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Lippische Landes-Zeitung ,
10.05.2021 :
Leserbriefe / Als Einheit gegen diese verquere Weltsicht stark machen
Auf den Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht" bezieht sich diese Leserin:
Einige Wochen ist es nun her, dass Eltern vor dem Detmolder Kreishaus unter anderem gegen die Corona-Schnelltestungen ihrer Kinder demonstrierten. Sie taten dies, indem sie mit wissentlichem Rückgriff auf eine Symbolik, die untrennbar mit dem Grauen und den Massenmorden an Millionen von Menschen in Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs verbunden ist, Kinderschuhe vor dem Kreishaus niederlegten. Aber auch Wochen und (zu meiner Erleichterung) zahlreiche gegen die "Protestaktion" gerichtete Leserbriefe später beschäftigt mich das, was sich am 15. April in Detmold abgespielt hat, nachhaltig.
Sicherlich: Die Ankündigung der Detmolder Staatsanwaltschaft, wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung zu ermitteln und gegebenenfalls strafrechtliche Konsequenzen einzuleiten, ist nicht nur ein richtiges und wichtiges Zeichen, sondern die logische Konsequenz, die in unserem Rechtsstaat aus solchen Ereignissen unbedingt gezogen werden muss. Darüber hinaus stelle ich mir aber die Frage: Was veranlasst erwachsene Menschen dazu, einen Vergleich zwischen einem nasal durchgeführten Antigen-Schnelltest und dem sexuellen Missbrauch oder der grauenhaften Verstümmelung und Ermordung von Kindern zu ziehen?
Auf diese Frage finde ich einfach keine auch nur annähernd vernünftige Antwort. Und mal ehrlich: Was stecken sich Kinder alles aus Spaß in die Nase, wenn sie sich ausprobieren und die Welt entdecken? Eben. Was darüber hinaus die mögliche Stigmatisierung eines positiven Testergebnisses angeht, sollten Eltern vielleicht einfach mal die Möglichkeit in Betracht ziehen, mit ihren Kindern darüber zu reden. Denn wie die vergangenen Wochen und Monate gezeigt haben, sind Kinder sehr wohl in der Lage zu verstehen, worum es geht und was dahintersteckt - wenn man es ihnen erklärt und ihnen die Angst vor dem Unbekannten und der damit verbundenen Stigmatisierung nimmt.
Es bleibt zu hoffen, dass die Politik trotz solcher Kundgebungen zu den jüngst erlassenen Maßnahmen steht und sich als demokratische Einheit gegen diese verquere Weltsicht stark macht.
Carolin Selbach, Bad Salzuflen
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Lippische Landes-Zeitung, 01./02.05.2021:
Leserbriefe / Ein Test wird diese Kinder nicht traumatisieren
Zum Thema "Schuh-Protest in Detmold":
Eine Elfjährige, die sich für Anne Frank hält, weil sie auf Grund der Pandemie ihren Geburtstag nicht wie sonst feiern kann. Eine 20-Jährige, die sich für Sophie Scholl hält, weil sie sich seit Monaten im Widerstand gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie befindet. Irina Volz, eine vierfache Mutter, die nicht möchte, dass ihre Kinder so leiden müssen, wie die ermordeten Kinder in Auschwitz oder die sexuell missbrauchten Kinder aus Lügde.
Dieser Vergleich verhöhnt die Opfer und relativiert den Holocaust. Die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, der Sinti und Roma durch die deutschen Nationalsozialisten war ein singuläres Verbrechen, das mit gar nichts vergleichbar ist. Die Gleichsetzung mit den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ist nicht nur dumm, das ist Geschichtsrevisionismus.
Leider müssen wir davon ausgehen, dass dieser krude Vergleich von den "Demonstranten" geteilt wird. Das heißt weiterhin, dass dieses Geschichtsbild an die Kinder dieser Eltern weitergegeben wird. Muss man sich dann noch über die Elf- und die 20-Jährige wundern? Es ist zu befürchten, dass sie das was sie sagen, auch tatsächlich meinen? Diese Einstellung ist durchaus anschlussfähig zu den tatsächlichen Leugnern der Shoa. Das Einfalltor ist groß und offen. Es ist richtig, dass der Staatsanwalt in diesem Fall nach Paragraph 130 Abs. 3 ermittelt: "Wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung, womit Völkermord gemeint ist, in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost."
Um was geht es hier eigentlich? Es kann doch diesen "besorgten" Eltern nicht gleichgültig sein, ob ihre Kinder positiv oder negativ auf Covid 19 getestet sind? Solange nicht alle Menschen geimpft sind, wird dieser Virus sich immer mehr verbreiten und den Mutationen die Türen weit öffnen. Ein Test wird diese Kinder nicht traumatisieren. Sind sie positiv getestet, müssen sie natürlich in Quarantäne. Sind sie positiv getestet und nicht in Quarantäne, sind sie ein nicht zu unterschätzender Virus-Herd. Sie stecken nicht nur ihre Familie an, sondern auch alle anderen, mit denen sie zusammen sind. Ich bin davon überzeugt, dass die traumatischen Folgen durch eine nicht erkannte Covid-19-Erkrankung diesen tödlichen Virus verbreitet zu haben, größer sein wird.
Wären es wirklich besorgte Eltern, würden sie alles tun, um ihre Kinder zu schützen. Schutz kann nur sein: Testen, Maske tragen, Einschränkungen der sozialen Kontakte und sich impfen lassen.
Edeltraut Kuschel, Lage
Bildunterschrift: Eltern haben dutzende Schuh-Paare bei ihrer Demonstration vor dem Kreishaus aufgestellt.
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Lippische Landes-Zeitung, 24./25.04.2021:
Leserbriefe / Ein Angriff auf unsere solidarische Gesellschaft
Auf den Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht" bezieht sich diese Leserin.
Der Versuch angeblich besorgter Eltern, die Sinnhaftigkeit der Test-Pflicht in den Schulen zu delegitimieren, indem sie die unangenehmen Empfindungen, die das Einführen eines Teststäbchens in die Nase sicher häufig auslöst, mit dem Leid jüdischer Kinder in Konzentrationslagern vergleichen, ist unfassbar.
Die Art und Weise, die Grausamkeiten des NS-Staates zu verharmlosen und zu verleugnen, sich selbst und Kinder zu Opfern staatlicher Gewalt zu stilisieren, steht in einer Reihe mit den polemischen Vorwürfen so genannter Querdenker, Deutschland erlebe neue Ermächtigungsgesetze, sei auf dem Weg in eine Corona-Diktatur.
