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Nachrichten , 07.05.2021 :

Tages-Chronologie von Freitag, 7. Mai 2021

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Pressespiegel überregional


Spiegel Online, 07.05.2021:
Islamfeindliche Bewegung / Sächsischer Verfassungsschutz stuft Pegida als extremistisch ein

MiGAZIN, 07.05.2021:
Studie / Verschwörungsmythen befeuern Geschichtsrevisionismus

Neue Westfälische, 07.05.2021:
"Querdenken" unter Beobachtung / Der Verfassungsschutz in NRW reagiert - etwa 20 Gruppen sind im Fokus

Blick nach Rechts, 07.05.2021:
Rechter Psychoterror: Ex-Funktionär der Jungen Alternative verurteilt

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Freitag, 7. Mai 2021


Am 18. Mai 2021 berät der Rat der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag (Sitzungsvorlage 127/2021) der Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger vom 19. April 2021 zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße".

Am 5. Mai 2021 stimmte der Verkehrsausschuss der Stadt Bünde, dem Antrag der Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, Die Linke (vom 12. April 2021), zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" zu.

Am 27. April 2021 luden die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD und Die Linke im Rat der Stadt Bünde zur Diskussion mit Barbara Frey, Ottmar Holtz, zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" ein.

Am 19. April 2021 legte die Bürgermeisterin der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" (Sitzungen: Verkehrsausschuss am 5. - sowie des Rat am 18. Mai 2021) vor.

Am 12. April 2021 forderten die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD sowie Die Linke (im Rat der Stadt Bünde) in einem - gemeinsamen - Antrag die Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" in Bünde.

Am 7. Mai 1961 wurde in Oerlinghausen mit einem zwiespältigen Medienecho das Germanengehöft II, als einziges nicht-römisches archäologische Freilichtmuseum zwischen der Nordsee und Schwarzwald, eröffnet.

Am 2. April 1945 befreiten amerikanische Soldaten die im "Stammlager 326 (VI K) Senne" Überlebenden, etwa 8.500 Gefangenen, bis dahin hatten insgesamt 307.679 Rotarmisten das Stalag Senne durchlaufen.

Am 7. Mai 2021 musste der Mindener "Autokorso für die Freiheit - Gemeinsam gegen den Lockdown!" des "AfD"-"Kreisverbandes Minden-Lübbecke"- frühzeitig von Anmelder Sebastian Landwehr aufgelöst werden.

Am 7. Mai 2021 fand, beworben von "Junge Alternative Bielefeld" und Mahnwachen-Veranstalterin Claudia Elbrach binnen der Telegram-Gruppe "Veteranen-Pool", ein "Spaziergang" von "Bielefeld steht auf!" statt.

Am 7. Mai 2021 sprach das Amtsgericht Lemgo drei Angeklagte vom Vorwurf der "Sachbeschädigung", am ehemaligen Tagungslokal in Detmold der "AfD", frei - ein Verfahren, gegen ein vierten, wurde abgetrennt.

Am 6. Mai 2021 fand in Lemgo eine Demonstration (Motto: "Gegen staatliche Repression - Solidarität mit den Angeklagten in Lemgo!") mit über 100 Teilnehmenden statt, der Prozessbeginn war am 7. Mai 2021.

Am 26. August 2020 fanden - durch den Polizeilichen Staatsschutz OWL sowie Staatsanwaltschaft Detmold - Hausdurchsuchungen in Lemgo bei vier Personen - darunter drei Mitglieder der Partei "Die Linke" - statt.

Für den 19. Mai 2021 um 17.30 und 18.00 Uhr bewerben die Corona-Leugnenden, von "Lippe für Freiheit, Frieden und menschliches Miteinander", - "Meditation und Spaziergang" - auf dem Marktplatz in Detmold.

Für den 10. Mai 2021 um 17.30 und 18.00 Uhr bewerben die Corona-Leugnenden, von "Lippe für Freiheit, Frieden und menschliches Miteinander", - "Meditation und Spaziergang" - auf dem Marktplatz in Detmold.

Für den 11. Mai 2021 ist eine weitere Versammlung, der extrem rechten Pandemie-Leugnenden von "Wir für SHS", die "Reichsbürger" eingeschlossen, vor dem Rathaus in Schloß Holte-Stukenbrock angekündigt.

Am 4. Mai 2021 schrieb das Ordnungsamt der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock - bei der Versammlung der extrem rechten Pandemie-Leugnenden von "Wir für SHS" - sechs Anzeigen, wegen Masken-Verweigerung.


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www.blumen-fuer-stukenbrock.eu

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 07.05.2021:
Lettow-Vorbeck kommt weg

Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 07.05.2021:
Lokales: Abschied von Lettow-Vorbeck

Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 07.05.2021:
Kurze "Gnadenfrist" für den Reichswehr-General

Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 07.05.2021:
Straße wird wohl umbenannt

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Lettow-Vorbeck soll weg

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Die Wiedereröffnung des "Germanengehöfts"

Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 07.05.2021:
Oerlinghausen / Leopoldshöhe: 60 Jahre Freilichtmuseum

Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 07.05.2021:
Gedenken an das Kriegsende

Mindener Tageblatt Online, 07.05.2021:
Nach mehreren Verkehrsverstößen: AfD-Autokorso durch Minden aufgelöst - überraschender Gegenprotest

