozialisten angezündet und zerstört.

Ein Zeuge hatte den Frevel am Montag der Polizei gemeldet. In Gütersloh gibt es nach Angaben der Stadt an 17 Stellen insgesamt 44 Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürger. Auf Nachfrage erklärte der Staatsschutz: "Es liegen keine konkreten Anhaltspunkte für einen Zusammenhang der Beschädigung an den Stolpersteinen mit den Pro-Palästina-Demos und antisemitischen Vorfällen vom Wochenende vor." Auf Grund der politischen Gesamtsituation könne ein Zusammenhang jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Dem Polizeilichen Staatsschutz seien im April in Gütersloh drei Fälle mit antisemitischen Straftaten bekannt geworden. Aufkleber mit dem Davidstern und der Aufschrift "ungeimpft" seien an Bäckerei-Filialen festgestellt worden. "Ein Zusammenhang mit dem Palästina-Konflikt kann für diese Fälle ausgeschlossen werden", heißt es.

Wann die Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig verlegt hatte, beschmiert wurden, weiß die Polizei laut Sprecherin Katharina Felsch nicht. An anderen Stellen des Gedenkens an jüdische Mitbürger wie an der Daltropstraße und auf Friedhöfen seien keine Beschädigungen festgestellt worden. Die Polizei widme den Orten aus gegebenem Anlass erhöhte Aufmerksamkeit.

Der Staatsschutz bittet um Hinweise unter 0521 / 5450. Die Stadt will die Stolpersteine in Kürze reinigen lassen.

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Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke Online, 18.05.2021:

Stolpersteine beschmiert, Staatsschutz ermittelt

18.05.2021 - 14.24 Uhr

Gütersloh (din). An der Feldstraße auf Höhe des Gütersloher Dreiecksplatzes hat jemand drei Messing-Stolpersteine, die an deportierte und ermordete jüdische Mitbürgerinnen erinnern, mit blauer Farbe besprüht. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

"Zu Ermittlungsschritten wird aus taktischen Gründen keine Auskunft gegeben. Gleiches gilt zu Verdachtsmomenten bei diesem frühen Stadium der Ermittlungen", teilte der Staatsschutz am Dienstag auf Nachfrage mit.

Die Stolpersteine erinnern an Erika und Else Plaut sowie Sophie Meinberg, die in einem Haus an der Feldstraße gewohnt hatten, verschleppt wurden und in den Ghettos Warschau und Theresienstadt zu Tode kamen. Am Morgen des 10. November 1938 wurde das Haus an der Feldstraße, damals Hindenburgstraße, von Nationalsozialisten angezündet und zerstört.

Ein Zeuge hatte den Frevel am Montag der Polizei gemeldet. In Gütersloh gibt es nach Angaben der Stadt an 17 Stellen insgesamt 44 Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürger. Auf Nachfrage erklärte der Staatsschutz: "Es liegen keine konkreten Anhaltspunkte für einen Zusammenhang der Beschädigung an den Stolpersteinen mit den Pro-Palästina-Demos und antisemitischen Vorfällen vom Wochenende vor." Auf Grund der politischen Gesamtsituation könne ein Zusammenhang jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Dem Polizeilichen Staatsschutz seien im April in Gütersloh drei Fälle mit antisemitischen Straftaten bekannt geworden. Aufkleber mit dem Davidstern und der Aufschrift "ungeimpft" seien an Bäckerei-Filialen festgestellt worden. "Ein Zusammenhang mit dem Palästina-Konflikt kann für diese Fälle ausgeschlossen werden", heißt es.

Wann die Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig verlegt hatte, beschmiert wurden, weiß die Polizei laut Sprecherin Katharina Felsch nicht. An anderen Stellen des Gedenkens an jüdische Mitbürger wie an der Daltropstraße und auf Friedhöfen seien keine Beschädigungen festgestellt worden. Die Polizei widme den Orten aus gegebenem Anlass erhöhte Aufmerksamkeit.

Der Staatsschutz bittet um Hinweise unter 0521 / 5450. Die Stadt will die Stolpersteine in Kürze reinigen lassen.

Die Stolpersteine bestehen aus Messing und erinnern an deportierte und ermordete ehemalige jüdische Mitbürger. Erika und Else Plaut sowie Sophie Meinberg wohnten in einem später abgerissenen Haus an der Feldstraße.

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Polizeipräsidium Bielefeld, 18.05.2021:

Zeugen gesucht: "Stolpersteine" in Gütersloh besprüht

18.05.2021 - 13.48 Uhr

Bielefeld (ots) FR / Bielefeld / Gütersloh. Am Montag, den 17.05.2021, fielen in der Gütersloher Innenstadt mit blauer Farbe beschmierte so genannte "Stolpersteine" auf. Die Polizei sucht Zeugen.