Es ist eine Sache, über die realen Einschränkungen unserer Freiheitsrechte öffentlich zu diskutieren, immer wieder kritisch deren Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit zur Eindämmung der Pandemie zu hinterfragen. Eine andere Sache ist es, unseren sehr wohl auch in dieser Krise funktionierenden Rechtsstaat zu diskreditieren und in die Nähe der Nazi-Diktatur zu rücken.
Anders als unser Landrat, der die Angelegenheit "nicht so hoch hängen" wollte, verstehe ich die mit dieser Aktion verknüpfte Botschaft als das, was sie ist, nämlich als Angriff auf unsere solidarische Gesellschaft.
Monika Becker, Lage
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Lippische Landes-Zeitung, 24./25.04.2021:
Leserbriefe / Verantwortungslose Eltern
Zu den Argumenten von Eltern gegen die Test-Pflicht schreibt dieser Leser:
Widerwärtig und geschichtsvergessen ist der Vergleich der Eltern mit Auschwitz oder Lügde. Wer solche Eltern hat, kann nicht noch mehr stigmatisiert werden. Das eigentliche Stigma dieser Kinder sind ihre verantwortungslosen Eltern, die nicht mal davor zurückschrecken, ihre eigenen Kinder für ihre kruden Fantasien zu missbrauchen. Diese Aussagen sind weder Meinung noch Haltung, sie zeigen, woran es in Teilen der Gesellschaft nachhaltig mangelt.
Wer einem hier wirklich leid tun muss, sind Kinder, die in einem solchen bildungsresistenten Umfeld erwachsen werden sollen. Gibt es denn keine Handhabe der Kinder- und Jugendfürsorge, diese armen Kinder vor ihren Erzeugern zu schützen?
Peter Jungbluth, Kalletal
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Lippische Landes-Zeitung, 24./25.04.2021:
Leserbriefe / Pauschale Kritik ist angebracht
Zum Leserbrief "Pauschalkritik ist nicht gerecht" von Marie Hansen:
Frau Hansen schreibt, dass Pauschalkritik nicht angebracht wäre, das kann ich so nicht stehen lassen. Meiner Meinung nach ist Pauschalkritik sehr wohl angebracht. Alle Mütter, die sich an dieser abscheulichen Aktion vor dem Kreishaus beteiligt haben und deren Familien, die dieses billigten, sind mitverantwortlich.
Mir ist nicht bekannt, dass sich öffentlich irgendeine Person aus diesem Kreis der Teilnehmenden von den schändlichen Aussagen der Frau Volz distanziert hat. Es ist widerwärtig und abscheulich, die eigenen Kinder so zu instrumentalisieren und mit dem unsäglichen Leid der Kinder in den KZ oder dem entsetzlichen Missbrauch von Kindern, wie in Lügde, zu vergleichen. Frau Volz und die anderen Mütter fühlen sich in ihren Grundrechten und Meinungsfreiheit eingeschränkt? Sie scheinen zu vergessen, dass es Länder gibt, wo sie genau für diese Aktion wahrscheinlich im Gefängnis gelandet wären. Mein Eindruck ist, dass dieser Personenkreis die verankerten Grundrechte unseres Landes mit Füßen tritt und nicht bereit ist, unsere demokratische Grundordnung anzuerkennen und sich daran zu halten. Ich glaube, dass diese Aktion die angeblich zu schützenden Kinder mehr stigmatisiert als ein positiver Corona-Test.
Marlies Bartzsch, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 24./25.04.2021:
Polizei zeigt Organisator der Schuh-Aktion an
Verdacht: Verstoß gegen das Versammlungsgesetz
Kreis Lippe (mah). Die Polizei Lippe hat wegen der Aktion von Corona-Test-Gegnern in der vergangenen Woche vor dem Detmolder Kreishaus nun gegen einen der Organisatoren Anzeige erstattet. "Wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz", sagte Polizeisprecherin Dr. Laura Mercks. Bei der Staatsanwaltschaft sind unterdessen "mindestens zwei" Anzeigen wegen Volksverhetzung eingegangen, weil vor Ort eine mögliche Gefahr für Kinder durch Corona-Tests mit dem Leid der Kinder im Holocaust und mit den Verbrechen im Lügder Missbrauchsfall verglichen worden war.
Wie berichtet, hatten mehrere Demonstranten dort Schuhe und Kinderspielzeug abgelegt - als Zeichen des Protestes gegen die nunmehr geltende Test-Pflicht an Schulen. Die Teilnehmer hatten sich über Chat-Gruppen verabredet. Vor Ort habe sich dann jemand als Versammlungsleiter hervorgetan, sagte Laura Mercks. Wegen eines Verstoßes gegen die Regeln des Infektionsschutzgesetzes werde allerdings nicht ermittelt. "Tatsächlich hatten die Leute ein Attest zur Befreiung von der Masken-Pflicht, das haben wir kontrolliert." Auch im Nachhinein betrachte es die Polizei als richtig, vor Ort nicht eingeschritten zu sein. "Das wäre vor allem angesichts der vielen Kinder nicht verhältnismäßig gewesen."
Oberstaatsanwalt Ralf Vetter sagte, die Anzeigen von Privatleuten wegen des Verdachtes der Volksverhetzung würden nun gebündelt bearbeitet. Die Staatsanwaltschaft hatte ja - wie berichtet - von Amts wegen ebenfalls ein Strafverfahren eingeleitet. Die Konsequenzen sind offen: "Die strafrechtliche Relevanz der Aussagen prüfen wir nun. Gegebenenfalls übernimmt dann der Staatsschutz in Bielefeld die Ermittlungen."
Dass die Polizei wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot ermittelt, wird die AfD-Fraktion im Kreistag nicht gerne hören. Sie hatte zuvor in einer Presseerklärung betont, die Versammlungsfreiheit besitze "in unserem Rechtssystem historisch bedingt einen sehr hohen Stellenwert". Die Fraktion stelle sich als "überzeugte Demokraten" hinter die Teilnehmer: "Besonders in schweren Zeiten muss das Volk stets das Korrektiv der Regierenden sein." AfD-Fraktionschef Uwe Detert kritisiert die Berichterstattung dieser Zeitung und erklärt, Schuhe und andere Kindersachen seien aus "Sorge um die psychische Verfassung unserer Kinder" niedergelegt worden. Dass viele Bürger keine Maske getragen hatten, sieht er als "Zeichen des Protestes". Jedoch seien die Abstände unter freiem Himmel "angemessen" eingehalten worden.