Lippische Landes-Zeitung Online, 07.05.2021:
Zu viele Widersprüche in Zeugenaussagen: Freispruch für Lemgoer Linksaktivisten

Radio Lippe, 07.05.2021:
"Die Linke"-Mitglieder sollen AfD-Veranstaltungsgebäude in Detmold beschmiert haben

Lippische Landes-Zeitung, 07.05.2021:
Solidarität mit den Angeklagten

Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 07.05.2021:
Zwischenruf / Nicht duldbar

Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 07.05.2021:
Strafen für Masken-Verweigerer

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Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 07.05.2021:

Lettow-Vorbeck kommt weg

Der Verkehrsausschuss hat sich knapp dafür ausgesprochen, den General aus dem Straßenverzeichnis zu verbannen / Doch jetzt geht für den Stadtrat die eigentliche Arbeit erst los

Gerald Dunkel

Bünde. Eigentlich sollen politische Sitzungen in der Pandemie möglichst kurz gehalten werden, aber bei 23 Tagesordnungspunkten mit mindestens drei komplexeren Themen, von denen zwei schon in der Vergangenheit zu stundenlangen Diskussionen geführt hatten, war schon zu Beginn zu erwarten, dass 90 Minuten für den Verkehrsausschuss nicht reichen werden. Da nützte es auch nichts, dass der Vorsitzende, Uwe Mausch (Grüne), darum bat, besonders beim Thema "Lettow-Vorbeck" lange bekannte ideologische Ansichten der Fraktionen außen vor zu lassen.

"Ein rassistisches Überlegenheitsgefühl"

Ganz geklappt hat das zwar nicht, aber nach zweieinhalb Stunden Sitzung stand am Mittwochabend fest: Die Straße wird ihren Namen verlieren.

Nachdem vor drei Jahren eine Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße nach einem Antrag der Grünen und Unterstützung der SPD auf Grund der damaligen Mehrheitsverhältnisse in Ausschüssen und Rat nicht funktioniert hat, ist man nun in einem stimmenmäßig stärkeren Dreier-Bündnis mit der neuen Fraktion der Linken durchgekommen - knapp mit 9 : 8 Stimmen im Verkehrsausschuss. Für den entsprechenden Antrag zur Umbenennung haben die drei Fraktionen im April den Antrag auf den Weg gebracht und luden zu einem Info-Abend per Video-Konferenz ein, bei der auch schon erste Ideen für einen neuen Namen der Straße anklangen. Doch die Namensfindung kommt erst noch auf die Stadt Bünde zu.

Es ging in der Ausschusssitzung noch einmal um Wertvorstellungen von heute und damals und die Frage, ob der General Paul von Lettow-Vorbeck nur aus heutiger Sicht ein Verbrecher war. Auch Kaiser Wilhelm oder Hermann (Arminius) der Cherusker ließen schließlich Tausende Menschen töten.

Paul von Lettow-Vorbeck war "am Völkermord an dem Volk der Herero und am Kapp-Putsch gegen die demokratische Reichsregierung maßgeblich beteiligt", schrieben die Antragsteller. Grünen-Fraktionschefin Stefanie Janßen-Rickmann bezeichnete ihn als "Wegbereiter des Nationalsozialismus", der "auf Grund eines rassistischen Überlegenheitsgefühls Raub und Terror nach Afrika brachte". So jemand verdiene es nicht, Namensgeber einer Straße zu sein.

"Auch unter damaligen Wertvorstellungen hat Lettow-Vorbeck Verbrechen begangen, indem er mit unglaublicher Brutalität einen Völkermord begangen hat", sagte Wolfgang Pohl (SPD) im Verkehrsausschuss. Deshalb sehe er die Lettow-Vorbeck-Straße ganz anders belastet, als zum Beispiel eine Kaiser-Wilhelm-Straße, über die man aber auch diskutieren könne. Für Friedrich Heitkamp (CDU) war das Ansinnen der Antragsteller „zu unausgegoren“.

"Auch unter damaligen Wertvorstellungen war er ein Verbrecher"

Man könne nicht beschließen, eine Straße umzubenennen, wenn man noch keinen neuen Namen dafür habe. Für Sven Schäffer (FDP) "gehört die Lettow-Vorbeck-Straße einfach zu Bünde".

Christian Kowalewsky (Grüne) entgegnete Heitkamp, dass der Beschluss, die Straße umzubenennen, sehr wohl mit dem Umstand vereinbar sei, dass es noch keine Festlegung auf einen neuen Namen gibt. Der Verkehrsausschuss kann autark eine Umbenennung beschließen. Für die Vergabe eines neuen Namens ist dann der Stadtrat zuständig.

Die Standpunkte der Fraktionen und ihrer Mitglieder waren hinlänglich aus vergangenen Diskussionen bekannt. Kai Unzicker (SPD) erklärte abschließend, dass es mit ideologischem Blick auf die Namensgeber absolut einen Unterschied mache, ob eine Straße nach Kaiser Wilhelm oder nach Paul von Lettow-Vorbeck benannt ist.

