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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt ,
17.05.2021 :
Weiterer Namensvorschlag
Bünde (WB/sal). Zwar ist die angestrebte Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße noch nicht gänzlich in trockenen Tüchern - der Bünder Stadtrat muss am morgigen Dienstag noch grünes Licht für den von SPD, Grünen und Linken gestellten Antrag geben. Dennoch melden sich immer wieder Leser mit Vorschlägen, wie die Straße nach einer Umwidmung heißen könnte. Tabak- oder Zigarrenstraße haben WB-Leser bereits vorgeschlagen. Angelika Tiemann aus Enger hat nun eine weitere Idee, die in eine ähnliche Richtung abzielt: Straße der Zigarrenarbeiter. "Auf jeden Fall sollte die Straße nicht wieder nach einer Person benannt werden", findet sie.
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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 07.05.2021:
Kurze "Gnadenfrist" für den Reichswehr-General
Ausschuss stimmt für Straßenumbenennung - Rat hat am 18. Mai das letzte Wort
Von Daniel Salmon
Bünde (WB). Die Tage, in denen der umstrittene Reichswehr-General Paul von Lettow-Vorbeck (1870 - 1964) Namenspate einer Bünder Straße ist, scheinen gezählt zu sein. Mit denkbar knapper Mehrheit hat sich der Verkehrsausschuss für eine Umbenennung des Straßenzugs ausgesprochen. Allerdings ist die Entscheidung noch nicht endgültig: Lettow-Vorbeck bekommt noch eine knapp zweiwöchige "Gnadenfrist".
Es ist 21.24 Uhr am Mittwochabend, als das Votum des Fachgremiums feststeht. Neun Ausschussmitglieder (SPD, Grüne, Linke) stimmen für eine Umwidmung der Lettow-Vorbeck-Straße, acht Lokalpolitiker (CDU, FDP, UWG, AfD) sprechen sich dagegen aus. Eigentlich wäre das Thema damit endgültig abgeschlossen gewesen. Denn der Verkehrsausschuss hat durchaus die Kompetenz, allein über Straßenbe- und umbenennungen zu beschließen. Doch auf Grund der schon seit Jahren schwelenden politischen Debatte um die Personalie Lettow-Vorbeck, der maßgeblich an der brutalen Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) beteiligt war, wird das Stadtparlament in seiner Sitzung am 18. Mai eine endgültige Entscheidung treffen. "Wegen der Brisanz des Themas soll der Rat abschließend darüber beraten", sagt Volker Dix, Leiter des Bauverwaltungsamts.
Gleich zu Sitzungsbeginn um 19 Uhr schlägt Heinz- Georg Beneke (CDU) vor, den Tagesordnungspunkt zur Umbenennung auf die nächste Zusammenkunft des Verkehrsausschusses am 17. Juni zu verschieben - aus Corona-Gründen. Denn die Agenda des Gremiums am Mittwochabend ist pickepackevoll und die von SPD, Grünen und Linken beantragte Straßenumbenennung soll erst gegen Ende der Sitzung behandelt werden. Und Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger hatte zudem angeregt, politische Zusammenkünfte vor dem Hintergrund der immer noch angespannten Pandemie-Lage kurz zu halten. "Wir können gerne diskutieren, aber ich sehe in der Sache keine Eilbedürftigkeit", kommentiert Beneke, der eine ausufernde Debatte um die Lettow-Vorbeck-Straße befürchtet.
Dem treten die Antragsteller entgegen: "Ich glaube, wir kriegen das auch mit einer kurzen Diskussion hin. Unsere Argumente sind klar und der Sachverhalt ist relativ überschaubar", sagt SPD-Ratsherr Kai Unzicker. Und Christian Kowalewsky (Grüne) ergänzt: "Das Thema brennt den Bürgern unter den Nägeln, daher sollten wir kurz dazu beraten."
Zwei Stunden später ist es schließlich soweit. Knapp 20 Minuten tauschen Gegner und Befürworter der Umbenennung ihre Argumente aus. "Ein Militarist und nachgewiesener Verbrecher gegen die Menschlichkeit darf kein Namensgeber für eine Straße in Bünde mehr sein", kommentiert Christian Kowalewsky.
Von Eckhard Meier (UWG) kommt der Einwand, dass es in der Elsestadt viele belastete Straßennamen gebe: etwa Kaiser-Wilhelm-Straße oder Sedanstraße. Warum solle man also ausgerechnet mit der Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße anfangen? "Kaiser Wilhelm war einer der größten Mörder, die es gab", gibt Meier zu Bedenken und rät, erst die dem Monarchen gewidmete Straße neu zu benennen.
SPD-Mann Kai Unzicker führt daraufhin einen gravierenden Unterschied des Reichswehr-Generals zu Kaiser Wilhelm an: "Lettow-Vorbeck ist nur deshalb bekannt, weil er Verbrechen begangen und in Afrika hauptsächlich Menschen geschlachtet hat. Und weil er eine Werbefigur für den Kolonialismus war. Wollen wir, dass so ein Name zu Bünde gehört?"
Heinz-Georg Beneke stellt für die CDU klar: "Wir sympathisieren nicht mit Lettow-Vorbeck aber damit, dass man sich mit Geschichte auseinandersetzt." Und das sei durch die Infotafeln geschehen, die im Nachklapp des letzten – in 2018 gescheiterten – Umbenennungsantrags unter den Schildern der Lettow-Vorbeck-Straße angebracht wurden. Birgit Kruthoff (CDU) spricht noch die Kosten an, die auf die Anlieger der Straße, an der auch das Bünder Finanzamt liegt, im Zuge einer Umwidmung zukommen.
Letztlich setzen sich aber die Antragsteller durch. Da SPD, Grüne und Linke auch im Stadtrat eine Stimmenmehrheit besitzen, dürfte das Gremium dem Beschlussvorschlag des Verkehrsausschusses wohl folgen - und Lettow-Vorbecks "Gnadenfrist" läuft dann endgültig ab.
Suche nach neuem Namen
Die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße ist (fast) in trockenen Tüchern. Doch wie soll die Straße dann heißen? SPD, Grüne und Linke wollen für die Namensfindung einen öffentlichen, politischen Diskurs anbieten, an dem sich alle Bünder beteiligen können. An die Geschichte der Straße und Lettow-Vorbecks historische Rolle soll künftig eine Plakette erinnern, die in der Nähe des Elsedamms angebracht wird.
Haben Sie, liebe Leser, eine Idee, wie die Lettow-Vorbeck-Straße heißen könnte? Gerne können Sie uns Ihre Vorschläge per Mail senden an:
buende@westfalen-blatt.de
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Am 18. Mai 2021 berät der Rat der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag (Sitzungsvorlage 127/2021) der Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger vom 19. April 2021 zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße".
Am 5. Mai 2021 stimmte der Verkehrsausschuss der Stadt Bünde, dem Antrag der Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, Die Linke (vom 12. April 2021), zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" zu.
Am 27. April 2021 luden die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD und Die Linke im Rat der Stadt Bünde zur Diskussion mit Barbara Frey, Ottmar Holtz, zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" ein.
Am 19. April 2021 legte die Bürgermeisterin der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" (Sitzungen: Verkehrsausschuss am 5. - sowie des Rat am 18. Mai 2021) vor.
Am 12. April 2021 forderten die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD sowie Die Linke (im Rat der Stadt Bünde) in einem - gemeinsamen - Antrag die Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" in Bünde.
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https://buende.ratsinfomanagement.net
www.gruene-buende.de/2021/04/16/der-general-muss-weg-gruene-linke-und-spd-stellen-antrag-auf-umbenennung
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