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Neue Westfälische - Bad Oeynhausener Kurier ,
05.05.2021 :
Kollegen distanzieren sich von Zahnarzt
Mediziner kritisiert Corona-Schutzmaßnahmen und wähnt Deutschland als "faschistisch"
Lea Oetjen
Kreis Minden-Lübbecke. Die Liste ist lang - und wird immer länger. Eine Vielzahl von Zahnärztinnen und Zahnärzten aus dem Mindener Land distanziert sich mit Nachdruck von einem ihrer Kollegen. Der Mann war zuletzt immer wieder mit verschwörungserzählerischen Äußerungen zur Corona-Pandemie auf seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Seite aufgefallen. Die Redaktion hatte über seine Aussagen berichtet und ihn nach seiner Motivation gefragt. Im Beitrag sagte er: "Besondere Wertschätzung, Solidarität und Loyalität erfahre ich vor allem von meinen zahnärztlichen Kollegen." Es ist eine Aussage, die mehr als ein Dutzend verschiedener Zahnärzte der Region so nicht stehen lassen will. Anders als vom MT getitelt, sei es keine Gratwanderung, auf die sich der Mindener begeben habe - "es ist vielmehr ein Tanz auf der Rasierklinge", findet ein anderer Zahnarzt aus Minden.
Auf Grund einer Corona-Infektion habe er selbst eine Zeit im Krankenhaus behandelt werden müssen. "Ich empfinde es als unerträglich, in welcher Weise es diesem Kollegen seit Monaten gelingt, seine abstrusen Theorien ohne Gegenwehr zu verbreiten", betont er. Es sei sehr befremdlich, dass "der anonyme Kollege es sich erlaubt, von Wertschätzung, Loyalität und Solidarität seitens der Zahnärzteschaft zu sprechen. Diese Aussage ist nicht nur aus der Luft gegriffen, sie ist eine bodenlose Unverschämtheit", stellt der Mann klar, der nicht genannt werden möchte (Name ist der Redaktion bekannt). Er ist Mitglied im Verein zur Sicherung der Zahnärztlichen Versorgung (VSZV) Minden.
Auch dessen Vorsitzender findet deutliche Worte: "Ich kann und will mich auch gar nicht mit solchen Aussagen in irgendeiner Art solidarisieren", betont Dennis Becker. Seiner Meinung nach sei es nicht in Ordnung, "so einem Menschen eine solche Plattform zu geben". Er würde zwar respektieren, dass jeder seine eigene Meinung hat, "aber meine Kollegen und ich distanzieren uns klar davon. Da solidarisiert sich wirklich niemand von uns mit."
Die verschwörungsideologischen und querdenkerischen Aussagen des Kollegen würden einer ganzen Berufsgruppe immens schaden. "Dabei gibt es kaum einen Beruf, der momentan näher dran ist. Wir kämpfen jeden Tag an vorderster Front", betont Becker. Es sei nach den schwierigen vergangenen Monaten einfach nur frustrierend, die Sätze des Kollegen lesen zu müssen. "Nein, das geht so einfach nicht in Ordnung. Aber das Problem ist, dass es überhaupt keinen Zweck hat, mit diesen Querdenkern zu diskutieren. Da kommt man ja nie auf einen gemeinsamen Nenner", ist sich Becker sicher.
Akzeptieren oder gar tolerieren will er das Verhalten des Kollegen dennoch nicht. "Es ist ja schön und gut, dass der Herr keine Corona-Fälle mit schwerem Verlauf in der Familie oder im Bekanntenkreis gehabt hat. Aber es gibt inzwischen genug Menschen, die da ganz andere Geschichten erleben mussten." Die ohnehin schon hohen Hygiene-Standards in den Praxen seien noch einmal spürbar hochgeschraubt worden. "Wir mussten uns alle umorganisieren. Wir halten Abstand, tragen Maske. Und das machen wir gerne, um unsere Patienten, aber auch unser Personal zu schützen."
