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Radio Gütersloh ,
17.05.2021 :
Bielefelder Konfliktforscher über Verschwörungstheorien in der Corona-Pandemie
In der Corona-Pandemie haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Nach Ansicht des Konfliktforschers Jonas Rees von der Uni Bielefeld entstehen Verschwörungstheorien vor allem bei einer fundamentalen Verunsicherung. Hinzu kommen die Existenzsorgen vieler Menschen. Rees sieht in der Machtlosigkeit, gepaart mit Sorge und Wut, einen Nährboden für Verschwörungstheorien. Der Bielefelder Konfliktforscher vermutet, dass bei den Demonstrationen im Kreis Gütersloh verschiedene politische Gruppen von rechts bis links vertreten sind und nicht nur Corona-Leugner.
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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung, 08./09.05.2021:
Was treibt die Menschen auf die Straße?
Im Kreis Gütersloh protestieren in den nächsten Tagen bei fünf Anti-Corona-Demonstrationen Bürger gegen die Pandemie-Maßnahmen / Der Lichterspaziergang-Bewegung fehlte zuletzt einer ihrer führenden Köpfe
Christian Bröder
Gütersloh. Seit Beginn der Pandemie sind im Kreis Gütersloh fast 50 Demonstrationen im Zusammenhang mit Corona-Protesten angemeldet worden. "Wir verbuchen hierbei einen deutlichen Anstieg", erklärt Katharina Felsch, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde. Nach sechs Kundgebungen im Jahr 2020 hat sich die Anzahl im laufenden Jahr auf 41 Veranstaltungen erhöht. Auch an diesem Wochenende gehen in der Region wieder Menschen gegen die Covid-19-Politik der Bundesregierung und die Schutzmaßnahmen auf die Straße. Von Samstag bis Dienstag finden insgesamt fünf Veranstaltungen statt, die offiziell angemeldet worden sind.
Bei der größten Kundgebung werden am Muttertag in Rietberg 250 Teilnehmer erwartet, die zwischen 14 und 17 Uhr vom Zentralen Omnibusbahnhof aus mit Lautsprechern, Transparenten und Bollerwagen durch die Stadt ziehen wollen. Unter dem Motto "Mit Mutti gegen "Mutti"", zu verstehen als Affront gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, hat ein aus Bürgern der Regionen Bielefeld, Lippe, Paderborn und Rietberg formiertes Bündnis "OWL-Treff BiLiPaRi" auch über die Sozialen Netzwerke zu der Veranstaltung eingeladen. Es soll ein "Spaziergang für Grundrechte, Freiheit und Gesundheit für alle von den Corona-Schutzmaßnahmen Betroffenen" durchgeführt werden. Dieser Slogan, unter dem auch der so genannte Rietberger Lichterspaziergang am 19. April lief, wird in der Regel von der Gütersloher Lichterspaziergang-Bewegung genutzt.
Bereits 23 Lichterspaziergänge in Gütersloh
Diese hatte sich am vergangenen Montag bereits zum 23. Mal zusammengefunden, um gegen die Corona-Maßnahmen und die Notbremse der Bundesregierung auf die Straße zu gehen. Etwa 180 Teilnehmer nahmen an einem gut 60-minütigen Fußmarsch durch das Stadtgebiet und der anschließenden Kundgebung auf dem Berliner Platz teil. Was Ende 2020 als Lichtermarsch gestartet ist, war nun als "Spaziergang für alle von den Corona-Schutzmaßnahmen Betroffenen, Grundrechte ... " angemeldet. Die NW war vor Ort: Nicht unter den Teilnehmern der Demonstration ist diesmal wie auch in der Woche davor einer der Köpfe der Initiative gewesen - die Gütersloherin Maria Eing.
Die gelernte Krankenschwester und Fachkraft einer Kita ist bislang, unter anderem bei Facebook, als Versammlungsleiterin und Sprecherin öffentlich in Erscheinung getreten. Quasi ein Gesicht der Kundgebungen, deren Teilnehmer im Gros aus "Corona-Skeptikern" bestehe, wie Michael Hönsch es passend formuliert findet. Der 54-Jährige vertritt Maria Eing am vergangenen Montag als Versammlungsleiter. Warum das nötig ist? "Sie ist erkrankt. Sie hat ein Kratzen im Hals und einen leichten Schnupfen", erklärt Hönsch. Im Vorfeld der Kundgebung verbreitete Gerüchte, nach denen Eing an Corona erkrankt sei und sich im Krankenhaus befinden solle, streitet ihr Stellvertreter ab. "Nein, das ist nicht der Fall. Sie liegt nicht im Krankenhaus und ist definitiv zu Hause."