Bildunterschrift: Protest mit Schuhen und Luftballons: Die Aktion vor dem Kreishaus sorgt für viel Diskussionen.
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Lippische Landes-Zeitung, 23.04.2021:
Leserbriefe / Diese Woge der Empörung war wohltuend und Mut machend
Zum Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht" und darauf folgende Leserbriefe meinen diese Leserinnen:
Dass Kinder und Jugendliche in dieser Pandemie ebenso betroffen sind durch die allgemeinen Schutzmaßnahmen wie wir Erwachsene und sie dadurch seit Monaten weder normalen Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden haben, noch die Schule geregelt besuchen können sowie in ihren Freizeitaktivitäten stark eingeschränkt sind, ist im höchsten Maße zu bedauern. Dass verantwortliche Eltern darüber besorgt sind, ist zweifellos nachzuvollziehen. Was sich aber am 15. April vor dem Kreishaus in Detmold abspielte, war eine menschenverachtende PR-Kampagne von unverbesserlichen, rechtsorientierten Querdenkern, die seit ihrem Auftreten in unserer Stadt / Land gezeigt haben, dass sie gesprächsresistent sind, unzureichende Geschichtskenntnisse haben, rechte Propaganda verbreiten und unterstützen und sich gerne selbstgerecht in Szene setzen. Sie sind nur in ihrer eigenen Filterblase unterwegs und wiederholen gebetsmühlenartig ihre immer gleichen wissenschaftlich nicht haltbaren Behauptungen. Jede verantwortungsbewusste Mutter und Oma, jeder verantwortungsbewusste Vater und Opa sollte sich von diesen Gruppen fern halten, denn dieses braune Gedankengut ist weitaus schlimmer als ein Stäbchen in der Nase.
Wenn die Pandemie uns etwas gezeigt hat, dann unseren Platz auf diesem Planeten und unsere Verwundbarkeit - aber vor allem, wie tödlich Wissenschaftsfeindlichkeit sein kann. Wie wohltuend und Mut machend war diese Woge der Empörung, die in den Leserbriefen der lippischen Bürgerinnen und Bürger zum Ausdruck kam. Dieser Aufschrei der Entrüstung im Angesicht dieser ungeheuerlichen Vergleiche war und ist notwendig.
Jedoch - es darf nicht bei diesem Aufschrei bleiben: Worte verklingen - Taten verändern. In aller Deutlichkeit möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass die Politik und die Polizei ihre Aufgaben konsequent umsetzen sollten.
Carmen Henningson, Irene Wibbing und Brigitte van Ahee im Namen der "Omas gegen Rechts" Detmold.
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021 :
Leserbriefe / Die Grenzen der freien Meinungsäußerung weit überschritten
Besser wäre es gewesen, der sehr gute Kommentar von Martin Hostert in der LZ vom 16. April hätte nicht geschrieben werden müssen. Ist es wirklich die Sorge um das Wohl ihrer Kinder, die diese Erziehungsberechtigten zu einem solchen Handeln treibt? Nein, die vom Kommentator zu Recht kritisierten ungeheuerlichen Vergleiche zum Leiden und Sterben der Kinder im KZ Auschwitz lassen daran zweifeln.
Hier scheinen doch eher unvorstellbare Naivität oder rechtsextreme Auffassungen mit im Spiel zu sein. Wir erwarten eine eindeutige Distanzierung und Abgrenzung der anderen Teilnehmenden von diesen Aussagen. Bleibt dies aus, ist es berechtigt, "alle über einen Kamm zu scheren" und eine nicht mehr tolerable rechtsextreme Motivation zu unterstellen.
Über Corona-Maßnahmen kann und muss man streiten, das Leiden und Sterben der Kinder in den KZ oder das unermessliche körperliche und seelische Leid der Opfer von heftigster sexualisierter Gewalt mit der Test-Situation in Schulen gleichzusetzen ist ungeheuerlich. Christliche Nächstenliebe bringt andere Geisteshaltungen und Handlungen hervor. Die Polizei hat sich bei der Veranstaltung vor dem Kreishaus unverständlicherweise zurückgehalten, obwohl mit den Vergleichen die Grenzen der freien Meinungsäußerung weit überschritten und Corona-Schutzmaßnahmen offensichtlich nicht eingehalten wurden.
Wer in der momentanen Situation die Toleranz des Staates und weiter Teile der Gesellschaft dermaßen strapaziert, stellt sich bewusst ins Abseits und setzt seine Kinder damit ganz anderen Gefahren der Stigmatisierung usw. aus. Anstatt mit einem angemessenen Verhalten und der Akzeptanz von besonderen Regelungen in besonderen Zeiten Verantwortung für die Solidargesellschaft zu übernehmen, damit Menschen geschützt werden und nicht noch mehr sterben müssen, fährt eine Minderheit Geschütze gegen unsere demokratischen Werte auf, die Kommentator Martin Hostert mit ungeheuerlich, anmaßend und dumm sehr treffend beschreibt.
Petra Schröder-Heidrich im Namen des Forum Offenes Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Solltet euch schämen
Zu dem Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht" möchte ich nur einen kurzen Leserbrief schreiben. Zu den Äußerungen der Protagonisten fällt mir nur ein: Ihr solltet euch schämen!
Brigitte van Ahee, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Dank für den Kommentar
Wir möchten uns ausdrücklich bei Herrn Hostert für seinen Kommentar zu der unfassbaren Aktion bedanken. Er hat dafür genau die richtigen Worte gefunden. Das grausige Ermorden von Kindern in Konzentrationslagern in Beziehung zu setzen mit der Verpflichtung zum simplen Corona-Schnelltest - solch ein Vergleich macht uns sprachlos!
Günther und Ursula Stukenbrok, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Wütend, fassungslos und traurig zugleich
Der Bericht über die Demo am Kreishaus macht mich auch Stunden später noch immer fassungslos. Eine Tageszeitung soll berichten, was geschieht. Da liegt es in der Natur der Sache, dass Zeitung lesen meistens nicht nur Vergnügen bereitet, da schlechte Nachrichten nun mal dazu gehören. Dass ich aber mal beim Lesen des Lokalteil völlig fassungslos bin, ist dann doch äußerst selten.