Um sich öffentlich von den Verschwörungserzählungen des Kollegen zu distanzieren, haben zahlreiche Zahnärzte eine gemeinsame Stellungnahme verfasst. Darin heißt es unter anderem: Der Kollege sei ihres Wissens nach "von keiner Kollegin und keinem Kollegen im Kreis unterstützt worden“ (was der betreffende Zahnarzt allerdings genau genommen auch nicht behauptet hatte, da er allgemein von "zahnärztlichen Kollegen" gesprochen hatte, ohne deren Wohnort näher zu benennen). Somit sei die Aussage, er erfahre besondere Wertschätzung und Solidarität aus den eigenen Reihen "diffamierend und falsch". "Humor und Satire ist an dieser Stelle angesichts auch in unserem Kreis an Corona sterbender Menschen bedauerlich, ja fast unerträglich." Die so empfundene Behauptung, dass sich Zahnärzte der Region mit Verschwörungstheorien und Corona-Leugnern solidarisieren, weisen die Zahnärzte zurück.
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Mindener Tageblatt, 01./02.05.2021:
Auf Gratwanderung
Ein Mindener Zahnarzt stellt die Schutzmaßnahmen in der Pandemie öffentlich in Frage / Bei der Behandlung seiner Patienten muss er sich jedoch an die anerkannten Richtlinien halten
Stefan Koch
Minden. Während Intensivmediziner und Pflegepersonal bis an den Rand der Belastungsgrenze Schichten schieben, um das Leben von Corona-Patienten zu retten, gibt es Ärzte, die die Beurteilung der Pandemie durch die Bundesregierung und ihre wissenschaftlichen Berater öffentlich in Zweifel ziehen. Auch in Minden. Das ist den Kritikern in Weiß durch die Meinungsfreiheit in gewissem Maß gestattet. Deren Kammern sehen aber Strafen vor, wenn sie von den anerkannten Hygiene- und Behandlungsrichtlinien abweichen.
In Minden hat sich ein Zahnarzt schon vor Monaten auf seiner Facebook-Seite auf eine solche Gratwanderung begeben. Dort wird an der Schließung öffentlicher Einrichtungen gezweifelt, weil ja trotzdem die Infektionszahlen steigen. Das Masken tragen wird als Folter bezeichnet und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird als gelerntem Bankkaufmann die Kompetenz für sein Amt abgesprochen. Zudem wird Verschwörungstheoretisches gepostet und für die Allesdichtmachen-Kampagne deutscher Schauspieler gabt es jede Menge Beifall.
Ob da Patienten Angst haben müssen, demnächst mit einer SARS-CoV-2-Infektion den Behandlungsstuhl dieses Mediziners zu verlassen? "Auch in meiner Zahnarztpraxis werden die Corona-Schutzverordnungen nicht nur umfassend umgesetzt, sondern sogar durch erweiterte Schutzmaßnahmen übererfüllt", versicherte der Zahnarzt auf MT-Anfrage am 26. April. "Bis zum heutigen Tag gab es somit weder bei meinen Mitarbeitern noch meinen Patienten ein wie auch immer geartetes Covid-19-Infektionsgeschehen."
Der Zahnarzt erklärt, dass diese "Vorbildlichkeit" seiner Praxis zuletzt am 23. Februar 2021 im Zuge einer routinemäßigen Überprüfung der Zahnärztekammer erneut bestätigt worden sei. "Unabhängig davon wird natürlich auch auf meiner Facebook-Seite die weltweit und wissenschaftlich sehr kritisch diskutierte Frage nach einer tatsächlichen Schutzfunktion von FFP2-Masken mit ihrer hohen Durchlässigkeit von Aerosolen sehr lebhaft diskutiert", sagt der Mediziner. Räumt aber ein, dass sich auf seiner Facebook-Seite gleichermaßen Humor, Satire, Zynismus, medizinische Recherche, ein Austausch unterschiedlicher oder konträrer Meinungen sowie die vielfältigsten Dokumentationen zu vielen Themen fänden. "Besondere Wertschätzung, Solidarität und Loyalität erfahre ich vor allem von meinen zahnärztlichen Kollegen, die den ungezwungenen Austausch unterschiedlichster Sichtweisen sehr schätzen."
