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Neue Westfälische Online ,
14.05.2021 :
Brennende Flaggen: Gut 200 Bielefelder setzen Zeichen gegen Antisemitismus
14.05.2021 - 14.03 Uhr
Friedliche Mahnwache gegen offene Angriffe, aber auch Hass im Netz. Der Antisemitismus-Beauftragte ruft die Islam-Verbände auf, mäßigend zu wirken.
Jens Reichenbach
Bielefeld. Die aktuellen Ereignisse im Israel-Palästina-Konflikt haben auch in Deutschland zu heftigen antisemitischen Aktivitäten geführt. In der Nacht zum Mittwoch waren vor Synagogen in Münster und Bonn israelische Flaggen angezündet worden.
In Solingen verbrannten Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag eine vor dem Rathaus gehisste israelische Flagge. Die Polizei in Gelsenkirchen stoppte am Mittwochabend einen antisemitischen Demonstrationszug vor der Synagoge.
Schon am Donnerstagabend hatten sich deshalb in Bielefeld gut 200 Bürger vor der Synagoge an der Detmolder Straße eingefunden. Unter dem Motto "Wir stehen auf gegen Antisemitismus!" hielten sie eine stille Mahnwache ab. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bielefeld, Irith Michelsohn, sprach als einzige und äußerte große Sorgen, dass die aktuelle Entwicklung das Leben der jüdischen Bürger in Bielefeld und Deutschland negativ beeinflussen könnte.
Größeres Polizeiaufgebot
Das Bielefelder "Bündnis gegen Rechts", dass zu der Solidaritätsaktion aufgerufen hatte, verurteilt die Angriffe und betont, dass vor allem in den "Sozialen Medien" offener und hasserfüllter Antisemitismus stattfinde. Die Mahnwache verlief friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.
Die Detmolder Straße in Richtung Innenstadt wurde während der Aktion für rund 45 Minuten von der Polizei gesperrt. Die Polizei hatte wegen der brisanten politischen Lage zahlreiche Einheiten zu dem Einsatz hinzugezogen. Doch die Mahnwache verlief völlig friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.
"Kritik an der israelischen Regierung sind keine Rechtfertigung für Angriffe auf Juden und Synagogen"
Derweil hat der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, am Freitag an die Islam-Verbände appelliert, hier mäßigend zu wirken. Er rufe die Verbände auf, "sich von Gewalt gegen Juden und von Angriffen auf ihre Gotteshäuser zu distanzieren".
Für ihn sei es entsetzlich zu sehen, "wie offensichtlich hier Juden in Deutschland für Handlungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden, an denen sie ganz und gar unbeteiligt sind", fügte er hinzu. Eine solche Sichtweise sei "purer Antisemitismus", sagte Klein. Solidarität mit Palästinensern oder Kritik an der israelischen Regierung seien keine Rechtfertigung für Vorfälle wie in Bonn, Gelsenkirchen und anderen deutschen Städten.
Für Berliner Zentralrat der Muslime ist die Hemmschwelle nicht so hoch
Am Freitag hat auch der Zentralrat der Muslime in Berlin zur Mäßigung aufgerufen. "Wir verurteilen definitiv Antisemitismus. Wir machen das auch in unseren Predigten ganz, ganz deutlich", sagte der Zentralratsvorsitzende Mohamad Hajjaj.
Er betonte, die Hemmschwelle zwischen legitimer Kritik an der israelischen Politik und Antisemitismus sei nicht so hoch. Daher versuche der Zentralrat in Berlin zu sensibilisieren: "Da versuchen wir auch mäßigend einzuwirken und den Leuten zu erklären: Es ist legitim Kritik zu äußern an irgendwelchem staatlichen Handeln. Aber es ist nicht legitim - und es ist auch islamisch gesehen nicht legitim - , dass man eine gesamte Religionsgemeinschaft kritisiert und antisemitische Ressentiments nährt."
Bildunterschrift: Unter dem Motto "Wir stehen auf gegen Antisemitismus!" fanden sich gut 200 Bürger vor der Synagoge ein.
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- Donnerstag, 13. Mai 2021 von 18.00 bis 18.30 Uhr -
Stille Mahnwache mit dem Motto: Wir stehen auf gegen Antisemitismus!
Veranstaltungsort:
Vor der
Synagoge Beit Tikwa
Detmolder Straße 107
33604 Bielefeld
www.juedische-gemeinde-bielefeld.de
Die aktuellen Ereignisse in Israel haben zu antisemitischen Äußerungen und Anfeindungen gegenüber jüdischen Menschen und Übergriffen auf jüdische Einrichtungen geführt. Vor allem in den "Sozialen" Medien findet teilweise offener Antisemitismus statt.
Wir nehmen das zum Anlass, um ein deutliches Zeichen der Solidarität zu setzen. Das Bielefelder Bündnis gegen Rechts veranstaltet eine stille Mahnwache unter dem Motto "Wir stehen auf gegen Antisemitismus!" vor der Synagoge. Wir rufen alle Bielefelderinnen und Bielefelder auf, daran teilzunehmen. Angesichts der jüngsten Übergriffe auf jüdische Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen möchte das Bielefelder Bündnis gegen Rechts seine Solidarität mit allen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zeigen.
Bitte kommt zahlreich, tragt FFP2-Masken und haltet euch an die geltenden Hygiene-Vorschriften!
Veranstalterin: Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts
www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com
www.facebook.com/BielefeldStelltSichQuer
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Am 13. Mai 2021 rief "Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts" von 18.00 bis 18.30 Uhr, zu einer Mahnwache - unter dem Motto "Wir stehen auf gegen Antisemitismus!" - vor der Synagoge Beit Tikwa auf.
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www.juedische-gemeinde-bielefeld.de
www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com
www.facebook.com/BielefeldStelltSichQuer
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