Einen Namen finden, der besser zu Bünde passt

"Die historische Figur Lettow-Vorbeck unterscheidet sich von Kaiser Wilhelm oder auch von Bismarck dadurch, dass sie heute allein durch ihr verbrecherisches Wirken im Ersten Weltkrieg bekannt ist. Lettow-Vorbeck war in der Nazi-Zeit ein Held, weil er in Afrika eben Menschen abgeschlachtet hat, weil er ein Reaktionär war. Es gibt heute keinen Grund, über Lettow-Vorbeck zu sprechen, außer dass er Verbrechen begangen hat. Er hat kein Kaiserreich gegründet und war auch kein Kaiser, sondern er war einfach nur ein General, der Verbrechen begangen hat."

Mit knapper Mehrheit entschied der Verkehrsausschuss schließlich, dass Paul von Lettow-Vorbeck über kurz oder lang aus dem Straßenverzeichnis der Stadt Bünde verschwindet. Dann, so Kai Unzicker, sei die Zeit, einen Namen zu finden, der besser zu Bünde passe.

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Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 07.05.2021:

Lokales: Abschied von Lettow-Vorbeck

Die Mitglieder des Verkehrsausschusses haben sich knapp dafür ausgesprochen, den General aus dem Bünder Straßenverzeichnis zu verbannen. Jetzt soll ein Name gefunden werden, der besser zu Bünde passt. Die Bürger sollen sich an der Namensfindung beteiligen. Die eigentliche Arbeit geht daher jetzt erst richtig los.

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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 07.05.2021:

Kurze "Gnadenfrist" für den Reichswehr-General

Ausschuss stimmt für Straßenumbenennung - Rat hat am 18. Mai das letzte Wort

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Die Tage, in denen der umstrittene Reichswehr-General Paul von Lettow-Vorbeck (1870 - 1964) Namenspate einer Bünder Straße ist, scheinen gezählt zu sein. Mit denkbar knapper Mehrheit hat sich der Verkehrsausschuss für eine Umbenennung des Straßenzugs ausgesprochen. Allerdings ist die Entscheidung noch nicht endgültig: Lettow-Vorbeck bekommt noch eine knapp zweiwöchige "Gnadenfrist".

Es ist 21.24 Uhr am Mittwochabend, als das Votum des Fachgremiums feststeht. Neun Ausschussmitglieder (SPD, Grüne, Linke) stimmen für eine Umwidmung der Lettow-Vorbeck-Straße, acht Lokalpolitiker (CDU, FDP, UWG, AfD) sprechen sich dagegen aus. Eigentlich wäre das Thema damit endgültig abgeschlossen gewesen. Denn der Verkehrsausschuss hat durchaus die Kompetenz, allein über Straßenbe- und umbenennungen zu beschließen. Doch auf Grund der schon seit Jahren schwelenden politischen Debatte um die Personalie Lettow-Vorbeck, der maßgeblich an der brutalen Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) beteiligt war, wird das Stadtparlament in seiner Sitzung am 18. Mai eine endgültige Entscheidung treffen. "Wegen der Brisanz des Themas soll der Rat abschließend darüber beraten", sagt Volker Dix, Leiter des Bauverwaltungsamts.

Gleich zu Sitzungsbeginn um 19 Uhr schlägt Heinz- Georg Beneke (CDU) vor, den Tagesordnungspunkt zur Umbenennung auf die nächste Zusammenkunft des Verkehrsausschusses am 17. Juni zu verschieben - aus Corona-Gründen. Denn die Agenda des Gremiums am Mittwochabend ist pickepackevoll und die von SPD, Grünen und Linken beantragte Straßenumbenennung soll erst gegen Ende der Sitzung behandelt werden. Und Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger hatte zudem angeregt, politische Zusammenkünfte vor dem Hintergrund der immer noch angespannten Pandemie-Lage kurz zu halten. "Wir können gerne diskutieren, aber ich sehe in der Sache keine Eilbedürftigkeit", kommentiert Beneke, der eine ausufernde Debatte um die Lettow-Vorbeck-Straße befürchtet.

Dem treten die Antragsteller entgegen: "Ich glaube, wir kriegen das auch mit einer kurzen Diskussion hin. Unsere Argumente sind klar und der Sachverhalt ist relativ überschaubar", sagt SPD-Ratsherr Kai Unzicker. Und Christian Kowalewsky (Grüne) ergänzt: "Das Thema brennt den Bürgern unter den Nägeln, daher sollten wir kurz dazu beraten."

Zwei Stunden später ist es schließlich soweit. Knapp 20 Minuten tauschen Gegner und Befürworter der Umbenennung ihre Argumente aus. "Ein Militarist und nachgewiesener Verbrecher gegen die Menschlichkeit darf kein Namensgeber für eine Straße in Bünde mehr sein", kommentiert Christian Kowalewsky.

Von Eckhard Meier (UWG) kommt der Einwand, dass es in der Elsestadt viele belastete Straßennamen gebe: etwa Kaiser-Wilhelm-Straße oder Sedanstraße. Warum solle man also ausgerechnet mit der Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße anfangen? "Kaiser Wilhelm war einer der größten Mörder, die es gab", gibt Meier zu Bedenken und rät, erst die dem Monarchen gewidmete Straße neu zu benennen.

SPD-Mann Kai Unzicker führt daraufhin einen gravierenden Unterschied des Reichswehr-Generals zu Kaiser Wilhelm an: "Lettow-Vorbeck ist nur deshalb bekannt, weil er Verbrechen begangen und in Afrika hauptsächlich Menschen geschlachtet hat. Und weil er eine Werbefigur für den Kolonialismus war. Wollen wir, dass so ein Name zu Bünde gehört?"