Auch wenn ich es anders sehe, ist es selbstverständlich völlig in Ordnung, gegen die Test-Pflicht an Schulen zu sein, zu demonstrieren und auch fragwürdige Aktionen zu machen. Wenn man die Test-Pflicht allerdings mit dem Holocaust vergleicht, dann ist das so unglaublich, dass es erstmal einige Zeit gedauert hat, um Worte zu finden, die dann auch gedruckt werden könnten. Was ist mit Menschen los, die solche Vergleiche ziehen? Ist es völlige Unwissenheit, Geschichtsblindheit, Dummheit? Will man sich selbst erhöhen, indem man sich auf eine Stufe stellt mit den Opfern des größten Verbrechens der Menschheit? Meint man Aufmerksamkeit zu erringen, was in meinem Fall ja geklappt hat? Vermutlich ist es eine Mischung aus allem.
Jeder kennt Berichte, wie es den Menschen in Auschwitz ergangen ist. Welch unermessliches Leid dort verübt wurde. Vor ein paar Jahren haben in Detmold Zeugen darüber berichtet. Auch davon, dass das Grauen sie nie wieder losgelassen hat. Millionen Tote. Und auch die Überlebenden haben immer weiter gelitten. Und da stellen sich hier Leute hin und meinen, ein Covid-19-Test ist ähnliches Leid? Was muss in den letzten Überlebenden oder auch den Angehörigen der Opfer vorgehen, wenn sie so eine kranke Weltsicht lesen müssen? Das macht mich wütend, fassungslos und traurig zugleich.
Niemals dürfen wir vergessen, was passiert ist. Wenn jetzt jeder, dem irgendwas nicht passt, sich sich mit den Holocaust.Opfern auf eine Stufe stellt, dann relativieren wir dieses singuläre Verbrechen an der Menschlichkeit und das darf auf gar keinen Fall passieren. Vielleicht muss ein Besuch einer Gedenkstätte tatsächlich verpflichtend werden. Ich denke, wer mal vor Ort gewesen ist, würde so einen unsäglichen Vergleich gar nicht erst in Erwägung ziehen. Es ist wichtig, dass eine Zeitung auch über sowas berichtet, damit jedem klar wird, wie groß und wie nah diese unglaubliche Verharmlosung schon ist.
Jens Herzog, Schlangen
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Demonstranten schicken ihre Kinder in den Ring
Die "Demonstration besorgter Eltern" vor dem Kreishaus stellt einen in mehrfacher Hinsicht inakzeptablen Affront gegen die Gemeinschaft und ihre Institutionen dar. Zunächst sind die irrealen Aussagen der Akteurinnen und Akteure zum aktuellen Infektionsgeschehen und der Vorwurf des "verantwortungslosen Handelns" in Bezug auf die Schul-Testungen auch ein Schlag ins Gesicht all jener Eltern, Lehrer und aller anderen Verantwortlichen, die sich mit entsprechendem Maßnahmenkanon nach Kräften - und oft über die eigenen Kräfte hinaus - bemühen, die Sicherheit und Gesundheit der Kinder und ihrer Kontaktpersonen (!) zu gewährleisten.
Man fragt sich nach den tatsächlichen Motiven dieser besorgten Mütter. Ein Mangel an Information kann es wahrlich nicht sein, da gerade in diesen Tagen die seriösen Nachrichtensender erneut mit robusten empirischen Daten über die dramatischen, proportional zur Restbevölkerung erhöhten Zahlen der Neuinfektionen von Kindern berichten und auf die Schulen als Brennpunkte der Virus-Ausbreitung (insbesondere der gefährlichen Varianten) hinweisen. Dennoch darf und muss der Sorge von Eltern in der demokratischen Auseinandersetzung Rechnung getragen werden - was allerdings auf sachlich fundierter Ebene stattzufinden hat und nicht etwa durch das Leugnen von Fakten, zum Beispiel der weltweit mehr als drei Millionen Toten und mehr als 140 Millionen an der Krankheit und deren Spätfolgen erkrankten Menschen.
Mit der Missachtung aller um die Eindämmung der Pandemie bemühten Menschen geht bei diesen Demonstranten die Missachtung des Sterbens und des Leidens all dieser Millionen von Menschen und ihrer Angehörigen einher. Aber damit nicht genug. Als Gipfel ihres Appells werden symbolisch und zusätzlich verbal konkretisiert Vergleiche der Schul-Testung mit Wattestäbchen mit den unsäglichen Leiden von Opfern der Nazi-Verbrechen und der sexuellen Gewaltverbrechen an Kindern gezogen.
Die Fassungslosigkeit paart sich hier mit der Vermutung, die elterliche Besorgnis könnte sich als Camouflage entpuppen. Denn haben wir nicht mehrfach in der jüngsten Vergangenheit von Eltern erfahren, die Kinder für ihre eigenen Beweggründe instrumentalisieren? Erinnern wir uns an jene niedliche kleine Göre, die im Zuge einer Großkundgebung als mutmaßliche Reinkarnation von Anne Frank sehr medienwirksam auf eine Bühne geschubst wurde.
Daneben aber zeigt sich der weitere Aspekt, dass hier nicht Bürger ihr Demonstrationsrecht ausüben, sondern in aller vermeintlichen Sorge um die Kinder ausgerechnet sie, die Schutzbedürftigen, in den Ring schicken, um genau das zu erreichen, was Landrat Dr. Axel Lehmann als Begründung für die Untätigkeit der Polizei anführt - dass nämlich aus Rücksicht auf die anwesenden Kinder hier nicht eingegriffen worden ist. Will heißen: Durch die Instrumentalisierung der Kinder wurden Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz und das Demonstrationsrecht sowie mutmaßlich weitere Rechtsbrüche geduldet.
Christina Hage, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Einfach unerträglich
Die Gleichsetzung der Test-Pflicht für Schülerinnen und Schüler mit dem Quälen und Töten von Kindern durch die Nationalsozialisten in Auschwitz zeugt entweder von bodenloser Unkenntnis der deutschen Geschichte oder einem unglaublichen Zynismus. Einen Vergleich herzustellen zwischen den monströsen und menschenverachtenden Verbrechen der Nazis und der Verpflichtung von Schülern zu Corona-Tests, um die Pandemie einzudämmen und andere Menschen zu schützen, ist einfach unglaublich und unerträglich.
Hier wird der Holocaust zur Durchsetzung fragwürdiger Eigeninteressen instrumentalisiert, das eigene Ego über alles gestellt. Dies ist im Wortsinne asozial.