In einem Mail-Austausch mit der NW äußert sich Maria Eing am Mittwochmorgen kurz persönlich: "Zu meiner Gesundheit beziehe ich keine Stellung." Weitere Fragen bleiben unbeantwortet. In ihrer Abwesenheit machen bei der Demo zu Wochenbeginn deutlich mehr Menschen vom Grundrecht der Versammlungsfreiheit Gebrauch als noch in den Anfängen. Diesmal sind 160 Teilnehmer angemeldet. "Mit 13 Personen hat es mal angefangen", erinnert sich die Polizeihauptkommissarin, die an diesem Abend als Einsatzleiterin vor Ort ist.
Seit dem 7. Dezember treffen sich montags in Gütersloh Menschen, um gegen die aus ihrer Sicht überzogenen Schutzmaßnahmen und die Einschränkung ihrer Grundrechte zu protestieren. Außer der Reihe ist für diesen Samstag eine Mahnwache auf dem Gütersloher Dreiecksplatz mit 16 Beteiligten angemeldet worden. Zudem ist von Privatpersonen für kommenden Montagabend in Rietberg am ZOB eine weitere Kundgebung geplant sowie am nächsten Dienstag in Schloß Holte-Stukenbrock.
Die Gründe, die die Menschen auf die Straße treiben? Man wolle Solidarität mit denen bekunden, die von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen seien, erklärt Michael Hönsch seine Sicht der Dinge. Er sagt, dass es nicht hinnehmbar sei, dass man "so viele Maßnahmen auferlegt" bekäme und dass so viele Menschen ihren Job verlieren würden. Er sagt auch, wie er Corona betrachtet: "Für die meisten von uns ist es eine besondere Form der Grippe, die ihre Tücken hat."
Die Teilnehmer des Gütersloher Spaziergangs, laut einer vormals veröffentlichen Pressemitteilung "Bürger, die eine andere Wahrnehmung hinsichtlich des Pandemie-Weltgeschehens und ein anderes Wissen dazu haben", sind in der vergangenen Woche von der Martin-Luther-Kirche aus eine Stunde lang über die Neuenkirchener Straße und Hohenzollernstraße zurück zum Ausgangspunkt spaziert.
Auf dem Berliner Platz findet die Abschlusskundgebung statt. Einige wenige tragen keinen Mund- und Nasen-Schutz. "Diese haben aber in der Regel ein Attest auf Befreiung von der Masken-Pflicht", erklärt die Polizistin. Drei Einsatzwagen und ein Mountainbiker begleiten die Protestler. Die Bilanz aus Sicht der Beamten: "Es gab keine Unruhen oder Auffälligkeiten, man hat sich an die Vorgaben gehalten."
Das sei aus Sicht der Kreispolizeibehörde auch die generelle Wahrnehmung, sagt Katharina Felsch: "Grundsätzlich halten sich die Teilnehmer der Demos an die Absprachen. Aber wir gucken ganz genau hin, und Verstöße werden von uns, gemeinsam mit den Kollegen vom Ordnungsamt, geahndet."
Auch für nächsten Montag ist wieder eine Veranstaltung in Gütersloh angemeldet. Erwartet werden zwischen 18 und 19.30 Uhr auf dem Berliner Platz 160 Teilnehmer. Es soll wieder demonstriert werden, "friedlich, aber bestimm"“, sagt Michael Hönsch noch. Und dass er seinen Posten als Versammlungsleiter dann vermutlich wieder los sei.
Bildunterschrift: Im Kreis Gütersloh hat die Anzahl an Anti-Corona-Demonstrationen, wie hier der Lichterspaziergang am 19. April in Rietberg, deutlich zugenommen. Fast 50 Veranstaltungen sind seit Beginn der Pandemie angemeldet worden.
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Für den 18. Mai 2021 ist eine weitere Versammlung, der extrem rechten Pandemie-Leugnenden von "Wir für SHS", die "Reichsbürger" eingeschlossen, vor dem Rathaus in Schloß Holte-Stukenbrock angekündigt.
Für den 17. Mai 2021 war in Gütersloh (18.00 bis 19.30 Uhr) der indes 25. "Lichterspaziergang" gegen die Corona-Schutzmaßnahmen - mit einer anschließenden Kundgebung auf dem Berliner Platz - angekündigt.
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www.uni-bielefeld.de/ikg
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