Gegen 11.10 Uhr wurde die Leitstelle der Polizei Gütersloh darüber informiert, dass die im Boden eingelassenen Steine in der Feldstraße beschmiert worden sind. Diese befinden sich auf dem Gehweg vor dem Haus Nr. 27.

Die Pflastersteine aus Metall erinnern an Opfer des Holocausts, die an dieser Adresse gewohnt haben.

Der Staatsschutz Bielefeld bittet darum, Hinweise auf mögliche Täter oder verdächtige Beobachtungen am Wochenende vom 14.05. - 17.05. in der Nähe des Tatortes unter 0521 / 545-0 zu melden.

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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 18.05.2021:

"Stolpersteine" mit blauer Farbe besudelt

In der Gütersloher Innenstadt sind Gedenktafeln für Holocaust-Opfer verunreinigt worden / Nach antisemitischen Vorfällen in ganz Deutschland ist die Polizei besonders sensibel und kontrolliert verstärkt

Christian Bröder

Gütersloh. In der Innenstadt von Gütersloh haben unbekannte Täter drei "Stolpersteine" zum Gedenken an jüdische Opfer des Nationalsozialismus mit blauer Farbe besprüht. "Der Staatsschutz ermittelt, weil ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen werden kann", erklärt Fabian Rickel (30), Pressesprecher der originär zuständigen Polizeibehörde in Bielefeld. Mehr ist am Montagnachmittag von dort nicht zu erfahren. Wann die Steine beschmutzt worden sind und von wem, das ist aktuell ungeklärt. Auch die Frage, ob die Verschmutzung im Zusammenhang mit den bundesweit aufgetretenen Antisemitismus-Problemen und anti-israelischen Protesten der vergangenen Tage stehen könnte, bleibt offen. Die in die Erde eingelassenen Messingtafeln sind in Gütersloh an 44 Orten verlegt, wo jüdische Menschen gelebt haben. Sie fallen ins Auge, in Tagen wie diesen vielleicht mehr denn je.

Polizei fährt neuralgische Orte im Kreis Gütersloh verstärkt an

Fakt ist: Die Kreispolizeibehörde Gütersloh in der Region ist auf Grund der jüngsten Vorkommnisse, die im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt stehen, besonders sensibilisiert und in erhöhter Wachsamkeit. In verschiedenen deutschen Städten waren vergangene Woche israelische Fahnen verbrannt worden, bei Solidaritätskundgebungen für die Palästinenser kam es zu antisemitischen Zwischenfällen. "Im Kreis Gütersloh ist es in dieser Hinsicht ruhig geblieben", sagt Katharina Felsch, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde. Dennoch werden im Kreis Gütersloh neuralgische Orte wie jüdische Gedenksteine oder Begräbnisstätten verstärkt angefahren und überwacht. Etwa der Neue Jüdische Friedhof in Gütersloh, der inmitten eines Wohngebietes in der Böhmerstraße liegt und öffentlich nicht zugänglich ist. 66 Grabstätten sind dort erhalten. Besondere Vorkommnisse hat es hier in den letzten Tagen und Wochen nicht gegeben.

Ruhig geblieben ist es auch am Gedenkstein vor dem Evangelisch Stiftischen Gymnasium an der Daltropstraße. Unweit dessen befinden sich die beschmierten Stolpersteine eingangs der Feldstraße. Auf einem steht: "Hier wohnte: Erika Plaut, Jahrgang 1930. Deportiert 1942. Ermordet im Ghetto Warschau". Dasselbe traurige Schicksal ereilte auch Else Plaut (Jahrgang 1895), geborene Meinberg, deren quadratischer Stein ebenso in das Pflaster des Gehwegs am Dreiecksplatz eingelassen ist wie der von Sophie Meinberg (Jahrgang 1864). "Deportiert 1942, Tod in Theresienstadt." Nach städtischen Angaben sind insgesamt 44 jüdische Holocaust-Opfer aus Gütersloh bekannt. Ab 1941 erfolgten ihre Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager, so dass es seit 1943 keine jüdische Gemeinde in Gütersloh mehr gibt.