Ursula Hahne-Eichhorn, Blomberg
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Gefährlich für uns alle
Das Leiden unserer Kinder an Masken und Corona-Tests soll vergleichbar sein mit dem der Gewaltopfer von Lügde oder gar mit dem der Kinder in den Konzentrationslagern der Nazis? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so etwas Absurdes ernstlich denkt.
Hier geht es eher um bewussten Tabubruch nach AfD-Manier. Und wenn dann die erwartbaren Reaktionen erfolgen, kann man sich wieder genüsslich als kleine, mutige Minderheit inszenieren, die im Gegensatz zur tumben Mehrheit die Wahrheit kennt. Oder wahlweise als Opfer eines totalitären Staats, der uns alle gleichschalten will.
Das gesellschaftsfeindliche Lügengebäude dieser "besorgten Eltern" ist viel gefährlicher als Masken und Stäbchen - nicht nur für die Kinder, sondern für uns alle.
Birgit Pötzsch, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Vergleich macht nur noch zornig
Fassungslos lese ich diesen Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht". Da weigern sich Eltern, dem Namen nach vermutlich fundamentalistische Christen, dass ihre Kinder Masken tragen sollen. Es handele sich ja nur um eine Grippe, oder auch möglicherweise um eine Staats-Verschwörung gegen das eigene Volk. Gerade diese Glaubensgemeinschaften haben in Lage schon so viel für die Corona-Verbreitung getan, und sie scheinen unbelehrbar. Vielleicht sollten die ansonsten stets bibeltreuen Christen sich mal an Paulus‘ Römerbrief orientieren, wonach jede Obrigkeit von Gott eingesetzt sei und man ihr zu gehorchen habe. Sonst klappt es doch auch mit der wortgetreuen Auslegung.
Der Vergleich mit Auschwitz und Lügde macht nur noch zornig. Da fehlen mir die Worte, und jeder Kommentar erübrigt sich eigentlich.
Zum Schluss die Krönung: Die Polizei sieht diese Masken-Verweigerer und schreitet nicht ein. Ich frage mich, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen unsere Ordnungskräfte schon so weit im Griff haben, dass sie sich alles erlauben können. Es kann doch nicht sein, das sich der Staat so vorführen lässt.
Lutz Lütkenhöner, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 21.04.2021:
Leserbriefe / Kriminelle Botschaften
Diese schlimme Aktion vor dem Kreishaus ist schwer zu ertragen, zumal diese Leute auch noch die eigenen Kinder und deren Kleidung für bizarre, gefährliche und letztlich kriminelle Botschaften funktionalisiert haben. Ein kleineres Foto in der Zeitung hätte vielleicht auch gereicht.
Bleibt zu hoffen, dass es neben der medialen Präsenz auch eine Transparenz in dem Sinne gibt, dass die Teilnehmer identifiziert wurden (wurden die Personalien festgestellt?) und wir in der Zeitung später dann auch von den rechtlichen Konsequenzen erfahren können.
Dr. Jörg Finkler, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 20.04.2021:
Ihre Meinung / Fast schon Verharmlosung des Holocaust
Zum Artikel "Eltern protestieren gegen die Test-Pflicht":
Sehr geehrte Frau Volz, es empört und erschreckt mich sehr, dass Sie das "Leiden" Ihrer und anderer Kinder mit denen der Kinder und Menschen in Auschwitz vergleichen. Wenn das Leiden Ihrer Kinder mit dem derer in Auschwitz vergleichbar wäre, dann wären Ihre Kinder allein aus nationalsozialistischen und rassenideologischen Gründen aus ihrem Zuhause gerissen, in überfüllte Zugwaggons gepfercht und in einer langen qualvollen Reise ohne ausreichende Nahrung und Wasserversorgung in den Osten deportiert worden. Als wäre das nicht genug, wären sie dann in qualvoller Angst von Aufsehern durch das Lager getrieben worden. Anschließend hätte man ihnen die Haare abrasiert, sie ihrer Kleidung und Habseligkeiten entledigt und mit einem Stück Seife in eine Großraumdusche getrieben. Je nachdem wie man das dann sehen möchte, hatten sie dann entweder die Hoffnung, Wasser oder aber tödliches Gas durch die Leitungen in den Raum geleitet zu bekommen. Im Falle von Wasser hätten sie sich dann in wochen- oder monatelanger Zwangsarbeit zu Tode knechten müssen.
Ich empfinde es daher als eine Frechheit und fast schon als Verharmlosung des Holocaust, zu behaupten, ihre Schuhe vor dem Kreishaus würden das "Leiden" Ihrer Kinder ebenso symbolisieren wie die Schuh-Haufen von Auschwitz das Leiden derer, die willkürlich und martialisch getötet wurden. Das unangenehme Gefühl eines einfachen Rachenabstrichs oder Spuck-Testes, was im Ernstfall das Leben anderer retten kann, ist wohl kaum mit dem zu vergleichen, was damals in Auschwitz an Grausamkeiten verübt wurde.
Ich kann und will daher nur hoffen, dass Sie sich unglücklich ausgedrückt haben und das nicht wirklich mit Auschwitz vergleichen wollten.
Ole Schäfer, Horn-Bad Meinberg
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Lippische Landes-Zeitung, 20.04.2021:
SPD: Einigkeit gegen Schuh-Aktion
Kreis Lippe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Polizei prüft, ob das Versammlungsrecht verletzt wurde, Bürger sind empört - der Protest einiger Eltern vor dem Kreishaus in Detmold gegen die Test-Pflicht an Schulen zieht einiges nach sich. Die SPD stellt sich vor Landrat Dr. Axel Lehmann und weist die Kritik der CDU-Kreistagsfraktion scharf zurück. Deren Vorsitzender Andreas Kasper hatte dem Landrat vorgeworfen, dass er den Eltern eine Bühne gegeben habe.
"Dieser Vorwurf ist ungeheuerlich und auch beschämend. Er macht uns fassungslos, weil er das Verhalten der Corona-Leugner relativiert. Es muss eine Einigkeit der demokratischen Parteien gegen diese Veranstaltung geben und nicht gegenseitige Vorwürfe", sagt Ellen Stock als Kreisvorsitzende der lippischen Sozialdemokraten.
Nach Informationen der SPD gab es auch in anderen Städten solche Aktionen von Eltern, die genau so inszeniert gewesen seien wie in Detmold. Ein "Besuch" des Landrates hätte nach Ansicht der SPD "der verabscheuungswürdigen Aktion noch mehr Aufmerksamkeit gegeben". Die Zurückweisung von Holocaust-Relativierung "fordere einen Konsens der Anständigen und eigne sich nicht für parteipolitische motivierte Oppositions-Angriffe", heißt es in einer Pressemitteilung der SPD.