Solidarität bewies der Mindener auch schon mit rund 300 Ärzten und Therapeuten, die sich im November vergangenen Jahres unter dem Titel "Ärzte stehen auf" in einem offenen Brief an das Bundeskanzleramt wandten. Beklagt wird darin eine einseitige Berichterstattung der Medien, die auf das Zelebrieren einer "Angstmache" hinauslaufe. Die Pandemie wurde mit einer Grippewelle verglichen und die von Populisten genutzte Vokabel der "Notstandsgesetze" wurde ebenfalls bemüht. Und natürlich wurde auch der Sinn eines Mund-Nasen-Schutzes in Zweifel gezogen. Eine weitere Unterzeichnerin des Schreibens - eine Internistin aus Oelsnitz - hatte sich laut MDR-Recherchen nach einem öffentlichen Auftritt eine Anzeige ihrer Landesärztekammer eingehandelt, da sie die Maske mit dem Judenstern verglich.
Ärztekammer prüfte unzulässiges Verhalten einiger Mitglieder
Wenngleich es gegen den Mindener keine Beanstandungen gab, musste sich die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe mit einem anderen Kollegen auseinandersetzen, der in Verdacht stand, in berufsschädigender Weise agiert zu haben. In dem Fall war zu klären, ob seine öffentliche Aussage eine Corona-Leugnung darstellte - was sich dann aber nicht erhärtete.
Im vergangenen Jahr hatte sich auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe mit dem unzulässigen Verhalten einiger Mitglieder auseinanderzusetzen. Dabei ging es unter anderem um die Ausstellung fragwürdiger Atteste zur Befreiung von der Masken-Pflicht, was in einem Fall zu staatsanwaltlichen Ermittlungen geführt hatte. Auch ein Institut für Lebensberatung war dabei ins Zwielicht geraten, das sich in einer ehemaligen Mindener Arztpraxis niedergelassen hatte. Nachdem die Kammer intervenierte, hörte der Spuk auf. Wie damals die Kammer gegenüber dem MT mitteilte, machen sich Ärzte strafbar, wenn sie zum Nichtbeachten der Corona-Schutzverordnung aufrufen. Patienten dürfen nämlich nicht auf Grund der persönlichen Weltanschauung eines Arztes Schaden erleiden, was auch dann schon geschehen könnte, wenn Mediziner anerkannte Hygiene- und Schutzmaßnahmen ablehnten.
Auch die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe folgt dieser Linie. "Die Hygiene-Standards in Zahnarztpraxen sind sehr hoch", teilt auf MT-Anfrage Christina Conradi, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederkommunikation, mit. "Es wurde schon vor der Corona-Pandemie mit Schutzausrüstung auf Klinik-Niveau gearbeitet." So würden zum Beispiel nach jeder Behandlung alle Oberflächen sorgfältig desinfiziert, alle Instrumente sterilisiert und für jeden Patienten frisch aufgelegt. Die Abstandsregeln würden eingehalten und die Patienten einzeln einbestellt sowie räumlich getrennt. "Deshalb ist es unseres Wissens nach bislang zu keiner Covid 19-Infektion eines Patienten im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung gekommen."
Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882165 und Stefan.Koch@MT.de.
Bildunterschrift: Hygiene spielte in Zahnarztpraxen schon vor der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle. Laut Zahnärztekammer ist es bei einer zahnärztlichen Behandlung bisher nicht zu Corona-Infektionen gekommen.
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Am 1. Mai 2021 berichtete das "Mindener Tageblatt" über einen in Minden praktizierenden Zahnarzt - der auf seiner "Facebook"-Seite zum Beispiel "Masken als Folter", Deutschland als "faschistisch" bezeichnete.
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