Heinz-Georg Beneke stellt für die CDU klar: "Wir sympathisieren nicht mit Lettow-Vorbeck aber damit, dass man sich mit Geschichte auseinandersetzt." Und das sei durch die Infotafeln geschehen, die im Nachklapp des letzten – in 2018 gescheiterten – Umbenennungsantrags unter den Schildern der Lettow-Vorbeck-Straße angebracht wurden. Birgit Kruthoff (CDU) spricht noch die Kosten an, die auf die Anlieger der Straße, an der auch das Bünder Finanzamt liegt, im Zuge einer Umwidmung zukommen.

Letztlich setzen sich aber die Antragsteller durch. Da SPD, Grüne und Linke auch im Stadtrat eine Stimmenmehrheit besitzen, dürfte das Gremium dem Beschlussvorschlag des Verkehrsausschusses wohl folgen - und Lettow-Vorbecks "Gnadenfrist" läuft dann endgültig ab.

Suche nach neuem Namen

Die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße ist (fast) in trockenen Tüchern. Doch wie soll die Straße dann heißen? SPD, Grüne und Linke wollen für die Namensfindung einen öffentlichen, politischen Diskurs anbieten, an dem sich alle Bünder beteiligen können. An die Geschichte der Straße und Lettow-Vorbecks historische Rolle soll künftig eine Plakette erinnern, die in der Nähe des Elsedamms angebracht wird.

Haben Sie, liebe Leser, eine Idee, wie die Lettow-Vorbeck-Straße heißen könnte? Gerne können Sie uns Ihre Vorschläge per Mail senden an:  

buende@westfalen-blatt.de

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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 07.05.2021:

Straße wird wohl umbenannt

Bünde. Ganz offiziell ist es noch nicht, aber schon bald dürfte der umstrittene Reichswehr-General Paul von Lettow-Vorbeck wohl nicht mehr Namenspate einer Bünder Straße sein. Der Verkehrsausschuss votierte jetzt mehrheitlich für eine Umwidmung. Der Stadtrat hat in knapp zwei Wochen das letzte Wort in der Sache.

Lokales Bünde

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Westfalen-Blatt, 07.05.2021:

Lettow-Vorbeck soll weg

Bünde (WB/sal). Bünde (Kreis Herford) ist eine der letzten Städte in Deutschland, in denen noch eine Straße nach dem umstrittenen Reichswehr-General Paul von Lettow-Vorbeck (1870 - 1964) benannt ist - aber wohl nicht mehr lange. Mit knapper Mehrheit hat der Verkehrsausschuss der 47.000-Einwohner-Kommune jetzt für eine Umbenennung plädiert. SPD, Grüne und Linke hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Das letzte Wort hat in knapp zwei Wochen zwar der Stadtrat, allerdings haben die drei Parteien dort die Stimmenmehrheit. Wie die Straße künftig heißen soll, ist noch völlig unklar. Vorschläge sollen in einem öffentlichen Diskurs erarbeitet werden.

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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 07.05.2021:

Die Wiedereröffnung des "Germanengehöfts"

Heute vor 60 Jahren eröffnete das zu diesem Zeitpunkt einzige nicht-römische archäologische Freilichtmuseum zwischen Nordsee und Schwarzwald

Karl Banghard

Oerlinghausen. Am 7. Mai 1961 startete in Oerlinghausen ein Projekt, das in der Wirtschaftswunderzeit ohne Vergleich war: die Inbetriebnahme einer vorgeschichtlichen Freilichtanlage. Es war eine Eröffnung mit durchaus zwiespältigem, aber auch einem breiten und internationalen Medienecho. Zu diesem Zeitpunkt war es das einzige nicht-römische archäologische Freilichtmuseum zwischen Nordsee und Schwarzwald.

Finanziert wurde der Aufbau ausschließlich durch private Spenden und Bürgschaften. Die vorzustreckenden Baukosten betrugen mehr als 50.000 DM, nach dem damaligen Geldwert eine nicht unerhebliche Summe. Ein vergleichbar hohes privates, auf viele Schultern verteiltes kulturelles Engagement in einer Kleinstadt hatte und hat einen hohen Seltenheitswert. Auch heutige Crowdfunding-Projekte kamen bislang bei archäologischen Freilichtanlagen nicht an solche Dimensionen heran. Hauptgrund dafür ist, dass eine Bildungsstätte für alle in der Regel weniger Spenden zieht als ein elitäres Kulturprojekt.

Aus dem Stand auf Platz 3

Die Besucherzahlen waren im ersten Geschäftsjahr überwältigend: Es konnten beinahe 60.000 Eintrittskarten verkauft werden. Als touristische Destination rückte das "Germanengehöft" damit aus dem Stand unmittelbar hinter das Hermannsdenkmal und die Externsteine. 1936 hatte man schon einmal auf dem Barkhauser Berg ein Germanengehöft errichtet. Es fand im Januar 1946 ein prosaisches Ende. Damals verkaufte die Stadt Oerlinghausen die Gebäude für 252 Reichsmark auf Abbruch. Das Strohdach ging an einen Pferdeschlachter als Einstreu, die wertvollen Balken und Türen an eine Schreinerei.