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Radio Lippe, 19.04.2021:
Eltern-Protest vorm Kreishaus gegen Test-Pflicht wird wohl strafrechtliche Folgen haben
Für alle Schüler in Lippe, die ab heute (19. April) wieder in der Schule unterrichtet werden, gilt jetzt die Test-Pflicht. Wer sich nicht zwei Mal pro Woche testet, darf nicht zur Schule kommen. Die Pflicht hat in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder für Protest gesorgt.
Eine Aktion von rund 60 Eltern vorm Detmolder Kreishaus wird wahrscheinlich sogar strafrechtliche Folgen haben. Die Polizei prüft eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen vermuteter Volksverhetzung.
Eltern hatten teils ohne Masken mit symbolisch aufgestellten Kinderschuhen vorm Kreishaus demonstriert und so offenbar Holocaust-Symbolik für den Protest missbraucht. Auch erinnerte die Aktion mit den Kinderschuhen an die Mahnwachen für die Opfer der Missbrauchs-Serie von Lügde.
Die CDU-Kreistagsfraktion attackierte daraufhin SDP-Landrat Dr. Axel Lehmann. Er habe den Eltern eine Bühne gegeben, weil er das Wort nicht ergriffen habe. Die SPD wehrt sich: Auch in anderen Städte habe es solche inszenierten Aktionen gegeben, ein Auftreten des Landrats hätte nichts bewirkt.
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Lippische Landes-Zeitung, 17./18.04.2021:
Leserbriefe / Ohne jede Verhältnismäßigkeit und sehr gefährlich
Zum Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht":
Sie berichten, dass vor dem Kreishaus Schuhe, Teddybären und Kerzen abgelegt wurden. Ansprechpartner für diese Aktion gegen Masken und Test-Pflicht für Kinder habe es nicht gegeben. Unglaublich ist dieser Vergleich des Schicksals der Kinder, die in Schulen getestet werden sollen, mit denen der Kinder, die in Auschwitz sterben mussten oder in Lügde für ihr ganzes weiteres Leben beschädigt wurden. Unglaublich. Ohne jede Kenntnis historischer Ereignisse. Ohne jede Verhältnismäßigkeit und sehr gefährlich.
Gefährlich ist es aktuell, Kinder selbst nicht durch Tests zu schützen und ihre Umgebung dazu. Abstriche in Hals und Nase oder Spucke-Tests sind Kindern zuzumuten.
Der Kommentar von Martin Hostert war notwendig und spricht mir aus der Seele. Ich schreibe diesen Brief persönlich, aber auch im Namen der Lippischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die sich seit Jahrzehnten um Aufklärung des oftmals tödlichen Umgangs mit jüdischen Kindern hier vor Ort im Kreis Lippe und in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten bemüht.
Diese Protestaktion mit Schuh-Bergen macht erschreckend deutlich, wie wichtig diese Aufklärungsarbeit immer wieder ist. Kindern wurde planvoll und völlig grundlos vor den Augen ihrer Eltern in Kopf und Herz geschossen, man ließ sie verhungern oder machte lebensbedrohliche schmerzhafte Experimente mit ihnen. Diese Experimente wurden nicht mit Wattestäbchen durchgeführt und endeten für die meisten Kinder tödlich.
Hoffen wir, dass weiterhin viele Kinder in Deutschland sich gerne, bewusst und verantwortlich testen lassen. Hoffen wir, dass Menschen, die mit den Anti-Corona-Maßnahmen nicht zufrieden sind, nicht wieder zu solchen Aktionsformen greifen.
Micheline Prüter-Müller, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.
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Lippische Landes-Zeitung, 17./18.04.2021:
Leserbriefe / Über alle Maßen schockierend ist der Vergleich mit Auschwitz und Lügde
Zum Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht":
Wie kann es sein, dass Menschen, denen man einen gesunden Menschenverstand erst einmal nicht absprechen sollte, diese Aktion starten. Das ist eine unverantwortliche Geste und ein Schlag in das Gesicht aller Personen, die versuchen, die Pandemie in den Griff zu bekommen, gegenüber allen Ärzten und Pflegern, Krankenkassen und vor allen Dingen all denjenigen, die gerade auf der Intensivstation liegen, deren Angehörigen und allen Todesopfern.
Es kann doch nicht sein, dass Eltern, deren Wohl ihrer Kinder am Herzen liegen sollte, Maßnahmen ignorieren und somit wissentlich eine Verbreitung des Corona-Virus in Kauf nehmen.
Liebe Erziehungsberechtigte: Sollte sich eines eurer Kinder in der Schule mit dem Corona-Virus anstecken, seid Ihr doch die Ersten, die dann aufschreien und der Schule sowie Politik ein Fehlverhalten vorwerfen. Aber gut zu wissen, dass ihr ja bei Ansteckung dann keine "ärztliche Behandlung" benötigt, da es bei Corona ja reicht, es wie eine Grippe zu behandeln.
Die Krankenkassen sollten euch eine Bezahlung über Grippe-Mittel hinaus verweigern dürfen. Wer keine Maske tragen will, braucht dann ja wohl auch auf der Intensivstation keine.
Aber noch unfassbarer und über alle Maßen schockierend ist der Vergleich mit den Missbrauch-Opfern in Lügde sowie der Auschwitz-Opfer und dass unsere Kinder durch Masken-tragen und Test-Pflicht nicht so leiden sollten. Ich kann es nicht fassen.
Leiden! Definiert das mal. Es leiden die Kinder, die weltweit verhungern müssen, in Kriegsgebieten leben, verstümmelt, vergewaltigt, misshandelt werden. Stellt euch doch einmal vor: Ein Kind, dass ein Elternteil durch Corona verloren hat, Menschen, die seit eineinhalb Jahren Kurzarbeitergeld bekommen, Geschäftsinhabern, die Konkurs anmelden müssen.
Eigentlich soll man sich ja nicht fremdschämen, hier ist es aber mehr als angebracht.
Heidi Meier-Siedenburg , Bad Salzuflen
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Lippische Landes-Zeitung, 17./18.04.2021:
Leserbriefe / Es ist einfach so was von unglaublich
Zum Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht":
Einfach rührend, wie sich doch diese tollen Mütter um das Wohl ihrer Kinderchen sorgen. Das Wohl der Anderen ist ja nicht weiter relevant. Die Pandemie wohl auch nur ein Fliegenschiss in der Geschichte ...