Eine ältere Dame, "fast 90", wie sie sagt, und Anwohnerin der Feldstraße, erinnert sich am Montagvormittag an die drei Frauen, deren Gedenksteine beschmutzt worden sind: "Die haben früher in einem Fachwerkhaus gewohnt, das schon lange abgerissen ist." Dass dort, wo einst das Gebäude stand, drei "Stolpersteine" beschmiert worden sind, davon hat sie keine Notiz genommen. Auch einer Postbotin, die unweit der Stelle die Feldstraße passiert, ist die Verschmutzung der Steine nicht aufgefallen. Die Polizei hat nach dem Vorfall nun vorerst Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Beamten fuhren zudem am Montag alle anderen "Stolpersteine" in Gütersloh ab. Weitere sind demnach nicht geschändet worden.

Irith Michelsohn: "Viele Gemeindemitglieder sind sehr verängstigt."

"Das Ganze muss aber verfolgt werden. Es ist gut, dass der Staatsschutz ermittelt", bezieht Bürgermeister Norbert Morkes Stellung getreu der Devise "Wehret den Anfängen". In Gütersloh hat der Kölner Künstler Gunter Demnig im Jahr 2005 damit begonnen, die Stolpersteine zu verlegen. Die Aktion wurde 1992 ins Leben gerufen, um deportierter jüdischer Menschen zu gedenken, die in den Konzentrationslagern und Tötungsanstalten der Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Gedenktafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten liegen in insgesamt 26 Ländern und gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Für die 335 Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, von denen 20 aus dem Kreis Gütersloh stammen, sind die Stolpersteine mehrheitlich "nicht die richtige Form des Gedenkens", wie ihre Vorsitzende Irith Michelsohn sagt. Gleichwohl registriere man deren Verschmutzungen oder Schändungen. "Das passiert immer wieder, auch in Bielefeld." Die in Israel geborene 67-Jährige, die zugleich als Generalsekretärin der Union Progressiver Juden in Deutschland fungiert, sitzt derzeit in einem Gemeindezentrum mit Synagoge in Bielefeld, das auf Grund der bundesweiten Vorkommnisse Tag und Nacht von der Polizei bewacht wird. "Viele unserer Gemeindemitglieder sind sehr verängstigt."

47 "Stolpersteine" erinnern in Rheda-Wiedenbrück an von Nationalsozialisten verschleppte und ermordete Mitbürger, dazu gibt es einen großen jüdischen Friedhof. Auf dem hat es zuletzt im Jahr 1997 einen schwerwiegenden Vorfall gegeben, als drei Minderjährige über 40 Grabsteine und Stelen zertrümmert und umgeworfen hatten. Ein antisemitischer Hintergrund konnte damals aber ausgeschlossen werden und auch aktuell gibt es in der Emsstadt in dieser Hinsicht keine Zwischenfälle. "Bei uns sind aktuell keine Schäden an Stolpersteinen zu verzeichnen", erklärt Martin Pollklas, Pressesprecher der Stadt. Die Mehrzahl der Steine liege in stark frequentierten Innenstadtlagen. Eine Vielzahl interessierter Bürger hätte sich bei der Verlegung der Gedenksteine engagiert. "Diese Menschen haben auch heute ein besonderes Auge auf diese Alltagsdenkmale." Die Kollegen des Bauhofs würden im Rahmen ihrer regelmäßigen Kontroll- und Reinigungstouren auch die Standorte prüfen und Verschmutzungen beseitigen.

Seit dem 15. Dezember 2016 hat auch Harsewinkel einen Stolperstein. Er erinnert an den 1876 im Ort geborenen Salomon Lorch, der 1941 deportiert und schließlich in Riga ermordet worden ist. An seinem Standort, dem Kirchplatz, sind jüngst aber ebenso wenige Probleme aufgetreten wie auf dem Jüdischen Friedhof an der August-Claas-Straße. "Keine besonderen Vorkommnisse", heißt es seitens der Stadtverwaltung, allerdings mit dem Verweis auf die polizeiliche Zuständigkeit. Den Staatsschutz in Bielefeld beschäftigen zunächst einmal die blau besudelten "Stolpersteine" aus Gütersloh.

Bildunterschrift: Diese drei "Stolpersteine" am Gütersloher Dreiecksplatz sind mit blauer Farbe verschmutzt worden. Dabei handelt es sich um die Gedenksteine für die jüdischen Bürgerinnen Erika und Else Plaut sowie Sophie Meinberg, die einst an der Feldstraße wohnten.

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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 18.05.2021:

Gütersloh: Drei Gedenksteine für NS-Opfer mit Farbe beschmiert

Gütersloh. In der Innenstadt sind drei Gedenktafeln für Holocaust-Opfer mit blauer Farbe verschmutzt worden. 44 "Stolpersteine" sind hier an Orten verlegt, wo jüdische Menschen gelebt haben. Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Nach den bundesweiten Antisemitismus-Problemen hat die Polizei im Kreis einige Orte besonders im Blick.

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