Schon in diesem Jahr plante der Museumsgründer Hermann Diekmann ein neues Germanengehöft. Sein Konzept zur Inneneinrichtung von 1946 zeigt eine atemberaubende Kontinuität. Die Einrichtungsskizzen spiegelten bis ins kleinste Detail die Präsentation der NS-Zeit. Ab Januar 1952 plante Diekmann den Neuaufbau mit Hans Reinerth, dem Direktor des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen. Vor 1945 hatte Reinerth den "Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte" des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg geleitet, unter dessen wissenschaftlicher und weltanschaulicher Betreuung das Germanengehöft stand.

Die fünf neuen Häuser entsprachen exakt den Ausbauplänen der Anlage von 1938. Damals sollte hier das zentrale Archäologie-Museum für den NS-Gau Westfalen Nord etabliert werden. Auch die Nachkriegs-Besucher strömten durch ein Haupthaus, durch kleine Stallungen, durch eine Schmiede, durch eine Töpferei und schließlich durch ein Nebengebäude. Später wurde die Vermittlung durch eine Lautsprecheranlage gesteuert. Ein Backofen und Bienenstände nach eisenzeitlichen Vorbildern ergänzten das Ensemble.

Im Vergleich zu den anderen Kultureinrichtungen gab man sich betont jung, modisch und niedrigschwellig. Diese Linie hatte man nicht immer im Griff, Peinlichkeiten wie die Beschränkung auf blonde, blauäugige, jungfräuliche und jugendliche Besucherführerinnen führten immer wieder zu kritischen Medienberichten. So sahen Zeitungen wie etwa die New York Times oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung nicht ganz zu Unrecht eine Renaissance des völkischen Germanenbildes. Die Süddeutsche Zeitung hingegen nahm es ironisch und widmete der Sache ein Streiflicht.

Der Vorstand des neu gegründeten Trägervereins distanzierte sich deutlich von der völkischen Geschichtsforschung. Unterlaufen wurde dies durch zahlreiche kleine Grenzüberschreitungen der extremen Rechten, die 1961 in Westdeutschland etwas mehr in die Offensive gingen. In ihren Medien wurde die Wiedereröffnung gefeiert, zahlreiche Organisationen und Funktionsträger aus dem Spektrum besuchten die Anlage. Die Anknüpfung wurde durch viele Details erleichtert: So stammte beispielsweise der Briefkopf von Wilhelm Petersen, dem prominentesten NS-Germanenmaler.

1974 komplett abgebrannt

Im Februar 1974 brannten die Häuser komplett ab. Davon konnte sich der Betrieb im Verlauf der 1970er Jahre nicht substantiell erholen. Unkenrufe, dass der Brand nun endlich das Ende des Germanengehöfts bedeuten würde, gab es zuhauf. Einige der deutschen Leitmedien sagten ein endgültiges Ende voraus, etwa die Zeit vom 21. Mai 1976. Diese Prognosen bewahrheiteten sich jedoch nicht. Denn 1979 begann mit Unterstützung von Stadt und Landesverband Lippe ein fulminanter Neustart mit einem für die Bundesrepublik neuartigen prähistorischen Freilichtmuseums-Konzept.

Die neuen Geldgeber bestanden auf einer konsequenten Hinwendung zur modernen Siedlungsarchäologie. Man nannte die Anlage nun nicht mehr Germanengehöft, sondern Archäologisches Freilichtmuseum. Es entstand der große Rundgang, der heute noch im Wesentlichen Bestand hat. Zusammen mit dem Berliner Museumsdorf Düppel hat Oerlinghausen das Thema lebendige Archäologie in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte wieder salonfähig gemacht. Diese Pionierleistung hat einen Durchbruch markiert - im Fach konnte wieder über vorgeschichtliche Freilichtanlagen nachgedacht werden.

Bildunterschrift: Aus der Vogelperspektive: So sah die neu gebaute Freilichtanlage aus.

Bildunterschrift: Bereits am 29. Mai 1963 konnte der 100.000ste Besucher begrüßt werden. Es war der kleine Wolfgang Teuber aus Senne II.

Bildunterschrift: Im Sommer 1961 gab man sich modisch, telegen und niedrigschwellig.

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Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt, 07.05.2021:

Oerlinghausen / Leopoldshöhe: 60 Jahre Freilichtmuseum

Oerlinghausen. Am 7. Mai 1961 startete in Oerlinghausen ein Projekt, das in der Wirtschaftswunderzeit ohne Vergleich war: die Inbetriebnahme einer vorgeschichtlichen Freilichtanlage. Es war eine Eröffnung mit durchaus zwiespältigem, aber auch einem breiten und internationalen Medienecho.

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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 07.05.2021:

Gedenken an das Kriegsende

Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" erinnert an die Opfer

Schloß Holte-Stukenbrock (nw). Der friedenspolitische Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" ruft anlässlich des Gedenktages zum Ende des Zweiten Weltkriegs am Samstag, 8. Mai, zum Erinnern an die Opfer auf. Mehr als 50 Millionen Menschen hätten in diesem Krieg und durch den Terror des NS-Regimes ihr Leben verloren, sagt der Vorsitzende Hubert Kniesburges. Darunter seien sechs Millionen Juden sowie 27 Millionen Frauen und Männer aus der Sowjetunion. Zu diesen Toten zählten auch die im Kriegsgefangenenlager "Stalag 326" in Stukenbrock zu Tode gequälten (nach Schätzungen bis zu 65.000) sowjetischen Kriegsgefangenen sowie die dort ums Leben gekommenen Gefangenen aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien.