Im Ernst: Zu ihrer Aktion in Detmold und vor allem zu ihren ungeheuerlichen Vergleichen fallen mir keine wirklich sagbaren Worte ein - es ist nur einfach so was von unglaublich und geschmacklos und unentschuldbar! Haben diese Frauen überhaupt die Spur einer Ahnung von den einzelnen Schicksalen hinter den Schuh-Bergen? Ich habe diese Berge in natura in Majdanek gesehen und nicht nur dort sehr viel vom mörderischen Tun der Nazi-Zeit erfahren. Darum kann ich dem Kommentar von Martin Hostert nur voll beipflichten!
Siegfried Franzen, Horn-Bad Meinberg
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Lippische Landes-Zeitung, 17./18.04.2021:
Leserbriefe / Verhöhnung der Opfer
Zum Artikel "Eltern protestieren gegen Test-Pflicht":
In dem Artikel wird Frau Volz aus Lage zitiert mit einem Vergleich der Leiden der Kinder bei der Corona-Testung mit dem Leiden der Missbrauchsopfer von Lüdge und dem Leiden der Kinder in dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Beim Lesen des Artikels wurde mir speiübel! Das ist eine unglaubliche Verhöhnung der Opfer. Ich kann Frau Volz nur raten, ein ehemaliges KZ zu besuchen. Ich hoffe, dass sie dann kleinlauter wird und ihre Formulierung überdenkt. Auch das Verhalten der Polizei, Demonstrierende ohne Maske gewähren zu lassen, macht mich sprachlos.
Ina Wintrath, Detmold
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Lippische Landes-Zeitung, 17./18.04.2021:
Schuh-Protest: Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Juristen prüfen Volksverhetzung, die Polizei geht gegen einen der Organisatoren vor / Politiker aller Parteien sind fassungslos über den Vergleich der Test-Pflicht mit den Leiden der Kinder im Holocaust
Martin Hostert, Kirsten Fuhrmann
Kreis Lippe. Der Protest von Eltern vor dem Kreishaus gegen die Test-Pflicht an Schulen wird voraussichtlich juristische Folgen haben. Die Staatsanwaltschaft geht dem Anfangsverdacht der Volksverhetzung nach, und die Polizei prüft strafrechtliche Folgen "wegen des Verdachts der Durchführung einer öffentlichen Versammlung"; sie ermittelt gegen einen der Organisatoren.
Wie berichtet, hatten sich Eltern über Soziale Netzwerke organisiert und am Donnerstagabend symbolisch Schuh-Paare aufgestellt. Die verpflichtenden Tests für Schulkinder haben sie durch die Schuh-Symbolik mit dem Leid der Holocaust-Opfer in Auschwitz und den jungen Opfern der Lügder Missbrauchsfälle wissentlich in Verbindung gebracht.
Die Redaktion erreichten Dutzende Mails, es gab Hunderte Reaktionen auf Facebook und auf LZ.de. So wurde auch die Frage gestellt, warum die Polizei die Versammlung der rund 60 Eltern und ihrer Kinder nicht aufgelöst habe, schließlich hatten die meisten keine Maske getragen. Die LZ bat Landrat Dr. Axel Lehmann als Chef der Polizei um Aufklärung. "Eine Auflösung der friedlichen Zusammenkunft durch die Beamten vor Ort wäre wohl im Angesicht der Kinder unverhältnismäßig gewesen", sagte er. Dies werde polizeiintern noch geprüft. Angemeldet sei die Aktion nicht gewesen. In der Sache zeigte Lehmann null Verständnis: Das Leid der Kinder in Auschwitz oder der Missbrauchsopfer von Lügde mit der Test-Pflicht zu vergleichen, sei völlig inakzeptabel. Und: "Ich fand es merkwürdig, dass Eltern, die vorgeben, für die Rechte ihrer Kinder demonstrieren zu wollen, dies ohne Maske tun."
Wer sich politisch äußern wolle, könne dies unter Einhaltung der Corona-Regeln. Dass die Teilnehmer überwiegend keine Maske getragen hatten, "bedeutet, dass sie das Thema instrumentalisiert haben und es um eine grundsätzlich Positionierung zum Thema Corona ging. Solche Aktion werfen uns im Kampf gegen Corona im Zweifel zurück." Am Donnerstag sei er nicht vor die Tür gegangen, um die Angelegenheit "nicht so hoch zu hängen".
Oberstaatsanwalt Ralf Vetter sagte der LZ, er er sei "ziemlich sicher", dass Strafanzeige gemäß Paragraf 130 des Strafgesetzbuches gestellt werde. Dort geht es um Volksverhetzung und es heißt: "Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung ( ... ) in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost."
Der Vergleich mache ihn fassungslos, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete und familienpolitische Sprecher seiner Fraktion, Dennis Maelzer aus Detmold. Er spricht "von einer Verharmlosung des Holocaust und einer Verhöhnung der Missbrauchsopfer von Lügde". Wer über die Test-Pflicht diskutieren wolle, müsse dies "in einer vernünftigen, sachlichen Art und Weise tun". Er werde sich im Landtag für kindgerechte Testverfahren einsetzen. "Man darf nicht ignorieren, dass Kinder Betroffene der Pandemie sind. Das betrifft durch die Corona-Mutation bereits die Kleinsten."
Die Kreistagsfraktionen von CDU, FDP und Freie Wähler / Aufbruch C sprechen "von einem absolut beschämender Tiefpunkt in der Pandemie-Bekämpfung des Kreises". Wer mit dem Anhäufen von Kinderschuhen bewusst versuche, eine auch nur annähernde Vergleichbarkeit der Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen mit dem sexuellen Missbrauch an Kindern oder dem Holocaust zu suggerieren, der missbrauche selbst diese Verbrechen und "instrumentalisiert darüber hinaus seine eigenen Kinder in unglaublicher Weise", schreibt Andreas Kasper (CDU). Er wirft Lehmann vor, den Demonstranten "durch Schweigen und Untätigkeit direkt vor dem Kreishaus eine Bühne bereitet zu haben". Er hätte sowohl als Chef der Kreispolizei wie auch als Landrat das Wort ergreifen müssen. Diesen Vorwurf nannte Lehmann "hanebüchen", von den vor Ort getätigten Äußerungen hätte er ja vorher gar nichts wissen können.