Der Verein fordert eine Normalisierung des Verhältnisses Deutschlands zu Russland. Dazu seien besonders die Regierungen beider Länder aufgefordert. 80 Jahre nach dem völkerrechtswidrigen Überfall der deutschen Wehrmacht auf die damalige Sowjetunion werde erneut das alte Feindbild Russland belebt. Mit Sanktionen werde versucht, Russland zu erpressen. Deutsche Soldaten übten mit Soldaten anderer NATO- Staaten an den Grenzen Russlands den Krieg, lässt der Arbeitskreis wissen.

"Blumen für Stukenbrock" begrüßt, dass künftig eine geplante Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung in Stukenbrock die Verbrechen der Wehrmacht verdeutlichen und das Leiden der Gefangenen für die Besucher erlebbar machen soll. Auch die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus werde gewürdigt. Der Bundestag fördert das Projekt mit rund 25 Millionen Euro, das Land Nordrhein-Westfalen soll die verbleibenden Investitionskosten beisteuern.

Das Kriegsgefangenenlager "Stalag 326" wurde am Ostermontag, 2. April 1945, durch die US-Armee befreit, der 8. Mai 1945 gilt als das Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" pflegt seit rund 50 Jahren das Andenken an die auf dem Soldatenfriedhof begrabenen Opfer der NS-Diktatur.

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Mindener Tageblatt Online, 07.05.2021:

Nach mehreren Verkehrsverstößen: AfD-Autokorso durch Minden aufgelöst - überraschender Gegenprotest

07.05.2021 - 20.13 Uhr

Thomas Lieske, Patrick Schwemling, Fabian Terwey

Minden. "Gemeinsam gegen den Lockdown! Gemeinsam für die Freiheit!" Unter diesem Motto protestierte der AfD-Kreisverband Minden-Lübbecke am Freitagabend mit einem Autokorso quer durch Minden gegen die Corona-Auflagen. Dabei kam es zu einem überraschenden Gegenprotest.

Rund zehn Minuten, bevor sich die mehr als 60 Fahrzeuge große Kolonne um 18 Uhr vom Simeonsplatz aus aufmachte, positionierten sich laut Polizeiangaben 14 Personen auf der Gegenseite der Portastraße und entrollten ein etwa großes Banner mit der Aufschrift "Ganz Minden hasst die AfD!" Diese nicht angemeldete Aktion wurde von vielen Fahrzeugen und deren Insassen, die nicht an der Demo teilnahmen, mit einem Hupen und Klatschen honoriert. Die Polizei stellte die Personalien der Gegendemonstranten fest und wird laut Einsatzleiter Thomas Brakemann nun weitere Schritte gegen diese einleiten.

Davon unbeeindruckt machte sich der Autokorso dann pünktlich auf den Weg durch Minden. Bereits am Startpunkt hatte es an der Portastraße einige Beinahe-Unfälle gegeben. "Am Ende ist alles jedoch ohne Unfall über die Bühne gegangen", erklärte Brakemann.

Über die Portastraße fuhr der von der Polizei eskortierte Zug über Rodenbeck und Bärenkämpen, ehe die Versammlung noch vor der Rückkehr an den Startort am der Kreuzung Ringstraße / Hahler Straße aufgelöst werden musste. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Autokorso noch etwa 20 der zunächst rund 65 gestarteten Fahrzeuge.

"Ich habe Angst, dass einige von euch den Führerschein verlieren", sagte AfD-Kreisvorsitzender Sebastian Landwehr per Megafon, ehe er zusammen mit dem AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Röckemann die Teilnehmer über die Auflösung des Autokorsos informierte. Grund dafür sei laut Landwehr ein "Zwischenfall am Ende des Autokorsos" gewesen.

Diesen Vorfall konkretisierte Brakemann auf MT-Anfrage: "Einige Teilnehmer, die nicht mehr im Verbund fuhren und somit nicht mehr Teil der Versammlung waren, sind über rote Ampeln gefahren. Wir mussten deswegen mehrere Anzeigen anfertigen." Der Zug habe sich jedoch sehr lange zusammengehalten, ehe er in Bärenkämpen auseinanderbrach und letztlich auf der Ringstraße sein Ende fand.

Zuvor hatten etliche Autos innerhalb des Zuges laut gehupt. Dass dies zu unterlassen sei, hatte der Polizei-Einsatzleiter dem Organisator Landwehr im Vorfeld mitgeteilt. Die Polizei war zunächst mit acht Fahrzeugen am Simeonsplatz. Zudem hatten Kräfte die neuralgischen Punkte, wie etwa an der Birne, gesichert.

Bildunterschrift: 14 Unbekannte positionierten sich mit einem Anti-AfD-Banner auf der Gegenseite des Korsos.

Bildunterschrift: Der Autokorso musste am Ende auf der Ringstraße von Sebastian Landwehr aufgelöst werden.

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Lippische Landes-Zeitung Online, 07.05.2021:

Zu viele Widersprüche in Zeugenaussagen: Freispruch für Lemgoer Linksaktivisten

07.05.2021 - 20.32 Uhr

Janet König

Detmold / Lemgo. Ein Hakenkreuz, das von einer Faust zerschlagen wird. Darunter der Schriftzug: "Gib Rassismus keine Chance". Diese Graffiti-Schmiererei sollen Aktivisten der Lemgoer Linksjugend im September 2016 an ein ehemaliges AfD-Tagungslokal in Detmold gesprüht haben. Der Fall kam Jahre später auf den Tisch, weil ein ehemaliges Mitglied dieser linken Szene im November 2019 aus Frust über eine Anzeige wegen mutmaßlicher Pöbeleien vor dem Parteibüro der Linken vier Linksaktivisten und sich selbst belastet hatte. Erst daraufhin hatte die Polizei die Ermittlungen aufgenommen.

Doch vor dem Amtsgericht verstrickt sich der Hauptbelastungszeuge am Freitag in zu viele Widersprüche. Richter Uwe Kaboth teilt daher am Ende die Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht, wonach der vom Zeugen beschriebene Vorwurf im Kern trotz aller Unstimmigkeiten wahr sein müsse. Das Gericht spricht drei Angeklagte frei. Das vierte Verfahren wird abgetrennt, da der Angeklagte im Rollstuhl sitze und aus Sorge vor einer Covid-Ansteckung nicht hatte kommen wollen.

Es fehlt die Glaubwürdigkeit

"Es mag sein, dass der Zeuge Sie zu Recht belastet hat, das weiß ich nicht. Aber das reicht nicht", begründet der Richter sein Urteil. "Die Widersprüche sind derart auffällig - und gerade hier kommt es auf Glaubwürdigkeit an." Denn die Aussage des 30-Jährigen sei neben weniger Indizien das Einzige, was die schweigenden Männer auf der Anklagebank belaste.

Aus deren Augen blitzt so etwas wie Erleichterung über die Masken hinweg. Nur der jüngste Beschuldigte (20) soll wegen unerlaubten Waffenbesitzes 250 Euro zahlen. Die Polizei hatte bei der Durchsuchung seines Jugendzimmers im Sommer 2020 einen Schlagring gefunden.

In Saal 102 scheint die Sachbeschädigung am Ende nur eine Nebenrolle zu spielen; die Verteidigung hält das gesamte Verfahren für eine Farce und spricht von "nicht fairen" Ermittlungsmethoden. "Eines der angeblichen Autos, mit dem die Gruppe zum Tatort gefahren sein soll, war schon ein Jahr zuvor abgemeldet worden", sagt Verteidiger Sebastian Nickel. Diese Diskrepanz in der Aussage des Hauptbelastungszeugen hätten die Ermittler nicht einmal hinterfragt.

Persönliche Retourkutsche

Richter Kaboth kann diese Tatsache nicht ignorieren, lehnt es aber ab, die Durchsuchungen als unzulässig zu betrachten. "Das wurde mehrfach geprüft, hatte Hand und Fuß." Etwas anders sieht das Verteidiger Umut Polat. "Obwohl es keinen Schaden gegeben hat, wurden gleich vier Wohnungen durchsucht. Das ist nicht verhältnismäßig." Die AfD hatte die Schmierereien nach eigenen Angaben in einer dreistündigen Aktion selbst beseitigt.

Der 30-jährige Zeuge, der ja selbst bei der Tat dabei gewesen sein soll, gehört seit zweieinhalb Jahren einer umstrittenen Rocker-Gruppe an, die laut Polat über Facebook Stimmung gegen Flüchtlinge macht. "Wissen Sie, in welchen Kreisen Sie verkehren?", fragt Polat den Zeugen. "Ja, aber wir befinden uns auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit", erwidert der.

Während die Verteidiger hinter den Anschuldigungen ein klares politisches Motiv vermuten, schätzt Oberstaatsanwaltschaft Ralf Vetter diese eher als persönliche Retourkutsche ein. Obwohl der Zeuge die Rollen der Beteiligten nun anders gewichtet habe, blieben die Kerndetails gleich. "Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Vorfall so zugetragen hat", sagt Vetter. Zwei Fotos vom beschmierten Objekt, die aus der Fotokladde eines Angeklagten stammen, würden zumindest eine weitere Verbindung zur Tat herstellen. Dem Gericht reicht das nicht.

Bildunterschrift: Der Richter zweifelte die Zeugenaussagen an.

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Radio Lippe, 07.05.2021:

"Die Linke"-Mitglieder sollen AfD-Veranstaltungsgebäude in Detmold beschmiert haben

In Lemgo stehen heute (7. Mai) mehrere Mitglieder der Partei "Die Linke" vor Gericht. Sie sollen vor fast fünf Jahren auf einer Protestkundgebung ein AfD-Veranstaltungsgebäude beschmiert haben. Die Graffitis am Detmolder Plantageneck sorgten damals für eine große Diskussion in Lippe, ob man denn der AfD überhaupt ein Gebäude zur Verfügung stellen solle.

Der OWL-Linken-Bundestagsabgeordnete Friedrich Straetmanns echauffiert sich vor allem über die Beweisführung in diesem Fall:

"Ich kritisiere aufs Schärfste, dass sich der Staatsschutz und die Staatsanwaltschaft Detmold nur auf die Aussage einer Person stützen, die in der rechtsextremen "Identitären Bewegung" und in der rechten Rocker-Szene aktiv ist", schreibt Straetmanns in einer Pressemitteilung.

Im Sommer vergangenen Jahres gab es in dieser Sache Hausdurchsuchungen in vier Lemgoer Wohnungen. Ihm sei schleierhaft, worauf die Behörden ihre Durchsuchungen nach vier Jahren stützten, schreibt Straetmanns noch.