Horst-Dieter Mellies, Beauftragter für Weltanschauungsfragen in der Lippischen Landeskirche, findet ebenfalls klare Worte für den Holocaust-Vergleich. "Das Schicksal der Kinder im KZ mit einem Abstrich im Nasenflügel zu vergleichen ist ungeheuerlich. Da bleibt mir die Spucke weg", sagt er. Die Eltern rückten ihre Kinder bloß in eine Opferrolle, um ihren eigenen Protest zu rechtfertigen.
Sie erreichen die Autoren per Mail an mhostert@lz.de oder kfuhrmann@lz.de.
Diskussion
Die Schuh-Demo wird auf LZ.de intensiv diskutiert. Ein kleiner Auszug:
"Es ist beschämend, dass Kinder von Eltern instrumentalisiert werden."
"Unsere Kinder haben ihr Leben vor sich und werden lange unter den Folgen der Maßnahmen leiden."
"Wer mit solchen Vergleichen kommt, macht sich mehr als lächerlich."
"Die Kinder werden mehr unter den Folgen von Corona leiden als an den Folgen der Schutzmaßnahmen."
"Die LZ sollte sich mal mit den Angehörigen unterhalten, ob die angeblich an Corona verstorbenen wirklich an Corona verstorben sind."
"Diese Gruppen sind definitiv nicht solidarisch."
Bildunterschrift: Dutzende Schuh-Paare haben Eltern vor dem Kreishaus aufgestellt - Mitarbeiter des Kreises haben sie gestern beiseite geräumt.
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Lippische Landes-Zeitung, 17./18.04.2021:
Kreis Lippe: Proteste gegen Test-Pflicht erbosen die Politik
Kreis Lippe. Der Protest von Eltern gegen die Test-Pflicht an Schulen wird voraussichtlich juristische Nachspiele haben. Staatsanwaltschaft und Polizei prüfen strafrechtliche Folgen. Der Landrat und die Parteien sind erbost über Aussagen der Demonstranten.
Seite 13
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Lippische Landes-Zeitung, 16.04.2021:
Kommentar / Ein ungeheuerlicher Vergleich
Martin Hostert
Es läuft nicht alles glatt in dem Bemühen, der Geißel Corona Herr zu werden. Schule auf, Schule zu, Laden auf, Laden zu, Kirche auf, Kirche zu, diese hiermit impfen, jene damit. Aber keine Regierung, kein Landkreis musste je Entscheidungen diesen Ausmaßes treffen. Es kann nicht alles glatt laufen, Wachsamkeit ist richtig. Und eine Test- oder eine Masken-Pflicht kann man kritisieren, dafür gibt es Gründe. Diese Maßnahmen aber mit dem Massenmord in Auschwitz oder den Verbrechen an Kindern auf dem Lügder Campingplatz auf eine Stufe zu stellen, ist anmaßend, ungeheuerlich und dumm. Ein Schlag ins Gesicht der Opfer des Holocaust und von sexueller Gewalt. Und noch etwas: Entscheidend bei aller Diskussion ist die Zahl, die Sie täglich unten links auf dieser Seite sehen: Heute steht dort 355 - 355 Tote hat Corona allein in Lippe gefordert. Wer da die Sorge der Kinder vor Stigmatisierung nach einem Positiv-Test oder vor eventuellen Verletzungen beim Test als wichtiger erachtet als den Schutz vor Infektionen, der sollte mit den Angehörigen dieser 355 Menschen, mit Ärzten und Pflegern sprechen.
mhostert@lz.de
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Lippische Landes-Zeitung, 16.04.2021:
Eltern protestieren gegen Test-Pflicht
Vor dem Kreishaus in Detmold versammeln sich Kritiker der Schutzmaßnahmen und stellen symbolisch Schuh-Paare auf
Kreis Lippe (mah). Mehrere Dutzend Eltern haben gestern Abend gemeinsam mit ihren Kindern gegen die Test-Pflicht an Schulen und andere Corona-Schutzmaßnahmen demonstriert. Vor dem Kreishaus in Detmold stellten sie "symbolisch für die Leiden unserer Kinder" Schuh-Paare, Teddys und Luftballons auf den Boden.
Dass auch Angehörige der Missbrauchsopfer im Fall Lügde mit dieser Symbolik auf das Leiden ihrer Kinder aufmerksam gemacht hatten, sei ihnen sehr wohl bewusst, sagten einige der Mütter. "Und auch im Konzentrationslager Auschwitz gab es diese Schuh-Berge. Unsere Kinder sollen nicht leiden wie die Kinder dort oder in Lügde", sagte die vierfache Mutter Irina Volz, die aus Lage zum Kreishaus gekommen war. Sie werde ihre Kinder kommende Woche zu Hause lassen, sie testen zu lassen sei verantwortungslos.
Es war eine Kommen und Gehen, die zweistündige Aktion verlief ruhig. Obgleich ein Mund-Nasen-Schutz nur sehr selten zu sehen war, ließ die Polizei die Demonstranten gewähren. Und diese diskutierten eifrig - es ging um die Ablehnung einer Test-Pflicht ("wenn, dann auch für Arbeitnehmer") über die Aussage, es handele sich bei Corona ja nur um eine Art Grippe bis zur Gewissheit, die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben würden wissentlich und vorsätzlich verschwörerisch von den Regierungen in aller Welt heruntergefahren. Stefanie Völler aus Detmold kritisierte: "Die Tests haben keine hundertprozentige Aussage. Abstand halten ist okay, Masken und Tests lehne ich ab. Ich finde die Aktion hier gut."
Andere wussten zu berichten, dass ihre Masken tragenden Kinder angeblich in der Schule nicht an die frische Luft gedurft hätten und deswegen ohnmächtig geworden seien. Anstecker gegen Impfungen waren allerorten zu sehen. Ein Organisator oder eine Organisatorin war nicht ausfindig zu machen. Die Eltern hatten sich über verschiedene Instagram- und WhatsApp-Gruppen zu der Aktion verabredet.
Kommentar
Bildunterschrift: Anuschka Meyer aus Detmold glaubt zu wissen: "Es gibt keine Infektionsgefahr für Kinder."
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Am 15. April 2021 wurde am Kreishaus in Detmold die "Aktion Kinderschuhe" - die die Morde an jüdischen Kindern - symbolisch, mit der durch Corona bedingten Beschränkung für Kinder gleichsetzt - durchgeführt.
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www.hiergeblieben.de
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