Die Aussagen einer offenkundig rechtsradikalen Person reichten nicht für Hausdurchsuchungen und schon mal gar nicht für einen Prozess.

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Lippische Landes-Zeitung, 07.05.2021:

Solidarität mit den Angeklagten

100 Menschen demonstrieren gegen einen Prozess wegen Sachbeschädigung

Lemgo (jk). Der Prozess gegen vier Aktivisten der Lemgoer Linksjugend, die im Jahr 2016 das damalige Tagungslokal der AfD in Detmold beschmiert haben sollen, hat noch nicht einmal begonnen, schon regt sich öffentlicher Widerstand gegen die Ermittlungsarbeit. Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der linken Szene haben am Vorabend der Verhandlung bei einem Protestzug durch der Innenstadt demonstriert. Sie waren dem Aufruf des Kreis- sowie Landesverbandes der Linken gefolgt und zeigten gestern ihre Solidarität mit den Angeklagten.

Mit Parolen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" und "Alles zusammen gegen Faschismus" zogen sie Fahnen schwenkend und von der Polizei begleitet vom Bahnhof aus durch die Innenstadt und machten Halt an der Polizeiwache sowie vor dem Amtsgericht. Mit dabei war auch einer der Angeklagten, der sich vor dem heutigen Prozess nicht äußern wollte, von der großen Anteilnahme in Form des Protestzuges aber nach eigenen Worten überwältigt gewesen sei.

"Es ist schön, dass so viele gekommen sind. Das zeigt, dass wir uns nicht unterkriegen lassen", sagte auch Organisator und Linke-Stadtratsmitglied Frank Redelberger. Die Demonstranten werfen Polizei und Staatsanwaltschaft vor, ihre Ermittlungen ausschließlich auf eine Zeugenaussage aus dem rechtsradikalen Bereich gestützt zu haben und nach unverhältnismäßigen Durchsuchungen keine Beweise in den Händen zu haben. Die Justiz sei auf dem rechten Auge blind, lautet der wiederholte Vorwurf der Organisatoren.

Oberstaatsanwalt Ralf Vetter sieht es auf Anfrage gelassen. "Die Justitia ist auf beiden Augen blind, egal ob rechts oder links, und so muss es sein", sagt Vetter. Die Demonstranten hätten das Recht, ihre Meinung frei zu äußern. Unabhängig von dem Fall empfinde er es nur als schwierig, die Justiz durch Öffentlichkeit unter Druck setzen zu wollen. Schließlich müssten alleine die objektiven Beweise zählen. Bei einer Durchsuchung waren laut Vetter eine Fotokladde mit einem Bild des beschmierten Objektes gefunden worden.

Bildunterschrift: Der Protestzug zieht durch Lemgo.

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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 07.05.2021:

Zwischenruf / Nicht duldbar

Sigurd Gringel

Die Strafe für die Masken-Verweigerer ist richtig - und längst überfällig. Kritik an Corona-Schutzmaßnahmen ist berechtigt, ein Verharmlosen des Virus und Verhöhnen von Staat und Gesellschaft aber nicht duldbar.

Die Gesellschaft ist Corona-müde, jeder wünscht sich eine Art Normalität zurück. Während der Großteil der Menschen aber weiß, dass dies nur durch Schutz- und Vorsorgemaßnahmen zu erreichen ist, laufen zwei Dutzend Corona-Leugner aus SHS und Umgebung mit Tamtam durch die Stadt und verkünden ihre auf Falschinformationen basierte Gedankenwelt frei heraus. Vordergründig geht es ihnen um Kinderschutz und Grundrechte, tatsächlich verhöhnen sie Staat und Gesellschaft, indem sie alle Schutzmaßnahmen ablehnen und das auch noch öffentlich zur Schau stellen.

shs@nw.de

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Neue Westfälische - Tageblatt für Schloß Holte-Stukenbrock, 07.05.2021:

Strafen für Masken-Verweigerer

Schloß Holte-Stukenbrock (gri). Dienstags ziehen Mitglieder der Gruppe "Wir für SHS", weitere Corona-Leugner aus der Umgebung und Personen aus der Reichsbürger-Szene durch Schloß Holte, um gegen die Maßnahmen zum Schutz vor der Corona-Ausbreitung zu demonstrieren. Am liebsten ohne Masken. Das ist erlaubt, solange an der Demonstration weniger als 25 Personen teilnehmen. Wird die Teilnehmerzahl überschritten, gilt die Masken-Pflicht.

Am Dienstagabend hat das Ordnungsamt die angemeldete Versammlung kontrolliert. Weil mehr als 25 Demonstranten anwesend waren und einige das Tragen einer Maske verweigerten, hat das Ordnungsamt sechs Anzeigen geschrieben. Fünf Personen stammen aus SHS, eine aus Bielefeld. Für sie werden jeweils 50 Euro Strafe fällig. Die Teilnehmer hatten dem Ordnungsamt weismachen wollen, dass es sich bei den überzähligen Personen um eine spontane Versammlung handele, die zufällig am selben Ort zur selben Zeit stattfinde. Eine Teilnehmerin hatte einen Befreiungsattest vorgelegt, allerdings in Kopie und mit geschwärzten personenbezogenen Daten. Kann sie das Original nicht nachträglich vorlegen, muss auch sie zahlen.

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